1909 i II Die Pslastermeisterm. Roman von Alfred Bock. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Es war völlig Nacht geworden. Hier und da blinkte aus zerrissenem Gewölk ein Stern. In kurzen Stößen fuhr ein rauher Wind über das Land. Friedmar schritt die neugepflasterte Dorfstraße entlang und sog mit weit geöffneten Nüstern die frische Luft ein. Noch glühte der Zorn über den Bürgermeister in ihm fort. Er wunderte sich mir, daß er ihn nicht kurz und klein zerschlagen hatte, den Giftmichel, den Verleumder. Wie durfte er sich erdreisten, die Lina schlecht zu machen? Es war nichts vorgefallen, woran er sein Lästermaul wetzen konnte. Und tvenn's so wäre, wie er log — er war doch der letzte, der darüber zu schmälen hatte. Der Kerl war voll Trug und Hinterlist. Just heut, wo die Arbeit fertig war, hatte er's jabgepaßt, hatte ihn in seine vier Wände gelockt und vor dem Aufseher seine Boshaftigkeit und Gemeinheit über ihn gusgeschüttet. Und nur aus Ingrimm, weil er mit dem Einhorn gute Freundschaft hielt. Nun, er hatte ihn wenigstens einmal ordentlich durcheinander gerüttelt. Das nächste Mal konnte, er seine Knochen zusammenlesen. Daß der Aufseher bei beut Handel Zeuge gewesen, war freilich eine leidige Geschichte. Der trug ihm das wohl nach und konnte ihm viel schaden. In Gottes Namen. Und wenn er fortan keine Arbeit zugeschlagen erhielt, ihm war's einerlei. Er hatte doch keine rechte Lust mehr daran. Abends legte er mißmutig den Hammer hin. Es war, als ob eine Krankheit ihn zerwühlte, als ob ein Feuer in seinem Eingeweide brannte. „Fort nach Haus!" gebot ihm eine innere Stimme. „Nein, nicht nach Haus!" widersprach er sich heftig. „Dahin zieht mich nichts, rein gar nichts." Und der Widerspruch gewann die Oberhand. Wer wollte ihm verwehren, daß er zu seinem Mädchen ging? — Anstatt den geraden Weg zu nehmen, der in die Stadt führte, bog er in die Dorfgasse ein, wo das Einhorn lag. Bom Kirchturm dröhnten dumpf und langsam zehn Schläge herüber. Ob die Lina noch auf war? Aus dem Eckfenster des Wirtszimmers fiel ein schmaler Lichtstreif auf die Straße. Jetzt waren schwerlich noch Gäste drin. Er hob sich guf beit Zehenspitzen. Wahrhaftig, da saß sie allem, über ihre Arbeit gebeugt. Schnell zu ihr. Die drei Stufen, die zur Türe hinauffuhrten, nahm er mit einem Satz und stand gleich darauf in der Stube. „’n Abend, Sina." Das Mädchen schrak zusammen. „Herrjesses, der Meister! So spät?" „Ich war beim Bürgermeister.," „Wie kommt bann bas?" „Er hat biefen Abend ein Faß Bier aufgelegt." Sie sah besorgt zu ihm auf. „Und da wollt ihr noch eins trinken, Meister?" , Er schüttelte beit Kopf und sagte wie verwirrt: „Ich muß heim. Und mag doch nicht. Und kann nicht, 's zehrt an mir und drückt mir's Herz ab. Herrgott, tch halt's nicht mehr aus." Er brach plötzlich vor ihr zusammen und barg! aufstöhnend den glüheitden Kops in ihrem Schoß. Aus ihrem Gesicht war jeder Blutstropfen gewichen, und das Herz schlug ihr hoch bis zum Hals hinaus. Sanft strich sie mit der Hand über sein feuchtwirres Haar und sagte leise: „Still, Friedmar, still, daß du's nur weißt, bitt dir gut." Da schnellte er, wie von einer tollen Freude gefaßt, empor, riß sie au sich und suchte gierig ihren Mund, ohne daß sie sich sträubte. „Mein Schatz, mein herzlieber Schatz!" Er gab sich fessellos seiner ungestümen Zärtlichkeit hin, und unter seinen heftigen Küssen erstarb ihr das Wort aus! der Lippe. Eng aneinander geschmiegt genossen sie die ganze Seligkeit, sich endlich gefunbeu zu haben. „Ist deine Mutter droben?" fragte Friedmar nach einer? Weile mit vibrierender Stimme. „Schläft," hauchte Lina, „schon lang." „Mach das Licht aus, daß niemand mehr hereinkommt," bat er. Sie tat's. Er preßte sie wieder an sich. Dann zog! er sie hinaus auf den Flur. Die Türe zu ihrer Schlag kammer war halb geöffnet. „Komm', Schatz," flüsterte er, „komm'." „Friedmar, was tust du?" Sie widerstrebte leise, nur leise. Fast trug er sie in die Kammer. Und die Türe schloß sich hinter ihnen. . . Im Morgendämmern schritt Friedmar auf der in Vieh, fachen Windungen sanft aufsteigendeit Lanbstraße dem Städtchen zu. Entzückt hing sein Auge am östlichen Horizont, wo bas junge Licht emporglomm. So schön, bünktej ihm, hatte er die Sonne noch niemals aufgehen sehen. Er lauschte beit ersten Vogelstimmen, als seien es ganz neue unbekannte Töne, bie an sein Ohr schlugen. Die Land- schaft, bie ihm so wohlvertraut war, kam ihm reicher und sarbeitbunter vor. Ein Wvblgefühl durchströmte ihn, wie es der Genesende empfindet, der eine schwere Krankheit siegreich überstanden hat. Seine Sehnen spamiten sich, und die gewohnte Arbeitslust regte sich aufs neue. Dabei wanderten seine Gedanken zu dem Mädchen, das ihm seine Liebe geschenkt hatte. Es konnte gar nicht ausbleiben, daß der Wind ans beut Bürgermeisterhaus seiner Frau zutrug, was bei dem Trinkgelage vorgefallen war. Daß es mit der Meisterin einen schweren Zwist absetzen würde, sah er voraus. Gestern konnte er den Bürgermeister noch einen Lügner heißen. Und heute? Mochte kommen, was da wollte 454 Und Wenn er die Meisterschaft fahren lassen und Gesell vqn der Früh' biss in die Nacht sich wieder abschindcn mußte, er nahm's willig hin. Für die Lina war ihm nichts zu viel. Daß sie hinfort zusanimengehörten, stand für ihn fest. Niemand sollte es wagen, sich zwischen sie zu stellen, niemand! In diesem Augenblick fühlte er die Kraft in sich, der ganzen Welt die Stirn zu bieten. —< Heller Sonnenschein durchflutete ihre Kammer, als Lina aus kurzem, unruhigem Schlummer erwachte. Auf dem Flur draußen hörte sie die Mutter hin und her schlurfen. Rasch erhob sie sich. Ein schwerer Traum hatte sie gequält: der Verkehr in der Wirtschaft war so gering geworden, daß oft ein ganzer Tag verging, ohne daß ein Gast sich blicken ließ. In weitem Bogen gingen die Dörfler um das Einhorn herum, als hauste der leibhaftige Satan darin. Die Aecker lagen brach, und die bittere Not klopfte an die Tür. Tie Mutter starb vor lauter Gram. Das Haus kam unter den Hammer. Kauflustige waren wohl da, aber sie kamen gegen den Bürgermeister nicht auf. Der erhielt schließlich den Zuschlag. Die heißen Tränen liefen ihr über die Backen, denn sie war mutterseelenallein und blutarm. Da trat der Bürgermeister auf sie zu und sprach: „Du hast deinen Haß auf mich geworfen. Ich will nicht Böses mit Bösem vergelten. Für dich hab' ich Haus und Hof gesteigert. Komm zu mir. Du sollst's gut haben." Nun siedelte sie in das Bürgermeisterhaus über. Sic hatte leichte Arbeit und gute Kost. Aber der Bürgermeister drückte sich immer schäkernd und schlechte Witze machend um sie herum. Sie tat, als hörte sie das alles nicht. Einmal wag die Bürgermeisterin in die Stadt gegangen. Da kam der Bürgermeister in die Küche, kniff ihr in die Backen und! wollte sie an sich ziehen. ; „Du mußt nicht spröd tun," sagte er, „mußt hübsch brav sein, du sollst's nicht bereuen." Da gab sie ihm einen Stoß, daß er zurücktaumelte. „Augenblicklich laßt du mich in Ruh'. Du bist an die Unrechte gekommen. Ich! bin ein ehrbar Mädchen. Und schickt sich so 'was für einen ver- heirat'en Mann?" Er schlug eine Helle Lache auf . . . Darüber wurde sic wach. Gott sei Dank, daß es nur ein Traum gewesen war. Der eklige Mensch! Plötzlich trat das Geschehnis des gestrigen Abends, vor ihre Seele. War der Friedmar nicht auch ein verheirateter Mann? Ein Zittern befiel sie, daß sie umznsinken vermeinte. Aber nur einen Augenblick. Dann stand sie wieder aufrecht und fest. Ter Friedmar — das war doch etwas anderes. Den hatte sie unsäglich lieb. Was sie übermächtig zu ihm hinzog, kannte keinen Widerstand und keine Reue. Ihr war's, als müßte sie der Mutter gleich alles gesteh'». Ja, war sie denn bei klaren Sinnen? Der Mütter, die über das halbe Dorf den Stab brach und die „Schande" im eigenen Haus erlebte? Sie war darauf gefaßt, die Mutter würde sie auf die Straße jagen. Und dann? So schwieg sie wohl am besten. Einmal freilich mußte sie's doch erfahren. Ob heute, morgen oder in vier Wochen. Und wenn sich die Mutter von ihr lossagte? So verließ sie ohne Groll das Haus. Sie wußte, wo ihr Hort und ihr Schutz war — Friedmar! Der hielt zu ihr vor allen Leuten. °Da gab's gar keinen Zweifel. Hatte sic ihm doch freudig alles geopfert — alles! Und ein Gefühl unendlicher Liebe erfüllte ihr Herz. Ihre Augen schimmerten feucht, und in ihrem lieblichen Gesicht malten sich .Hingabe und Treue. VII. So oft den Bürgermeister von Dietkirchen ein Geschäft in die Stadt führte, sprach er bei dem Eisenwareuhändler Thomas Freigang vor. Herr Freigang, ein Vetter des verstorbenen Pflastermeisters, bewohnte in einem abgelegenen engen Gäßchen ein uraltes, finsteres Haus. Es' war ein öffentliches Geheimnis, daß er den Handel in Eisenwaren nur „nebenbei", ja gewissermaßen zum Schein betrieb, um hinter dem Deckmantel des mühsamen Kleinkrams seiner Geldsucht und Güterschlächterei zu frönen. Der Bürger- cneister, sein gelehriger Schüler, diente ihm als Kundschafter, dergestalt, daß er auf deni Lande herumschnüffelte, wo es etwas zu ergattern gab. In der Regel machten die beiden Kompagniegeschäfte, wobei der Eisenwarenhändler als der schlauere den größeren Gewinn einstrich. Was sie unter- nahineu, war so fein eingefädelt, daß sie niemals mit dem Gesetz in Konflikt gerieten. Freigang, ein Fünfziger mit blatternarbigem Gesicht und kleinen lebhaften Augen, hatte eben den „narrigeu Balduin", der im Laden allerlei Hokus-Pokus aufgeführt, unsanft zur Tür hinausgeschoben, als der Bürgermeister von Dietkirchen eintrat. Man schüttelte sich die Hände und begab sich in das drei Stufen höher gelegene Ladcn- stübchen. In diesem Augenblick tauchte, von: Hofe kommend, der „narrige Balduin" ivieder auf, hockte nieder und zwar so, daß er das Gespräch der Männer bequem erlauschen konnte. Die Geschäftsfreunde hatten mancherlei zu verhandeln. In Orlenbach war ein Bäuerlein, das der Bürgermeister in die Mache genommen, am Verlöschen. Bei der bevorstehenden Subhastation des Wohnhauses und der Grundstücke sollte der Eisenhändler als Bietender hervortreten, während der Bürgermeister sich in seiner amtlichen Würde bescheiden im Hintergrund hielt. Sie entwarfen einen förmlichen Feldzugsplan, erwogen die Chancen des Geschäfts und wurden über die Verteilung des.zu erwartenden Gewinns einig. Der Händler holte aus dem Wandschrank eine Flasche Likör und stellte sie vor den Bürgermeister hin. Wie stets, schenkte sich dieser selbst ein und leerte schnalzend drei Gläschen rasch hintereinander. Freigang, der jede Linie im feisten Gesicht seines Geschäftsfreundes und Gesinnungsgenossen kannte, sah ihm an, daß er noch irgend eine Neuigkeit aus- zupackeu im Begriff stand. Indessen verriet er' keinerlei Nengier, sondern sagte nur mit freundlichem Grinsen: „Trinken Sie, Bürgermeister, trinken Sie." Der Dorf- Häuptling goß ein viertes und fünftes Gläschen hinunter und erzählte endlich umständlich, was sich in seinem Hanse mit dem jungen Pflastermeister zngetragen. Der Händler, der, wie seine ganze Verwandtschaft, Friedmar, den Eindringling, tödlich haßte, spitzte die Ohren und verschlang die Worte, die der Bürgermeister schwerfällig und bedächtig zur besseren Veranschaulichung des Vorfalls zusammensuchte. „Ja, was meinen Sie dann, Herr Freigang?" endigte der zerzauste Gastgeber, „so was kann man sich doch nicht gefallen lassen?" (Fortsetzung folgt.) Napolesn I. und Käuferin Marie Luise. N a ch Briefen*) Napoleon I. Am 7. Februar 1810 hatte sich Napoleon nach der Scheidung von Josephine Beauharnais nm die Hand der l9 jährigen Erzherzogin Marie Luise von Oesterreich beworben. Der „gute" Kaiser Franz I. gab sein Jawort, und die Wiener ließen sich einreden, „wie Gott seinen eingeborenen Sohu für die Erlösung der Menschheit dahiugegeben, so opfere Kaiser Franz seine Tochter für die Rettung des Vaterlandes". Die Gründe für eine verwandtschaftliche Verbindung mit dem Hause Oesterreich legt Napoleon in einem Briefe an feinen Minister des Aenßcrn, Herrn v. Champagny, dar. Der Minister wird angewiesen, sämtlichen auswärtigen Gesandten das wichtige Staatsereignis bekannt zu geben und für einen würdigen Empfang der neuen Kaiserin an den Höfeu in! München, Stuttgart und Baden Sorge zu tragen. Der Brief lautet in der Uebersetzung: Herr v. Champagny, Minister der äußeren Angelegenheiten! Paris, den 26. Februar 1810. „Sie werden darin (in einem Zirkular) sagen, daß ciucs der hauptsächlichsten Mittel der Engländer, den Krieg auf dem Festlande wieder auznfachcn, dies sei, mir zu unter- schieben, es läge in meiner Ab si ch t, die Herrscherfamilien zu vernichten. Nachdem mich die Umstände dazu geführt haben, mir eine Gemahlin zri wählen, hätte mich die Absicht geleitet, ihnen (den Engländern), diesen verhängnisvollen Vorwand zu benehmen, wodurch sie die Völker anfwiegcln und Zwietracht säen, die stets Europa mit Blut befleckt hat. Nichts schien mir geeigneter, die unruhigen Gemüter zu besänftigen als eine eheliche Verbindung mit einer Erzherzogin von Oesterreich. Die glänzenden und ausgezeichneten Eigenschaften der Erzherzogin Marie Luise, denen ich hauptsächlich Rechnung getragen hatte, haben mich dazu bestimmt, so zu h a udclu, wie es meiner P o l i t i k c n t s p r i ch t. Nachdem die Bewerbung stattgefunden, und der Kaiser seine Zustimmung gegeben hat, habe ich den Fürsten von Neuchütel abreisen lassen, um in aller Form um die Hand anzuhalten. Derselbe soll auch als Zeuge fungieren bei der Vermählung, die in Wien am 6. März von einem von mir beauftragten Erzbischof vollzogen werden soll. Iw freue mich auf diese Gelegenheit, um zwei große Nationen eng miteinander zu verbinden und einen Beweis zu geben von meiner Achtung für das österreichische Volk und die Bewohner, der Stadt Wien. Cie (Champagny) werden noch hinzufügen, daß ihre (der Gesandten) Sprache nach dem verwandtschaftlichen Band sich richten möge, das nnch mit bem Hause Oesterreich verbindet, ohne *) Lettres inödites de Napoleon I. Par L. Lecestre. 455 jedoch etwas zu sagen, das etwa mein intimes Verhältnis mit dem Kaiser von Rußland beeinträchtigen könnte. (Der Politiker!) Sie werden besonders meinen Gesandten in Stuttgart, München und Karlsruhe schreiben und ihnen die Marschroute der Kaiserin bekannt geben; Sie werden ihnen bis ins Einzelne Anweisungen über die Etikette zugehen lassen, die an' diesen Höfen bei ihrer Durchreise zu beobachten ist. Es ist.zwecklos, sich auf das zu beziehen, was man für mich getan hat. Da ich dort (durch die erwähnten Städte) nur auf Geschäftsreisen durchgekommen bin, habe ich mich um keine Etikette gekümmert; da ich viel beschäftigt war, habe ich nicht danach gefragt, was sie betraf. A b e r h i n s i ch t l i ch d e r K n i s e r i n i st e s e t w a s a n d e r e s. Es muß. vorher bestimmt werden, wie die Kaiserin empfangen werden soll, wenn sie einen Besuch bei den Königinnen in München und Stuttgart machen mutz, M e i n W i l l e i st, daß mansie nr i t derselben Achtung behandelt, die man ehemals der Kaiserin von Deutschland gegenüber beobachtet hat." Die neue Kaiserin Marie Luise übte trotz des sinncnberauschen- den Luxus am französischen Hofe die Tugend der Sparsamkeit in gleichem Matze, Ivie sie es als Prinzessin gewohnt war. Sie setzte sich dadurch in Gegensatz zu der ehemaligen Kaiserin Josephine, die nach wie vor trotz der reichen Dotationen, die ihr der Kaiser gewährte, Schulden auf Schulden machte. Napoleon schätzte an Marie Luise den Sinn für Sparsamkeit, wie er dies in einem Briefe von Wesel auö unter dem 1. November 1811 au seinen Staatsschatzmeister, Grafen Mollien, ausspricht: ... „Suchen Sie Gelegenheit, die Kaiserin Josephine zu sehen, und geben Sie ihr zu v e r ste h en, daß ich hoffe, das; ihr Haus sparsamer geführt wird, und daß es mir ä u ß er st m itz fa l l en >o ü rd e, w enn sie etwas s ch u l d i g b l e i b t. Die Kaiserin Marie Luise hat nur 100 000 Taler: sie begleicht ihre Ausgaben alle 8 Tage; s ie verzichtet auf kv st b ar e Kleider und legt sich Entbehrungen auf, um niemals Schulden zu habe n." Napoleon scheint mit dein religiösen Empfinden seiner Gemahlin gerechnet zu haben; denn es mutz stark bezweifelt werden, daß nachstehendes, von Napoleon v o r g e s ch r i e b e n e Zirkular vom 6. Mai 1813 an die Bischöfe Frankreichs, das die Kaiserin in ihrem Namen bekannt geben soll, der Ausdruck der Herzensitimmung deö selbstbewutzten Korsen getoefen ist. Das Zirkularschreiben lautet: „Der Sieg, den der Kaiser und König, mein geliebter Gewusst und Herr auf dem Schlachtfelde von Lützen (Groß-Görschen) davongetragen hat, mutz als ein sichtbarer Markstein der gött- lichen Vorsehung betrachtet werden. Ich wünsche, daß Sie sich mit Ihren Untergebenen ins Benehmen setzen, um ein „Te-Deum" singen zu lassen und Dankgebete zu dem Herrn der Heerscharen zu richten. Dabei mögen Sie die Ihnen geeigneten Bittgeb e tehinzusügen, um den göttlichen Schutz herabzuflehen für uniere Waffen und für die Erhaltung der geheiligten Person des Kaisers, den Gott vor jeder Gefahr schützen möge. Seine Erhaltung rst notig für das Glück Europas, für das des Kaiserreiches, wie für die Religion, die er wieder aufgerichtet hat, und die zu befestigen er berufen ist. Er ist der aufrichtigste und wahre Beschützer der- selocn." (Dabei hatte Napoleon 1809 alle geistlichen Stifter in Deutschland säkularisiert.) Obschon die Ereignisse des Sommers 1813 Napoleons dauernde Anw r, ruh eit in Sachsen erforderten, und man an keinem Tage » / o tonnte, was der andere brachte, wünschte der Kaiser trotzdem aus r> /rage mit der. Kaiserin in Mainz zusamwen zu fein; er wch' sw dahin kommen. Napoleon entwirft genau ihre Reise- dlsposltwnen und ordnete bis ins Einzelne an, was der Hofzug der Kaiserin mit sich führen solle. Er kümmerte sich sogar darum, daß bei deut Taseldienst nichts fehle, da ihr voraussichtlich die Könige und Fürsten Deutschlands in Mainz die Aufwartung machen würden. Mit bezug hierauf schreibt er von Dresden aus am J ^uli 18.13 an ben Erzkänzler nach Paris: „ . . . Ich wünsche, daß die Kaiserin am 22. abreist, so daß sie am 23. oder 24. in Mcmiz eintrifft. Ich werde sie dort zu besuchen . . . Am Lage ihrer Abreise werden Sie folgenden Artikel in dem „Atoniteur" erscheinen 'taffen: Ihre Majestät die Kaiserin und .negentln hat sich nach Mainz begeben, um dort 8 Tage zu weilen, in der Erwartung, dort S. Maj. den Kaiser wiederzusehen . . . Lie wollen mir telegraphisch den Tag der Abreise der Kaiserin und