m 1909 — Nr. 205 ■ WW^WW SS^feÄ Rheinlandstöchter. Roman von Clara Vie big. (Fortsetzung.) 'Nachdruck verboten.) „Gehen Sie nicht, gehen Sie nicht so von mir!" Es stürzte ihm über die Lippen ivie ein lang, zurückgedrängter Quell. „Tag und Nacht peinigt mich der Gedanke au Sie! Was habe ich Ihnen angetan, ich erbärmlich Verblendeter! Mußten Ihre schönsten Jugendjahre darüber hingehen, bis ich, feiger Egoist, einsehen lernte, was Sie sind, was Sie immer waren! Unendlich mehr wert als alles andere?! Nelda!" Die Erregung schüttelte ihn. „Es geht ein Hauch von Ihnen aus, der hat mich durchs:'l -'n bis ins Innerste. Ich war klein, ich war feig, ich r — es ist mir von den Augen gefallen, nach und nach, immer mehr. Ich werde ein anderer, möchte ein anderer sein! Aber ich kann ja nicht! Nelda, sehen Sie mich doch an, geben Sie mir doch die Hand, verzeihen Sie mir" — die Stimme wankte ihm — „es liegt wie ein Alp auf mir, ich bin in ewiger Schuld, ich habe Sie unglücklich gemacht!" Sie richtete sich hoch auf, langsam kehrte die Farbe in ihre Wangen zurück. „Sie irren sich, Herr von Rainer! Sie hüben mich nicht unglücklich gemacht. Es hat eine Zeit gegeben, da glaubte ich nicht leben zu können, die ist längst, längst vorbei!" Sie winkte wie nach etwas in weiter Ferne "Entschwundenem. „Ich bin nicht glücklich, das wäre zu viel gesagt; aber ich bin frei, ganz frei, mein Herz ist ruhig. O nein, Sie haben mich nicht unglücklich gemacht!" Er sah sie an wie entgeistert: das hatte er doch nicht erwartet! War das Wahrheit? Frei begegnete ihm ihr Blick, ruhig ging ihr Atem. Nein, das war nicht-Lüge! „O Nelda, so haben Sie gar kein — kein — ich — ich — kein Interesse mehr für mich — wo ist Ihre Liebe — kein Funken mehr?!" In seinem Herzen fiel etwas zusammen, eine grenzenlose Enttäuschung packte ihn. Es war klar, sie hatte kein Gefühl mehr für ihn; nichts, gar nichts zu hoffen! Er stöhnte. Jetzt trat sie näher an ihn heran, ihre Stimme klang weicher? „Es tut mir sehr leid, wenn Sie sich quälen, Ich wünschte, daß es Ihnen gut ginge! Der Tod Ihrer Mutter hat mich! tief berührt." Sie machte eine Pause, eine glühende Blutwelle schoß ihr in die Stirn. „Wenn Sie's denn wissen wollen, ich habe Sie so lieb gehabt, ivie inan nur einmal int Leben jemand lieb haben kann — kindisch, unbedacht, aber selbstlos, grenzenlos! — nun ist alles vorbei! Gott sei Dank!" Sie atmete wie erleichtert. „Ich bin stolz geworden, ich kann nur den lieben, den ich — achte!" Er fuhr zurück. „Und nun —," sie hielt ihm die Hand hin — „ohne Groll, ja? Adieu." Er nahm ihre Hand nicht. Kurz nickend tvandte sie sich zum Gehen mit starken rüstigen Schritten. Er folgts ihr. Er faßte ihr Kleid, und dann packte er ihr Handgelenk und hielt es fest, daß eS schmerzte. Alles Blut war ihm aus dem Gesicht gewichen, seine Lippen zitterten, aber energisch preßten sie sich aufeinander, „Achten —?! Sie sollen mich achten, Sie müssen mich achten!" Die Ader auf der Stirn schwoll ihm, seine Augen blitzten. „Hab' ich darum gekämpft all' die Jahre, hab' ich darum mich enolich durchgerungeu zu einem Entschluß? Sie sollen nicht sagen: „Es ist alles vorbei, Gott sei Dankt" Ich fühle die Verächtlichkeit in Ihrem Ton. Sie können nur lieben, wen Sie achten — Sie werden mich achten!" Sie starrte ihn an mit großen Augen, erstaunt und verwirrt. Er preßte ihre Hand: sie nlachte keine Miene, ihm diese zu entziehen, sie stand wie gebannt am selben Fleck, „Sie wundern sich," fuhr er gemäßigter fort. „Verzeihen Sie, ich war heftig! Ich hatte vergessen, daß Sie noch keinen Grund haben, mich zu achtetr. Aber zeigen Sie mir wenigstens den guten Willen, gehen Sie nicht gleichgültig von mir! Was ich geworden bin, bin ich durch Sie geworden. Nelda," — unwillkürlich senkte er die Stimme — „als ich Sie verloren hatte durch meine eigene Schuld, da wurde ich erst inne, was ich besessen hatte! Immer mehr und mehr kam's mir. Wenn ich allein und diister aus meiner Stube brütete, damt kamen Sie leise zur Tür herein und setzten sich mir gegenüber und sahen mich an mit Ihren klaren Augen — und ich fing an, mich zu schämen. Und -dann, wenn ich mich Nächte lang ohne Schlaf wälzte, dann traten Sie zu mir und legten mir die Hand auf die Stirn, Vs tat wohl und doch weh — ich fing an zu bereuen. Sie sind immer neben mir hergegangen all die Zeit, ich wußte es oft selbst nicht, aber plötzlich ivaren Sie da. Sie sahen auf alles, was ich tat, meine Gedanken drehten sich nur um einen .Punkt, um die Er- innerrmg an. Sie. Ich wußte nicht, Wie es werden sollte, ich hatte keine Hoffnung mehr!" Er hielt inne und sah sie forschend an. . , m Sie hatte die Augen ntedergefchlagen, kerne Regung war auf ihrem Gesicht, nur die Wimpern zuckten. Langsam schritten sie weiter; er hielt noch immer ihre Hand, nun gab er sie sanft frei. „Dann kam der Tod meiner Mutter," — Nelda sah rasch aus mit dem Ausdruck des Mitgefühls — ,chs ihr armer Leib im Grab lag, und die letzten Schaufeln Erde darüber fielen, da war der Rest einer finsteren Vergangenheit zugeschüttet. Ich habe meine Mutter sehr geliebt, noch ebenso geliebt, als sie mich laugst nicht mehr kannte, und doch war's eine fortgesetzte Quad Ich weiß sie nun ruhig, Gott sei Dank! Ihr Tod hat mich tief erschüttert, aber eine Bergeslast fiel von miv, ich konnte Nöck;, einmal ausatmen, daran deinen, vielleicht 810 auch itocf) einülal glücklich zu sein. Und La fing ich an, mich! zu sehnen!" Gr blickte sie wieder von der Seite an. Sie ging ganz still, den Kopf auf die Brust gesenkt. „Hören ©te mich, Nelda?" Sie nickte; keife sagte sie: „Ja". Aber sie sah nicht auf. „Ich habe meinen Abschied genommen; in militärischen Verhältnissen kann ich nicht so, wie ich will und nrnß. Es ist nicht ohne Kampf fiir den, der inr bunten Rock ausgewachsen ist, da Schicht zu machen; aber es war nötig. Wollte ich mit dem Leben fertig werden, mußte ich es neu beginnen. Jetzt habe ich eine Stellung an der Gewehrfabrik in Köln, ein sehr bescheidenes Los, aber anständig; und ich werde weiter kommen. Leicht ist es nicht immer; ich hoffe kein Schwächling mehr zu sein, aber ich bin kein Held, mitunter kommen die Grillen und Plagen mich, die alten Gedanken machen mir Kopfschmerzen — und dann sehne ich mich, dann sehne ich mich!" Er seufzte tief, lüftete beit Hut Und fuhr sich durchs Haar; sie sah, wie es mit grauen Fäden durchzogen war. Sie fragte nicht: „Warum erzählen Sie mir das alles?" Eie wagte nicht mehr zu fragen. „Dann sehne ich mich, dann sehne ich mich" — der Ton war ihr durch Mark und Bein gegangen. Ohne Wort schritten sie nebeneinander her, Seite an Seite. Der Kirchhof lag weit hinten. Nun blieb Nelda noch einmal stehen und sah zurück. „Mein Vater," sagte sie leise, gleichsam erklärend, und ivies mit dem Finger dorthin. Rainer nickte. „Ich weiß, Ihr und niein treuer Freund Lylander hat ntich voir allem unterrichtet. Er hat mir nicht ■ ebe Hoffnung genommen, er sagt, Sie wollen keinen Meuchen verlassen, dem Sie zu seinem Leben wahrhaft not un. Nelda?!" Sie gab keine Antwort, ihre Lider senkten sich auf die gerötete Wange. Und nun sagte er weich: „Sie haben unendlich viel Verloren an Ihrem Vater — Ehre seinem Andenken!" Er zog den Hut wie zum Gruß. Sie standen beide und sahen zum Kirchhof hinüber; ein leiser Wind kaut von dort und fächelte ihnen uni die heißen Gesichter. Nelda empfand's wie eine Liebkosung. Und nun waren sie im Dorf. Lang und staubig schlängelte sich die Chaussee. Der Himmel tvurde grauer und die Ferne dunstiger, die Luft drückte auf Kopf und Augen. PlöH- liche Windtvehen fegten den Staub auf und drehten ihn in kleinen Wirbeln über die Straße. Mit heißen Augen sah Ramer auf zum Himmel über das dunstige Land und vann hinab zum Rhein; die Wellen glucksten sanft ans Äser. Halt, da schaukelte ein Nachen! Er wies nach dem Wasser: „Fräulein Dallmer, wollen Sie sich mir anver- irauen? Ich denke, auch Ihnen liegt nicht daran, dort im staubigen Trott mit den Menschen zu wandern? Sie müssen doch zur Stadt zurück, ich ruore Sie dahin; gönnen Sie mir das!'" Er stand vor ihr, bittend, den Hut in der Hand. O dieser Rhein, dieser Rhein — und die Erinnerung! Nelda senkte den Kops; leise zustimmend murmelte sie: „So fahren wir!" Sie war wie im Traum. War sie's denn wirklich, di« gestern noch im Lärm der Großstadt ge- Kmden? Und heut mit einem Schlage zurückversetzt in e Vergangenheit? Waren die Toten auserstanden, wurde etwas Begrabenes in ihrer Brust lebendig?! Sie sah an sich herunter und um sich her und fühlte ein seltsam rasches Schlagen iit ihrem Herzen. Unten im Nachen lungerte ein junger Bursche, Ramer lohnte ihn ab und hieß ihn, sich das Boot an der Schisf- hriicke abzüholen. Sie stiegen ein; Nelda trat unsicher, der Nachen schwankte, Ramer mußte ihr die Hand reichen. Sie setzte sich schweigend ans Steuer, er nahm die Ruder; gleichmäßig plätscherten sie im Wasser. Perle auf Perle tropfte von den Schaufeln, kein Sonnenstrahl blitzte darin; das Wasser war grau wie der Himmel darüber. Die Häuser des Dorfes blieben zurück, die Villen auf der Chaussee glitten vorüber, mit verschleierten Augen sah Nelda hin zum Vater- hcnrs. Wie trüb alles war! Eine schwarze Wolke wie ein dunkles Dach hing überm Rhein. Die Wellen wurden unruhig und drehten sich kräuselnd unter den Rudern — jetzt i— überraschend, schneller als geahnt — ein Tropfen! Dick, schwer, prallte er aus den Bootrand — und jetzt noch einer, und, noch einer! Ein feuchter Windstoß saust über den Strom — der Kahn schwankt und legt sich auf eine Seite, jetzt auf die andere — man sitzt darin wie in einer Schaukel, Tropfen auf Tropfen, plätschernd fallen sie ins Wasser —i ein regelmäßig fallender, rauschender Regen. In einem1 Skngenblick die Aussicht verhangen; die Häuser der Stadt sind noch nicht zu sehen, schattenhaft umsäumen die Berge die Ufer. Nelda faß regungslos unter ihrem Sonnenschirm; mit der einen Hand hielt sie das Steuer — wohin steuern? Grabaus schlug der Regen ins Gesicht, man war blind. Sie mußte das Gesicht wenden, ihrem Begleiter zu. Der legte sich in die Ruder, daß sie sich bogen; widerwillig schäumten die Wellen, der Rhein war aufgewühlt. Kein Gewitter, weder Blitz noch Donner, nur ein plötzlicher elementarer Ausbruch — oder hatten die beiden der! schwarzen Wolken nicht geachtet, die längst schott lauerten, niederzubrechen und sich stürmisch auszmveinen? Der Regen floß Ramer übers Gesicht; er schüttelte die Tropfen ab und nun zog er die Ruder ein, er sprach zum erstenmal. „Ich bin ungeschickt, Fräulein Dallmer, heute wie immer; ungeschickt und unglücklich. Nun setze ich Sie dem Unwetter aus! Verzeihen Sie — ho" — ein Windstoß drehte den Kahn wirbelnd herum. „Fürchten Sie sich?" „Ich — fürchten?!" Ihre Stimme klang merkwürdig zuversichtlich. „Vor so etwas fürchte ich mich nicht! Die paar Tropfen!" Ruhig richtete sie sich auf, schloß den Schirm, schüttelte den Regen von ihrem Kleid und blieb, aufs Steuer gestützt, fest stehen. Er sah zu ihr hinüber, er vergaß nach bett Rudern zu greifen, seine Augen hatten einen stumm beredten Ausdruck. Sie hingen an ihr. Wind und Wellen säuselten um den Kahn, leiser rauschte es; vereinzelter fielen schon die Tropfen, sie bildeten Blasen auf dem Wasser und engere und weitere Ringel. Ein scucht- kühler Hauch schauerte über den Rhein. Sacht glitt der Nachen stromab, träumerisch suchte Neldas Blick die Ferne —- da — der Vorhang reißt! Da war die Stadt mit ihren Türmen, wie ein Rahmen davor der schön geschwungene Bogen der Eisenbahnbrücke — da die Schiffbrücke mit dem fchwarzweiß gestrichenen Geländer — ein Sonnenstrahl schießt plötzlich blendend aus Wolken; er zeigt alles in duftigem Flimmer. (Schluß folgt.) Selma Lagerlös. Tie schwedische Akademie, die in der Verteilung des Nvbel- preises für Literatur schon so manchen Mißgriff getan, hat diesmal nach langem Sträuben sich doch endlich dazu entfließen müssen, derjenigen dichterischen Persönlichkeit diese Ehrung zu verleihen, die durch ihre Nationalität, durch ihr Genie und ihre Stellung! in der Literatur vor Men« würdig ist; Selma Lagerlöf. Di« Dichterin M ineben Strindberg die großartigste künstlerische.Er- scheinung, die gegenwärtig das Schrifttum Schiwedens aufweist. Aber während der fauWche Problemdichter und Grübler stets im' Gegensatz zu seiner Heimat stand und in seinen vielgestaltigen Wandlungen eine allgemein europäische Entwicklung durchmachte, ist Selma Lagerlöf die berufenste Hüterin jbed unerschöpflichen Schatzes an Poesie, den die schwedische Erde birgt, „Mutter Sveas liebstes Patenkind". Sie hat eine neue Epoche in der Geschichte der schwedischen Dichtung gegründet, in der die nationalen Heldengestalten der Vergangenheit zu einen« neuen leuchtenden Lebest erweckt wurden, der wundersame Zauber der Volksphantasie, die urtümliche Schönheit der alten Banernkultur ans verborgenen Tieft« in dem befreiten Strom eines reichen Künstlertnms durchst brach. Ein ganzes Dichtergeschlecht stand in den 90 er Jahren um sie, als dessen Mittelpunkt sie schon heute klassische Geltung besitzt. Schwedens größter Dichterin, der in der ganzen Welt gefeierten Erzählerin, einem der stärksten Talent«, die heute überhaupt schaffen und wirken, gebührte in erster Linie die Gabe, die! ein« schwedische Akademie zur Förderung und Anerkennung literarischer Verdienste verwenden sollte. Wie ein einfach schlichtes stilles Märchen klingt die Geschichte von dem Selben dieser Frau, die lange Jähre als Lehrerin än einer! Meinen Stadt den Kindern Schreiben iiittb Rechnen beibrachte und dann plötzlich aus engstem Kreise ans die Höhen des Lebens nnd des Ruhms emporgehoben. wurde. Da lebte sie, nachdem sie das Lehrerinnenexamen gemacht und durch das Seminar hindupchi- gegangen war, eine ganze Reihe von Jahren ist der südschanischen Stadt Landskrona, ein stiller, in sich gekehrter Mensch, eingy- spönnen in ihre Träume und Visionen, sich Versen lend in die wundervolle Landschaft ihrer Heimat, aus der ihr die Gestalten märchenhafter Kindergeschichten leibhaftig entgegcntraten. Ta kam im Frühling 1890 in ihre weltferne Einsamkeit zufällig diej Kunde von dem Preisausschreiben einer Stockholmer Frauenzeitung, dqs eine „Novelle von nngefähr 100 Seiten" forderte. Tie Zwei- 811 -Mddreißigjähriäe sandte Fragmente WS eiWnt Buch ein, in dem sie ihre Phandasieit feffgdjtilten hatte; es waren Teile jenes' Werkes, das weit über Schweden hinaus ihrem! Namen Klang und Liebe ni verfett sollte — ans Gösta Berlings Saga. Aus der Jugendzeit her hatten sie die Klange dieser Traumgeschichten durch ihr Leben geleitet; diese helldnnklen Gestalten, dis aus Wirklichkeit luib Phantastik zu enter geheimnisvollen höheren. Existenz geläutert waren, hatten ihre Mädchenzeit umschwebt, waren ihr entgegen» getreten auf allen Wegen und Stegen des sagenreichen Wern^- kands, das sie geboren. Aber spät erst war ihr der Gedanke ge- Sotontor, diese Visionen, die aus den grauen Nebeln der Heiden, der grünen Düsternis der Wälder und den glänzenden Seen auf- tauchten, die sie bedrängten und nach einer Befreiung durch die Dichtung sich sehnten, in dichterischer Form festz-nhalten. Sie suchte länge itach dem rechten Stil, der all das Eigentümliche dieses Stoffes bewahren würde und fand ihn endlich in jener wundert- vollen Verbindung realistischer Beschreibung mit romantischer Mär- chendämmerung, von moderner Psychologie mit der kraftvoll an- deuteuden Knappheit der isländischen Saga. Der große schwedische Romantiker Almquift und der Wiederettvecker nordischer Vergangenheit Björnsvn. wären ihre Helfer bei diesem! schwierigen Werks der reinen Ausformung und Durchbildung eines künstlerischen Stils, wie er so vollendet, originell und geschlossen wohl selten in einem Erstlingswerk ausgeprägt worden ist. Die Svenen aus dem! Leben der „Kavaliere auf Ekeüy", die des dämonisch genialen, leidensckmstlich dahinstürmenden Gösta Berling Gestalt Mr Einheit zusam'menfaßt, zeigen schon all die Wunder in vollster Ausbildung, die der Dichterin Selma Lagerlöf die gütige Waldfran der schwedischen Volksmärchen in der Wiege verliehen hatte. Eine gewaltige, fast übermächtige Phantasie, deren unaufhörlich andrängende Wider nur Mühsam von einer erstaunlichen Schärfe der Beobachtung und..Klarheit des Sebens gebändigt werden und die Fähigkeit deS spannender, nie ermüdenden Erzählens, das aus einer Situation notwendig eine andere erwachsen läßt und, stets weiter wirkend an dem bunten Teppich der Dichtung, ein herrliches „WöbeMeisterstück" entstehen läßt. Es ist unmöglich. die Schönheiten dieses Buches anszuschüpfen, das die ganze ursprüngliche Tarstcllungskrast der Volksdichtung hat Und zugleich die geläuterte Reife eines ästhetisch feinen, Schöpser- wil'lens. Ter tolle Wagemilit und die lebemännische Wildheit, die der größte Lyriker Schwedens Michael Bellmami in den Balladen seiner Helden FredMän und Mvwitz in die Schnörkel und Zierrate des Rokoko gebannt, eint sich mit einer romantischen Beseelung! der Matur und einer Modernen Zergliederung der Seelen zur Mseitigen Schilderung einer Zeit, eines Volkes, einer Welt. So ist denn Gösta Berling auch Sei uns ein Volksbuch geworden, das große Verbreitung gefunden hat. Tie Dichterin aber, die wohl sMst die Furcht haben miochte, mit diesem Erstlingswerk ihren Höhepunkt erreicht zu haben, versuchte sich an neuen, ganz anders gearteten Ausgaben und bewährte auch hier ihre Meisterschaft. Ihre Stellung als Lehrerin hatte sie nach dem' Erfolg von Gösta Berling aufgegeben; ihr ganz Won1 den Bildern der Heimat erfülltes und doch nach Mürchenfernerr sehnsüchtiges Gemüt Ser» längte in die Fremde, und der größte Gegensatz zog sie an, die Schönheit des Südens, die Mystik des Orients. Aber auch vvr den Werken italienischer Kunst, in der üppigen Sonnenhelle Siziliens, an den geheiligten Stätten Jerusalems vergaß sie die heimliche Nebelstimmung des Nordens nicht. Nach ifjiett Reisen hat sie sich wieder in einer schwedischen Provinzstadt niedert- gelassen, in der alten Bergwerkstadt Falnn, die der Schauplatz ro vieler Sagen und Geschichten ist, in der Hauptstadt des urp Wvvdischen Dalekarlien, und die Erlebnisse der fremden wunder- sämien Gegenden vereinten sich mit ihrer tiefen Liebe Mm Vaterland in der Synthese ihres großartigsten Romwns „Jerusalem". Vorher hat sie im „Antichrist" den stärksten Gegensatz zu ihrem Hymnus auf Schwedens Schönheit angeschvMn und die klassische Landschaft Siziliens zum Rahmen einer tieffinnigen Erzählung gewählt. Sig'norellis Fresken in Otvietv, die den Ernst und das Gramen des jüngsteil Gerichts so erschütternd malen, erweckten in ihr den Plan, die Wunder des Antichrist in der Gegenwart auf- ifetat M lassen und mit der .sozial«» Frage zu verbinden. Aber! ihre Phantasie hob alles empor ans der nüchternen Wirklichkeit Ar die roMantischa Traumhelle der Wimderstadt Diamant«, übergoß Mes mit Purpur, Gold und Azur. Und doch ist diese schöuheitK- tnntfene Schilderung ewigen Himmelblaus und üppiger Fruchtbarkeit der sehnsüchtige LobMang eines Rordländers, der feine eigenen Aiysterien- und Märchensti Mmung hineiitträgt in die Kare Heiter- Wit der antifen Landschaft, der die Sonnenhelle durch den Schleier einer dunklen Schwärmerei dämpft. Das ewige Snrnen und Traclsten der germanischen Seele nach wunderbaren Weitet: lebt sich Ms in diesem Lvbgesan» änf des Südens Herrlichkeit, und sie hat diesen! tiefinnerlichen Drang objektiv in der Schilderung' der schwe- McheU Bauern gestaltet, die aus fernerer Seelennot heraus nach dem! gelobten Laude ziehen. Dieser Roman Jerusalem, an Größe per Komposition tmb Jtibrunst des Erlebens noch! über der Gösta BerAng-Saga stehend, ist eine gewaltige Epopöe, in der die Dichterin grandiose Töne der Tragik findet und eine monumentale Schik- dermigÄtmst entfaltet. Besonders der erste Teil ist recht eigentlich per Mman des schwedischen Bauern, dessen Seels sich am tiefsten ilt seinen religiösen Anschanmtgen offenbart. Ein historischer Vorgang, das Auftrete» des seltsamen Prvpheteir Erik Janssen tit Dalekarlten und die Auswäüderüng einer ganzen Schar von Bauern nach Palästina, gaben den AusgangApunkt. Tie Dichterin führt uns mitten hinein in die enge düstere, leidenschaftliche, tvilde und exstattsch erregte Welt der Bauerst, iiibent' sie die Geschichte eines Geschlechts, der Jngmarsöhne, darstxllt. Aus tiefer Not und felsenfestem! Glauben erwächst diesen Menschen notwendig das! lockende Verheißungswort: Jerusalem. Wie sich nun aus diesem einen Teil die ganze Bewegung entfaltet, wie sich die Schwärmerei zu immer wilderer Ekstase entwickelt und endlich zur Lawiitä auwächst, das wird in dem ersten Band von Jerusalem' geschildert. JEor dem Seherblick der Erweckten' verschwindet die! ärmliche Heimat, und die Weite der ganzen Welt tut sich vor ihnen auf, die unendliche lockende Ferne des Meeres, die! PbortN des heiligen Zion, mit dein Auszug' nach Jerusalem schließt dek erste Teil in einem ergreifenden Finals ab. Die dichterische Schönheit dieses Werkes ist von einer xinj- fachen Klarheit, von einer überzeugenden Kraft, die jedes lieber» maß des Gefühls und der Worte vermeidet. Tie beiden Tonarten, über die Selma Lagerlöf als Meisterin gebietet, der tutj» ruhig schwere an deutende Balladenton und die einfach kindlich« Märchenbuntheit, haben ihre Wirkung miteinander vereinigt, »ün einen ganz neuen Stil hervorzubringen. Schon imi zweiten Teil von Jerusalem, der ins heilige Latch führt und das Schicksal der dalekarlischen Bauern in dem! fremdartigen Milien des MvrgirtH- landcs dar stellt, versagt bisweilen die Kraft und eine veÄ- schwimmende Weichheit tritt an die Stelle der großen Konlnrest Tas biblische Pathos und die energische Wucht historischer Schilderungen, wie sie der Stoff erfordert, fehlen der Erzählerin. Ihre Visionen werden z-n rührenden Volksmärchen, ihre Legenden zu herzlichen Kindergeschichten, deren Poesie in kleine» imrigert Zügen, nicht in der Herausarbeitung deS Grundgedankens liegt. Selma Lagerlöf ist am großartigsten da, wo sie auf dem Bvdest ihrer Heimat steht, und auch wenn sie sich in die Lüste erl>b& und auf den Flügeln ihrer Phantasie trt die Weite zieht, doch mit ihrer schwedischen Erde' in Berührung bleibt. Deshalb gehören ihre „Christnslegenden", so fein sie auch Sagen und Er- zählwtgen 'von Jesus, wie sie die apokryphen Evangelien itberk liefert l, in einer persönlichen Form' uns Nahe zu bringen weiß, doch nicht zu ihren besten Schöpfungen. Wohl aber sind Siete! ihrer Geschichten des höchsten Lobes würdig, in denen die grausig Stimme der altnordischen Säge ertönt oder die weiche einer lieblichen Idylle einen alltäglichen Vorgang umspielt. Wdl ursprünglich groß die Phantasie dieser Fran ist, wie sie sich hineinversenken kann in die Mord- und BlutstiM'nntng der Vorzeit, das zeigt z. B. ihre Erzählung „Herrn Arnes Schatz", irt der der schrille Ton des Mordmessers, das zur Untat gewetzt wird, beständig leitmotivisch anklingt und das Verbrechen allmählich in gräßlicher Deutlichkeit vor uns aufwächst, lind daneben denke! man an das herrliche Kinderbuch, das in den letzten Jahren ge- fdjaffett, an die „lonnderbare Reise des kleinen Nils Hvlgerss-on", der mit den Wildgänsen anszieht auf merkwürdige Abenteuer, a» diese schönste Dichtung, die wohl ein moderner Poet der Jugend geschenkt hat und in der man die Kindlichkeit Andersens, mit einer klugen Weltweisheit vereint, findet. Es scheint, als ob in der Seele Selma Lagerlöfs mannigfach« Wesen ihrer vaterländischen! Vergangenheit lebendig geworden sind, etwas vom Skalden uitS etwas vom Wikinger; die männlichsten Elemente leben in' ihr, aber im Grunde ist es doch die Güte und Herzensstärke der Fra», die ihrem Dichten die persönlichste Not gibt. Dr. P. L. Die grau als Trägerin der Volksgesundheit.') Zweierlei Aufgaben sind es vor allem, welche die Frau zur Trägerin der Volksgesundheit stempeln: ihre Aufgaben als Mutter und als Erzieherin. Ns Mutter ist sie mit dem Wohl und Wehe der künftigen Generation körperlich aufs engste tierStürben; als Erzieherin unterliegt ihr de« entscheidende Einfluß für die Entwicklung der Volksgesundheit. Dieser einfachen Tatsache ist bisher nur in ganz geringem Maße Rechnung getragen worden, weder in durchgreifenden Maßregeln zur körperlichen Kräftigung des weiblichen Geschlechts, noch durch geeignete Vorbereitung für feine erziehlichen Aufgaben, und dies beweist, daß die „Volkshygiene" noch am Anfänge ihrer Entwicklung steht. Wenn es sich früher «darum handelte, „das Volk" körperlich widerstandsfähiger und leistungsfähiger zu machen, so geschah dies aus Gründen der Wehrhaftigkeit und Kriegs- tüchtigkeit. Unmittelbar kam also die Frau hierbei gar nicht in Betracht. Und so weit dachte man nicht, daß die körperliche Tüchtigkeit des Heranwachsenden männlichen Geschlechts in hohem Maße abhängig ist von der Körperkonsti- tution der Frauen. Man zog dies um so weniger in Be- *) Diesen Aufsatz entnehmen wir der im Verlage beit, G. Brannschsn Hofbuchdruckerei und Verlag, Karlsrnye, erschein enden Zeitschrift „Die Neue Fr au en kse lduug . — 812 — tracht, als ein weiblicher Einfluß int Volksleben so gut wie nicht vorhanden tvar. r Zn unserer Zeit tritt nun in dieser Beziehung ein völliger Umschwung ein. Mehr und mehr verfolgt die Manenbewegung in ihrem Programm die Aufgaben einer besonderen weiblichen Kulturpolitik und durchsetzt unser Volksleben mit ganz neuen Kulturelementen. Die Iran war immer die Trägerin der Kultur des Friedens. Sie sorgte für die Kinder, ging in ihnen auf, während der Mann dem rauben Handwerk nachging. Bei vollkommener Arbeit^- teitung wurde der Abstand immer größer. Wenn nun aber die Frau mit ihren weiblichen Eigenschaften, mit ihren besondereii weiblichen Aufgaben gleichberechtigt, neben dem Manne dasteht, willens, ihren weiblichen Einfluß m gleichem Maße geltend zu machen, wie er den seinen, so muß sich dieses Neben- und Miteiuanderwirkeu in unserm Kulturleben zu einer ganz neuen Gesamtwirkung verschmelzen. Nicht das Moment der Wehrhaftigkeit kann in erster Sune für bie Volksentwicklung maßgebend bleiben, sondern dm der Auffassung der Frau eigentümliche hohe Bewertung des Einzellebens muß unbediiigt zu einer erhöhten Nassen- hyaicne führen. Von diesem Gesichtspunkte aus sind die modernen Bestrebungen für Volkshygiene, obwohl die Frau erst iir geringem Maße direkt an ihnen beteiligt ist, doch bereits als ein Ausfluß anzusehen einer nach weiblichen Fdeeiirichtungen sich vollziehenden Kultur. Wie steht nun die Frau ihren hohen Aufgaben als Trägerin der Volksgesundheit gegenüber? Wo hat sie zunächst den Hebel cmzusetzen, um in Deutschland, wo die Volkshygiene im Vergleich zu anderen Länder n den breitesten Boden gefunden, neben dem Manne einen entscheidenden Einfluß äusuben zu können? Die Grundlage für alle Betätigung der Frau in der öffentlichen Gesundheitspflege ist die Vorbereitung auf die Mutterschaft; von der Körperkultur der Frau wird sie also ihren Ausgangspunkt nehmen müssen. „ Die körperliche Unzulänglichkeit der Frau gegenüber der Erfüllung ihrer mütterlichen Aufgaben hat immer mehr Wgeuommeu; jedermann weiß, daß die Zahl der voUiom- men normal verlaufenden Geburten rechr gering ist, daß Frauenkrankheiten - sogar schon vor der Entbindung ein- tretenbe — immer häufiger geworden und daß die Fähigkeit des Stillens in erschreckender Weise abgenommen hat. Nur gegen das letztere Hebet sind von der öffentlichen Gesundheitspflege energische Maßregeln ergriffen worden infolge der übergroßen Säuglingssterblichkeit, worin Deutschland mit an erster Stelle steht. Aber mag der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit auch noch so sehr in den Vordergrund getreten sein, auch hier ist inan dem Hebel nicht eigentlich auf den Grund gegangen. Was hilft die Einrichtung von Stillstuben und Stillprämien, wenn die Frauen körperlicy gar nicht imstande sind, ihre Kinder zu ernähren? Stur eine gründliche körperliche Kräftigung des weib- licheii Geschlechts und die Aufklärung und Vorbereitung für seine zukünftigen Aufgaben im Staate kann da wirklich helfen. Die Frau muß sich bewußt werden, daß sie mit ihrem Körper nicht nur sich selbst und ihren Kindern, sondern auch der Gesamtheit verantwortlich ist. Ohne die auf solcher Grundlage beruhende Mitarbeit der Frau wird alles, was die öffentliche Gesundheitspflege auch erstreben mag, Stückwerk bleiben müssen. Tie öffentliche Gesundheitspflege hat zwei Momente in Betracht zu ziehen: das vorbeugende, d. h. die Schad- lickkeiten ausräumende Moment, und dasjenige, welches positiv fördernd eingreifen will. Den gleichen Weg hat die Frau einzuschlaqen in ihrer Körperkultur. Sie muß beseitigen, was der Erfüllung ihrer weiblichen Aufgaben irgendwie schädigend int Wege steht und muß eintreten für eine systematische Kräftigung des weiblichen Körpers. Hüter diesen Gesichtspunkten ist das Korsett und alle ein» enoende Kleidung als eine Versündigung gegen das allgemeine Wolll zu betrachten, und ihre Beseitigung wird zur selbstverständlichen Pflicht des weiblichen Geschlechts. Mer damit noch nicht genug; die eigene Erfahrung der Frau muß Mitwirken Mi der Ausübung und Entwicklung einer neuen Körperkultur der Frau. Das Bestreben nach gesundheitlicher Verbesserung des Körpers, die zugleich körperveredelnde Wirkungen int Gefolge hat, muß die Frau auch in der Erziehung als eine der wichtigsten Fragen beschäftigen. Daß diese hier bisher noch kaum zur Geltung kam, zeigt sich 'u. a. darin, daß man von der außerordentlich wirksamen Heilgymnastik heute noch so wenig Gebrauch macht, obwohl unendlich vielen Kindern damit für ihr Leben eine Wohltat erwiesen würde. r „ Vergegenwärtigt man sich, daß der Frau neben ihren Verpflichtungen als Mutter und Erzieherin die Sorge fut die Reinlichkeit und Zweckmäßigkeit der Wohnung und Ernährung obliegt, so ist es klar, daß die Entwicklung der Volksgesundheit fast ausschließlich in ihrer Hand beruht. Selbstverständlich ist auch, daß sie das, was im kleinen Kreise, in Familie und Haushalt, ihr eigentliches Felo bildet, auch gegenüber der Allgemeinheit als solches zu vertreten hat. Gibt man der Frau hier Raum, so wird sich zeigen, daß sie nicht allein im Sinne charitativer Bestrebungen „lindernd und heilend" zu wirken vermag, sondern dap sie auch im Sinne einer weitgehenden Rassenhygiene. positiv fördern kann. E , Bei der ungeheuren Bedeutung der Betätigung der Frau für das gesandte Volkswohl läge es riahe, daß^dw Bewegung für die Erweiterung der Frauenrechte ihre »or- deruugen weniger auf Grund der Berufstätigkeit der Frau und ihrer Eigenschaft als Steuerzahlerin aufstelle — also eigentlich obwohl sie Frau ist - sondern daß diese Forderungen in erster Linie gelteub gemacht würden gerade auf Grund ihres Geschlechts, weil das Wohl des Ganzen die volle Entfaltung weiblichen Einflusses neben beut männlich en einfach nicht entbehren kann. VerMsehtes, "Banditen und Recken /Wo wer (wäre) die new (neue) wett beivont, iühr man mcht zu gewissen jaren boiibttcii tun die newen inseln?" meint JtschartS Gargautun. Ate neue Welt also ein mit voller Absicht geschaffenes Bauditenhenn? Im alten, ursprünglichen Sinne des Wortes Banditen — m. -i« bandire im Italienischen verbannen, vertreiben hecht, fo itt handito von »aus aus ein Verbannter, Vertriebener, der. ivte Maalers Wörterbuch auS dem 16. Jahrhundert sagt, „ins elleud .== irembeS Land) verschickt ist." Das; biete Banditen, die übrigens erst seit dem 16. Jahrhundert in unserem Schristtum mtüreten, sich da draußen im iremben Lande nicht immer der besten Lebenssührung bestchen haben beweist der Uebergang des Wortes in die heutige Bedeutung, die eines Räubers, aittS klarste. Anders ist die Entwicklung bei Recke verlausen; auch dieser bedeutete ursprünglich einen Ver« bannten, Vertriebenen, daneben auch einen Laiidflüchtigen und Verfolgten (not. wrikan — ver'otgen), wurde aber bereits in mittelhochdeutscher Zeit zum erprobten Krieger und Helben, sum recken lobelich, wie er uns in Hagen und seinem Blutsbruder Volker ent- qeaentritt. Da man sich diese Recken natürlich als Manner von hoher, riesiger Gestalt dachte, ging der Begriff allmählich in den eines Riesen überhaupt über. So redet Aventins bayerische Chronik (1566) von „großmechtigeu (eilten, so man rifen oder recken nennt , unb Wieland bindet beide Worte al? gleichbedeutend >m stabreun miteinander. Auch in seinem Oberon (III 84) ist der Recke, der zu Hüon spricht: „Du hättest inich im Schlase morden können, ein ytieic, und noch heute verstehen wir unter einem reckenhatten Menschen einen Mann von hervorragender Körpergrosze. Versuche eju,e[ner Dichter, besonders Rückerts und Körners, daS Wort lutebet im mittelhochdeutschen Sinne zu beleben, sind ohne sonderlichen Eriolg geblieben. ~ . ... . * K e 11 ii e r t e r e ». In einer Zeitungsanzeige wurde kürzlich ein junger Mamt gesucht, „der Sonntags kellneriert". Das mutz ein' in' bestimmten Kreisen durchaus nicht ungewöhnlicher Aus- druck sein, denn bei einer Gerichtsverhandlung erklärte jüngst ein Zeuge: „Sie hatte mir vorher einmal gesagt, daß ste nach München gehen wolle, um zu kettnerieren". Kellnerieren ist gut — heißt es dazu in der Zeitschrist des Sprachvereins —; wäiiderieren, tischlerieren, bäckerieren, schneiberieren, kaiizlerteren, kaiserieren und wie viele andere köstliche Möglichkeiten eröffnen sich noch I ———— Magisches Quadrat, ——-------- In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben A A B B D E E E E E N N R BKK derart einzutragen, daß die wagrechteil u. senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bebenlen: 1. Einen Vogel. —---- z Flüssigkeitsbehälter. 8, Schweizerische Stadt. — ----------- 4. Finß in Irland. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Rätsels in voriger Nunimer: Einbaum (ein Boot, welches durch Aushöhlen eines Baumstammes hergestellt ivnrbc); W e ihn achtsbau m. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Blich- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.