M9 M [i U Rheinlandstöchter. Roman von Clarg Vie big. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) ,,M), wie lieb?" Agnes eilte ihnen entgegen. Dieselbe Freude, dieselben Umarmungen wie vorhin bei Nelda. Die beiden Rosenhute wippten. Das war ein Geraschel, ein Geflatter, ein Gewirtschaste, bis sie endlich zum Sitzen kamen! „Reizend hier," sagte Anselma und ließ ihren stolzen Blick umherschweifen. „Ah, Fräulein Dallmer!" Sie reichte kühl die Fingerspitzen zum Gruß. Die Neine Röhling fand gleich Inas zu lachen, sie prustete förmlich heraus: „Nein, Anselma, wie ich über dich lachen mußte, als uns eben die Offiziere begegneten! Dein Mann war tauch drunter, Agnes! Sie machten schon von weitem Front wie vor ein paar Königinnen. Und Anselma — haha — hör' nur Agnes! Sie spannte rasch den Sonnenschirm auf und hielt ihn nach der Richtung; sie konnten keinen Gruß anbringen, es war zum totlachen! Ich guckte mich mal rasch nach deinem Mann um, der machte aber ein enttäuschtes Gesicht- Haha, haha!" Alle lachten, nur Nelda nicht; das Gesicht gefiel ihr nicht, mit dem die schöne Koch auf die jnnge Frau herunter sah'. „Warum wir kommen?" plauderte Lena Röhling weiter. „Ihr müßt Ende der Woche unbedingt an der großen Partie teilnehmen, es wird eine Monstrepartie, alles nur irgend Passable kommt. Anselma und ich unterstützen das Berguügungskomitee; tuest wir besonders mögen, fordern wir persönlich auf, an alle übrigen sind schriftliche Ein- lcidungen schon ergangen!" „Nelda, weißt du was" — Agnes lächelte die Freunden an — „deine Mutter wird gewiß deinen Papa nicht ganz allein lassen wollen, ha kannst du dich uns" — jie stockte. Anselma zwinkerte ihr warnend zu, Lena trat sie unter'm Tisch auf den Fuß. „Aber was ist denn? Ich weiß gar nicht"--- Agnes sah'dunkelrot und verlegen von eener zur andern. Die beiden in beit Rosenhecken wechselten einen verständnisvollen Blick. Nelda starrte in ihren Schoß; es war klar, man wollte sie übergehen. In früherer Zeit hätte sie darüber gelacht, jetzt tat es ihr weh; sie mar empfindlich geworden. Auselneas Lippen kräuselten sich hochmütig. „Wir glaubten, Fräuleiie Dallneer sei zu sehr anderweitig in Anspruch genommen, durch" — eine vielsagende Pause — „nun eben durch die Pflege ihres Herrn Papa. Uebrigens" — die schöne Koch lächelte grausam — „wenn Sie teil zu nehueeil wünschen, Fräulein Dallmer, sehr angenehm!" „Bedaure!" Nelda hob den Kopf, die alte kampflelstige Stimmung kam über sie, ihre Augen blitzten. „Ich danke sehr, ich rechne es mir nicht als Ehre, in einer Gesellschaft zu fein, zu der, wie Sie sagen, alles nur irgend PassablA aufgefordert ist. Ich bleibe lieber zu Haus. Ich weiß bann wenigstens, ich welcher Gesellschaft ich bin!" Da, da hatten sie's! Nelda fühlte sich ordentlich erleichtert, der Druck auf ihrer Brust war augenblicklich fort. Sie sah sich mit einem herausfordernden Blick um, ihre Nasenflügel zitterten leicht. „Ganz wie sie wünschen, Fräulein Dallmer!" Anselma von Koch neigte den schönen Kopf; sie war eine wohlgeschulte junge Dame, keine Muskel in ihrem Gesicht zuckte. „A propos, Agnes, was ich dir sagen wollte" — sie legte der jungen Frau die Hand auf den Arm — „hat dein Mann dir nicht erzählt? Der Leutnant von Rainer — der mit der Vergangenheit, du weißt doch! — ist nach Mainz versetzt als Hauptmann ; gestern ist's herausgekommen. Papa sagt sehr angenehm für die Achtmeosechziger, daß er wea- kommt, man sieht doch nicht gern solchen Namen im Regi- ment. klebrigeres, er hat selbst seine Versetzung nachgesucht; er soll hier irgend eine Liaison haben, der er wohl gern ein Ende machen möchte," ' Log sie? War das wahr?! — Der letzte Ton der klingenden Stimme Ivar verhallt. Neldas Ohren füllte ein gewaltiges Rauschen, ihr Herz pochte rasend; wie leerer Schall glitt alles an ihr vorder, nur deutlich das eine: er geht fort, fort nach Mainz! Sie hätte aufschreien mögen vor Schmerz. Aber bann: Hauptmann — Hauptmann! Ihre Blicke verdunkelten sich — und plötzlich ein blendendes' Licht, eine paradiesische Seligkeit — — Hauptmann, Hauptmann ! Nun war es Zeit, nun konnte er sprechen! Ungestüm sprang sie auf. „Ich muß jetzt gehn, adeeu, „Adieu, Nelda!" Die junge Frau sagte nicht „liebste Nelda," jihr Kuß war einigermaßen befangen, sie war zu befremdet. Was sollte dies alles?! „Adieu!" Nelda nickte Lena Röhling zu, Anselma von Koch streckte sie die Hand hin. Ans einem plötzlichen Impuls hatte sie's getan; die war doch die erste, die ihr die Freudenbotschaft gebracht, was waren da all die kleinlichen Nadel- fließe?! Die andere nahm die Hand, ein leichtes Rot glitt d
bei über ihr stolzes Gesicht; sie senkte den Blick. „Bald Mitternacht, Mein lieber, mein guter, mein geliebter Ferdinand! Ich bin glückselig! Du bist Hauptmann geworden r- gestern schon — ich gratuliere Dir viel, vieltausendmalr Könnten wir jetzt beieinander sein, mir eine einzige, kurze Minute. Heut bei Ostens erzählte es Anselma von Koch; ich glaube, ich habe mich sehr töricht benommen. Ich bin über die Schiffbrücke gestürzt, ich rannte an Deinem Hans vorbei — zwei, dreimal — ich dachte, meine Liebe mußte Dich an's Fenster ziehen, Du mußtest mich scheu, Du — 654 — müßtest Ijerituterfotituteu. Nun bist du froh, nicht wahr? Mein -Herz pocht rasend, ich möchte immerfort weinen — aber vor lauter Jubel. Daß mir's die Leitt.c nicht angesehen haben! Papa und Mama haben auch nichts gemerkt; es war alles Wie gewöhnlich und doch nicht so. Jetzt wo alles vorüber ist, kann ich dir's ja gestehen, ich habe mich gräßlich gequält all die Zeit, die "Heimlichkeit hat mich fast zu Boden gedrückt. Ich wurde ganz schlecht, ganz, mißtrauisch — o verzeih mir, mein einzig geliebter Ferdinand! Ich glaubte sogar manchmal, Du hättest mich nicht so lieb.. Jetzt kommt mir das alles ganz lächerlich vor. Was ist man doch für ein armselig kleinmütiges Geschöpf, wie gut ist Gott — nur vierundzwanzig Stunden, und alles schon anders geworden! Gestern abend weinte ich, und heut — o Ferdiuaud, es ist zu schön, nicht wahr?! Freilich, denk' ich dran, daß Tu bald fort sein tvirst, will mir der Atem stocken. Aber »ein. davon will ich gar nicht reden! Ich bin doch kein seiuimentaler Backfisch, der sich wegen einer kurzen, räumlichen Trennung die Augen .ausweint. „Ich bin Dein — Du bist mein" — wenn auch eine ganze Strecke Wegs zwischen uns liegt. Bitte triff mich morgen zwischen 5—6 im Bieuhorn- tälcheu. Oder kommst Du her? Nein, noch nicht! Erst will ich Dich noch einmal ganz allein sehen, ich muß Dir soviel sagen. Morgen in aller Frühe stehe ich auf und schicke Dir diesen Brief mit unserm Milchmädchen. Leb' wohl, gute Nacht! Fühlst Du's beim, wie ich Dich liebe?! Immer Deine glückselige Relda." Die kleine Küchenlampe flackerte und beleuchtete matt das Tischchen in der Giebelstube, das Bricfblatt mit den flüchtigen, großen Buchstaben — „immer Deine glückselige Nelda"—Ja, immer — —! Neldas Mund lächelte verklärt, sie faltete die Hände: „O Gott im Himmel, wie konnte ich so perzagt sein? Was war ich schlecht, daß! mir hier innen manchmal so ein häßliches Gefühl saß, so ein Truck — verzeih mir, Gott, ich bitte dich! Du bist so gut!" X. Im Bienhorntälchen ist's gründämmrig und lauschig still. Auf den obersten Blättern der Haselnußbüsche spielt die Sonne, schon eine abendliche Sonne, die Strahlen dringen nicht mehr tief. Eintönig zirpen Heupferdchen; die Grasmücke dort auf dem nieder»" Ast lockt ihre Jungen zum Nest. Tas zarte Vogelgezwitscher klingt wie ein Wiegenlied. Ganz verstohlen, ganz träumerisch gluckst der Bach; Über die moosbewachsenen Steine hüpfe» Bachstelzen und wippe» mit den Schwänzen — jetzt scheue» sie auf, ein hastiger Schritt kommt aus den Büschen. Noch nicht hier?! Unruhig atmend strich sich Nelda Dallmer das wirre Haar aus dem erhitzte» Gesicht. Wo er mir blieb? Sie sah prüfend zum Himmel auf — ja, die Sonne wollte scheide», der Abend kam — eine Stunde wartete sie nun — ach »ei», es war ja schv» viel länger; Sie zog die Uhr aus dem Gürtel. Siebe» vorbei, ist's möglich? Tie Uhr geht falsch, es kann nicht sein' — --- Meder hastiges Hin und Hergehen, auf und u., immer Stf und ab. Die Büsche schwanken tiönt rücksichtslosen . orbeistreifen, die Aeste schlagen in das erhitzte Gesicht, sie achtet es nicht; er muß doch kommen. Horch ein Schritt! Ihr Gesicht strahlte auf, sie stürzte vorwärts, nun hielt sie inne wie gelähmt — ein Bauernjunge stand ihr gegenüber und starrte sie an. Mit blödem Gruß zog er die Mütze, seine nägelbeschlagenen Schuh trappsten vorbei. Er kömmt nicht! — — — Mit einem Gefühl grenzenloser Enttäuschung ließ sich Nelda auf de» bemoosteit Stein am Bachraud nieder; wohin waren die jubelnde Erwartung, bas selige Glücksgefühl, mit denen sie heut ins Bienhorntälchen geeilt? Er kömmt nicht — warum nicht?! In düsterem Brüten starrte sie lange in das murmelnde Wasser. Mechanisch riß ihre Hand ein paar Blütendolden von den Kransemünzstauden am Ufer und warf sie hinab; die Mellen nahmen sie mit fort, neue Weilchen kamen, die Blumen verschwanden. Trüber und trüber wurde der klare Bach, lange Schatten dunkelten drüber hin; in den Büsche» kein Zirpen mehr, kein Geflatter. Alles still. , An Frösteln überlief die Einsame, der kühle Abendhauch hesimch fyr heißes Gesicht; langsam stand sie auf, die Kleider feucht vonr Tau. Tie Sonne war verschwunden. Mit schweren Füßen schlich sie zum Tälchen hinaus; was würden Die Eltern sagen, wenn sie so spät kam? M alles so gleichgültig, er war nicht gekommen! Plötzlich durchzuckte es sie wie ein erleuchtender Blitz, sie lachte auf — ja, ja, so und nicht anders mußte es sein! Er war dienstlich verhindert gewesen, tote könnte sie daran zweifeln? Natürlich, sicher! Eine Versetzung bringt so vielerlei mit sich. Er hätte nicht zur Zeit fortgehe» können. Aber nun war er vielleicht! schon bei de» Eltern, sic sprachen und harrten ihrer ungeduldig! Oder ein Brief war da ober sonst etwas Schönes. Die Abenteuerlichsten Ideen schossen ihr durch den Kopf — so mußte! es fein, er war da, nur rasch nach Haus! Sie lief, was sie könnte, sie stürzte fast über Laura, die ihr die Tür öffnete. „Laura, ist Besuch da?" Wie sie atemlos war! „Ne, Fräulein!" „Aber es ist jemand stagewesen?" „Ne, Fräulein, auch nit!" Laura war sehr erstaunt über ihr Fräulein. „Wer soll den» heut bei uns aus Besuch kommen?! Machen Se, daß Se rein gehen, Fräulein, de Eltern sitzen als schon bei»: Essen!" „Laura" — das Mädchen griff krampfhaft nach dem! Arm der Köchin — „aber ein Brief ist gekommen? An! mich, an die Elter» — wo ist er — ei» Brief?" „Ne, Fräulein!" Auch kein Brief---?! Neldas Kniee zitterten, eine ungeheure Angst kroch ihr über den Leib. Lächerlich! Alles würde sich aufklären, morgen würde er kommen, mußte er kommen — morgen! Mit einem leidlich ruhigen „Gitten Abend" trat sie in's Zimmer der Eltern. Herr und Frau Regierungsrat Dallmer saßen beim Wendbrot; einfach genug war's. Der Baier trank seine warme Milch, ein paar Eier Und ein Tellerchen mit Schinken standen vor ihm. Schinken brauchte Frau Rätin nie zu kaufe», der Bürgermeister Dallmer auf der Eifel schlachtete alle Winter ein paar selbstgezogene Schweine und schickte dem Bruder immer fein Teil. „Der gute Konrad," sagte der Rat eben, als ihm seine Frau ein saftiges Stückchen aufnötigte, „wenn ich nur mehr Appetit hätte ! Ah, Nelda, da bist du ja endlich!" „Mein Gott, so spät!" Frau Tallmers Stimme war ztemlich erregt. „Wo bleibst du denn so laug? Es ist »ach neun. Wirklich rücksichtslos!" „Ne»» —?" Nelda war wahrhaft erschrocken — so lauge hätte sie gewartet? „Verzeiht," bat sie gedrückt,, „tch habe mich auf dem Spaziergang verspätet!" „Ach was, verspätet! Wozu hast du denn deine Uhr, die wir dir zur Konfirmation getauft haben? Da hatten wir uns das Geld sparen können, nicht wahr, Dallmer?" Der Rat nickte; er Hatte »»gefangen, sich um Neldst zu ängstigen. (Fortsetzung folgt.) Peru. Professor Dr. W. Sievers, der sich seit Februar auf einer Forsch» n gsreisc in Südci m e r i k a befindet, stellt uns den nachfolgenden Aussatz zur Verfügung, der zweifellos! das größte Interesse unserer Leser finden wird. Die Red. zerfällt seiner Natur nach in drei Lcingszonen: di« Küste, Gösta, das Gebirgsland, Sierra, und die Tiefländer samt den Ostabhängen des Gebirges, die montan«. Wirtschaftlich bedeutet der letzte Teil zurzeit noch wenig oder nichts, da es ast Verkehrswege» stach dem Innern fehlt, doch wird er mit der Jett wahrscheinlich die größte Wichtigkeit erlangen, da er außerordentlich ttuchtbnr ist. Bon den beide» anderen Abteilungen kaust man das mäst sagen, weil die Küste fast regenlos oder doch wenig- stens sehr regenarm, die Sierra aber zu hoch ist, als daß sie für beit Ackerbau in größerem Maße in Betracht kommen könnte. Dennoch liegt zurzeit der Schwerpunkt des Landes in diesen beiden Langsgürteln und zwar politisch in der Küste und hier vmwieaend ist der Hauptstadt Lima, in Bezug auf die Volwdichte und Produktion in der Sierra. Tie Küste ist nur dort bevölkert. Wo wasserreiche oder doch wenigstens überhaupt liierende ttlnsse vom Gebirge herabkommen; sie erzeugt hauptsächlich Zucker, Reis, Wem und Früchte ans berieseltest Flachest oder am klier der Bäche und enthält nur drei Städte von Bedeutung: Lima, Trujillo und Pinra . , Me Sierra dagegen birgt den größten Teil der Bevölkerung! d s Langes und eilte große Zahl von Städten, bereu Einwohner-, jabl redoch nicht groß ist. Tie größte Stabt der Sierra, Arcgnipa, stachster Umgebung 40000 Bewohner zählen und ist zweifellos die zweite Stadt der Republik. Alle übrigen Städte! haben weniger als 20 000, die meisten unter 16 000 Ein- Wolj'ner. Am bekanntesten ist wohl Cuzco, die alte Hauptstadt de^ -vtstca-Reiches, aber ist wirtschaftlicher Hinsicht wichtiger ist! 655 ibid Stadt der großen Hüttenwerke, El Cerro de Paseo, ge- Wöhtt'lich Mr El Cerro genannt. Alle übrigen Städte leben von Ackerbau, .Handel, Viehzucht und Bergbau gemeinsam, wahrend vre Industrie in! ihnen noch so gut wie nicht vertreten ist. «ie können als Landstädte in unserem Sinne bezeichnet werden, mit Bevölkerungszifsern von fast 10 000 bis herab zu 2000 eie haben aber immerhin eine größere Wichtigkeit, da sie Haupt- Vrte der Tepartamentos und der Provinzen sind, in die das Land eingeteilt ist. Einige Tepartamentos sind volkreich, be- soiiders das im, Süden von Nord-Peru, oder wenn man will, rn Mittel-Peru gelegene Tepartamento Ancachs oder Ancash, gesprochen Ancasch, mit etwa 600000 Einwohnern, ungefähr dem fünften Teil der gesamten Bewohnerschaft Perus, so daß auch die einzelnen Provinzen, die Unterabteilungen eines Depot - taMentos, noch die Volksziffer der kleinen deutschen Bundesstaaten haben. Man kann also die Republik der Volkszahl nach Mit dem Königreich Sachsen, die Provinzen mit den thüringischen Staaten vergleichen, jedoch nicht! nach der Fläche, denn die Menschen wohnen in der Sierra von Pern auf ungeheure Räume verteilt jnnd nur in einigen WußMern und Hochbecken ist die V-olksi- dichte ein wenig höher. Ancachs ist ehr Wort der Quechua-Sprache,, bic1 in der Sierra stioch vielfach die eigentliche Volkssprache ist, und heißt Blau? grüu. Ter Name kommt von einem Gipfel der Huaud-oh-Gruppe rn der Weißen Cordillere, an der man größere Mengen grikv- bläulichen Gletschereises sehen kann. An diesem Gipfel rinnt «in milchweißer Gletscherbach herab, der ebenfalls den Namen Ancachs fuhrt, und da an diesen» eine fite die Geschichte des Landes wichtige Schlacht geschlagen worden ist, so hat man dem ganzen Departament» ben Namen Ancachs" gegeben. Dieses erstreckt sich etwa von 8y3 bis 10y2 0 der südlichen Breite, von der Küste ostwärts bis zu>n oder nahe an den Maraflo». Tie Hauptstadt von Ancachs ist Huaräz, eine Landstadt mit ännähernd 8000 Einwohnern; die Volkszählung von 1906 ergab etwa 7700 Menschen. Der hauptsächlichste Verkehrsweg, um nach Huaräz zu kommen, geht von dem Hasen Casma ans. Casma ist ein guter, wenn auch nicht ganz leicht zugänglicher Hafen, aber die dlnsiedlung Puerto de Casma ist sehr klein. Gewöhnlich gehen die Reisenden weiter nach denk iy3 Reitstunden landeinwärts gelegenen Pueblo de CasMa, einem Dorf, das jedoch Hauptort der Provinz Santa und Sitz eines Unterpräfekten ist. Von hier pflegt man- drei Tage zu brauchen, um- zu Pferde nach Huaräz zn kommen. Tie erste Tagereise führt über das wüste Küstenland; nur am Ufer des Flusses von Casma sieht man .Ackerbau und etwas Viehzucht, abseits davon ist das Land eine völlige Wüste, in der man auf 3—4 Stunden Weges kein Wasser findet. Am' Abend des ersten Tages bleibt man in der Naiitan genannten Häusergruppe, die zwar Kasfeepflanzungen und andere tropische Kulturen hat, aber zugleich, wie Casma, gefährliche Sumpsficber. Ter zweite Tag führt gegen Mittag nach Pariacoto, toieberum einer Häusergruppe, die um einen größeren freien Platz herumgebaut ist und bereits art 1400 Meter hoch liegt. Auch hier sind die Berge noch völlig kahl, grau, braun, sehr iöde, aber auf dem Wege finden sich doch schon, auch abseits vom! Flusse, Pflanzungen, Tabak, Bohnen und spanischer Pfeffer, Ajl, dessen äußerst scharfe Samen1 den Speisen beigegeben werden. Zugleich erfreut sich hier das Auge an dem- grünen Schimmer .auf den höhere!» Bergen, da etwa von 1600 und 1700 Metern pu die Vegetation! auch die Gehänge der Berge zu 'überziehen beginnt, zunächst noch- bis etwa 2000 Meter Höhe vorwiegend Kakteen, Opuntien und Dornbüsche, dann auch die als Agave bekannte dickblättrige Pflanze, ans deren Blattkrone haushohe Mütenschäfte aufschießen-. Bald ist der Weg völlig von den blau- grünen Spitzblättern der Agave eingefäumt, zugleich aber beginnen sich Sträucher einzustellen, die im April und Mai eine Fülle reizender Blüten hervorbringen. Unter diesen fällt durch ihren Tust die uns bekannte, hier aber in Form großer Büsche auftretende Heliotrop auf, deren Blütenpracht so Auge wie Nase sie gleicher Meise entzückt, umsomehr, als die Hitze der tterrnj calieute, des heißen! Landes, allmählich erfrischender Berglust Platz macht. Damit verschwinden auch die Sumpffieber der Küste, aber dafür leiden diese Gegenden, wie alle zivischeu 1500 sind 3000 Meter liegender Täler Mittel-Perus, an der bisher noch nicht genügend untersuchten Warzenkrankheit, Verruga, die l-angdanernde Störungen ini Körper veranlaßt, in schweren. Fällen lanch tödlich enden1 kanrt und von der Bevölkerung auf den Genuß des Wassers zurückgeführt, wahrscheinlich aber durch Insektenstiche veranlaßt wird. Tie Nacht verbringt man gewöhnlich in dem Wirtshause des Oertchcus Chacchan1, einem gräulichen Aufenthaltsort, dessen einziger Raum zum Ueberimdjten an ben Wänden aus trockenem Lehm gefertigte Bettladen enthält, auf die .Kissen und Bettzcug- gelegt werden. Zurzeit ist dieser trübselige TaMbo gesperrt, weil Man endlich das Bedürfnis empfunden hat, ihn umzubauen; Reisende gehen daher gewöhnlich bis zur Hacienda (Gutshof) Llanca weiter. Wo die Büsche und Agaven den Weg zu zieren beginnen, da tritt man irt bic Sierra ein, und zugleich; wechselt die Bevölkerung; art Stelle der Küstenbewohner finden wir Jnbianer- Mischlinge, die sogenannten Cholos, uttb hie und da auch noch reinfl Indianer. Auf den frischen Weiden der Bergabhänge scheiuelt vereinzelt -oder in Gruppen die Bauteil dieser Leute, Meist runde Hütten mit Strohdächern über einem runden ©teilt» lundamc-nt, ohne Fenster und Türen; der offene Eingang ist so niedrig, daß man sich zum Eintritt bücken muß. Davor stehen die charakteristischen Gestalten der Bewohner selbst, mäßig hoch gewachsene Menschen mit dem tiesschwarzen Haar, wenig Bart, dick Füße bloß oder auf Sandalen, den Körper bekleidet mit Hose, Hemd und Poncho, der über ben Kopf geworfen wird, auf beut Kopfe breitrandigen weißen Stvohhut mit Band oder auch grauen Ftlzhut. Die Frauen tragen das Haar vielfach in Köpke geflochten, darüber dieselben Hüte, auf dem Körper aber Hemden und buntfarbige Kleider, oft von greller Wolle, auch Tücher. Ihre Kinder pflegen sie auf dem Rücken in einem! großen Tuch mitzuführen, aus dem die Köpfe der Kleinen heraus- schauen ober her aushängen; gesäugt werden diese, wenn es eben nötig ist, ohne Rücksicht auf die Umgebung, auf der Straße oder auch zu Pferde, wenn die Reise eilig ist. AngeManzt werben, die drei alten Kulturpflanzen, die Hirse Quinova, und die beibeit Kttollenplanzen Oca und Olluco, ferner die großen, bei uns vielfach Saubohnen genannten Bohnen, dann Erbsen und an Gc- treibenrtert je nach der Höhenlage Mais, Weizen, Gerste, endlich in großer Menge die Kartoffel. An Vieh sieht man besonders Schafe, aber auch Rinder, von Lasttieren hauptsächlich Esel, seltener Pferde und Maultiere. Diese freilich sind häufig auf den' Wegen, da die Warent alle aus Maultieren und Pferden, leichtere Lasten auf Eseln zur und von der Küste befördert werden. Ter sehr lebhafte Verkehr bringt es mit sich, daß beständig große Warenzüge, oft als arge Hindernisse für rasch Reisende, angetroffen werden, zuweilen an Stellen, wo der Pfad das Atts- wcichen kaum gestattet. Jin ganzen aber ist der Weg von Casma nach Huaräz in einem für hiesige Verhältnisse gutem Zustande. Ter dritte Reisetag führt über die Cordillera Negra, die schwarze Cordillere,. in einem 4200 Meter hohen Passe. Tie schwarze Cordillere ist aber keineswegs schwarz, sondern auf dem westlichen Abhang in der Höhe grün, unten braun und grau, auf dcirt östlichen oben grün, unten grau, weiß, gelb und braun. Sie führt ihren Natneu nur im Gegensatz zu der ihr gegenüber» liegenden weißen Cordillere, der Cordillera Bianca, östlich des Flusses Santa. Tie Steigung wird jetzt bedeutend, auf und ab geht es. über Bäche, an gru-neu Weidete entlang' und an Gutshöfen vorbei, zwischen deut Hütten der Cholos hindurch und am Orte Bupash vorbei auf die Höhe. Dörfer finden sich zwischen Casma und Huaräz überhaupt nicht, wenigstens keine geschlossenen Siede- lungeit, wohl aber viele Häusergruppen auf beiden «eiten des Flusses und, wie bemerkt, einzelne Haciendas, die Ackerbau und Viehzucht betreiben. Neber dem Orte Mpash liegen nur noch einzelne Hütten, Tingo, auf der grasbewaDenen Puna, dem' Graslande der großen Höhen; bis etwa 4000 Meter Höhe reichen die kandclabcrarti.gen! stachlichten, als Espinos (Tomen) bezeichneten! Opuntien, dann herrschen Gräser und Kräuter allein. Ter Paß Callän selbst ist eine kleine GraSfläche mit großen Haufwerken von AndesiMöcken, auf bereit einem ein Kreuz, wie überall iM Lande, die Paßhöhe bezeichnet. Wer nicht an der Bergkrankheit, an Kopsweh, Uebelkcit, Luftmangel, Herzklopfen, Schwindel leidet, kann hier an klaren Tagen den großartigen Anblick der int Osten gegenüberliegenden Schneekordillere, der Cordillera Blanca, genießen, die in der Länge von etwa 80 Sm. viele Dutzende weißglänzender Gipfel zeigt, deren gewöhnliche Höhe an 5500, deren höchste Spitzen aber bis zu 6700 Meter erreichen. Auch selbst bei bewölktem Himmel macht die Weiße Cordillere- einen mächtigen Eindruck auf den von der dürren Küste kommenden Reisenden, und Dort ganz besonderer Schönheit ist sie in klaren Mondnächten, und des Abends, wenn die Strahlen der scheidenden Sonne ihre Häupter in rosiges Licht tauchen. (Schluß folgt.) Eine heiraLsvewrdmmg für das Yser aus My dürfte! besonders militärische Kreise interessieren. Die lautet: Von Gottes Gnaden, Wir Ernst Ludwig, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Mcrßfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Tietz, Ziegenhain', Nidda, Schauenburg, Bsenvurg und Büdingen usw. Fügen hiermit allen und jeden Unfern Ober- und Unter-Bcambten, Amts-Ber-- wesern, Kellern, Schultheiseu, Bürgermeistern uttb Gerichten, auch allem und jeden unfern Unterthemen, Eingesessenen und .Angehörigen ztt wissen, daß, ob wir zwar schon vor mehr als einem! Jahr bei) Unserer Militz zu Roß und Fucß eine gewisse Verordnung, wie es mit der Ehelignng Unserer Unter-Offiziere und gemeiner Soldateska gehaltert werden solle, haben pnbliciren lassen, dennoch wir zu Unferm ungnädigen Mißfallen haben ver- iiehmcn müssen', Ms massen beh gedachter Unserer Militz zu! Roß und Fueß. das Heimlichs Eheversprechen und Copulirert,- sogar äusser Lands, und b-ey wjedrigeu Religions-Verwandten! fast gement werden wolle, wodurch nicht allein diejenige -Personen, die sich dessen! eigenmächtig unternehmen, sich selbst in viel Ungelegenheit setzen, sondern auch durch die verheurahtete, Soldaten in den Märchen und Quartieren und sonstete große Beschwertem verursachet werden'. Damit nun dieses' Unbefugte und schädliche Beginnst endlich mit Nachdruck abge- stellet werden', imb jedermann sich umb so viel destomehr dafür! üiib Ur beü darauf gxsetzxj ustd hierunterfolgMden .Strafe hüten — 656 — tnlägett. Als setzen, verordnen und befehlen Wir hiermit (tn=- gnädigster Ernst, daß, wonit uns künfftig ein Soldat bei unserer! Militz ohne Unfern oder eines vorgesetzten Obersten oder Com- urandanten des Regiments schrifftl'ich unter dessen Hand und Siegel erlangter Confens heimlich Nur allein verloben, nicht aber sich priesterlich CoPulireN lassen wird, derselbe 4 Wochen lang, derjenige aber, so sich auch noch darzn mit einer Weibs-Person einlassen oder heimlich wird Copuliren" lassen, 8 Wochen über geschlossen mit öffentlicher Arbeit in dem Karren beleget ,Nnd Imch deren Beschluß nach befinden auch Noch mit Stockschlügen! abgestrafft, die Weibspersonen aber nebst der dreiwöchigen Thnrn- strafe, da aber die priesterliche Einsegnung geschehen Wäre, mit sünfwöchicher Thurnstrafe und öffentlicher Ziehung eines har- Kuuehmenden Mistkarrens angesehen, und bey dem Mann im Quartier nicht geduldet, über dieses auch 'Wann der Soldat oder dis Weibsperson etwas im Vermögen hätte, von solchen ein anderer tüchtiger, lediger und montirter Kerl angeschafft und dargegeii der Soldat ohne Abschied nach/beschehener abgedachter Bestrafung von der Compagnie weggejagt, Widrigenfalls aber, und da keines derselben soviel Mittel hätte, wo fron ein anderer jetzt gedachter Waffen an seine Stelle geschafft werden könnte, Er der Soldat zwar bey der Compagnie gelassen, doch daS Weib int Quartier und auf dem Marche nicht geduldet, sondern mit Schimpfs von der Compagnie jvrtgewiesen werden solle. Wornach 'sich ein jeder gehorsamst zu richten, und vor Schaden und Schimpfs zu hüten hat. .Urkundlich itfw. Darmbstadt, am 20. Martii 1699. Ernst Ludwig, Lg. zu Hessen. Vermischtes. * Bismarck in der Literatur. Die große Bismarck- Biographie von Erich Marcks, deren erster Band soeben erschienen ist, Wirb voraussichtlich, wenn sie vollendet ist, einen Markstein in der Geschichtsschreibung darstellen, die das Bild des großen Mannes der Nachwelt ausbewahrt. Marcks grundlegendes Werk vereinigt in sich die Auffassnngen, Resultate und Quelle^ die seit mehr denn 40 Jahren eifrige historische Forschung gewonnen und zusammengetragen hat. Die ersten Vorläufer einer Lebensgeschichte Bismarcks erschienen, wie wir der vor kurzem veröffentlichten Bismarck-Bibliographie von Arthur Singer entnehmen, im Jahre 1867. Es waren die anonymen Werke „Graf Bismarck", das von Dr. Wilhelm Rudolph Schulze verfaßt war, und das in der Sammlung „Deutsche Volksbücher" erschienene „Charakterbild eines deutschen Staatsmannes" „Graf Bismarck". 1868 gab Ludwig Bamberger zum ersten Male dem Nachbarvolke in französischer Sprache eine Lebensbeschreibung des „Monsieur de Bismarck", der sich 1869 eine Biographie von dem Franzosen E. de Mirecourt anschloß. Die Reihe der populären deutschen Bismarck-Bücher leitete Georg Hesekiels prächtiges, flott geschriebenes „Buch vom Grafen Bismarck" ein, das 1871 ins Englische übersetzt wurde. Die erste ungarische Bismarck- Biographie wurde 1876 von I. Cfukassy veröffentlicht; das erste englische Werk gab in zwei Bänden 1886 E. Kriens „Prince Bismarck. Bivgraphieal sketch". Die Reihe der Wissenschaftlichen Darstellungen von Bismarcks Leben und Werken wurde durch das fünfbändige Buch von Ludwig Hahn eröffnet, dessen beide ersten Bände 1878 erschienen und die Zeit bis 1877 umfaßten. Im gleichen Jahre trat die erste der Aufsehen erregenden Bismarck- Beroffentlichungen von Moritz Busch „Graf Bismarck und seine Leute während des Krieges mit Frankreich. Neue Tagebuch- blätter" hervor, von dem in zwei Monaten neun Uebersetzungen und bis 1884 sechs Auslagen erschienen. Nun begannen auch die systematischen Veröffentlichungen von Briesen, Reden Und diplomatischen Akten, und die eigentliche Grundlage für eine exakte Lebensgeschichte wurde durch die beiden 1891 und 1892 von Horst Kohl herausgegebenen Bände „Regesten zu einer wissenschaftlichen Biographie des ersten deutschen Reichskanzlers" gelegt. Unterbetten aber hatte bie Bolksphantasie die Gestalt des „Reichsschmiedes" nicht nur in populären Lebensbildern — "1878 erschien z. B. ein „Plattdütscher Bismarck" von Wilhelm Schröder —, sondern auch in dichterische n Erzeugnissen aller Art darzustellen gesucht. Schon 1871 war eine französische Gedichtsammlung unter dem bezeichnenden Titel „Während des Sturms" erschienen, die auch eine „Epitre ä Bismarck", „den Manen der Opfer des Krieges und des Bombardements von Paris geweiht", enthielt. Auch bie französische Karikatur beschäftigte sich m Spottgedichten und -Bilder viel mit dem siegreichen Staats- manne. Zahllos sind die deutschen, an Bismarck gerichteten Gedachte. Die ihm zu feinem 80. Geburtstage gewidmeten poetischen Gaben hat E. Brausewetter zusammengestellt; sie enthalten neben d^>s_Preisliedern der deutschen Studentenschaft und den Dichter- grußen vom Rhein Paul Heyses Gedicht „Deutschlands Dank an Bismarck - Eine epische Behandlung wurde der Gestalt Bismarcks zuerst 1888 durch die „Neuzeitliche Nibelnngenmär" von H. Hofmeister „Der eiserne Siegfried" zuteil; 1893 erschien dann ©. Scherenbergs „Karfer-Gnadenblume, eine Bismarcksage in drei Abteilungen und 15 Bildern". Seinen Weg auf die Bühne hat der Reichskanzler schon 1875 gefunden. Damals schrieb der Bvr- sitzende des deutschen Lehrer-Schriftstellerbundes Hermann JahnkS ein Genrebild in einem Akt „Nachbar Bismarck oder eine diplomatische Großmagd". Im Jahre 1881 erschien von H. Paris ein Lustspiel: „Chapeau Bismarck", 1890 veröffentlichte W. Rey- moild ein deutsches Fastnachtsspiel „Der Reichsfaßbinder", das mit 30 Personen zii agieren unb 3 Akte nebst Vor- und Nachspiel hatte. Zn gleicher Zeit kam ein Wachsfigurenscherz in 4 Bildern heraus, mit bem Titel: „Bismarck und Jules Farre". Sein; Verfasser verbarg sich hinter dem Prendonym „Hyosoiamus". Ter Scherz war für Aufführungen in Privatkreisen und Vereinen bestimmt. Ter 80. Geburtstag brachte bie Festspiele von Martin Greif: „Tas erste Blatt zum Helbenkranz", von Johanna Baltz: „Des Kaisers Krvnenschmieb" ober „Getreu bcn Hohenzollern" und von Ernst Ege: „Beim 80 jährigen Bismarck". Aus ber belletristischen Bismarck-Literatur find mtS bem Jahre 1884 der zeitgeschichtliche Roman von I. G. Findel: „Schach Bismarck" und „Ramses und seine Feinde", „Eine altägyptische Haupt- und Staatsaktion", fron M. Horn, von O. Wagner im altägyptischen Stil illustriert, zu neunen. humoristisches. * Rückwirkung. Hausfrau: „Was fehlt Ihnen beim!, Karolille?" — Dienstmädchen (schluchzend): „Mein Schätz ist mir untreu geworden, weil — der Herr nicht raucht!" * „Was ist denn eigentlich aus Ihrem Neffen geworben?" „O, ber ist jetzt ein bekannter Dichter." —• „Schau, schau —. und ich dachte immer, gerade ans dem Wirb einmal was Örbentt liches." * Verdorbene Freude. Paul und Peter sehen lauge Zeit Arbeitern zu, die eine große Glasscheibe in ein Schaufenster einsetzen. „Komm, Peter," sagt Paul zu fehlem Kameraden, „gehn wir — die lasse se ja doch net falle!" * Stirn m t. Er: „Was machen wir nur mit unserem- Jungen; das Mädel, bie Selma, hat ihm ganz den Kopf verdreht." — Sie: „Laß sie heiraten, als seine Fran Wirb sie ihm beit Kops schon wieder zurechtsetzen." * Gut gegeben. Witwer (znmi Sohne): „Du, wenn Wit nicht in bie Patsche kommen wollen, muß einer fron uns beiden! heiraten!" — Sohn: „Da heirate nur du, du bist's schon gewohnt !" * Schwere R o 1 l e. Schmierenschallspieler (zu einem Herrn beim Biertisch): „Meine schwierichste Rolle is "Sie 'entschiede«! der Cäsar." — Herr: „Wieso?" — Schauspieler: „Wenn ich Sie nämlich ba tob auf ber Bahre lieche, da gifteln mich immer bis Ludersch mit Pfaufebern." Literatur. — Charles Dickens ' ausgewählte Werke. Ueber- fe'jt unb herausgegeben von Richard Zoozman». Leipzig, Max Hesses Verlag. Dickens' Werke erfreuen sieh in Deulfch- land seit jeher berfelben stets wachsenden Volkstümlichkeit wie in ihrer Heimat England. Den Grtmd dafür darf mau wohl in der bem germanischen Volksgeist ganz besonders zusagenden Knnstweise des Dichters erblicken, die uns einerseits das lieben ohne jede Beschönigung zeigt, anderseits es aber auch versteht, alles Tote unb Reglose in der Natur zll poetischem Leben zn erwecken und dadurch wiederum das Dasein mit einem echt dichterischen Schimmer zu rnnkleiden. Die neue Ausgabe von Dickens' Meister- lverken durch den befannieit Leipziger Klassiker-Verlag Max Hesfe ist daher freudig zu begrüßen, um so mehr, als sie in Richard Zoozmann, dem bekannten Dichter und Ueberseher, einen berufenen Herausgeber gefunden hat. Ter von Herzen fommeiibe Humor und bie tapfere Lebensbejahung, bie ans ihnen sprechen, sind ivie geschaffen, bem Leser für sein eignes Leben Mut, SluSbauet unb Fröhlichkeit zu verleihen. Silbenrätsel. a, ce, ck, d, d, edj, ei, cl, er, er, fe, sich, hu, la, (ast, it, nach, net, s, sau, te, ter, va, ze. AuS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart imtereinanber gesetzt werden, baß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen einen Dichter und ein Werk besfetben bezeichnen. Es bedeuten aber bie einzelnen Wörter folgendes: 1. Landschaft in Westfalen. 2. Einen Baum. 8. Spanische Provinz. 4. Stadt in Luxemburg. 5. Einen Philosophen. 6. Afrikanisches Raubtier. 7. Fluß in Tirol. 8. Eine Waffe. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nunmer: Leben heißt träumen. Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen llniversitäts-Buch- und Steindruckerei, i>>. Lange, Gießen,