s 1909 — Nr. 128 Peter Nockler. Die Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holzamer. (Nachdruck verboten.) (stortsetzung.) Nun ging ein Aufruhr durch den Saal. Ein Signal war geblasen tvorden. Alles war -aufgesprungen tvie elektrisiert. . „Dreher!" hieß es. „De Dreher!" riefs überall. Die Burschen rannten blind drauf hinein wie die Stiere. Zum „Dreher" holte sich jeder die Liebste. Der „Dreher" wurde mit dem Schatz getanzt, und Wenns gleich nur der heimliche Schatz war. Alt und jung war auf den Beinen. Seinen „Dreher tnuß her Odenwälder sehen, wenn er ihn nicht mittanzt. Wenigstens sehen muß er ihn. , Die Elise glühte vor Ungeduld. Kam doch einer! Zu ihr kommt jetzt gewiß keiner. Keiner will sie. Weil sie den Peter hat. O den —! Kommt keiner? v Mußte sie denn auch einen Schatz haben! So einen schmachtlappigen! Hütt nicht ein starker, großer, kräftiger besser für sie gepaßt? Natürlich, so einer, mit dem sie hätte stolz sein können! Mit dem sie jetzt hätt den Dreher tanzen können. Aber mit dem Peter —! O, wär er nur — Nein, sie wollte ihn gar nicht mehr. Menn er auch brav war und ordentlich! Mas lag ihr dran! Sie wollte überhaupt keinen Schneider. Sie wollte einen starken, großem, kräftigen Mann, der was aushielt, mit dem man sich iiicht zu schämen brauchte, mit dem sie hält stolz sein können. Daß sie jeder beneidet hält! Uiid mit'dem sie jetzt hatt den Dreher tanzen können. . So gingen ihr die Gedanken beständig im Kreise um den einen Punkt herum. . „, Da kam einer auf sie zu. Nicht rechts, nicht links hatte er gesehen, da er durch den Saal geschritten war. Keinem !war er ausgewichen, alle waren ihm aus dem Wege gegangen. „Der Nehers-Adam!" flüsterte es rings. Und alle .Hälse wurden lang. So schön und stolz wie der war keiner mehr auf der ganzen „Kerwe". Die engen, weißen Hosen trug er in den Stiefeln mit den gelben Stulpen oben, einen langen, dunkeln Rock hatte er an mit Hellen Silberknöpfen, eine Krone drauf. „Der Nehers-Adam!" Und geradenwegs ging er auf die Elise zu. Die fragte wieder nicht lange erst, sie nahm feinen Arm und stand gleich mit ihm in der Reihe. „Maßt de, de Nehers-Adam is emol arig um die Elis tzrumgeschliche, wie se noch deham war," sagte der Vater dem Peter ins Ohr. Die Mutter aber betrachtete leuchtciiden Auges das Paar. Und alle betrachteten es. Schöner wär keines weit und breit zu finden gewesen. „Mer häwwe 's awwer net gelitte," sagte der Vater noch. ; Der Peter nickte. Er begriff nicht ganz. Mer er ahnte es. ■ Es stak etwas dahinter, daß der Adam die Elise zum Dreher geholt hatte, und so franchement daher gekommen war. i Und nun sah er's auch, er sah's mit dem geschärfter^ Auge des Liebhabers, der zu fürchten hat. Er hatte die Augen vom Nehers-Adam gesehen. Er hatte das leise Rot der Elise bis in die Haare steigen sehen. Er begriff, er begriff mehr und mehr — Die 'Trompete schmetterte. Die Paare schritten den! Saal entlang. , , , . . Dann die Hände auf den Schultern — und herum qinq's, cheriim, wie an der Schnur gezogen, so leicht, so flink und so toll! Und ruck — alle waren auseinander. Die Mädchen hielten zierlich den Rock mit der einen Hand, mit der anderen den Burschen, und so tänzelten die Paare den Saal entlang. Trrrä—ä -äm die Trompete — ruck int Kreise, Antlitz gegen Antlitz, die Hände auf den Schultern — immer rascher, immer rascher — „Ich bin von Mitterschhause, Mein Vatter is en Besenbinner, Mer wohne dohinue drauße, Do hinne draus; am Wald! Was geht's dich an, btt Hammelschwauz, Wann ich mit meiner Basel danz, Ich danz mit meiner Bäsel, Was scher ich mich um dich!" Der Peter staunte. Das waren die steifen Tölpel, Puppenköpfe, die Bubengesichter! Daß die so viel Leben in sich hatten und so viel Gewandtheit in den Gliedern! Er inußte es ihnen Anerkennen, so sehr er sich dagegen sträubte. Er iu u ß t e! , , Dann beobachtete er die Elise, tote sie ganz dem Tanz hiiigegeben war, ganz dem Nehers-Adam. Er zitterte, er glühte. „Was geht's dich an, du Hammelschtoanz, Wann ich mit meiner Bäsel danz, Ich danz mit meiner Basel, Was scher ich mich um dich!" Ein Ruck, —- bet Tanz war aus. Dem Peter saß etwas int Herzen, das brannte und stach Er sah die Augen der Elise, die Augen des Burschen. Er konnte es nicht los werden, er sah sie ganz still, ganz eins, ganz selig ineinander ruhen. Uiid das brannte und brannte und stach und zerrte in ihm. Und machte ihn ganz schwach und elend. Als ob er vergehen 'müsse, hinsinken müsse. So zehrte es an ihm. Als ob jetzt alles Leid der Welt auf ihm ruhe, eine schwere,- schwere Last. „ ■ Die Elise kehrte nicht zurück mit dem Nehers-Adam. 510 -- X, Einiges über die RevsiuLisn vom Jahr (830 in GbecheMn. (Bei unserem Preisausschreiben mit deut 2. Preis aus» gezeichnet.) - Nachdruck verboten. Jin Jahre 1830 kam es in Hessen, insbesondere im Oden- tofllb- und in -Oberhessen, zu tumultuarischen Auftritten, obwohl ein besonderes politisches Ereignis nicht vorlag, was dazu hätte Veranlassung geben Wunen. In Oberhessen sind hauptsächlich die damaligen Landgerichtsbezirke Friedberg, Nidda, Büdingen, Schotten und Ortenberg von dieser Revolution betroffen worden. Wenn man nach der Ursache derselben forscht, so kommt man zu den: Ergebnis, daß sie einmal in der Nachwirkung der damaligen Revolution in anderen Ländern (z. B. Frankreich, Hessen-Kassel) zu suchen ist, dann aber auch, daß die Unruhen in der allgemeinen Unzufriedenheit der Bevölkerung ihren Grund Hütten. So war das Volk, wie ich aus alten Aufzeichnungen feststellen rannte, ungünstig gestimmt wegen der Einführung des: Stempelpastiers, das damals, nicht lange vorher (anstelle oks heutrgen Urkundenstempels Und der Gerichtsgebühr) eine geführt worden war; ferner wär es erbittert über di'e Nun kam noch die Ungeduld dazu für den arnren Peter. Wnz zappelig! ward er. Er kaute am Daumennagel, er trommelte mit den Fingern, er nahm einen Schluck Weist, stellte sein Glas hin, nahm's gleich wieder und trank noch einen Schluck. Mer es war ihm, als kaue er Zunder. Puh, so ekelhaft war alles, so Häßlich, so infam und falsch und heinrtückisch. Es war ihm, als hänge ihm etwas an, ein Schmutz, eine Spinne. Wfchütteln wollte er's. Und so ängstlich ward ihm, als lauere etwas auf ihn, ein Unhold, ein Ihm tier. Als stehe ihm etwas Schweres bevor, dem er nicht entrinnen könne, das ihn packen würde und vernichten, ihn, alle seine Freudigkeit und Hoffnung, all fein Vertrauen und seinen guten Mut. Er hatte so schön vorgedacht, so schön hatte er das Leben gestalten wollen. Nun war's vorbei. Da ward er traurig. Als liefen ihm rote, kalte Tränen hinter der Stirn und rieselten und schmerzten so furchtbar. I Er stützte den Kost-f auf. Eine Wut kam ihm. Eine Wut über die Elise. Wegwerfen wollte er sie, hinwerfen. Da habt ihr sie, die Falsche, die Lügnerin! Diese Dirne, die sich jedem in die Arme schmeißt. Die ihn nur genarrt hüt all die Jähste, unr sich nun den andern im Tanz zu nehmen. Und um einen Tanz. Die Wut kochte in ihm. Schlagen hätte er sie mögen. Dann ward's einen Moment still in ihm. Wer die Wut kochte wieder herauf. Er schluckte schwer. Er war ganz trocken im Munde. Sie schlagen, mit Füßen treten, daß sie vor ihm liegen müßte, ihn anflehen, ihn um Erbarmen anflehen. Er würde aber kein Erbarmen haben. Nicht das kleinste Fühlen für sie. Zertrümmern würde er sie, bis das Blut liefe. Wie Vorstellung machte ihn schaudern. Er erschrak. Er besann sich. Er schämte sich vor sich selbst. Was hatte sie denn getan? Den „Dreher" getanzt, wie die anderen Mädchen auch. Was wollte er deshalb: von ihr? Er war ein Narr! Wer er konnte sich nicht helfen, er konnte nicht dagegen. Stärker nur kochte die Wut in ihm auf. Nein, er wollte sie nicht mehr, die Falsche. Sie mochte hingehen. Sie hatte ihn nur daher geführt, um ihn lächerlich zu machen vor diesen Tölpeln. Er bedachte nicht, daß gerade er zu dem Besuch gedrängt hatte. Sie hatte ihn nur blamieren wollen, recht blamieren und sitzen lassen. Die Elise kam nicht zurück. Sie saß bei dem Nehers- Wdani. ! Ja, so einen brauchte sie, der war der Rechte für sie, der griff gleich zu. Er, der Peter, war ja viel zu gut und sanft und zurückhaltend für sie gewesen. Nun war er unfähig, noch weiter zu denken. Da begann ein neuer Tanz. Und richtig, die Elise kam mit dem Nehers-Adam. Sie nickte ihm frech herüber. Pfui, wie frech war sie. Und wie tanzte sie wieder! So hatte er sie nie gesehen. Sie tanzte ja nicht mehr, sie tobte. Ganz vernarrt war sie, ausgelassen, ganz aus Rand und Band. Also so war sie! Ja, ja, so war sie. Vergnügen und Vergnügen, und den nehmen, der ihr dazu am besten dienen kann. Wenn er nur einmal schreien könnte! Er würde gepiß keine Stimme haben. Er war ausgetrocknet wie ein Holz. Er lvürde einen Skandal machen. Koste es, was es wolle ! Er wollte fordern, was ihm gehörte. ' Freilich, der Kerl würde ihn auslachen. Er >oar ja wie ein Bär, wie ein Baum! Was konnte er gegen den ausrichten? Er würde den Kürzeren ziehen. Und die anderen Burschen, die würden sich erst freuen. Sie würden ihn auslachen. Er hörte schon ihr Gebrüll, und er mußte sich an die Ohren halten. Ach, sie Ivar ja das all gar nicht wert! Nein, aber sagen wollt er's ihr, und wie! Und wenn's gleich, zum Bruch käme. Was hatte er ihr getan! Geopfert hatte er für sie seine ganze Fremde! Ihr zuliebe! Und das war der Dank! Sie hing sich an den anderen. Menn er nur fort könnte! Ins Wasser möcht er am liebsten. Alles war ihm verleidet, das ganze Leben! Was wollte er noch, was sollte er noch? Es hatte alles keinen Wert mehr, all sein Tun und Sorgen, 's war alles für nichts. Alles für nichts ! ' Dann Mach wieder so etwas wie Hoffnung in ihm. Ganz hermlich erst, dann lauter. Und immer stand's hinter dem, was er dachte und sich vorsagte. Das quälte doppelt es machte so weh und ungewiß. ' Als der Tanz aus war, drängten die Alten zum Aufbruch, Es sei Zeit zum Nachtessen. Wenigstens „Mm Richten", sagte die Mutter. Der Peter könne ja noch da bleiben. Er könne sich zur Elis' setzen auf die Wiese. Da wär's gewiß lustig, wo der Nehers-Adam wär. Wer der Peter wollte ja fort. Der Vater ging hinaus, wo der Nehers-Adam seinen Tisch hatte. Er wollte die Elise holen. „Ho, ho!" lachte die, es sei noch viel zu früh, sjq gehe noch nicht mit. Der Peter könnt sie ja später abholen,- wenn er absolut heim wolle. Sie bleibe noch da. Es sei nur -einmal „Kstrwe" im Jahr, und da wolle sie tanzen. Essen könnt sie jeden Tag, Sie ging nicht mit. Der Peter ging allein mit den Eltern, ganz zerschlagen/ knirschend. Das sei doch, keine Art, sagte er den Eltern. Diesen war's ja auch nicht recht. Wer sie fanden es eher erklärlich-. Der Peter aß nichts. Er sann nur vor sich hin. Wenn er nur fort könnte! Es war Weird geworden. Es hielt ihn nicht länger/ er ging vom Tisch weg dem Wirtshaus« zu. Ja, er solle sie holen, hatte der Vater gesagt. Er wolle ihr auch den „Beusel" gehörig stecken. Gänz mutlos ging der Peter. Die Elise mußte ihn ganz vergessen haben. Das mußte der Wein bewirkt haben und die Hitze und der Tanz und — der Nehers-Adam. Wie nur so etwas möglich war! Wie man nur so auf einmal ganz anders sein konnte! Sich selbst vergessen konnte, sich nicht mehr verstehen konnte! Es war ja furchtbar! Sic? war doch ein anständiges Mädchen. So hätte sie doch nicht über alle Gstenzen schlagen dürfen. Ein jeder Mensch macht ja einmal einen Fehler, jeder tollt einmal gern. Wer da muß man hoch wieder Vernunft annehmen und an sein« Pflicht denken. Es war ja unverzeihlich. Es lqar unbegreiflich. Was es nur war, das die Elise,auf einmal so gänzlich verändert hatte! Immer mehr sank dem Peter der Mut. Was würde er ausrichten? Sie tat ja, was sie wollte. Sie hatte schon immer ihren Kopf gehabt. Der Peter ging um das Wirtshaus herum. Er ging erst oben hin, wo er in den Saal sehen konnte. Sie war nicht da, sie tanzte eben nicht. Er ging nach der andern Seite, wo er in die Wirtsstube sehen konnte. Sie saß auch da nicht. Er ging durch den Gang. Nun war's ihm, als gehe er auf heißen Kohlen. Er zitterte. Er mußte einen Augenblick stehen bleiben und ausatmen. Er sah sie nicht. Er ging noch ein paar Schritte vor und stellte sich in die Tür. Vielleicht hatte er vorhin nicht genau aese-hen,- vielleicht tanzte sie doch. Er blickte eine Weite scharf hin) bis jedes War an ihm vorüber getanzt war. (Fortsetzung folgt.) 511 — H?/?delssperre, die damals in den deutschen Staaten geaen- sertig bestand und werter klagte man über zu strenge Kon- trollmaßregelu, dre bei Einziehung der indirekten Steuern angkwendet wurden. Es kanr hinzu, daß die Erwerbsver- haltmsse schlechte waren, und daß sich der Bauernstand dura) dre Landesherren gedrückt und in seinen Rechteck ae- ^malert glaubte. Dies alles rief Unzufriedenheit in der Bevölkerung hervor und trug wesentlich zu dem Aufstande 6ei' der im September 1830 zum Ausbruch kam. Er kam ganz Plötzlich, ohne daß er durch Pläne usw. vorbereitet tvar und ging aus von vermögenslosen Leuten, die nichts zu verlreren hatten, und denen vieles andere Volk folgte. Erne genauere Beschreibung der Revolution will ich hier nur von dem damaligen Landgerichtsbezirk Ortenberq geben, und zwar auf Grund von alten Auszeichnungen und Mitteilungen älterer Leute. . , ~ie Heimsuchung des Ortenberger Bezirks von der Re- dol.ution bestand hauptsächlich in einem Streifzuge von Rebellen am 29. und 30. September, der sich in Asenburg- Budingiichen Orten (Sa-nmelort bei Düdelsheim) gebildet hatte und von Büdingen, ivo schon einige Tage vorher, tnsbes. am 19. September, Unruhen herrschten, nach Orten- berg führte. In Ortenberg.wurde am Wend des 29. Sep- lssaber das Landgerichtsgebaude verwüstet und dann setzte M .b.er Zug, teilweise über Eckartsborn, Lißberg, Schwickartshausen und Fauerbach, teilweise über Boben- hausen und Wallernhausen und teilweise über Stockheim, Wauberg u,w. nach Nidda fort. Am Morgen des SO Sep- ^u/ber kamen Rebellen-Aotten von Rinderbügen, Michelnau und Bindsachsen nach Gelnhaar; von dort aus zogen sie nach Weninas, Rieder-, Mittel- und Ober-Seemen und dann nach Gedern. Gleichzeitig bildete sich ein Weiterer Zug von Gelnhaar ausgehend, über Usenborn, Hirzenhain, Stein- uerg nach Gedern. Bon dort aus zogen die vereinigten Re- bellen über Kaulstoß, Eichelsachsen nach Schotten. Die Re- beilen waren ausgerüstet mit Gewehren, Säbeln, Heugabeln, Knüppeln, Sensen usw., in allen Orten, wohin sie Lamen, begingen sie Verbrechen aller Art, sie schrien „Freiheit und Weichheit", sangen, trommelten, fast überall verbrannten sie die Akten der Bürgermeister und sonstiger .Beamten, begingen_ Diebstähle und zwangen die Ortsein- wohner, daß ,re mit ihnen zogen. Manche schlossen sich frei* iWltff dem Zuge an, andere gingen nur aus Zwang mit. ° Urteil des Bezirks Ortenberg wurden 8— Effolderbach, Bergheim und Bolkartshain — von den Streifzugen nicht berührt. Ich lasse nun Einzelheiten folgen, aus denen ersichtlich ist, wie die Rebellen in deck ver- sctziedenen Orten gehaust haben: 1. in Bleichend ach: Am Vormittage des 29. September erschienen Einwohner von benachbarten Asen- burgischen Orten und verlangten, es solle gestürmt werden, Je - Gemeinde solle mit zu dem Versammlungsorte bei Düdelsheim ziehen. Da diesem Ansinnen nicht entsprochen wurde, verließen die Fremden den Ort unter Drohungen. Gegen Abend kam der ganze Rebellenzug von Büdingen aus nach Bleuheubach. „Freiheit und Gleichheit" war die Losung, es wurde gestürmt und den versammelten Einwohnern angekundigt, daß sie mitziehen müßten, sonst wurden ihnen die Höfreiten angesteckt. Nach den Dienst- papieren des Bürgermeisters wurde gesucht, und die Straf- xegister des Flur- und Forstschützen verbrannt, desql. auch die Papiere eines früheren Schultheißen. . in Selters: Am Wend des 29. September kam Ker Rebellenzug hierher, welcher! von Büdingen nach Ortenberg sturncke. Es würde Sturm geläutet, die Papiere des Bürgermeisters, Ortseinnehmers und ChausseegelderWbers verbrannt; dem >Ortseinnehmer wurde seine Kliffe geraubt, bedroht, so daß er, als kurz danach mne Stoeue Kolonne mit drohendem Geschrei nach seiner. -rU1r^ brmüg, es vorzog, aus einem Hinteren, zwei Stock- H Hiuauszuspringen. Die ganze Gemeinde samt dem Geistlichen wurde genötigt, mitzuziehen. _ O rtenb e r g: Bei Ankunft der Rotte mußten ^he Wirte und Kramer Brot, Branntwein und Tabak unentgeltlich hergeben. .Hierauf wurde der Ortseinnehmer TO Seuotigt, seine Dienstpapiere auszuliefern und unter Drohung mit einem „bespannten" Gewehre aufaefordert das herrschaftliche Geld herauszugeben. Dann wurden dem Pfarrer K., in dessen Haus man Stempelpapier vermutete, I b'e Fenster eingefchlagen und gleichzeitig ward die Vermietung des Laudgerichtslokals begonnen, wovon der Wbel | vj)e.r ^bließ, als bis von dem Gebäude und allem bramck blieb "am weiter unzertrümmert und unver- blieb als das Dach- und Fachwerk des Hauses: Unterdessen wurden mehrere Privatwohnunaen, nament- rickckers W., des pensionierten Land- H hpa S' beä r ?tuars H, des pensionierten Aktuars U., des Steuererhebers B. und des Stadtrechners R. an- und an denselben die Fenster teilweise eingeschlagen. geschahen jedoch immer nur von 15—20 Ä bayer zum Teil abgewehrt werden. Das Landgerichtsgesangnis wurde erbrochen und ein Gefangener m Freiheit gesetzt. Hierauf wurden alle Einwohner zn- !^'Engerusen und ckiit Ansteckung der Stadt bedroht, wenn sie sich nicht dem Zuge anfchlöfsen und nachdem die meisten Einwohner niitgezogen waren, entfernte sich endlich dis Rotte, um den schon zu Büdingen beschlossenen Zug nach Während dieser Vorgänge wurden mit ^rrzen Unterbrechungen die Sturmglocken gezogen, die Trommeln gerührt und mit dem Rufe „Freiheit und Gleich- hert Vermischte sich, wahrend die Flammen zum Himmel emporloderten, das Zubelgeschret der tobenden Menge, die m der Verwüstung des Landgerichtslokals und der Re- gistratur em Siegesfest zu feiern schien. Der Lärni war derart, daß er bis aus Hof Louisenlust — li/3 Stunde von s r 'eor^rg entfernt — gehört wurde. Durch, das Brennen r61' dUten und Mooel bei dem Landgerichtsgebäube war davselbe in Feuersgefahr und es mußte die ganze Nacht hindurch gelöscht werden. 1 Von einem Friedr. H. aus O., der sich ast dem Tumult hervorragend beteiligt haben muß, besagt ein Schriftstück: „Fr. H. ist den Rebellen eine Strecke wegsweit entgegen! gegangen, hat fte hierauf in die Wohnung des Ortsein- nehmers M. geführt, daselbst zu Exzessen angereizt und sich rann auf das Landgericht begeben. Hier war von einigen fremden Haupträdelsführern bereits die Auslieferung des Stempels der Feldrügen, der Darmstädter Berordnungeck und der Stempelkasse gefordert und es waren diese Gegenstände too» dem Landgerichtsdiener R. bereits ausgelieseri worden, die Rebellen hatten dagegen versprochen, alles andere schonen zu wollen und die Gerichtsstube bereits verlassen;, es war diese sofort wieder verschlossen und der Rückzug aus dem Hause begonnen worden, wobei man nur noch nach der auf einem Stalle befindlichen alten Re- gistratur fragte, welche den Rebellen nunmehr gezeigt werden Während dieses im Haus vorgegangen war, hatte sich vor diesem eine unübersehbare tobende Menge angesammelt und die hächsteSpannung war eingetreten. Ehe noch dis oben erwähnten fremden Hauptführer zu der Menge zurückkamen, gerade als sie mit dem Stempel und den Feldrügen die Treppe hinabgingen, hat Fr. H. ein Fenster von außen her eingefchlagen und hierdurch das Zeichen zum Angriff! auf das Haus gegeben. Alsbald ist die wütende Menge in alle Teile des Gebäudes gedrungen und hat mit unbeschreiblicher Wut große Verheerungen angerichtet. Fr. H. hat hierauf persönlich in dem Wohnzimmer des Landrichters Hausgeräte zerschlagen und nachher dreimal die Rebellen in die Wohnung des Steuereinnehmers B. gefüllt, auch einen der Ortestberger, ivelche hier abwehrten, mittels einer Laterne und eines Schreinermessers auf dem Kopf „blut- rissig" geschlagen, worauf er selbst mißhandelt und nach Haus gebracht worden ist." Ein Josef Sp. aus Lindheim soll die Landgerichts- Assessoren W. und S. und den Landgerichtsdiener K. mit dem Tode bedroht haben, ferner soll er es gewesen sein, der den Landgerichtsdiener R., den man für den Landgerichtsdiener K. versehen hatte, zum Fenster hinaus ins Feuer stürzen wollte. Als die Menge den Irrtum gewahrte, schrie sie laut „den tut, es ist der falsche!" Ein Georg N. aus Bleichenbach hat, nachdem schon alles andere im Landgerichts-Gebäude zerstört war, noch ein Nachtgeschirr des Landrichters zerschlagen. Gewiß, ein grenzenloser Uebermut! (Schluß folgt) Schweizerdeutsch. A. Loosli-Bümvliz schreibt in den „Südd. Monatsheften", Reiche draußen," wie man in der Schweiz etwa sagt, wckchert ent unausrottbarer Aberglaube; der Glaube an einet sonderbare Mundart, das „Schweizerdeutsch". Die Reichsdeutscheck stellen sich darunter .einen, allen DeutsMAveizern eigenen nM 512 bung sagettz daß. Mer MM- M Reden eÄsach durch einen Do metscher übertragen. Da er besondere Sprache hat. Es gibt ^chk viel Besseres als Phrasen hervor- £h. davon mögen einige Proben brachte, fiel er den Nlachthabern des- „Bergs auf die Nerven. : Oberaargauer als „minger" und dem .lntziu". Lützelflüh heißt kleine Fluh. V Vvv v 11L l L vlllv t/lvliv lyinvn * ___ — • — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lcken Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange. Gießen« Redaktion: I V.: E. Heß. auf dem Boden der republikanischen Freiheitskämpfe, entdeckte er alsbald seine antimonarchische Gesinnung. Er machte kern Hehl aus ihr, sondern verlieh ihr rn einem fürchterlichen Pamphlet gegen das Königtum Ausdruck. Trotzdem nahm ihn, als er von Washington in diplomatischer Mission nach Paris geschM wurde, ~ . ^-.r-r-r-r e nw’y. ...L Kto ftTvx'n1 nSnrtTm nA11 fta* , Wo sind die warme Herbsttäg, wo? Und wo isch d'Snitne-n-ane? I gseh si mtmme sälte no Schreeg iber der Altane. D'Baim sind bald wieder rattekahl Und d'Mäß. isch wieder umme. Und i de Stube-n-iberal Hersch d'Eese zieh und summe." (Baseler Dialekt; „Novembervärsli" aus der Gedichtjamm- lang von Dominik Müller.) Aber nicht allein von Kanton zu Kanton erleiden die Mundarten mannigfache Verwandlungen, sondern es , finden sich ur einem und demselben Santon grundverschiedene Dialekte vor ^m Kanton Bern allein sind nicht weniger als vier Hanptdmlekt- Wmme die sich scharf voneinander unterscheiden: nämlich die Gruben der Oberländer-, der Emmentaler-, der Gugglsberger- Aber^dabe^bleibt"es^ nicht. Jeder einzelne Dialekt hat sich wiederum ganz unglaublich lokalisiert, so daß! es dem Kundigen Nicht nur Möglich ist, sofort festzustellen, welch em Kantonsburger Mit ihm spricht, sondern er wird ihm gelegentlich auch seme engere föeintcitz ict feine (^enteiitbe eifert tönnen. , v- (Sio nennt man bie Kirsche in LntzeWüh, bem Dorf, bas bnrch Gotthelf berühmt wurde: „Chriesi" und ."i^Hasle, eme halbe (Phfnbe weiter unten im Emmental: „Chirschi . Was der Stadtberner ein „Wasserstrühli" nennt, das bezeichnet der Unteremmentaler mit Dübelt". Der Heuhaufen, der für die Nacht wahrend der Heuernte .aufgeworfen wird, um das Futter vor Tau und sftpnpH ru scüüiEn, heiftt im bevntfchea (Seelättbe ,,^ottlig , tm Emmental „Schoche" und an einzelnen Orten des bernischen Oberaargaues „Trischte". „Trischte" wiederum bedeutet tm bernischen Mittelland und Emmental den hochgetürmten Heuhaufen, an dem das Heu im Freien überwintert wird. Was für ben ^Ctabt- beruer „utito" ist, das gilt dem Emmentaler als „sunbu , dem Brienzer (Berner-Oberland) als „simbel . (Simbeli Pfaistor- schybe = Butzenscheibe. — Simbele --- kurz gebundenes Stroh.) Was die Seeländer im figürlichen Sume gelegentlich mit „chlyn , der Mittelländer mit ,,'griug" bezeichnet, das gilt dem Oberländer als „minder", dem Oberaargauer als „minger 1,nS h n Emmentaler sogar als „! . .. . brneilte, ttei er £>en wcaa^ijuucLiL ~ Marat stellte ihm eine Falle, indem er bet der Abstimmung aber das Schicksal Ludwigs XVI. öffentlich behauptete, Paine dürfe unmöglich für „Tod" stimmen, da er als Quaker ja die Todesstrafe zu bekämpfen habe. Wirklich ging Paine in die Falle, wagte, um nicht inkonsequent zu erscheinen, nicht für .ujb, fonbernl nur für lebenslängliche Verbannung zu stimmen, worauf Macat 8 Man fest gegen ihn erließ des Inhalts daß die Franzostst verrückt seien wenn sie noch länger derartige Leute unter sich dulbtten, denen man eigentlich „erst die Ohren dann den Kop abschneiden müßte". Als auch dies den standhaften Politiker nicht zu vertreiben vermochte, erhob Robespierre gegen ihn vfstnt- liche Anklage wegen Verrat: es wurde dann behauptet, Paine stehe int Dienste auswärtiger Staaten, vor allem Englands, und ihr Resultat war die Gefangensetzimg Pames, aus der thu erst der Sturz Robespierre und eine Intervention Monroes befreite. Schließlich zog er sich wieder nach Amerika zurück, verfaßte dort eine Menge Schriften allen möglichen Inhalts und starb zu New-Rochelle int Sommer 1809. Wenn ihm jetzt ein Monument errsthtet wird und Festreden zu seinen Ehren gehalten werden, so wird das zwar keine Rehabilitation, keine Aufnahme unter die Unsterblichen für ihn bedeuten, wohl aber ein Zeichen dafür seüi, daß die Tenkmalswut „drüben" mindestens tm gleichen Grade grassiert wie „herüben". vermachtes. * Quaker und Revolutionsheld. Zugleich Mit Schiller, Pestalozzi, Klopstock und Washington erhielt 1792 den Ehrentitel „französischer Bürger" auch em engllsch-Eerikamiche Quäker, dessen 100 jährigen Todestag die Stadt Philadelphia tu diesen Wochen durch Errichtung eines Denkmals feiert. Juefer Merkwürdige Mann hieß Thomas Paine, m populärer lb- kürzung — er war in ganz Europa und Amerika wohlbekannt „Tom" Paine, und war in der Grafschaft Norfolk 173/ ato Sohn eines Korsetteumckchers geboren. Er trieb sich erst lauge Jahre in Berufen niederster Art umher und wurde bann, da es ihm in keinem recht glücken wollte, Freidenker und Quaker, bt^ ihm schließlich das Glück zu winken schien und er durch das Bekanntwerben mit Franklin ttitb Washington in höheren Schichten auftauchen und allmählich in der Politik eine Rolle spielen konnte. * re; rt lieber" Schwiegersohn. „Ihr Hund hat S. W -MM-I. g- M denn der Rechnungsrat Wamperl täglich.eurenVaudkoffer nut in§ Bureau?" — „Ta hat er fein Gabelfrühstück Drin. * Ab geblitzt. Mann: „Ich war recht dumm, daß d heiratete'" — Frau: „Tas wärest Tn auch gewesen, wemt Du eins sagte denn die Dame, als Sie ihr sagten, ich sei nicht zu Hauie.. — Dienstmädchen: „Gott sei Tank!" , * Im Weinrestaurant. Kellner: „Bei un-ist heute Taufe!" — Gast: „Bitte, erklären Sie sich dentlichet, L.em ober Kindtaiife?" Altägyptische Hieroglyphe». (Fedes Bild bezeichnet Den Anfangsbuchstaben seines Namens, z. • " Sonne = s, Glas = g, -e. Tie Bokale smd 5u ergänzen.) einheitlichem Dialekt oberdeutscher ^bftrvÄu» ^Lkt^weniAtens Ä’tSßÄ &SÄÄtÄl vem OLL y,vvvvxj v I zmauniLULUU LU -'W1177 ----v, I- •; - ■ ~ V ' v c Lir erkennen vermag. v/y . I Pirhrnia XVI lmMck auf. Als aber dre Revolutwn losvrach, bantte -Eine Mundart „Schweizerdeutsch , wie sie sich Umeimtzch ß ^/j,nrch'einenoch wildere Schmähschrift, die Menschenrechte" ist den Köpfen der Außenstehenden.spiegelt gibt L £etitelt war, und solche Beschimpfungen enthielt, daß. die eng- Haupt nicht. Was der. Schweizer elbst unter: „SchweizerDeutim Regierung eine Untersuchung gegen den Autor veranstattets versteht, ist nämlich eine nicht allen Cidgenossen «MNtumtiw.e einige Zeit später seine Elaborate öffentlich verbrennen ließ. Mundart, sondern es gilt ihm als Samme begE für atte.toe peinige «^jp^ vollständig gleichgültig; feiste Pamphet- verschiedenen Dialekte, deren sich iww Deutfchs -. 5 Basel, ! hatten ihn ungeheuer populär gemacht, und die begmstendenl je nachdem -er im Emmental, »m Berner Oberland, I Revolutionskämpfe ihn die Kräfte entdecken lassen, die ihn hoher Zürich, Solothurn oder St. Gallen geboren wurde m konnten. Er würde wirklich gleichzeitig von vier Teparte- Diese Mundarten sind unter sich oft Ir?Fber,chied^ Ich 0 Nationalverjammlung gewalstt Diese erlebte dabei stebe nicht zu weit, wenn ich behaupte, daß der GruwWvaumer Schauspiel, daß in ihrer Mitte ein Abgeordneter Dialekt sich von dem des Unter-Emmentals MM mindesten ebenso das fprgch noch verstand; jedoch genierte Unterscheidet, wie die holländische von der slamischur sprach I er.1 1 u f ig Quäker selbst am wenigsten; er ließ Und Man kann ohne UebertreibE ^agem^daß. jeder deutsch^ | diese feine Uni , t __ Da schweizerische Kanton seine ganz I -ÄS? ® Bbonetik jedes einzelnen Dialektes den Zitaten beizugeben. ■ Wähved se füftbet und bratet und Chüecheli bached, se wend mir Estchwind zum Fischer Ivos; der cham is am brste-n-erz-elle,: Was er gsündiget heb, das men im Pfarrhaus leis Fischli ^Züächer TMekt? aus iDer Vikari" von I. M. Usteri.) Auslosung in nächster Nummer. Auflösung bet Königsprouienade in voriger Nummer: Das Gebet ist bie stärkende Arznei Für den hilflosen Kranken; Es hebt ihn, als ob er geflügelt sei, lieber bie Welt mit seinen letzten Gedanken. Kruminacher.