1909 Phi WW i SMK Rheinlandstöchter. Roman von Clara Wie big. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Es war schon ziemlich spät, als Dallmers am Kasino anlangten, die letzten Wagen rasselten eben vor. Auf der Treppe waren Teppiche gelegt, hellgrau, mit pompös roten Rändern; die schmutzigen Galoschen der beiden Fußgängerinnen ließen häßliche nasse Tappen darauf zurück. 9hm waren sie in d-er Damengarderobe. Heiß, voll- aedrättgt. Ein Gewirr von blauen, gelben, grünen, rosa Toiletten. Dazwischen Mütter in steifseidenen Kleidern, raschelnd, sich blähend wie ausgetakelte Fregatten. Erregte Water, galante Gatten draußen wartend auf dem Gang; vor der Saaltür ein ganzer Trupp junger Männer — Offiziere, befrackte Herren — sie lassen die Ausstellungsobjekte Revue passieren. „Du — wenig weiß!" flüsterte Frau Dallmer der Tochter sin's Ohr, als sie vor'm Spiegel an ihr herum- zupfte. „Sehr angenehm für dich! Warte, nein, halt! Hier die Haarnadel muß ich noch mal herausziehen — und was ist denn das? Mein Gott, du hast ja unten die Falbel ganz schief aufgenäht! Nein, so kannst du unmöglich gehen! Gott, Gott, ich habe es zu Hause bei der schlechten Beleuchtung gar nicht gesehen! Nadeln, Nadeln!" „Laß nur, Mama, es ist ganz gut so!" Nelda schüttelte gelassen die etwas zerdrückten Röcke. „Komm jetzt herein!" Die beiden drängten sich durch. „Ah, Frau Rätin! Guten Abend! Ohne den Herrn Gemahl? Und Fräulein Nelda, so strahlend! Ganz entzückend !" „Nein, wie reizend, daß wir uns treffen!" sagte beglückt die gute Dallmer und schüttelte Frau Doktor Schmidt die Hand. „Sind Oberkonsistorialrats auch schon hier?" „Freilich, ida stehen sie ja! Sehen Sie nur, wie sie die Töchter wieder gemustert hat — kaum glaublich! Milchen mit dem Rosenkranz über dem finnigen Gesicht, Und Tonchen in Hartrosa bei ihren starken Farben!" „Gräßlich," stimmte Frau Rätin zu. Eben kam die geistliche Dame angerauscht; ihre würdevolle Gestalt prangte in Seide von einer unbeschreiblichen braunen Farbe, auf ihrem, mit mächtigen Flechten gezierten Haupt bäumten sich drei weiße Straußenfedern. Rechts und links trippelten Milchen und Tonchen in Blau und Rosa. „Ah, Meine teuren Freundinnen," — der sonore Kanzel- ton hatte etwas ungemein Schmelzendes — „seien Sie gegrüßt! Welche Fügung, daß wir uns schon hier treffen! Wir wollen uns nachher zusammensetzen. Ich spiele ja keinen Whist, es verträgt sich nicht mit unserm Stand — ach, man handelt schon gegen seine Ueberzeugung, daß man überhaupt hier ist! Aber —" sie zuckte die Achseln und streifte Blau und Rosa mit einem mütterlich stolzen Blick — „was tut man nicht, seinen Kindern zu Liebe?!" „Natürlich, natürlich! Nein, wie einzig Fräulein Milchen und Tonchen aussehen! Wie ein FrüK- lingstraum!" Blau und Rosa kuixteu, verschämt errötend, und um« schlangen dann Nelda. „Ich bin schon zu drei Tänzen engagiert," wisperte Tonchen mit den Apfelbacken, und Milchen mit, dem Finnengesicht überlief schnellen Blicks das weiße Kleid der Kränzchengenossin: „Du hast nur Satin drunter, nicht? Ich habe Seide, das ist doch viel angenehmer." Und dann zwitscherten beide unisono: „Zu nett, daß wir uns gleich getroffen haben, liebste Nelda!" „Ja, zu nett," war die eigentümlich betonte Antwort. Dann schritten alle drei, in lieblich schwesterlicher Eintracht, zur Garderobe hinaus. Draußen auf dem Gang empfing der Herr Oberkon- sistorialrat die Seinen; er reichte seiner Frau heu Arm, Blau und Rosa schwebten vor den Eltern her. Die Grupps an der Saaltür machte mit untertänigen Bücklingen Platz, aber Frau Züngleins scharfes Ohr fing doch eine nuL hingehauchte Bemerkung auf. „Sie sieht aus, wie ein aufgezäumtes Schlachtvoß des Altertums" — „und die beiden Bunten wie die Läufer, die voran plänkeln", flüsterte eine zweite Stimme. Frau Oberkvnststorialrätin zuckte zusammen. Heut war ein entschiedener Pechtag, schon beim Aussteigen hatte ein Gassenjunge „dat Elesantenbein!" gerufen, und die Gaffer hatten gelacht. „Unverschämt," murmelte sie und gab Blau und Rosa einen kleinen Puff in den Rücken. „Haltet euch nicht steif, nicht so wie Nelda Dallmer, die einen Ladestock im Rückert hat. Werneigt euch doch!" Und Blau und Rosa verneigten sich. Im Saal standen massenweis junge Damen an den Wänden herum, Tanzkarten in den Händen. Auf der Estrade stimmte die Militärkapelle ihre Instrumente. Eine erwartungsvolle Stille schwebt über dem großen, glänzend parkettierten Staunt — die Stille vor dem Sturm. Eine Gaskrone und viele Kandelaber strahlen, ein leicht beklemmender Duft von Blumen und Parfüms schwebt in der Luft. lieber dem großen Kronleuchter hockt etwas Seltsames; man sieht es nicht, aber man fühlt es. Es senkt sich von da oben herab in den Saal, es treibt die jungen Herren zu schwänzeln und zu tänzeln, die jungen Damen zu lächeln und zu äugeln, die biedern Elternpaare verbindliche Dinge zu sagen und im Herzen das Gegenteil zu fühlen. Es rst etwas Merkwürdiges, etwas Lauerndes wie auf der Jagd, was im Saal heriünstreicht — gleich wird der Kapellmeister den Taktstvck heben — schnedderedengdeng! Huß! heißahj! saß! Die Hatz geht tos! 602 Nelda Dallmer stand ruhig an der einen Seitenwand, weiß und klar hob sie sich von ihrer bunten, unruhig trippelnden Umgebung ab. Was sich die Mädchen nicht alles zu sagen hatten! Sie waren plötzlich die intimsten Freundinnen, besonders wenn ein Herr sich näherte, einer mit klirrenden Sporen und siegreichem Schnurrbart, oder ein befrackter, chapeau claque uuter'm Arm. Dann steckten sie die Köpfchen zusammen und tuschelten und kicherten und bebten wie Blumen vor'm Sturmwind. Und die Herren der Schöpfung strichen herum, schlugen die Hacken zusammen, naschten hier ein wenig Honig und dort, setzten den schärfsten Klemmer auf die Nase und suchten die beste Ware aus. „Schwer reich" ging aut reißendsten ab, dann „schön" und „tanzt gut"; das übrige wurde verauktioniert. Neldas Tanzkartc war noch nicht gefüllt. Ein paarmal war schon der ängstliche Blick der Mutter fragend zu ihr herüber geflogen, sie hatte als Antwort gelächelt. Jetzt setzte die Musik ein, als sollte eine Kavallertebrrgade in's Feuer rücken, die Tänzer stürzten auf ihre Erkorenen los — ein Scharren, ein Beugen in den Knien — heidi, fort ging's! „Darf ich bitten, Fraulein Relda?" Hauptmann Xylan- der hielt dem Mädchen seinen Arm hin. Er sagte nicht „gnädiges Fräulein"; er kannte sie ja schon, als'sie noch mit wehenden Zöpfen auf der. Chaussee Seilchen sprang. Ter lange Hauptmann mit den kurzsichtigen Augen, UM dessen Mund es oft so gutmütig sarkastisch zuckte, war kein großer Tänzer vor dem Herrn; erließ mit den Knien und trat vorzugsweiße gern auf fremde Füße, doch war er Nelda lieber als der schneidigste Ballöwe. Er raspelte kein Süßholz, er sagte nie, was er nicht wirklich meinte. Er war Nelda sympathisch und ihr jedesmaliges Kvtillon- bouquet stammte entschieden von ihm; das war schon usus. Mit einem freundlichen Nicken legte sie die Hand auf seinen Arm; sie tanzten davon, ein, zweimal herum, dann suchten sie ein Plätzchen in einer Ecke. „Fräulein Nelda," sagte Hauptmann Lylander, „machen Sie nicht so finstere Augen, es steht Ihnen nicht. Sehen Sie sich nur einmal die Jugend rund umher an! Ihre Freundinnen verstehett es alle besser, die Blicke spielen zu lassen." „Es sind nicht meine Freundinnen." Die Antwort klang herb. „Ich danke dafür." „Nun, nun, ich wollte Sie nicht beleidigen, Pardon!" Er machte eine leichte Verbeugung. „Wie konnte ich Sie auch mit den Gänschen auf dein Gänsemarkt vergleichen? Ha ha, Fräulein Nelda, der hübsche Vergleich ist mir zu Ohren gekommen. Sehen Sie, drüben schnattern ein paar recht lustig!" Er wies mit den Augen auf die andere Saalseite, ivo gerade Lena Rühling und Anselnra von Koch in lebhaftester Unterhaltung mit ihren Tänzern begriffen waren. Lena Rühling — Tochter eines Großindustriellen, Vater machte in Eisenbahnschienen — war klein, dick, lachlustig, sehr begehrt; hätte nicht nötig gehabt, so zu kokettieren, wie sie es eben tat. Doch zweierlei Tuch, besouders wenn ein Adelswappen darauf klebte, war zu außerordentlich einnehmend. Sie legte den Kopf auf die Seite und blinzelte von unten herauf den jungen Offizier an, schelmische Grübchen erschienen in Wangen und Kinn; man sagte, sie hätte Perlenzähne, nun nutzte sie auch jede Gelegenheit, sie zu zeigen. Jetzt kicherte sie hell auf, hielt sich mit deut Fächer die Augen zu und hob neckisch drohend das Fingerchen. Anselma von Koch, die Freundin der kleinen Dicken, machte es anders. Als Tochter des Kommandierenden war sie stets von Leutnants umlagert, die bunten Jacken verdrängten jedes befrackte Individuum aus ihrent Strahlenkreise, aber die moderne junge Dame hatte praktischen Sinn; sie zog das Reelle vor. Heut hatte ihr ein günstiger Wind — „Fügung" 'würde die Oberkonsistorialrätin sagen — den kürzlich nach Koblenz versetzten Landrat schon znM sersten Tanz in die Arme getrieben. Hübscher Mann, wenn auch nicht ganz jung, und sehr wohlhabend; sie nagestte rhn gleich ordentlich fest. Es wirrde ihr nicht schwer, sie war ein schönes Mädchen mit voller Büste und Wespentaille, dazu hatte sie prachtvolle, blaue Augen und etwas Sieghaftes im Ton. Die Sache konnte sich machen. Den Leutnants würde angst, sie maßen den unverschämten Zivilisten mit durchbohrenden Blicken und schlugen die Hacken zusammen, daß die Sporen klirrten. „Gnä'ges Fräulein, befehlen Extratour?" „Gnä'ges Fräulein — ä — ä — so ungnädig heute abend? !" Es verfing nicht, die Leutnants blitzten ab, Anselma vo>t Koch blieb bei dem! einmal für gut Befundenen. Nelda Dallmer mußte laut lachen, und Hauptmann Lylander stiinmte mit ein. Eine Weile lachten sie, bauu hob das Mädchen, plötzlich ernst werdend, die Augen zu dem Partner, kluge Augen voit einem weichen Grau unter dunklen Brauen. „Tanzen wir, ich werde sonst wieder boshaft, und ich hasse mich, wenn ich boshaft bin." „Wie Sie befehlen." Sie machten noch eine Tour, mitten int Drehen fragte Xyl ander: „Warum sind Sie boshaft? Wenn Sie nicht wollen, müßten Sie doch! so viel Gewalt über sich haben — wie?" Sie murmelte etlvas Unverständliches. „Gewalt über mich? Oh!" Die Hand auf seinem Aermel zückte. „Ich habe keine Gewalt über mich," stieß sie hervor. „Ich könnte manchmal alles znsammenschlagen, mich selbst mit — gräßlich — ich känn's nicht ändern — manchmal könnt' ich auch lieb fein — dann muß ich jedes Kind auf. der Chaussee küssen — albern — ich kamt's auch nicht ändern! Nein, ich habe keine Gewalt über mich — o nein!" Sie tanzte beschleunigt fort, fast wild und riß ihn mit; sie kamen aus dem Takt. Gut, daß die Musik mit einem Paukenschlag endete. Kleine Pause. Die Konversation int Saal wurde lebhafter. Geschwirr, Rauschen von Schleppen, Lachen, Scharren; man konnte sein eigenes Wort nicht verstehen. Lylander warf verstohlen einen Blick auf Neldas Tanz- karte — gerade der erste Walzer nicht besetzt, tote unangenehm für das Mädchen! „Soll ich Sie zu meiner Frau führen? Elisabeth würde sich so freuen mit Ihnen zu plaudern. Sie find erhitzt, Fräulein Nelda, es wäre besser, Sie pausierten den nächsten Tanz. Bitte, tun Sie es!" Sie lächelte und sah ihm gerade in die Augen. „Wie nett Sie sind! Aber verstellen Sie sich nicht. Ich bitt nicht erhitzt und wenn auch! Es ist Ihnen um angenehm, daß ich den nächsten Tanz schimtnle. Mir nicht. Aber bitte, bringen Sie inich zu Ihrer Fratt!" (Fortsetzung folgt.' Aus der Zchretkeuszeit Nidda'4. Bott Pfarrer W c r u c r. Wenn matt daS Totenregister der Pfarrei Nidda zur Zeit des 30 jährigen Krieges zur Hand nimmt, so fällt sofort die vermehrte Zahl der Todesfälle in der doch kleinen Stadt Nidda mit ihren Filialen Kohden, Unter-Schmitten, Michelnau auf; auch Wallernhausen war zur Johanniterpfarrei eingepfarrt. Man! findet da häufig Bemerkungen über die Todesart der Beerdigten, z. B. von mörderischen Soldaten aus dem Wege von der Kirche erschossen (so ein Pfarrer mit seinem Küster), oder beim Futter- holen erschossen. Die meisten Todesfälle liegen zwischen O k- tober 1 6 3 4 und Ende 1 635. Es sind 1768, wobei noch zu bemerlen ist, daß laut Anmerkung im Kirchenbuch iroch Zahlreiche mitbeerdigt wurden, „so nicht angezeigt worden". Es war das die Pestzeit zu Nidda. Die schliminsten Monate waren Mai, Juni und Juli 1635. Wo aber, wird inan fragen1, sollen in deut Städtchen, das damals, nach seinen Stadtmauerresten ztt urteilen, doch 'bedeutend kleiner geweseir, als.jetzt, wo es etwas über 2000 Einwohner birgt, die Leute' alle hergekommeü sein? Das erklärt sich daraus, daß die in Nidda Beerdigten, außer aus den genannten Filialen, aus noch 60 Orten der näheren und weiteren Umgebung stammten. Alle int Umkreis VON 2 Stunden liegenden Orte sind da vertreten. Aber noch viel weiter liegende, z. B. Södel, Banernheim, Staden, Lißberg, Stamnw heim, Ässenheim, Ostheim b. Hanau, Höchst a. d. Nidder, Lind- heim, BindsachseN, Birstein, Steinheim, Wenings, Düdelsheim', Florstadt, Oberau. Die Leute sind jedenfalls vor beit’ „mörderischen" Soldaten hinter die Mauern Niddas geflüchtet, um dort Schutz zu finden, fanden aber dort einen' schlimmeren Feind — die Pest, welche unter der zusammengepfropften Menge ihre Ernte hielt. Fragt man, wohin man wohl die Leute alle be- grabetk hat, so gibt die Umgebung des Johanuiterturmes, der in! solcher Zeit sein Kirchenschiff verlor, Auskttnst. So oft nämlich dort in' der, Umgebung der Spaten angesetz-t wird, um Fun- damente! zu irgend welchem Bau zu graben', so stößt man auf Lchchwl und ToteUbeine. Die damals Beerdigten gehörten den! verschiedensten Ständen aN; auch mehrere Pfarrer werden erwähnt, w Pfarrer Cuntz von Walbenhausen, Tiakomis Orchitis (Orth) zu Nrdda, Hermanuus Kirchnerus aus Whuings (Wenings),! Mar- tinus. Fenchelius aus tzitzkircheü; auch ein Lehrer Stier aus Schwickartshausen. Merkwürdig, aber für die damalige Zeit fite. 603 Kärlich, ist, daß man $. B. den Diakonns Orth in der Pfarrkirche begrub, obwohl er an der Pest verstorben war. Aeußerst zahlreich find übrigens unter den Verstorbenen Frauen und besonders „Kindlein". . In den -hiesigen -Kirchenbüchern befindet sich auch ein Rezept Contra pestern (gegen-die Pest): s - , Es lautet: 1 Handtvoll Angelica.Kraut- und Wurzel, I Handl- voll Bocks Würtz w'urzel Uno Kraut, 1 Handt Vol weinranken, 1 Handt voll Brvmb.'rbletter, 1 Handt Vol Wermet. Dieses alles klein geschnitten und in em Zinkauk getahn. Ein maß wein Essig darübergegossen Und also dreh stund stehen lassen, Wol- verdeckt, darnach mit der Kank Zugemacht, daß teilt Dampf daransgeht, In einen Kessel mit wasser gesetzt und 3 stund sieden lassen. Wann diesser Widder kalt worden. In einen Helm getahn Und zu Wasser gebraut, Essig und Kraut mit einander. Wan bau ein alt Persohn die Pest anftößet, gibt mau! ihm Vier oder fünf Löffel' Vol. Darunter muß einer Hasselnnß groß guter Tiriack gerieben werden. Und läßt man ihn, ob er kau, schwitzen, darauff sich Wol bewegen', damit er schlaffe. Dieses, hat, Gott lob. Viel Kranken geholsfen. — Man sieht aus diesenr Rezept, daß man den Schweiß als gutes. Zeichen der Genesunlg!' ausah und Schweiß Hervorrusen wollte, Wer denkt da nicht an oll die GewaltzSchwitztNren, die wir in unserer Jugend bei Erkrankungen durchmachen mußten. Dar Ende einer riteraturcafer. Wenn die Fremden in den nächsten Jahren nach Wien kommen, werden sie eine Sehenswürdigkeit nicht mehr vorfinden: das Cafs Griensteidl. Das gilt allerdings nur für die literaturinteressierten Reisenden, die .an das weitverbreitete Schlagwort von der Wiener Kaffeehausliteratur glaubten. Zur Kaffeehausliteratur gehören natürlich Kaffeehäuser, in denen ja die Literatur gemacht werden soll. Und wenn die Fremden nach Wien kamen, so ertvarteten sie, in allen Kaffeehäusern die langhaarigen Jünglinge und die alternden Bohemiens anzutreffen, die in endlosen Debatten die Probleme der Kunst und des Lebens lösten und noch erfüllt von diesen mit Koffeinrausch und Zigarettendampf durchsetzten Gesprächen ihre Bücher schrieben. Aber sie sehen sich nach dieser Gesellschaft vergeblich um — bestenfalls im Cafö Griensteidl ließen sich Spuren entdecken oder nur Erinnerungen. Das Cafö Griensteidl, das übrigens schon vor Jahren seinen Namen gewechselt hat, wenn es unter Eingeweihten auch immer noch so genannt wurde, liegt im Herzen der Stadt, an der Ecke des Michaelerplatzes und der Herrengasse, der Hofburg gegenüber. Ehemals war darin tatsächlich das Kriegslager der modernen Literatur aufgeschlagen. Was sich zu „Jung-Wien" zählte, war hier versammelt. Hier wurden die Losungen ausgegeben. Hier residierte in den 80er Jahren Hermann Bahr, soeben aus Paris zurückgekehrt, mit den neuesten Stichworten vom Montmartre versehen und der zierlichsten Stirnlocke der Welt ausgcstattet. Um ihn scharten sich die jungen Talente, die ein- für allemal die Vergangenheit über Bord geworfen hatten und, ähnlich wie das Fähnlein um die Freie Bühne in Berlin, eine neue Kulturepoche einleiten wollten. Hier fand die „historische" erste Begegnung zwischen Hermann Bahr und dem achtzehnjährigen Loris (der kein anderer als Hugo von HofmamiSthal war) statt. Da saßen Arthur Schnitzler, Richard Beer-Hofmann, Peter Altenberg, Felix Salten, I. I. David, Felix Dörmann und viele andere, deren Namen weniger bekannt geworden sind. Hier wurden Genies entdeckt und Genies gestürzt, Zeitschriften gegründet, Gedichte und Dramen vorgelesen, die Wortschätze der deutschen Sprache in kühnster Weise bereichert, eine elektrische Atmosphäre herrschte hier. Bei allem Karikaturhaften — der Wiener Publizist Karl Kraus hat es seinerzeit, als das alte Griensteidl niedergerissen und an seine Stelle das neue Kaffeehaus trat, in der Broschüre „Die demolierte Literatur" witzig verewigt — wird man dem Kreise nicht fruchtbare Wirkungen absprechen können. Ein großer Teil dessen, was heute die österreichische Literatur repräsentiert, ist hier aufgekeimt. Das alte, rauchdurchzogene Kaffeehaus wurde, wie gesagt, demoliert und ein prächtigeres entstand an seiner Stelle. Es lebte vom früheren Ruhme, ohne ihn zu vermehren. Wieder einmal bestätigte sich eine alte Erscheinung. Sobald die Dichter und Künstler Erfolg haben, ziehen sie sich in die Bürgerlichkeit zurück. „Jung-Wien" war berühmt geworden und war zugleich vom Kaffeehaus ausgeblicben. ES bewohnt jetzt elegante Wohnungen und Villen. Dec einzige Peter Altenberg, der Bohemien aus Lcbensberuf, blieb dem früheren Leben treu, aber auch er wechselte das Stammlokal. Immerhin zog noch der verblichene Glanz des Griensteidl die junge, nachdrängende Generation an. Waren Bahr und Schnitzler und Hofmannsthal nicht zu sehen, so kamen Raoul Auernheimer, Stefan Zweig, Franz K. Ginzlcp, Paul Wertheimer, Hans Müller, nicht um eine Tasse Kaffee zu trinken, sondern um über Literatur zu reden. Und aus alten Zeiten war einer da: der Heinrich, der Zählkellner, ein Original. Er kennt alle literarischen Koryphäen (nur die lebenden) beim Namen und auch ihre Bücher. Er kolportiert literarische Urteile und ist bereit, Ratschläge zu erteilen. „Dem Hermann Bahr hab' ich's gleich damals gesagt . . ." beginnt er, um von seinem Scharfblick und seiner Prophetengabe jovial zu erzählen. Im Hinblick auf ein gutes Trinkgeld vermag er Schriftsteller wie ein Kollege anzuschwärzen. Wenn er Geld herausgeben muß, so seufzt er: „O Schmerz!" Das ist sein Lieblingswort. Damit philosophiert er, klopft sich auf den Bauch und spricht wehmütig über die Nöte seiner Nase. „O Schmerz!" — das Cafe Griensteidl und mit ihm der behäbige Heinrich wird demnächst verschwinden. Es ist einfach ausgemietet worden, und da der Geschäftsgang nicht glänzend genug ist, wird cs nicht ein drittesmal neu erstehen. Wieder ein Beweis, wie wenig literarischer Ruhm rentabel ist. Hat aber die österreichische Literatur das letzte und einzige Kaffeehaus als Unterkunft verloren, was wird mit dem Schlagwort von der Wiener Kaffeehausliteratur geschehen? ____________ Vermischtes. * Die erste D a m p s e r p ass a g i e r f a h r t. Tin hübsches Bild aus der Frühzeit der Dampfschiffahrt, das bei der Fulton- Feier in Newport diese hundertjährige Vergangenheit anschaulich wiedererweckt, entwirft E. Dupuy int Figaro auf gründ zeitgenössischer Quellen. Nachdem Fulton seine ersten Probefahrten gemacht hatte, war er sich übeck die Bedeutung feiner Erfindung für den Verkehr int Klaren und suchte nun sogleich zwischen Newyork und Albany eine feste Verbindung mit seinem! Dampfschiff eiitznrichten, dessen Abfahrts-nud Ankunftszeiten genau festgesetzt wurden. Zum erstenmal strebte dieser Künstler und Träumer, der sieh bisher nur mit der Ausführung seiner genialen Ideen beschäftigt, einen materiellen Nutzen seiner Erfindung an. In den ersten Tagen des September 1807 brachte die Albany Gazette die erste Ankündigung' eines Dampfschiffverkehrs. ,,Tas „Nord-Flnß-Tampfbovt" wird Paul M. S. Hook Ferry um nenn Uhr am Freitag verlassen morgens und am Samstag um neun Uhr abends in Albany eintreffen. Man wird an Bord an Nahrung! und Bequemlichkeit alles finden, was man nur wünscht. Tie Fahrpreise betragen: nach Newburgh drei Dollar bet vterzehn- stündiger Fahrt, nach- Esopns fünf Dollar bei zwänztgstündtgcr Fahrt, nach Albany sieben Dollar bei sechsunddretßigstündtgerl Fahrt." 24 wagemutige Reisende meldeten sich auf diese Annonce hin und fanden sich am 7. September 1807 frühmorgens xm, nm sich an Bord des Dampfers „Clermont" einzuschmen. Stele Leute erfüllte diese neue Einrichtung mit großer Furcht. Ern angstvoller Vater schickte einen seiner Freiende noch nach dem Quat, nm feilten Sohn zum letztenmal aufleheu zu lassen, von dieser Reise abznstehen: „John, willst du dein Leben um einer solchen Sache willen miss dspiel setzen? Ich wiederhole dir, es ist! die entsetzlichste Erfindung, die es gibt, und dein Vater schickt mich, um dich unter allen Umstäitden daran zu verhindern.^ Aber John ließ sich nicht erweichen und stieg mit den anderen au Bord, während eine große Menge den Quai erfüllte. Die Sacha verzögerte sich etwas: cs juuktionierte nicht alles richtig, und erst "nach einiger Zeit wurde das Signal zur Abfahrt gegeben. Spöttische Bemerkungen regneten von allen Seiten aus die Passagiere ein, aber die ruhige und feste. Stimme Fultons übertönte den Lärm. Endlich stieg der Rauch zischend empor, die Räder ließen ungeheure Wasserstrahlen aufwirbeln und in dem' allgemeinen Hurra- und Beisallgeschrei verloren sich die letzten Bemerkungen der Spötter. Die Fahrt war . ein einziger langer Triumph; dte Ufer des Hudson waren mit Menschen dicht besetzt; Boote er- warletm überall mit Ungeduld die Vorbeifahrt des Clermont, der! mit endlosen Jubelrufen begrüßt iMrde. Bet Hawerstraw-Bay näherte sich eüt wackerer Mann in einem Kahn und bat um die Erlaubnis, an Bord zu kominen; man warf ttzm ein Seil zu und zog ihn hinauf. Es' toto ein Muller, der erklärte, er hatte noch niemals eine Mühle über daS Wasser fahren sehen, und er Wolle sich überzeugen', was das.sei. Fulton ließ ihm dte Maschinerie zeigen uNd den Mechoitismus.des Triebwerkes erklären. 604 MS ;er alles besichtigt hatte, wollte er MH, iwch ine Mühlsteins sehen; manj antwortete, daß das ein Geheimnis wäre, und ein Spaßvogel unter den Passagieren fügte hinzu, er solle nur eine tüchtige Ladung Getreide an Bord bringen, dann würde er schon das Mehl hercms'stieben sehen. Die Garnison von West-Point toter begeistert, ebenso die Bevölkerung der Städte, an denen man vorbeikam. Endlich langte der Clermont in Albany NN, vier Stunden vor der festgesetzten Zeit. * Die g elesensten Bücher in früher er Zeit. Den bekannten statistischen Angaben über die gelesensten Bücher der Saison können wir ähnliche aus alter Zeit an die Seite sehen. Zur Frankfurter Archiv befindet sich das MeßMeMorial be# Frankfurter Buchhändlers Michael Harder über die Fastenmesse 1569. Jin ganzen verkaufte er 5918 Bücher, und am besten gingen das „Buch von den sieben, weisen Meistern" und Paulis „Schimpf NNd Ernst". Bon jenem würde er 233 Exemplare zu je 11 Schilling, von diesem 202 los. Ein Hausarzneibuch, das „Haird- büchlein Apollinaris" setzte er, obgleich es 26pz Schilling kostete, 227 mal ab. Volksbücher wurden flott verkauft, merkwürdigerweise aber solche französischen Ursprungs bevorzugt. Fortunatus ging in 196, Magelone in 176, Melusine in 158, Ritter Pontus in 147, Ritter Gelony in 144, Octavianus in 135, die Schwanksammlung „WenduNmuth" — die „unsterbliche Kiste" jener Zeiten — in 118, Wickrams Erzählung „Der Goldfaden" in 116 Exemplaren ab. Hug Schapler wurde 97, Eulenspiegel 77, „Esop" 69- mal verkauft. Die heimatliche Heldensage hatte an Beliebtheit verloren. Die Folioausgabe Siegmund, Feyerabends voM „Heldenbuch" brachte es trotz ihrer Billigkeit nur auf vier Exemplare. Das Volksbuch von Barbarossa wurde 39 mal abgesetzt und vom hürnenen Siegfried verkaufte Harder nur 34 Exenrplare, Port denen 25 nach Worms gingen, also wohl aus Lokalpatrivtismus erstanden wurden. Er hatte poch.religiöse, Recheip- und Formularbücher auf Lager und natürlich Kochbücher und Kalender. Von Kochbüchern verkaufte er 141. Noch besser gingen „Wallerbüchle", „Planeten" Und ähnliche Literatur. — Es scheint sich gegen jene Zett im deutschen Volke wenig geändert zu haben. * Kostbare Zimmereinrichtungen. Die fürstlichen Launen in vergangenen Jahrhunderten trieben sonderbare Blüten. In der Entfaltung von Prunk kannten manche Potentaten, wie klein auch ihr Gebiet sein mochte, keine Grenzen. Ein sehr prachtliebender Herr war der Fürst Johann Moritz von Nassau- Siegen. Unter den Prunkstücken, die er für sein Residenzschloß anfertigen ließ, befand sich ein Mobiliar aus Elfenbein. Und dieses Mobiliar hat sich noch bis auf den heutigen Tag ausgezeichnet erhalten. Es besteht aus einem Sofa und zwei Lehnstühlen mit rotem Sammetbezug, einem auf vier Säulen ruhenden Tisch, zwei kleineren Sesseln ohne Lehne, zwei Leuchtertischen pnd zwei Spiegelrahmen mit Kristallgläsern. Alle diese Mobilien sind mit dem Nassau-Oranischen Wappen geschmückt und vorzüglich gearbeitet. Ihr Wert dürfte ein recht erheblicher sein, zumal sie stattliche Dimensionen besitzen und dabei recht solid und massiv sind. Durch die Oranische Erbschaft gelangten diese Möbel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den Besitz Kurfürst Friedrichs des Dritten von Brandenburg. Seitdem sind sie wohl kaum noch benutzt worden, denn bereits im Jahre 1689 wurden sie der Kunstkammer übergeben, aus der sie dann in unseren Tagen ins Hohenzollern-Museum gelangten. Uebrigens leisteten sich die fürstlichen Herrschaften sogar Möbel aus getriebenem und sorglich ziseliertem Silber. Schon im 16. Jahrhundert finden sich solche Prunkmöbel, insbesondere Tische, int Besitze der Medizi in Florenz. König Friedrich Wilhelm der Erste ließ sich durch den Berliner Silberschmied Christian Lieber- kühn jun. für den Rittersaal des Schlosses sogar einen silbernen Chor unfertigen. Sein Nachfolger, Friedrich der Große, sah sich im Jahre 1744 gezwungen, diesen Chor, der 94 812 Taler gekostet hatte, einschmelzen und durch einen versilberten hölzernen in Nachahmung des Originals ersetzen zu lassen. Das schloß aber nicht aus, daß der große König, wenn er bei Kasse war, ebenfalls eine starke Neigung für gewisse Pruukobjekte entwickelte. Besonders liebte er kostbare Tische aus buntem Marmor, Alabaster, Achat, schlesischem Chrysopras und anderen Halbedelsteinen. Einige sollen antiker Herkunft sein und aus den Villen und Palästen römischer Kaiser, so des Hadrian, stammen, andere find in Rom, Florenz, den Niederlanden und auch von dem talentvollen Kambly in Potsdam gefertigt worden. Die musivische Kunst ist bei ihnen zur schönsten Entfaltung gelangt. Der Wert mancher Exemplare geht in die Zehntausende. Auch einer Zimmereinrichtung in Bernstein, die sich ehemals im Berliner Schloß befand, mag gedacht tofcrbem Friedrich Wilhelm der Erste verschenkte sie gegen achtzig länge Kerls au Peter den Großen, oder, wie andere Berichte lauten, an die Kaiserin Anna Iwanowna. Der Berliner Johann Bernoulli sah sie 1778 in Zarskoje-Sselv. „Aus der Weilten Galerie des Schlosses tritt man," so schreibt er, „in ein großes Zimmer, das prächtigste in seiner Art, welches ich je gesehen habe; denn die Wände sind ganz mit Bernstein eingelegt, itnb haben Felder, deren Einfassungen Mit sehr künstlichen Bild- schnitzereiett von gleicher Materie geziert sind. Ueberdies sind in Vier dieser Felder eben so viel große Gemälde von florentinischev vollkommen schöner Mosaik eingelassen." Noch heute bildet dicht Berliner Bernstein-Zimmer einen der merkwürdigsten uüd kostbarsten Räume im Schloß zu Zarskoje-Sselo. Besser wäre es gewesen, wenn man die achtzig fangen1 Russen in ihrer Heimat und das Bernstein-Zimmer in Berlin gelassen hätte. * Polarfahrt einer Tonne. Bor neNn Jahren würde von der Geographischen Gesellschaft zu Philadelphia eine gauM Flotte großer fest verdichteter Donnen1 nördlich der Beringssiraße ausgesetzt, damit man dadurch womöglich interessante Aufklärungen über die Strömungen in den Polarmeeren erlange. W waren int ganzen 35 Tonnen, von denen jede numeriert war und in vier Sprachen die Bitte an bett Finder enthielt, sie mit genauer Angabe des Ortes und der Zeit der Auffindung an bett nächsten amerikanischen Konsul zu senden. Eine dieser 35 Tvnttett ist ttun tatsächlich wiedergefunden worden unb zwar an der Küste der Insel Sirö in Norwegen von einigen Fischern. Diese übergaben sie dem bekannten Polarforscher Am undsen, durch den sie an die Gesellschaft in Philadelphia zurückgelangte. Diese Tonne hat neun Jahre lang dem Druck des arktischen Eises widerstanden und der Luftlinie ttach 3860 Kilometer zurück- gelegt. Der eigentliche Weg war aber noch langer, da sie den verschiedenen Strömungen folgend Umwege zu machen hatte. Durch das Experiment hat sich ein wertvoller Aufschluß ergeben, der bisher nur Vermutung wär: die Fahrt der Tonne, die dem Nordpol sehr nahe gekommen sein muß, hat bewiesen, daß die Gesamtbewegung der Polarströmungen von Westen nach Osten geht. Kapitän Amundsen hält diese Tatsache für so .wichtig, daß er aus ihr seinen neuen Plan einer Expedition ins Polargebiet chisgebaut hat. * Wandernde Fledermaus e. Die Wanderungen der Tiere beruhen auf verschiedenen Ursachen. Viele Fische, wie der Lachs, die Meerforelle, der Maifisch, die Maränen, der Stint wandern aus dem Salzwasser in1 das Süßwasser, um dort su laichen, wahrend der Aal zu demselben Zwecke die See aufsucht. Manche Großsäugetiere, wie der Wapiti, mehrere afrikanische Antilopen und früher ausch der Bison, wandern regelmäßig, weil sie beim Verweilen in derselben Gegend an Futtermangel zugrunde gehen würden. Plötzlicher Nahrungsmangel oder sehr früher Schneefall veranlaßt in unregelmäßigen Zwischenräumen nordische Vögel, wie den Seidenschwanz und Tannenhäher, südliche Gegenden aufzusuchen. Ganz regelmäßig wandern, weil sie im Winter nicht genug Nahrung zu Haufe finden, zahlreiche Vogelarten und kehren im Frühling wieder zurück. Weniger bekannt ist es, daß auch einige Fledermäuse regelmäßig wandern; so hat man mehrfach am hellen Tage im Früh herbste eine unserer größten Fledermäuse, die frühfliegende Fledermaus, ein verbreitetes deutsches Waidtier, in größeren Flügen südwärts ziehen sehen, Mrd eine Zwergfledermaus, die sogenannte nordische. Dieses Tierchen, das in Skandinavien, Nordrußland und Sibirien lebt, rückt erst im August in die nördlichsten Teile seines Verbreitungsgebietes ein, wahrscheinlich, weil ihm die hellen Juni- unb Julinächte in den höheren Breiten nicht zusagen. Im Herbste kehrt es wieder zurück und durchmißt dabei eine Strecke von zehn Breitengraden. Außer beim Renntier ist fein landbewohnendes Saugetier bekannt, das so weite Wanderungen unternimmt. Humoristisches. * Druckfehler. Strahlend warf Susanna bei der Partie Sechsundsechzig ihren zweiten Strumpf auf den Tisch. * Auskunft. Fremder: „Welches Hotel ist zu empfehlen? Ich will mich nur ganz kurze Zeit hier aufhalten." — Dienst- mann: „Gehen Sie in die „Goldene Gans" ... da sind S' froh, wenn Sie wieder draußen sind!" * Am Stammtisch. „Herr Pfeifer, Sie kommen ja jetzt erst immer nach 9 Uhr?" — „Ja wissen Sie, eher kann ich nicht fort; meine Frau ist verreist und telephoniert jeden Abend, ob ich schon zu Hans bin!" * Das neue Dien st m ädchen. „Ah! Das muß ich sagen, einen guten Geschmack hat meine Frau!" -— „Mit JhnM hat sie ihn aber nicht bewiesen!" * Feines Gehör. „Deine Alte merkt nicht, daß dir so spät nach Hanse kommst, wenn du dir die Stiefel ausziehst und ganz leise in den Strümpfen gehst." — „Ach du lieber Gott, die wacht schon auf, Wenns Thermometer fällt!" Magisches Quadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben BDDEEFFGILLOO 0 0 R derart einzutragen, daß die wagrechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Teil des Meeres. 2. Ein Musikinstrument. 3. Titel. 4. Italienischen Bildhauer. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Rätsels in voriger Nummert M e d e a, Mete r? Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.