1909 BM am ia.-^ n~rjrT>Tni:n?r-nM'irttt- sogar ein Karussell fehlte nicht. Es war ein Fest für groß und klein, für alt und jung. Tine ging auf Jannes und Liefes Zureden mit den beiden über den Krammarkt; Janne gebrauchte doch allerhand für ihre hübsche kleine Person. Aber schon nachdem sie eine Reihe der Buden durchgegangen waren, ermüdete Tine. Liese und Janne nahmen sie am Arm und führten sie nach Hause. Aber sie waren noch nicht bei dem Häuschen angelangt, sie waren erst an der Straßenecke, da sah Tine vor der Tür eines Gasthofes mehrere Männer stehen, von denen der eine ihr merkwürdig bekannt vorkam. Sie sah ihn noch einmal genau an, ihre Finger fingen an zu zittern, ihre Hände bebten. Es war der Mann, an den sie alle die Jahre hindurch im Wachen und Schlafen gedacht hatte: Jan Thomsen, ihr Mann. „Ist dir nicht wohl?" fragte Janne. „Nach Hause," flüsterte Tine mit tonloser Stimme. Langsam schleppte sie sich vorwärts, Liese und Janne trugen sie halb. Ihr war's, als ob Bleigewichte au ihren Füßen hingen; langsam zog sic einen Fuß dem audereu nach. Jetzt ivar sie vorbei. Der yochgewachsene, stattliche Mann an der Tür des Gasthofes blickte einen Augenblick auf, als er die drei Frauen vorüberwanken sah. Ihm fiel aber nur das hübsche junge Mädchen mit den rosigen Wangen und dem vollen Blondhaar ins Auge. Sie erinnerte ihn an irgend jemand, und er fragte sich! einen Augenblick, wo er ihr begegnet sein könnte; dann wurde er durch eine Frage seiner Gefährten abgelenkt. Als Tine nach Hause kam, mußte sie sofort ins Bett; sie fühlte sich von der Aufregung elend und krank. Von diesem Tage an bekam sie eine Furcht vor Menschen und verließ das Haus nicht mehr. „Es ist nicht mehr richtig mit ihr," hieß es im Dorf. „Sie ist menschenscheu." (Fortsetzung folgte Die Vegetation im Buchenwald. Bon Konrad N o a ck. Es ist eine leider gar zu häufige Erscheinung, daß die Leute Sonntags ihren Waldspaziergang machen und keine Ahnung haben von der Fülle von zierlichen Gewachsen, die um sie her gedeihen, oder von den gewaltigen Kämpfen, die sich int Walde unter den verschiedenen Pflanzenarten, hauptsächlich den Bäumen, ab- spielen. Die nachfolgenden Zeilen sollen dem Laien, der sich nicht wissenschaftlich mit der Botanik beschäftigt nnd der Freude hat an den Schönheiten der Natur, einen weitläufigen Begriff geben, was man altes int Buchenwald beobachten kann nnd welche Gewächse man dort findet. Ich werde beim Namhaftmachen der Pflanzen, die dort gedeihen, nur solche aufzählen, die hier in der Umgegend von Gießen zu finden sind und die mich der Laie ohne besondere Vorkenntnis erkennen kamt. Die Vegetation im Buchenwald unterscheidet sich sehr von der Vegetation in anderen Wäldern, seien es Nadel- oder Laubl- wälder. Dies ist begründet durch die Biologie der Buche. Die Buche ist ein ausgesprochener Schattenbaum, d. h. ein Baum, der mit sehr geringen Mengen von Licht auskommt. Die Zweige stehen sehr regelmäßig nnd reichen oft bis fast auf den Boden. Die Belaubung ist ungemein dicht, da die unteren Blätter ja auch in dein .Valbdunkel, welches die dichte Krone hervorrust, Noch güt vegetieren können. Im Gegensatz hierzu sehen wir z. B. daß sich die Kiefer bis fast an den Gipfel von Zweigen säubert, weil die Nadeln, die sehr lichtbedürftig- sind, nicht genug Sonne haben, um zu leben. Die Buche liebt einen humusreichen, mäßig feuchten Boden und dort gedeiht sie am besten. Ist der Bodest zu feucht, so verhindert das stagnierende Wasser die Atmung der Wurzel, ohne die die Buche nicht leben kann. Auf günstigem Boden wächst die Buche sehr rasch, und dies ist der Grund, warum sie int Kampf ums Dasein mit anderen Bäumen fast intimer Sieger bleibt. Fast alle anderen waldbildenden Bäume verlangen mehr Licht als die Buche. Da diese nun aber schneller wächst, so wuchert sie bald ihre Nebenbuhler, schließt ihr Laubdach .über diesen und läßt sie nun aus Lichtmangel zugrunde gehen. Daher kommt es, daß in unserem deutschen Vaterlande allmählich die Eichenwälder immer seltener werden und daß au ihre Stelle die Buche tritt, die zwar nicht minder schön ist, aber uns Deutschen lange nicht so ans Herz gewachsen ist, als wie die stolze Eiche. Infolge der schwachen Beleuchtung des Bodens gedeihen im Buchenwald verhältnismäßig wenige Pflanzen und zwar nur suche, die der geringen Beleuchtung angepaßt sind und die auch int Halbdunkel noch gedeihen können. Alle diese Verhältnisse treffen wir jedoch nur auf normnleiN Boden an, der frei ist von Rohhumusbildung. Für die Bildung guten Humusbodens ist es unbedingt nötig, daß die organischen Bestandteile, die sich infolge des Laubfalls nsw. auf dem Boden tit großen Mengen ablagern, gründlich durchmischt werden mit den mineralischen Bestandteilen des Bodens. Dies geschieht bekanntlich durch die Tätigkeit der Regenwürmer, die nachts große Mengen Laub in ihre Löcher ziehen, dort mit Erde verspeisest nnd dann größtenteils mit den Exkrementen wieder von sich' geben. Hierdurch wird eine innige Vereinigung der organischen und mineralischen Bestandteile erzielt. Dies ist 'von großer Wichtigkeit, denn wenn nun die Bakterien die organischen Stoffe zersetzen, so entstehen große Mengen von Huminsäure, die den Pflanzen sehr schädlich werden kann, wenn sie nicht durch alkalische Mineralien neutralisiert werden. Ist die Vermengung der organischen Und anorganischen Stoffe ungenügend, fo können dtp Satiren nicht neutralisiert werden nnd schädigen die Pflanzen m verschiedener Weise. Erstens wird die Wasseraufnahme der Wnr- — 323 — Mn erschwert, zweitens wirken die Säuren direkt Listig auf die Zellen und Pflanzen, drittens verhindern sie die zerfetzende Tätigkeit der Bakterien und schlieWich bleibt ein großer Teil der Stoffe, die die Pflanze unbedingt zum Leben braucht, in so komplizierten Verbindungen im Boden gebunden, daß sie für die Pflanze un- zugänglich sind. Man kann die Rvhhuniusbildung im Wald kehr leicht erkennen; hier bilden die Blatter dicht verfilzte Massen, die sich mit dem Stock in flachen Fladen abheben lassen. Bei Normaler Zersetzung hingegen zerfallen die Blätter krümelig. An den Stellen, wo Rohhnmusbildung austritt, ändert sich sofort der Charakter des Buchenwaldes. Die Bäume stehen nicht «lehr so dicht, die Neste werden unregelmäßiger und auch die Belaubung ist nicht mehr so dicht. Die Folge davon ist, daß an manchen Stellen mehr Licht aus den Boden gelaugt, und Mit einem Schlage ändert sich die Kräutervegetation des Waldbvdens. Aber wir finden keine saftstrotzenden Gewächse, sondern Pflanzen mit ausgesprochen xerophieler Struktur, d. h. Pflanzen, die mit Einrichtungen ausgestattet sind, die die Transpiration herabsetzen, da ja, wie schon gesagt, durch die Huminsäure die Wasserausnahme! aus! dem Boden sehr erschwert ist. In normalem Buchenwald finden wir hingegen recht wenig Gewächse. Ich will mit dem Unterholz beginnen. Die meisten Laubhölzer bedürfen, wie >vir ja schon wissen, mehr Licht zum Leben als die Buche, sie kommen also für das Halbdunkel de» Buchenwaldes 'nicht in Betracht. Am besten gedeiht nodj, der eigene Nachwuchs der Buche, da er ja relativ tvcnig Licht bedarf, um zu vegetieren. Wir finden häufig, daß das Unterholz allein aus jungen Buchenbäumchen besteht. Hier und da treffen wir noch einige andere Holzgewächse, so den Seidelbast (Daphne Nezereum) mit seinen roten Blüten und Beeren (giftig!), ferner Holunder lSambucus nigra), die Haselnuß (Corylus avellana), die wilde Johannisbeere (Ribcs) und schließlich noch den einzigen Vertreter der Liane in unseren heimischen Wäldern, das Geißblatt (Loniccra caprisolium), mit großen weißen Blüten, die stark duften. Das find so ungefähr die Holzgewächse, die im Buchenwald das Unterholz bilden. An Krautern finden wir schon etwas mehr. Da ist zunächst der Waldmeister zu nennen (Asperula odörata), den wohl jeder aus materialistischen Gründen kennt, und den der Kundige nur unter Buchen sucht, da er eine typische Begleitpflanze der Buche darstellt. . In großen Mengen finden wir auch bald den Sauerklee (Oxalis acetosella), mit zarten weißen Blütchen und hell gelblichgrüucn, kleeartigen Blättern. Er überzieht oft in großen Mengen den Boden im Buchenwald. Ferner steht dort häufig die Feigwurz (Rannneulns ficaria), deren goldene Sternchen uns aus tiefdunkelem Laub entgegen lachen. Aehnlich sieht das Münzkraut aus (Lysimachia nummularia), nur ist die Pflanze kleiner, der Stängel kriecht über den Boden und trägt zwei Reihen kleiner runder Blättchen. Verschiedene Veilchenarten, Schlüsselblumen und Maiglöckchen (Convallaria maialis), stehen zerstreut zwischen den oben geschilderten Gewächsen. Schon seltener ist der Aronstab (Aruin maculatum), mit großen pfeilförnügen Blättern und Blüten, die einer unserer Zimmerpflanzen gleichen, der sog. Calla. Hier und da sehen wir auch die Haselwurz (Asarum eNropaeum), die kleine .unscheinbare Blüten unter dunklen, nieten» förmigen Blättern trägt. Auch die Einbeere (Paris' quadrifolia, giftig!) trifft man gelegentlich, eine Wanze, die leicht zu erkennen ist an ihren vier großeir im Geviert stehenden Blättern. Die Orchideen haben ebenfalls einige Vertreter geschickt, das Waldvöglein (Cephalanthera rubra) mit wenigen roten Blütchen und Watanthera bisolia, die Waldhyazinthe, die nur zwei grundständige Blätter tragt. Ein etwas häufigerer Gast ist die gelbe Taubnessel (Lamrum gateobdolon) und das Birnkraut (Pirola), welches kleine unscheinbare Blütchen trägt, die in ihrer Form etwas an Maiglöckchen erinnern. Ueberblicken wir einmal die Vegetation, die wir im Buchen- lvald finden, so wird uns äusfallen, daß die meisten Gewächse sehr dunkle Blätter haben; man denke nur an Maikraut, Maiblumen, Aronstab, Feigwurz öder die Orchideen. Dies ist eine Anpassung an die schivache Beleuchtung im Buchenwald; jede kleinste Menge Licht, die noch auf den Boden dringt, soll eben ausgenutzt werden, sonst würde die Pflanze zugrunde gehen müssen. ..Ibrner bemerken wir, daß fast alle Blumen im Buchenwald Frulnahrsblumen sind, Gewächse, die früh sprossen, blühen und fruchten, bte also ihren Lebenszweck Vollenden, ehe sich das Blätter- oach über ihnen endgültig schließt und ihnen das Licht abschneidet, oa» ue so notwendig zu ihrer Entwickelung brauchen. Ja, es die dann gänzlich absterben, um im nächsten Binwnniol^ 3U erschemen. Wir sehen, daß auch im Sä fiamvf ums Dasein gewaltiger tobt, als wir wcenschen es uns träumen lasten. Der Geruch, ein Wächter unserer Lebens?) Jmt Gegensätze zu den Organen des Gesichts- und Gehörs- finnes vermitteln uns die Geruchsorgane die Kunde von der itolllichen Befchaffenhett, von der chemischen Natur mancher Kör- , , /( Wir entnehmen diese interessanten Ausführungen mit Erlaubnis des Berlages dem empfehlenswerten Buche: „Unsere Sin- angold. (Wissenschaft und Bildung Bd. 2b.) Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. per der Umgebung und eröffnen NNs eine Welt von ganz anderen Eigenschaften als Licht und Farbe, Form und Größe, Schall oder Wärmtz es find. Die eigentümlichen Empfindungen des Geruchssinnes belveisen uns die Nähe von solchen Körpern und Stoffen, als deren charakteristisches Merkmal mir die Verbreitung eines bestimmten Geruches Hennen. Diese Eigenschaft kömmt nun aber nicht wie Gestalt und Größe und Temperatur allen Körpern- zu, es gibt vielmehr auch zahlreiche geruchlose Substanzen, und! so besitzt der Geruchsinn bei weitem nicht die immense Bedeutung für beit Verkehr des Menschen mit der Außenwelt als die besprochenen höheren Sinne des Sehens und Hörens. Hub doch spielt auch im Leben des modernen Menschen, dessen Sinne durch die steigende Zivilisation seit den Tagen des Urzustandes sich keineswegs verfeinerten, der Geruchssinn noch- eine in mancher Hinsicht nicht zu unterschätzende Rolle und übt einen besonderes Einfluß auf das körperliche und seelische Wohlbefinden. In hervorragendem Maße dient uns der Geruchssinn dazu, int Verein mit dem Geschmackssinne die Nahrungsmittel zu unterscheiden und auf ihre Zuträglichkeit zu prüfen, schon bevor wir sie in uns aufnehMen. Tenn Speisen mit unangenehmem Gehrliche find niemals gesund, wie schon ein alter Satz es lehrt, und ein schlechter Geruch warnt uns davor und verhindert uns geradezu durch die unangenehme Empfindung, etwas Schädliches, wie in Fäulnis übergehende Speisen, zu genießen. IN ähnlicher Weise tritt der Geruch als Wächter unseres Lebens ein, wenn- die Luft, die uns umgibt und die wir einatmen, um dem Blute und allen Organen unseres Körpers neuen Sauerstoff zuzuführen, mit schädliches Gasen vermischt ist, von deren Gegenwart uns die anderen Sinne nichts verraten. Freilich dürfen wir uns nicht allzusehr auf die Zuverlässigkeit dieses Warners verlassen, denn! wie es giftige Stoffe gibt, die kein besonders auffälliger pbetl abschreckender Geschmack auszeichnet, so gibt es auch giftige Gase, die selbst für die feinste Nase keinen Geruch besitzen. Als Beispiel sei hier das Kohlenoxydgas genannt, das sich in schlecht regulierten! Oesen bei ungenügender Sauerstofszufuhö bilden kann und schon Manches Opfer gefordert hat. Man muß aber nur bedenken, daß diese geruchlosen schädlichen Stoffe und Gase wohl alle erst von der fortschreitenden Kultur erzeugt wurden, daß also hier künstliche Bedingungen vorliegcn, auf welche die Natur des Menp schen nicht eingerichtet ist. Weit vollkommener genügt der Gei- ruchssinn daher auch bei den Tieren den genannten Funktionen, Und es gibt unter ihnen verschiedene Klassen, in welchen die Geruchsorgane unter allen Sinnesorganen die wichtigste Roll« spielen für die Erhaltung des' Individuums und der Art. Ihr Geruchssinn ist unendlich viel feiner entwickelt als beim Menschen und dient ihnen nicht nur zur Erkennung und Unterscheidung der Nahrung und zur Entdeckung der Verunreinigungen der umgebew- den Atmungslust, sondern auch noch zur Unterscheidung der Wt- genossen von fremden und- feindlichen Tieren, von solchen, die als Beute willkommen oder als Feinde gefürchtet sind, und end- lich, auch zur Witterung des anderen Geschlechts, das oft auf weite Entfernung gespürt wird. So scheint für viele Tiere durch die vorzügliche Entwicklung des Geruchssinnes eine ganz andersartige Sinneswelt zu bestehtn, von der wir uns mrti eine schwache Vorstellung zu bilden vermögen, luenn wir auch sehen, wie dep Jagdhund mit gesenkter Nase von geheimnisvollen Veränderungen der Atmosphäre geleitet, der Fährte des Wildes' folgt, das taM zuvor im Dickicht verschwand, ober wie er im Gewühle der Großstadt, das selbst fite unsere schwachen Rasen schon ein wüstes Chaos von Gerüchen darstellt, die Spuren seines Herrn Nicht verliert. Es ist oft gefragt worden, ob die im Wasser lebenden Tiere auch ein Geruchsvermögen oder nur einen Geschmack besitzen!, oder ob sie derartiger Empfindüngs'qualitäten überhaupt entbehren. Ohne uns über die seelischen Begleiterscheinungen mit Sicherheit zu entscheiden, die allerdings fiftl die Niedereir Tiere in dem bei dem Menschen sonst angewandten Sinne, verneint werden können, haben wir doch überreiche Beweise dafür, daß die int! Wasser lebenden niederen und höheren Tiere imstande sind, die Anwesenheit gelöster Substanzen in ihrer Umgebung in gleicher Weise wahrzunehmen wie.wir die gasförmig verteilten Stosse bemerken. Ich brauche nur! an die im ersten Kapitel erwähnten, durch einseitige chemische Reize bewirkten Bewegungen der einzelligen; Protisten, der Infusorien, Bakterien und ferner auch der weißen Blutkörperchen des Menschen zu erinnern, die als positive oder negative Chemotaxis bezeichnet werden, um die Fähigkeit, chemische Reize aufzunehmen, als in den ursprünglichen Eigenschaften der lebenden Substanz begründet zu erweisen, eine Fähigkeit, die sich aber im Lause der Entwicklung 'höherer Formen auf besonders Sinnesorgane beschränkt hat. Es scheint fast, als wenn die chemischen Reize bei den im Wasser lebenden Tieren eine besonderK große Rolle für die Auffindung der Nahrung iutb die Witterung der Artgenossen und bet! Feinde spielten, und in den Tiefen des Meeres kann es auch nicht wohl anders sein, denn außer Yen Schallreizen, die im Wasser kaum wirksam sind, verschwinde» mit dem letzten dort hinab dringenden Strahle der -Sonne der größte Teil der optischen und bei der gleichmäßigen Temperatur auch die thermischen Reize; und so ist cs denn auch 'überraschend zu beobachten, wie im Aquarium Seesterne oder andere nicht mit eigentlichen Sehorganen ausgestattete Tiere aus meterweiter Cnt- fernung eine Nahrungsbeute wittern und äufsuchen. Ob wir eS —324 mm als Geruch oder als Geschmack bezeichnen, die Trete sind jedenfalls imstande, chemische Reize zu empfinden, viele mit der ganzen Hautoberfläche, wie die Schnecken, andere, Ivie die Krebse, iniit besonderen Fühlern oder Härchen oder andersartiger chemischen Sinnesorganen. Die Fische besitzen bereits ebenso wie der Mensch am vordersten Teile des Gehirnes einen Abschnitt, der diesem Sinne besonders dienend der Riechlappen genannt wirb, und wie beim Menschen steht dieser Hirnteil mit der eigentlich! für die chemischen Reize empfänglichen Schleinchant durch den Riechnerven in Verbindung. Die Riechorgane der au der Luft lebenden Wirbeltiere haben sich freilich viel höher entwickelt: bei den in das Wasserleben zuruckgekehrten, wie die Walfische es sind, haben sie sich dagegen wieder rtivas zuruckgebildet, und so scheint es, das; die für das Luftleben tauglichen Geruchsorgane doch nicht für die Aufnahme chemischer Reize int Wasser besonders geeignet sind. Es knüpft sich hieran die Frage, ob der Mensch wohl imstande sei, unter Wasser oder überhaupt flüssige Substanzen zu riechen. Wenngleich die daraufhin gerichteten Versuche es nicht wahrscheinlich machen, so ist doch die Frage noch nicht endgültig entschieden. Die für unsere Riechorgane.adäquaten Reize bilden die Riechstoffe, die durch Verflüchtigung oder Verdampfung von der Oberfläche der riechenden Substanzen frei werden. Es gibt zahlreiche feste Riechstoffe, die sich allmählich verflüchtigen und dabei, wie es beispielsweise für den Kampher nachgewiesen wurde, eine Gewichtsabnahme erfahren. Andere, flüssige, verteilen sich noch viel schneller in der Atmosphäre, und bei diesen kommt es für die Schnelligkeit der Verdampfung auf die Natur des Lösnngs- »nittels an. Aus dem Wasser oder Alkohol verflüchtigen sich die Riechstoffe viel schneller "als aus Oel, wie sich denn auch die künstlichen Haargerüche durch ihre Bindung an Oele und Fette lauge wirksam erhalten. Es besteht überhaupt ein großer Unterschied in der Schnelligkeit der Verflüchtigung zwischen den verschiedenen Riechstoffen, der auch für die Deutlichkeit der Riechempfindungen von wesentlichent Einflüsse ist: denn die Gerüche verteilen sich in der Luft wie eine Flüssigkeit in der anderen, und wenn ein Stoff Momentan verfliegt, so wird er natürlich keine so intensive und anhaltende Geruchsempfindung bewirken können als einer, der sich nur langsam in der umgebenden Luft verteilt. Daher sind die Riechstoffe vorwiegend solche Substanzen, die ein verhältnismäßig hohes spezifisches Gewicht besitzen und nur langsam diffundieren, d. h. sich verteilen und zerstreuen. Es kennt ja jeder die dichten Dustwolken, die an sonnigen und windstillen Sommertagen über den Blumenbeeten im Garten schweben. Dir. Luftströmung kann indessen die Gerüche weithin zerstreuen oder auch ganze Duftwolken davontragen, wie es schon von alten Seefahrern erzählt wird, die weit draußen auf dem Meere bereits auf Meilemveite die Nähe der Gewü-rzinselu mit dem Gerüche wahrnahmen. Was die Entstehung der riechenden Stoffe angeht, so kann diese auf verschiedenartigen chemischen Prozessen beruhe»» und durch Oxydationen an der Luft oder durch Spaltungen, durch bakterielle oder andere Gärungsprozesse erfolgen, wie beispielsweise bei der Gärung des Schnupftabaks ein besonderer Geruchsstoff gebildet wird. Stets aber beruht der Geruch auf einer Verteilung des Stoffes selbst in der Lust, er ist von der Materie selbst untrennbar, und dieser Vorgang hat keine Aehnlichkeit Mit der Fortpflanzung der Lichtstrahlen oder Schallwellen durch den Aether. Vermischtes. * Anstand und Zy»»isinus. Als der bekannte schwäbische Aesthetiker und Philosoph Bischer seine Abhandlung über „Mode und Zynismus" veröffentlichte, wurde er seiner derbe»» Sprache wegen nicht wenig angegriffen. Nun veröffentlichten die „Süddeutschen Monatshefte" einen Brief Vischers an eine Dame, die dem Philosophen ihren Beifall über jene Abhandlung aussprach. Der Brief enthält zur Frage von „Anstand und Zynismus" einige sehr beherzigenswerte Aetißerungen, die nachdenkliche Leser vielleicht zu Vischers späterer Schrift „lieber Zynismus und sei»» bedingtes Recht" führen, die rnehr Beachtung verdient, als sie gefunden hat. Die Stelle in dein Brief ar» die Dame lautet: „Sie haberr mir durch Ihren gütigen Brief eine wahre Freude bereitet; was kann wohltuender sei»» als em freundliches Zeichen der Zustimmung von einer denkenden Frai» in einem Augenblick, wo man von so viele»» Seiten beschuldigt wird, auf unverzeihliche Weise das Weib und den Anstand verletzt zu haben. Das Gesetz des Anstandes ist ja höchst berechtigt, aber nicht absolut. Die Komik, der H»»»nor können ohne dm Zynismus gar nicht auskommen, wenn »»icht die Kontraste, deren die komische Wirkung bedarf, oft ganz salzlos und matt ausfallen sollen. Man denke doch an I. Paul, der» niemand für einet» unedle»» Geist halten wird, und der sich um der Kontrastwirkung willen die gröbsten Dinge erlaubt, weit gröbere als ich. Noch weniger kanr» die sittliche Entrüstung dieses Motivs entbehren. Mai» kann sagen, es sei doch bedauerlich, daß Hamlet in der furchtbaren Rede, worii» er seiner Mutter den sittlichen Ekel an sich selber weckt, doch gar so sehr den Anstand verletze, aber kein Mensch von richtigem Gefühle wird es sagen. Ein solcher könnte eher das Paradoxon aussprechet», gerade das Schmutzige sei hier das Ideale. Wird der Anstand zum Freibrief für das Unanständige, so wird es Zeit sein, dieses beim rechten Namen zu nennen. Man soll stets dezent sein in Worten? Das ermutigt ja förmlich zum indezenten Tnn, denn es hat ja nie das strafende Wort zu besorgen. Der Dezenzbegriff, wie er jetzt gesteigert ist, ist ein Teil der Verdorbenheit der Zeit. * Warum Kinder die Tierebeneiden. Die englische „Königliche Gesellschaft zur Beförderung des Tierschutzes" hat vor einiger Zeit ein interessantes Preisausschreiben erlassen. Um in der englischen Kinderwelt Interesse für ihre Bestrebungen z»» erregen, hat sie einer Anzahl von Schulkindern die Frage vorgelegt: „In welcher Hinsicht führen Pferde, Kühe und Katzen ein glückliches Leben und inwiefern sind sie zu bedauern?" Die Antworten der Kinder haben ein einigermaßen überraschendes Ergebnis gehabt. Die große Mehrzahl der Kinder finbet überhaupt nicht, daß die Pferde, Kühe und Katzen zu bedauern seien, sondert» vielmehr, daß sie ein beneidenswertes Leben führen. Die Begründungen dieser Ansicht werfen ganz interessante Lichter auf das kindliche Geistes- und Seelenleben. „Katzen sind glücklich, »veil man ihnen Fntter gibt, das gut für sie ist, während unseres uns manchmal nicht bekommt", schrieb ein Kind. Ein anderes: „Katze»» brauche»» sich ihr Haar nicht zu machen und sehen doch immer hübsch aus, gewöhnlich auch reinlich. Sie brauchen kein kaltes Wasser zum Waschen, sondern lecken sich nur ab. Aber ich bin doch froh, daß ich keine Katze bin." Ei»» kleiner Junge beneidet das Leben des Pferdes, „weil es keine Aufgaben zu mache»» braucht und nicht gescholten wird, wenn es seine Kleider und seine Stiefel zerreißt. Es tvird nicht getadelt, wen»» es zu spät kommt oder wenn es ungezogen ist, und bekommt nichts mit dem Rohrstock." Ein anderes Kind meint: „Daß die Pferde sich nicht um Kleider zu sorgen brauchen, denn sobald eines Abgetragen ist, wächst ihm wieder ein anderes. Ein Kind von elf Jahren schrieb: „Pferde sind glücklich, wenn sie zusammen auf der Wiese spielen. Sie spiele»» eil» Spiel, das man Pferdchenspiel nennt, manchmal sind sie auch wild. Sie sind zu bedauern, weil sie keinen Sinn für Musik haben, und »veil sie ihrem Lehrer nicht sagen können, daß sie nicht mehr arbeiten wollen, wenn mat» sie schlägt." Ein kleiner zehnjähriger Philosoph meint: „Ich glaube nicht, daß die Kühe ihr Glück genügend schätzen. Kühe scheinen immer faul zu sein. Sie habet» nichts zu tun, als umherzulaufen, ihr Futter zu suchen, z»t essen, zu trinken und zu kauen. Das ist genug Glück für die Kühe, meine ich." ------------ Diamanträtsel. In die Felder- nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a bbeed eee hhhhh i » m n o r t tu derart einzutragen, das; die wagerechten Reihen folgendes bedeuten: i. Einen Buchstaben. 2. Biblischen Rainen. 3. Franzos. Opernkomponisten. 4. Falkenartigen Raubvogel. 5. Stattlichen Baum. 6. Altes Flüssigkeitsniaß. 7. Einen Buchstaben. Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben da? Gleiche, ichster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Perci, Ente, Tara, Erbse, Rubel, Paul, Auster, Unter, Lena, Ratte, Upsala, Butter, Erle, Natal, Sulla: Peter Paul Rubens. in Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen UniversitätZ-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.