M9 — Nr. 66 JMS Spätinghof. Roman von K. b. d. E i d e (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Endlich war alles hergerichtet. Die Toten waren in ihren Särgen in der besten Stube aufgebahrt, die Wände waren mit weißen Sterbelaken verhangen, und die Totenlichter brannten. Biele Leidtragende kamen, mit selbstgebundenen Buchs- baumkränzen über dem Arm. Auch die Kantorsfrau und Frauke waren dabei. Das junge Mädchen wechselte mit Jan nur einen stummen, festen Händedruck und einen innigen Blick. Tine hatte viel zu tun in diesen Tagen., Sie mußte glles sauber und blank machen, die Gäste bedienen, in der Küche helfen und überall zur Hand sein. Es war gut für sie, so blieb ihr feilte Zeit, an ihr eigenes Leid zu denken. Sie trug ihr bestes schwarzes Kleid, das sie sich beim Nähenlernen als Meisterstück angefertigt hatte. Es war aus feinem Kaschmir, mit Spitzen besetzt, und so, lang, wie es die feinen Damen trugen. Wie eine Königin sah sie darin aus, bleich und stolz und wunderschön. Nur wer sie genau beobachtete, merkte, daß ihre Bewegungen rein mechanisch waren, daß der Glanz ihrer schönen dunklen Angen getrübt war. Tine hielt sich tapfer bis zuletzt. Bis die Särge hiuaus- getragen wurden und Jan sich noch einmal zu ihr um- wandte und sagte: „Tine, halt gut Haus." Bis sich die Haustür klingend hinter dein Letzten int Zuge der Leidtragenden geschlossen hatte und sie allein, ganz allein zurückgeblieben war in dem großen, öden Hause. Da schrie sie wieder auf, wie sie nach Jaks Tode geschrien hatte; da schrie und schluchzte und weinte sie sich satt. Draußen heulte der Novembersturm. Draußeu an Jaks Grabe standen viele gleichgültige fremde Menschen, die zogen ihre dünnen schwarzen Rocke über der Brust zusammen und dachten: „Wenn der Pastor es nur nicht zu lange macht, sonst holen wir uns noch einen Schnupfen." Das Weib aber, das dem Toten allein nahe gestanden, das er geliebt hatte, das ein Kind von ihm unter dem Herzen trug, das mußte fernbleiben, das gehörte nicht zu der Trauergemeinde; an das hatte niemand gedacht. Die Trauerfeier dauerte nicht lange. Als Jan nach Hause kam, fand er Tine still beschäftigt, die Reste der Trauermahlzeit fortzuräumen. Jan sah ihr nachdenklich zu. Ihn rührte das Mädchen in ihrer schwarzen Tracht, mit den bleichen Wangen und dem unsagbar traurigen Ausdruck in ihrem Gesichte. Er war jedoch noch nicht mit sich ins reine gekommen, was er für sie tun könne. Nur so viel war ihm klar: Geld durfte er Tine Klaseu nicht anbieten. Als es anfing zu dämmern, band Tine sich ein schwarzes Tuch um den Kopf. „Ich geh mal nach dem Kirchhof," sagte sie. Jan nickte. Er fand es ganz in der Ordnung, daß ste Jaks Grab aufsuchte. Tine flog mehr, als sie ging. Auf, und ab jagte ste die Gräberreihen. Dort war das Goossche Erbbegräbnis, und da waren auch die beiden frisch aufgeworfenen Gräber. Tine wollte sich auf die frische Erde werfen, aber welches war Jaks Grab? Sie wußte es nicht. Sie kniete am Gitter nieder, faltete die Hände und betete still. Dann stand sie ans und ging langsam nach Hause. Immer langsamer, immer zögernder wurden ihre Schritte, je näher sie Spätinghof kam. Sie überlegte jetzt in Ruhe, was das Leben und der Tod ihr zu bieteu habe. Ganz genau erwog sie alles. Sie stand jetzt vor der Entscheidung. Morgen kam ihre Mutter. Die Stutenfrau hatte ihr Bescheid gesagt. Morgen würde ein böser Tag werden. Die Mutter würde sie mitnehmen, nein, sie würde sie nicht mitnehmen; was sollte Anndortjen Klasen mit einer großen Tochter, die ihr Schande ins Haus brachte? Morgen, dann würde sie in Elend und Schande gehen, in den Tod. Wenn sie nur der Mutter nicht unter die Augen zu treten brauchte, unter die scharfen, hellblinkenden Augen, denen sie solange ausgewichen war. Es mußte etwas geschehen, morgen — nein heute — was geschehen mußte, konnte gleich geschehen, ehe etwas dazwischen kam. Tine kam an den Hofgraben und sah vom Steg ins Wasser hinab. Er war sehr tief, Entengrün schwamm darauf, und die Jauche vom Düngerhaufen floß hier hinein. Nein, es war zu gräßlich, solches Wasser zu schlucken. Aber der Graben, der hinter dem Garten floß, war auch tief, das Wasser war klar und rein, er lag im Gebüsch versteckt, hier sah sie niemand, und hier — nein, hier war das Wasser auch nicht so kalt. Tine schlich ums Haus herum in den Garten. Jetzt dämmerte es schon stark; aber auf Spätinghof brannte noch kein Licht. Es war totenstill im Garten; nur das welke Laub raschelte unter ihren Füßen. Gespenstisch starrten Bäume und Büsche das Mädchen an, das scheu vorübereilte. Was war das? Stand dort nicht Jak und streckte seine Arme nach ihr aus. Nein — nur weiter — weiter; Jak lag auf dem Kirchhof unter der kühlen Erde. Jetzt war Tine an die Stelle augelangt, wo int Sommer das Wasser znm Gießen des Gartens geschöpft wurde. Hier war der Rand des Grabens seicht und niedergetreteu. Das Wasser schimmerte durch die Dunkelheit; es war klar und rein. Tine brauchte sich nicht zu fürchten. Bon dieser Stelle aus konnte sie bequem ins Wasser hineingehen, sie konnte sich dabei ein wenig an den überhängendeu Zweigen. 262 des alten Weidenbaumes sesthalten und dann sachte ins Wasser hinabgleiten. Und wenn sie es mit geschlossenen Augen tat, dann würde ihr nicht grausen; dann war es schnell vorbei..... Jan hatte Tine über den Steg kommen sehen. Er wunderte sich darüber, daß sie nicht ins Haus kam. Er ging in die Küche, aber auch durch die Hintertür kam sie nicht. Weshalb ging sie in den Garten? Was sah sie sich so scheu um? Was hatte sie vor? Jan ging hinaus, dem Mädchen nach. Jetzt war sie am Graben; sie blickte ins Wasser. Jetzt trat sie einen Schritt vorwärts und noch einen. Sie ging ins Wasser mit geschlossenen Augen. Er hörte ein leises Wimmern wie von einem Kinde. Das Wasser war kalt, sie stand bis zu den Knien darin. Jetzt versank sie, nein, noch hielt sie sich mit einer Hand au dem Weidenzweig. Jetzt ließ sie den Zweig los; sie stieß einen Angstschrei dabei aus, und in demselben Augenblick fühlte sie sich unter den Armen erfaßt und unsanft zurückgerissen. Sie kamen Leide zu Fall. Jetzt rafften sie sich auf und standen einander gegenüber. „Wer Tine!" sagte Jan sanft und traurig, wie eine Mutter zu ihrem Kinde spricht. „Aber Tine!" Tine schluchzte herzbrechend. Sie bebte vor Kälte. Die nassen Kleider klebten au ihren Beinen, und der kalte Wind durchschauerte sie. „Komm ins Haus," sagte Jan, und als sie sich nicht vom Fleck rührte, nahm er sie am Arm und führte sie mit sanfter Gewalt hinein. „So," sagte er, als sie im Wohnzimmer waren, „nun sag mir bloß, warum wolltest du das tun?" Er hatte die Lampe angezündet und das Mädchen in den Korblehnstuhl gedrückt, sie aber sprang aus, wie eine Feder, die zurückschnellt. „Weil ich in Schimpf und Schande komme. Und der mich ehrlich machen und heiraten wollte, ist tot. Morgen kommt meine Mutter, aber dann bin ich nicht mehr; ich will nicht hören, was meine Mutter sagt. Ich will fort!" , Sie sprach die Sätze abgerissen, in leidenschaftlichem Schmerz, in Seelenangst und Verzweiflung. Ihr Gesicht war geisterhaft bleich und verzerrt. Sie rang die Hände. „Wo soll ich hin? Wer nimmt mich arme Seern ? Wer macht mich ehrlich? Wo soll ich hin?" Sie lief in ihrer Herzensangst hin und her, das nasse lange Kleid legte sich um ihre Füße, ihre Schuhe waren glitschig; sie rutschte aus und fiel hin. Jan hob sie mit kräftigen Armen empor. „Aber Tine!" sagte er wieder, und in seiner Stimme klang ein schöner Ton von Herzensgüte. „Tine, ich lasse dich ja nicht fort, du bist mir doch von meinem Bruder und meiner Tante vermacht, ans Herz gelegt. Du bleibst bei mir, und dein Kind wird Thomsen heißen. Ich weiß wohl, Qaf. hat an dir gesündigt, ich will es wieder gut machen." Tine verstand nicht alles, und von dem, was sie verstanden hatte, begriff sie nicht alles. Sie war zu aufgeregt und verwirrt. Nur wenige Worte waren haften geblieben; sie hatten sich in ihr armes, gequältes Herz gesenkt wie frische Tautropfen. Um diese Worte Jans drehten sich ihre Gedanken. „Ich lasse dich nicht fort, dein Kind wird Thomsen heißen. Ich mache es gut!" Sie war so wirr, daß sie Jans Worte auffaßte als ein Heiratsversprechen. Einen Augenblick drückte fie sich fester in seinen Arm, wie ein müdes, verwirrtes Vöglein. Ein Gefühl der Sicherheit, des Geborgenseins überkam sie, und die Lust am Lebeu erwachte wieder. Alles Blut strömte zu ihrem Herzen, ihre Augen glühten in Ekstase. „Du willst mich ehrlich machen? Du willst gutmachen, was Jak an mir verbrochen hat! Ach, Jan, ich bin man eine arme Seern, aber ums Geld wollte ich dich nicht nehmen. Aber du bist gut, du bist der einzige, den ich lieb haben könnte. O, Jan, ich will dir eine gehorsame, treue Frau sein. Nie sollst du ein böses Wort von mir hören. Ich will schaffen und sorgen für dich von früh bis spät. Du guter, lieber Jan!" Durch die Tränen in ihrer Stimme klang ein heller Jubelton. Sie brauchte nicht zu sterben, sie durfte leben, atmen, die Sonne wieder sehen! Fester, immer fester klammerte sie sich an ihn, als hätte sie Angst, daß ihr jemand den einzigen Halt räubert würde. „Nicht um hunderttausend Taler lasse ich dich!" Jan war einen Augenblick verblüfft, ratlos. Er wollte den Irrtum aufklären, er wollte rufen: Nein, nein, das nicht! Als er aber das Mädchen vor sich sah, wie eine Wahnsinnige, wie eine Trunkene, die schwarzen Haare in wirren Locken ums Gesicht, die flammenden Augen verzückt auf ihn gerichtet, da besaß er nicht den Mut und die Kraft, die Aermste wieder in die Verzweiflung und Todesangst zurückzustoßen. „Ich werde morgen mit der Mütter reden," dachte er. „Tine," sagte er bann sanft und ernst, während er sich aus der Umschlingung frei machte, „geh jetzt zu Bett. Pack dich warm ein, damit du dich nicht erkältest. Nun geh, mein Kind, morgen sehen wir weiter. Ich fehe draußen nach dem Rechten." Still und gehorsam, wie ein folgsames Kind ging Tine in ihre Kammer. Als sie sich bei dem flackernden Blech- lämpcheu ihrer nassen Kleider entledigte, kam ihr wieder Schanes Prophezeiung in den Sinn: Der dich nicht will Und den du nicht willst, den heiratest du. „Ja, er ist mir bestimmt," dachte sie, „ich muß ihn heiraten." Und sie faltete die Hände wie zu einem Dauk- gebet. Dann kamen ihr die anderen Worte in den Sinn: Und den du heiratest, den behältst du nicht. Tief und schmerzlich senfzte sie auf: „Das böse Schicksal!" Sann schlief sie ein, und zum ersten Male nach Jaks Tode schlief sie fest und traumlos bis zum Morgen. Jan ging am Abend noch lange mit sich zu Rate, wie er bett Irrtum aufklären, was er für Tine tun könne. Das Versprechen, das er der Taute auf dem Sterbebette gegeben hatte, lag ihm schwer auf dem Herzen. Sollte er Tine mit Geld abfinden und zu ihrer Mutter znrückschicken? Nein, es ging nicht, fie würde das Geld nicht nehmen, und wenn die Mütter es nehmen würde, bann würde das Mädchen den Tod suchen er wußte wo. Und doch konnte Tine hier nicht bleiben, der Leute und vor allem Fraukes wegen nicht, Franke, die hier als Herrin einziehen sollte. Bei dem Gedanken au Franke verklärte sich Jans Gesicht. Er malte sich aus, wie er vor den Kantor treten und um sie werben wollte, wie er sie dann endlich in die Arme schließen würde als seine Braut, wie er ihren hellen Kopf in feine Hände nehmen und das feibenfeüte Haar küssen würde. Aber Tine! Hatte es jemand gesprochen oder hatte er es selber gesagt. Nein, nein, das konnte Tine nicht verlangen, daß er ihretwegen sein Lebensglück von sich stieß. Ain andern Morgen hatte Jan die Sache beschlafen und war doch noch nicht mit sich ins reine gekommen. Erging Tine, die ihn mit den Augen eines treuen Hundes verfolgte, aus dem Wege. Es war ihm nicht möglich, sie anzusehen. (Fortsetzung folgt.) Abdu! Hamids Thronbesteigung Von Adolf Struck (Athen). |S)er Kampf, den Sultan Abdul Hamid in diesen Tagen um seinen Thron führt, erweckt lebhafte Erinnerungen an die Umstände, unter denen vor mehr als 32 Jahren der heutige Gebieter der Osümnen zur Macht empowestiegen ist. Auch damals schon standen die Forderungen einer Konstitution im Mittelpunkte, die an die Erhebung des neuen Herrschers' geknüpft wurden. lAbdul Asis war am 20. Mai entthront worden. Er tetr ettt beschränkter und fanatischer! Mann geliefert, dessen Reise nach Europa nur dazu beigetragen hatte, seine Verschwendungssucht «och bedeutend zu erhöhen. Ser Ruin den türkischen Finanzen, der Niedergang des Osmanischen Staates waren sein Werk gev toefen; eine völlige Katastrophe konnte, so lange der türkische Herrscher in seiner autokratischen Person die ganze Gewalt vereinigte, nur durch einen Thronwechsel vermieden werden, Bekanntlich ist der Sultan zugleich der oberste Kalif aller Osman cm und während die Staatsgewalt erblichen ist, hängt das Kalifat nicht unwesentlich von dech Willen des Volkes ab, namentlich schreiben die religiösen Satzungen vor, daß ein Kalis seines Amtes zü entheben ist, sobald er untauglich geworden ist, oder sich nicht mehr im Vollbesitze seiner geistigen Fähigkeiten befindet; es bedarf hierzu nur des Fetwas (Rechtsspruches) des' Scheck ul Jslaw- Mit der Entziehung des Kalifates fällt auch der Sultan. Wär! für Abdul Asis erkannt wo'chen, daß er „in den Geschäften do Staates und der Kirche Verwirrung angerichtet hatte, und da» sein weiteres Verbleiben auf dem TWn eine Gefahr für Von — 263 M Staat bedeuten WrVe", sv war dämit MW den Scheik Kl Islam Hassan Hairullah der Ketwa gesprochen, ddr die Absetzung rechtskräftig Mächte. Murad V. wurde sein Nachfolgern Schpst als junget Prinz genoß er den Ruf eines durchaus gebildeten,, lebhaften Mannes!, der beit Despotismus verabscheute, gerecht und wohlwbllend war, ganz deut Fahrwasser des aufgekWten Jungtürkentums angel- Mrend. Aus ihn hatte mjän die größten Hoffnungen gesetzt, ihm sollte die Aufgabe zufallen, das Land mit einer Verfassung zu bedenken, die alten Mißstände durch umfassende Reformen zu beseitigen. Und als er, ciis 36 jähriger Monarch!, durch die Straßen Konstantinopels geleitet wurde, um' in der Svphieu-Moschee, beim ersten Selamlik die Huldigungen entgegenzuuehmen, jubelte ihm das Volk begeistert zu: es war ein großes Freudenfest, das Erlösung und neue Hoffnungen brachte; und als der Fürst, seit erdenklichen Zeiten zstnr erstenmal, dem jubelnden Volke für seine Huldigungen durch freundliches Kopfnicken dankte, da schien Man Wer die glückliche Wiendstng der Dinge Maßlose Frvude zu empt- finden. Murad kehrte in den Palast zuhück und seitdem — haben düstere Schatten seinen Geist umuachtet. Man weiß nicht, wäs die Ursache seiner Krankheit ward, aber der schpn Nervenschwäche, durch übermäßigen Genuß geistiger Getränke entkräftete Fürst blieb nur wenige Tage im Vollbesitz seiner Geisteskräfte: die Fülle der dramatischen Ereignisse, die Schlag auf Schlag auf den ans einer beschaulichen Zurückgezogenheit heransgerissenen Prinzen einwirkten. Mögen in ihm Zweifel hervorgerufen haben, ob alles mit rechten Dingen zugehe. Tie Entthronung des Abdul Asis, seine eigene nächtlicherweile, fast genmltsanr erfolgte .Fnthroni- sierung, der am 4. Juni folgende Selbstmord seines Onkels Abdul Asis und am 15. die Büordszenen in der Sommerresidenz Midhat Paschas, dies alles Ereignisse von tragischer Bedeutung, sollen den jungen Sultan mit Verfolgungswahn erfüllt haben. Die Zeremonie der Schwert-Umgürtung, die das Gesetz vorschreibt, mußte von Wpche zu Woche verschoben werden, das Volk sah es ungern, daß der Sultan auf den Freitagsgang in die Moschee verzichten mußte und die fremden Diplomaten und- Wgesandteni warteten vergebens auf den Tag, wo sie ihre Beglaubigungsschreiben dem neuen Monarchen vorlegen konnten. Als schließlich, des ewigen Wartens Müde, viele Jmmams, Mollahs und UleMäs sich weigerten, den Sultan in ihr Freitagsgebet einzuschließen, die Unzufriedenheit in den verschiedenen Volksklassen zunahM und gab keine Aussicht auf eine Besserung des Gesundheitszustandes von Murad bestand, beschlossen die Minister seine Absetzung. Don den beiden Prinzen, die bei einer Neubesetzung des Thrones in Betracht kamen, Abdul Hamid und Mehmet Reschad, beides Brüder des Asis, war die Wahl auf den ersteren, fcen jüngeren, gefallen, doch sollte ihm die Proklamierung der Verfassung zur Bedingung gemacht werden, gleichzeitig mit der! Verpflichtung, daß er sich zur Erledigung der Staatsgeschäfte nur verantwortlicher Minister zu bedienen haben werde. Hamid soll sich damals gegenüber Midhat Pascha schriftlich verpflichtet haben, diesen Bedingungen zu entsprechen und den Thron an Murad zurstch- zngeben, wenn dieser seinen Verstand wiedergewinnen sollte. Murad hatte in Wirklichkeit nur zwölf Tage regiert. Nachdem durch ärztliche Untersuchungen festgestellt worden War, daß auf eine baldige Heilung des Monarchen nicht mehr zu rechnen war, sprach derselbe Scheik ul Islam Hassan Hairullah am 1. September den Fetwa aus, der Murad wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit entthronte. Murad wurde in den Tscheragan-Palast am Bosporus überführt, wo er! bis zu seinem Tode in strenger Haft gehalten! wurde. Ob er je wieder genesen ist, hat man nie erfahren können, ja selbst an seiner Existenz hatte man lange gezweifelt. Der edle Fürst, der ohne Glück und Stern volle 28 Jahre verschollen geblieben war, ist erst am' 29. August 1904 im. Alter von 64 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Am selben 1. September 1876 bestieg Abdul Hamid den Thron. Die. fast überwältigenden Ereignisse hatten das Volk niedergedrückt, teilnahmslos und taub ließ es alles, was drun geschah uitb mit der Person d.s Legierenden Fürsten zusammeuhmg, an sich vvrüber- zichen. Als der junge Fürst noch an dem gleichen Tage von den Würdenträgern, hohen Zivil- und Militärbeamten durch die große Perastraße nach Stam-önl ritt, drängte man sich, so erzählt Ali Haydar Midhat Bey, Wohl, uni den glänzenden Zug zu sehen, aber mau war stumm geblieben und bekundete keinerlei Enthusiasmus; man war ängstlich geworden und witterte ein Unglück. AM 4. September fand in dem Ejnb-Kloster die übliche Zeremonie der ersten Investitur statt und Hamid wiederholte seine reformatorischen Absichten. Die nächste Zukunft sollte ein anderes lehren! Schon in dem aM 9. September veröffentlichten Haiti Humayun, der! gewissermaßen das Programm der Regierung darlegen sollte, hatte Hamid die wesentlichsten Stellen, die die Reformen betrafen, gestrichen. Als endlich nach einem erbitterten Kampfe zwischen dem Ministerium Midhat Paschas unb dem Paläste das Konsti- tntionsprojekt nicht ohne erhebliche Text-AenderUngeu vomS ultan angenommen und am 23. Dezember in der neuen Fassung proklaj- miert wurde, sollen des Sultans Entschließungen längst gefaßt gewesen fein. Als dröhnender Kanonendonner! über dem! Bosporus die Einführung der Konstitution bekundete, zog — erst jetzt wieder — eine begeisterte Menge, einer Deputation folgend, durch die Straßen. Ali Haydar gibt uns eine lebendige Schilderung : Der Scheik ü!l Islam an der Spitze der UleiMas, die von ihren Patriarchien geMcte, christliche Geistlichkeit, hie Minister, b'etl hervorragende Gelehrte Schakir Effendi, gefolgt von dm Sostas und Studenten, und eine ungeheure Volksmenge, sie alle mit Fähnchen, die die Aufschrift Freiheit trugen, zogen zup Wohnung Midhat Paschas. Am' Abend wurden die Moscheen beleuchtet, die Bevölkerung zog mit Fackeln durch die Stadt und brachte Hochrufe auf den Sultan und auf Midhat aus. Aus allen Teilen des Reiches liefen Glückwünsche' ein, die der überraschenden Freude Ausdruck gaben. Christen und Mohammedaner waren voller Begeisterung, auch der katholische Vikar in Konstantinopel gab über die durch! die Konstitution zugesagten Reformen seine Befriedigung zu erkennen, kurz, her Jubel war allgemein. Nur dey Palast von Beschiktasch verblieb in der Dunkelheit — der Sultan war leidend! Ein starrer Eigensinn machte die verheißungsvollen Absichten zunichte. Die Verpflichtungen, die Hamid auf den Thron gebracht hatten, waren vergessen und schon am! 4. MKr'z 1877 war das Parlan ent aufgelöst,-seine Schöpfer tojaMen beseitigt worden. Volksleben in Siam. I.....„,Mte Bilder vom Volksleben in SiaM,entwirft Katharina Zitelmann in „lieber Land! und Meer!". Auch in Siam sind die Errungenschaften moderner Kultur eingezogen, seitdem König Tschulalongkorn sein Land den europäischen Reformen erschlossen hat. Besonders in Bangkok dröhnt schon der! Lärm der Fabriken in die Stille ehrwürdiger Tempel und Klöster, steht die Billa des Europäers unter den bescheidenen Hütten der Siamlefen. Durch die Hauptstraße rasseln elegante Equipagen und elektrische Bahnen. Handel und Industrie liegen fast ganz in den Händen der Chinesen und der etwa 1200 Europäer; nur die SiaMesrN, me viel geschäftstüchtiger ist als ihr männlicher Genosse, ist bemüht, es den verschmitzten Söhnen des Himmlischen Reiches gleichzutun. Man sieht sie auf dem Markt vor den Fisch,- und Grüukrchnl- auslagen sitzen, das Kleinste an der Brust, während der Gatte im Hintergründe bequem ausgestreckt den Schlaf des Gerechten oder des Faulpelzes schlummert. Dafür wird der Siamese wieder von europäischer Eleganz magisch angezogen; ev. trügt Strümpfe und Stiesel auf seinen bisher gänzlich, unbekleideten Füßeit, und auf dem kurzgeschorenen Haar den Hut. So groß ist feine Lehn- sncht nach einer Kopfbedeckung, daß er sogar zum Diebe wird und nicht selten dem Fremden, der in der Rikscha dahingetragen! wird, den Panamahut von hinten vom Köpfe reißt, um wmd- schnell zu verschwinden. Die Kultur Siams ist durch Ehma stark beeinflußt, hat aber doch ihre entscheidende Prägung durch das Nachbarreich Kambodschah empfangen und alles, was von der Gesittung des Abendlandes allmählich eindringt, i|t vorläufig nur sehr äußerlicher Firnis. Selbst der König, der ohne Zweifel der aufgeklärteste Mann seines Landes ist, bleibt Orientale; es ist ein todeswürdiges Verbrechen, nach seinen Frauen zu fragen oder sich nur nach dem Hanse zu erkundigen, in bem sich muerhalb des königlichen Palastbezirkes der Harem befindet. Die geheiligte Person der Königin darf bei Todesstrafe niaft berührt werden, und so ist es denn vorgekommen, daß 6ei einen Festlichkeit die junge Herrscherin ins Wasser fiel unb während Hunderte aus ihrem .Hofstaat schreckensbleich zuschauten, doch elendiglich umkam, da niemand wagte, ihr zu helfen. Der König fall sechzig Nebensraucn haben und viele Tänzerinnen halten. Seme Tpchteu müssen fast alle unverheiratet bleiben, denn es gibt für iie keine ebenbürtigen Partien. Wenn sie aber ein Liebesverhältnis cm- gehen, so droht ihnen nach der Entdeckung der Tod. Komgsbmt darf aber nicht vergossen werden, und so werden die Verurteiltest mit Stöcken edlen Holzes zu Tode geprügelt. Das Volk hangt mit Leidenschaft seiner alten Religion, dem Buddhismus, an; es gibt etwa 80 000 iKöndje in Siam imd in Bangkok allem oOO Klöster. Jeder Jüngling des Landes bleibt einige Jahre int! Kloster. Mit dem Bettelnapf, den gelben Mantel würdevoll drapiert, schreiten die Mönche von Hans zu Haus, neigen den glattge- schvrencn Kops bittend und erhalten überall reiche Gaben, denn; das Volk verehrt sie hoch und steht ganz unter! ihrem Einfluß.. Eifrig sind die Siamesen dem Glücksspiel ergeben, dessen Formen sie wahrscheinlich von den Chinesen gelernt haben. Um! eine große Matte herum hocken in den Spielhöllen schon in der Morgenfrühe zahllose Menschen und folgen gierig der wechselnden Laune des Glücks. Von einem großen Hausen MufchclN wird aufs Geratewohl ein Teil abgesondert, von dem wieder einzelne Muscheln je vier zu vier abgezählt werden; auf die übrigbleibende Zahl kommt es an, je nachdem diese eins, zwei oder drei ist. Auf diese Zahlen setzen die Spieler und gewinnest oder verlieren, in kürzester Zeit grüße Summen, da die Spiele einander sehr schnell folgen. Hier gibt der Siamese sein Letztes hin, verspielt all sein Hab und Gut und schließlich sogar seine Frau. Im Ganzen! ist jedoch die Stellung der Frau in SiaM eine weit bessere als in Vorderindien oder China. An die Polygamie ist man gewöhnt, und die erste Gattin gebietet über die anderen Frauen, ist die Herrin des Hauses und erzieht die Kinder. Die Frauen habest ziemliche Freiheit, besuchen Theater und Festlichkeiten. Sie sind in ihrer Jugend zu ist Teil sehr hübsche, aber sie altern rasch; zudem emaillieren sie auch in den besseren Ständest die Zähste schwarz. Die Tracht ist hei den beiden Geschlechtern dieselbe und besteht eigentlich nur aus dem kurzen Rock, dem bei den 264 Redaktion: K, Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kcbe» Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Rätsel. Ich kenne im. Thüringerland einen Ort, Der ebenso heißt, wie das Flüßchen dort; Das Wörtlein wird mit vier Zeichen geschrieben. Doch willst bit sie richtig verdrehen und verschieben, So nennen sie dir einen Frauennamen, Der wenig gebräuchlich bei unseren Damen. Im Drama imb im modernen Roman, Triffst du ihii bei iveiteni ani häufigsten an- Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithniogriphs in voriger Numiner: Kelle, Egge, Geel, Egle, Leeb, Celle, Leek, Ule, Beck; K e g e l c l li b. den Entschluß faßte, in Guanajuato ein Stationsgebäude zu errichten. Es ergab sich die Notwendigkeit, eine Anzahl Häuser niederzureißcn, die in früherer Zeit aus Backstein errichtet wurden. Zur Herstellung dieses Backsteins hatte man seiner Zeit die aus den Minen stammenden Stein- und Sandreste verwendet, nachdem ihr Erzgehalt verwertet worden war. Als man zum Abbruch der Häuser schritt, gab man einige Schlittstücke zur Untersuchung in das Laboratorium. Dabei stellte sich heraus, daß dieser Schutt einen Goldgehalt von 12 bis nahezu 100 Mk. für die Tonne aufwies, durchschnittlich 32 Mk. pro tausend Kilo. Die Ursache dieses reichen Goldgehaltes liegt in der Unvollkommenheit der früheren Mittel, mit denen die aus den Minen geförderten Massen bearbeitet wurden und bei denen viel Gold und Silber verloren ging. Mit Hilfe des neuen Verfahrens hat mau den Schutt der abgerissenen Häusergruppen bearbeitet und dabei für nicht weniger als 120000 Mk. Gold gewonnen. * Westinette. Als ich kürzlich das Schaufenster eines hiesigen größeren Herrenkleidergeschäfts besichtigte, so schreibt der Gothaer L. Lencer der Zeitschrift des Allgemeinen DeutschenSprachvereins, bemerkteich ein eigenartigesKleidungs- stück, eine Herrenweste, die sich von der gewöhnlichen Weste dadurch unterscheidet, daß sie keinen Rückenteil hat. Unter diesem neuzeitlichen Erzeugnis der Schneiderkunst befand sich der Taufschein des jungen Erdenbürgers, der den stolzen Namen „Westinette“ trägt. Als ich dies las, fühlte ich mich in meinem deutschen Sprachgefühl verletzt, und es kam mir der Gedanke: wann wirst du, deutscher Michel, zu dem Bewußtsein gelangen, welche Schönheit der deutschen Muttersprache eigen ist, und welchen unendlichen Reichtum ihr Wortschatz in sich birgt, so daß du es fürwahr nicht nötig hast, ein deutsches Wort zu verstümmeln und mit welscher Endung zu versehen? Du darfst dich versichert halten, daß das vorerwähnte Erzeugnis deiner Kunst für den Liebhaber nicht minder Wert besitzt, wenn du es etwa mit dem guten deutschen Namen Halb weste belegst. „Westinette“ aber ist der Gipfel der Abgeschmacktheit. *’ Wie die Chinesen Epidemien bekämpfen, schildert ein Aufsatz der Chronique medicale. Wenn Krankheiten eine Stadt besonders heftig Heimsuchen, so vereinigen sich die Bewohner zu großen Prozessionen; daran wäre noch nichts außerordentliches, da Man Aehnliches auch im Westen tmederfmdet. Aber wenn die Gebete nicht erhört werden und die Epidemie fort- daucrt, so eröffnen die Söhne des Himmels eine Subskription zu aunsten der Gottheit; dabei aber sind sie so vorsichtig, zunächst nur eine Anzahlung zu Machen, mit der heimlichen Absicht, den Rest nicht zu bezahlen, wenn der Himmel die erbetene Gnade auch so erteilt Alle Subskribenten erhalten Quittungen, die sw an ihre Haustür heften Mit der frommen Ueberzeugung, die ochen Geister der Krankheit bmiiit abzuschrecken. Wenn aber auch dic,es Mittel nichts fruchtet, so entschließen sich die Bewohner des Ortes zu einem heroischen Mittel; sie treten zusammen, und nach kurzer Beratung ändern sie das Kalenderdatum und eilen der Zeit mit einem Sprunge um acht oder zehn Monate voraus. A.tc bösen Geister, die sich lebhaft für den Kalender interessieren, >ehen dann, daß sie sich viel länger, als sie ursprünglich beabsichtigten, in der Stadt aufgehalten haben, und beeilen sich nun, aufzubrechen ^n der Nachbarstadt empfängt man sie nut demselben Mittet und die Folge davon ist, das; in gewissen chinesischen Provinzen ore Zeitrechniing völlig verschoben ist, so daß. dem Kalender gegenüber weises Mißtrauen gerechtfertigt bleibt . . . , . * Backfisch-Monolog. „Na, mich sollte einmal em Herr zu küssen wagen, ich wollte ihm schon zeigen, daß ich Mit Mund auf der richtigen Stelle habe!" < ' Frauen ein zwischen b'ert Beine« vurchgefnWeS Stoffende den Charakter von Pumphosen gibt; Oberkörper und Beme werden vom Wolke meist nackt getragen. Echtes Volksleben ohne alle eurm Mischen Einflüsse entfaltet sich besonders rn Bangkok an dem breiten Strom, dem MenaM, wo unzählige schwimmende Haufep auf Bambuspsählen an den Ufern entlang bis. tief ui Mn Fluh hineinliegen. Da lebt alles und belustigt sich im Wafser, es ist ein wahres Froschdasein. Die Hauptnahrung des Volkes bilden Fisch und Reis, das Getränk Tee und Wasser. Ueberall bestehen die Häuser der Armen aus Bambus und ruhen auf Pfahlen, um sich gegen Schlangen und Tiger z« schützen: die Dächer sind aus Reisstroh oder Palmblattrippen. Holzhäuser haben nur die ganz Reichen. Doch dem armseligen Leben des Siamesen! verleiht eine anspruchslose Heiterkeit und friedfertige Freundlichkeit so manche Reize und Abwechselung durch religiöse Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theatervorstellungen u. a. Vermischtes. * Aus dem Kaiser Friedrich-Museum wird uns eine amüsante kleine Szene, die sich kürzlich dort ereignete, geschildert. Vor einem Meisterwerke des Quattrocento steht ein biederes älteres Ehepaar. Die Frau, ein wenig unsicher, gern bereit, sich zu begeistern, der Mann mit dem ruhigen Selbstbewußtsein des nüchternen Bürgers, der sich kein X für ein U vormachen lassen will und sein Kunsterleben mit praktischer Erfahrung durchtränkt. „Sieh doch", sagt die Frau, „wie sorgsani dies alles gemalt ist, die Bäume, die Blumen, alles ganz genau, es ist doch sehr hübsck." Aber der Mann will sich von der Kunst nicht so ohne weiteres übermannen lassen und schließlich findet er die alles erklärenden Worte: „Ja, aber so ein Maler hat doch auch sonst nichts zu tun." * Die „Sendungen von oben"., Die Mitglieder eines Hamburger Stammtisches gerieten über die Toilettenverhältnisse an Bord der Zeppelinscheu Luftschiffe in Meinungsverschiedenheiten und wandten sich brieflich mit der Bitte um Auskunft an den Grafen Zeppelin. Hierauf ist jetzt vom Bevollmächtigten des Grafen, Herrn Uhland, folgende launige Antwort eingetroffen: „Unter Bezugnahme auf die an Seine Exzellenz Herrn Grafen v. Zeppelin gerichtete Anfrage betreffs der Toilettenverhältuisse an Bord des Luftschiffes teile ich Ihnen, ohne natürlich auf eine eingehende Beschreibung der Toilettenverhältnisse der Toilettenanstalt übergehen zu können, mit, daß für die speziellen Verhältnisse besondere Einrichtungen und Maßnahmen getroffen worden sind, so daß die Herren des Stammtisches getrost ihre Spaziergänge fortsetzen können, ohne mit Regenschirmen oder anderen Mitteln zum Schutze gegen Sendungen von oben ausgerüstet sein zu müssen." *' Die Schnelligkeit der Schwalben. Ein Antwerpener Bürger hat kürzlich ein interessantes Experiment gemacht, durch das die ganz außerordentliche Schnelligkeit der Schwalben erwiesen wurde. Es gelang ihm, eine Schwalbe zu fangen, die ihr Nest unter dem Dach seines Hauses hatte; er" machte sie durch einen roten Farbenfleck kenntlich und sandte sie dann mit einem Schnellzug nach Compiegne, der 250 Brieftauben mitnahm. Am nächsten Morgen wurde die Schwalbe um 7x/4 Uhr zugleich mit den Tauben aufgelassen, und schnell wie der Blitz nahm sie die Richtung nach Norden, während die Tauben erst längere Zeit kreisend die Richtung ihrer Heimstätte suchten. Um 8 Uhr 32 Minuten erreichte der Frühlingsbote wieder sein Nest in Antwerpen. Die ersten Tauben kamen drei Stunden später an. Die Schwalbe hatte 235 Kilometer in 1 Stunde 7 Minuten, also 207 Kilometer in der Stunde zurückgelegt, während die Tauben es kaum auf 57 Kilometer iu der Stunde brachten. * Eine Stadt aus Gold. Die goldne Stadt des Märchens hat in der Wirklichkeit eine Art Ebenbild: die Stadt Guanajuato in Mexiko. Man hat die überraschende Entdeckung gemacht, daß die Häuser dieser Stadt einen reichen Goldgehalt aufweisen. Guanajuato ist eine der ältesten Minenstädte Mexikos, aber den Wert der Stadt an sich hat erst die jüngste Zeit entdeckt, als eine Eisenbahngesellschaft