MLtwsch den 24. Usvember hm MM I j™® MA.W W WM xMW ' MS BW KZtrfir& Rheinlandstöchter. Roman von Clara Viebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Die Tür war hinter ihr ins Schloß gefallen; schwer wie im Tranm ging sie die Treppe hinunter, einen bittern Geschmack «usi 'der Zunge, ein ohnmächtiges Zorngefühl im Herzen. J)re Hände ballten sich. Man hatte gewagt, einen Schatten aus das lichte Bilo ihres Vaters fallen zu lassen, man hatte — ja was hatte man denn? Das waren fremde; gleichgültige Menschen, die den stillen Mann in dem entlegnen Haus an der Chaussee wenig kannten, sie aber, die Tochter, sie hatte ihtl gekannt — und doch vergessen! Vor Neldas Augen tauchte die Gestalt des Vaters auf 1— in dem halbdunklen Flur des geistlichen Hauses stand er greifbar, leibhaftig; er schwebte ihr entgegen, er breitete die Hände aus, sein blasser Mund lächelte, schmerzlich und unsagbar mild. So musst0 der Erlöser lächeln, als er die ansah, die ihn nicht verstanden. „Vater!" Nelda schluchzte laut auf und lehnte sich taumelnd gegen das Geländer. Da drinnen hatte, sie nicht weinen können; vor dem Mann mit dem verbindlichen, gutrasierten Gesicht und dem schönklingenden Organ wären rhr nie die Tränen gekommen, -aber hier, hier draußen stand sie, drückte die heiße Stirn au die kalte Treppenwand und weinte sich aus. Merkwürdig, wie die, Gedanken springen! Sie empfand einen tiefen Kummer, ein Grauen vor dem Jammern der Mutter — was würde sie sagen, wenn sie nach Haus kam und nichts, gar nichts ausgerichtet hatte? Und daneben fiel ihr immer wieder ein, wie gutrasrert das Gesicht des geistlichen Herrn gewesen war, so glatt, so ohne die kleinste Bartstoppel. Eine Tür ging im Parterre, Nelda fuhr zusammen und wischte sich rasch mit der flachen Hand über die Augen. Mir hier nicht gesehen werden, nur hier den Schmerz nicht zeigen! Fräulein Milchen streckte eben das bleicysüchtige Gericht zum Wohnzimmer heraus. „Wer ist denn da aus der Treppe? Ah — Nelda, du?!" Wie ein dunkler Schatten flog diese an ihr vorbei Und zum Hause hinaus. Gott sei Dank! Mit gesenktem Kopf, taub und blind, rannte sie die Schloßstraße zuruck, an der nächsten Ecke stieß sie heftig mit jemandem zusammen; der Sonnenschirm fiel ihr aus der Hand und rollte über s Trottoir. Der Herr hob ihn auf und zog den Hut, sie konnte nicht umhin, sie mußte ihn ansehen — cm blasses, knabenhaftes Gesicht, matte, wasserblaue Augen und schlichtes, semmelblondes Haar. Fräulein Plankes Schützling. Sie neigte den Kopf zum Gruß und wollte, werter, der junge Manrr aber blieb stehen und streckte ihr bte Hand hm, während das tiefe Rot der Schüchternhert fein farbloses Gesicht überzog. „Ver — verzeihen Sie, Fräulein Dallmer, ich — ich will Sie nicht lange aufhalten! Sie, haben Jjren Herrn Vater verloren — ich weiß nicht, ob Sie mich noch kennen; als ich Sie vor wenig Tagen oben ouf bent Mosenberg sah, waren Sie noch so heiter. Verzeihen Sie, oast ich Sie anspreche, ich habe gehört, wie rasch Ihr lieber Vater gestorben ist — es tut mir so sehr leid — ich habe! auch keinen Vater mehr; ich weiß, wie das tut!" Er druckte ihr die Hand, eine große Teilnahme lag in seiner Stimme. Die Stimme tat Nelda sehr wohl, sie war weich und m* schleiert, nicht sonor und volltönend, aber wie geschaffen/ Worte des Trostes zu sprechen. „Ich danke Ihnen!" Nelda hob die verweinten Augen. „Haben Sie meinen Vater gekannt?" „Nicht persönlich, nein, nicht persönlich, aber gesehen habe ich den Herrn Regierungsrat oft!" Heinrich Susemiehk war nicht mehr so schüchtern, er wurde ganz eifrig und schritt jetzt neben Nelda her. „Unser Seminar ist ja der Regierung gegenüber. Er hatte so ein vergeistlgres, unendlich mildes Gesicht, ich bin oft stehen geblieben und habe ihm uachgesehen, wenn er, ejn wenig gebeugt, die Häuser entlang ging; ich glaube, das Gehen wurde ihnt manchmal sauer, er stand dann still und hustete.. Sein Rücken trug eine schwere Last, aber seine, Strrn„ die war ganz merkwürdig, die war so — ich weiß nicht, wie ich sagen soll — so frei, so umleuchtet! Er sah aus, jme em müder Mann und doch wie ein Sieger. Ich habe oft gewünscht, ich möchte ihn kennen lernen und über manches mit ihm sprechen dürfen; aber er sah mehr nach innen als nach außen, er hat mich nie bemerkt. Doch entschuldigen Sie, Fräulein," — er zog plötzlich den Hut — „ich will Nicht länger stören! " Ms" — jetzt war es Nelda, die die Hand ausstreckte — 'wenn Sie °Zeit haben, gehen Sie ein kleines Stuck mit mir! So hat noch keiner von meinem Vater gesprochen. Er war so gut! Es tut-mir so wohl, ich —" Die Stimme erstickte ihr, sie konnte vor Tränen nichts mehr sagen; aber es waren dankbare Tränen. Verwundert sähen die Leute das Paar an, hier und! da blieb soqar einer stehen und guckte nach; der langmahnige Mensch in dem ausgewachsenen schwarzen Röckchen, mit den chlenkernden Bewegungen machte wirklich eine komische Figur- Zwei hübsche Backfische spazierten. Arm m Arm über den Schloßplatz, sie kicherten, als sie des Zungen ManneS ansichtig wurden. „Du, Klare, sieh mal, Fraulern Planke ihrer ' Wie er rbdet! Sieht er nicht aus, tote der „Hungerpastor" in dem gräßlich langweiligen Roman von - ach, du weißt schon — von Ra — richtig von Raabe?! Pfui, °n Ne, verhungert nicht gerade; glaubst du, daß die Planke ihn hungern läßt? Aber so unbedeutend, so nach gar nichts! - Nein, schön war Heinrich Susemiehl weiß Gott nicht, alles andere eher. Wie linkisch und verlegen er letzt, jenseits der Brücke, von Nelda Wschied nahm! Und doch sah sie ihn dankbar und vertrauensvoll an. — 734 — „Oie werden also kommen, morgen um fünf Uhr, Herr Gusemiehl? Sie missen nun alles!" „Ich komme — gewiß — wenn — wenn Sie erlauben, wenn Sie ge — statten!" Er war wieder der alte Schüchterne. * Nun war zum letztenmal hinter Regierungsrat Joseph Dallmer die Tür seines Hauses ins Schloß gefallen. Es tvaren nicht viele, die ihm das Geleit gaben, vielleicht zwanzig Menschen und ein paar Kutschen. Der Weg zürn Kirchhof !var weil, die Sonne heiß. Frau Rätin war nicht mit. Sie hatte neben dein Sarg gesessen, versunken in Schmerz und Tränen, das Bild einer trauernden Witwe. Oberkonsistorialrat Zünglein hatte einen finnigen -Vergleich gemacht; er wies auf die zarte Epheuranke hin, die nun, des stützenden Stabes beraubt, ärrgstlich am Boden kriecht — „aber sie wird sich aufraffen, emporranken mn Kreuze Christi!" Langsam polterten die Träger die Treppe hinunter, langsam setzte sich der kleine Zug in Bewegung, langsam rollten die Kutschen über die staubige Straße. Frau Rätin kroch in den entferntesten Winkel' — nur nichts hören, nur nichts hören! Gott sei Dank, daß alles vorüber! — 'S« Draußen auf dem Kirchhof ist auch fast alles vorüber. Nelda steht am offnen Grab und blickt starr hinunter in die Tiefe. Jetzt faltet sie die Hände, eine weiche Stimme dringt an ihr Ohr. „Und bin ich auch einer der Geringsten, trage ich auch noch nicht das geistliche Gewand — so Gott will, werde ich es doch einst tragen! Ich kann mich nicht würdiger auf meinen Beruf vorbereiten, als wenn ich hier am Grabe dieses edlen Mannes spreche: Lasser uns beten! — Unser Water, der bist in dem Himmel"---- Leise kommt die Sommerluft und weht die heiligen Worte weiter, hinauf zum strahlend blauen Himmel. Da ist kein lautes Schluchzen, kein störendes Jammern, ein großer Friede liegt über dem grünen Garten. „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit — in Ewigkeit — Amen!" «In Gottes Namen!" spricht der erste der Träger. Sanft sinkt der Sarg hinunter, sanft gleitet die Erde nach; die Schollen prasseln nicht, sie decken liebend den müden Leib. Worüber! Die Menschen gehen, und nun hebt ein Bogel «n in den Büschen; er schmettert aus voller Kehle —• ist es ein Klagelied? Nein ein Triumphlied!? „Ich bin ganz ruhig, sorgen Sie sich nicht um mich," sagte Nelda mit zuckenden Lippen, als sie am Arm des Onkels dem Ausgang des Kirchhofs zuschritt; an ihrer andren Seite ging Hauptmann Lylander. Er sah traurig Und alt aus. Jetzt beugte er sich amf ihre Hand. „Liebe Nelda," flüsterte er, „kann ich etwas für Sie 'tun? Alles — Sie wissen!" Er sah sie mit den treuen Augen an; heute trug er kein Was, sie sah nah seinen Umflorten Blick. „Mein guter Freund!" Sie lächelte matt. „Denken Sie an sich, ich — ich finde mich schon!" lind bann neigte sie den Kopf und weinte still. Drittes Buch!. I. Tagebüchblätter von Agnes v. Osten gehör ne Röder. „Nein, so habe ich mir's nicht gedacht! Lieber Gott, Was macht man sich für Illusionen über das Verheiratetsein, wenn man noch so dumm und unerfahren ist, wie ich por sechs Jahren! Ich bin jetzt erst fünfundzwanzig und komme mir schon uralt vor. Sie sagen alle, ich wäre sehr zu beneiden — ja gewiß! , Daß ich oft so weine, kommt sicherlich nur, weil ich so wert von Papa und Mama fort bin. Ich habe Heimweh nach dem Rhein, nach Koblenz, wo mich alle Leute kennen, wo ich als Kind so glücklich war. Hier in Berlin rennen sie alle, und jeder hat soviel mit sich zu tun; ich bin so fremd. Carlo sagt, wenn man bald drei Jahre an einem Ort ist, müßte man sich eingelebt haben, ich dürfte nicht so schüchtern sein--bin ich denn schüchtern? — hie Damen vom Regiment wären alle nicht sv. Er hat recht, ich bin keine Frau, mit der er glänzen kann, ich vergehe in Garnichts -zwischen den andern. Da — jetzt ist eine Träne anf's Papier gefallen! —i Nur meine süße kleine Felicitas, wie hübsch uub lustig |ie ist — ich höre draußen ihre Füßchen trippeln. Mein einzig geliebtes Kind!" * Spät am Abend. „Carlo rst zum Ball bei Arnheims in der Rauchstraße. Cs ist immer sehr prachtvoll da, Anselma wird glänzend aussehen; Arnheim läßt rhr jede Toilette von Paris kommen, er ist schrecklich verliebt in sie. Ich möchte auch gern geliebt sein, aber nicht so, das ist nicht das Rechte; man muß nicht blind dabei sein. Ich bin froh, daß ich nicht mit mußte. Da hab' ich doch auch was Gutes von meinem Schnupfen, von dem Carlo sagt, er stände mir schlecht, ich hätte eine rote Nase. Freilich, der Spiegel sagt mir's auch, ich habe sehr verloren, seit ich verheiratet bin. Wie geht das zu? Ich habe doch alles, was mein Herz begehrt — ach nein, ach nein, ich will nicht lügen!" Sylvesterabend. „Felicitas hat die Masern, gar nicht schlimm, aber ich gehe nicht fort von ihr. Jetzt schläft sie. Wie reizend sie daliegt, die Arme in dem weißen Nachtkittelchen über der Decke, die blonden Löckchen hängen ihr zerzaust in die Stirn. Sie sieht aus wie Carlo. Sie hat auch seinen leichten Sinn, in einer Minute freut sie sich über ein Spielzeug, und in der nächsten wirft sie es schon wieder fort; ich muß sehr über sie wachen. Jetzt werden sie bald bei Arnheims „Prosit Neujahr" rufen und mit den Gläsern aneinander klingen — Carlo wird ihr die Hand küssen — sie macht bann so wunderbare Augen --- Ich wünschte Papa und Mama wären hier, ich habe grenzenlose Sehnsucht." * 3. Januar. „Carlo sagt, es sei albern von mir, ein Tagebuch zn schreiben, das fei eine dumme Backfischangewohnheit aus der Pensionszeit; ich erlebte ja auch gar nichts. Ich erlebe doch was. Es ist mir eine Wohltat, wenn ich ab und zu hier in mein Buch schreibe; einen Menschen muß man doch haben, dem man fein Herz ausschütten kann. Früher mußte ich gleich alles sagen, das Hube ich mir jetzt schon abgewöhnt; viel will ich auch gar nicht ausschütten, nur ein bischen. Felicitas ist noch zu klein und die Eltern sind so weit; die kann ich auch nicht betrüben. Da ist mein Tagebuch mein Vertrauter. Ich verstecke es jetzt immer gut vor Carlo, aber der fragt auch gar nicht danach, der hat immer so viel vor. Ich bin wirklich kein Backfisch mehr. Heute nachmittag läuft er Schlittschuh mit Anselma Arnheim an der Roitfseauinfel; die Musik spielt und jemand vom pof wird auch da fein. Arnheim holt später seins Fran ab, er fährt bann in der Eauipage am Ufer auf und nieder; sie laffen ihn immer so lange warten. Er dauert mich, er hat doch schon graue Haare. Ich möchte auch Schlittschuh laufen können, es muß ein großes Vergnügen fein. Wer als Kind habe ich cs nicht gelernt, Mama war immer so bang, ich könnte einbrechen — nun müßte ich am Ufer stehen, wenn ich dabei fein wollte. Carlo sagt auch, erwachsene Personen können nicht mehr Schlittschuh laufen lernen, sie machen sich lächerlich, wenn sie hinfallen. Ich wünschte, ich wäre tot--, o meine Felicitas!^ (Fortsetzung folgt.) Wintersport im Vogelsberg.') Won Karl N e u r a t h. Erst in den letzten Jahren ist der Wintersport iü Deutschland bekannt und heimisch geworden. Die Schnelligkeit, mit der er sich überall da ausgebreitet hat, wo man *) Wir entnehmen diesen Aufsatz mit Erlaubnis des Verlages von Emil Roth in Gießen dem von Herm. O e ft e r io i tz herausgegebenen Führer durch den Vogelsberg, den wir bei feinem Erscheinen ausführlich besprochen haben. Die Schriftlbg-., Mit ziemlicher Sicherheit auf ein gutes, lückenloses Schneefeld rechnen kann, ist der sicherste Beweis für die Beliebt- heit und Zuträglichkeit dieses jüngsten und gesündesten Sportes. Leider liest und läßt es sich nicht vermeiden, daß gar viel Mitläufer aus Fexerei und Modenarrheit den Schneeschuh — oder den Rodelsport erwählt haben, um sich in der kleidsamen Tracht zu zeigen. Glücklicherweise ist aber das Schiläufen nicht so leicht und mühelos wie das Rodeln und oie Zahl der Sportgecken ist deshalb unter den Schiläufern ganz bedeutend niedriger als bei den Rodlern, oie sich fast ausschließlich aus blutigen Neulingen zusammensetzen. Wenn sich dann aus Unkenntnis Und Unachtsamkeit Unfälle ereignen, wenn irgend ein aufgeblasener Großhirns sich und andere in Gefahr bringt, dann wird leider in begreiflicher Kurzsichtigkeit der Sport verurteilt, der an sich völlig unschuldig ist. Mau sollte sich deshalb hüten, die Allgemeinheit für den Wintersport zu gewinnen, auzuregen und zu ermuntern, weil es meistens an der richtigen und sachkundigen Anleitung fehlt.' Es wird so viel gestümpert in der Welt und nirgends so viel als beim Sport, weil jeder ohne gehörige Hebung sich gleich an die schwierigsten Aufgaben macht und dadurch jede Feinheit, jeder: Stil einbüßt. Denn es kommt schließlich nicht bar tut f an, daß es gemacht wird, sondern wie es gemacht wird. Welch anderes Brld bietet ein geübter Schiläufer, der sich in langwieriger, mühsamer Schule zu Sicherheit und Eleganz durchgearbeitet hat und mit kühnem Blick und lässig vornehm er Haltung einen steilen Hang heruntersaust als der Anfänger, der mit Zittern und Zagen hinter ihm herläuft und alle Augenblicke im Schnee liegt. Wer's nicht edel und nobel treibt, Lieber weit von den: Handwerk bleibt. Und es ist etwas Edeles um den Schilauf. Wer noch Nicht auf bei: schmalen Brettern durch tief verschneiten Wald geglitten ist oder wie ein Blitz Über steile, wellige Hänge talnieder gesaust ist, der macht sich keinen Begriff von der Schönheit und der Lust des Schilaufes. „Es ist eine großartige Ueberwältigung der Natur in der herbsten Jahreszeit", sagt A. Fendrich in seinem bekannter: Muhe „Der Schiläufer"; „ein kühnes Messen der menschlichen Kräfte mit den Gefahren und Tücken des Winters, ein Zeitvertreib vor: großzügiger Wucht und Eleganz und eine Höhenkunst des Wanderns, die uns aus der winterlichen Enge und Lichtarmut der,Städte hinauf hebt in ein reineres, freieres und kraftvolleres Dasein." Herz und Lungen weiten sich in dem Genuß der weiter:, weißen, schimmernder: Flächen, über die der Schi leicht- fchwingig oahingeht und alle Sinne werden wach und klar bei dem Anblick der tiefverschneiten, winterstillen Forste, die früher kaum eines Menschen Fuß betrat. Das Märchen von den: Winter als dem „harten Mann" zerfließt in eitel nichts und man lernt ihn als einen guten, liebevolle,: Freund schätze:: und Hochhalte::. Frei und ledig ist man da auf seiner: glatten Brettern jeder hindernder: und hemmenden Er:ge, leichtfüßig fliegt man dahin durch die große, unendlich scheinende Einsamkeit der erhabenen Winterwelt. Und all diese herrlichen Wunder des Winters kennen wir Deutsche erst seit zwanzig Jahren, dem: im Jahre 1889 machte der französische Konsulatsekretär Pilet aus Mannheim seine erste große Schifahrt und erstieg zu allgemeiner Verwunderung den Feldberg im Schwarzwald. Und just am selben Tage hatten zwei Freiburger Studenten auch den Aufstieg gewagt und waren mit Pilet zusammen- getroffen. Bon da an kam der Schisport in Deutschland zur allmählichen Ausbreitung und heute ist er zu einer wundervollen Blüte gediehen. Der Schi ist aus Norwegen zu uns gekommen, wo er seit den ältesten Zeiten ein wichtiges Verkehrsmittel gewesen ist. Die erste geschichtliche Erwährnrng finden wir um 770 bei Paulus Diakonus, der die Finnen wegen ihrer Geschicklichkeit in: Schneeschuhlauf als Skrid-Finnen, d. ii. Geitfinnen, bezeichnet. Als reiner Sport ist der Schilauf aber auch in Norwegen noch verhältnismäßig jung, wo er hcurptsächlich durch die Bewohner von Telemarke:: in Aufnahme kam. Ende der 70er Jahre wurde der Chri- stiania-Ski-Clnb, der erste Schiklub in Norwegen, gegründet und im Jahre 1879 fand am Huseby-Hügel bei Christiania der erste Schiwettlauf statt, wobei die Telemarker den erstaunten Städtern den ersten richtigen Schilauf zeigten und durch die Länge und Whnheit ihrer Sprünge Bewunderung erregten. Das gab einen mächtigen Anstoß- aber in Deutschland fand der Schi vorläufig noch feine Beachtung. Anfang der 80er Jahre machte Wilhelm Paulcke, der Verfasser des berühmter: Buches „Der Skilauf" in Graubürrden seinen ersten, wenig erfolgreichen Versuch auf norwegischen Schneeschuhen mit sehr unvollkom- mener Bindung, um sie erst zu Anfang der 90er Jahre in® Schwarzwald und in den Vogesen wieder aufzunehmen. Seitdem hat sich der Schilauf Derart entwickelt, daß er zu einen: Teile schor: Volkssport geworden ist. Um dieses Ziel zu erreiche::, habe:: sich in fast allen schneereichen Gegenden unseres Vaterlandes Bereinigungen gebildet, die die Hebung und Förderung des Schilaufes als obersten Grundsatz aufgestellt haben und ein erhebliches Teil an der Ausbreitung dieses Sportes beigetragen habe::. Dieses Ziel wird vor allem und am beste:: durch Wettkämpfe erreicht, die, in vernünftigen Grenzen gehalten, ungemein nutzbringend sind. Diese Schaurennen ziehen meistens eine große Menge Zuschauer an und nur hrer, wo sich nicht jeder Stümper beteiligen kann, bekommt man ein richtiges Bild von der Leistungsfähigkeit eines tüchtigen Schiläufers. Erst seit der Einführung solcher Wettkampfe hat der Schisport die große Entwickelung genommen, die außer Nansen viele andere ihm vorausgesagt haben, und wenn heute in fast allen deutschen Mittelgebirgen besuchte Wintersportplätze entstanden sind, so ist das in: wesentlichen das Verdienst der Schivereinigunge::, die durch Anlegung von Rodelbahnen und durch Abhaltung von Schi- kursen und Schirennei: Sammelplätze geschaffen haben. Wenn der durch Klima und Bodenbeschaffenheit für den Wintersport so vorzüglich geeignete Vogelsberg seither nahezu unbeachtet geblieben ist, so liegt das vor allen® daran, daß es früher au einem Vogelsberger Schiklub und mithin auch an einer tiefgreifenden Anregung zu seinem Besuche gefehlt hat. Wohl wurde er hin und wieder von einzelnen Schiläufern besucht und auch die Schiabteilung des Vogesenklubs erkor ihn zu ihrem Wanderfeld, aber niemand tat etwas zu einer sachgemäßen Herrichtung und zu einem planmäßigen Vorgehen, bei dem Schikurse und Wettkämpfe Anregung und Anleitung gegeben hätten. Seit dem' letzten Muter hat sich nun in Gießen ein Schiklub gebildet, der es als seine hauptsächlichste Aufgabe betrachtet, den Vogelsberg für den Schisport zu erobern und durch Veranstaltung von Wanderfahrten, Schi- furfen und Wettläufen immer mehr für die Ausbreitung dieses nervenstärkenden Sportes zu sorge::. Ter für die Zeit zwischen Weihnächte:: und Neujahr vorgesehene Kursus hatte des ungünstigen Wetters wegen allerdings ausfallen müssen, und eine Verlegung ließ sich wegen Verhinderung des als Kursleiter gewonnenen Meisterspringers von 1908 I. C. Luthers aus München nicht ermöglichen. Trotzden: schlossen sich den von älteren Schiläufern geleiteten Hebungsfahrten sehr viele Herren und Tarnen an, und sie brachten es auch zu ganz ansehnlichen Leistungen, obgleich sich ein großes Wettlaufen als untunlich zeigte. Vor allem ist dadurch aber ein beachtenswerter Stamm für die nächsten Jahre gewonnen, fo daß in Zukunft ein regeS wintersportliches Leben im Vogelsberg zu erwarten steht. Ms günstigster Ansgangsort für Schifahrten empfiehlt sich das reizend gelegene Schotten, das in etwa einstündiger Fährt mit der Kleinbahn von Nidda ans zu erreichen ist. In Schotten ist überall leicht Quartier zu mäßigen Preisen zu finden und (in der Schottener Auskunftsstelle des! Schiklub Wintersport in Gießen, im Hotel zur Traube, wird jede gewünschte Auskunft gern erteilt werden. Von Schotten aus kam: man bei günstiger Witterung sofort mit den Schnees chnhen anf- brechei: und je nach Lust und Laune größere oder kleinere Fahrten unternehmen. Ein sehr günstiges Heburigsfeld bilden die Hänge nördlich von Rudingshain, das etwa eine Stunde von Schotten gelegen und auch zur Heber» nachtung geeignet ist. Eine sehr lohnende Fuhrt geht nach den: Ludwigsbrunnen, von wo sich eine herrliche Abfahrt nach Rudingshain bietet oder für geübte Läufer über die Petershainer Höhe nach Freie::seen oder in mehr südlicher Richtung nach dem schönen Städtchen Laubach, an der Bahn Hungen-Alsfeld. Wer mit den Wegen bekannt ist, kann von Schotter: aus auch noch abends den zum Schilauf vorzüglich geeignete:: Hoherodskopf besteigen und in dem Klubhaus oes Vogels- berget Hohenklubs' übernachteir, doch empfiehlt sich eine vorherige Anfrage, da die verfügbaren Zimmer meistens vorausbestellt sind. Wer auch der mit den Wegen nicht Vertraute wird schon unterwegs' in den von der Ersenbahn-' Verwaltung freundlichst zur Verfügung gestellten Sonderwagen oder int Hotel zur Traube Anschluß finden, um eine abendliche Besteigung des Hoherodswpfs auszuführen. Bei klarem Wetter hat der Aufstieg zum Hoherodskopf am frühen Morgen große Reize, da man der durch den Berg verdeckten Sonne entgegenwandert, und ein Sonnenaufgang im Winter wunderbare Landschaften bietet. Wer Samstag noch eine größere Fahrt machen will, kann über Mucke und Freienseen oder auch durch den Laubacher Wald fahren und dann auf der Höhe südwärts des Seentales .durch den schönen Hochwald bis jnr Landstraße und dann über Poppenstruth und durch beit Oberwald nach dem Klubhaus auf den Hoherodskopf fahren, das das ganze Jahr ' hindurch gut und sehr preiswert bewirtschaftet ist. Der südliche Abhang des Hoherodskopfs bietet eine sehr gute Mfahrt, doch ist gegen Ende des Abhanges nach dem Bogen nach links einige Vorsicht erforderlich, weil ein kleiner Hohlweg den Abfall schneidet. Als Uelmngs- gelände ist dieser Hang, die sogenannte Rennbahn, ganz vorzüglich geeignet. Etwas gefährlicher, iveit oft vereist, tft bte Abfahrt nach Breungeshain oder nach dem Gacker- stetn, von dem aus eine glatte Abfahrt nach Schotten führt. Doch rst dieser Weg nur solchen zu raten, die ihn genau kennen. Andernfalls fährt mau vom Gackerstein nach dem rechts heraufgrüßeitden Rudingshain und von .da, nach kurzem Anstieg auf dem oberen Weg, der die Höhe kreuzt, m bequemer Abfahrt au der Gansmühle vorüber nach Schotten. Vor der Gansmühle ist Vorsicht und weiter Abstand geboten, weil die Straße eine ziemlich kürze doppelte Biegung macht. -m rißu.in, Heben sind auch die zahlreichen Schneisen und Waldwresen des am Klubhaus beginnenden Oberwolde?. sehr geeignet, da sie fast alle eine größere oder kleinere Abfahrt ermöglichen. Eine hübsche und sehr lohnende Fahrt geht von dem Hoherodskopf aus über den Taufstein, den höchsten Berg des Vogelsberges, entweder nördlich nach Ulrichstein oder östlich durchs Schwarzbachtat an dem Luftkurort Hochwaldhansen vorüber nach Ilbeshausen mit dem schönsten und eigenartigsten Fachwerkban Oberhüsens, der sogenannten Teufelsmühle. Von hier aus fährt man entweder mit der Bahn nach Nidda, oder in anfangs sehr beschwerlichem Aufstieg von Hochwaldhausen nach dem Hohe- rodskopf oder über Busenborn nach Schotten. Auch eine Fahrt von Ilbeshausen über die Herchenhainer Höhe nach dem schön gelegenen Städtchen Gedern' und bei genügender Zeit weiter über Glashütten-,Ober-Lats-Nidda hat für den geübten, ausdauernden Läufer große Reize und stellenweis ausgezeichnete Abfahrten, die teils über Felder und teils durch Wald führen, wie die meisten Fahrten durch den herrlichen Vogelsberg. (Schluß folgt.) Vermisehtes» , * Vro5eller Bei dem reichen Leben, das diesen Sommer in den deutschen Lüsten herrschte, ist es kein Wunder, daß die Zeitungen von Berichten darüber wimmelten. Aber wie viele machten ihren auch sprachlich deutsch gesinnten Lesern die Freude die „Propeller , von denen ihnen ihre Berichterstatter schrieben, t» gut deMsche „Schrauben" und „Schraubenflügel" zu verwandeln? Verschwindend wenige. Ja, das neue Modewort hat es manchem so sehr angetan, daß er uns nun sogar auch die Schiffsschrauben zu Propellern macht. Weshalb denn eigentlich plötzlich dieses englische Wort? Ach, weil es doch noch immer so echt deutsch ist, sich fremde bunte Läppchen und Flicken auf das Earenkleid der Sprache zu setzen. Ja, wenn wir kein deutsches Dort für dieses Gerät hätten, ließe man sichs allenfalls gefallen. Aber so kann man wirklich nur ausrufen: „Propeller hin! Propeller her! Was kümmern uns Propeller?" Bleiben wir doch bei unfern deutschen Schrauben; sie sind sicherlich ebenso gut wie englische „Propellers"; und wenn selbst der Engländer noch nicht sagt „he Has a Propeller lvose somewhere", sondern immer noch „he Has a screw lvose somewhere", so wollen wir auch nicht glauben, daß eine Berliner „Pflanze", als Zep- pelln kam, gerufen hat: „Bei Vatern is schon en Propeller los" o JA fleVarbe er sich. Aber wenn unsere Kinder bei ihren Luftschiffspielen von „Propellerbruch" schreien, dann wollen wir L^Ehnen, deutsch zu reden: das Luftschiff hat eine Schraube verloren, ent Schraubenflügel ist gebrochen, nsw. * D i ä Jubelfeier der Weste In diesen Ta,»»n kann die Weste, das inä'nnliche Kleidungsstück, in dem sich Phäw f"D'^>,Wkbrnfreude und modischer Sinn am lebhaftesten spiegeln, 1 a-, ^00 jayrige Jubiläum ihrer Entstehung feiern, penn es war Den letzten Reglerungchahren Ludwigs XIV., da in Frankreich j "aufkahn der Weste begann. Der trübsinnige Gill- der französischen Pantomime, so erzählt Claude Berton im Gil Blas w'ar .es, der das ,Miet" erfand und zuerst trug. Die neue französische Mode ging alsbald auch nach England über, wo der Lohn Karl der „Dandh-Priuz", an einem Okto vertage inl beut neuen Gewaiid bei Hofe erschien und damit die Mode auch! öffentlich elnfuhrte. Ter König begrüßte das Kleidungsstück mit großem Wohlwollen, denn er sah in ihm ein Mittel, den stetig wachsmden schrankenlosen «pitzeuluxus zu begrenzen, aber darin frerlich siollte ihii die Prunksucht der höfischen Kavaliere bald enttäuschen; die kostbarsten und schönsten Stosse waren kaum gilt geistig In Frankreich, wo di« Mode sich ebenfalls durchgesctzt hatte, blieb man m der Form der Weste und in ihrem Schmucke zunächst noch ziemlich einfach. Dann aber, imter der Regent- faj-aft, fegte die Weste kostbare Verzierungen an, ihre Form ver- langerte sich und nun traten die glitzernden, blitzenden PrunL- knopfe in ihr Recht. Die teuersten Juwelen und Edelsteine ist phantastischen Fassungen dienen als Knöpfe und in jenen Tagen fanb auch der spott für diese Westenprotze das Witzwort bet „Ventry bareS", der „vergoldeten Bauche". Zur Zeit Lnd- wig XV. gewiimk wieder die Einfachheit die Oberhand und die Weste wird nun auch dem Manne aus dem Volke zugänglich. Die kleinen Handwerker, die Arbeiter sieht man beim Tagewerk in KEsärnreln, doch um den Oberkörper die Weste geknöpft. Die Edelsteine smd verschivUiiden, dafür tragen die Knöpfe Devisest oder allegorische Gestalten ernsten oder heiteren Charakters. Unter Ludwig XVI. wird die Weste noch kürzer, der Ausschnitt ver- kleiuert sich u. drängt das Jabot, als letztes Symbol des Adelsstolzes, krampfpafsi in die Höhe. Ter Graf von Artois, der spätere Karl X., ist berühmt durch den englischen Schnitt seiner Westen; Cag'iwstro trägt eine geblümte Weste von leuchtenden Farben, über der eine dreigliedrige Kette dicker Diamanten funkelt. Der Luxus nimmt wieder überhand und die Weste wird von neuem1 zur Juwa- lieraiislage. Reiche Stickereien leuchten auf kostbarsten Seideu- ftoffen, hinten aber, das Futter, das nicht gesehen wird, ist gröbstes' ärmliches Leinen. Alles arbeitet auf eine prunkvolle Außenseite 'M, während der dritte Stand schon der schwarzen Kleidung ent» gegenstreot. Zur Revolutionszeit verschwindet dann das Jabot, die Herrschaft der Spitzen ist vorüber und die schwarze demokratische Krawatte herrscht. Lafayettc trägt die weiße Weste der Naiionak- garde, Marat wählt flammendes Rot, Robespierre trägt eine fleckenlose weiße Batistweste, „deren Teile unter dem Fanatiker- ropfe tiberemanbergreifen, wie die Messer der Guillotine". Mit dem Tirektoire zieht ein wilder phantastischer Farbenüberschwang auf, der et st endet,, als Napoleon die kurze einförmige weiße Militärweste zum Siege führt. Nach dem Sturz des großen! Korsen wagen sich wieder buntere Farben hervor; sie werden! von ber. Romantik ausgenommen und gesteigert. Victor Hugos phantastische Astrachanweste macht Schule und in den Pariser Theatern zieht Gautiers scharlachfarbene die Blicks an. 1848 herrschen wieder die roten Revolutionswesten, mit dem leichtfertigen! abenteuerlichen Geist des zweiten Kaiserreiches ziehen phantastische Stutzerwesten herauf; so wechselt unausgesetzt im steten Auf und Nieder die Mode der Weste, bis zu der heutigen modernen, die von allen ein Teil entlehnt; vom mieten regime den Juwelenschmiick, von der Romantik den Spitzenzipfel, vom zweiten Kaiserreich den großen Ausschnitt des „Gilet st eoenr". Mir die kurze, Steife starre Militärweste ist endgültig verschwunden. Silbenrätsel. aa, au, de, en, ga, gen, it, l, n, na, ro, rg, ri, s, sp, ti, ze. Ans uorftebenben Silben und Suriiftaben sollen fünf Wörter gebildet und derart untereinander gefetzt werden, daß die Anfangs» buebfiaben von oben nach mite« und die ßitbbucbftaben von unten nach oben gelesen die Namen zweier Dichter ergeben. Es bedenken aber die einzelnen Wörter der Reihe nach solgendes; 1. Schweizerischen Kanton. 2. Deutsch-russische Stadt. 3. Bekatutten Forscher. 4. Teil einer Waffe. 5. Oeflerieichisches Kronland. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Geographischen Berschiebrltsels in voriger Mr « Ohio ©Cilf Oybin Mai»rz Schweiz Prag Breslau Posen Bauern tdanzig