Mittwoch den 25. August sKJOh i i »ifUll t 0 ffity 5'ÄÄENst!M7 Peter Nockler. 55)16 ^schlchte eines Schneiders von Wilhelm Holz am er. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ?ie wird's der Elise gehen?" fragte er sich nun. doch nrcht gute Früchte bringen. Freilich, Berdien^^ ße^ S nW immer nach Wert und Lohn und Na — er wünsch ihr ja nichts Böses. Sie werd schon genug an dem auszutirnken haben, was sie sich! eingebrockt ^chorr trfffeit61^611 aSer0eItunS freilich — das werd sie Ja, er dachte wirklich an die Vergeltung. Sie hatte ihm ein zu großes Leid angetan. — Die Domuhr schlug neun. Der Peter schlug seine Arbeiten ein und räumte auf. Kündete er sich eine Zigarre an. Einen Augen- er stch> ob er nicht noch ein wenig ausgehen sollte. Verdient hätt er's heut. Er stand noch unschlüssig. Da klopfte es. . "Hrrein!" rief er. Aber man hörte nur ein Tasten und etn ©reifen nach der Klinke. So schwach, daß es wie von Gespensterhand )tch anhörte. Dem Peter wurde ge- radezu unheimlich. Er hörte ein rasches Atmen, ein Seufzen r^wychen, und dann wieder dies sachte, zage Greifen nach der Klinke, ©te hatten das mal einem Gesellen gemacht ©ettou foetoar?tdC)eI ®ießen' um fürchten zu machen. „Herein!" rief er lauter, ein wenig ängstlich und ein ^^rÜ,Was willst dst jetzt machen?" fragte er fast mechanisch. „Ja, was? In den Rhein gehen wollt ich schon. Ich kann aber nit. Ich muß halt leben. Ich kann nit sterbe. Ich bring's nit über mich. Ich muß mein' Straf aushalte." „Ja, das mußt du halt!" Wie klug llang ihr das starke Wort! Und sie faßte neuen Mut. „Ach, Peter, verzeihen kannst du mir nit, sollst mir gär nit, ich hab dir zu weh getan, zu weh — ach Gott! Ich hab ja noch ein bißche Hoffnung auf dich — —• Peter," und sie faßte seine Hände und sagte ganz in ihrem Odenwälder Dialekt: „KUmm, Peter, verstoß du mich nit ganz — kumm, Peter, nemm du mich Widder an, mach du mich Widder ehrlich!" Sie mußte eine Pause machen. Ist ihrer besseren Sprache, wie sie sie in Mainz angenommen hatte, fuhr sie dann fort: „Nichts will ich von dir, Peter, nicht gut sollst du mir sein, 's ist ja zu viel, um was id); dich Blitf. Hungern will ich und gewöhnlich will ich fein, wie die gewöhnlichst Dienstmagd, 's ist ja zu viel, was ich von dir fordere, und nie kann ich gut mache, was ich dir getan; hab, und du kannst ja auch nit tun, um was' ich. dich bitt, aber 's ist mein letzt Hoffnung, mein letzt Hoffnung." Dem Peter war alle Härte und Besinnung genommen'. Er war im Augenblick wie im Taumel. Er fühlte ihre warmen, zitternden Hände, er sah ilste geröteten Wangen, auf denen die heiße Erregung glühte, er fühlte ihre Blicke brennen und sah lange in ihre Äugew die noch in Tränen lagen, und es zuckte in ihm' — die alte Liebe — i— das stille Erbarmen. Da ging fein Blick über ihren Leib, ihre Hüften. Er schrak in sich zusammen. Sie bemerkte es. Sie blieb still. Sie sah ihn mit bittenden, großen Augen lauge an. Daun schlug sie die Augen nieder. „Ach, Peter!" sagte sie. Und ihre Augenlider schlugen hoch auf. Dieser Ton ihrer Stimme, dieser Blick! Dem' Peter floß es durch die Adern wie ein Feuer. Und tiefer rührte ihn das Erbarmen an. Und ohne daß er's hätte halten können oder hätte halten wolle», sagte er ein Trostwort. „Verderben sollst du doch nit, Elise. Und kein Fehler ist so grpß, er muß doch wieder gut gemacht werden können. Und man muß auch büßen können, und man kann alles büßen." Ordentlich gescheit und von oben herab kam er sich vor. Es schien ihm nicht das Rechte, was er gesagt hatte, Es war ihm grab1, als Hütt er's ans einem Buch gelesen. So, wie's der Pfarrer redet auf der Kanzel. Er ärgerte sich über sich. Aber wie er sich, auch besann, es fiel ihm nichts mehr ein. i (Fortsetzung folgt.) Kranz Lödeckes fünfter Schultag. Eine pädagogische Humoreske von Ewald Gerhard See ligeä (Nachdruck verboten.) Er war ein geweckter Junge und machte erfreuliche Fortschritte. Am ersten Tage betrachtete er den Lehrer wie ein Wundertier, am zweiten schloß er Freundschaft mit Paul Brumke, seinem Nachbar, einem kleinen, zarten Bürschchen, in! dessen angstvoll aufgerissenen Augen zu lesen war: Sicher ist der Lehrer ein Menschenfresser! Am dritten Tage erklärte Franz Lübecks feinet Mutter, die ihn vor der Schule erwartete, er wolle nicht mehr abgeholt werden, da er kein Baby sei, am vierten endlich war et mit dem Lehrer schon so vertraut, daß er ihm ein! paar wichtige Fragen zUr Beanüvortung vorletzte. Mit vier Jahren nämlich hatte Franz das schone Wörtchen: Warum? entdeckt und gebrauchte es bei jeder Gelegenheit MÄ Entsetzen seiner Eltern. Der Vater brummte nur Und schaute tiefer in seine Zeitung, wenn sein SpröUing von ihm wissen! wollte', warum die Aepfel kurze und die Birnen lange Stiele hätten. Das war noch eilte der leichtesten Fragen. Franz bohrte mit seinem „Waarüm'm?" so länge an des Vaters Kopf herum', bis er wütend wurde. Dann versuchte .Franz bei der Mutter sein Glück. Die verlor nicht so leicht die Geduld. SchlieUich aber mußte sie doch die Segel streichen, wenn die knifflerischeü Sachen kamen. . „Es gibt eheN Fragen, dis MM nicht Beantworten! kann!' wich sie ans. u -/Nein!" sprach Franz einst. „Das gibts nicht. Du' weißt es bloß nicht." , „Meinetwegen!" lachte die Mutter. „Wenn du in die Schule gehst, kannst du ja den Lehrer fragen." , llnd das! tat Franz am vierten Tage, als der Lehrer bunte Bilder ast bte Tafel hing uW> alles Mögliche erzählte. Das war sehr lustig, vom Hundertsten kam er ins Tausendste. „Herr Lehrer!" fragte Franz Plötzlich und hob den Finger. >,^ch möcht gern wissen, warum die Aepsel kurze und die Birnen lange Stiele haben?" „Komische Frage!" sagte der Lehrer Md kraute sich hinter .dem Ohre. „Sie sind halt so gewachsen." . Franz setzte sich Und machte ein verblüfftes Gesicht. So lercht hatte M sich das Ding nicht vorgestellt. Aber die Antwort leuchtet« ihm eilt. „Herr Lehrer!" fragte er fünf Minuten spater. „Ich möcht gern wissen, warum unser Kater die Ohren tzmknickt, wenn ich ihm aus di« Schnauze blase?" „Warum?" lachte der Lehrer. „Frag ihn doch selbst!" „Aber er kann doch nicht sprechen!" warf Franz unerschrocken ein. „Deshalb knickt fr di« Ohren ein!" meinte der Lehrer lächelnd. „Wenn er sprechen konnte, wurde er sagen: Dummer Jung, laß Mich zufrichen!" __ Mihdieser ErWrnng war für Franz di« Katerangelegenheit erledigt. Aufatmend setzte er sich und überlegte sich die dritte Frage. 1 „Herr Lehrer!" rief «V Uach einer Wiertelstunde mit gehobener stimme. „Warum wachsen die BäuMe nicht Mit den Wurzeln nach oben?" .. Das schien ihm Ungefähr das Schwerste zu sein, was' Man klnem Menschen antun konnte. Und der Lehrer Mußte wirklich em wenig nachdenken. „Das ist ganz einfach!" erklärte er lächelnd. „Wurzel oder Aeste, das ist ganz gleich. Wachsen die Wurzeln nach oben, so sind es eben Aeste, wachsen die Aeste nach unten, so sinds eben Wurzeln." Wie schlaU! dachte Fraiiz und war befriedigt. Als «r zu Hause beim Essen saß, legte er plötzlich die Gabel hm und sagte, ohne mit der Wimper zu zucken: „Unser Lehrer! weiß alles!" Sein Vater brummte diesmal so bedenklich, daß ihm' ein Bissen im Halse stecken blieb, die Mutter dagegen schlug dankbar Und bewundernd die Hände zusammen. NUN kam Franz Lüdeckes fünfter Schultag. Vor der Schul-- tür traf er seinen Freund Paul Brumke, der sich nicht hinein-- traute. Es gab zwischen beit beiden eilte längere Verhandlung, die der Lehrer vom Fenster des Konferenzzimmers belauschte, Mine bemerkt zu werden. Da Paul Brumke nicht von seinem Wahn ließ, daß er sicher heute gefrühstückt werden würde, griff thn Franz bei der Hand und versuchte, ihn iit die rote Backstein- Höhle des Menschenfressers zU ziehen. Trotz der geringen Kräfte sträubte sich Paul Brnm'ke erheblich. Endlich aber siegte Franz Und zerrte seinen Freund iM Triumph in die Klasse. Der Lehrer «rwartete sie schon. „Was war denn da draußen los?" herrschte er die beiden! Nu Und versuchte, ein furchtbar böses Gesicht auszustecken. „Paßt sich das wohl, vor der Schultür so ein Geprügel anzustellen?" „Ja!" . sagte Franz, schlug die Augen gläubig zu ihm auf UNd ließ seinen Freund los', der sich sofort hinter die schützenden Rücken der anderen flüchtete, denn sie hatten! ihre Plätze auf der vorletzten Bank. „Na, was ists?" fragte! der Lehrer milder. „Ja!" meinte Franz und seufzte tief auf. „Herr Lehrer, Sie! wissen' alles!" „Das will iÄ Meinen!" lachte der Lehrer, UM nicht los- prUsten zu müssen, und streichelt« sanft über Franzens blonden Scheitel. Wieder holte er die bunten Bilder und begann zu fragen. Die anderen wunderten sich bös', daß der Lehrer plötzlich alles vergessen hatte, was er gestern noch gewußt hatte. Aber Franz wüßte genau, daß sich der Lehrer nur verstellte. Er wußte wirklich Ulkes, nur tat er so, als wenn ers nicht mehr wüßte. Hinter Paul BruMke saß Cäsar Schröder, einer von den Sitzengebliebeuen, ein dünner, schlackriger Junge, der stets auf Allotria bedacht war. Er hatte! por sich einen sehr spitzen Schiefer-- griffel liegen, mit dem er Nach Paul Brumkes Nacken zielte: Dem tat das sehr weh: Wenn es auch nicht gllich durch die Haut ging, so Machte es ihM doch heftige Schmerzen. Aber er hätte um keinen Preis des Gesicht zu verziehen gewagt, aus Angst, dem schrecklichen Lehrer auszufallen'. Da aber Cäsar Schröder, der böse Bube, keinen rechten Erfolg seiner fortgesetzten Bemühungen spürte, verstärkt« er sie allmählich. Doch Paul Brumkes Angst war noch immer größer als sein Schmerzgefühl, er rutschte wohl NM dem, Sitzbrett hin und her, .baumelte mit den Beinen Nach MteW Seiten, doch den Kopf hielt er steif. Und in seinem mageren .Gesichtchen zuckte keine Muskel. Franz sah seines Freundes Qualen Und ballte die Faust. Doch Cäsar Schröder, im Gefühl seiner einjährigen Ueberlegen- heit, streckte ihm nur die Zunge heraus. Da drehte sich Franz Lübeck« um und gab ihm eine schallende Ohrfeige. Der Lehrer, sprang entrüstet auf, schalt laut auf die Ruhestörer Und zog sie vor di« Klasse. Cäsar Schröder duckte sich, denn ler kannte sein Schicksal, versuchte sich aber herauszulügen. Das war UM so leichter, als Franz Lüdpcke nicht den Mund aujtun wollte. Der Lehrer weiß ja' alles! dachte er bei sich. Wozu soll tch ihm erzählen, was «r schon weiß? Der aber nahm das für grenzenlose Verstocktheit Und bekam einen, roten Kopf. Mit langen Schritten strebt« er zUm Schrank und nahm einem gelben Stock vr die Hand. Paul Brumke dachte, das sei das lange Menschen-- fressermesser, imd kroch vor Verzweigung unter die Bank. Ter sewe Stock fuchtelte mehrmals vor Franz Lüdeckes Nase hin 6_er. Doch er schwieg wie das Grab. Plötzlich nämlich waren! chm Zweifel gekommen, daß, der Lehrer vielleicht doch nicht alles! wisse. Fetzt mußte es sich zeigen! Und Klatschen war schon gar Nicht seine Sache. ' 1 ikmmpiekst!" einer von der hintersten Bank. ,,Jch hab ,hn nicht gepiekst!" verteidigt« sich Cäsar, d«r Gassmiunge. i( ^Doch hat er ihn gepiekst!" schrie es iM Chor. Nun begann der Lehrer die Zeugenvernehmung'. Dadurch wurde die, Sache noch verwickelter. Die Hälfte war für das Preksen, die Hälfte dagegen. Sogar die, die auf den vorderen Banken saßen und die das Ereignis Nur mit dem Rücken gesehen! haben konnten, gaben mit voller NeberzeugUNg ihr Urteil ab. Das wurde dem Lehrer endlich zu bunt. Und da er seinen lieben Casar Schröder genau kannte, legte er ihn übers linke Kni« und stäubte ihm die Jacke aus. Ter Delinquent suchte seinen Platz auf, quetschte sich einige Tränen heraus und war bald wieder mit seinem Schicksal ausgesöhnt. Der Fall Franz Lüdecke aber lag schwieriger. Noch einmal bemühte sich der Lehrer in Güte mit ihm. Der JUnge preßt« die Lippen zusammen. Vor Prügel fürchtete er sich nicht. ES gab zu Hause leicht etwas, besonders, wenn der Vater aufgeregt! war. Doch das letzte Mittel mochte der Lehrer nicht anwenden. „Wenn du das nächstemal wieder so trotzig bist," sprach er, packte ihn bei der Bufenkrause und schüttelte ihn fünfmal hin Und her, „dann kriegst du das Doppelte!" Franz saß wieder auf seinem Platze und glaubte nicht mehr ün die Mwissenheit des Lehrers. Es kant ihm auch jetzt so vor, als wenn die Antworten auf feine drei Fragern nicht so ganz ausgereicht hätten. Als Paul Brumke den tapferen Freund an seiner Seite fühlte, kroch er wieder Unter der Bank hervor., In der Panse gabs auf dem Hose eine Prügelei zwischen Franz Lüdecke und Cäsar Schröder, wobei sich jeder den Sieg zuschrieb. , ! In der nächsten Stund« malte der Herr Lehrer einen Hampelmann an die Wandtafel. Er stand ganz steif da, feinen rechten! Arm hielt er schräg nach unten gestreckt, seinen linken schrägl Nach oben. Doch dieser linke Arm kam ans deut linken Fuß heraus. Keiner nahm an diesem Monstrum von Hampelmann Anstoß- Nur Franz Lüdecke sah den Fehler. Aber er fragte nicht: Warum? Seine Liebe zn dem Lehrer war erloschen. Er freute sich vielmehr heimlich über die Dummheit. Während dessen hatte der Lehrer noch eine Mütze gemalt, die aber in der Luft schwebte., „Das ist ein Junge," erklärte.er bann, „der feine Mütze! in die Lust wirft und vor Freud« „i" schreit!" Und dann schrien alle wie ein ManU: „i", nNr FraNz! Lüdecke nicht. Nun malte der Lehrer dicht neben den Hampelmann eilt richtiges „i". „Aus, ab, auf, Punkt draus!" machten ihm all« nach, bis sie müde waren. Es' trat eine Panse ein, denn nun waren sie in das Tor der 38iffenfchatten eingelassen worden. Franz Lübecks wollt« seinen Glauben an den Lehrer zurückgeWinnen und hob den Finger. „Herr Lehrer!" fragte er ernsthaft. „Ich möchte gern wissen,- warum man den Punkt brauf macht und nicht drunter!" „Setz dich, Esel!" rief der Lehrer ärgerlich und ließ di« Tafeln heraufnehmen. Franz Lüdecke wußte genug. Selber Esel! dachte er bei' sich Und ließ den Griffel über den Schiefer gleiten. Auf, ab, auf! Hier aber zögerte er plötzlich. Punkt drunter! murinelts er vor sich hin Und setzt« den Punkt unter die Linie. Paul Brumke sahs und stieß ihn an. „Das ist falsch!" flüsterte er furchtsam, uM den Freund' vor der Gefahr zu warnen. „Punkt brauf!" „Laß mich!" gab Franz unmutig zurück und malte weiter seine Punkte drunter. Als er die Tafel vollgeschrieben hatte, ging er zum Lehrer, um ihm seine Arbeit zu zeigen. Der sah auf, prüfte sie flüchtig und- nickt« kurz. Ra also! Ist das nicht auch ein „i"? dachte Franz Lüdecke triumphierend, wischte aus und begann die Arbeit 'von neuem1. Kurz vor Schluß der Schule wies' er dem Lehrer diese neue Seit«. Auch da standen die Buchstaben verkehrt. Wieder merkt« der Lehrer nichts. Franz hatte genug von ihm. Als es läutete, packte er seist Schreibwerk vorsichtig ein und trug es' nach Hause. Hier erklärte er beim Essen, indem' er die Gabel hinlegte!: „Unser Lehrer ist aber dumm!" Sein Vater verschluckte sich diesmal noch vor dem Brummest Und gab ihm ein ziemlich gut gezieltes Kopfstück. Tie Mntteü verwies ihm solch« Lästerung und verlangte dringend Aufklärung. Franz holte schweigend seine Tafel. Wozu sollte er Worte machen? Hier mußte die Tat sprechen! Ms er sich aber feist Schreibwerk besah, stutzte er und wurde rot bis über beide Ohren. ' „Rasagte er, auss höchst« überrascht. „Ich hab doch bifl 528 Punkte drunter gemacht, und jetzt sitzen sie alle wieder drüber. Warum stehen sie nicht da, wo ich sie hingemacht habe?" „Warum?" lachte der Vater laut. „Mir scheint, der Dumme sitzt ganz wo anders!. Wenn du eineU Strumpf zweimal um- drehsk, kommt immer wieder die rechte Seite nach außen!" , ■ Franz ließ den Kopf hängen und schämte sich nicht wenig. Aber bald gewann er seine alte Sicherheit wieder. „Na, denn will ichs noch einmal mit ihm versuchen!" meinte dr, stand auf und wischte sich den Mund. „Den Cäsar Schröder aber verhau ich!" „Wer ist denn das?" fragte der Vater. „Das ist mein Feind!" sagte Franz und schnitt eilte Fratze. „Der hat den Paul Brumke gcpiekst!" „Wer ist denn das?" fragte die Mutter. „Tas ist mein Freund!" erklärte er stolz. „Na, das freut mich!" schloß der Vater. „Nun Mach noch die Punkte drauf und nicht drunter, dann hat das mit dir seine Richtigkeit!" Gustav Narpeler und eine Nichte Heinrich Heines. Anläßlich des Todes von Gustav Kar Peles wird es, wie der „Inf." geschrieben wird, allgemein interessieren, zu erfahren, daß in Berlin eine Nichte Heinrich Heines lebt, mit der der verstorbene Heine-Forscher viel zu arbeiten pflegte und der er zahlreiche wertvolle Aufklärungen verdankt. Frau Helene Hirsch-Embden, so heißt die alte Dame, ist eine Tochter der Baronin Embden, der Schwester Heinrich Heines. Wenn man Frau Hirsch und ihr Leben kennt, so weiß man, daß sie viel zu erzählen hat, denn selten hat ein Mensch so viel erlebt und gesehen wie sie. Gustav Karpeles äußerte sich einmal über sie folgendermaßen: „Mit den Verwandten großer Männer hat es so seine eigene Bewandtnis. Man 'ist meist so erpicht daraus, sie feinten zu lernen, und schließlich ganz enttäuscht, denn man hätte im stillen doch! gehofft, neues von dem „Großen" zu hören und wurde dann schließlich mit Phrasen abgespeist, in denen die Schlagworte der letzten Zeitungsfeuilletons nachklangen, und die sich meist nur durch den häufigen Gebrauch der Ausdrücke „mein großer Bruder" oder „mein genialer Onkel" unterscheiden. Frau Hirsch ist eine seltene Ausnahme. Sie weiß fesselnd zu erzählen, ohne dabei phantastisch zu werden und ohne den Boden der reellen Wahrheit zu verlassen. Falsche Sentimentalität ist ihr völlig fremd, ebenso wie jedes Phrasentum. Sie unterscheidet scharf zwischen eigenen Erinnerungen und dem, was sie gehört oder gelesen hat." Nach dieser Schilderung ist es begreiflich, daß Karpeles die Zusammenarbeit mit dieser geistreichen Dame sehr liebte, da sie seinen Arbeiten sehr förderlich war. Namentlich über die Frau Heinrich Heines, mit der sie zeitweilig sehr befreundet war, weiß die Nichte des großen Dichters viel interessantes zu erzählen. Frau Mathilde Heine, so berichtet sie uns, war zwar herzlich dumm, liebte aber ihren Mann treu und pflegte ihn unermüdlich, Ihre Dummheit ist Heine, nie lästig gefallen, ganz im Gegenteil, er brauchte sie. Seine Schwester, Frau Baronin Embden, befragte ihn einmal darüber. „Nein," erwiderte er, „ich sehe den ganzen Tag so viele geistreiche Menschen, die mich aussuchen und im Gespräch ihr bestes geben wollen, daß ich mich abends an der Naivität meiner Frau direkt erquicke." Trotz ihrer Einfachheit besaß sie die Eleganz der Pariserin und das Benehmen der Grande Dame", daneben jedoch war sie mißtrauisch, besonders in Geldangelegenheiten. Frau Hirsch schloß in den sechziger Jahren für sie einen Vertrag mit einem Verleger ab, der Schriften aus dem Nachlaß Heines zu Uebersetzungszwecken kaufte und 21000 Frank dafür bezahlte. Als man das Geld der Witwe Heines einhändigte, meinte sie geringschätzig zu Frau Hirsch: „Mais ce n'est Pas beaueoup, ma petite Helene!" Auch an Andeutungen ließ sie es nicht fehlen, bis sie die Quittung des Verlegers selbst erhielt. Nötig hatte sie solche Geschäfte nicht, denn Campes Pension und manche andere Einnahmen verschafften ihr eine genügende Rente, um luxuriös leben zu können. Frau Hirsch-Embden war in ihrer. Jugend eine sehr gesellige Frau. In den sechziger Jahren genoß ihr Cercle in Paris den Ruf, der eleganteste und interessanteste der Metropole zu fein, da sich unter ihren Gästen alle Namen von Bedeutung vereinten. Staatsmänner und Fürsten, Gelehrte und Dichter besuchten ihr gastfreies Haus. Frau Hirsch wurde während des im Jahre 1870 beginnenden Wiener Aufenthalts eine Freundin der verstorbenen Kai-< {ernt Elisabeth. ______ Die Erweskrätzer. In unserer raschlebigen, inoberneit Zeit stirbt so manche Volkstype aus, die ihrer Eigenart wegen doch nicht ganz in das Meer der Vergessenheit versenkt werden sollte. Eine solche alte Volkstype aus dem Vogelsberg sind die sogenannten Erweskrätzer. Noch vor 20 Jahren tauchte hier und da einmal eine solche Gruppe auf, die im Vogelsberg und den angrenzenden Gebietsteilen von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus zogen, um auf ihren von den Vätern ererbten Musikinstrumenten ihre lustigen Weisen vorzutragen. Wenn im Herbste die Ernte eingetan war, dann hörte für die geringen Leute, die tagsüber bei den Bauern als Taglöhner beschäftigt waren, meistens der Verdienst auf, Man wollte doch nicht ganz feiern, und für den kommenden, langen Winter mußten Vorräte gesammelt werden, zu denen man greifen konnte, wenn die Not an den Mann kam. Was war dann bequemer und einträglicher, als einzeln, oder in Gruppen von zwei, drei und vier Mann vor den Haustüren der reichen Bauern auf der Baßgeige, der Violine und der Triangel eins aufzuspielen. Notenkenutnis besaßen diese Musikanten nicht, ihre Kunst hatten sie auch bei keinem Meister gelernt, aber lustige Melodien waren es, die sie auf der Geige „kratzten", und wenn gar zu der heiteren Melodie ein launiger Text gesungen wurde, dann galt der Vortrag für eine Glanznummer, die besonders honoriert werden mußte. Bares Geld, das damals auch bei den Bauern noch sehr rar war, empfingen die Musikanten nicht, aber ein Stück Speck, ein paar Eier und in den meisten Fällen ein Mäßchen Erbsen war ihr Lohn. Für ihr „Gekrätz" auf der Geige erhielten die Musikanten ein Mäßchen Erbsen und daher der Name „Erweskrätzer". Noch heute bezeichnet man auch in der Umgegend von Gießen schlechte Kirmesmusikanten mit dem Namen Erweskrätzer. ss. vermischtes. * Der Tiermagen als Kochtopf. Professor S. Torjanovic weist auf eine interessante Sitte gewisser Balkanbewohner hin, die schon bei den Skythen geübt wurde und bis heute in Uebung geblieben ist, nämlich auf die Verwendung von Tiermägen als Kochtöpfe. Die Speisen, die zubereitet werden sollen, werden mit Gewürz und Wasser in einen gut gereinigten Hammel- oder Ziegenmagen getan, der dann mit einem Bindfaden geschlossen wird. Unter! diesem eigentümlichen Geschirr wird dann das Feuer entzündet und solange unterhalten, bis das Essen gar ist. Aus dem Magen sickert nichts durch und er verbrennt auch nicht, solange sich im Innern noch Flüssigkeit befindet. Serben, Montenegriner und Macedonier kochen im Felde noch heutzutage auf diese Weise und können zuletzt obendrein ihr Geschirr noch aufessen. * Am Stammtisch. „Was Sie da erzählen, daß Sie vor 25 Jahren mit zerrissenen Stiefeln nach Berlin kamen, setzt Mich nicht in Erstaunen. •— Ich z. B. bin ganz nackt nach Berlin gekommen!" — „Reden Sie keinen Unsinn!" — „Ich gebe Ihnen mein Wort, es ist so: ich bin nämlich in Berit»! — geboren." Logogriph. Mit „b" als Handwerksmann bekannt, Mit „f" als Strom im deutschen Land. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummerst H A P Handschuh n t 1 des Ast erabad c a d h b e Puls adern h d n Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gießen,