lZVZ mWi W x4 M :?,7’iü\ Auf Liebespfaden. Roman von H. Ehrhardt. Rachdruck verboten. (Fortsetzung.) Sic hörte auch nicht den nahenden Schritt eines Menschen- sußes und erschrak kaum, als eine Hand ihre Schulter berührte, ganz apathisch hob sie die erloschenen Augen. „Helene, liebe, kleine Helene!" sagte der Mann vor ihr weich und innig. „Ich bin beauftragt, Sie nach Hause zu holen, ehe die Eltern anfangen, sich zu beunruhigen, Aeirne schickt mich, sie ist iit grosser Sorge nm Sie —" Er sagte nichts von der Angst, die ihn selbst hierher getrieben, aber sie lag noch auf seiner heißen Stirn und seinen erregten Zügen, in denen cs mächtig arbeitete, als er, da Helene kein Zeichen von Bewegung gab, entschlossen' fortfuhr: „Ich muß es Ihnen gestehen, Helene, in ihrer Angst hat Aenne mir Ihr Geheimnis verraten, es ist gut bei mir bc- wahrt. aber nun denken Sie noch einmal, ich sei der „Onkel" aus der Kiudcrzcit und haben Sie Vertrauen zu mir, vielleicht kann ich Ihnen helfen." In des Mädchens Starrheit rissen bte warmen Worte des Freundes eine Bresche, es quoll weich und weh zugleich in ihr auf, die Erinnerung, wie alles iinnrer gut geworden in Paul Heincckes geschickten Händen, wie tröstlich es gewesen Ivar, wie beruhigend, wenn er ihr Hilfe angeboten, und während die ersten Tvünen erlösend in ihre Apigen stiegen, schluchzte sie wie ein Kind aus: „Lieber Onkel Paul, er ist nicht gekommen!" Er hatte sich neben sie gesetzt, und, an seine Schulter gelehnt, weinte sie sich aus. Ter Mann aber dnrchkämpfte wohl keinen geringeren Schmerz als sie. Er hing mit der ganzen Stärke seines ehrlichen Herzens an diesem jungen, kindlichen Geschöpf, dessen trostloses Weinen einem anderen galt, dem leichtsinnigen, skrupellosen Offizier, der ihr törichtes Kinderherz mit dem bunten Rock und schönen Worten verblendet haben mochte, und der ihr nun so viel Weh bereitete. Bitterkeit und Zorn stiegen in ihm auf, aber als er ihnen, nachdem Helene ruhiger geworden, Worte verleihen wollte, nahm das junge Mädchen in einer so leidenschaftlichen Art, wie er noch gar nicht an ihr kannte, Partei für ihren Hans. Mein, er war nicht leichtsinnig, er hatte sie nicht betört, er war auch heut ganz sicher nicht schuld an der Enttäuschung^, die sie erlitten hatte. „Aber wenn auch, liebe kleine Helene!" siel Panl Heinecke ein, beschwörend die kalten Mädchenhände erfassend. „Heiraten! kann er Sie ja doch nicht." . „Doch! Wir warten bis zum Hauptmann. Wir haben »ns ja so lieb, so lieb!" Wie rührend zuversichtlich das klang! Der Mann wandte sich ab, weit ihm die unmännliche Träne kam. Helene aber war jetzt mitten drin in ihrem Liebesrausch. Sie erzählte dem nicht mehr Widersprechenden von Lisbeths' Einladung nach Harzburg, und daß iie ihren Hans bei dieser Gelegen^ heit Wiedersehen müsse und sollte sie direkt nach B. deshalb fahren. Sic stürbe sonst einfach vor Sehnsucht. Paul Heinecke schwieg dazu, und das war, instinktiv' gewählt, der richtigste Weg, sich Helenens Vertrauen in dieser Angelegenheit von jetzt ab zu sichern. Seinem intelligenten Gesicht Ivar anzumerken, daß er sehr genau zuhörte mtb scharf nachdachte, er Ivar kein Mann, der so leicht eine Hoffnung begrub, er Ivar ein heimlicher, aber eist ausdauernder Kämpfer. Als sie den Weg durch die Felder schritten, und Helens doch im Rückerinnern den wehen Stich fühlte, der eine schöne Hoffnung getötet, blinkte Vor ihnen am blaßgrauen Himmel dex, erste Stern ans, die Venus, der Stern der Liebe. Sie sahen ihn beide, rind in beider Herzen entzündete lev ans der Asche der schmerzlichen Enttäuschung ein schwaches Flämmchen einer neuen Hoffnung. XV. Auch im Harz war, ein wenig später als im Westen Deutschlands, im vollen Glanze seines sounengoldenen, blütenbestickten Gewandes der Frühling eingezogen. Die kleine Garnisonstadt lag in Grün und Weiß gebettet', ans den Gärte» duftete es betäubend nach aufbrechendem Flieder, Durch all dies Blühen und Duften schritt Leutnant von! Hassingen mit düsteren Angen und fest zusammengepreßten Lippen. Sein Knie war wieder einmal völlig geheilt, aber er sah trotzdem nicht gut aus. Er war magerer geworden und hatte eigentümlich geschärfte Züge, wie fortdauernde Sorgen sie zeichnen. An diesem heißen Frühlingstage sah er zudem noch sehr erregt ans. Vor einer kleinen Villa dicht am Waldrande des Kaiserberges zögerte er erst einen Moment unschlüssig und klingelte dann. Im Oberstock derselben bewohnte Leutnant Espach seit kurzem zwei Zimmer, während die anderen noch auf den Einzug der jungen Frau Lisbeth bis nach dem Manöver warten mußten. Der Bursche öffnete. Ja, Herr Leutnant waren zu Hause. Hassingen sprang die Treppe in die Höh und öffnete oben, ohne ein Herein abzuwarten, die Tür zu Espachs Wohnzimmer. D ie Fenster standen weit offen. I m jungen Buchen taub spie lte der warme. Maiwind, und die Sonne streute goldene Flecken ist das lichte Grün. Es dnftctc nach feuchter, warmer Erde und nach Frühlingsblumen. Hassingens Blick wurde noch finsterer. „Erlaube, daß ich die Fenster schließe!" sagte er nach der ersten Begrüßung des Freundes, der in der Litewka seinen Lieblingsplatz in der Sosaecke einnahm. „Meine Augen können so viel Licht nicht vertragen, außerdem habe ich dir auch etwas mitzuteiteu." „Hier hört uns kein Teufel!" meinte Espach gelassen. „Aber bitte!" Hassingen setzte sich in den Schreibtischstuhl, neben dem er gerade stand. Ein kleines Bildchen lag, noch unaufgezogen, auf der rotledernen Schreibmappe. — 178 — Er nahm c§ auf. W stellte Lisbeth und .Helene bar, Arm. in Arm. Tie blonde Brant straWend und blühend schon, -Helene mit so schwermütigen Augen iit einem Gesichtchen, dessen rührende Blässe mau ahnte, daß der Mann leicht zusamwenzuckte und die Sorgenfalte auf der ßtirn sich schärfer grub. „Ich habe cs in Harzburg ausgenommen," erklärte Espach. „Tn weisst natürlich, daß Helene dort ist." Es mar nicht ost der Fall, daß Helene Falks Name zwischen den Freunden genannt wurde, aber heut ftihlte Espach, daß der Freund sich gegen ihn aussprechen, wallte, und er wollte »cs ihm erleichtern. „Ja, ich weiß!" sagte der blonde Offizier, „sie quält ja beständig, ich solle mal hinüberkommen, aber erst höre unter Diskretion, was mich zu dir führt. Ich habe heut einen Brief von einem wildfremden Mann erhalten, in dem er mich, geradezu flehentlich bittet, Helene Falk, Menn ich sie wirklich liebte, frei zu geben, weil diese Sache doch aussichtslos Espach blickte ernst, aber befriedigt auf, ohne sich weiter über die Einmischung des Freniden zu wundern. „Tas ist längst meine Ansicht, Hans', dn mußt ein Ende machen." Hassingen strich sich über die feuchte Stirn und! stöhnte ans. „Ein Ende machen! Tas sagt sich so leicht, Walter, ich Witts ja selber gern und bin schon seit langem bemüht, ihr die Hoffnung zu nehmen, die ich ihr in einer besinnungslosen Stunde gab aber dn solltest ihre Briese lesen, diese herzzeckeiKendie-N Priese. Immer die Bitte: Nur seht noch nicht, nur noch ein letztes Wiedersehen " । „So fahr doch mal mit nach Harzburg hinüber, Hans!" Ter wehrte geängstigt ab. ; „Ich bin feig, weiß Gott, ich fürchte mich vor ihrem Anblick, und ich kenne mich, ich würde hart bei einer Rührszene, iueil ich nm keinen Preis mehr weich werden darf. Zn einem versöhnlichen Schluß soll es doch zwischen uns' kommen." „Tas wird es auch, Hans, davon bin ich fest überzeugt, dieser wildfremde Mann, der so- besorgt nm die kleine Helene ist, wird sie auch zn trösten.wissen, und bn du wirst die teiltet Schilderung nach reizende Frau Don Meding heiraten." Hassingen spielte nervös mit der kleinen Photographie. „Ich weiß gar nicht, wo sie sich aufhält, Walter, also liegt diese Möglichkeit in sehr weiter Ferne. Ihr Vielliebchengeschenk kam vor drei Wochen ans Berlin, gestern schreibt mir mein Onkel zufällig, die Besitzerin von Meusdorf befände sich wieder einimu aus Reisen, ruhelos wie stets." „Aber dn liebst sie, Hans?" fiel Walter Espach ruhig ein. Eine kleine Panse. Ter blonde Offizier ivar rot geworden. „Tie Antwort erlöst mir, Walter, die hab ich mir bis zur Stunde selbst noch nicht gegeben. Kann cs auch nicht, ehe icl Helene nicht aus meinem Leben gestrichen habe. Ich würde daun vielleicht zlvci Frauen untreu sein, und das geht mir wider die Natur. Aber jetzt sag mir, was soll ich. denr Manne," er machte eilte Bewegung nach, der Stelle, wo der Brief in der neuen Kroko dilledertasche mit dem ausgesetzten, massiv goldenen Monogramm, beut Geschenk Lena von Riedings, ruhte, „antworten?" Walter Espach samt eine Weile nach. „Schreibe ihm vor allen Dingen, wie du mit .Helene gestanden, wie poetisch, wie rein Eure Liebe gewesen ist, das kann, auch wenn der Mann nichts Häßliches über Euer Verhältnis denkt, doch viel Wert für ihn und für Helenens Glück haben. Sei so ehrlich gegen ihn, wie du immer bist, mein Junge, schreib ihm, was du mir gejagt hast, und im. übrigen denke an die Trennung von dem Mädchen, ich halte nichts von der Schonung, der rasche Schmitt ist die beste Heilung." Hans Hassingen erhob sich schwerfällig. Er hatte das Bild noch in der Hand, jetzt legte er es, einen letzten Blick darünt werfend', auf den Schreibtisch. „Schwer ist's doch, Walter, o Gott, sehr schwer. Lache mich aus, du bist im Recht, das Herz, das schon zu einer anderen hin strebt, kann sich von der alten Liebe nur mit Schmerz lösen. Glaube mir, hätte ich Helene heiraten können, nie wäre mir eine andere Fran gefährlich geworden." Walter Espach war neben ihn getreten. „Glaub ich dir gern- Hans, und auch, daß dir das Scheiden von Helene weh tut, aber es ist hohe Zeit, auch für dich, daß. es kommt, du reibst dich auf in diesem Hin und Her, diesem nutzlosen Kämpfen." Malter Espach wußte am besten zu beurteilen, was der blonde Kamerad in diesem Jahre voll Krankheit, Geldsorgen und innerem Zwiespalt gelitten hatte. Als er allein war, ging er noch eine Zeitlang int Zimmels auf und ab, wie. immer, wenn er irgend einen Entschluß fassen wollte. Er sah ein, daß feine Freundespflicht ihm gebot, bei denr Punkt für Hassingen einzuspringen, wo dessen Energie versagte. Wenn er am Sonntag nach Harzburg hinübersuhr, wollte er mit Helene Falk sprechen. * Es begünstigte seinen Plan, daß Lisbeth ihn diesmal allein! am Bahnhof erwartete. Helene und Fran Schäffer waren in die Kirche gegangen. Sie sah brillant ans, blühend in Gesundheit, die nach, einem! alten Satz schon an sich Schönheit ist, und strahlend vor Glück. Tas Vorhaben Walters weckte zuerst ihren Widerspruch, sie hing mit großer Liebe an der armen, kleinen Helene, und der Gedanke, daß ihr Bräutigam es übernehmen wolle, ihr den letzten, tödlichen Stoß zu versetzen, war ihr entsetzlich. Aber sic war nicht umsonst auch die vernünftige Lisbeth, die ruhigen Erwägungen zugänglich war, und Walter Espach wußte ihr klar zn machen, daß cs viel besser sei, sic erhielte den Stoß durch einen Fremden als durch den Geliebten selbst, nnd daß der Zeitpunkt dazu günstig gewählt sei, nicht nur weil die arme Kleine dann einen Trost an der Freundin habe, sondern auch der Gefahr entgehe, sich erst ihren Eltern zu verraten. Besonders das Letztere leuchtete Lisbeth ein, und sie versprach dem Verkokten ihre Unterstützung. Helene Falk erlitt, als sie aus der Kirche zurückkehrte, eine herbe Enttäuschung. Sie' hatte so inbrünstig zu Gott gefleht um ein Wiedersehen mit dem Geliebten, daß ihr Kinderglaube ihr Zuversicht ins Herz geraunt und eilt törichtes Hoffen. Sie hatte viel gelitten in den letzten Wochen, feit die Briefe ihres Hans immer seltener und kürzer geworden waren und er für fein Ausbleiben damals nur eine sehr unklare, flüchtige Ausrede und Entschuldigung gesunden hatte. Nach Tisch zog Fran Schäffer sich in ihr Zimmer zurück, und die drei jungen Leute gingen iit bett' kleinen Garten hinter, denk großen Logierhansc, das zu Anfang der Saison noch schwach besetzt war. Er stand in der größten Ucppigkeit seiner Vegetation, die Fliederbüsche konnten die Last ihrer lila Bliitendolden kaum tragen. Sie waren erst einige Minuten in den verschlungenen Wegen langsam citthergcwandcrt, das Brautpaar Arm in Arm in der kindischen Art verliebter Menschen, miteinander plaudernd, Helene tu tiefe Gedanken versunken daneben, da erklärte Lisbeth plötzlich, Walter solle ihnen einen Roman vorlesen, den er selbst ihr neulich geschenkt hatte, und ging, ihn en holen. Sie ließ sich sonst gern solche Wege von ihrem Bräutigam abuehmen, und da dieser heut nicht einmal den Versuch machte, ihr seine Tienste anzubieten: oder sie, zn begleite», so schöpfte Helene sofort Verdacht nnd fühlte, oaß Walter Espach ein Alleinsein Mit ihr suchte. Tas konnte nur fein, weil er eine Botschaft von Hassingen für sie hatte. Sie wurde rot und wieder blaß vor erwartungsvoller Ausregting', dachte an ihr Gebet in der Kirche, und ob Gott vielleicht doch .inen Teil desselben erhört hatte. In schüchterner Frage blickte sie zur Seite in das. niibcw.gte Gesicht ihres Begleiters. Er fühlte den fragenden Blick nnd begann, nicht ganz frei von Befangenheit: „Ich möchte einmal von Hassingen mit Ihnen sprechen, Fräulein Helene," • Tie Mädchenaugen lächelten bang und doch glücklich. Also hoch! „Was ist mit ihm?" fragte sie unbeholfen. Er malträtierte seinen dicken, dunklen Schnurrbart. Wie fing er die Sache nur am besten an, es war doch nicht so leicht oicsen glückschimmernden, hoffenden Augen gegenüber. Aber nun muffe es feilt. Er gab sich innerlich einen Ruck. „Er leidet sehr unter der er wollte sagen „Trennung", besann sich aber und vollendete: „unter beit Verhältnissen.^ „Wie meinen Sie das, Herr Leutnant?" lieber Helenes feine Züge glitt ein ansdännnerndes Mißtrauen. Wie fettfam Leutnant Espach heut war! Verlegen und unsicher. Er fühlte es selbst, und eine Art Zorn faßte ihn gegen das Mädchen, das in acht Monaten die Aussichtslosigkeit ihrer Liebe nicht begreifen gelernt hafte. „Fräulein Helene," sagte er entschlossen, den Blick geradeaus richtend, um das blasse Gesichtchen nicht zn sehen, „zeigen Sie Mal, daß Sie ein tapferes Mädchen sind und- ein stolzes dazu — Sie wissen, die Liebe zwischen Ihnen und Hans war Wort Anfang an aussichtslos — als ehrlicher Kerl hat er es Ihnen! nicht verhehlt, und wenn er später auch unüberlegt davon gell et I bi w w gc ja re K zu fa< na nii T, vo fa< fÜ1 Hi na da bei an da Sc er! foi Vc nii obi au wo Sc Sie die hin bei uui hin Er bis (G bai bid am vol zei an E 179 sprochen Hat, Sie heiraten zn wollen, so war das damalA Wohl ebenso ehrlich gemeint, aber es war mkkusMrbar und- er hat Ihne» das ht letzter Zeit auch, wie ich weiß, wiederholt angedeutet, ohne daß Sie es anscheinend verstehen wollen. Er leidet, wie gesagt, schwer darunter -- wir Manner sind nun einmal so, wir wollen für wfete Liebe ein Ziel sehen, wir können nicht geduldig aus etwas noch dazu ganz Unsicheres warten — geben Sie Hassingen frei-, Fräulciii Helene!" (Fortsetzung folgt.) Vas Volkslied in Oberhessen. Von Pfarrer O. Schulte, Großen-Lindcn. VI. Gehen wir zu den Spottliedern über! Ter Spott fleckt ja unserem Volke im Herzen. Wir haben Spottnamen, Spvtt- i'einte, Spottlieder. Alle drei Arten finden sich in Oberhessen Überall. Ganz besonders aber hat der Schneider unter dem Spotte zu leiden. Von ihm handelt auch das folgende Lied. So einfach verständlich es auch aussicht, den eigentlichen Spott hört nur der Wissende heraus. Im hohen Vogelsberge gilt die Katze, nicht die Geist, wie sonst, als das Lieblingstier des Schneiders. Tas hat seinen Grund. Wenn der Schneider dort aus, dem vom Bauer gelieferten Tuche diesem einen Anzug ansertigt, so sagt ihm der Volksmund gern boshafter Weise nach, daß er .einiges für sich behalte. Wahrend man sonst spricht: „Er kommt in die Hölle," äußert der Vogelsberger: „Ter Schneider hat mit ihm nach der Katze geworfen", womit er die Vorstellung verbindet, daß es auf die Erde gefallen und nmn bei Seite geschafft worden sei. Von hier aus wird auch verständlich, wie die Redensart: „Tas ist für die. Katz" entstanden sein mag. Wir wollen binnit sagen: „Tiefes oder jenes hat keinen Wert", und der Schneider, der mit einem größeren Lappen „nach der Katze" wirft, erklärt sinnbildlich dasselbe, lind nun verstehen wir, warum das folgende Liedchen den Schneider so wütend sein läßt über den Verlust seiner Katze und so glücklich über das Wiederfinden. Tas, Lied stamnit aus Eichelhain. Ich, habe cs sonst noch nirgendwo gehört. Isiil D i 1. Der Schneider hat die Katz' verlor'», könnt'sie nicht fin-den, - sucht dnö ganze Häus-chen aus, könnt'sic nicht finden. 2. Und als er sic nicht finden könnt'. Fing er an zu zanken, :,: „Frau, schaff' mir die Katz' ins Haus, Sonst mußt du wanken!" :,: 3. Und als er sie gefunden halt'. War er so froh-, ja froh, :,: Tippte mit dem Finger drauf: „Manschel, bist du do, ja do'?" :,: Das ganz kunstlose Lied macht den Eindruck, als ob es, wie oben dnrgelegt, in einer Burschcnspiunstnbc, unter Anlehnung auf ein wirkliches Ereignis, dem Schneider zum Spott gedichtet worden sei. Tie Weise scheint auch von anderswo hergenommeii. Dieses Liedchen mürbe einst auf einer Hochzeit von einem Schmiede auf den. ihm gegcnübersitzendei! Schneider, den er auf- ziehen wollte, gesuitgen. Ter Mann sprang dabei auf, setzte die Hände auf den Tisch, und so fing er an. Ter Schneider hörte es ruhig au, aber dann sprang er auf und sang dem „Schweißer" ein Spottlied auf dies Handwerk. Man sieht, man braucht nicht in die Alpen zu gehen, um Trutzlieder zu hören. Teu Spoktliederir rechne ich auch das folgende, aus Ober- Erlenbach bei. Frankfurt stammende Lied zu. Obgleich es auch bis in die Nahe Gießens, wenn auch verändert, gedrungen ist (Grosteit-Lindenh sieht man doch gleich, daß ein anderer Geist oarm locht, als in _bcn Vogelsberger Liedern. Wer den Lokal- dichter Frankfurts, Stoltze, kennt, merkt gleich, daß derselbe Geist nltch tn dessen Gedichten weht. Ter Spott ist schärfer, humorvoller, witziger, breiter, als im Gebirge. Tas Lied ivird gewöhnlich in Ober-Erlenbach bei der Hochzeit gelungen. Reällehrer Grimm aus Gernsheim hat's dort aufgezeichnet. i ES so all sich doach koa-ner ment d'r Läi-be oab-gea-we, j 11 ( dal brcngk joa su manchen schl - inc Ker-le imS Leawe, i 3K Do hont mir mal Tritt-schel die Läib oab - gc - sank, sich hu» se tier - klaak, aich hun se der - klaat. 2. Wni harr aich doach immer doas Maadche su gern, Täi sonllt joa nach endlich mai Fraache wem. To plookt se d'r Taiwel nun woallt maich näit mii, Doas wor joa näit schii. 3, Woas hun aich dem Maadche für Bänder grkaafk, Ulin hun se fit manchinoal hn Aeppelwai versagst, llnn als m'r minanner vom Ma ad haant sai gange, To woallt aich säi fange. 4. Trim dout m'r nach immer mai Herzi su wih, D'r Dokter, der soall nach baal üiver mich gih. Aich kamt näit mii spoarn, aich kann näit mit werbe, Aich muß etz baal sterwe. 5. Eann sain aich gestoarwe, su loastt maich begroawe, Uitu loastt m'r vom Schreiner sechs Tttile oabschoawe, Unit loastt 'n nach e bissi mcat Bleach beschloage, Taß die Leut deiiooch frooge! st. Vergcaßt nach uet eabbes uffs Groabloch se seatze> ’n fchnieweiße Staa inet monrmorne Featze, Umt loastt nach zwa faurige Herze druff moale, Aich will's joa bezoahle! 7. „Hai lair er, d'r Kerl, der an d'r Läib eas gestoarwe, E prächtiger Kerle, der sich vill hat erwoarwc. Hc ging immer su fai nun so wärst wäi die Kiwire." Toas loaßt m'r druff schraiivc! Man vergleiche mit obigem Liede das Lied im „Wunder- hsorn". >,Jch halt' nu Mei Trutschel in's Herz uei gefchlofse, Sie hakt mir geschworc, sei will mich itet lasse, To reit mir der Teufel den Schulzen sei Hans, Der führt sie zum Tanz" usw. Nicht nur die Form, der Inhalt ist derselbe, auch so manche Ausdrücke und dialektische Formen weisen in dieselbe Gegend. Ten Beschluß der Lieder soll ein „Lärmen" bilden. Dieserj Ausdruck, der sich nur noch im. Buseckertal zu finden scheint, bedeutet ein kurzes Liedchen, das gewöhnlich nach einem Tanze Bnrschen und Mädchen zusammen fingen. Sie legen, paarweise, nebeneinander stehend und einen großen Kreis bildend, die Hände aus die Schultern der rechts und links daneben stehenden! Personen, und dann wird bei: Lärmen „gchept", indem sie all« zugleich in die Höhe hüpfen und singen'. Es ist nichts Schönes« meist ein wirkliches wüstes Lärmen, und verdient es, daß eS, wie es den Anschein hat, untergeht. DWMWJWZU- - ■ g Ach, wär' ich ein-mal, ein -mal im Bu-sck - ker Tal! Wo die Schönheit der Mädchen und die Falschheit der ] Üi Bürschchen—ach,wär' ich ein-mal, ein-mal im Bn-sek - ker Tal! . Es mag mit diesen Liedern, die nur eine geringe Zahl aus einer sehr großen Menge darstellen, genug sein. Ich hoffe, daß meine Leser wenigstens einen kleinen Einblick getan haben in eine Welt, die des Schönen viel hat. Aber ich hoffe auch zugleich, daß viele anfangen, diese Lieder zu samNieln. Dazu anzitregcn und zu bitten, daß die gesammelten an mich oder „die hessische Vereinigung für Volkskunde" in Gießen eilige» sandt werden, ist mit der Zweck dieses Aufsatzes: Auch wir Oberhessen müssen so weit kommen, wie die Odcnwälder, die in der von Krapp herausgegebenen „Spinnstube" eine schöne Sammlung haben, die zu billigem Preise jedem zugänglich ist. Darum.an die Arbeit! Jeder Beitrag ist hoch willkommen. Ich bin überzeugt, daß. die Redaktion des Gießener Anzeigers bereit ist, von Zeit zu Zeit die schönsten zu veröffentlichen. 180 Vie Tochter -er Hauser. Heber die Tochter des Hauses als Haustochter veröffentlicht Dr Käthe Schiemacher im Seil. TM. einen lesenswerten Aufsatz kein Mr folgendes, besonders merkenswürdige entnehmen: Die Haustochter ist die All erWeltsaustzilfe. Gegen dieses unerfreuliche Los bürgerlichen Mädchen hat die Frauenbewegung lange, laut und mit Erfolg protestiert, hat betont, daß diese: Verzettelung der Zeit und- Kraft unserer! Mädchen jie zu nn- M'iqcn Hausfrauen, unwissenden Müttern, untüchtigen Bcrufs- arbeiterinnen macht, und daß mit diessn Gewohnheiten zu brechen sei, .weil die moderne Zeit im häuslichen wie im änßerhänslichen Berns neue Forderungen an die bürgerliche Frau stellt, ,-iiiß Folge war, daß- einerseits die besonders begabten, andererieitÄ die unbemittelten oder wenig bemittelten- Bnrgermädchen häufiger und gründlicher auf einen änßerhänslichen Beruf vorbereitet wurden, als das früher der Fall war. Dank der Frauenbewegung öffneten sich ihnen auch irieljr Berufe, hoben sich die Arbeitsbedingungen, die Avaneenientsaussichten, die Gehälter. _ Wir brauchen nur an den LehrerinnenberN.f zu denken, der früher seinen Gipfel mit der Seminarbildnng der Leitung einer Privatschnle erreichte, während er die Fran heute durch das akademische-Studium zur Leitung öffentlicher Mädchenschulen führt. Sie sind nicht mehr in erster Linie und nicht mehr ausschlicßlich- Haustochter. Ich iueiß, daß die alte Ueberlieferung manchen gegenüber noch zäh aufrecht erhalten wird-, daß die Familien- aiigehorigen sie gern nach wie vor zur dienenden Haustochter! stempeln, statt ihnen häusliche Dienste zu leisten. Das bedeutet für die einen Konflikte, für die anderen Neberanstrcngung: die schwerste Schädigung der früheren Haustochter- wird jedoch für sie vermieden: die Verzettelung ihrer Zeit und Kraft, ihre llu- fähigkeit zu ernster Arbeit, ihre Wehrlosigkeit im- Daseinskampf. .'Es sind nun nicht alle Mädchen begabt, und es sind nicht alle un- oder wenig bemittelt. -Tie Mädchen ohne ausgesprochene Begabung und die Mädchen ohne wirtschaftlichen Berufszwang bilden daher auch heute noch eine sehr stattliche Kategorie von Haustöchtern. Wir finden sie vor allem in den kleinen und mittleren Städten, wo die modernen Strömungen später- nitb schwächer hindringen, wo die Traditionen, die Vorurteile gegen das Neue stärker haften und die Bildungsgelegenheiten geringer sind. 'Sie Eltern aber entschließen sich schwerer zur Berufsbildung der Tochter, 'wenn damit eine Trennung vom Hause verknüpft ist, wie das in kleinen Städten immer, in mittleren häufig der Fall. Wir haben also in den Provinzen noch sehr viel 'Haustöchter, pud- in den bemittelten Kreisen der Großstädte nicht minder. Für! diese Mädchen ist die Frauenschnle gedacht. Die Frauenschule, wie sic in dem Re form plan der höheren Mädchenschulen für Preußen setzt vorgesehen ist, als Fortsetzung der höheren Mädchenschule gedacht, kann eine gute Sache sein. Wir wissen zwar noch nicht, wie die Ausführung des..Planes sich gestalten wird, immerhin darf die „Haustochter" nun nicht mehr mit 15, 16 Jahren als „fertig" entlassen werden, sondern sie findet die Möglichkeit, in öffentlichen wie privaten Schulen noch zwei Jahre länger zu lernen, und zwar Hauswesen und Kinderpflege, Volkswirtschaft und Bürgerknnde, Rechts- und Gesundheitslehre. Das wird die Haustochter alten Stils ziemlich stark nmmodeln, ihr die überlieferten Scheuklappen nehmen und sie von. vielen Unfähigkeiten und Untüchtigkeiten befreien. Vermiete». * Aus Königin Wilhelmines Jugeiid. 'Die englische Gouvernante der Königin Wilhelmine von .Holland, Miß Winter, die zehn Jahre lang die Erziehung der jungen Prinzessin geleitet hat, erzählt in Girl's Own -Paper ans ihren Erinnerungen und gibt ein lebendiges Bild der ersten Kindheitsjahre und ersten Erziehung der künftigen Herrscherin. Wilhelmine genoß in den ersten fünf Jahren das heiter glückliche Leben eines ungestörten Jugendparadiescs. Sie hatte ein wundervolles Puppenhaus mit der niedlichsten Einrichtung, eine ganze Familie von Pnppcn- knaben und Puppenmädchen in allen Größen und ein Baby mit langen Kleidern, dem sie ihre besondere, mütterliche Sorgfalt zu- wandte. Die Puppen wurden zu Bett gebracht, gewaschen und spazieren geführt und mit all der betulichen Andacht behandelt, die ein kleines Mädchen solchem Spielzeug entgegenbringt. Da sie das einzige Kind war, so sorgte die Königin-Mutter dafür, daß sie häufig Besuch von anderen Kindern erhielt, und so waren denn ein oder zwei Nachmittage jeder Woche den Spielen mit einer ganzen Schar von anderen Kindern gewidmet, die für sie eingeladen wurden. Die kleine Prinzessin war sehr mutwillig und spielte ihrer Erzieherin manchen Schabernack. Da sie wußte, daß die Gouvernante, vor Käfern etwas Angst hatte, steckte sie ihr bei ihren Spaziergängen durch die Wälder von Wildlingen Käfer in die Tasche und wartete mit unterdrückter Erregung, bis sie herans'- krabbeln und von der Ahnungslosen -bemerkt werden würden. Viele Tage wurden ganz sijmi-Freien,verbracht, wo die Kleine mit nnermnd- lichem Vergnügen -aus ihrem Sandhaufen spielte. Im Sticken unterrichtete die Königin-Mutter die Prinzessin selbst. -Wilhelmine wurde viel mit dem Ausschneiden von Bildern beschäftigt, die sie in ein Buch klebte, um bann kranken Kindern eine Freude damit zu machen. Der König erbaute für seine Tochter in der Nähe von Het Loo -ein reizendes Schweizerhäuscheii, das von einer ganzen kleinen Besitzung umgeben war. Dieses Gütchen wurde der Prinzessin zur.selbständigen Berwaltung anvertrant. Fürsten- kind und Gouvernante gaben sich mit Eifer landwirtschaftlichen Arbeiten hin, grüben und säten, pflanzten Kartoffeln und Gemüse. Besonderen Reiz bot eine 'kleine Insel in der Mitte des großen Sees, der zu dem Besitztum gehörte; hierhin wurden Entdeckungsreisen unternommen, hier Streifzüge,. Zigeunerlager und lustige Picknicks veranstaltet. Da -zündete die Prinzessin ein kleines Feuer an und röstete sich ihre Kartoffeln selbst, die. köstlich mündeten. Der König schenkte seiner Tochter vier Shetland-Ponys und zwei Wagen, so daß sie selbst kutschieren konnte und auch mit Vieren fahren lernte. Als der Schulunterricht der Prinzessin begann, beschlossen die Eltern, daß sie zunächst.nach denselben Vorschriften unterrichtet werden sollte, wie sie von der holländischen Regierung für die -Gemeindeschulen vorgeschrieben sind, und -der Rektor einer solchen Haager Gemeindeschule wurde zum Lehrer der Prinzessin bestimmt. Die .Unterrichtsstunden begannen, -als sie 6>ü Jahre alt war. Der Lehrer erzählte ihr zunächst nur Geschichten, di« sie ihm dann zwei Tage später wieder erzählen mußte. Ein sehr wichtiger Punkt in ihrer Erziehung und Vorbereitung für ihren zukünftigen Beruf war auch die Einrichtung, nach der sie der Reihe nach jede der Provinzen besuchte, eine oder zwei in jedem, Jahr, so daß der ganzen holländischen Bevölkerung Gelegenheit geboten wurde, ihre zukünftige Königin zu sehen. Als sie zmü ersten Male inkognito reifte und wegen Verspätung des Zuges lange Zeit auf hem- Bahnhof warten mußte, meinte sie nach zwanzig Minuten des Harrens: „Na, wenn das inkognito reisen ist, dann finde ich es durchaus nicht amüsant." * Abgetru m p s t. Gutsbesitzer: „Tausend Mark beanspruchen Sie jährlich für die Erziehung meiner beiden Söhne? Das ist ja enorm! Dafür kann ich ja ein Paar Ochsen haben!" — Lehrer: „Tie werden Sie auch haben, wenn Ihnen das Honorar zu hoch ist!" - Grifelda-Glofsc. lieber Gerhard H a u v t m a u n s Griselda, die kürzlich ans der Bühne erschien und einen sehr freundlichen Erfolg errang, veröffentlicht 911 i r e b Herr folgende nette Perse im „Tag"; Zwei Stücke deckt ein einziger Name, Die ziemlich scharf gesondert sind. Das eine heißt: Tie Magd als Dame. Tas andre: Eifersucht aufs Kind. Die. beiden Stoffe nimmt der Meister. Des Vaters ivilde Narretei Mit der „gekrönten Magd" verschweißt er — Zn einem Stück? Es sind halt zwei . . ,s So war es keine sehr bequeme Komödie, die er spielen ließ. Allein sie steckt doch voll Probleme — Und voller Leuchten überdies. Aus Wiesenheu und Ackerkrume Quilll heller Schein, wie goldumhegt. In diesem Werk wächst manche Blume, Die keines Andren Scholle tragt . . . Es scheint mir wie die Vorbedingung Zur Abkehr aus dcr bangen Hast. Das erste Wehen der Verjüngung. Der erste Schritt zur alten Krast. Charade. Gar häufig wird jetzt das Erste genannt, Doch ist es noch keinem Menschen bekannt. Das Zweite nennt dir einen Flächenraums Der Dritten Schar ist zu zählen kaum. Nur Einen inmitten des Reigentanzes Erkennst du als unbewegliches Ganzes, llnb hast dii hieraus einen Adler entfernt, So bleibt, was der Tavczierer gelernt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Emma Meile Jllo Lama Elz Aala Ole Lola Aloä; Emile Zola. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.