Donnerstag den 29. Zuli RA' MWMGKM W»«WNL WMMA s o W I MM WÄ Die Pflastermeisterin. Roman von Alfred Bock. s (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Vor niemand auf der Welt hatte fick/ Linal rechtfertigen wollen, nun chatte ihr die Gegenwart der JUgendgespielin doch die Zunge gelöst. Und die Verteidigung ihrer selbst brach mit solch dämonischer Kraft hervor, daß die junge Pfarrersfrau, wie von einer geheimen Gewalt im Bann gehalten, lange in stummer Erschütterung saß. Seit frühsten Tagen war ihr die Esnhornlina ans! Herz gewachsen.. Mit ihr war die Erinnerung an die fröhliche Kindheit und so viele gemeinsam genossene unschuldige Freuden verwoben. Das alles schien plötzlich in Trümmer geschlagen, abgrundtief versunken. Etwas Unerhörtes rollte sich da vor ihren Augen ab. Still und kampflos war ihr eigenes Leben dahingeflossen. Sie war verheiratet, hatte -ihrem Mann ein Knäbchen geboren, aber von Sinnlichkeit, von wildem Begehren wußte sie nichts. Sie begriff gar nicht, was sich aus der Brust des Mädchens so ungestüm emporrang. Mitleidvoll krampfte sich ihr Herz zusammen. Lina galt ihr jetzt als hie Gefallene, als die Sünderin. Sollte sie sich verächtlich! von ihr wenden? Dem widerstrebte ihr treu-kindliches Gemüt. Vielleicht, daß ihr doch noch zu helfen war. Melleicht, daß man sie dahin brachte, sich aus dem Sündenpfuhl aufzuraffen. Der Ertrinkenden die rettende Hand zu entziehen, war wider das Gebot der Nächstenliebe. Und wie von einer Erleuchtung verklärt, erhob sie das Haupt und sagte sanft: „Dst hast dich schwer- vergangen, Lina. Schwerer, als du wohl selber ahnst. Ich fleh' dich an, als deine älteste Freundin/ erstick' deinen sündigen Eigenwillen. Um Gottes willen, wo soll das hinaus? Geh' in dich. Denk' an dein Seelenheils Ich will beten für dich, daß dir vergeben wird. Geh' in dich,"Lina!" Das Mädchen warf auf die Freundin einen langen schmerzlichen Blick, als wollte sie sagen: „Du bist seelengut, aber bxt mißt mich mit deinem Maß, du verstehst mich nicht." Indessen schwieg sie und schritt langsam der Tür zu. „Du willst fort?" rief Anna beklommen. ,jJa, Anna, ich will fort," versetzte sie leise und ohne sich noch einmal nach der Jugendgenossin umzuwenden. So schieden sie, und sie wußten beide, daßj es vorbei war zwischen ihnen — vorbei. — Zur selben Zeit, als Lina das Pfarrhaus verließ, stürmte ein.Trupp Dietkirchner Bursche ins Einhorn. Sie kamen halbbezecht aus der. Stadt und forderten stürmisch Bier. Die Einhornwirtin bemühte sich, den Gästen so schnell gerecht zu werden, als es ihre gichtischen Beine erlaubten. Kaum war jeglicher bedient, erhob sich ein allgemeines Geschrei, das Getränk sei schlecht und abgestanden. Die Wirtin widersprach. Endlich beruhigte man sich! und schüttete Glas um Glas hinunter. Der Qualm übelriechender Zigarren verdarb die Luft. Einer stimmte ein. rohes Lied an, das der Chor nachbrüllte. Die Wirtin war froh, daß ihre Tochter nicht zugegen war. Unter der Rotte befanden sich ein Backsteinformer und ein Weißbinder, die beide sich bei der Lina einen Korb geholt hatten. Man fragte >rach ihr. Die Lina sei ins Pfarrhaus gerufen worden, gab! die Alte Auskunft. „Ins Pfarrhaus?" spöttelte der Ziegelformer. „Ist's dann schon so weit?" „Was ist los?" fragte der Weißbinder mit erheuchelter Neugier, denn er wußte, was jener im Schilde! führte. „No, die Lina wird ihr' Hochzeit ausmachen wollen." „Ihr' Hochzeit? Ei, mit wem?" „Mit ment sonst, als mit dem Pflastermeister." ! 1 „Schafskopf, der hat ja schon sein Hauskreuz." „Das geniert den nicht. Der macht's wie in der Türkei und tut's nicht unter zwei," „Und die Lina?" „Hopft vor Pläsier." „Halt 's Maul. 'Nem schamhaften Mädchen so was uach- zusprechen." „Schamhaft? Hui, hui! Geb' acht, bis Fastnacht geht die auf wie 'n Kreppet." Die ganze Gesellschaft brach in ein wüstes Geheut aus. Die Wirtin aber, kreidebleich mtb bebend vor Wut, schrie vom Schanktisch : „Du Schandbub, bn Schuft! Daß du erstickst. So 'N! Aerlästcru duld' ich nicht in meinem Haus. Und über mein Kind! Daß ihr's ihm noch ablacht, ihr Saufbolde! Ich hab' keiit's von euch gerufen. Hinaus, hinaus!" So gell und. erschütternd klang der Drohruf der alten Frau, daß die Burschen trotz ihrer Betrunkenheit verstummten und sich anschickten, das Feld zu räumen. Der Backsteinformer aber spielte seinen letzten Trumpf aus. „Du hast ganz still zu sein, du alt'' Hex'. Der Pflaster- meister hat sein Geld bei dir sitzen lassen. Da hast du zwei Augen zugedrückt. Unter deinem Dach ist's passiert. Und mit ’nem -auswärtigen Mann. 'Ne Schmach fiirs ganze Dorf." Die Alte wollte sich aus den Former stürzen, aber die Kräfte versagten ihr, und sie brach ohnmächtig zusammeir. — Auf dem Rückweg vom Pfarrhaus, dem Einhorn sich nähernd, hatte Lina schon in einiger Entfernung das Gejohle der betrunkeiten Gäste gehört. Jetzt hatte sie um keinen Preis die Wirtsstube betreten. Leise schlich sie in ihre Kammer rurd spann, sich in ihre Gedanken ein. Erst als die rüden Gesellen sich entfernt hatten, wagte sie sich wieder hervor. Da fand sie die Mutter ,ohnmächtig am Boden liegen. „Tot!" dachte sie, von jähem Schreck gepackt. Sie richtete die Besinnungslose auf. „Vielleicht ist's ihr mir schlecht geworden in dem furchtbaren Qualm," schoß es ihr durch den Kopf. Sie lehnte die Last des leblosen Körpers sanft an die Wand. Rasch öffnete sie ein Fenster, holte — 466 Wasser herbei und besprengte der Mutter Gesicht. Dieser kehrten allmählich Leben und Besinnung zurück. „Großer Gott!" rief Lina angstvoll, „Mutter, was ist dir'?" Die Alte fuhr mit der kalten, zitternden Hand über die feuchte Stirn und sah mit müdem, Blick ihre Tochter an. Mit einem Male kam ihr wieder der schreckliche Auftritt mit dem Bncksteinformer und seiner Horde zum, vollen Bewußtsein. Im Nu stand sie auf den Beinen. Ihre Züge waren verzerrt, und ihr Mnn hing schlaff herunter. „Lina," stöhnte sie mehr, als "sie sprach, „ist’s wahr, daß du’s hinter meinem Rücken mit dem Pflastermeister treibst? Bor Gott und unserem Heiland, ist's wahr?" Lina senkte den Kopf und schwieg. Da stieß die Alte einen Schrei aus, reckte den Arm empor und traf mit der Faust des Mädchens Gesicht. „Du schamlos' Person! Dein' Ehr' ist hin. Dui — du. — O du mein Heiland, wo hatt' ich meine Augen? Mein Haus verschünd't vorm ganzen Dorf. Kapnt sind wir, kaput. 's bringt mich unter die Erd'. Gott steh' mir bei, die Schänd', die Schänd'! Verflucht sollst du sein — du — verstummt und verflucht!" Ein Krampf durchzuckte sie, sie schwankte und wäre zu Boden gesunken, hätte Lina sie nicht gestützt.! Mit übermenschlicher Kraft trug sie die Regungslose in ihre zunächstliegende Kummer, entkleidete sie und brachte sic zu Bett. Du erholte sich die Kranke lvieder, aber sie sprach nichts mehr, sondern ächzte nur leise und unaufhörlich! vor sich hin. Draußen rüttelte der Sturm an den morschen Fensterläden. Ein fahlgelber Schein durchflummte das Gelüst. Zu Wintersbeginn entlud sich ein schweres Gewitter. Die ganze Nacht saß Lina, ohne eine Träne zu vergießen, wie ei» Bild von Stein auf der Kante der Bettstatt und hielt bei der Mutter die traurige Wacht. IX. Vor dem Schöffengericht des Städtchens wurde die Beleidigungsklage verhandelt, die der Bürgermeister von Dietkirchen gegen den Pflastermeister angestrengt. Der Straßenaufseher und die Gemeinderäte waren als Zeugen geladen. Der Straßenaufseher bekundete, daß Friedmar die beleidigenden Aeußerungen getan und den Bürgermeister auch tätlich ungegriffen habe. Aber zweifellos sei er dazu angereizt worden, denn der Bürgermeister habe ihn nicht allein gehänselt, sondern habe ih n ehrenrührige Sachen zum Vorwurf gemacht. Inwieweit der Bürgermeister hierzu berechtigt gewesen sei, entziehe sich der Beurteilung des Zeugen. Die Gemeinderäte höben in ihrer Aussage hervor, der Bürgermeister sei mit der Einhornwirtin und ihrer Tochter verwandt. Um deswillen sei er wohl befugt gewesen, den Pflastermeister wegen seines sträflichen Umgangs mit der Einhornlina zur Rede zu stellen. Daß es mit dieser unsauberen Geschichte seine Richtigkeit habe, das wisse das ganze Dorf. Während der Vernehmung der Gemeinderäte fuhr Friedmar wiederholentlich von seinem Platz auf und stieß laute Verwünschungen gegen sie aus. Mit strengen Worten verwies mau ihn zur Ruhe. Ehe der Richter sich mit den Schöffech zur Beratung zurückzog, fragte er den Pflastermeister, ob er' seinerseits gewillt sei, gegen den Bürgermeister Strafantrag zu stellen. Friedmar verneinte. Der Gerichtsbeschluß, der bald daraus verkündigt wurde, fiel zu Ungunsten des Beklagten aus. Friedmar wurde zu einer Geldbuße und acht Tagen Gefängnis verurteilt. Bei der Zumessung der Strafe fiel der Umstand ins Gewicht, daß der Bürgermeister eine amtliche Person und die gegen ihn verübte tätliche Beleidigung aus diesem Grund schwerer zu ahnden war. Nach der Verhandlung zog der Bürgermeister mit den Gemeinderäten ins Wirtshaus. Zu ihnen gesellte sich der Kaufmann Freigang, der seinen Geschäftsfreund beglückwünschte. „Dem Pslasterkvpf haben wir's gegeben!" triumphierte der Bürgermeister. „Wem verdanken Sie das?" warf sich der Kaufmann in die Brust. „Einzig und allein mir. Sie wollten nicht recht dran. . Sie hatten Manschetten vor dem Pflasterer. Ich hab' Sie erst in den Trab gebracht. Und wie steh'u Sie jetzt da? Fein! Was? Der Friedmar macht sich übrigens nicht viel draus. Aber seiner Alten ist's ein Schlag ins Gesicht. Acht Tage Loch! lind der Skandal init dein jungen Frauenzimmer geht von Mundi zu Mund. Passen Sie mal auf, das gibt noch Mord und Totschlag. So muß es kommen. Hab' mein Vergnügen dran." Der Bürgermeister ließ Bier anffahren und sagte groß, spurig: „Heut halt' ich euch all' frei." „Tas kannst du auch," meinten die Gemeinderäte, „dann wir haben dich schon herausgerissen bei Gericht." Eilt paar Tagediebe, die sich in der Wirtschaft herum- räkelten, rückten heran und tranken mit. Zu guter Letzt erschien der „narrige" Balduin. Man erlaubte ihm, mitzubechern, und er goß Glas um Glas hinunter. Es währte nicht lange, so tanzte er wie besessen im Zimmer herum. Endlich blieb er pustend und keuchend vor dem Bürgermeister steh'u. „Luft, Bürgermeister. Schenk' mir 'n bißchen Lust. Tu reicher Mann. Gelt', schenkst nicht gern? Ziehst lieber den Bauern die Gurgel zu. Ei du mein Vater! Ratsch, ratsch, was ein Höllenbruten. Und die Teufel freuen sich. Hopsa, hopsa, hopsasa!" Der Bürgermeister gab deut Buckel eine schallende Ohrfeige. „Narr, pack dich!" Der Geschlagene heulte auf. „Hat gar nicht gut getan. Hab' dich so Heb, Bürgermeister. Und wollt' doch nur ’n bißchen Luft. Um Christi willen, 'n bißchen Luft. Und so "n steinreicher Mann. Dein Messer heraus. Schitcid'st lustig den Bauern die Hälse ab. Holla per Extrapost in den Höllenrachen. Hab' dich so lieb, Bürgermeister, ’n bißchen Luft. Ei, du mein Vater!" Die getroffene Backe sich reibend, schlich Balduin wimmernd hinaus. Der Bürgermeister lachte gezwungen und stieß hastig mit den Tischgenossen an. Gleich darauf emp- fahl sich der Kaufmann. Die übrigen zechten weiter und feierten unter dem Vorsitz des Dorfoberhauptes bis zum sinkenden Tag den Sieg über Friedmar, den Pflaster- meister. — (Fortsetzung folgt.) Bilder aus Siebenbürgen. Bon Leo Greiner. Tas B u r z e n l ä n d e r Gebirge. Tie im tiefsten Südosten Siebenbürgens gelegene, von der Burzcn durchströmle und nach ihr Burzcnland genannte Hochebene bildet, ähnlich Ivie das sogenannte Nösnerland im Norden, einen abgesonderten Teil der deutschen Sprachinsel in diesem Lande. Tas Hauptgebiet der Sachsen schließt sich um die alte Teutschenmctropole Hermannstadt herum und erstreckt sich von hier gegen Osten int Flußgebiete des Alt und der beiden Rotteln, wo die starke, von Hermaunstadt aus geschasfeue Sachseniültur allmählich verläuft und mit der immer größeren Ausnahme voit ungarischen und rumänischen Elementen stets mehr und mehr verwildert, so lange, bis man sich in rein magyarischen, nur von einer walachischcu Unterschicht bewohnten Gegenden befindet. Erst weit später, schon ganz im Osten, setzt plötzlich wieder unvermischt sächsischer Einfluß ein, mit einer Kraft, die nur mit der des Hermannstädter Sachsen- tums, also des deutschen Zentralgebiets in Siebenbürgen, verglichen werden kann und bei der Abgesondertheit und Verschlossenheit dieses Landesteils um so merkwürdiger ist; nachdem man das nichtdeutsche Siebenbürgen mit seiner Anmut und dem Elend seiner Ltroh- hütten, mit seiner wenig intelligenten und ein mühsames Dasein fristenden Bevölkerung kennen gelernt hat, wirkt diese kaum mehr zu erwartende Kultur, die einem gewissermaßen im letzten Augenblick, ehe man Europa gänzlich hinter sich gebracht hat, mit ihrer kräftigen Ordnung, der Solidität ihrer ökonomischen und baulichen Verhältnisse, der Reinlichkeit und Größe ihrer Ansiedlungen überrascht, doppelt seltsam und macht die Phrase, die die Sachsen die letzten Gesechtsposten des Deutschtums und Europas gegen den' Orient hin nennt, zu einem realen, fast berauschenden Gesühl., Wie die Dörfer, reich, stolz und alt, hier in der weiten, fruchtbaren, einsamen Ebene liegen und mit den Türmen ihrer Kirchen und den Hohen Giebeln ihrer Häuser nach den das Flachland schweigsam begrenzenden Gebirgen blicken, hinter benen Rumänien und der Orient beginnt, erwecken sie eine ähnliche Empfindung wie etwa die letzten Häuser einer großen Stadt; irgend ein gewaltiges Leben verdämmert hier und verläuft ins Ferne, Fremde und Ge- heimnisvolle. Unb dieser große Eindruck wirb stärker unb stärker, wenn man sich selbst in die Betrachtung jener ragenben Gebirge versenkt, bereit verwilderte Umrisse wie zackige Schleier am Rande der Ebene in die bläuliche Lust gezeichnet sind; dies also sind die Greuzwälle des Westens. Nicht allein, daß über ihre Kämme die politische Grenze zwischen Ungarn, diesem fremdartigen Staats- gebildc, das Okzident und Orient mehr trennt, als verbindet, uiw dem südlichen Rumänien läuft, auf ihrem Scheitel liegt tatsächlich die Entscheidung über zwei Welten, die sich gegenseitig beeinflussen können, aber niemals miteinander verschmelzen werden: Westen imb Osten stoßen aus ihnen zusammen;' und mag, jenseits, in der Türkei, kaum eben der Kampf um die Verfassung verhallt sein, die auch diesseits erst vor wenigen Jahrzehnten errungen worden ist, und mag damit wieder ein Stück der Mauern, die Osten und Westen trennen, gefallen sein, diese Gebirge stehen ewig und sind nicht zu zerstören. Wer einmal einen Blick in die den Europäer erschreckende rind verwirrende Seele des Orientalen getan hat, weiß, daß keine Staatsformen im Stande sind, hier Brücken zu schlagen. Der Osten ist ein riesiges Reich für sich und wird dem Okzidentalen ein Buch mit sieben Siegeln bleiben, mag die äußerliche Europäisierung des Orients noch gewaltiger sortschrcitcn als dies tatsächlich der Fall ist. Und das Burzenländer Gebirge, dessen Gipfel über die letzte Ebene des Westens im Morgen- 1111 b Abendrot leuchten, wird noch mächtig und geheimnisvoll sein, auch wenn das türkische Parlament die Redefreiheit längst nach europäischer Sitte so gebraucht, wie dies in den Parlamenten des Westens der Fall ist: nämlich als die Freiheit, zu reden, so viel man will. Hoch, in einem gewaltigen Halbkreise umschließt das Gebirge das Land, eine Wasser- und Geisterscheidc wunderbarer Art, in den oberen Partien von der Sonne erhellt, so daß Felsen und Schluchten bläulich heranstreten, doch im unteren Teile nur selten vom Lichte getrossen, so daß die Helle der höheren Teile plötzlich in einem jähen Schwarz abbricht, das schwer und nächtlich, wie ein starrer Mantel mit seinem Saume, aus der Ebene liegt. Es ist eine Eigentümlichkeit dieser Ebene und dieses Gebirges, daß kein hügeliges Vorland einen allmählichen Uebergang voni Flachland zu den Höhen schasst. Die Bergniassive scheinen für jeden, der sich int Mittelpunkte der Ebene besindet, unmittelbar aus ihr herausgewachsen und nicht mit langsamer Ueberlegung, tastend und vorsichtig die höheren Luftregionen zu gewinnen, sondern schroff, stolz und auffahrend ihre gewaltigen Leiber und Häupter von der Erde zu erheben. Dies bringt einen einzigartigen Eindruck hervor: cs ist, als zerschelle gewissermaßen die Ebene an den steinernen Hindernissen des Gebirges, als wäre sic selbst ein Meer, und die Berge seine festen Ufer: wie Welle und Land aneinanderprallen, so stoßen auch sie jäh und gewaltsam zusammen. Dieses unverhüllte Jneinanderspiel von fruchtbarem Flach- und wüstem Felsenland hat etwas ungemein Freies nnd Berauschendes: durch nichts aufgehalten, wie die Fläche eines ungeheuren Sees, flieht die Ebene in die Ferne, nur die Dörfer liegen darin wie kleine Schiffe in einer weiten, prächtigen Flut: gleichzeitig aber zeigen die Gebirge sich ohne Masken, durch kein kleinliches Gelände beschränkt und verhüllt, in ihrer ganzen Größe und Majestät, vom grünen Fuße bis zum grauen Scheitel, offen, mit erschlossenen Schluchten und erhobenen Häuptern, und der Geist allein, der sie umweht, und die Schatten, die zwischen den matt belichteten Sturzfelsen in den Abgründen nnd Klüften liegen, umgeben sie mit dem Schauer des Geheimnisses und lassen sie fremd und fern erscheinen. Alle Besonderheiten des Burzenlandes beruhen ans diesem überraschenden Zusammenhang von Ebene und Gebirge: dieser bleibt nicht allein in der Stimmung und im Eindruck haften, indem er gewissermaßen durch die reine Ausbildung von Kontrasten der Vorstellung „Ebene" wie der Vorstellung „Gebirge" den ursprünglichen freien nnd weiten Sinn zurückgibt, er beeinflußt auch den Charakter des Burzenländer Gebirges selbst, ebensosehr als die Flüchtigkeit, mit der in diesem Lnndestcil die Kultur ganz unvermittelt und säst unglaubhaft in eine fast völlige Verwilderung übergeht. Genau so plötzlich wie das Flachland an den Fuß der Felsenhöhen stößt und jäh abbricht, hört in Gebirgsnähe auch mit einem Male alles auf, was einem guten Europäer lieb und vertraut ist. Während man im letzten sächsischen Torfe noch alle Vorteile genießen konnte, die. eine alte - Zivilisation, Reichtum, Sinn für einen geordneten Fortschritt nnd selbst die Anfänge einer stetigen Fürsorge für den Fremdenverkehr, Bahn und sonstige Be- auemlichkeiten gewähren, braucht man nur das außerhalb des Dorses liegende Walachenviertcl oder gar eines der reinen Walachendörfer näher am Gebirge zu betreten, um sich unvermittelt in einer ganz und gar veränderten Welt zu befinden. Zwar ist, wohl wegen seines Wasserreichtums, der schon ganz in den Bergen liegende, dem sogarascher Komilate zugehörige Ort Zernest zur Begründung zlveier moderner Fabriken ausersehen worden nnd darum verhältnismäßig in wohlgeordnetem Zustande. Aber von dieser einzigen Ausnahme abgesehen, sind die Gebirgsdörfer Neu- Toham Ält-Tohan nnd insbesondere Törzburg, von den tiefer in der sogenannten Mogura liegenden Ansiedlungen ganz zu schwei- gen, tu ihrem Charakter unendlich weit von den ihnen räumlich so nah: liegenden Sachfengcmeiuden unterschieden. In ungeheurer Weltverlassenheit wenig gepflegt.und von walachischen Viehzüchtern bcwöynt, jencit charakteristischen Gestalten, die durch ihr langes Haar, ihre gewaltigen Schafpelze und schweren Pelzmützen anf- sallen, liegen jic, vielfach zerstreut, hier an den Grenzen, unendlich klein unter den nahen, getürmten Gebirgen. Schon ein Schritt, wie gesagt, in das Rumänenviertel einer jener letzten Sachfenansied- lungen ui bei: Ebene vermag dem Wanderer die weltvergessene Stimmung zu vermitteln, die dort plötzlich einsetzt, wo die äußersten Häuser dcs'fächs. Teiles der Gemeinde die geringe Fläche überblicken, die von der Ebene noch übrig ist. Seltsam nnd greifbar nahe dämmern schon die Berge her, ein Fluß, mit alten, abgehackten, abenteuerlich geformten Weiden besetzt, und in schmale Streifen geteilt, zwischen denen lange Sandbänke ausgestreckt liegen, kommt langsam dem Wandernden entgegen. Tie kleinen Häuser der Walachen bilden eine Straße, die nur auf einer Seite bebaut ist, bann wechselt diese mit einem Male und ist nur noch mit der andern, bis dahin leeren Seite bebaut. Aber noch steht das Tors in Reihe und hat Zusammenhang. Doch je mehr man sich dem Gebirge nähert, desto mehr löst es sich in Einzelheiten und Gruppierungen auf, desto deutlicher tritt der Charakter der Käthe statt des Hauses hervor. Und schließlich findet man die menschlichen Wohnungen nur noch weit über die einsamen Tristen verstreut: ein von den Kronstädtern gegründetes Verteidigungswerk, die Törzburg, steht noch, aus einem felsigen Hügel erbaut, in der zunehmenden Wildnis als ein allerletztes Wahrzeichen einer verdäm- meriiden Welt, dort, wo der Törzburger Paß beginnt, der auf der Höhe der Cruce die rumänische Grenze erreicht, um von dort als Fußpfad in das höllische Tal der Timboviciora hinabzuführen, sonst aber erblickt man nichts mehr als rings aus den Matten die armseligen Ansiedlungeii bet „Kalibascheu", die nach dem Worte „ealiöa", Hütte, so genannt werden. Wird der jähe Uebergang von alter Kultur zu absolutes Primitität durch die Plötzlichkeit geschaffen, mit der das Burzen? Täuber Gebirge sich aus der Ebene erhebt, indem es dem weiteren Vordringen der Sachsen mit einem Male Halt gebot, so stellt sich andererseits infolge eben dieser Plötzlichkeit und des Mangels an einem verwirrenden Vorlande die ganze Kette in einer Klarheit und Uebersichtlichkcit dem Auge des Betrachtenden dar, die in einem seltsamen Gegensatz zu ihrer verwitterten Wildheit steht. Tas Hauptmassiv des Burzenländer Gebirges und gleichzeitig seine höchste Erhebung, sowie die zweithöchste der Südkarpathen überhaupt, der Buesees, ungefähr 2500 Meter hoch, bildet einen Orientierungspunkt, von dem auL die anschließenden Bergzüge nach Osten und Westen ans bas genaneste übersehen werden können. Der Buesees hat, von Norden gesehen, die Form eines zu beiden Seiten etwas gerafften Vorhangs, seine höchste Spitze, der Om (b. h. Mensch, so genannt, weil die höchsten Felsen dort die Bildung einer Gruppe von Menschen zu haben scheinen), hat ans der Ferne Aehnlichkeit mit einer spitzigen Mütze. In seiner östlichen Fortsetzung scheint dieser Bergzug aus dem fast geometrischen Halbkreise, den das ganze Gebirge beschreibt, etwas herauszutreten und mit einem mächtigen und sehr längen! Ausläufer antz der Peripherie in das Innere des Halbkreises hineinzustoßentz Dieser Ansläuser ist das Schulergebirge, dessen höchste Erhebung, der Schuler, im Kruknr und schließlich im Kapellenberg ob Kronstadt vorläust, nachdem die Kette sich in zwei Stränge geteilt bat, die das die Stadt Kronstadt beherbergende Tal bilden. Mit dem Schulergebirge genau parallel, so daß man sozusagen den gleichzeitigen Beginn des Anstiegs beider Bergzüge aus dein Flachland auf das deutlichste beobachten kann, läuft die Kette des Pcalra uutre, die an ihrem Ende mit dem Schillerstock zusammen- stößt und so den Raum zwischen beiden, ein langes, schwarz bewaldetes Tal, den sogenannten Tömöser Paß, immer mehr verengt, bis es in P rede al (zu deutsch: auf der Höhe) durch das Zufaninieumünden der zwei Höhenzüge ein Ende findet. Eine weitete Parallelkette, die jedoch wieder in der Peripherie des Halbkreises zu liegen scheint, bildet das Bozaner Gebirge, dessen! bedeutendster Gipfel, der Csukas, wenig begangen, in der Nähe ein gewaltiger, zerrissener Felsenhlock von dunkelbrauner Färbung, in phantastischen Sommerabenden mit ihrem feuergelben, geisterhaften Licht wie aus blendend weißer Kreide geformt, übet die Ebene leuchtet. Aber nächst dem Buesees ist nicht er, sondern der Königstein die gewaltigste Bildung des Burzenländer Gebirges: er schließt den Halbkreis gegen Westen ab, durch mittlere, grotesk geformte, nie die Zähne einer Säge gelagerte Bergrücken mit dem Buesees verbunden. Tiefes Verbindungsgebirge erhebt sich im kleinen Königstein schon zu bedeutender Höhe, aber plötzlich wird die Längsausdehnung der Kette, wie mit einem Ruck, ah- geschnitten: denn der große Königstein, in der Form einem ungeheuren steinernen Dache gleichend, schiebt sich mit der Mitte seiner riesenhaften Breitseite davor, fast im rechten Winkel auf die natürliche FortsetzungSliiiie bet Kette, so daß das -Gebirge hier einem Hammer ähnlich ist, dessen Stiel von der schmalen lieber» gangskette und dessen schwerer, am Ende des Stieles schwer- gelagerter Eisenblock von dem großen Königstein gebildet wird. Im Gebiete des Buesees und des Königsteins liegen die eigentlichen und großartigsten Reize des Burzenländer Gebirges, das nur in ihnen hoch alpinen Charakter gewinnt. Gottfried Keller, dessen 90. Geburtstag am 19. Juli war, war ein Sohn des Drechslermeisters Rudolf Keller zu Zürich und für den Beruf eines Amtsschreibers bestimmt. Wenn wir im beglückten Frohbesitz der dichterischen Schätze, die er seinem Volke geschenkt, den vielfach verwirrten und doch segensreich vollendeten Werdegang seiner menschlichen und dichterischen Entwickelung betrachten, so wird uns nichts wundersamer erscheinen als das Walten und Weben seiner Phantasie, das sich nur langsam nnd allmählich in den rechten Formen ausznleben verstand. Ter junge Keller fühlte sich ziMchst zum Maler berufen, aber sein Skizzieren und Komponieren von Bildern war ein malerisches Dichten und äußerte sich reiner, kraftvoller in den schriftstellerischen Aufzeichnungen — 468 etter Motive. In langen schweren Kümpfen hat er zwischen n beiden Schtoesterkünsten geschwankt und hartnäckig an der -Malerei festgehalten, bis die dichterische Phantasie übermächtig in ihm wurde. Ein -einzigartiges Zeugnis dieses immer mächtiger in ihm anschwellenden Dichtergeistes haben wir in dem „Traumbuch", in dem Keller die des Nachts ihn überwältigenden Visionen aufschrieb, um sich von ihnen zu befreien. Ehrfürchtig treten wir hier in ein fernes dämnierndes Wu'nderland des Unbewußten, wo die Phantasie des Dichters wie das eben geschürfte, noch nicht verarbeitete Gold -eines Bergwerks bloßgelegt wird. In phantastisch spukhaften, lieblich ausgelassenen und derb neckenden Szenen, in visionären Landschaften mit Schlangen, Adlern, Blumen, Mädchen nird silbernen Armbändern ziehen die Trauingestalten, vom dämpfenden Schleier der Wehmut umflossen, in holdenr Reigen vorüber. Es ist die ltrheimat der Poesie selbst, die sich hier in die goldenen Nebel erwachender Gestaltung hüllt. Mit den: Traum ist Kellers Schaffen , aufs engste verknüpft; wundervoll belebte Träumgespinste ziehen ihre feinen Fäden durch die Geistes- »velt des grünen Heinrich: in Traumbildern ist der Keim zu vielen Gedichten und Novellen niedergelegt. Ihm selbst erschien zunächst das wunderliche Treiben seiner Gedanken unheimlich und er vergleicht sein Lebensschiff mit einem Ostindienfahr-er, dem „als Ballast ausgestopfte Krokodile und wüste Steilere, Tiger und Hyänen, schwere Kisten voll wunderlicher Schnecken und Muscheln für dis Raritätensammlung in Europa mitgegeben tourbeit." Er wundert sich selbst, warum er diese kindischen Träume aufschreibt. „Jedoch kommt es von der glücklichen Stimmung, in welche mich diese einfachen Spiele der träumenden Seele auch noch nach dem Erwachen versehen. Wenn ich auch einst nichts Lesenswertes -mehr in dem Ausgeschriebenen finde, so wird »lich doch beim Anblick der jeweiligen Daten eine dunkle Erinnerung befallen: eines still genossenen, schuldlosen Glückes. Auffallend ist es mir, daß ich hauptsächlich, ja fast ausschließlich in traurigen Zeiten, wo ich den Tag über in kummervollem Brüten dahinlebe, solch heitere und einfach liebliche Träume habe." Diese ewig tätige, alles langsam reifende und bildende Phantasie zwingt ihn schließlich zum überlegten künstlerischen Gestalten. Am 11. Juli 1843 schreibt er in sein Tagebuch: „Ich habe nun einmal großen Drang zum Dichten. Warum sollte ich nicht probieren, was an der Sache ist? Sieber- es wissen, als mich vielleicht heimlich immer für ein gewaltiges Genie halten und darüber das andere vernachlässigen." Tas Traumgold sollte von nun an zu köstlichen, wirklichkeitsfrohen Werken ausgemünzt werden. Bei der Ausfornmng seiner Prosa blieb ihm der bildnerische Sinn noch immer tätig. „Mir ist dabei," erklärte -er, „weit weniger das Ohr Maßgebend, als das Auge des Malers, das nach einer gewissen Rundung strebt." Von unbewußten Stimmungen blieb er stets abhängig. Er verstand -es nicht, wie andere Dichter, sich regelmäßig -mit gewohntem Mockenschlag an den Schreibtisch zu setzen, um eilt poetisches Quantum zu Papier zu bringen. Auf länge Pausen d-eS Stillstandes, in denen nur gleichsam unterirdisch Gedanken und Träume den Stoff umkreisten und- formten, folgte plötzlich eine Periode des reichsten Schaffens. Dann schrieb er bis lang über Mitternacht hinaus, Seite um Seite mit deutlichen, zierlichen Lettern schnell bedeckend. Am anbereit Morgen schlief er. reichlich Nach, denn er war überhaupt kein Frühaufsteher. Geriet ihm etwas nicht auf den ersten Wurf, so legte er ruhig die Sache beiseite, oft für lange Zeit, und ließ, den Plan geduldig- ausreisen. „Ich habe einige meiner Sachen vorn angefangen und in einem: Zug zu Ende gebracht," bekannte er Adolf Frey, „andere begann ich irgendwo und sah dann zu, wie ich weiter kam. Im all- gemeinen wußte ich nie etwas mit Sicherheit vorher als den Schluß, und danach habe ich mich natürlich gerichtet. Das beste: fällt mir erst immer über dem Schreiben ein." Beim Schaffen wollte er ganz allein sein. „Es wäre mir ganz unleidlich, einen Menschen vor mir zu haben, der wie eine Schildwache mit geladenem Gewehr da steht und aufpaßt, was jetzt zmn Vorschein kommt," sagte -et, als man ihm das Diktieren anriet. Ueberreich strömten ihm Pläne und Entwürfe- zu, bereit Stoffe zunächst flüchtig aufgezeichnet wurden. Ein zufälliger Anlaß- konnte da die seltsamsten Associationen in ihm wachrufen. Die Idee zu dem schönen Gedichtzyklus „Lebendig begraben" soll ihm durch das Preisausschreiben eines Leichenverbr-ennnngsinstitutes gekommen sein. In seinem Arbeitszimmer saß er unter seinen Büchern stets bei der Zigarre in einem recht erklecklichen Raüch, und rief die verdrießliche Stimme b-er gestrengen Schwester, man solle das Fenster aüfmachen, bann antwortete, er wohl trocken: „Wir machen schon ans, wenn wir -ersticken." Zit bem unbewußten Spinnen und Weben der Phantasie, bas- -er so herrlich geläutert und geklärt, kehrte fein Geist aus dem letzten Krankenbette zurück? Goldene Träume umschwebten den Sterbenden. In beit letzten Tagen seines Lebens erzählte er Böckliu solch einen Traum: Ein schlanker Jüngling, vom Scheitel zur Sohl« in gediegenem geschmiebetem- Go'lb gepanzert, von dem glanzende Lichter feilt aufblitzten, habe die ganze Nacht regungslos zwischen beit Fenstern gestanden, das Visier hoch aufgeschlagen, daS obere Gesicht tief in Schatten gelegt, habe ihn unverwandt angeschaut und den Uhrpendel angehalten. . vsVMi?chtes. ___* Schlangen kult in Uganda. Der afrikanische Schlangenknlt, der im Westen des Erdteils sehr verbreitet ist, kommt im Osten viel seltener vor. Doch- bestand in Uganda früher ein interessanter Schlangenkult, der heute- erloschen ist und über den auf Grund von Mitteilungen des Rev. I. Roscoe int Globns berichtet wird. In einem kleinen Gebiet auf Billouge am Westufer des Viktoria Nyansa lag eilt Tempel in einem Walde am Seeufer, der der Sorge einer bestimmten Familie namens Mntima (Herz) anvertraut war. Der Boden dieser großen kegelförmigen Hütte war mit Gras überdeckt; an einer Seite befand sich die geheiligte Stätte der Schlange, deren Wärterin niemals heiraten durfte. Das heilige Tier lag gewöhnlich ans einem Stuhl und konnte durch ein rundes Loch in der Wand ein- und ausgehen. Auf der anderen Seite der Hütte wohnte- der-Priester, das sogenannte „Medium", Mit seinem Gehilfen. Die Schlange war soweit gezähmt, daß sie in der Hütte blieb. Täglich brachte ihr das Medium eine große Schale mit Milch von einer der heiligen, nur für die Schlange bestiinmten Kühe; die Wärterin hielt ihr die Schale vor und sie trank, ivührend sie den Kopf über den Stuhl legte. Wenn man das Tier für einen erfolgreichen Fischzug günstig stimmen wollte, so band der Priester dann Hühner und Ziegen am Flußnfer fest, die die Schlange verschlang. Man schrieb nämlich der Schlange Macht über den Fluß und alle Fische zu; ihre Hauptkraft ivurde aber darin gesucht, daß sie Kindersegen geivähre. Darum hieß sie die „Kinderbringerin", und junge oder kinderlos gebliebene Eheleute brachten ihr Opfer und baten nm ihre Hilfe. Um die Zeit des Neumondes wurde die Schlange, besonders verehrt. Schon einige Tage vorher traf matt große Vorbereitungen, da nun sieben Tage nicht gearbeitet werden durfte. Erschien der Mond, dann wurden die Trommeln geschlagen, das Volk versammelte sich vor bem- Tempel und brachte Opfergaben. Der Hauptpriester, der zugleich Häuptling des Gebietes ivar, nahm die Opfer entgegen, sagte der Schlange, was man gebracht habe und was man von ihr wünsche und bekleidete das Medium mit einem heiligen Gewand, damit der Geist der Schlange in ihn fahren könne. Seltsam ausstaffiert erschien nun das Medium; zwei lange Rindenkleider hatte es über dis Schultern geworfen, zwei schöne weiße Ziegenschürzen um den Leib, ans der Brnst ein Leopardenfell, auf dem Kopf eine Krone ans Ziegenfellstreifen, mit Perlen und Samenkörnern verziert, in jeder Hand einen Fliegenwedel aus dem Schwanz des Büffels. Nachdein der Schlangenpriester eine kleine Kürbisflasche mit Bier und etwas von der mit ioeißem Lehm gemischten Milch aus der Schale der Schlange getrunken hatte, kam der Geist der Schlange über it)it: mit! dem Gesicht warf er sich auf die Erde nieder, krümmte den Leib in schlangenartigen Windungen und stieß sonderbare Töne aus, die deut vor dem Tempel versammelten! Volk durch einen besonderen Dolmetscher erklärt werden mußten. Zwischen das dumpfe Dröhnen der Trommeln klangen die seltsamen Lante des Mediums, das nach einiger Zeit still ivurde und da lag Ivie ein von Anstrengungen überwältigter schlafender Mensch. Nun erklärte der Dolmetscher das Orakel, das die Schlange durch den Mustd des Mediums-gegeben. Während der sieben Festtage wurde diese Zeremonie täglich wiederholt. Von Zeit zu Zeit begab sickj- das Medium ttach der Inselgruppe Sesse hinüber, uni voft einem Gott, der zu der Schlange in einem bestimmten verwandtschaftlichen Verhältnisse stand, Milchkühe zu erlangen. Diese geweihten Kühe wurden zum Zeichen ihrer Heiligkeit mit Schlingpflanzen um den Leib geschmückt und stets beim Tempel gehalten. Logogriph. MN „E" ist's sehr beliebte Speise, MN „B" Getränk, sehnieckt frisch vom Eise. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nimmterl Das kleine Wörtchen „muß" Ist doch von allen Nüssen, Die Menschen knacken müssen, Die allerhärt'ste Naß. L. Bechstein. Nebaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'sehen Universitäts-Buch- und Skeindruckerei, R. Lange, Gießen.