Donnerstag den 22. Mi li hi & W W Die Pflastermeisterin. Roman von Alfred Bock. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Da führte ihn der Straßenaufseher ins „Einhorn. Und der Friedmar die Lina sehen unb in Glut stehen, war das Werk eines Augenblicks. Zwar hielt er mannhaft an sich, aber gleich das erste mal packte es ihn so lerden-t schaftlich, daß er nachmittags wie vom Schwindel befallen ganz verstört auf dem Arbeitsplatz erschien. Einst hatte der halbreife Bursche die Mädchen gemieden, weil er zu arm war, ihnen ein Glas Bier zn bezahlen oder ein Lebkuchen-! Herz zu kaufen. Später hatte der Rastlose bei ermüdendem Tagewerk keine Lust verspürt, auf Liebeswegen zu gehen. Jetzt lohte in dem kraftvollen Mann ein Feuer, auf,, das ihm schmerzhaft aus allen Poren drang. Bis dahin, dünkte ihm, war er mit verbundenen Augen herumgelaufen. Sonst hätte er das wunderseltene Mädchen aufspüreu müssen. War's denn möglich, daß die Dietkirchner im weiten Bogen um das „Einhorn" herumgingen, wo es drin solch ein Engelsgesicht zn sehen gab? Die Dummerjane! Und doch gut, daß sie so vernagelt waren. Für ihn blieb das golmge Ding aufbewahrt. Wenn er ihr gegenüber saß und ihre Augen ineinander brannten, befiel ihn ein Zittern, und er mußte sich Gewalt antun, daß er nicht aufsprang „und sie an sich Preßte. Daß sie ihm gut war, hatte er längst gemerkt. Dem fiebernd Verlangenden verhieß ihr heißer Blick Gewährung. Wer das sachte Hinhalten, das linde Vorahnen künftiger Freuden war auch gar wonnesam. Manchmal weinte er, der Kopf müsse ihm zersprungen. Und wenn sie sein war, was dann? Mochte alles zugrund gehen, ivenn sie eins waren. Die letzte Spur nüch-, ferner Ueüerlegung versprühte in dieser Leidenschaftlichkeit. Das Nüchterne, Kühl-Berechnende, das den.Grundzug ferner Wesenheit auszumachen schien, war verschwunden, und alles schmolz in dem drängenden Wunsch zusammen, das Prachtmädchen zu besitzen. VI. Die Arbeit in Dietkirchen ging zu Ende. In die Fugen des Pflasters trieb man feinen nassen Sand und überlagerte alsdann die ganze Bahn mit einer dünnen Kiesschicht. Kleine Unebenheiten, die hier und da in der Pflasterung noch hervortraten, glich man mit der Ramme aus. Der Straßen-; ausseher nahm mit den: Bürgermeister und ben Gemeinde- Mten die Strecke ab und fand nichts auszusetzen. Auf seinen Wink fielen die Schranken, die die Straße gesperrt hatten, und gleich darauf rollte zur Ergötzung der ver- jammelten Dorfbewohner das erste Fuhrwerk über das neue Pflaster. Es war ein bedeutungsvoller Tag in der Geschichte Dietkirchens. Seit Menschengedeukeu hatte man ans der Hauptstraße bei schlechtem Wetter durch den dicksten Kot waten müssen, nunmehr freute man sich des Besitzes einer schönen Pflasterbahn und fühlte sich dadurch den beneideten Städten näher gerückt, wenn nicht ebenbürtig. Friedmar lohnte auf dem Platz seine Leute aus. An den beiden noch verbleibenden Tagen der Woche sollte gefeiert' und den nächst folgenden Montag die Arbeit ut Orteubach ausgenommen werden. Der Bürgermeister trat auf den Pflastermeister zu. „Du, Meister, ich steck' bei mir daheim! ein Fäßchen an. Du gehst doch mit?" 1 Friedmar gab seine Zusage. Der Straßenaufseher hatte die Einladung bereits angenommen, dieweil er gern dabek war, wo der volle Becher umging. Die Gemeinderäte machten die Gesellschaft vollständig, die sich alsbald in das Haus des Bürgermeisters begab. Das stattliche, zweistöckige Gebäude lag in der Mitte des Dorfes. Die Männer schritten! die Front ab und traten in die Einfahrt, so daß jetzt der geräumige, von Stallungen und Scheunen umschlossene Hof vor ihnen lag. Alles dentete ans großen Wohlstand. Man machte einen Ruudgang. Das Vieh in den Stallen war wohlgehalten, die Scheunen waren bis unter das Dach gefüllt. Der Aufseher sprach seine Anerkennung uver die Sauberkeit aus, die hier herrschte. Die Dietkircheuer sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Die Gemeinderate, dre gerade keine Musterwirtschaft führten, machten verdutzte Gesichter. Wer Bürgermeister aber geleitete seine Gäste schmunzeliid in die „große Stube", wo sie die Bürgermeisterin, ein häßliches zahnloses, altes Weib, nut sauersüßem Lächeln empfing. Ein Faß Bier lag zum mistich bereit, arif dem Tisch luden verschiedene Wurstsorten und frisch gebackenes Roggenbrot zum Imbiß ein. Man ließ sich deiin auch nicht lange nötigen und griff wacker zu, während ein Knecht den Zapfen einschlug mtb die Gläser füllte. Bald fönt Leben in die Gesellschaft. Die Unterhaltung drehte sich zunächst um die neue Pflasterbahn, deren Vollendung man feierte. Dann kam man auf die Straßen im allgemeinen zn sprechen. Der Aufseher, der sich unter den Landlenieu gern das Ansehen eines „studierten" Mannes gab, meinte, daß sich die Welt ans ihre guten Straßen jetzt nicht allzuviel einzubilden brauche. Man solle- sich nur einmal vorstelien, daß die alten Perser schon viele hundert Jahre vor Christi Geburt eine Kunststraße bauten, die hundert Meilen lang war. Und gar die Römer. Die legten ihre Hauptstraßen nicht allein gut an, sie schmück- ten sie obendrein mit Meilenzeigern, Ruheplätzen und Heiligtümern. Der Kaiser Napoleon gab zweihiindertsieben- undsiebzig Millionen Franken für den Straßenbau aus. Damals kam Geld unters Volk. Am schlechtesten war es in Deutschland mit den gebahnten Wegen bestellt. 1816 gab es in Preußen nur fünfhundert Meilen Kunststraßen. Erst in den letzten siebzig Jahren wurden beträchtliche Mittel dafür aufgewandt. Man folgte dein straßengeschichtlichen Exkurs des, Beamten mit offenem Mund. Der Bürgermeister gab seinem 450 Die Erstlinge Anter den MnLem Klsrss. Von H. Hoffmann. | ®er Frühling ist zwar vorüber und deshalb mögen diese Zlus- Mrungen nicht mehr recht zeitgemäß erscheinen. Loch nur am I ^Vttt inan rmen Ucberbllck über Vorangegangenes erhalten, wre auch wrr m oankbarer Erinnerung an all das Schöne, das uns der Frühling gebracht, seinen lieblichen Kindern, den Blumen' Lum Abschied ein kurzes Geleitwort geben wollen; denn sie haben uns das Ende des rauhen Winters, der unerbittlich allem Lebenden I das Ende zu bringen drohte, verkündet und den farbenfrohen ! Reigen dessen, was da grünt und blüht eröffnet. Kaum hatte in unseren Gärten das Schneeglöckchen das neue ^ahr eingeläntet, da s-roßte es auf den sorgsam gepflegten! Beeten und Safran und Tulpe, Scilla, weiße und gelbe Narzisse sprengten die schützende Erdhülle, um ihre leuchtenden Blüten zu enthalten. ^er Kornelkirschensirauch, dessen rote Früchte uns int Derbste erfreuen, bedeckt sich über und über mit gelben.Blüten, noch ehe seine .Blätter erscheinen, und die vielen Obstbäume und Sträucher, die in Menge den Garten füllen, wie Birn-nmd Apfelbäume, Quitten und Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Mandeln und Gold- regm verwandeln den Garten in ein wahres Blütemneer. Stillep erblühen auf der schmalen Rabatte die Johannis- und Stachelbeeren und das duftige Veilchen. Selbst auf der alten Gartens mauer wird es lebendig, Löwenmaul, Gymbelkraut und der gclb- bluhende Lerchensporn nehmen die seit langem innegehabten zurückgezogenen Wohnsitze wieder ein. — Wenn wir nun durch die knarrende Gartentüre unser Anwesen verlassen und unter den« Schatten einer Allee breitkroniger Roßkastanien, deren Blüten sich wie rote und weiße Kerzen von dem dnnkelen Grün abheben- unv den die Stadt umgebenden Ländereien und A e ck e r n nähern, sehen wir, daß auch hier der Frühling seinen Einzug gehalten fiat; öelbe Huflattich erwacht, dann der zweizwiebeligä Ackergoldstern, das Hirtentäschchen, das Frühlingshmigerblüm- Se!k , . und der von der Hausfrau geschätzte Feldsalat Ihnen folgten der Ackerhahnenfuß, das Hellerkraut, Frühlings- und Ackerehrenpreis, die Vogelniiere und das Stief- mutterchen, dessen Nachkommen dazu berufen waren, unsere Gärtest mit Farbenglanz zu erfüllen und jetzt leuchtet mit brennenden Farben m mehreren Arten der Klatschmohn aus den grünest Halmen hervor. Beim Weiterschreiten öffnen sich nun dem Blicke des Spazier- ganger^ die weiten Fluren der Wiesen, die uns wieder andere uruhlmgsgaste vor Augen führen, als die, die wir eben kennest gelerni. haben. Hier finden wir schon im Vorfrühling den Wiesen- goldstern, das braunglänzende Hasenbrot, das zierliche Frühlings- singerkraut und das allgeniein bekannte Gänseblümchen. Mitunter, gedeiht auch hier der vorhinerwähnte Huf- m,'.a>;,’,y,e enerc nef?,e,n toir den blauen Salbei und die grüne überall jedoch das kleine Habichtskraut, die ho» %,Tfrmone den goldblumigen Hahnenfuß, den kriechen- Wtesen-Hahnenfuß, das Wiesenschaumkraut, me ptaue Kreuzblume und hie arzneiliche Schlüsselblume. Gegen Erstaunen Ausdruck, daß der Herr Aufseher das alles so gut tut Kopf behalte. Dieser sagte geschmeichelt: „Ich habe ein dickes Buch. Da steht's drin. Wenn es Sie interessiert, bring' ich's Ihnen mal mit. " . ^Lieber nicht," lachte der Bürgermeister, „das hängt mir zu hoch. Das geht schon mehr den Pflastermeister r, .,7. dazu, wo der jetzt bei den Ortenbachern etwas Kunstmaßrges zusammenpflastern soll. Wie ist's, Meister?" «f ,^uc9 tat' ich so wenig klug werden wie Pu.' sagte Friedmar. „Und dann müßt' ich nicht, was es drüben in Or>enbach bei dem Pflasterwerk viel Kunstmäßiges geben sollr. "Ä- ^ief der Aufseher. „Was hab' ich neulich reißen lwd?"^ Pstaster beim Durchlaß wieder auf- vergessen," erwiderte Friedmar, von dem seibstyemlichen Ton des Auffehers unangenehm berühirt. "mJ ?Pertt r P ^ach eine Künst, hab' ich gesagt." •JRerr Aufseher. No, ich denk', an meiner Arbeit hier ist nichts mehr zu mäkeln." „Behaupt' ich ja auch gar nicht." vst/s ? dir lassen," nahm einer der Gemeinde- vate das Wort, „du hast deine Sach' gut gemacht, Meister." Die übrige,r GeEndevater bestätigten das. Man trank ba"tto»u. Auch der Aufseher, der gar nicht die Absicht zu reizen, schmetterte sein „Prost" da- S^schen-..Währenddessen lachte der Bürgermeister hämisch bor sich hin, als ob er etwas Arglistiges ausbrüte. : lÄtatt’Z “Vä ** *** *"*' W "Wann mir's zu spät wird, bleib' ich halt hier." „Gelt', im Sterns ,>'s kann sein." Der Bürgermeister lachte kurz auf. „Oder im Einhorn, hä?" Friedmar wurde unruhig. „Was schiert dich dann das?" Der Bürgermeister drohte mit den, Finger. "Meister, Meister, ich steck's Leiner Frau." „Was steckst du meiner Frau?" ihr euch so fein anblinzelt du und die kleine Einhornschlang'." I Es kochte in Friedmar. „Das sind einfältige Redensarten." der SSrX @ie t>On bec Shw' Bürgermeister?" fragte „Eben von der." bl° W Ich nichts rommn,. ....."Das sind so Ansichten, Herr Aufseher. Die Junge mu^man^kennen " ’”e un3ebieü3e Sippschaft. Die m Cr"?’a^,enr Sie den Bürgermeister doch geifern, Herr Aufseher, sagte Friedmar scharf. „Als wüßt' man nicht, w°Aum er den Frauensleut' im Einhorn was anhängen | „Fällt mir nicht ein. " .ivarf sich Friedmar auf den Bürgermeister und packte dessen Arme wie Mit eisernen Klammern. Dieser ^ild fichin ohnmächtiger Wut und stöhnte: „Lass'st du Mich los, du — " Alle hatten sich von den Plätzen, erhoben. Der Auf- [ Mer' dem der Schreck rn die Glieder gefahren war, leate Mittel. „Um Himmels willen keinen Streit hier ! Meister, so nehmen sie doch Vernunft an." Die Gemeinde- i *ate Zauderten, sich an den riesenstarken Mann heranm- dem^Zori?^ a6er fältelte den Bürgermeister in raseip- . „Das Mädchen verschimpfierst du urir nicht. Da laß deme schmutzigen Finger davon. Du Wucherjud'! Du sangst die Menschen aus und wälz'st dich in deinem unrechten Gut Und wer sich mcht vor dir duckt, den bespritzst du mit deiner giftigen rauch'! Dich hab' ich erkannt. Das sag' ich dir eigenen Haus. Und bleib' keine Minut' mehr „ Mit dröhnendeil Schritten verließ er das Zimmer Die Zuruabletbenden blickten ihm wie erstarrt nach. Der' Äuf- abgespielt, oaß man jetzt erst zur klaren Besinnung darüber kam. Die Gemeinderäte, als Kreaturen des Bürgermeisters, behaupteten, der Pflaster- meister sei betrunken gewesen. „Er war vollkommen nüchtern," sagte der Aufseher und mit einem strengen Blick auf den Bürgermeister fügte er hinzu: „Ich mische mich nicht in die Sache. Aber Sie haben den Streit vom Zaun gebrochen." „Was? Ich?" schrie der Bürgermeister. „^awohl. Sie hatten es darauf abgesehen, den Mann zu beleidigen. Und tote man in den Wald ruft, schallt's Der Bürgermeister setzte eine trotzige Miene auf. „No, wann Sie den Mensch noch verdeffendieren, Herr Aufseher Mir kann's gleich sein. Ich weiß, was ich weiß. Und ich werd's ihm eintranken, den Lumpsack."--- 3 (Fortsetzung folgt.) Der Bürgermeister stellte das volle Glas, das er eben an den Muno fetzeii wollte, ivieder vor sich bin „Was weißt dann du?" ; du's Einhorn schlucken wollt'st. Du hast 'nen ausgepichten Magen. Kannst schon was vertragen. Aber 's Einhorn hat sich nicht schlucken lassen. Und die Franen- in«"fl^°ben drr selbigmal gezeigt, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat. Dessentwegen bist du so rabbiat" . Der Bürgermeister schlug mit der geballten Faust auf den Tisch, daß die Glaser klirrend in die Höhe sprangen „Das sind hundsgemeine Lügen!" wenn du deine Gall' ün den. Leut ausläss'st, darfst du dich nicht wundern, wann man deine Schlich' aufdeckt." an den Laden legen? du schlechter Kerl Die Spatzen pfeifen's auf dem Dach. Du ber Du sollst dich schämen. Ein verheirat'er kchwolleii die Adern an der Stirn, und aus In 1 ÄHTitrf"611 ltn'11,13611 Dunken. „Lügenmaul, das nimmst vu zurucr. 1 t ,i 1 i i r t s 1 k i e t v s d g ) tz st $ st t)i b sc ai Le tri si in he to in stc fh H- sa de du Lc tll fol W ße1 Hi sch ©( Bc fei Fr vö wi ili die bei Fl- M Bl die So eig vei piil dui her am — 451 — en? . Im Bienenstaat da gibt es keine zwecklosen Faulenzer, keine hungrigen Arbeiter, keine egoistischen Sonderbestrebungen, kein Alkoholelend, keine verwahrloste Nachkommen- I 3 lvas nicht sonst noch ülles. Jeder hat im Dienste des Ganzen ferne bestimmte Stellung und Aufgabe- und ras Ganze steht wieder im Dienste der Er- Haltung des Lebens, der Sicherung der Zukunft Mir dre Befruchtung der Königin lassen Hunderte von Drohnen iHv Leben. Für dre Aufzucht der jungen Brut mühen sich taufende von flerßrgen Arbeiterinnen, bis ihre zarten Flügel zerfetzt srnd und sie draußen, weit von ihren, Stock aus dem Felde ihrer Arbeit ermatten und sterben vors Heimweh nach rhrem Kolk. Ein merkwürdiges Gefühl, oder wie man es nennen will, muß in diesen zarten kleinen Körperchen wohnen: Ern ganz intensives Bedürfnis nach dem Zusammenhang mit ihrem Staatswesen. Nach wenigen Stunden geht jede Biene ein, mag man sie noch so gut füttern und Pflegen, dre nicht mehr für die ihrigen arbeiten kann. Man mochte an ein soziales Gewissen denken, wie dessen nur dre besten und edelsten Menschen fähig! sind. ,. ~b 1 je nun etwas ahnen von den Zwecken, denen sie drenen? Bon denjenigen wenigstens, die sich auf ihre eigene Gemeinschaft, auf dre Zukunft ihres eigenen Boltes beziehen? Ob sie etwas ahnen von dem, wofür sie ihre rastlose Arbeit tun, rhr Leben einsetzen? urscht die Königin ihren einzigen freien hohen Flug in die lichte Blaue des Aethers hinauf, ihren Brautflug^ Nun schießen die Drohnen ihr nach, die Hunderte von Freiern von denen doch ein einziger nur das Ziel der großen Liebes- erreicht, um es alsbald mit dem Le'bew zu bezahlen. Und dann wird der Schwarm als Klumpen irgeridlvo an einem Baumast hangen, wird abgeschüttelt und in einem Stock untergebracht werden, wird die übrigen Drohnen tmen und an die alltägliche rastlose Arbeit gehen, , • ^".esder schönen Kosmosbändchen gibt uns eine präch- tige Schilderung dieses Bienenlebens. Unsere Honigbienen. Bon Prof. Sajv. Da sehen wir, wie sie aus eigener Kraft durch dre planvolle Bereinigung ihrer unzähligen kleinen rl” großartig geordnetes Staats- und Gesellschaftssystem schaffen. Wir sehen, tote dann des Menschen übergeordnete Vernunft und Kraft in dieses System regu- ^-f^d emgreift und wie schmiegsam und lernfähig das | ctn® dvlt ach den Absichten dieses, seines fremden Beherrschers anzupassen versteht. Wir sehen die lückenlos funktionierende Arbeitsteilung beim Lüften, beim Reinigen, beim Einträgen, beim Füttern. Wir betoundern die ratio- nelle Ausnutzung alter Kräfte, Räume und Möglichkeiten. Wir nehmen Parte, ttn Kampfe gegen die mancherlei! bösen Feinde dieses sorgsamen, emsigen Völkchens. Das aber rührt uns wohl am toundersamsten: Die bed'ngungsloie Einordnung jedes Einzelwesens in die Mittel und Zwecke des Ganzen. Wie man es auch bezeichnen uwg'^als „Instinkt" oder „Natur" oder ob man eine Art „Gefühl" vder „Verstand" dahinter suchen will. Es bleibt ein KZermuis; eins von den merkwürdigen Rätseln des Lebens. Was w,r Menschen in unserer Art darstellen: Ein, Ganzes, ?^./^ter Einzelnen besteht; aus Einzelnen, die für sich selbst doch jedes, auch wieder ein Ganzes sind, das ist s auch bei den Bienen. Nur viel vollkommener, viel klarer und sichtbarer noch als bei uns. Diejenigen Zwecke, die über alles Bienenleben hinaus- lregen, die sich auf die Wünsche des Menschen' oder auf die «roßen Zusammenhänge der Natur beziehen, sind-ihnen ae- w,ß unbewußt. Waben und Waben Men sie mit dem ußen Fabrikat ihres Gammelns und Suchens, ohne irgend etwas ahnen zu können von dem höheren Leben, "dem es dient; von den geistbegabten Geschöpfen, die ihre so ganz andersartige-Arbeitskraft damit unterhalten. Und mehr noch: Bon Blüte summen sie zu Blüte, ohne zu wissen, daß diese Blüten auf sie warten, daß diese Bluten sie nötig haben zur wichtigsten Funktion hres Lebens: zur Befruchtung. Gibt es doch ogar Menschen, die nichts davon ahnen, daß unsere Obstbaume leer und arm bleiben müßten, wenn nicht die ge- chäftigte Biene den befruchtenden Staub von Blüte zu Blute trüge. Fordert das Bilds solchen Lebens und Schaffens, solcher Ordnung in sich selbstj jufnd solchen Wertes fiir weit, weit iwer es Hinausragendei Zwecke nicht geradezu Vergleich und Betrachtung heraus? Vergleich mit unserem Leben und Ende des Frühlings kommen noch dazii Hahnenkanim und Musel, Kuckucksnelke, Klee und Löwenzahn, die Saleporchis und der körnige Steinbrech, - Dort, wo sie nach dem munteren Bach ab- fallen, haben die Wiesen durch Stockung des Wasserabflusses sumpf- artigen. CI) ar tutet angenommen urtb enthalten eilte beit Ueränberten Lebensbedrngrmgen angepaßte Flora, als deren Hauptvertreter wir das weiße Wollkraut, die Krauelsimse und die hohe Schlüssel- bliime erwähnen wollen, denen sich Sumpfvergißmeinnicht, Ficbcr- klee, Sunipf- und Waldläusekraut, Fleckenorchis und Sumpfdotterblume anschließen. Letztere wächst nicht selten hart am User der Bäche, 0ic, wenn sie langsam durch die Ebene dahinschleichen von den mannigfaltigen Wasserlinsen und Wassersternen bedeckt sind, die jetzt rm Lenz ihre unscheinbaren Blüten öffnen, während Mi den reißenden Gebirgsbächen zur gleichen Zeit die zähe Pestwurz m weißen over rötlichen Trauben erblüht. Selten findet man an Bachufern den Kalinus mit seinen gelbgrünen Blütenkolben, im,mer Schwarzerle und Schwarzpappel und die zahl- ^'f ^idenarten. — Äuf schwankendem Stege gelangen wir auf dav andere Ufer, wo sich der schmale Fußweg in igemächlicher Stei- gung an der sonnigen Berglehne hinauszieht, an der uns Küchen- ÄTl ^pressenwolssmilch ins Auge fallen. Allmählich treten uns Hecken und Gebüsche entgegen, die Vorläufer des berg- "Ä Amtliche sie bildenden Sträucher blühen tut Frühling, am frühesten der Haselstrauch und von den mitunter ^oe^eut vorkommenden Bäumen die Felduline und die Zitter- paschel. Es folgeii Hainbuche und Esche, der manchmal verwildert ?"^wmende Flieder, Schneeball, Hartriegel, Pfaffenhütchen ferner Weiß- und Schwarzdorn und die rotbeerige Berberitze. Unter den schützenden Zweigen dieser Sträucher und Baume hat eine ^brlichen Frühlingskinder ihr Heim aufge- f^dh.,..Schon früh nn Marz lachen uns die weißen Sterne wL^ÜoUr?^?t°te2Brume entgegen, hie und da die blauen des eltenen Leberblümchens, und an feuchteren Stellen der Gebüsche u'den wrr den ernzwiebeligen Goldstern und das Goldmilzkraut. Monere Berbrertung gemeßen Immergrün, Erdbeere und das ihr W ähnliche Erdbeerfingerkraut, Scharbockskraut, goldblumiger Hahnenfug, weiße und gelbe Anemone und Sternmiere; wohl NfA^nben fich Zannwicke, Schöllkraut, Lauchhederich, Hunds- verlchen und Ruprechtskraut hinzugesellt. — Dort, wo das Ge- buich nahe an den Rano des Waldes herantritt, namentlich an anmüedel^b"^' WEolder, Besenstrauch und Ginster angesiedelt. Bre zwei letztgenannten Arten fallen zu ihrer Blüte- mtf b<£11^ leuchtendgelben Blütenmassen schon von weitem auf. Den Rand des Waldes umkleiden Himbeere und Brombeere innere"ein mich oft un Verein mit der ^Heidelbeere ins. Wald- Frühling ist die Blütezeit der im Walde ^e im^EC^debildenden Bäume, wie Kiefer, Fichte, Eiche, t. u?? r/in-e der genannten Bäumarten vor- herrschend aus, so bildet sich eine den durch sie geschaffenen Vege- tatwnsbedingungen angepaßte Flora. Diese ist in den Nadel- ^rken^ReickiMv ba mb«S ganze Jahr hindurch andauernden starken Beschattung des Bodens am ärmsten; als Frühlingsblüher Lunw-veilcken^Lmf holder, Heidelbeere, behaart^ Simse, Hundsverlcyen, Schattenblume und der allen Wäldern gemmn- !®eo Sauerklee. Bedeutend reichhaltiger ist die Frühlinosflora ^^^wSder,vornehmlich des Buchenwaldes, der zwar einerseits QUIt® dw dicke Humusschicht unb die im Winter kälteabwebrende Lübbecke günstigen Einfluß auf das Gedeihen der ihm eiaen- TCs„en ft Esubt, andererseits jedoch in der Hauptsache in- Beschattung" nur" to/C,un)\ babu.rcb hervorgerufenen starken «»rSuts9, ,u - Wichen Gewachsen ein glückliches Fortkommen gestattet, denen eine frühzeitige und kurze Vegetationszeit eiam ist Schoren Waldmeister, Weiße und gelbe Anemone dw ver- ^3UobcS Lerchensporns, der feuchte Stellen liebende Setoelbast, das Lungenkraut mit seinen roten, nach eingetretencr Befruchtung blau gefärbten Blüten, das Waldbingelkraut und das feuchte Gratzen liebende Schwefelmilzkraut; ferner Erdnuß und Fnihlingsplatterbse, Schattenblume, falbes und weißes Waldvoglern, Aronsstab, Einbeere, Haselwurz, die knollentragende Zahir- und dre verschiedenen Ärten der Maiblume. Hierzu kommen P; by,1 Ät^twnaen heg Waldes die Sternmiere, das Waldveilchen d e Gundelrebe, Goldnessel, Rapunzel und ScharbockskE und' bn uns nur wenig verbreitete Frühlingsenzian. Floras in Mtd Ä ctot, br,c Erstlinge unter den Kindern Wanderuna aekanÄ ^?-bk?."1sesucht haben, an das '.Ende unserer $hunen^ berS»t fliehe,l dre schönen Frühlingstage, ihre die Erde etÄ Letzen, frischer Blütenflor wird LU e ei'm,en' wenn der herße Sommer ins Land zieht. ~ vom Yienenstaal. Jöh fltze om Schr ei o tisch nm die Mittagszeit eines heißen Sommertages. Da füllt sich plötzlich die Lust mit einem eigentümlichen Surren und Summen. Die-tiefe träge Stille b^?vandelt sich plötzlich in den lauten gewaltigen Auf- ^^ntausenden Keiner Geschöpfe: die Bienen schwärmen! ^.^^^urdiges kleines Volk! Ein paar verirren sich Meiu?G?da"^r m's Zimmer und summen darin! um- > anck. ®ebmiEen. sind ganz von der Arbeit abgelenkt, : Äurfj in diesen allgemeinen Aufruhr mithineingezogen. Nuil : 4o2 Schaffen? Betrachtung über den Sinn und Wert alles Lebens überhaupt? i J Es ist ein tiefsinniges Buch, das gewissermaßen bteje Philosophie des Bienenstaates uns bietet, das den verwunderten Gefühlen und suchenden Gedanken Ausdruck leiht, die angesichts des Bienenstaates in uns erwachen müssen. Man braucht wahrlich! auch nicht staunen, daß es ein berühmter Dichter unds Schriftsteller ist, der sich an diese Aufgabe heranmacht. Ich meine das Buch Maeterlinks : „Das Leben der Bienen." Es ist nicht ju viel gesagt: Dies Buch ist ein Andachtsbuch, voll des ernstesten Nachdenkens über die größten Geheimnisse und über die heiligsten Aufgaben des Lebens. Es läßt uns unser eigenes Leben einmal von einem so übergeordneten Standort aus beschauen und prüfen, wie wir das Leben der Bienen beurteilen. Es hilft uns frei werden von unzähligen ängstlichen Vorurteilen und Zweifeln. Es gibt uns den ganzen Mut wieder zu glauben und zu hoffen, zu wagen und zu wirken. So aber lautet der Schluß dieses ganz eigenartigen Buches: t „Zerbrechen wir uns den Kopf nicht, wer hon dieser Kraft, die sich derart auf unsere Kosten häuft, einst Nutzen haben wird. Die Bienen wissen auch nicht, 06 sie den Honig essen werden, den sie aufspeichern. Und ebenso wissen wir nicht, wem die Geisteskraft, die wir in die Welt einführen, einst frommen wird) Wie sie von Blume zu Blume stiegen, um mehr Honig zu ernten, als sie und ihre Kinder bedürfen, so wollen auch wir von Realität zu Realität schreiten und alles sammeln, was dieser unbegreiflichen Flamme zur Nahrung dienen kann, damit wir im Gefühl der Erfüllung unserer organischen Pflicht auf alles, was da kommen mag, vorbereitet sind. Dann wird ein Augenblick kommen, wo sich für einen Geist, welcher der wahrhaft menschlichen Pflicht mit bestem Willen gedient hat, alles so natürlich zum Besten ivendet, daß selbst die Befürchtung, all sein Streben und Trachten könnte umsonst sein, die Glut seines Forschens noch heller, reiner, selbstloser, unabhängiger und edler entsteht. Dr. Strecker. Vermischtes. * DieSeeschlange, über die meist im Hochsommer Berichte auftauchen, gilt int allgemeinen als ein Phantasieprodukt der „Saueren Gurkenzeit". Mit Unrecht, wie wir in einem soeben in der bekannten Sammlung Wissenschaft und Bildung erschienenen, überaus interessanten Werkchen („Der Tierkörper". Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig.) lesen, das die Form und den Bau des Tierkörpers behandelt. Der Verfasser Dr. Neresheimer schreibt darin über die Fauna der Tiefsee: Und noch eine andere Erscheinung trägt dazu bei, uns die Tiefseefauna fremdartig und altertümlich erscheinen zu lassen. Das ist Die relative Häufigkeit solcher Arten, die in fast unheimlicher Weise das Größenmaß ihrer in flacheren Regionen wohnenden Verwandten überschreiten, ähnlich wie wir ja auch unter den längst ausgestorbenen Ahnen vieler Tier- grnppen gigantische Vertreter antreffen. Ich erinnere nur an die Riesenfaultiere und Riesengürteltiere, die ungeheuren Molcharten und Saurier und die kolossalen Tintenfische der Vorzeit. Aehnliche Riesenarten sind auch aus der Tiefsee in erheblicher Anzahl herausgebracht worden. Die Hydropolypen z. B., von denen schon mehrfach die Rede war, sind im allgemeinen sehr kleine Formen; die einzelnen Individuen sind meist nur stecknadelkopfgroß, während linsengroße Polypen'schön zu den ansehnlichsten Vertretern dieser Gruppe gehören. Aber in der Tiessee findet sich der gewaltige, "nicht in Kolonien lebende Hydropolyp Branchio- eerianthus imperator, dessen leuchtend roter, von langen Fangarmen gekrönter Kelch von der Größe einer Sonnenblume aus einem bis über 2 Meter hohen Stiel emporragt. Auch eine andere Polypengruppe, die Seeanemonen, die wir vom Flachwasser her als nicht gerade unansehnliche, eventuell die Größe eines' Quartglases erreichende Formen kennen, sind in der Tiefsee vertreten durch Arten, die mit Leichtigkeit einen ZylmderhUt verschlucken könnten. Und solche "Riesen kennen wir aus den verschiedensten Tier- grnppen als Tiesseebewoyner: Asseln von der Größe einer Matte; Muschelkrebse, Pfeilwürmer, Asselspinnen und andere Formen von bisher unerhörten Dimensionen iverden in den abyssischen Tiefen gefunden. Noch zwei solcher Giganten der Tiefsee möchte ich besonders erwähnen. Einmal die Riesenkrabbe, KaeMpfseria Kaempfferi, ein abenteuerlich aussehendes Ungeheuer, das auf langen, dünnen Beinen daherstelzt, mit denen es einen Raum von 3—5 Meter überspannt, mit enormen Scherenarmen droht und einen wahrhaft furchterregenden Eindruck macht. Jedoch ist das Tier im seichten Wasser hilflos und unwehrhaft, bei jeder Welle schwankt es auf seinen gespenstisch langen, dünnen Beinen und kann sich kaum aufrecht halten, es ist eben als Tiefseebewohner nur auf absolut ruhiges Wasser eingerichtet. Vielleicht der gewaltigste Tiesseebewoyner aber ist der Krake, von dem die Sagen aller meeranwohnen- den Völker erzählen; der Riesentintenfisch, der mit seinen ungeheuren Armen Schiffe umklammern und in die Diese ziehen soll. Und dieser sagenhafte Unhold existiert ivirk- lich, wenn er auch selten zu sein scheint und noch seltener an die Oberfläche des Meeres kommt. Alles, was man von ihm kennt, sind einige enorme, bis zu 11 Meier lange Arme, die ab und zu an die japanische oder amerikanische Küste angespült wurden und die uns einen Begriff von der furchtbaren Größe und Kraft dieses Untiers geben können. Vielleicht gibt die Existenz dieses Wesens auch die Erklärung (für eine ändere, immer wieder auftauchende Schiffersage: die Erzählungen von der Seeschlange. Denn wenn wir uns auch gewöhnt haben, die periodisch in den Zeitungen äuftauchendeu Nachrichten über Seeschlangen als „Enten" zu belächeln, so ergibt doch eine Sichtung der vorliegenden Berichte, die zum Teil von ernsthaften und ver- traueuswürdigen Männern stammen, daß es sich durchaus nicht um bloße Phäntastereien und Lügen handeln kann. Sehr wohl aber ließe sich denken, daß der Anblick eines Armes eines derartigen Riesenkraken, der einmal an die Oberfläche emporgetaucht sein mag, zu einem Bericht über eine ungeheure schwimmende Schlänge Veranlassung gegeben hätte. humoristisches. * Doppelsinnig, von Schneidewitz: „Haben ja heute ausgezeichnete Laune! Wohl Gut verläuft?" von Mechwitz: „Nee, komme direkt von der Mastviehausstellung, bin prämiiert worden/ * Imme r praktisch. „Warum haben Sie den Zungen gerade Lorenz taufen lassen; wohl aus Pietät gegen den verstorbenen Großvater?" — „Aus Pietät gerade nicht, aber von dem haben wir noch 100 Visitenkarten daliegen; die ,oU er spater * Unnötige Angst. „Herr Doktor, die ganze Nacht hat der Kopfschmerz angehalten: ich befürchte eine Gehirnentzündung. — „Ach was, dazu fehlt doch jede Voraussetzung! * Boshaft. Fräulein (recht ange;ahrt): .»Wenn ich m einem Hotel übernachte, leuchte ich immer, bevor ich mich mede» lege, unter das Bett, ob sich nicht etwa em Manu versteckt hast. ■ Herr: „Und da sind Sie ivohl immer enttäuscht?" Kömgspromenade. Man dar! die eiuzelueu Wörter und Silben nur in oer^Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König aus dem schach» bvctt — stets von einem Feld aus oui ein benachbartes übergeht. willst du natur Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamantiätsels in voriger Nummer: S A p t Blake Spanien Fries Lea n be laß dich kleine das kleine großen trach dann durch nicht achten im ten an zer wirft aus wenn am ihm du slreu'n du sreu'n großen wie dich wenn doch - Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 91. Lange, Gießen-