Samstag den 28. August Peter Nockler. föte Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holz am er. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Im Geschäfte ging's dem Peter gut. Er saß ja in „gemachten Nest". Die Kunden boirt alten Michel vr1n,^C1?fptoare,< ^rcu geblieben, die Mainzer Kunden 1 t Utt^ Empfehlung waren auch noch neue 0ef°wmen. Denn gar bieten, auch „besseren Leuten", waren doch dre Mainzer Preise zu hoch. WrStt?“ ¥et?r Nockler schaffte fleißig. Er hatte einen sS^"ben und einen Gesellen, und er hatte sogar schon zu wenn's so weiter gehe und wenn er weiter er H Zum Frühjahr, zu. Ostern etwa, einen weiteren Gesellen nehmen. Und als der erste Dermin zu be- za,sten war, da ging er leicht und freudig die Treppe hinauf 8 lIte J?ejn a^en Meister die blanken Gulden- und Zehnguldenstucke und harten Taler hin. Es war ihm nicht scywer gefallen, das Geld zusammenzubringen. Der alte Sieben lächelte. uehm dir das Geld nit gern ab, Peter," sagte er. ,,^ch weiß mt, es geniert mich ein bißchen. Aber ich hab! gesehen, es geht bei dir, es kann dir mt schwer fallen, Termin zu bezahlen. Das ist mir eine Freud. Ich hab wirklich meinen Spaß an euch zwei — mein rechte Spaß in meine alte Tag." . Sie tranken einen Schoppen zusammen. ^^ivnßt gar nit, wie er danken sollt, sagte der Peter. Er dacht, es gab sich Wal eine rechte Gelegenheit dazu. Das tat dem Alten wohl. , er nur sein lassen. Recht Geld verdienen und das Geschäft gut führen und schöne Arbeit liefern — so einiges mach er ja anders, als er's gemacht habe, aber das geh so mit der Zeit, und er wollt ja nichts sagen dagegen, es geh nun nit mehr an ein'm, wenn man alt wär — aber sonst, da hab er jeden Tag seinen allerbesten Dank, wenn er sehe, wie's immer vorwärts ginge. Zug ^—tat mut bent PiUer wohl, und er tat einen tiefen brrex Wachen, am Sonntag, brachte die Elise einen kleinen Buben zur Welt Einen gar kleinen, schwachen Kerl. 1 Schneiderbub," scherzte die Amme. ., alte Frau Lieben kam nun fast den ganzen Taa k-niiw Wöchnerin. Sie besorgte das Kind, er Elise Zwiebelsuppe und machte ihr Weckschnitten ?)s b.!x'3 Kind hatte sie so lieb, als ob v ihr leiblich Enkelkind Ware. Ganz „närrisch" war sie mit ihm. Und auch der alte Michel Sieben war e i n Glück und eine Närrischkeit. u "Unser Buwelche," sagten die beiden Alten. - Uljdi „yca, waä macht dann unser Buwelche?" fragte der Michel sieben feine Frau, wenn sie von drunten kam. Es war ja ein klein „schminzig" Kerlchen, aber ex gedieh ganz hübsch. ' Auch der Peter war froh. Allerdings zu allererst, da das Würmchen so quabbelig und garstig vor ihm lag, da zuckte es in ihm. Es war ihm fremd. Aber er fühlte zwei dunkle Augen heiß auf sich ruhen, er sah einen wehglücklichen Schein in diesen Augen, wenn sie das Kind betrachteten — er sah die Mutter, die so ^teJ' Jp biel, doppelt und dreifach und zehnfach schon um das Kind gelitten hatte, die's getragen hatte in doppelte,n Weh, und die bei alledem so sorglich und heiter und gütig zu ihm gewesen war, so treu und ergeben, und der er im Grunde immer gut sein mußte, der er immer gut war. e. Nein, sprach's in ihm, nicht sie, nicht das arme, unschul- W Würmchen darf leiden für die Schuld, die längst ge- oußt ist, öie einem andern jetzt nur schwerer aufgetragen ist. Er war zärtlich zur Mutter und zum Kind. Und nach ein paar Lagen, da es die Amme erlaubte, ließ er sich das Kind in die Arme legen, ging um den warmen Ofen mit ihm herum und sang: „Heio Boppeio, die Nunne, Sie bringe mei'm Kindelche Mumme, Cie bringe mei'm Kindelche Rosemerein, Do schläft jo mein liebgoldig Buwelche ein." , ,r Da drückte die Elise tief ihren Kopf in die Kissen, Und leise liefen ihr die Tränen. Als ihr der Peter das Kind zuruckgab, strahlten ihre Augen feucht, und sie waren weit offen und sahen ihn an voll tiefer, tiefer Dankbarkeit und — Liebe. * Der Peter Nockler war ein guter Kerl, und er hatte eine besondere Art, die sich immer mehr ausprägte. Sie war einfach und gut, diese Art. Sie war weiter nichts, als ein mehr nachdenkliches Erleben, n-odnr-.h alles, was dem Peter Nockler begegnete, eine größere Wichtigkeit und Bedeutung bekam, weil der Peter einen Sinn hineinleqtL und Beziehungen fand, die zu ihm führten und zu den übrigen Dingen des Lebens. Er ging nie achtlos an den Dingen vorüber, die an ihm voriibergingen. lieber alles machte er sich seine Gedanken, und so einfach die oft ivaren, so alltäglich und nichtssagend sie sich ansdrücken mochten ihm ivar's doch mehr. Und es lag auch wirklich mehr darin, mehr wie tu all den feinen, „studierten" Sachen der gelehrten Leute, weil Leben, weil eben Erleben darin lag. Demi nur dieses gibt dem Verständnis Weite und leben- blgen SiMi. Und als der Peter Nockler diesmal aus der 'Schlafstube tn seine Werkstatt ging, sagte er sich: Es ist nix für nix auf der Welt. Des Bübche is jetzt da, und 's hat ganz g'wiß auch fein Gutes, daß es komme is. Mau muß nur alles richtig nehme und nit gar so scharf. Es geht alles ems in eins und geht alles zusammen." Eut zu dem Kind feilt, ihm der Vater fein — gut zur Mucker fein und alles vergessen und sich nichts.Liebes verbittern und mit dem Leben sich nicht entzweien, das war der Sinn seiner Philosophie. Und als er in die Werkstatt trat, lag ein heiterer Glanz ans seinem Gesicht, und er sagte zu dem Gesellen: „Er trinkt aroiver, der kleine Kerl — en gehörige Zug, den der hat." Es wurde ja im Dorf so manches gesagt, weil das Kind so früh gekommen war, und böse Leute und „gute Freunde" sorgten auch dafür, daß dem Peter Nockler alles zu Ohren kam, und oft auch noch ein bißchen dicker, als es wirklich gesagt war. Wer das genierte ihn nicht. Es war ihm leid, ja, es schmerzte ihn, aber es machte ihn nicht irr, es verbitterte ihn nicht. Er habe A gesagt, müsse er auch B sagen, sagte er sich, und dann — er wisse am besten, wie alles liege und wie's auszufassen sei. Das gehe aber nur ihn an, und ihn selbst wieder nur ganz still und heimlich. Die Leute aber mochten sagen und denken, was sie ivoutett. Ganz und gar fest und sicher war er jetzt. Am siebenten Tage war die Taufe. Der Michel Sieben War der „Petter". Er war stolz darauf. Er setzte seinen alten Zylinder auf und ließ sich das Sträußchen an die Brust stecken und ging stoltz neben der Amme her in die Kirche. Er stand am Taufstein, den Kleinen auf den Armen, und wartete geduldig auf den Pfarrer. Und da der kleine Petter gehörig schrie, da er das Salz auf die Lippen kriegte, freute sich der Michel Sieben so sehr, daß er beinahe im „Glaub'e- Gott-Vatter" einen Fehler gemacht hätte. Lustig wurde dann die Kindtauf gefeiert, und der Michel Sieben schlug den Kranen in das Fäßchen Neuen — Fünf- undsechziger war's, und das war ein feiner Tropfen — Und die Köpfe wurden heiß, und die Zungen wurden gelöst und die Männer saßen noch bis in den frühen Morgen, Und ein Kvug nach dem andern wurde leer. Als sie endlich voneinander gingen, sagte der Peter: „Trinke wir jetzt noch -einen, daß er gesund bleibt und brav wird und ehrliche" „Ja, daß er brav wird," sagte die Elise mit tiefem, heißem Ton drin in der Stube. Und sie seufzte. * Die Amme hatte es ja vorgesagt. Vorm neunten Dag, das war zu früh. Auf der Kindtaufe hatte sich die Elise verdorben. Sie lag jetzt im Fieber. Niemand durfte an ihrem Bett bleiben, nur der Peter. Und der Peter saß Dag und Nacht bei ihr und machte ihr Aufschläge. Er war so besorgt für sie. Er überwand alle Müdigkeit. Er wollte alles tun — nur gesund sollte sie wieder werden. Die Elise hatte seine Hand genommen und hielt sie nun immer. Wenn sie sie einmal verloren hatte, schrie sie auf. Und sie sprach jetzt nur noch in ihrem Odenwälder Dialekt. Ihr Verborgenstes schrie aus ihrer Seele, und sie brauchte ihre eigensten Worte dazu. „Gelt, Peter, verloß mich net! Ich yebb jo net gewißt, was ich dhu, ich war jo ganz von Sinne. Un ich hebb's jo igebießt, ich bieße's jo noch. Un ich Willis jo immer, immer Ließe, mein ganz Lewe lang! Nor verloß mich net!" ' Er redete ihr zu. Aufschreie und Ruhe wechselten dann ab. Sie litt furchtbar. Und doch war das Fieber ein Mittel zu ihrer inneren Befreiung. Ihre Natur gab sich frei, alle Rücksichten waren umgestoßen. Die Spannung ihrer Seele löste sich. Das Unterdrückte ihres Wesens hatte die Herrschaft. Freilich, ihre körperliche Kraft wurde dabei aufs stärkste in Anspruch genommen. Ganz matt lag die Elise am folgenden Dag da. Ihre Pulse hämmerten. Sie litt den quälendsten Dursü Am Abend würde dann ihr Zustand noch! schlimmer. Das Seelische besiegte zum letztenmal den Körper. Die Elise raste im Fieber, trotz ihrer .körperlichen Schwäche. Sie raufte sich das Haar. Und der Peter war machtlos. Er konnte ihre Hände nicht festhalten. Es war ein Jammer. Der Peter machte mit doppeltem Eifer die Aufschläge. Wer sie halfen nicht. Der Peter zerdrückte eine Dräne. „Gott, wann's nur besser ivär!" Mer die Kranke tobte mit ungebrochener Kraft weiter. „Loß mich, Peter, loß mich! Ich will fort, weit fort. Ich such mer Holz im Wald, do mach! ich! mer Feier, ich such tn-er Beern, un bei de Bauern bettel ich mer e Siickelche Brot. Loß mich, loß mich fort, Peter l Ich halt's jo nett bei dir, Peter. Du bist zü gut. Du derfst net so gut sein! Du sollst mich schlage — schlage K du mich, ich hebb's jo net Lesser verdient. Äwwer ist zu gut. Du derfst net so gut sein, ich- schäm mich jo! Ich schäm Mich zu Tod, weil du so gut bist ! Jetzt hebb ich! des Kind. Ach! — das arme Kind! 's is jo net dein — 's is jo fern Blut. Un doch! hpst du's. Un 's Hot dein Name! Schlag mich drum, Peter- ich war jo schlecht!" Nach einer Weile wurde sie dann etwas ruhiger. Abep bald brach's wieder los. Plötzlich- mitten in ihrem Stöhnen- in ihrer tiessten Ermattung: „Guck," sagte sie, „nemm's als deiri. Du host dir's jo verdient. Du host's gehüt un gepflegt, wie's noch net do war, du host gesorgt, daß es lewe un gedeihe Hot können du host's genumme auf dein Arm, wie's kirmme wär, un host em gesunge. Guck, nemm's! Sein is es net — net und nimmer. Behält du's, Peter, un sei em sein Vatter — du bist der rechte, der e Herz Hot. Verstoß jetzt den arme Worm net un loß en net entgelte, was ich nor schuld hebb. Schlag mich, Peter, un sei grob gegen mich un veracht mich un verstoß mich — ich will alles gern trage, nor loß es des Kind, des arme, unschuldige Wermche net entgelte!" Sie lag jetzt wieder völlig erschöpft in den Kissen. Der Peter streichelte ihre Hand. Ihm brannte es in der Seele. Es mochte ihm eine Ahnung aufgehen von dem großen Offenbarer Schmerz, der vom Menschen kündet, was sein! Geheimstes, was sein Bestes und Stärkstes ist. Der aber auch ist wie das Feuer, darin das Eisen ausgeglüht wird' und edel wird, blanker, scharfer, harter Stahl. Es mochte ihm ehrfürchtig geworden sein vor der Leidenschaft der Seele, vor ihrer Größe, wenn das Schicksal seinen schweren Druck auf sie geworfen hat. Dunkle Gefühle blieben's, die den Peter Nockler jetzt erfüllten. Nur, dies wußte er klar — ganz anders kam ihm plötzlich die Elise vor. Fast scheu mußte er zu ihr Hinsehen. Bewundern mußte er sie. Nichts mehr von Mitleid war in ihm, aber einer schönen, verehrenden Liebe regten sich feine Stimmen in ihm. Er nahm ihre Hand und streichelte sie, und seine Stimme! gitterte weich: „Du mußt jetzt alles vergesse. Du sollst dir ja gar nit Sorge machen, Elise. Das Kind ist mein Kind- — und ich werd's lieb haben und großziehen. Und ich werd ihm Vater sein, Elise. Nun, dann bin ich sein Vater. Alles ist vergesse und abgetan. Sei ruhig, Elise, werd Widder gesund- daß du auch dein Freud dran hast, du und ich — Wir zwei zusammen." Ganz still lag die Kvanke. Nach einer Weile ging ein Lächeln über ihre Züge. Und nach einiger Zeit schlief sie ein. Sie schlief die ganze Nacht, fest und tief. Als am Morgen der Doktor kam, fand er sie besfer. Nun sei wieder Hoffnung. (Fortsetzung folgt.) Goethe auf der Badereise. Zum 16 0. Male jährt sich am 28. August der große Tag-, ast deUr Goethe feinem Volke und der Welt geschenkt Witwe; W Kraft seines Einflusses, seine Bedeutung für unser Geistesleben, sie nehmen noch stetig zu, haben noch lauge nicht ihren Höhepunkt erreicht. Kaum ist es uns schon Möglich!, die Größe diestr ganzen ungeheuren Geistesmacht, dieser unendlich reichen Antenz zu erfassen; Mo wir uns darein versenken, blühen Uns Wunder eines praktisch-idealen Strebens, Vorbilder einer geistig NttuclM Weltbetrachtung entgegen. Wie sich noch im einzelnen Strahl der Sonne Bild buntfarbig spiegelt, so vermag auch ein bescheiden umgrenzter Teil von Goethes Lebensführung die reife Weisheit, den besonnenen Tiefsinn seiner Lebenskunst, seines durch reiche Erfahrungen gefestigten Erdeuwaudels, seine stolze Ueberwindung aller Hindernisse und Unzulänglichkeiten anschaulich erkennen zu lassen. Ja, vielleicht nirgends sonst kann Uns Epigonen Goethe ein so segensreicher Ratgeber sein, als in den alltäglichen T-mgm des Lebens, denen er einen steten Bezug auf das- Geistige,, seelüch Fördernde zU verleihen wußte, die er stets aus dem Individuellen zum Typischen erhoben und- dem großen Gesetz innerlicher düng und Klärung untertänig gemacht hat, das des größten Deutschen -Entwicklungsgang durchwalte-t. Begleiten wir darum Goethe einmal auf seinen -Badereisen, hören wir, was er von diesen UNs heute so notwendigen Unterbrechungen des Werkeltages hielt und wie er sie sich gestaltete. Goethe hat seit 1785 Badereisen unternommen, seit 1806 fast alljährlich. Am häufigsten, dreizehnMal, ist -er in Karlsbad gtr wesen Und hat dort vier Wochen bis drei Mpnate zur Kur W 535 Weilt; wohl tetot» oder zehnmal, aber Meist nicht laüge, hat et Franzensbad besucht; dreimal, 1821; 1822 und 1823 war er in Marienbad; Teplitz suchte er mehrere Male zur Nachkur auf; 1814 Und 1815 war er in Wiesbaden, 1801 in Pyrmont. Am sNrksten zogen ihn jedenfalls die Böhmischen Bader an Und unter diesen war ihm wieder Karlsbad am liebsten. Ueber die Gründe, ans denen er Karlsbad Wiesbaden vorzog, hat er sich zu dem Kanzler Müller geäußert., „Er fand, daß in Wiesbaden das LebtN zu leicht, zu heiter sei, als daß man nicht verwöhnt würde fürs übrige Leben. Er möge daher nicht zu oft Hinreisen; Karlsbad störe« das innere Gleichgewicht schon weit weniger." Karlsbad Ward ihm überhaupt beim öfteren Besuch immer lieber; er rühmte dem Badeort „etwas wirklich Individuelles, das frappiert, und «eins gewisse Kultur" nach; das mondäne und doch behagliche Leben, die eigentümlichen Gesteinsformationen interessierten ihn lebhaft, NNd von den Quellen gestand er, „daß er ihnen eine ganz andere Existenz schuldig sei". Das Leiden, das Goethe in spateren Jahren zwang, die Bader aufzusuchen, waren Nierensteinkoliken, die sich bisweilen in harten Anfällen äußerten. Brachte er von seinen geologischen Ausflügen blitzende GlimMersteinchen mit, dann sagte er Wohl scherzend: „Diese Steinchen, glänzend wie Silber, sind aber doch ganz unbedeutend, was leider jene Steinchen Nicht sind, woran so viele Kurgäste leiden, zu denen auch ich gehöre." Doch im allgemeinen strebte er, auch während der Kur den Gedanken an eigene und fremde Krankheit zurückzudrängen. Nur selten zog er Aerzie zu Rate; seine Kur bestand zumeist im'Baden und reichlichen Brunnentrinken; vom Sprudel ging er in Karlsbad 1806 zu milderen Quellen über, zuM Schloß,- und dann zum Theresienbrunuen. „Der Kur wegen reise ich nicht in« die Badeörter", sagte er in Marienbad zu seinem geologischen Freunde, dem Polizeirat Grüner. Die Abwechselung und Veränderung in seinen Lebensgewohnheiten, die Anregungen durch die Neue Umgebung, ber Verkehr mit bedeutenden Persönlichkeiten und die ungezwungene Heiterkeit flüchtiger Bekanntschaften, reine Luft und schöne Gegend — das waren hauptsächlich die Elemente, die ihn anzogen, erfreuten und erfrischten. So faßt er den Ertrag seines Karlsbader Aufenthaltes von 1808 in die Worte zusammen: „Alle Zustände von der größten Einsamkeit bis zum größten Lärm und Krängen und jetzt wieder bis zur Einsamkeit habe ich erlebt. Sv ein Badesommer ist wirklich ein Gleichnis eines Menschenlebens. Mit der Witterung war es ebenso. Die schönsten Maitage, Regen«, Hitzp und wieder Nässe, HerbstverMndende Nebelaöende mit den schönsten Mondnächten; das alles geht zwar überall uNs über dem Haupt weg, allein in diesen Gebirgen und Felsklüften emp- sindet man doch jedes bedeutender, weil es sich an solchen Gegen- ftänden charakteristischer ausspricht." IN deN Jmiitagen, ja häufig schon im Mai, begann Goethe seine Vorbereitungen für die Badereise zu treffen. Da ward von „Serenissimus" die stets freundlich und gern erteilte Erlaubnis tzingeholt; das nötige Geld vom Bankier Elkan oder auch durch Vermittlung Cottas erhoben, der „autorisierte Paß" wird bestellt, der Reisewagen wird in Stand gesetzt und mancherlei anderes«. War dann unter dem feierlichen „Anblasen" einer TrompeteN- fanfare, womit man damals die ankoMmArdeN« Kurgäste ehrte, die Kalesche zum Stadttor hereingerollt, dann konnte man bald daraüf in der Kurliste di« feierliche Eintragung finden: „An- gekomMen seine Exzellenz, der Herr Großherzvglich sächsischswei- Marische Geheimerat und Staatsminister Johann Wolfgang von Goethe." lind sogleich tauchte auch seine hohe „grade und steife JNpiter-Gestalt" ans, im blauen langen, halb zugeknöpften« Rock, bet weißen, geblümten Weste, den grauen Kniebeinkleidern, ©eiben» strümpfen und Schnallenschuhen« und mit dem' dreieckigen Hut; hie und da bleibt er beobachtend und reflektierend stehen«, erwidert Höflich Grüße Nnd Verbeugungen und hat bald einen kleinen Kreis Nm sich gesammelt. Ueberall wo Goethe hinkam, war er sogleich der Mittelpunkt der Geselligkeit. Besonders in Karls- bad, toto er 1785 zuerst mit dem Herzog, Herder, Frau von Stein «erschien und so „der thüringische Musenhof Nach Böhmen versetzt würde", veranstaltete man glänzende Festlichkeiten zu seinen Ehren. «Polnische Fürsten und Kavaliere wetteiferten Mit dem österreichischen 'Hochadel, ihn zu feiern und mit ihm in «nähere Beziehungen zu treten. Da er gewöhnlich seinen Geburtstag int Bade verbrachte, so würden! ihm unzählige Aufmerksamkeiten dargebracht; er entzog sich ihnen nur selten, wie z. B. an jenem denkwürdigen „still und gleichsam anonym" gefeierten Geburtstage, den der füufundsiebzig- jährige Greis auf einem Ausflug nach Elbogen bei Karlsbad in schmerzlich-süßer Erregung mit seiner „letzten Liebe" Ulrike von Levetzow verlebte. Häufig wurde zu seinen Ehren eine Jllu- Mlnation veranstaltet. Als er 1819 am« Tage seines 70. Geburtstages nach Karlsbad kam, um' jeder Feier auszuweichen, ward er- Noch mit EhrNngen überschüttet. Am rührendsten war ihm die Teilnahme des Großherzogs von Mecklenburg. Dieser hatte eine Uhr gekauft, welche in Goethes Kinderzeit in« seinem elterlichen« Hanse gestanden, und ließ sie «nult in der Wolmung des Dichters am Vorabend des 29. August aufstelleit. Als Goethe um fünf Uhr morgens erwachte und die Uhr zum erstenmal schlagen« hörte, rief er seinem Diener zu: „Ich höre eine Uhr schlagen«, die alle Erinnerungen meiner Kindheit weckt; ist es Traum oder Wirklichkeit?" Tann stand er ans und vergoß beim' Anblick der Uhr Tränen inniger Rührung. In Karlsbad entfaltete sich das herzlich« Verhältnis gegenseitiger Begeisterung und Verehrung, in! das Goethe zu der edle«N Kaiserin Maria Ludovica von Oester--« reich trat. Zahlreiche Gelegenheitsgedichte, mit denen der Dichter M der Muße des Badeaufenthaltes rasch zur Hand toter, eine ausgedehnte Korrespondenz, die August Sauer, insoweit sie an seiner österreichischen Freunde gerichtet ist, erst kürzlich gesammelt hat, geben Kund« von diesen' freundlich aN'gefangenen und herzlich forh- gichetzten Bekanntschaften«. Auch Goethes wissenschaftliche Studien würden gerade durch Beziehungen, die er in' Badeorten anknüpfte, wesentlich gefördert. «Die bedeutendste dieser Freundschaften war wvhl die zu dem hervorragenden Naturforscher Grasen Kaspar Sternberg, der Goethe für Böhmen erst eigentlich zu interessieren wußte und ihm eine wertvolle Anschauutrg von der Kultur und Natur dieses von Deutschland damals fast vergessenen Landes vermittelte. Ueberall trifft Goethe auch sonst seine wissenschast- nchen Bekannten, in Marienbad Gruner, in Karlsbad den Bergrat Werner n. a.; sie alle fördern ihn in seinen geologischen«, meteorologischen, botanischen Studien. Goethes Tätigkeit im Bade ist nämlich 'besonders intensiv den Naturwissenschaften gewidmet. Tie vulkanischen Gebirge Um! Karlsbad hat er unermüdlich erforscht und mit dem Reinen; Hammer, den er stets in der Tasche trug, „nach allen Richtungen! abgeklopft". Mit «einem alten treuen Genossen, dem Steinschleifer Müller, stellte er Mustergültige Steinsammlungen« von allen um Karlsbad sich findenden Gesteinsarten zusammen und kommentierte ausführlich in einer eigenen Abhandlung die reiche Kollektiotk Müllers. Während seiner Aufenthalte inj Franzensbad beschäftigte ihn besonders der KaMMerberg bei Eger, dessen „Problem malisches Phänomen" er bald als „vulkanisch", bald als „pseudovulkanisch" 'erklärte. Auch die heißen Quellen und ihr «Gehalt gaben ihm viel zu denken. Eifrig ward botanisiert und sogleich auf der ersten Badereise 1785 leistete ihm der Botaniker Dietrich gute Dienste, dem er zufällig unterwegs begegnet und den er kurzerhand zu sich in den Reisewagen genommen hatte. Viele Stunden üerghtgein mit der Beobachtung' der WolkenbildungeU, die Goethe nach ihren typischen Formen bestimmte und auf» zeichnete. Neben dem Stein- und Pflanzenreich ward aber auch die Region der freien Phantasie nicht vernachlässigt. Wundersame Visionen Und Bilder stiegen' in der Ruhe und Sammlung vor dem Geiste des Dichters auf; sie würden flüchtig skizziert, zunächst gleichsam nur in den Scheuern geborgen«, um bann im Winter eine herrliche Ausgestaltung und Formung zu erfahren«. Daneben wurden „Konzepte korrigiert und munbiert", Ausgaben der Werke vorbereitet und durchgesehen. Doch sind auch zahlreiche Dichtungen während des Badeaufenthaltes entstanden; in Karlsbad z. B. Teile des Wilhelm Meister, die Pandora, Novellen, bedeutende Stücke von „Dichtung und Wahrheit" und aus dem« „Tivan". Was Goethe von einem angenehmen Kuraufenthalt verlangte«, hat er einmal Zelter aus Marienbad aufgezählt: „Herrliches Quartier, freundliche Wirte, gute Gesellschaft, hübsche Mädchen, musikalische Liebhaber, angenehme Abeudunterhaltung, köstliches Essen, neue bedeutende Bekanntschaften«, alte wiedergefundene, leichte Atmosphäre ufto." Dabei ist aber das wichtigste Element Goethe'scher Badefreuden nur nebenbei erwähnt: Die eigentliche Würze der Kur war ihm stets ein Herzensabenteuer! „Ein Paar frische, junge Augen," mit denen er ein wenig kokettieren! kann, muß er stets um sich haben. „Eine kleine Liebschaft," so drückte er in einem Gespräch mit Soret diese Maxime aus, „ist das einzige, was uns einen Badeaufenthalt erträglich machen kann«; sonst stirbt man vor Langeweile. Auch war ich fast jedesmal so glücklich, dort irgend eine kleine Wahlverwandtschaft zu finden«, die mir während der wenigen Wochen einige Unterhaltung« gab." Er fügt gleich eine luftige Geschichte aus Karlsbad hinzu, wie er mit zwei jungen Damen, die sich verschworen hatten, ihn zu erobern, das artigste galante Komplott geschmiedet und die langweilige Frau von der Recke geärgert habe. Solch eine kleine Verliebtheit ist direkt „kurgemäß", wie er an Schiller schreibt: „Aus alle Fälle habe ich einen kleinen Roman aus dem Stegreif an- geknüpst, der höchst nötig ist, um einen morgens um fünf Uhr aus dem« Bette zu locken. Hoffentlich werden wir die Gesinnungen dergestalt mäßigen und die Begebenheiten« so zu leiten wissen; daß er vierzehn Tage aushalten kann." Bon all diesen leichteren «Amouren scheint ihn NUr die zu einer schönen Polin etwas tiefer verwundet zu haben, denn dieser „allerliebste sarmatische Hanswurst 'voll Verstand, Laune und Frohfimr" ist ihm lange nicht aus dem Kopf gegangen und Nach vielen Jahren hat er noch dem« Kanzler Müller von dieser im Geheimen heiß erglühten Leidenschaft erzählt. Doch jede andere Neigung, das gehalten herzliche Verhältnis zu der Gräfin O'Donnell, die neckisch zärtliche Sehnsucht nach der anmutigen Sylvie von Ziegesar in Franzensbad, alles tritt zurück gegen die letzte, sein Innerstes aufwühlende Liebe Goethes, die fein Marienbilder Sommer mit einer glutvollen Abendröte umgolbet. Auch Ulrike von Levetzow« war eine Badebekanntschaft, aber hier erlag Goethe einem großen Gefühl, dessen er nur nach einem« heldenhaften Seelenkampf Herr werden konnte. «Abwechslung brachten Goethe im Bade auch vor allem Ausflüge. Dabei ertrug er mit philosophischem Gleichmut die Prellereien als eine Begleiterscheinung des Badelebens. Einmal ist es ihm! aber doch zu viel« geworden, tote ein „ganz gehorsamstes Prvmemvria" beweist, in dem er sich beschwerdesührend an den Kpeishaüptmältn Äon Karlsbad ivtiutret. Es war eine Zeit, trt der das Papiergeld sehr niedrig stand und eine allgemeine Unsicherheit des Geldwertes eingetreten war. Da forderte ihm der Wirt zum „Roten Ochsen" in Schlaggenwald für ein „bloßes Mittagessen, wobei weder Frühstück noch Wein noch Kaffee genossen worden", für vier Personen 76 Gulden ab. „Es ist in diesen Tagen," so motiviert Goethe seinen Einspruch, „schon öfters zur Sprache gekommen, daß Gesellschaften, welche durch die fdjöneit Wege, die herrlichen Naturgegenstände und das gute Wetter auswärts gelockt worden, mit Verdruß über das ganz .unerwartete Zechen nach Hause gekehrt, und ihre gehoffte und genossene Freude vergällt worden"; er macht nur den „it'nmafr geblichen Vorschlag", daß feste Preise in den Gasthäusern eingeführt werden sollten. Goethe hatte die Genugtuung, daß. die Zeche auf 41 Gulden 20 Kreuzer herabgesetzt und der Wirt zu 10 Gulden Strafe verurteilt wurde. Geprellt wurde Goethe auch bei seinen Einkäufen in Karlsbad, wobei aber seine Sammler- leidcnschaft häufig über den Aerger siegte. So klagt er über die „unverschämten Preise", da er für vier Majolikateller elf Louisdor zahlen muß! Dr. P. L. Allerhand Vetroachtmge öwer die mue Zeire. „Ich sein auch niet off de Kopps gefälln, daß ich niet weßt, woas im mich erint viergieht. Von de naue Steuern ganz se geschweie, dar warn aach niet so ausgefalln, wann mr doas nun Putschfönerzeng niet krieht harre. On den ahle Schweafelspien vu freuer, harre se sich goar niet vergrieffe — doas Zeug harr ent se viel gestunke. Es kimmt awer devvn, weil se etzt se faul sein, die Peif met Zonner non Fauerstan onsestecke — läiwer stecke se sich etz e Schoachtel Putschfeuerzeug iens Leibchesäckelche non wann dr ganz Gealdbeul dobei die Krenk krieht. Meint- tvege könn se d's Feuerzeug noach hieher versteuern, ich raache etz goar naut intet), vo haut oab wird geschort — ivsf d's Speuze warn se ahm do ach ka Steuer lege. Wann mr so ahlt ies, wär ich etz sein, sollt mr sich üwer so Krem goar niet mieh ofrege, awer es sein noach ganz annern Sache do, däi ahm ärgern, wann mr nur dron denkt, Schun ieu der Schul lern se alleweil so viel fremd Gezeug, doaß mer mahnt, so wollte all Professer Wern, non für teurer viernehm Geschwätz verlern se inet dr Zeit Noach ihr Mottersproch. S gieht do demet, wäi met dr Troacht — do kimmt aach a Steck noch dem annern zoum ahle Eise. Wann so a Maadche nur drei Toag als Loarejonfer awer aach als Maahd teit Gäiße wo ar, ien dann wirrer Ham kimmt, dann traan se die Noas schn, Goatt waaß, wäi huch, lease d's Maul ien Fahle non wann se d's Bräumaul öffduhn — wuppch, do hun mersch — .ärweldeck kimmt dann doach dr Bauer eraus. Dehre se schwätze, wäi en de Schnawel gewöase ies, dann seh mir haut niet so viele met ihre Protekollschnud erimlaafe. Jonsern derf mr se goar niet mieh Haase, mr soll Fräulein sahn, soft mache se Gesichter wäi e Deppe voll Deuwel. Jedweder Bvrsch will „Herr" titeliert sein, ien jedweder Kneecht krieht off ent Bräib aach sein „Herr" für de Nome gefaßt, non wann he se schleecht ies, deß he goar kahn Herr mieh wert ies. Suost, wann mr wn hin soahrn deht, dann hott mr sich a Gebond Struh off de Waan (Wagen) gelegt; do saß mr auch waach — awer etz foahrn se ieu Scheeßerche uon ien Galesche groad wäi die grüße Herrn. Wann mr haut ahn haoße deht amol miet em Schippkärrn noch Gäiße se foahrn, läiwer spreng he ien Born. Soft, wanns Kirmes teilt Doarf woar, uon mr wollt amol danze, dann saht mr: „Lisbeth henk ien, mr wolln amol an schawe!" Alleweil mache se awer en steife Knix wäi 'wann se a Backgeschirr verschluckt härre uon sahn dobei: „Fräulein gestatten!" Wu hat mr freuer so a Bilderwerk ient Haus henke wüt aweil. Wanns'gout geng, sah mr on dr Wahnd a paar Konfirmierschein ien a Poträt von de heilige Genoveva henke, doas woar alles. Alleweil sein se kaum aus dr Schul, dann lasse se sich schun phottegraphiern, uon jeder glaubt, he müßt sein Fratz aach ohu die Wahnd henke. Däi naumorische Sache awer komme all vom viele Bücherlese non von all dem viernehme Gedöts. Mr met hingucke, wu mr hin will, die Zeire hun sich veränert, se sein naut mieh wäi freuer. Wann ich amol iens Wirtshaus komme uon seh se do Kpate spien, do möcht mr groad die Krammenut kriehe, woas für Wärter se do tem Maul führn. Wäi ich noach a Bosch war, do hun mr ganz annersch off de Desch geschlan, tomtit mr die Hänn voll Trump harre. Die Kreuz-Dam ient Solo nenne se etz d's „Mädche"; mir hün se d's „Mensch" ge- haaße, uon die „Aß" woar bei uns immer die „Sau". Doas woaru doach noch Nome vorn goure deutsche Klang, do woar noach kan Wort Französisch dobei. jlon wann ich so woas hieru uon sehn muß, dann giehn ich läiwer wirrer gleich Ham, leg mich hinneru Owe uon daun die Aage zou, daß ich vo bere naumorische Welt ka Riwelche mich seh." -o- veVmlschtss. * Ein Schauspieler als Heiliger. Verschiedene Stände und Gewerbe haben ihren besonderen Heiligen, dessen Beziehungen zu den einzelnen Berufen freilich oft weit genug her? geholt sind. So sieht zum Beispiel die Artillerie in der heiligen "Barbara ihre Schutzheilige, und in verschiedenen Artillerie-Garnisonen werden ihr am Barbara-Tage Feste bereitet, obwohl zu Lebzeiten der frommen Frau — int 3. Jahrhundert — von einer Artillerie noch nicht gut die Rede sein konnte. Ihr Patronat Wer die Artillerie dankt die Heilige ihrem eigenartigen Tod durch einen Blitzstrahl. Aus einem viel näherliegenden Grunde könnten sich die Schauspieler einen Heiligen zu ihrem Schutzpatron wählen, den heiligen Genesius nämlich, der selbst ein Schauspieler war. Es ist bekannt, wie die älteste christliche Kirche die , Schaubühne mit ihrem .hasse verfolgte; alle Kirchenväter eiferten gegen das Theater, und damals sicherlich nicht mit Unrecht, denn die pantomimischen Darstellungen jener Zeit waren von einer Zuchtlosigkeit, die die streitgste Bekämpfung am Platze erscheinen ließ. Zur Zeit der diokletiauischeu Christenverfolgung sollte nun der als Virtuos gefeierte Komiker Genesius in einem Possenspiel, das die Verhöhnung der Christen zum Zwecke hatte, einen Katechumenen darstellen, der noch auf seinem Totenbette die Taufe begehrte. Ein anderer Schauspieler erteilte ihm die Taufe, ein dritter machte den Exorzisten. Da aber geschah ein Wunder: die Taufe, die nur eine Bühnentaufe fein sollte, hatte die Wirkung einer eigentlichen Taufe. Von der Bühne herab zeugte.der getaufte Genesius mit so wunderbarer Beredsamkeit für die Wahrheit des Christentums, daß alle Zuschauer in seinem Banne saßen und viele, von seinem Feuer ergriffen, die Taufe begehrten. Noch wußte man nicht, ob die Geschicklichkeit des Schauspielers wirkte oder die heilige Begeisterung des überzeugten Ehristen; man führte ihn vor den Kaiser, der den Mimen lobte, weil er so gut den christlichen Fanatiker gespielt habe. Da aber erklärte Genesius offen und kühn, daß es ihm mit dem Christeni- tum Ernst sei. So wandelte sich die beabsichtigte Komödie in eine Tragödie; mau peitschte den Unglücklichen, man wollte ihn auf der Folter zwingen, zu widerrufen; er aber blieb beharrlich bei seinem Bekenntnis und wurde als ein Opfer dieses Bekenntnisses enthauptet. Die Kirche aber, die sonst die Schauspieler verfolgte und mit dem Bann belegte, hat diesen Mimen, der von der Bühne herab für die Kirche gezeugt, heilig gesprochen; fein Andenken wird am 25. August gefeiert. — Die Legende ist übrigens später selbst dramatisch behandelt worden. Rotrou, ein Freund und Zeitgenosse Corneilles, hat den Stoff auf die Bühne gebracht („Saint - Genest, comsdien pai'en, reprssentant le martyre d'Adrien"), und in unseren Tagen hat Felix Weingartner den Helden der Legende in seinem Musikdrama „Genesius" künstlerisch verherrlicht. , * In der Sommerfrische. Mutter (die mit mehreren heiratsfähigen Töchtern gesegnet ist): „Es ist rein zum Verzweifeln ! Hier hält nichts an, nur der Regen!" Rösselsprung. Auflösung in nächster Nummer: schwei ist dich je mit schäf mußt wähne dend tigt selber den mit gen der leid be tigt nicht dul nur selb st» über das sich zu winden kräs st Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Der Geist i st willig, aber das Fleisch i st schwach. Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sleiudruckerei, R. Lauge, Gießen.