Donnerstag den 25. September 1909 ML W KW BI s (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Rheinlandstöchter. Roman von Clara Vie big. er gesagt — er kommt so jetzt wieder. Wir sollen so lang Acht geben. Hü, hott! Lotto, Vicky, wollt ihr wohl?" , Mit Donnergepolter stürzte ein Stuhl um, wie dte Wilden jagten sich die drei um den Tisch. Plötzlich ecustim- miges Freudengeschrei: „Mama, Mama, kuck eural, der Karl! Der Karl ißt Schuhbendel — hau, Schuhbendel!" Die mit dem Jüngsten beschäftigte Mutter drehte srch erschrocken um. Auf dem Stühlchen saß Karl, der Phlegmatiker, im ganzen Gesicht wunderlich beschmiert; die eine dicke Patsche hielt den Schuh, die andere stopfte eben das letzte Ende des abgenagten Schuhbendels ins Mäulchen. „Es schmeckt ihm," jubelten die Geschwister, während die Mutter angstvoll auf ihn losstnrzte. Jetzt ging draußen die Tür; Settchen kam mit Kamillentee gerannt, auch Buschmann, breitmäulig grinsend, polterte herein. Frau Hauptmann vergaß das Schelten, sie ivar froh, daß Hilfe erschien. Den Schweiß von der «trrn wischend, legte sie endlich Kapuze und Mantel av; ihr rundliches Gesicht mit den Grübchen in Wangen und Kinn war hochrot. „Hat mein Mann gesagt, wann er liach Hause kommt? fragte sie das Mädchen. „Der Herr Hauptmann is ja ze Haus, antwortete Settchen ganz beleidigt. „Osses, wo wär ich dann toeg- gegangen, wann der Herr Hauptmann nit zu Hans that sein '„Zn Hause?!" Die junge Frau war wie erstarrt. „Hut) den Lärm nicht gehört?!" Sie eilte durch die beiden dunklen Nebenzimmer, aus der Türritze des dritten schimmerte Licht; leise öffnete sie. * Auf dem Schreibtisch brannte die grüne Studierlampe, Bücher und Hefte lagen aufgeschlagen, Pläne und Karten. Der Hauptmann der Artillerie, Paul Xylander, saß davor, aber °er schrieb nicht; er stützte den Kopf in die .Hand mrd blickte starr, mit weit offenen Augen vor sich hm. Die Hand, die den Kopf stützte, war schlank und blau geadert, das schwarze Haar an den Schläfen von leicht grauen Faden durchzogen. Seine Haltung hatte etwas Lässiges, sie war nicht die eines schneidigen Soldaten, eher die eines Gelehrten, der viel über Büchern sitzt. Er war ja auch der Denker unter den Kameraden, „ein feiner Kopf", wie die Vorgesetzten sagten; der Generalstäbler in spe. Woran dachte er? Ein verträumter Glanz war in den Augen, em weicher Zug Um seinen Mund. „Paul!" sagte die junge Frau. Er horte nicht. Paul!" wiederholte sie lauter. Ihre helle Summe hallte ordentlich erschreckend durch das stille, halbverdunkelte Zimmer, der glasklare Ton fuhr aufstöbernd üt alle Winkel. Paul!" Er zuckte zusammen, einen Augenblick sah er fteivte geistesabwesend an, dann lächelte er und streckte die Arme nach ihr aus. „Du bist's — ah!" Auch Dallmers wohnten auf der Chaussee; jetzt eben kam die Frau Hauptmann an dem kleinen einstöckigen Haus vorüber. Sie könnte nicht umhin, sie blieb stehen und sah zu dem matt erleuchteteii Fenster tut oberen Stockwerk auf — da hatte der Regierungsrat sein Arbeitszimmer! Schrecklich, daß der arme Mann so hustete! Das Winterwetter und die zugige Brücke waren Gift für ihn. Pb Nelda zu Hause war? Die junge Frau betrat das Vorgärtchen und spähte ins niedrige Parterrezimmer; ein voller vibrierender Ton drang eben durch die Scheiben, an ihr Ohr. „Ah, sie singt," sagte die Lauscherin und ließ die schon zum Klopfen erhobene Hand sinken, „ich will sie nicht stören." Und dann stahl sich Frau Hauptmann Xylander zum Gärtchen hinaus und erreichte im Laufschritt die Villa, in der sie den zweiten Stock inne hatten; die Sehnsucht nach den Kindern ward immer stärker. Kaum klingelte sie, da stürmte es auch schon die Treppe IjetuTitcr. „Das ist die Mama! Mama — Mama!" Ein blondköpfiger strammer Junge stürzte ihr entgegen, hinterdrein zwei ebenso blonde Mädchen. „Mama, Lollo und Vicky sind so eklig! Sie spielen immer mit ihrem dreckigen Kochgeschirr und der kaputten Anna, sie wollen nie meine Pferde sein. Mama, du mußt sie IlUUCH fz/ „Huh huh, der Wilhelm," heulten Lollo und Vicky, „er hat unserer Anna ein Bein ausgerissen! Mama, kuck emal!" Mit wahrem Jammergeheul hielten sie der Mutter die Puppe entgegen und klammerten sich dann schutzsuchend an die Falten des mütterlichen Kleides. „Mama, Mama, er haut uns!" „Pst, pst, Kinder!" „ Frau Hauptmann Xylander hielt sich lachend dte Ohren zu; im Gefolge ihrer kleinen Horde trat sie in's Kinder- zimnter. Eine nicht gerade balsamische Luft schlug ihr entgegen. Auf der Stuhllehne vor dem eisernen Ofen hingen mehrere Windeln zum Trocknen; in dem kleinsten Bettchen in der Reihe der übrigen, lag Friedrich, der jüngste Spröß- ling des Hauses, und kreischte in den höchsten Tönen. Karl, der zweitjüngste, faß zufrieden in seinem Stühlchen daneben; er hatte einen Schuh ausgezogen und benagte diesen eifrig. „Mein Gott!" Die Mutter eilte auf die Wiege zu. „Wo ist denn Settchen und wo Bttschmann? Ich hatte doch befohlen, keiner sollte Weggehen!" ~ ,L>ch die!" sagte Wilhelm altklug. „Settchen tst nach der Apotheke gerannt, sie holt Kamillentee; Fritz hätt' Bauch- Sstnerzen, sagt sie. Und wie das Settchen weg war. tst der ufchmann zu seinem Schatz gegangen — „nur mal eben" 594 - Mit einem fröhlichen Lachen bot sie ihm die glühende Wange zum Kuß. „Du Träumer," scherzte sie und zupfte ihn am Ohr, „nn was dachtest du? Beichte mal!" „Ich?" Seine Stimme hätte einen angenehmen Klang. „Lisabeth, ich dachte an dich!" Er Zog sie auf seinen Schoß und legte den einen Arm nm ihren Leib, seine andere Hand schloß sich um ihre vollen, ein wenig verarbeiteten Finger. „Meine fleißige Frau!" flüsterte er zärtlich und hob ihre Hand in die Höhe. „Wie sie rauh ist und war mal so sehr weich und hübsch! Sie hat sich zerschafft um meinetwillen — komm, ich will die braven Fingerchen küssen!" Sein dunkler Schnurrbart drückte sich auf die Hand, die Frau ließ es achtlos geschehen, ihre Blicke hafteten un- vcrwcmdt auf seinen Schläfen. „Mein Cott, Paul," sagte sie plötzlich, „du bist viel grauer geworden in letzter Zeit! Ich muß mir wirklich mal eilte Stunde abmüßigen und dir die garstigen Haare ausziehen — es macht gar keinen guten Eindruck, wenn ein Hauptmann schon anfängt grau zu werden!" Sie tippte mit dem Finger auf seinen Kopf; er wehrte lächelnd ab, das weiche Licht in seinem Auge war noch nicht erloschen. „Meine Lisabeth, ja die Jahre gehen!" seufzte er leicht. „Unser Aeltester ist bald zehn. Wie ich vorhin hier so allein saß, fiel mir die Feder aus der Hand; ich dachte zurück, wie ich dich kennen lernte, der junge Leutnant das blutjunge Mädchen — weißt du noch, Elisabeth, beim Walzer auf deinem ersten Ball war's?! Du warst die Alier- gefeiertste: es schmeichelte mir kolossal, daß du im Kvtillon zweimal einen Orden auf meine Brust stecktest." „Natürlich weiß ich's —" die Grübchen in ihren Wangen vertieften sich — „ich dachte mir gleich: den mochtest du heiraten!" „Und weißt du," fuhr er ernster fort, „wie wir dann einmal miteinander, durch den Wald gingen und hoch oben auf dem Aussichtspunkt allein standen und herunter sahen auf den Rhein, und die Schiffe und die Hauser so winzig schienen und die Menschen ganz verschwanden? Um uns her nur die große Ruhe der Natur. Da drang etwas von dem göttlichen Funken in unsre Seele; wir verstummten, aber unsre Hände tasteten, bis sie sich fanden und hielten. Sag', Lisabeth, war's nicht so?" Er sah ihr in die Augen. Sie erwiderte erstaunt seinen Blick und schüttelte dann vergnügt den Kopf. ,. „Keine Ahnung mehr! Hab'ich ganz vergessen. Aber ich weiß, wie froh ich war, als du bei der Tante um mich anhieltest. Ich hatte keine Eltern niehr und keinen Pfennig, da war meine einzige Aussicht eine Heirat. Und nun noch dazu eine so gute Partie! Weißt du, Paul," plauderte sie weiter, „du hättest nur hören sollen, was die alte Jungfer, die Planke, schwätzte — heut auf dem Kaffee bei Frau Doktor Schmidt — huh, gräßlich war's! Ich hab' ihr aber ordentlich eins drauf gegeben und gesagt, wie glücklich ich mit meinem lieben Mann und meinen Kindern bin." Sie küßte ihn. , , "Und nicht wahr, da ich jetzt gerade so schön Zeit habe, siegst du mal mit mir die letzten Rechnungen durchs Und etwas mehr Wirtschaftsgeld giebst du mir auch für nächsten Monat! Die Mädchen brauchen Schuh und Wilhelm ein Paar neue Hosen, der alte Hosenboden geht nicht mehr zu flicken — nicht wahr, du giebst mir zwanzig Mark extra?!" a Er nickte freundlich, aber der Glanz in seinen Augen war fort. Er sah aus wie ein Ernüchterter. II. Nelda Dallmer stand vom Pianino auf, an dem fie qe- M11 —. die Mutter blieb immer lang auf solch einem Kaffee wie bei Frau Doktor Schmidt — aber halt, da. gmg doch die Gittertür am Borgartchen! ,. Ihr scharfes Ohr hatte knisternde Tritte vernommen, fte schob den Fenstervorhang zur Seite und schaute hinaus. '"UM zu sehen. Dochh Jetzt eilte eine weibliche Ge- stalt, kaum erkennbar, über die Chaussee! Das mußte Fäau Hauptmann Rylander sein, keine andre trug solch grellrote Kapuze. a ' f »Gut, daß sie picht herein gekommen ist," sagte das Mädchen laut und ließ den Vorhang zufallen, „das hätte mir gefehlt!" Sie schob den Stuhl vor den Tisch, auf dem ein halb- fertiger Tüllrock lag, und fing an, unten herum eine Falbel festzunähen. Eine Weile nähte sie emsig, der blonde Kopf neigte sich tief über die Arbeit; die bescheidene Hängelampe goß ein mildes Licht darüber hin. Es war sehr still in der engen Stube. Eine matte Winterfliege glitt auf der Lehne des altmodischen grünen Sofas hin und her, der Regulator an der Wand tickte, Staubatome sanken lautlos auf die Visitenkarten in der Alabasterschale unter’nt Pfeilerspiegel. Die Nähende atmete gleichmäßig ; jetzt wurde der Atem plötzlich hastig, unruhig rückte sie hin und her. Als brenne der Rock, so ließ sie ihn aus den Fingern fallen und reckte beide Arme hoch empor. „Ha!"---Sie dehnte sich. Ihre Blicke glitten durch das stille Zimmer mit seinen peinlich geordneten Möbeln, den schlohweißen Gardinen und dem buntgeblümten Sofateppich; mit einem Ausdruck des Unmuts ließ sie die Arme finken. „Der verflixte Ball," murmelte sie und schob den Tüllrock achtlos weiter von sich. „Wenn ich nur nicht hinzugehen brauchte! Schön tanzen kann ich doch nicht. Ich mach' mir auch garnichts draus!" Sie stemmte beide Ellenbogen auf den Tisch und legte den Kopf zwischen die Hände. „Ich wünschte, ich könnte einmal sein, wie ich wollte, mich ordentlich ausrennen unb'bamt —!" Sie stieß mit den Ellenbogen fest auf die Platte und preßte die Lippen zusammen. So saß sie scheinbar regungslos, aber ihre Nasenflügel zitterten und der Blick der grauen Augen hatte etwas Unterdrücktes, heimlich Brennendes Dumpf und hohl klang jetzt anhaltendes Husten durch die Zimmerdecke, mit einem Satz war sie auf den Füßen und zur Tür hinaus. Sie ließ diese hinter sich offen und sprang eilig die Treppe hinan; oben, vor der Stube des Vaters, stand sie einen Augenblick still, ängstlich horchend. Wie gr hustete! Leise öffnete sie, noch war es dunkel drinnen. „Nelda, bist du's?" fragte eine heisere Stimme. „Ja, Papa!" Sie antwortete sehr heiter. „Kann ich dich nicht ein bißchen besuchen? Wart', ich zünde Licht an!" Das Streichhölzchen sprühte auf, die Lampe brannte und zeigte bie durchaus einfache Einrichtung von Regierungsrat Dallmers Arbeitszimmer. Da war ein Stehpult, daneben ein kleines Tischchen mit Akten bedeckt; an der andern Wand ein Bücherregal, darüber in Lithographie Kaiser Wilhelm I., rechts von ihm Bismarck, links Moltke. An dem Fenster Häkelgardinen; vor dem lederbezogenen Sofa ein schmaler gestickter Teppich — kärmoisinrots Rosenbouquets, blanlila Veilchenguirlanden, giftgrüne Füllung. Das war alles. Mit einem behaglichen „So," kauerte sich Nelda auf dem gestickten Teppich nieder und legte die Arme auf den Schoß des Vaters. Der Regiernngörat hatte sich aufs Sofa gestreckt, er sah sehr müde und erschöpft aus; bie Hand, mit der er jetzt zärtlich der Tochter die Haare aus der Stirn strich, war heiß und vertrocknet. „Papa, du hast wieder zu viel gearbeitet," sagte das Mädchen und haschte nach der Hand ans ihrem Scheitel. „Laß da liegen, Papa, es tut mir gut!" . | Er ließ die Hand auf dem blonden Kopf ruhen; sie schwiegen alle beide, bis Nelda plötzlich unvermittelt hervorstieß: „Nimm doch deinen Abschied, Papa; was quälst du dich? Ich mag gar nicht auf den Ball gehen. Wir wollen rn die Berge ziehen, am liebsten nach Manderscheid, wo der Onkel wohnt. Es ist herrlich da! Wenn du den ganzen Tag im Wald bisst und der Eifelwind dir um die Ohren saust, dann wirst du gesund, Papa, so wahr ich Nelda Dallmer hetße! Laß doch die Schinderei!" fuhr sie heftig fort, „Stehst du, ich mag gar nicht auf den Ball gehen — nein, Ich mag nicht!" Sie warf den Kopf zurück. „Wenn ich mtt dir in den Bergen herttmstreifen könnte, das wär' tniü tausendmal lieber! Weißt du, Papa, wie ich noch ganz klein war und ihr Gesellschaft hattet, und ich mich unter unfern Küchentisch verkroch? Und als du mich da vorholtest weil ich drinnen „Händchen geben" sollte, schrie und strampelte ich — „ich wollte nicht bei die Affen" H Papa, akkurat so ist mir's heut noch!" (Fortsetzung folgt.) — 595 Der alle Christoph. (Bei unserem Preisausschreiben lobend erwähnt.) „tzun Se e Ente geschosse?" srug mich einmal der ölte Christoph, als ich Abends vom Entenstrich heimkehrend in dem Dorfwirtshaus die kühl gewordenen Glieder am Kachelofen wärmte und einen Jägerschnaps hinter die Binde goß. „Frener", fuhr dann der Alte fort, „schoß mer Hai nait nooch Ente, doas woar zau imstännlich niet dene ahle Gewihrer. Mei'n Potter en meint Braurer sei'n Petter harre selligmoahl die Jogd Hai erimm. To sein aich als emol e so met gange, en aich harr en Forsch druff, die Hoase em Laie zou schieße. Aich harr e borworisch gant Äae en sohck (sah) se alle mol late. Noch Ente geng mer gor- nait. Es wore e re jo als en de Wisse. Owwer seit onne om Bodensee, selt getts Ente! — To woar ahner en unsere Kompannie, der saht, es gab seit onne Vieel, dai herre vaier Bäh (4 Beine). Aich 'Humus em owwer nait geglaabt. Doas Vwwer kenne se glaawe, daß borworisch vail Vieel selt onne sein, en vohn allerhand Oarte (Arten). „Aber, Christoph, wie kommen Sie denn an den Bodensee?", srug ich sehr verwundert, als der Alte vom Bodensee so ungefähr sprach, wie vom „Heeggrowe en der Stägkwisse". „Aich woar em Badische", sagte er stolz, „Anno 48. Aich stonn em irschte Regiment in Normst grob wai die Rebellion irn Ohnfank (Anfang) nohm. Selt em Badische geng's ohm hetzigste (hitzigsten). Bei uhns worn se jo nach rebellisch, en sein enobber (hinunter) gernoacht zäum Beu- ringer Firscht. Es batt owwer naut, aich mußt enobb en's Badisch. Derirscht geng's ohn de Hecker, doas wor e Haapt- freiheitsmann en harr e grüß Maul. Wäi mir owwer vh'n eit moache, geng er per, en moach sich ob. Den groge (kriegten) mer nait. Aich wahß nach nait wu er hinne komme eas. No, dai Sache harre mer gernoacht, en konnte wirrer Häm. Mer woarn owwer noch nait richtig dehäm, so funkt's schunt wirrer ohn. Zau dere Zeit wor aner, der schrebb sich Struwe. Der glaubt schunt, er hätt die gantz Gewaalt en die Regierings- potention en de Henn. „Die provensorische Regiering Struwe!" schrebb der ällemol inner so e Schreiwes. Jhrscht sein mer als ennob zaus gernoacht bis ohn de Bodensee. Doas es e borworisch grußer See. Aich glawe, er es grisser als uhns ganz Gemorking, en noch grisser. Selt onne gebts dai vaile Weel, en so vail Fesch, doaß se en Mährt Hahn nur met Fesch, en doas alle Doähe (Tage). Pom Bodensee sein mer wirrer ewink enuff en e wink enniwer zau's gernoacht bis noach Mühlheim. Sealt en Mihlheim harre mer e Lo(a)er. „Do hott er wäis Gewirr er schunt emol en Mensche dicht geschosse?" unterbrach einer der Stammgäste. „Kanu leicht mihlich sei(n). Geschosse hün mer bassierlich, wann nach groat (gerade) nait ohrk (arg) vail. Ob aich owwer persönlich groat ahn dicht geschosse hu(h)n, kann aich schwierlich sa(h)n. Ahnmoal hunn aich owwer gesehe, wai aner Ibut geschosse worrn eas. Do geng aner ent Lo(a)er erimm, der harr e weiß wirke (gewirkt, gewebt) Miondur ohn en moach sich gemahn met de allgemeine Soldote en mer könnt sonst naut ohn em sehe. Da, uff ahnmol brooche se eraus, doaß es e Spion woar. So packte sen, en er woar wirrer ett Bahnt gebonne, kroach de Prozeß gernoacht, en e Manner siwwe schluhe uff en ohn. Es kracht en selt läh (lag) er, wäi en. nasse Sack. Noocht (Nachher) sperer harre mer de Struwe sealbst gcfange genomme, en aich^ stonn persenlich merreme (mit einem) gelo(a)hrene Gewihr sirr saier Stuwwedihr uff Poste.. Doas wahr e Stüwwe, no aich! will emol ohnnomme so grüß als uhiis Stuwwe Hai es, e wink grisser velleicht en met Tohn (Dielen). Do woar ett der ahne Ecke en Struhsack, en — ramme mer ahn — selt en dere Ecke woar noch e Struhsack. Do uff bem Struhsak lag der Struwe sealbst, en dr anere Ecke lagt e so e Weibsmensch. Do woarn e Tail (Teil) Leu(t), dai fahre es wihr bem Struwe sei Fraa. Wh glaawes owwer nait. Dann wo- rimm? He(hn) woar schunt e ahler Kerle, er woar bei suffzig Joh(a)r, en harr en Blattekopp, en doas Weibs- utensch woar mer noch e Winkzau jungt Doas mar tot sei(n) wai's will; noacht sei(n) se alle bied en so en grüße Fa- niilljewaahn gedoh(n) worrn, en hun e Eskedierung krait (bekommen), so woaß aich! nait, woas aus ett worrn eas, lä.we se noch, owwer sei(n) fe gestorwe. Wäi mer wirrer rebur kohme, w'ohr aach^ Bei uhns die Rebellion beigclegkt. Se harre owwer ihr Sache bezweckt, en krooge häi erimm däi grüße Wäll (Wälder), doas, woas mer alleweil die Moark (Mark) haßt. En die Frohnde wohrn obgeliest (abgelöst). Dr. Sch. Der Kampf um das Lichts Leuchtgas, Petroleum, Acetylen, Oelgas, Auerlicht, Spiritusglühlicht, Glühfäden, Bogenlampen, Nernstlampen, Osmium-, Wolfram-, Tantallampen, Quecksilberbogen- lampen, Grützinlicht, Millenniumlicht — sie überfluten das neue Jahrhundert mit ihren Strahlen, während matt ssch zu Anfang des vorigen mühsam ans der Trübe schlechter Kerzen und Ocllampen herausarbeiten mußte. Alle jene Lichtspender mochten möglichst allein leuchten, so daß man ben Wettbewerb der beteiligten Industrien wohl den Kampf ums Licht neunen darf. Als erster Konkurrent neben dem Leuchtgas trat anfangs der achtziger Jahre das Petroletim auf, nachdem man gelernt hatte, fabrikatorisch aus dem rohen Erdöl durch Destillation das leicht eittzündliche uni) gefährliche Benzin zn entfernen. Ende der siebziger Jahre folgte Hefner-Altenccks elektrische Bogenlampe, 1881 zeigte Edison ans der Pariser Weltausstellung seine Glühbirne, in welcher der Widerstand eines Kohlefadens gegen den elektrischen Strom Hitze und dadurch Licht erzeugt. An Stelle der Kohle setzte Nernst 1897 die Oxyde des Magnesiums, Siliciums, Atriums und Zirkons, Auer 1900 das Osmium, 1903 Just und Hanaman das Wolfram und W. von Bolton das Tantal. Stets handelte es sich darum, die alte Edisousche Glühbirne zu übertreffen und Metalle oder Metallverbindungen zu finden, die durch möglichst wenig Strom, also durch ein Minimum von Kosten in Weißglut versetzt werden, ohne zu schmelzen oder zn zerfallen. Ungefähr gleichzeitig mit den neueren,elektrischen Lichtarten entwickelte sich die Acetylenindnstrie. Fast scheint es, als werde die Zeit koinmen, ivo man sich aus dieser Strahlenflut wieder in das behagliche Dämmerlicht unserer Väter zurücksehnt, denn die neueste von Schott in Jena erfundene Beleuchtung kann unter gewissen Umständen Augenentzündungen verursachen und Stubenfliegen töten, ohne sie zu verbrennen. Durch eine luftleere mit Quecksilberdampf gefüllte Glas- oder Quarzröhre geht der elektrische Strom und gibt nicht nur das gewöhnliche, sondern auch das chemisch wirksame ultraviolette Licht; daher die Abkürzung „Uviollampe". Die auf alle diese Lichtarten gegründeten Industrien haben dem Leuchtgas einen höchst merkwürdigen Kampf aufgezwungen, merkwürdig deshalb, weil das Leuchtgas allem Anschein nach unterliegen mußte und dennoch unentbehrlicher geworden ist als je zuvor. Das Leuchtaas erschien von vornherein durch die Gefährlichkeit seiner Anwendung bedroht. In einem Betrage von nur 5 Prozent der Luft beigemischt explodiert es, wenn wie es leider häufig geschieht, bei Gasgeruch ein Streichholz entzündet und nicht vorher für gründliche Lüftung gesorgt wird. Die Explosionswirkung nimmt mit steigender Gas- menge an Heftigkeit zu und hört erst bei etwa 30 Prozent wieder auf, weil der Sauerstoff in einem derartigen Gas- Luftgemisch nicht mehr zur Entzündung ausreicht. Zu dieser Gefahr gesellt sich die der Vergiftung burd} Kohlenoxyb. Schon 0,1 Prozent, der Luft beigemischt, wird vom Blute aufgenommeit, zersetzt es chemisch unb führt bei längerem Einatmen znm Tode. Darauf gründet sich die seit einigen Jahren eingeführte Methode zur Tötung pestverdächtiger Ratten in Schiffen. Man läßt sie von Kohlenoxyd in Form von Generatorgas durchströmen. Die giftige Wirkung des Kohlenoxyds auf Menschen wird glücklicherweise meist dadurch aufgehalten, daß das' Leuchtgas sich durch ben Geruch bemerkbar macht, falls man nicht schläft. Jnbessen kann es vorkommen, baß Rohre in ber Erde undicht werden und das Gas in darüber befindliche Wohnräume bringt; in solchen Fällen äußert bas Kohlenoxyb eine langsame und in ihrer Ursache schwer zu erkemieude Wirkung, weil das Erdreiche die riechenden Stoffe zurückhält und das Kohlenoxyd selber geruchlos ist. Von den genannten neuen Lichtbringern konnte zwar das *) Aus beirt soeben erschienenen Bändchen: „Kohle und, Eisen" von Pros. Dr. A. Binz. Wissenschaft inib Bildung, M 69. Verlag von. Quxlltz u. Meyer in Leipzig. 696 Petroleum ebensowenig wie der seit kurzem verwandte Spi- ritus ernstlich mit dem Steinkohlengas konkurrieren, ha Lampen weniger bequem sind als Gashähne. Dagegen glaubte man, das Acetylen werde das Leuchtgas wenigstens teilweise verdrängen, und vom elektrischen Licht erwartete man seine endgültige Beseitigung. Siegesgewiß konstituierte sich im Jahre 1892 die Acetylengesellschaft, aber zum Glück für das Leuchtgas erwies sich das Acetylen mit der.Beit als ein Stoff, der nur bei besonders sorgsamer Behandlung ungefährlich ist. Zwar hat es nicht die Giftigkeit des Kohlenoxyds, dagegen ist es viel explosiver als Leuchtgas. In einem Intervall von 5—80 Prozent der Luft beigemischt gibt das Acetylen die Möglichkeit von Explosionen, während das gefährliche Intervall bei Leuchtgas viel geringer ist (f. o.). Ferner ist die Explosionswirkung des Acetylens, die man experimentell bemessen kann, sechsmal heftiger als die des Leuchtgases. Drittens enthält das Karbid Phosphorverbindungen, die beim Einwerfen in Wasser Phosphorwasserstoff geben; dieser kann sich ganz von selber entzünden und so das Acetylen zur Explosion bringen, weshalb man genötigt ist, das Gas durch Chlorkalk zu reinigen. Und schließlich läßt sich Acetylen, wenn es durch einen unglücklichen Zufall Wohnräume erfüllt hat, nicht wie das Leuchtgas rasch durch Lüften entfernen, denn sein Geivicht, auf Luft als Einheit bezogen, beträgt 0,906, ist also dein der Luft fast gleich. Wasserstoff aber und Methan, die Hauptbestandteile des Leuchtgases, haben die spezifischen Gewichte 0,069 und 0,55, steigen darum rasch in der Luft empor, lute an den Luftballons ersichtlich, und entweichen aus den geöffneten Fenstern. Aus diesen Gründen haben sich keine Aceiylen- fabriken an Stelle großer Gaszentralen einbürgern können. Das Acetylen spielt eine verhältnismäßig bescheidene Rolle in kleinen häuslichen Anlagen, insbesondere auf dem Lande wo es keine Gasanstalten gibt; auch benutzt man Acetylen, bä, es sich leicht komprimieren läßt, zur Beleuchtung der Eisenbahnwagen, indem man es mit den drei Teilen des aus Paraffinöl erzeugten „Fettgases" mischt und dann in die eisernen Behälter unter den Wagen hineinpreßt. Das e l e ktris ch e L i ch t, in welcher Form man es auch Verwenden möge, ist frei von den Nachteilen, die dem Leuchtgas und dem Acetylen anhaften. Die Brandgefahr durch Kurzschluß ist jedenfalls nicht schlimmer als bei der Gasbeleuchtung die Möglichkeit der Vergiftung und der Explosion. Außerdem hat das elektrische Licht einen großen Vorteil: es verdirbt die Luft nicht wie es die Leuchtgas- flamme tut, strahlt auch nicht wie diese zugleich mit dem Licht ein Uebermaß von Hitze aus. Man kann daher beliebig viele elektrische Glühbirnen in einem Raume konzentrieren, ohne die Unzuträglichkeiten zu spüren, die eine Häufung von Gasflammen stets mit sich bringt. Abgesehen von den Fällen, wo Elektrizität aus Wasserkraft gewonnen wird, ist die Kohle das Urmaterial zu ihrer Erzeugung. Die Hitze der verbrennenden Kohle entwickelt Dampf, dieser treibt einen Motor und dadurch eine Dynamomaschine, welche den Strom liefert. Bei dem Konkurrenzkampf des Leuchtgases mit dem elektrischen Licht frag es sich also, wieviel Licht man in beiden Füllen bei Anwendung ein und derselben Kohlenmenge und sonstiger ungefährer Gleichheit der Unkosten bekommen könne. Die- Antwort fiel anfangs nicht zugunsten des Gases aus, und dieses hätte unterliegen müssen, wäre ihm nicht eine Erfindung zu Hilfe gekommen, die außerhalb alles zu Erwartenden lag und fast von promeiheischer Ursprünglichkeit war: das Auerlicht. Vermischtes. *EinOpferJsromes. Das Jahr 1809 ist überreich an traurigen Erinnerungen für das deutsche Volk. Als Märtyrer der Napoleonischen Gewaltherrschaft in diesem Jahre leben neben Andreas Hofer vor allem Schill und seine elf in Wesel erschossenen Offiziere in der Erinnerung des Volkes fort. Dagegen ist ein Manu, der gleich den Genannten und dem unglücklichen Buchhändler Palm in erster Reihe genannt zu werden verdient, mit Unrecht der Vergessenheit anheimgefallen. Kein landläufiges Geschichtswerk erwähnt seinen Namen und sein trauriges Schicksal. Es ist dies der Professor der Medizin zu M a r b u r g, I o h a n u Friedrich Sternberg, geb. 1772 in Goslar, ein hervorragender Pathologe und Therapeut, der wegen seiner bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen aus der Stellung als Kreisphysikus in seiner Vaterstadt als ordentlicher Professor und Leiter der medizinischen Klinik an die kurhessische Laüdesuniversität berufen worden war. Sternberg, ein durch und durch edler Charakter, der allen Notleidenden seine ärztliche Hilfe unentgeltlich zuteil werden ließ, war zugleich int Gegensatz zu der überwiegenden Mehrzahl seiner Kollegen, die Jeromes Herrschaft willig ertrugen, ein begeisterter deutscher Patriot. Diese ehrliche und uneigennützige Vaterlandsliebe sollte ihm verhängnisvoll werden. In seiner Hand liefen die Fäden einer Volksbewegung zusammen, die nichts Geringeres bezweckte, als den vertrie- 6 eiten Kurfürsten znrückzurufen. Her militärische Leiter des Aufstandes war, wie der „Boss. Ztg." geschrieben wird, ein Oberst Emmerich, ein tollkühner Hitzkopf, der bereits im amerikanischen Unabhängigkeitskriege mitgefochten hatte. Dieser schlug, als Sternberg krank zu Bett lag, trotz dessen Warnungen frühzeitig und übereilt los und bemächtigte sich an der Spitze mehrerer Hundert Bauern der Stadt Marburg. Die überraschte Garnison wurde aber bald mit leichter Mühe wieder Herr der Situation. Die Rädelsführer wurden gefangen genommen; Sternbergs Schicksal war besiegelt. Man wollte ein „Exempel statuieren", trotzdem dem Gelehrten direkt nichts nachzuweisen war und Emmerich gegen seinen ausdrücklichen Befehl gehandelt.hatte. Aber von feinen engherzigen Kollegen, bei' denen der humane Mann wegen mancher Neuerungen wenig beliebt war, rührte keiner einen Finger für ihn. Ja, der'Polizei-Kom- missar v. Wolff, dem die Untersuchung der Angelegenheit übertragen war, hat spater in seinen Memoiren behauptet, er habe Sternberg durch zwei Kollegen von der drohenden Gefahr unter der Hand unterrichten lassen, letztere aber hätten den Auftrag nicht ausgeführt. So wurde der schwerkranke Mann nach Kassel geschleppt, aufs schimpflichste behandelt, so daß er in seinem letzten Briefe erklärte, die. Beschimpfung sei so groß, daß er sogar eine Begnadigung seitens des Königs als unvereinbar mit seiner Ehre ausschlagen müßte, und nach kurzem Scheinverfahren zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde durch Erschießen vollstreckt. Sternberg, dessen Iran einen Tag danach einem Kinde das Leben schenkte, starb mit heldenmütiger Fassung. * Jagdergebnisse in früherer Zeit. In unserer Zeit, da ein Jäger weite Reisen macht unb es sich viele Hunderte kosten läßt, um einen Hirsch abzuschießen, denkt vielleicht mancher Waidmann au die alten Zeiten zurück, da es in Deutschland noch mehr Wald gab, da noch nicht jedes Stückchen Land angebaut war_ und der Pfiff der Lokomotive unb das Fauchen des Automobils das Wild noch nicht vergrämte. Trotzdem darf man sich die Ergebnisse von anno dazumal nicht als zu hoch vorstellen. So verzeichnet die Chronik des Grafenhauses Castell aus dem Jahre 1572 an geschossenem unb gefangenem Wilde, einschließlich der von Wölfen niedergerissenen Tiere, nur 24 Stück Rotwild und 22 Stück Schwarzwild. Dazu — auf sehr ausgedehntem Jagd- terrain — 153 Hasen, 10 Füchse, 20 Rebhühner, 9 Wildenten, 17 Haselhühner, 2 Schnepfen, 11 Krammetsvögel. Siebzig Jahre später erlegte man in zehn Monaten 22 Stück Rotwild, Hirsche, Tiere, Böcke unb Geißen durcheinander und 7 Schweine und Bachen, lind das, obgleich die Jagd der Hauptzeitvertreib der Herren war und die Küche viel mehr auf Wild angewiesen war als jetzt. Freilich jagte man ohne jede Rücksicht, kannte keine Schonzeit und das Raubzeug war sehr häufig. Namentlich Wölfe gab cs in Massen. i Auflösung ui uiia;;tci Nummer. VJl) Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummert Des Menschen Engel ist die Zeit. Redaktion: I N.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-