Samstag den 25. September LW BI MM8 MS N.5M Rheinlandstöchter. Roman von Clara Vie big. ' (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Nelda, Nelda!" Der Vater klopfte leise den Scheitel der Tochter. „Das ist ein harter Kopf!" Zugleich lächelte er aber, und es war Stolz, in seiner Stimme. „Hab' ich nicht recht, Papa?" nickte sie. „Freilich, ganz unrecht hast du nicht — doch erörtern wir das nicht Weiter!" Regierungsrat Dallmer. hustete wieder. „Als ich jung War und kräftig, dachte ich auch so tote du, aber seitdem ich alt und marode bin, heule ich mit den Wölfen. Sieh zu, wie wleit du kommst im Leben, Nelda! Den eignen Weg zu gehen, ist für eine Frau noch zehnmal schwerer als für einen Manu. Du wirst dir die Seele blutig stoßen und zuletzt mit geknickten Flügeln unterliegen. Mir ist bange um dich, Nelda! Ich wünschte, ich lebte so lange, bis ich dich Wohl versorgt weiß. Ich' bin oft sehr müde" — ein schmerzliches Lächeln huschte um seine schmalen Lippen — „aber ich darf es nicht fein. Wenn ich meine Stellung aufgebe, wäs sind wir dann? Gar nichts! Das Gehalt fällt weg, Vermögen Veins — .wie soll es mir dann gelingen, dich, standesgemäß zu versorgen? Es muß sein! Sowie du dich verheiratest, quittiere ich den Dienst." „Sowie ich mich verheirate," wiederholte die Tochter mit eigentümlicher Betonung. Sie hatte sich so hastig aufgerichtet, daß die liebkosende Hand von ihrem Scheitel glitt; nun kniete sie auf den karmoisinroten Rosen und äh ihrem Vater unruhig forschend in die Augen, die Mme über der Brust gekreuzt. „Ich Hit nicht beliebt, Papa!" sagte sie kurz und trocken. „Außer dir hat mich kein Mensch lieb, und ich lieb' auch außer dir keinen so, wie ich lieben könnte!" Ihre Augen flammten auf. „O ich könnte lieben — ja!" Sie biß die Zähne aufeinander und schüttelte den Kopf. „Doch sie sind mir alle egal — ja, das sind sie! Sie sind Puppen mit beweglichen Gliedern und beweglichen Zungen, aber das Herz liegt tot wie ein Klumpen in ihnen." Sie machte eine Pause und setzte tonlos hinzu: „Ich bin oft sehr unglücklich, Papa!" Der Kopf sank ihr auf die Brust. lieber des Vaters Gesicht huschte ein leichtes Lächeln Und verschwand dann unter dem Ausdruck besorgter Liebe. „Mein Kind., das sind die Stimmungen der Jugend, solche Unglücksgefühle lassen sich tragen. Wer von uns hätte in seinen jungen Jahren nicht das gleiche gefühlt?! Tas wogt in uns und kommt und geht, aber das gibt sich, das legt sich alles; man wird duldsam, die Ansprüche sind nicht mehr zu hoch gewannt. Liebes Kind, was ver- laiigst du von den Menschen? Du verlangst zuviel. Sollen sie alle immer nur das Herz sprechen lassen? Das wurde ein schönes Durcheinander auf der Welt geben. Nein, mein Kind" — er strich wieder mit der heißen Hand, über ihr Haar — „schick' du dich in die Welt, dann wird sie dir gefallen, und du wirst ihr auch gefallen. Es geht nicht anders," schloß er mit einem Seufzer. „Das ist nicht dein Ernst," fuhr sie auf.. „Du redest nur so! Kannst du das nett finden, wenn sie im Kränzchen immer nur von Herren sprechen, und was der gesagt hat und jener, und wieviel Geld er hat und was er für eine gute Partie ist?! Und dann necken sie sich gegenseitig — und legen sich Karten und kichern — und werden rot tote He Krebse und beneiden sich gegenseitig — es ist zu erbärmlich! Selbst Milchen Zänglein, die doch voll Frömmigkeit steckt zUm Platzen, macht auch mit. Ich kann das nicht, ich mag das nicht! Ja, einen mal ordentlich lieb haben, so recht ans Herzensgrund, daß einem nichts zu viel toär' für ihn zu tun —- gar nichts — ja das mag ich! Aber so an jedem herumschnuppern — psm!" „Nelda, Nelda, wenn dich die Mutter horte! Sie ist so glücklich, wenn du mit den andern Mädchen verkehrst. Es sind doch auch nette darunter; sei nicht gleich so schroff! „Ach," murrte sie, „da muß man mit ihnen eingepfercht sitzen und könnte statt dessen in die Berge oder den Rhein entlang lausen, wo einem die Brust weit wird und bessere Gedanken kommen. 33a!" Dallmer sah in das unglücklich verzogene Gestcht ferner Tochter und mußte lachen, aber er wurde gleich wieder ernst. Ein Ausdruck von Pein trat in seine Augen. „Kind, ich will dich nicht belügen," flüsterte die heisere Stimme, „mir ist das Getue ebenso unangenehm tote dtr, es gehört aber nun einmal zum Leben, du hast ohne das keine Existenzberechtigimg. Ich habe es nun bald sechzig Jahre durchgemacht, da wirst du mit zwanzig doch Nicht die Waffen strecken? Mir wird oft vorgeworfen, daß ich mich von der Welt zurückgezogen habe; nun, ich bm müde, ich habe die Entschuldigung meiner Kränklichkeit, aber bu —?! Du mußt! Du mußt dich versorgen! Willst du dein Lebenlang in abhängiger Stellung vegetieren?" „Warum habt ihr mich nichts lernen lassen--" stieß sie hervor. „ , , n „O, denkst dn's dir verlockend, fremder Leute ungezogne Kinder zu hüten? Als Gesellschafterin die Ablage- rnngsstätte für jede schlechte Laune zu fern? Du bist nicht geschaffen dafür — oder meinst du?" Sie schüttelte sich. „Gräßlich, Papa!" Siehst du!" Die bleichen Wangen Dallmers überzogen sich auf den Backenknochen mit einer hektischen Röte. „Du tätest mir auch leid. Also, Nelda, immer en avant! Mühe dich, ein bißchen liebenswürdig zu sein; vom nächsten Ball bringst du mir gewiß mehr Kotillonstranße nach Haus Kleber den lumpigen einen von Hauptmann Lhlander bring ich's doch nicht!" murmelte sie. — 698 „Ich bleibe auf und sehe sie mir noch in der Nacht au." Der Vater hob mit dem Zeigefinger das Kinn der Tochter in die Höhe. „Du machst mir die Freude, Nelda, nicht wahr?" ' Sie sah ihm fest in die Augen, ganz lange, ganz ernsthaft — da tönte plötzlich unten int Flur eine klagende Stimme. „Mein Gott, wer hat die Stnbentür sperrangelweit aufgelassen? "Das ganze Zimmer ist ansgekältet. Laura, Laura, wo stecken Sie, haben Sie das denn nicht gemerkt? Es ist ja rein gräßliche all die Kohlen, das ganze Holz umsonst! Das tst wirklich zmn Weinen!" Die Verteidigungsrede der Magd war nicht zu verstehen, nur undeutliches Stimmengewirr schallte nach oben. Jetzt knarrte die Treppe, die Tür ging ans. Fran Rätin Dallmer kam vom Kaffee. Mit kläglicher Miene stand sie auf der Schwelle, ihre zarte Gestalt verschwand fast in dem weiten Abendmantel, ihre Nase guckte spitz und weiß aus der dunklen Kapuze. „Es ist doch schrecklich," jammerte sie, „kaum kommt. man nach Haus, geht der Aerger los. Nelda, du hast ivicber die Tür sperrangelbreit offen gelassen! Wie konntest du? Ich sage ja —" „Guten Abend, Lorch en!" schnitt Dallmer ihr die Rede ab. „Guten Abend, Mama!" kam es kleinlaut hinterdrein von den Lippen der Tochter. „Guten Abend, guten Abend," nickte Frau Dallmer hastig. „Nun, wie hast bn dich amüsiert, Mütterchen?" fragte der Mann. „Ach, ausgezeichnet!" seufzte die Rätin und sank auf den nächsten Stuhl, Mantel und Kapuze lockernd. „Was sind das für liebe Menschen! Nur die Planke ist verrückt, rein verrückt! Die paßte gut zu Nelda mit ihren verschrobenen Ansichteti. Wirklich ein Skandal, wie sie geredet hat! Aber mein Gott, ich hab' ja gar keine Ehre, was über sie zu sagen, wenn die eigne Tochter —" „Mutter, wie kannst du mich mit der Planke vergleichen?" unterbrach sie Nelda brüsk. „Die schimpft auf die Männer, weil sie keinen kriegt und hebt das weibliche Geschlecht in den Himmel — ich schimpfe ja gar nicht, ich hebe nur nicht in den Himmel. Sie sind mir alle Jacke wie Hose!" „Um Gotteswillen!" Frau Dallmer rang die Hände. „Was find das für unanständige Redensarten! Die Ober- konsistorialrätiit hat ganz recht, wenn sie sich über Nelda aufhält und ihr Milchen am liebsten nicht mehr in's Kränzchen ließe; man muß sich schämen. Aber ihr laßt mich ja nie ausreden! An dir, Joseph hab' ich auch gar keine Unterstützung! Ich bin wirklich eine beklagenswerte Mutter!" Sie schluchzte auf, und die Tränen begannen ihr über die Wangen zu rinnen. Der blasse Mann auf dem Sofa rückte unruhig hin und her uitb machte Miene aufzustehen — da war Nelda schon bei der Mutter. Sie hatte bis dahin mit trotzigem Gesicht gestanden, die Brauen finster zusammengezogen; nun wurde sie glühend rot und kauerte vor der Weinenden nieder, wie vorher beim Vater. „Mama, o sei wieder gut! Mama, es tut mir so schrecklich leid, daß du dich geärgert hast" — sie drückte ihr Gesicht an das dünne graüseidne Kaffee-Staatsfähnchen I— „laß doch die Zünglein reden! Und die Tür, das kam, lveil ich den Papa husten hörte, da rannte ich schnell herauf. Meine goldige Mutter, sei wieder gut, weine nicht! Tat sollst nicht weinen," rief sie lauter, mit dein Fuß anf- stampfend. „Ich meine ja gar nicht mehr." Frau Rätin trocknete ihre Tränen und machte ein ganz vergnügtes Gesicht. „Nein, denkt euch, die hübsche Agnes Röder heiratet schon bald! Die Zünglein erzählte es, ihr Mann traut. Die Hochzeit muß ich sehen! Schade, Neldachen, daß du da nicht eingeladen wirst; es wäre eine Gelegenheit. Uebrigens, hast du deinen Tüllrock fertig? Komntt jetzt beide, es ist über neun, ihr habt noch kein Abendbrot — ich kann nichts mehr essen, bei der Doktorin war's sehr- gut. Nimm die Lampe, Kind, unten ist's dunkel." Frau Dallmer trippelte eilig die Treppe herunter. Bor der großen, Hagern Gestalt des Vaters schritt Nelda her, die Lampe mit kräftiger Hattd hoch haltend. Der Schein fiel voll auf ihre weichen gesunden Wangen und spielte über die Stirn unter den widerspenstigen aschblonden Haarringeln. Sie hatte ein tiefes Fältchen über der Nasenwurzel. . III. In der guten Stadt Koblenz donnerten die Karossen. Im Kasino war großer Ball; Militär nnb höheres Beamtentum gaben das zweite diesjährige Winterfest. Wenn ein Ort auch in die 40 000 geht, sämtliche Einwohner nehmen an solch wichtigem Ereignis doch teil, wenn sie auch nur auf der Gasse gaffen und sich von den vorüberjagenden Wagen mit Schmutz bespritzen lassen. In der Käsiuostraße, vor'm Haupteingang, standen die Menschen dichtgedrängt. „Hau, die is schön!" „Kuck mal!" „Die in weiß nn die in rosa — ne, die is nit so schön!" „Potzdausend, is die fein!" Bei jedem Wagen, der vorfuhr nnb sich seines Inhalts eirtlebigte, ging bie Kritik von neuem los. Wie eine Welle flutete der Schwarm der Neugierigen näher, vorwitzige Buben schlüpften bis an's Trittbrett und stellten Bc- trachtUngen über bie Größe der atlasbeschuhten Füße an, die sich da hinab schwangen. Mütter hielten ihre berntutnuiicit Kleinen in die .Höh: „Kuckt, was feine Damens!" „Die sind glücklich!" dachte manch armes junges Ting bei sich, das fröstelnd in der Gosse 'stand, mit begehrlich glänzendeit Augen, bie klammen Finger in die Schürze gewickelt. * Nelda Dallmer war durchaus tticht glücklich, als sie mit der Mutter über bie dunkle Chaussee patschte. Tau- iuetter. Sämtliches Eis geschmolzen; von den kahlen Bäumen tropfte es nieder in Lachen und Rinnsale, daß sie aufspritzten. Beide Damen waren hochgeschürzt, darüber weite Mäntel und Tücher um bett Kopf; in den plumpen Gummistiefeln steckten bie dünnen, weißbestrumpften Mädchen der Rätin und leuchteten gleich Wegweisern vor Nelda her. Mish- mutig schlenderte diese hinterdrein. Ach, der Ball — und bei solchem Wetter! Die Mutter hatte schoit den ganzen Tag lamentiert über daS Opfer, das sie der Tochter bringe, über die unausbleibliche Erkältung und so weiter, und doch hatte sie mit fiebernder Geschäftigkeit an dem Schlachtopfer herumgeputzt. Wie eilt solches ließ Nelda alles über sich ergehen. Als sie fix und fertig, int weißen Tüllkleid, unten in der Wohnstube vor'm Pfeilerspiegel stand, ging der Baker mit dem Lorgnon betrachtend um sie herum. „Du siehst gut aus, mein Kind!" „Ach ja," meinte bie Frau Rätin, „hier zu Hause! Aber sind wir erst da, fällt sie doch sehr ab zwischen all den reizenden Erscheinungen. Du solltest wenigstens die Blumen nehmen, Nelda," — sie brachte ein paar unmögliche Kornblumen herzu — „das macht gleich lieblicher." „Ich danke, Mama!" hatte das Mädchen kurz erwidert und das blitzblaue Gewinde beiseite geschoben. „Warum denn nicht?" Und nun hatte es einen kleinen Kampf gegeben, der damit endete, daß die Mutter mit roten Bäckchen, erhitzt, vorausstapfte, und bie Tochter, bleich, mit zusammengepreßten Lippen, folgte — ohne Blumen. Die Damen Dallmer besuchten stets zu Fuß Bälle und Gesellschaften in der Stadt. Ein Wagen über die Brücke kostete hin und her, mit Warten und allem, gegen zehn Mark, das war denn doch zu teuer; und da man zum! Vergnügen mußte, ging man eben einfach. Xylanders. machten's ebenso; komisch, daß man sich nie unterwegs traf! Tas war so eine unschuldige kleine List der guten Rätin. Sie lauerte hinter'm Fenster, bis Hauptmanns vorüber gewandert waren und blies dann erst selbst zum! Aufbruch. Es brauchte doch keiner vom andern zu wissen^ daß er zn Fuß ging; man konnte e6 en jo gut gefahren sein, (Fortsetzung folgt.) — 699 er nmr hilflos und wie in einer Falle eingeklemmt. Umsonst versuchte er sich aus der Lage zu befreien, der Fuß begann rasch anzuschwellen, imb überdies stellten sich heftige Schmerzen ein. Es war eine niederträchtige Situation, und noch dazu auf so einer einsamen Landstraße. So was, so dachte er, das konnte auch nur ihm passieren! Wenn doch nur irgend jemand käme, aber bald, recht bald, Nur ihur zu helfen, denn die Schmerzens wurden unerträglich. So kauerte er nun am Wegrand wohl gut zehn Minuten schon, indes er wütend mit seinem Geschicke haderte, da endlich tauchte weit in der Ferne, wo Pie Chaussee sich in den Wald verlor, int Sonnenschein etwas Blitzendes aus. Gottlob, eine Radleukstange! Ein Mensch, der ihm entgegenlam! Oder genauer eine Radlerin! Ach einerlei, wenn überhaupt nur jemand kam. Er zog sein Taschentuch und winkte, mochte sie sich doch beeilen! Es war wahrscheinlich irgend ein Landmädchen, die jetzt ja auch schon meistens Stab fuhren. In merklich beschleunigtem Tempo kam die Helle Bluse auch wirklich näher. Da sah er plötzlich, daß es der Kleidung und Figur nach doch eine Dame war, und, tote es schien, eine junge und elegante noch dazu. Fatal! Wären nicht die Schmerzen so groß gewesen, so würde er das Peinvolle der wenig imponierenden Situation jetzt noch 'weit mehr empfunden haben. Da endlich kam sie auch um die letzte Biegung herum. Jetzt sprang sie ab, indes er seiner Retterin kläglich entgegensah. Und Plötzlich überfiel ihn, den fonft mehr als Robusten, beinahe eine Ohnmacht. Um alles in der Welt — täuschte er sich?! Konnte so was möglich sein?! Sie, Margret Fliedner war’s! Freilich, ihr Heimatdorf mußte, soweit _er sich noch entsann, und nach der Bahnstation zu schließen, auf der er ausgestregen war, in unmittelbarer Nähe liegen. Aber wenn auch, er hatte sie hier in der Heimat, zumal ihre Eltern nicht mehr lebten, doch kaum vermutet. Solch eilt Zusammentreffen, das konnte man nicht mehr Zufall nennen, das war weit eher ein raffiniertes! Arrangement der boshaftesten Vorsehung! So manchesmal er heimlich auch wohl gewünscht hatte, sie nochmal wieder zu sehen, nun da der Wunsch erfüllt wurde, hatte er, Wenns möglich gewesen wäre, am liebsten guerfeldein eilen mögen und wenn er die Wahl gehabt, lieber im tiefsten Eis,des Nordpols stecken, als hier in fo einer elenden Verfassung auf der sonnig schönen Heide- chaussee vor Margret Fliedners Augen. Und was das schlimmste war, ohnmächtig aus ihre Hilfe angewiesen sein! Aber sie, die allem Anschein nach ihn gleichfalls alsbald erkannt hatte, obschon sie ihn gerade hier auch w-ohl zu allerletzt vermutet hatte, half ihm voll Takt über die Pern des Augenblicks hinweg. Ja, es schien beinahe, als sei sie weniger fassungslos und weniger peinvoll berührt. , . Nur blaß war sie geworden bis ut dre blühenden Lippen, im übrigen besann sie sich nicht lange, übersah blitzschnel dre Situation, und ehe er noch so weit kam, sie stockend, in sichtbarer Qual zu bitten, ihm nur für einen Augenblick behmlich zu sein, damit er sich wieder anfrichten könne und nochmals mit aller Kraft versuchen, sich zu befreien, war sie schon kürz entschlossen niedergekniet und hatte ihm den Stiefel aufgeschnurt. Dann bog sie mit einer Gewandtheit und Kraft, die man den schlanken Händen kaum hätte zutraueu sollen, die Speichen so weit auseinander, daß es ihm, während er sich gegen einen Baumstamm stützte, gelang, mit aufeinander gebissenen Zähnen den stark geschwollenen Fuß wieder herauszuziehen. . So nun stand er glücklich wieder, tote cs dem Menschen zukam, aufrecht auf seinen Füßen, und zwar auf einer «eite beschubt, aus der andern nur bestrumpft, tu einet immer noch wenig imponierenden, beinahe Lächerlichen Position, sie aber schien, indes er in peinvollster Verlegenheit sm) bedankte, das Komische kaum zu bemerken, sondern erkundigte sich nur steil- nehmend, ob auch die Schmerzen nicht zu groß seien und ob sie einem Wagen besorgen solle. ' Doch nein, davon wollte er durchaus Nichts wissen. Er wollte wieder aufs Rad und selber ins nächste wors fahrens, da würde das weitere sich dann finden, würde nötigenfalls auch wohl ein Arzt zu requirieren sein . Allerdings, Sie haben Glück ber allem Unglück, Herr Rechtsanwalt," versuchte sie zu scherzen, „mein Bruder ist zu Haus, ist grab’ von einer Landtour heimgekehrt! ...... „Ihr Herr Bruder ist Arzt und hier m der Nahe an, astig? Ach ja, wie die Zeit vergeht-," setzte er hinzu, „er war ia noch Student — damals!" , . Sie aber beachtete das leise „Damals" nicht, ihre Rupe und Unbefangenheit schienen unerschütterlich. Und jetzt lachte sie gar ein kleines befreiendes Lachen, aus dem nun doch etwas wie keife Belustigung ob der Komik des Anblicks mit herausklang. Nun wenn Sie meinen und Ihre Kräfte nicht überschätzen, Herr Rechtsanwalt, dann wollen wir zusammen zu meinem Bruder fahren denn so allein kann ich Sie in der Einsamkeit mit .chrem kranken Fuß doch nicht gut lassen, aber — Sic müssen dann in Ihrem bunten Ringelstrumpf aufs Rad, denn anziehen können SW den Stiefel nicht!" . , „ .... Er lachte jetzt gleichsalls wie befreit mit aus: „Nun, gnädige — Frau . . ." es lag eine Frage in der Anrede, und sie erwiderte rNhia: „Nein, ich bin unverheiratet!" — Worauf er, beinahe tzerbstsonns auf der Heide. Novellctte von Anna Gade. (Nachdruck verboten.) Ein wundervoller LktobermorgeN mit lachendem Sonnenschein tnid ferner sichtig klarer Luft tuie nur der Herbst sie bringt. Tie Beeren der Ebereschen glühen in Gelb- und Purpurrot, und die Birken, bereit schlanke weiße Stämme bie einsame Landstraße umstehen, die durch die braune Heidelandschaft führt, prangen im schönsten Festtagsschmuck. Einstmals, da jie dem Frühling sich vermählten, standen sie in lichtgrünem Hochzeitskleid, NUN da sie des Herbstes Braut geworden, schmückt sie ein goldenes Gewand. Sie sind im lachenden Sonnenschein so prächtig anznsehen, daß auch der Wind, der lose Kurmacher, sich nicht versagest kann, in neckischem Spiel ihnen leise Schmeicheleien ins Ohr zu flüstern, und wenn sie verschämt darob die Köpfe schütteln, dann riefelt es gleich einem goldenen Regen von ihrem Braut- geschmeide herab. „ „ , So ähnlich hieß -es ja wohl in der „Herbstsonne auf per Heide". Und wirklich, ganz unzutreffend waren derart poetische Vergleiche nicht, wenn auch nach Tichterart "natürlich ein bigchen phantastisch. Aber schön, einfach schön war doch so’n Herbstmorgen auf ber Heide, das stand entschieden fest und sah wohl jeder ein, auch jeder ganz alltägliche Mensch, der nicht die Dichterei betrieb und sich schon glücklich pries, wenn er nur jedes Ding beim1 rechten Namen nennen konnte. So dachte Tr. Heinz Wedenberg, während er zu Rad die Landstraße dahinsuhr. Er war an der See und in Tirol gewesen und wollte nun zum Schluß seiner Ferien, noch mal einen Abstecher durch die Heide machen, ehe er in seine Großstadt heim- kehrte. . Freilich, er kam ein bißchen spät, die Heide hatte fchon abblüht. Aber wenn auch, er wollte trotzdem doch mal ine Biel- geschmähte und neuerdings so Bielgerühmte kennen lernen, und wenn sie sich auch nur in braunem Kleide präsentierte., Die Dichter und Maler wußten sie in ihren Machwerken so raffiniert in Szene zu setzen, daß man doch schließlich neugierig wurde und es nachgerade zum guten Ton gehörte, sie mal durchquert zu haben. Was übrigens die Dichter anbetraf, so las er „lyrisch gefärbtes Zeug" im allgemeinen aus Prinzip nicht, aber da war ihni kürzlich doch mal solch Buch, die „Herbstsonne auf der Heide", durch Zufall in die Hände gekommen. Erica Weber nannte sich die Verfasserin., Er aber wußte es besser, hatte er sie doch sofort in jeder Zeile erkannt. sie, Margret Fliedner war's, die. jenes Buch geschrieben! Sie, hatte ja schon damals heimlich geschriststellert, alles mit ihren Dtaster- augen angesehen. Sie liebte auch ihre Heimat so unk ihrem schwermütigen Zauber. Und war ja ein Kind der Heide, obschon er sie in der Großstadt kennen gelernt. Damals— vor gut zehn Jahren. Da hatten sie sich kennen und hatten sich lieben gelernt. Und dennoch sich getrennt— um: kalter Vernunftsgründe wegen. Die junge 'Erzieherin war ihm zuguterletzt, da sie ohne alles Vermögen war, doch nicht zur Ehe passend erschienen. Unb da er selber als junger Rechtsanwalt ohne alle Privateinkunste^ dabei aber ein anspruchsvoller Mensch war, so hatte er sich eben den Mut nicht zugetraut, des Lebens Miseren auf sich zu nehmen. So hatte er sich, wenn auch mit schwerem' Herzen, zurückgezogen!, von ihr. Und war dann schließlich, trotz seiner später glänzend aufgeblühten Praxis und einer ihm unverhofft gewordenen Erbschaft, auch für die Zukunft ledig geblieben. Vielleicht, weil ihm das Junggesellentum besonders lag, vielleicht auch, Weil er keine zweite Margret Fliedner auf seinem Lebensweg gefunden. Tenn lieb hatte er sie gehabt mit ihren großen Träumer- tilgen und ihrem wundervollen Haar. Er hatte fie nur schwer vergessen können, obschon sie jhm bald aus dein Gesichtskreis gekommen war. n c „ ,, Wo sie wohl in der Welt geblieben war? Unb tote es ihr erging? Der „Herbstsonne" nach gut. Es war ein glückatmendes unb friedvolles Buch. Vielleicht war sie verheiratet, wahrscheinlich sogar. Und hatte Kinder mit ebenso großen Träumernugen, so wundervollem Haar. Denn wäre sie ledig geblieben nach den Erfahrungen, dann hätte sie wohl eher nach Frauenart ein pessimistisches Buch geschrieben und mit einem Titel tote: „Die Heide ist braun, einst blühte sie rot!" ...... Das wäre freilich ein schwerer Vorwurf litt ihn gerne,en, aber ihn dünkte plötzlich, als hätte er ,sich über bett Borwurss weit eher freuen können. Nun schrieb sie statt dessen so sonnig heiter, als hätte sie nie beit Ernst des Lebens kennen geierni, als hätten niemals herbe Erfahrungen ihr frühzeitig den Blick getrübt. Und darum fühlte er auch beinahe etwas wie Groll' gegen die Verfasserin, etwas .wie stillen Neid. Sie hatte also leicht verwunden! Freilich, es hieß ja, daß grab’ der sonnigste Humor oft unter Tränen lächle. Tas mochte manchmal stimmen, aber pb ^"Doch weiter kam er mit feinen Betrachtungen nicht, da hätte ihn urplötzlich, ein tückisches Geschick ereilt. Hart neben ihm aus dein Graben wär nämlich ein Hase aufgesprungen, lief bltnb» linas gegen das Rad, überschlug sich — da strauchelte ber Radler auch schon und trat im: Fallen, ums Unglück ganz zu machen, Mit ci.nent Fuß zwischen bie Speichen des Hinterrades. So lag 600 übermütig, fortfuhr: „Nun, Fräulein Flieduer, wenn nicht eine Dance zugegeir wäre, dann machte mir das herzlich wenig; heil ist der Strumpf ja zum G-lück, und mit dem Stiefel in der Hand, kommt man auch Wohl durchs ganze Land!" Und damit setzte er sich, von ihr unterstützt, aufs Rad. Sv fuhren sie nun Seite an Seite hin auf der einsamen Land-- ffraße und durch die braune Heide. Gr sah sie hin und wieder! verstohlen an. Wie anmutig sie immer noch War, welch reines, schönes Profil! Ihm schien es, als ob die achtundzwanzig Jahre chr fast noch besser stünden, als die achtzehn. Nur um die großen Märchenaugen und um den weichen Mund lag doch, wenn sie so ernst und träumerisch, wie eben jetzt, still in die Ferne blickte, ettvas, das deutlich verriet, daß sie viel Leid erfahren, daß herbe Erfahrungen ihr nicht erspart geblieben. Und plötzlich verschärfte sich sein Blick, — in diesem wundervollen braunen Haar blinkten schon SilberfädeN!? . . . Und dennoch empfand er diese Wahrnehmung viel weniger als Borwurf, es tvar ihm beinahe wie eine freudige Genugtuung. Sie hatte also doch gelitten! Vielleicht in stillen Stunden Noch heute nicht völlig überwunden. Tie Kinder der Heide seien treu in ihren Gefühlen, ein ganzes Leben hindurch, so hieß es. Unb er dachte an ihr Buch und an das Wort vom fonnigen Humor, der unter Tränen lächelt. Da sah er m >.tz die „Herbst- sonNe auf der Heide" plötzlich in völlig verändertem Licht. Es schien ein sonniges', ein glückliches Buch. Aber lags nicht bei all der friedvollen Heiterkeit doch wie ein Hauch von Resignation, von leisem Weh darüber? So wie dem goldigsten Herbsttage bei aller Farbenpracht, dem lachenden Sonnenschein nicht doch etwas von Schwermut fehlte? Er mußte darum noch einmal, wo ja das Schicksal in stn- Verkennbarer Absicht so wunderbar sie zusamwengeführt, mit ihr von der Vergangenheit reden, er konnte nicht so darüber hinweggehen. Ihn schrnerzte, tote' er vorgab, der Fuß plötzlich zu sehr, daß er ein Weilchen ruhen mußte. So zwang er sie, sich neben ihn Unter die goldigen Birkenbäume zu setzen. . Da fuhr ein Windhauch durch die Kronen und ließ in neckischem Spiel unzählige leuchtend gelbe Blättchen auf sie herniederrieseln. „Einstmals, da sie dem Frühling sich vermählten, standen sie iiN lichtgrünem Hochzeitskleide, und, da sie des Herbstes Braut geworden, prangen sie in goldenem Gewand . . .!" „heißt es nicht ähnlich in der Herbstsonne?" fragte er sie plötzlich ünd sah ihr forschend ins Gesicht. Ein helles Rot stieg jäh ihr in die Wangen. „Sie wissen-? Und lasen die Herbstsonne!?" ,5,0.! Und — erkannte auch die Verfasserin!" „Und wie — wie urteilen Sie? Natürlich abfällig, Frauen, die schrieben, toteren nicht Ihr Genre — wenigstens damals nicht!" Nun also berührte auch sie zum erstenmal das Damals. „Ich will es Ihnen sagen, ganz wahr und ehrlich. Ich habe der Verfasserin gegrollt in grassem Egoismus, dast sie die „Herbff- svnne" schreiben konnte, und habe sie beneidet um dieses lieber» wundmhaben, weil ich 'das Buch bis heute nicht verstand. Nun über glaube ich es zu verstehen. Es ist das Buch einer Frau, di« einst irt ihrer Liebe schwer gelitten und doch, wenn auch nach herben Kämpfen erst, sich 'starken Herzens durchgerungen. Zu einer Seelenheiterkeit, die unter Tränen lächelt, zu einer Seelengröße, die alles Irren verstehend, drum alles Irren auch verzeiht!" Da sieht er, während er so selbstvergessend auf sie einspricht, wie sangsami Träne um Träne ihr über die blassen Wangen rinnt. Und er nimmt leise ihre Hand und zieht sie ehrfürchtig an hie Lippen. „Herbstsonne?" fragt er dann, nach langem Schweigen, indes et nur ihr stilles Weinen hört. „Sollte die Herbstsonne nicht aüch ins Leben übertragbar sein, ein köstliches, geläutertes Genießen? Nach aller Schuld und aller Rene ein großmütig Verzeihen, ein Nimmeraufhören zu lieben?!" Da rieselt es erneut vom goldenen Brautgeschmeide herab, gleich einem glücklichen Omen, und Margret Flieduer sieht ihn an und lächelt unter Tränen. VsvmrschLss. * Der Dichter von „Psalter und Harfe". Zu Burgdorf im damaligen Königreich Hannover starb vor einem halben Jahrhundert am 26. September 1859 Karl Johann Philipp Spitta, wohl der begabteste Dichter geistlicher Lieder neuerer Zeit. Während unsere Gesangbücher zumeist von den Dichtungen geistlicher Liederdichter des siebzehnten Jahrhunderts zehren oder Noch 'trüberer, ist Spitta so ziemlich der einzige moderne, dessen Lieder Gemeingut weiterer Kreise wurden, und voN jenen Liedern, die von Becker in Leipzig und Hering in Bautzen komponiert tourten, gehören zum Beispiel „O komm, du Geist der Wahrheit, Nud kehre bei uns ein", „Ich steh' in meines Herrn Hand und Will drin stehen bleiben" und „Lob sei dir, mein Gott, gesungen, Ruhiic und Preis sei dir gebracht!" zu den beliebtesten Liedern unserer Gesangbücher. Merkwürdig genug entstammte dieser deutsche geistliche Liederdichter einem ans Frankreich stammenden, wenn auch in Deutschland geborenen Vater und einer jüdischen. Wenn auch getauften Mutter. Spitta war ctnt 1. August 1801 ifl ter Hauptstadt Hannover geboren und studierte während' der Jahre 1821—1824 Theologie in Göttingen, wo er mit Heinrich Heine bekannt wurde, 'ter ihn auch in seinen Werken mehrmals! erwähnt. Bon der Universität aUs nahm Spitta eine Hauslehrerstelle an und würde im Jahre 1828 Pfarradjunkt zu Sudwalde in der Grafschaft Hoya- Später toter er dann längere Zeit Seelsorger an der Strafanstalt in Hameln, 1853 wurde er Superintendent zu Peine im Hildesheimschen, wo er bis zu seinem Tod wirkte. In religiöser Hinsicht gehörte er ter streng kjrck>-- lichen, konservativen Richlltng an, er war Altlutheraner. Gedruckt tourten von seinen Schöpfungen außer einzelnen 'Predigten zwei Sammlungen geistlicher Lieder, die beide unter dem Titel „Psalter und Harfe" erschienen, und diese machten schnell seinen Namen in den weitesten Kreisen berühmt und geachtet. Spitta selbst erlebte von der ersten Sammlung allein zwanzig Auflagen. Nur zum kleineren Teile waren die darin enthaltenen Lieder für kirchlichen Gebrauch bestimmt, die meisten toteren der häuslichen Erbauung gewidmet, alle aber sind durch fromme Begeisterung, Innigkeit des Gefühls und tiefempfundene Gläubigkeit, sowie nicht minder durch ihre wahrhaft bild-'und klangreiche Sprach« ausgezeichnet. In keinem deutschen Schullese- oder Liederbuch, in keiner Anthologie beinahe wird noch heute, ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode, eine Dichtung von Spitta fehlen. * Wie man sich in Ch i u a d a s „M i t t ellä n d i s cho M eer" v o r stellt. Ein Deutscher, der sich einige Zeit in einer abgelegenen süd chinesischen Kreisstadt aufhielt, gibt im Ostasiatischen Lloyd ein hübsches Gespräch zum besten, das et mit den dortigen Honoratioren hatte. So oft inan, erzählt er, zum Plaudern zn- sammengekomiuen sei, habe man allerhand Fragen über die Verhältnisse im MittelländischSn Meere cm ihn gerichtet. „Es war mir natürlich aufgefallen, warum man gerade über diesen Gegenstand so viel fragte und so viel Interesse an den Tag legte. Die Reihenfolge der Fragen war etwa so: Bist du durch das Mittelländische Meer gefahren? Wie sehen die dortigen Menschen aus? Wie fährt man hinein? Wie koiNrnt man heraus? Wie finden die Schiffe sich dort zurecht? usw. Endlich, am dritten Tage, als map wieder danach fragte, kam Licht in die Sache, und zwar Licht für beide Teile. Mir wurde es nun klar, was meine chinesischen Freunde sich unter dem Mittelländischen Meer vorstellten, und ihnen würde klar, was das Mittelländische Meer eigentlich sei. Die letzte Frage lautete nämlich, wie das möglich sei, daß im Innern, in der Mitte der Erde, wo man kein Sonnenlicht habe, Städte gebaut würden und Menschen wohnen könnten. . . Chinesisch heißt nämlich Mittelländisches Meer Ti-chun-hai; das kann allerdings auch mit „Meer mitten in der Erde" übersetzt werten." * Trinkgläser aus E i s. Wieder hat die Technik ans einfache Weise die Lösung eines Problems gefunden, nämlich einen unbedingten Schutz gegen die Ansteckungsgefahr durch Triuk- gefäße. Während man sich bisher lediglich 'darauf beschränkte, die Reinigung der Gefäße möglichst streng zu überwachen, was in absolut einwandfreier Weise doch nie ausgeführt werden kann, ist ein holländifcher Ingenieur — Huizer ist sein Name — auf den Gedanken gekommen, das klare Wasser zur Herstellung der Trinkgefäße zu benutzen. In sinnreicher Weise hat er einen Ge- frierapparat ersonnen, der binnen ganz kurzer Zeit eine groß« Anzahl von Gefäßen liefert, die lediglich aus gefrorenem Wasser bestehen und die neben absoluter Reinlichkeit noch den angenehmen Vorzug haben, daß die darin bargefetenen Getränke sich äußerst frisch erhalten. Die Formen, in beiten bie einzelnen Becher her- gestellt werden, bestehen aus einem äußeren Mantel und einem; inneren Sern, zwischen beide Wandungen wird Wasser eingefüllt, das nach dem Gefrieren eben den Eisbecher bildet. Damit nicht ein Zerspringen des Mantels stattfindet, ist ein besonderer Raunt am Boden des inneren Kerns ausgespart. Tie Herstellung der Gefäße funktioniert tadellos und zwar nicht -etwa nur in bete Theorie. Seit einiger Zeit gibt es im Haag einen Laden, wo Getränke nur aus solchen Eisbechern gereicht werden und es hat sich bereits eine Gesellschaft gebildet, die den Vertrieb dieser neuen Gefäße im Großen betreiben will. Die Gefahr eines allzufrühen Zerschmelzens der „Gläser" besteht nicht, denn einmal werden sie bis zu ihrem jeweiligen Gebrauch in einem kalten Schranke aufbewahrt, zum anderen ist die Temperatur bei ihrer Herstellung so überkältet, daß. die Becher eine volle halbe Stunde ihre Konsistenz behalten, so daß die Benutzer ihre Getränke in aller Ruhe einnehmen können. Rätsel. Frauengestalt aus der griechischen Sage, doch nimmermehr Griechin Am ich, aus fernem Land führten Hellenen mich heim; Vielen Dichtern diente mein tragisches Schicksal als Vorwurf. Aenderst du Herz mir und Fuß: Kaufleuten dien' ich als Maß. Auslösung in nächster Nummer: Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: 21 m Stirnhaar l a ß den 21 n g e n b l i ck uns fassen. Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'scheu Universitäts-Buch, und Steindruckerei. R. Lauge, Gießern