UM 1909 — Nr. 65 ^>7 kZKW^Ä WßWs Spätinghof. Roman von K. v. d. EidkL (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Tine sah die Frau entsetzt an. „Ach Gott, Jak!" sagte sie. „Ja, Jak, wer weiß, ob der sich nicht da was von in den Kaffee getan hat und hat gedacht, es wär' Zucker." „Er hat gestern abend Grog getrunken." Heistersche und Lehmbecksche sahen sich an. „Ne, von dem Zucker nehme ich nichts. Die Pflaumensuppe könnte wohl ein büßchen süßer sein; aber es geht!" „Ja, es geht!" pflichtete Lehmbecksche bei, während sie einen tiefen Teller bis zum Rande füllte. Heistersche folgte ihrem Beispiel. „Ja, die Graupen sind schön mürbe." „Und die Pflaumen sind ordentlich weich und voll. Nasche." „Und fein schineckt sie nach Kaneel und Zitrone, !vas, Nasche?" „Ja, Nasche, da kann sich ein kranker Mensch gesund dran essen." „Sag mal, Tine, wer hat das Rattenpulver gekauft?" „Jan," sagte Tine mit klangloser Stimme. „Solltest man ein bißchen Pflaumensuppe essen, Deern; wcks sitzest du da zu stützkopfen?" „Ich kann nicht." „Ach was, wir können auch nicht; man muß aber doch seinem Magen was anbieten." Heistersche füllte ihren Teller noch einmal bis zum Rande. So saßen die Weiber, aßen und schwatzten, und das Behagen lag um ihren fettigen Mund und glänzte in ihren kleinen, blanken Augen. > „Nun werde ich man Mamsell auch ein büßchen bringen," sagte Heistersche. Sie füllte einen Napf und ging damit in die Stube. „Hier, Mamsell, bring ich Ihnen ein büschen kräftige Pflaumensuppe," sprach sie mit lauter Stimme. „Nun pflegen Sie sich man daran, die wird Sie wieder auf die Beine bringen." Als keine andere Antwort als ein leises Röcheln kam, stellte sie den Napf auf den Stuhl am Bette, sagte laut: „Prost die Mahlzeit!" und ging wieder in die Küche. „Iß man. Nasche, daß die Suppe alle wird," sagte sie, während sie ihren Teller zum vierten Male füllte'. Tine saß noch immer auf dem Torfkasten. Sie regte sich nicht, in ihrem Kopf aber wirbelten die Gedanken bunt durcheinander. Warum hatte Jan Rattenpulver mitgebracht, wenn er den Ratten doch nichts hingestreut hatte? Warum mußte der Kater tot bleiben und Jak? — Jak, warum mußte er sterben? Er wollte sie doch heiraten. Er mußte sie ja heiraten! Der dich will, denn willst du nicht, und den du willsL der will dich nicht. Den du nicht willst und der dich nichj will, den freiest du. „Der Tod!" murmelte Tine uM drückte die Hand auf ihr Herz. Draußen fuhr ein Wagen vor. „Das ist der Doktor und — der Herr." Der Herr? Ja, jetzt war Jan der Herr! Dr. Michelsen ging sofort in Jaks Stube, wo der Tot« noch unverändert lag. Einen Augenblick später wurde Tine gerufen. Sic ging mit bebenden Knien; Lehmbecksche un8 Heistersche folgten als freiwillige Zeugen. „Merkwürdig, höchst merkwürdig!" murmelte Dr. Mb» chelsen. Er wandte sich an Tine. „Was hat er gestern abend gegessen?" „Nichts, er hatte keinen Appetit." Mühsam brachte sia die Worte heraus. „Und wann legte er sich schlafen?" „Spät", sagte Jan. „Er war im Krug gewesen un8 trank noch vor dem Zubettgehen einen Grog." „Aha!" Dr. Michelsen tat einen Pfiff durch die ZähnL Er drehte sich rasch um. „Ist das Glas noch da?" > „Ja", sagte Tine bedrückt. Es fiel ihr schwer auf die Seele, daß sie es noch nicht abgewaschen hatte. „Bringen Sie mir das Glas doch mal!" Die beiden diensteifrigen Frauen eilten Tine Vorau. „Aber nicht ausspülen", rief ihnen der Doktor nach. Heistersche war die erste; triumphierend brachte sie daH Glas, in dem noch ein Rest der goldgelben Flüssigkeit! schimmerte. Der Doktor untersuchte die Flüssigkeit. Er hielt das Glas gegen das Licht; er goß ein wenig davon auf soeu Handrücken in eine kleine Mulde, die er zwischen Daumen und Zeigefinger machte. Er roch daran und prüfte den Geschmack mit der Zunge. Sein Gesicht war ernst und ruhig. „Haben Sie Arsenik im Hause?" fragte er unvermittelt, „Ar — Ar" — stammelte Jan. „Sa, sogenanntes Ratteupulvcr." Tine schwankte und mußte sich am Bettpfosten halten. Was würde jetzt kommen? Hatte Jan den Bruder ver> giftet? Heistersche löste resolut die Spannung. Sie trat vor; jetzt fühlte sie sich als Hauptperson. „Ja, Herr Doktor," begann sie, „ich hab' es gleich gesagt. Rattenpulver und Zucker lagen zusammen in einem Schub. Ich wollte schon was in die Pflaumensuppe tun, dann" — sie führte den Schürzenzipfel an die Augen „wären wir alle jetzt, wo der arme Jak ist." Lehmbecksche brachte geschäftig die Tüten herbei. ,,D« sehen Sie, Herr Doktor, was ist nun Rattenpulver und was ist Zucker?"- 258 — Der Arzt untersuchte den Inhalt der Tüten; er wandte sich noch einmal der Leiche zu. „Ja," sprach er zu Jan gewendet, „Ihr Bruder ist ohne Zweifel an einer Arsenikvergiftung gestorben; der Tod muß schon lange eingetreten sein. Wie steht es mit der Alten?" ■ „Schlecht," sagte Jan. Er ging mit dem Doktor nach der Wohnstube, und die Frauen zogen sich wieder in die Küche zurück. Die Alte lag in den letzten Zügen. Dies erkannte auch der Arzt sofort, und er verweilte auf Jans Bitte! und ließ sich aus einen Stuhl in der Nähe Les Bettes nieder. Man hörte das ungeduldige Scharren der Pferde vor der Tür, von der Küche her drang das Gemurmel der Weiber, die Uhr tickte laut und vernehmbar, und ab und zu hob ein Röcheln die Brust der Sterbenden. Der Arzt flößte ihr einige stärkende Tropfen ein. Da kehrte noch einmal das Bewußtsein zurück. Sie öffnete die Augen, ihre Hand bewegte sich tastend. ' Jan trat ans Bett. Hatte sie ihm gewinkt? Wollte sie ihm noch etwas sagen? Hatte sie vielleicht noch einen Wunsch auf dem Herzen? Einen letzten Wunsch, den man einer Sterbenden nicht versagen darf? Vielleicht bereute sie, vielleicht wollte sie in der Todesstunde gutmachen, was sie ein langes Leben hindurch gesündigt. Ihre Augen flackerten unruhig; ihre Lippen bewegten sich, aber er vernahm keinen Laut. — Ob er den Pastor holen ließ? Jetzt sprach sie. — Tiefer beugte sich Jan über die Sterbende, so daß sein Ohr fast ihre Lippen berührte. Da vernahm er der Sterbenden letzte Worte, mit der letzten Kraft gesprochen: „Jak — Tine, seine — Braut —■ Kind." Jan begriff im Nu. Wie von einem Blitzstrahl erhellt, stand ihm plötzlich vor Augen, was er heute und gestern und schon früher gesehen. Ja, es war klar — Tine war Jaks hinterlassene Braut. Jak hatte an ihr gesündigt, und der Tod verhinderte ihn, es gutzumachen. Jetzt konnte die Tante nicht sterben ohne die Gewißheit, daß Fan sich Tines annehmen und für sie sorgen werde. O, diese einzige gute Tat würde ihr Las Sterben leicht machen. In Jans Augen lag ein schöner Schimmer von Herzensgüte. „Sei beruhigt, Tante," sagte er sanft. „Tine soll rhr Recht bekommen; ich werde sie nicht verlassen." Und als die Tante noch unruhig die Hand bewegte, fügte er hinzu: „Ich werde gutmachen, was Jak an ihr gesündigt hat." Froh und leicht war es Jan ums Herz, als er der Sterbenden dies Gelübde gab; er tat es ja zugleich im Andenken des Toten in der Kammer. Es freute ihn, daß die Tante mit einer guten Tat aus dem Leben schied- Der Gedanke, daß er sie falsch verstanden hatte, daß die Alte die letzte Minute ihres Lebens zu einer letzten Bosheit benutzen und das arme Mädchen vom Hofe herunterjagen wollte, kam ihm nicht. Aber noch einmal flackerte das Auge der Alten haßerfüllt aus, noch einmal bewegte sie die Lippen, die Hand krallte sich in der Bettdecke fest, La tras sie der Tod. Ein Ruck ging durch ihren Körper, ihre Züge glätteten sich, der Kops sank hintenüber. Sie war tot. Der Tod hatte den letzten Fluch aus diesem unseligen Münde in einen Segen verwandelt. Jan drückte ihr die Augen zu. Er war aufs tiefste erschüttert. Am meisten ergriff es ihn, daß diese unselige Frau, die nie in ihrem Leben einem Armen etwas Gutes getan hatte, in ihrem letzten Stündlein eines unglücklichen Mädchens gedacht hatte. Als jetzt Tine ins Zimmer trat, sah er, wie es um sie stand, und er nahm sich vor, das Mädchen als das Vermächtnis Les Bruders und der Tante zu betrachten, als ein Vermächtnis, das ihm hoch und heilig sein sollte. Während nun der Doktor vom Hose fuhr, eilten auf dem Seitensteg Lehmbecksche und Heistersche ins Dorf. Es galt, die neueste Neuigkeit unter die Leute zu bringen. Zwei Tote an einem Tage und beide aus dem verrufenen Spätinghos, so etwas war noch nicht dagewesen. Dagegen war Hans Fedder Andresens Tod gar nichts. (Hans Fedder Andresen war von seinem Heuwagen überfahren worden.) -In dieser Wacht rauschte der Regen auf Spätinghos hernieder. Es war ein kalter Regen, mit Schnee vermischt. Auf Spätinghos brannte die ganze Nacht hindurch bis zum! frühen Morgen das Licht, und die beiden Menschen, die mit den beiden Toten unter einem Dache weilten, tatest kein Auge zu. Unruhige Tage brachen über Spätinghos an, Und die Unruhe verdrängte das Grauen, Las sich breit machen wollte. Leute kamen und gingen. Die Leichenmarie kam mit ihrer großen Handtasche und Thoms Zimmermann, der die Särge machte, kam, den Maßstock in der Hand- Die Nachbarsfrau vom Bäkhof kam mit ihrer Tochter Siete herüber und schaltete in der Küche von Spätinghos, als ob sie ihr eigen wäre. Sie kochte, briet und buk sür die Trauergäste, und Lehmbecksche stand mit Heistersche im Windfang, hob die Nase hoch und schnubberte. Heistersche 'stieß sie an. „Nun haben wir ausgebacken. Nasche!" Traurig zogen sie ab. Des Nachbars Knechte trieben die Kühe ein, damit sie nicht umkämen. Jetzt hing keines Menschen Existenz mehr daran; jetzt stand der Stall für sie offen. Lehnsmann Bartels kam mit einigen Herren vom Amtsgericht aus Tönning. Einer der Herren stellte Fragen, und der andere schrieb, und Lehnsmann Klas Bartels riß die hellblauen Augen weit auf, machte ein würdevolles Gesicht und sagte immer dazwischen: „Hm, was ich! sagen wollte." Er sagte aber doch nichts. Auch Tine wurde verhört. Sie weinte so hestig, daß kein Wort aus ihr herauszubrittgeu war. Lehmbecksche dagegen tat sich sehr wichtig, aber sie kam zu weit von der Sache ab. Sie erzählte, wieviel Milch und Buttermilch sie schon von Spätinghos bekommen und wieviel Groschen das schon gekostet hätte; das schien die Herren nicht zu interessieren. Die Hauptperson blieb Heistersche. „Hoher Herr Gerichtshof," begann sie. „Ihnen Herr Lehnsmann nicht ausgeschlossen. Das Rattenpulver war da, das -kann ich bezeugen, und ist keine Ratte daran zugrunde gegangen. Wissen Sie, was meine Meinung ist? Vergangen Jahr brannte hier in Witzwort Peter Behrens sein Hof ab, und er selbst verbrannte mit dabei. Da kam es denn heraus, daß er es selbst angestochen hatte und hatte sich danach wieder ins Bett gelegt, um sich den Anschein zu geben; daß er denn darüber fest einschlief und dabei umkam, das war auch ein Versehen. Und so ähnlich, denk' ich, wird es auch wohl mit Jak Thomsen gewesen sein; ich wollte sagen Jakob Thomsen." Da hatten sich die Herren vom Gericht groß angesehen, und der Schreiber hatte auch von seinem Buch aufgesehen; Lehnsmann Bartels hatte gesagt: „Ja, was ich noch sagen wollte." Es sagte aber niemand mehr etwas.. Als die Herren dann fertig waren, fuhren sie wieder davon, es wurde niemand mitgenommen und eingesteckt, wie die Dorfjungen, die auf dem Wege standen, vermutet hatten. (Fortsetzung folgt.) Bilder aus Siebenbürgen?) Von Leo Greiner. K r v n st a d t. Seit der endgültigen Einverleibung Siebenbürgens irt den ungarischen Staat ist von den offiziellen Landkarten der alte, fast mystisch klingende Name dieses Landes verschwunden: Siebenbürgen, das Land der sieben Sachsenburgen auf den felsigen! Höhen des Gebirges, Erdsly, „das Land der Wälder", wie es der Madjar in seiner Sprache nennt, ist in einen „Kreis jenseits des Königsteiges" verwandelt und seines Charakters' als Großfürstentum entkleidet worden. Die Unterwerfung unter die national-ungarische Staatsidee hat aber die hartnäckige Eigen? willigkeit dieses Landes nicht zu brechen, ja kaum' zu beugen! vermocht: jenseits des Königsteiges, eines verwilderten Passes, durch den sich jetzt die Eisenbahn mühsam ihren Weg aus der ungarischen Tiefebene ins siebenbürgische Hochland bahnt, hebt nach wie vor eine neue, fremdartige Welt an, durch Gebirge nach allen Seiten geschützt und abgeschlossen, nur durch wenige Tore zugänglich, in sich selbst versunken, traumhaft in alten' Erinnerungen, Bildern, Sagen ünd Sitten, lebend, finster, ohne Beispiel. Hier war einst Dazien, in das Trgjan Sklaven und Kolo- *) Mit diesem! Aufsatz eröffnen wir eine Reihe von Skizzeü, in Lenen Lev Greiner Eindrücke von seinen Reisen und Wan- Lerüngen in Siebenbürgen WldeHr wird, D!, Red'. 259 nisten entsandte, die die. endloses Tage ihres Exils in beit schwärzet! Schächten der Bergwerke verbrachten. Pest, Stadtbrände, Kriege, Hunger uttb Wirren fanden hier itrt Weglosen immer noch Pfade, verheerend das Land zu durchziehen. Erschrocken zogen sich die Menschen auf sich selbst zurück; die äußere Welt bot ihnen hier! keinen Halt, so errichteten sie sich WeWe und Burgen im Jwnern; sie flüchteten sich zu ihrem! Gott, zu ihren uralten Traditionen', verschanzten ihie Kirchen, banden sich Nnverrückbar an ihre Scholle jund waffneten sich durch eine starre, alles Fremde abstoßende innere Organisation gegen die wütenden Unbilden den Umgebung. Insbesondere die eingewanderten siebenbupgischen Deutschen, die dereinst von den ungarischen Königen vom Niederrhein Ijee ins Land berufen worden waren, lagen von je mit der unwirtlichen Natur in Härten, grausamer Fehde unbi tun es heute noch!, wenn auch der Kampf, den milderen Zeiten entsprechend, jetzt mehr geistige Formen angenommen hat: wandte er sich einst gegen Urwälder, Sümpfe und reißende Tiere, so gilt es jetzt, seine Seele gegen die Bedrückung all der schweigsamen Enge und lastew- den Dumpfheit dieser vereinsamten Täler, meilenweiter,,schwarzer Forste, wenig, begangener Bergzüge und verschollener Ansiedlungen zu bewahren. Wenn der Schnellzug, von Budapest Verkommend, den Königsteig überwunden hat und man im Morgengrauen in die Wildnis der durcheinanderlaufenden Höhenrücken hineinfährt, die mit ihren Nndcutlichen, vom Nebel umfangenen Massiven- bald nahe an den Bahnkörper heranzuspringen, bald sich in der Weite des Hochlandes ins Unendliche zu wiederholen und zu verlieren scheinen, während die rasche gewundene Bewegung des Zuges sie bald gestreckt, bald stumpf und geballt, in wechselnden Formen von' Zügen und Kegeln vor dem Auge vorüberwandern läßt, so fühlt man, inmitten dieses veränderlichen und dennoch gleichförmig immer wiederkehrenden Schauspiels, wie das, was hinter einem liegt, Europa, langsam zurücksiukt, verdämmert, fremder Boden Macht gewinnt und- eine neue, unbekannte Ferne sich geheimnis-- voll erschließt. 'Ter Tag steigt: Stunden uM Stunden verrinnen; nur wir in dem brausenden Zuge scheinen Menschenwerk in diese endlose Landschaft zu tragen, sonst nichts als Berge, Wälder und Flüsse, schier unerschöpflich sich erneuernd, schwindend, enttauchend, in unübersehbarer Verwirrung, in Wellen und Kreuzen gelagert, ein Gedränge von Köpfen und Linien, bald durcheinander wimmelnd, bald breit und majestätisch entfaltet. Haben diese Berge Namen? Sind diese Täler bewohnt? Ter Zug hält: müßige Menschen stehen hinter der Holzbavriere des kleinen, öden Bahnhofs, die Männer in Pelzmützen und fremdartigen Kitteln mit Felljacken, die Frauen mit weißen Kopftüchern und kürzen Mänteln aus einem langhaarigen groben Stoff. Es entsteht eine kleine Bewegung, dann liegt der Zug scheinbar zwecklos vor dem Bahnhof, in der Sonne. Tie bräunlichen und ockergelben Hütten des Torfes stehen still an der Berglehne, an einem offenen Brunnentrog trinken Pferde und Büffel. Tann geht es wieder hinein in das weite, fchweigende Land!, zwischen den wimmelnden Höhen und durch die schattenvollen Einschnitte der Bergwälder. Einmal erblicken wir im Fluge die alte Kirche einer Stadt, die von der Höhe eines bewaldeten Felsengipfels in ein gewundenes Flußtal hinabschaut. Tann bricht die Bahn in langsamer Fahrt durch den engcnl Spalt, den ihr die dicht zusammentretenden Waldgebirge übrig lassen, hinaus in die breit ausgeschwungene Hochebene des Burzen- landes, die sie, wie befreit durch die ausgetane Weite, rasch und donnernd durchquert, dem Gebirge zu, das mit seinen verschneiten Gipfeln, die braunen und grauen Schroffen im Glanz der Sonne gebadet, die Ebene mit schwer ersteigbaren, ewigen Mauern rings gegen das südlicher gelegene Rumänien umgrenzt. J'N der äußersten südöstlichsten Ecke des Landes aber, sich in alle Winkel und Mulden der Borberge drängend', die zu den Felsengipfeln! der transsylvanischen Alpen hinanführ'en, liegt im' finstern, bewaldeten Tal Kronstadt, die Krone der siebenbürgischen Städte. * Wenn der Wanderer, aus der Ebene kommend, die Stadt durchschritten hat und'dort, wo sich ihre letzten bunten Häuser in dem herandrängenden Gebirge verlieren, den Anstieg in die Alpen beginnt, begegnet er einem steilen, nur schwer zugänglichen, mit schwarzen Nadelhölzern dicht umwachsenen Felsenkegel, dem auf der andern Seite des von einem Wildbach duvchronnenen Tals der Peatra Corbului (Rabenstein), ein fast kahler Bergrücken, gcgenüberliegt. An dieser Stelle soll dereinst der ungarische König Salomon, nach dem der Kegel heute noch Salomonsfelsen genannt wird, mit einem einzigen Sprung seines Rosses über das Tal gesetzt und so den nahenden Verfolgern seiner entthronten und flüchtigen Majestät entgangen sein. Tiefe Sage ist gewissermaßen eine symbolische Darstellung der seltsamen Lagerung dieser Stadt; diese ist wirklich kaum mehr als einen Roßsprung breit, ihre Breitseite kann an der ausgedehntesten Stelle in kaum' einer Viertelstunde begangen werden. Rur ihrer Längsansdehnung vermag des Wachstum der Stadt noch etwas hinzuzufügen. Tie Breite ist durch die Berge beschränkt und mit Gassen und Gäßchen, verstreuten Häusern und Gehöften, hölzernen Sommerhütten und steil an den Hängen kletternden Kirschgarten in allen wohnlicheren Winkeln, Einsentüngen und Abflachungen des widerspenstigen Terrains über und über erfüllt, und spürt an allen Ecken und Enden feie drohende Nähe der Wälder und Gebirge, die die Menschen, wenn sie mit ihren Wohnungen in sie tzinaufzudringen versuchen, mit ihrer finsteren Strenge nur zu bald in die dumpfe Beschränkung des Tals zurückverweisen; nur mühsam klimmende Ausläufer niedriger, windschiefer Häuserzeilen erinnern da und' dort an die unlohnenden Versuche, bie Hänge, Sättel Und Buchten der Höhe zu besiedeln. Aber die Länge der Stadt dürfte mit anderthalb Meilen kaum überschätzt sein; noch in der Ebene setzt die Altstadt ein, dort wo dasMiralte evangelische Kirchlein Sankt Bartholomä am Rande der Straße steht. Eine einzige, schier endlose Zeile mit nur wenigen unwoh'n- lichen Hintergäßchen ist die Altstadt, die in der Bauart ihrer fast durchgehends ebenerdigen Häuser noch an den Stil der alten sächsischen Bauerndörfer erinnert. Tie reinlichen Schmalfronten der Straße zugekehrt, mit hohen, vorne abgestumpften, luftigen Giebeln. Eine ungeheure, klirrende Dampfbahn mit schlotternden Wagen knirscht jetzt hin an den kleinen, verängsteten Hänprn, an scheuenden Pferden und wild durcheinanderrennenden Schafherden vorbei, wie wenn jemand der Gedanke, gekommen wäre, einen gewaltigen Schienenstrang mitten durch. eine Puppenstube zu legen. Tann erweitert sich der Raum: ringsum ganz und gar von jenen alten, sonnenlosen Promenaden umgeben, die tu den heißen SomMern alle Gassen und Plätze mit ihrer ewigen! Kühle überrauschen, und an dem überwucherten Gestein der Ltadt- mauerreste, an turmhohen, runden Basteien, unter Manetbogen und geleitet von zischenden Felsbächen unter breitkromgen. .Kastanien und Buchen entlanglaufen, liegt die innere stabt mit vielen engen, lichtlosen und wenigen breiteren Gaffen, m denen die bunten Sonnendächer vor den Geschästsläden Mit den fchwarz- lichen Farben der kleinen, schnWlsrontigen Häuser feltfaM duster- lustig kontrastieren. Neben dem glücklicherweise noch wenig her- vvrtretenden Budapester Barock und jenen nüchternen, geometrnch viereckigen Steinkasten, wie sie ostmals in ungarifchen ^andstadten ein langweiliges Tasein vertrauern, gibt es hier noch alte, hoch- dachige Häuser mit gedrehten Treppen, dämmernden Korridoren und schattigen, nachgedunkclten Zim'mern. Mitten auf dem Marktplatze, dessen volle Sonne, blendet, wenn man aus dem Dunkel der Gasfen hervortritt, steht das Rathaus, das wie ein europäisierter! chinesischer Turm brems chaut; ein kaum stockhoher quadratischer, Unterbau, m dem Ueme Geschäftsleute und Handwerker hinter! halb erblindeten scheiben tn ihren winzigen Läden sitzen, trägt ein Dach aus Wettergebraunten Ziegeln, das, von allen vier Seiten ansteigend, em pyramidenförmiger Giebel zu werden verspricht, jedoch schon in geringer Höhe von einem zweiten, aufsatzartigen Ausbau unterbrochen wird, der durch seine runden, offenen Bögen Einblick in Galerien und Korridore gewährt. Auch! sein Dach bestrebt, sich energisch', sich zu einer flachen Pyramide zu verjüngen, stößt ledoch von allen Seiten an den kerzengradeu, gekuppelten Turm an, von besten Höhe der Feuerwächter die Sturmglocke zu lauten pflegt Dustes groteske Gebäude mit seinen streng vergitterten Fenstern ist nahezu eigelb gestrichen und wirkt auf dem sonnigen Platz tote em Wahrzeichen alles Skurrilen und Launenhaften, das bte Bewohner dieser düsteren Stadt erfüllt, deren Seele im Laufe der ^ahr-, Hunderte der Enge und beut Dünkel dieses emgeschlossenen Dals mehr als einmal unterlag; die Tollköpfe, Sonderlinge und stadt- narren sind in diesem Bergwinkel hjäusiger zu finden als anderswo. Nur wenige Schritte durch einen engen Eingang zwischen den Häusern und wir befinden uns aus dem Platze, nuf Dem', alles überragend, das gotische Massiv der „schwarzen Kirche steht. Ein Stadtbraud int 17. Jahrhundert hat bte reiche Ver- goldung ihrer Zierraten und Ornamente Mweggeschmolzen und, ihre Mauern geschwärzt; niedrig ist der Turm, als habe er sich vor den Drohungen des nahen Gebirges nicht hoch genug zu strecken gewagt, fast plump der gewaltige Leib des.dunkeln GotteS- hanscs, aus dem au den hohen evangelischen Festen bte Gemng« einer riesigen Orgel hervorhallen. Eng ist der Platz und still, man nennt ihn „der Kirchhof", nicht uni einen Gottesacker damit zu bezeichnen, sondern weil er wirklich der Hof diefer ^finstern! Kirche ist; die Gebäude, die ringsum liegen, die alten schulen, Gründungen der Reformation, die Häuser der Stadtpfarrers, der Prediger, des Rektors, sie alle wirke» zusammen wie Trakte eines Ganzen, das in Gemeinschaft mit der Kirche den menschenleeren', wenig belichteten Hof umschließt. Nicht im Stil der Bauten, bte teilweise durch neue ersetzt sind, aber in der Atmosphäre, bte ite heute wie vor 400 Jahren umweht, liegt der verschollene Zauber dieses Platzes. Bon ihm ging die siebenbürgisch-deutsche Reformation ins Land, und alle ihre Geister scheinen, unberührt von der Zeit, noch heute diesen von der wahrhaften Kirche und der freien Sclnle umfriedeten Raum zu beseelen, von dein aus ernst die Freiheit jedes Christeumenschen von deutschen, bibelfesten Männern in die. Wildnis des Gebirges verkündigt wurde. Denn nirgends! hat sich der zähe, konservative Sachsengeist hartnäckiger bewährt als in der Erhaltung der altbürgerlichen und humanistischen! Ideale. Obwohl die Zünfte längst verschwunden sind, die noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts einen weitansgedehntenl Handel bis in den Orient betrieben, indem besonders die Erzeugnisse der Lohgerber und Tuchmacher sich einer großen Berühmtheit bis nach Asien erfreuten, so scheint doch der starre Geist des alten Handwerks im sächsischen Volke unvermindert sich erhalten! zu haben. Kaum daß wir die innere Stadt verlassen, so erinnern! die Rahmen dxr Tuchmacher, in die sie die Tücher zur BleiM spannen, an einem steilen Berghang, der sich zu unserer Rechte!» erhebt, noch jetzt an die vergangene Blüte des Städtew-esens zur Zeit der Reformation. Rasch freilich müssen wir uns nun aller Gedanken an Deutschtum, Renaissance und Handwerk ent- schlagen. Denn indem wir jetzt in das sich verschmälernde Bergtal vor uns eindringen, ändert sich jählings die umgebende Welt. Wir sind im Bulgarenwinkel, wie der Madjar diese endlos lange, verwilderte Vorstadt nennt, weil sie ausschließlich von romani- sierteu Bulgaren bewohnt wird. In zwei dicht nebeneinanderlaufenden Häuserstrangen, die sich Hier kreuzen, um sich dort von Bächen und Stegen an zahllosen Stellen beengt und verschoben, wieder auseinander zu winden, kriecht die Vorstadt in alle Löcher und Schlupfwinkel der unzähligen Schluchten, Tälchen und Windungen der Wälder und Höhen, von denen überall steile,abschüssig stürzende Wege zwischen Laubwerk über Stock und Stein in die Tiefe führen. Alle die baufälligen, die Unebenheiten des Bodens getreulich nachahmenden Häuschen mtb Hütten, die mit einem Beine in einer tiefer liegenden Kalkgrube, mit dem anderen auf einem kleinen Hügel zu stehen scheinen, sind bunt Mit rohen Farben gestrichen; es blitzt von rosarot, blau, gelb', grün, da und dort von Schmutz und Vergänglichkeit diskret pa- tiniert. Braune, weißhaarige Frauen sitzen auf Schemeln vor den Türen, Pferde und- Kühe jagen in dem Gewirr der Gassen und trampeln aus den morschen, hölzernen Stegen über den rauschenden Bächen. Nackte Buben raufen am Brunnen, wenn NM Sonnenuntergang die Männer in ihren hohen Pelzmützen und den langen, weißen Hemden über den enganliegenden Beinkleidern mit Aexten und Beilen vom Gebirge herunterkommen, wo sie Holzschläger und Knechte sind. Je weiter wir schreiten, UM so mehr verengt sich das Tal, um in der Nähe jenes Sa- boMonsfelsens durch einen waldigen Querzug des Gebirges gleichzeitig mit der Stadt ein wildes Ende zu finden. Hier stehen ioir den Wäldern Auge in Auge gegenüber, denselben Wäldern, die diese seltsanie Stadt, die teils Bauerndorf, teils Stadt der deutschen Renaissance, teils wieder Ansiedlung eines versprengten orientalischen Stammes zu sein scheint, hei allen ihren Geschäften bewachen, bedrohen und' beschützen. Tie Zinne oder Kapellenberg, der sich nach wenigen vorbereitenden Erhebungen plötzlich gewaltig mit tausenden Bäumen über das Tat empvrschwingt, blickt, man sei, wo man sei, über alle Dächer, Giebel und Türme auf Straßen, Gassen und' Plätze Herab und erfüllt sie mit seinen Schatten. Hier sind die Wälder unausweichlich; cs wird kein Handel geschlossen, ohne Paß sie dabei wären, kein Wein getrunken, ohne daß sie dem Zecher ins Glas starrten. Und wenn die sächsischen Knaben bei ihrem Herbstfest die siebenbürgische Hymne singen, umringt die Stadt der Sommer b'er siebenbürgischen Wälder. Museen und heimatschutz. Man schreibt uns: Ein neues Vorkommnis gibt Veranlassung, botn’ Standpunkte des Heimatschutzes den UeBer griffen der Museen entgegenzutreten. Wir gehen dabei von dem Grundsatz aus, den Herr Dr. Brandt, Direktor des Thaulow-Museums in Kiel, in seinem Vortrag über „Museen und Heimatsch!utz" auf der Jahresversammlung des Bundes Heimatschutz in Lübeck aufgestellt hat: „Ein Stück, das an Ort und Stelle gewürdigt wird und dessen Erhaltung nicht gefährdet ist, gehört nicht ins Museum. Es muß vielmehr so lange als möglich in der Umgebung, für die es geschaffen wurde, erhalten bleiben. Was bei Anerkennung dieses Satzes gesammelt wird, sind Gegenstände, die ohne das Museum zu Grunde oder dem Lande durch Verkauf nach auswärts verloren gingen." Wir sind also keine radikalen Gegner der Museen überhaupt, sondern wir möchten ihre Schätzung nur dahin berichtigen helfen, daß die Museen nicht Selbstzweck sind, und daß sie erst dann ihre Kulturaufgabe erfüllen werden, Wenns sie sich' auf ihre Grenzen beschränken. Bon diesem Gesichtspunkt aus sind verschiedene Museums- gnkäilfe, die in letzter Zeit die Oeffentlichkeit beschäftigten, sehr zu bedauern. Wir nennen zunächst den Ankauf des N e u m ü n st er« kreuzgsangs in Würzburg durch das Deutsche Museum in Berlin. Dieser Fall, der in der Presse so viel Staub auf- gewirbelt hat, streift allerdings nur die Interessen des HeiMat- schutzes, ja er ist eigentlich eine reine Museumsfrage: denn der Kreuzgang stand zurzeit des Verkaufes längst nicht mehr an seinem ursprünglichen Platze, er war auch in Würzburg schon Museumsgegenstand geworden. Dagegen ist der kurz daraus erfolgte Ankauf eines Portals des K l o st e r s L a n g h e i m in Franken ebenfalls durch das Deutsche Museum durchaus nicht in Einklang, mit den Heinmtschntzbestrebungen. Nunmehr wird ein neuer Fall bekannt, bei dem es Noch nicht zu spät ist, das> an Ort und Stelle viel bewunderte'Kunstwerk vor der Verschleppung ins Museum zu retten. Es handelt sich um folgendes: Der an das Deutsche Museum in Berlin berufene Hofrat Dr. Kötschau (früher in Weimar) hat auf ein Altar- werk in Themar (S.-Meiningen) 18—20000 Mk. und eine Kopie geboten, um das Kunstwerk für das Deutsche Museum SU erwerben. Der Kircheuvorstgnd lehnte zunächst das Angebot ab, beschloß aber jetzt auf den Druck des Gemeinderats hin mit 7 gegen! 6 Stimmen (4 Mitglieder fehlten bei der Abstimmung) den Verkauf, um dadurch der Gemeinde 2 Proz. der Kirchen-i Umlage zu ersparen, die wegen einer Renovierung von 10 Proz.- auf 18 Proz. erhöht werden Mußten. Glücklicherweise fordert abev das Gesetz in S.-Meiningen zu solchen Verkäufen die Genehmigung des Oberkirchenrates, die, tote man bestimmt hoffen darf, nicht gegeben wird. — Herr Dr. Kötschau hat in dieser Angelegenheit nach Themar geschrieben: „Es wäre mir nur peinlich gewesen/ wenn ich mir hätte sagen müssen, daß die Zustinimung zu der Erwerbung des Altars erzwungen toorben wäre, denn ich stehe auf dem Standpunkt, daß ein Museum nur barm aus einer Kirche einen Gegenstand erwerben soll, wenn dazu aller Zustimmung gegeben worden ist. Andernfalls mag es sich bescheiden und! feilte Lücken anderswo auszufüllen suchen." Der Heimatschutz kann sich mit solchem Standpunkt nicht zufrieden geben. Es muß endlich allgemein anerkannt werden, daß ein Museum nicht nur dann davon absehen muß, Gegenstände zu erwerben, wenn Einspruch dagegen erhoben wird, — sondern daß cs überhaupt an Private und Gemeinden keine Angebote auf Gegenstände machen darf, die sich an Ort und Stelle der Benutzung und Wertschätzung erfreuen. — Den lockenden hohen Geldangeboteu der Museen zu widerstehen, dazu gehört mehr Willenskraft und mehr ehrfürchtiger Sinn für das von den Vätern ererbte Gut, als ihn heutzutage der Turchschnittsdeutsche hat. Im Interesse unserer Kultur müßten wir alles daran fetzen, dieses Verständnis wiederzuerwecken: cs ist ein merkwürdiger Weg dazu, die Denkmäler vom angestammten Platz wegzureißen und in Museen aufznstapeln! Es muß endlich mit der Anschauung gebrochen werden, daß die Museen Selbstzweck sind. Sie dürfen nur Bewahrer gefährdeten Gutes fein. Nur dann erfüllen sie eine Kulturaufgabe. Wo sie als Lehrmittel in kirnst- oder kulturgeschichtlichem Sinne dienen wollen, da genügen für ihre Zwecke Kopien; cs ist widerfinnig, in die Kirchen Kopien zu bringen, damit als Anschauungsmaterial int Museum die Originale sich befinden. Wer zu feinen Studien die Kenntnis der Originale nicht entbehren kann, der fall sie aufsuchen, um sie an Ort und Stelle in ihrer Wirkung kennen zu lernen. Wird z. B. eilt Botaniker feine Studien nur im botanischen Garten machen? Botanische, zoologische Gärten, Steinsammlungcu und bergt, sind nur zur Einführung ins Studium geeignet. Warum soll es gerade der Kunsthistoriker so bequem gemacht bekommen, daß man ihm seine Studienobjekte an eine Stelle zusammenträgt? Soll fein Studium ein so oberflächliches sein, daß er auf die Kenntnis ihrer Wirkung int natürlichen Zusammenhang verzichten kamt. ---- C. W. Literarisches. — D i e B l u s e. Soviel die unermüdliche und launische Mode auch aus Neuerungen sinnt, alte Stile im modernen Geschmack zurechtgemacht als Neuheiten bringt, heute das verwirft, was sie gestern noch pries — eins bleibt immer bestehen: die Bluse. Man hat ihr schon oft das Todesurteil gefprochen, aber die praktisch veranlagte Frau hält an diesem unentbehrlichen Toilettengegenstand fest und die Industrie unterstützt sie darin in weitgehendster Weise. Um nun alle Hausfrauen, die gern selbst schneidern, von dem Modernsten in der Blusenmode zu unterrichten, hat der Verlag der „Modenwelt" und „Illustrierten Frauen-Zeitung" in Berlin W. 35 ein Musenalbum herausgegeben, das eine reiche Auswahl von französischen, englischen und deutschen Künstlern entworfener ‘Stufen zum Teil in farbiger Ausführung bringt. Ausführliche Beschreibungen, ein Schnitt- musterbogeu in drei Größen und ein Anhang mit praktischen Hinweisen für die Anfertigung der Blusen dürfte die Selbst- herstellung wesentlich erleichtern und unterstützen. humoristisches. * D i e j n n g e F r a n. Er: „Sieh nur, Emilie, da schwimmt ja eine Fliege in der Suppe!" — Sie: „Ach Gott, toie niedlich!" * Er freut sich. Frau: „Der Doktor hat gesagt, ich müsse stets durch die Nase atmen!" — Mann: „Sehr vernünftig! Tenn das kann Man nur bei geschlossenem! Munde !" Arithmogriph. , r f - 1 2 4 4 2 ein Maurerwerkzeug. 2 3 3 2 eilt Ackergerät. 3 2 2 4 belgischer Bildhauer. 2 3 4 2 deutscher Architekt. 4 2 2 7 deutscher Bildhauer. 5 2 4 4 2 Stadt in Hannover. 4 2 2 1 Stadt in England. 6 4 2 eilt Naturforscher. 7 2 5 1 Schauspieler zur Zeit Schillers. 123245467 eine Vereinigung. Auflösung in nächster Nnmmer.f Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Eller (—Erle), K e l l e r, r a t h's; R a t h s k e l l e r. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.