Bi’iH WWWD Wsaau» »m«i» t ii., Auf Liebespfaden. Roman von H. Ehrhardt. 'Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) In seiner Wohnung angelangt, schickte er das Mädchen nach einem Wagen. Mit der Meldung seines Vorfahrens zugleich brachte sie zwei Briefe mit. Er öffnete sie, wie sic ihm gereicht wurden, der oberste Dar von seiner Schwester, am gestrigen Vormittag geschrieben. „Mensdorf ist nun verkauft, au wen! wissen wir noch nicht. Mutter bekam einen Herzkrampf, als Onkel, es depeschierte, sie soll nach Nauheim, sagt der Sanitätsrat, aber ich glaube nicht, daß Onkel wird das Geld geben können. Vater kann cs nicht, er ist in arger Geldnot, so tvie noch nie, sagt er. Hoffentlich gewinnt er was." Tie schlanke Gestalt des Mannes durchlief ein Schwankeu, so daß, er sich, die Zähne zusammenbeißend, auf die Tischplatte stützen mußte. Auch das noch! Tie Mutter war seit langem schon nicht recht wohl, er hatte nie gedacht, daß es etwas Ernstliches sein könnte. Freilich, der Verkauf von Mettsdorf, der brach ihr fast das kranke Herz. Er blickte unwillkürlich auf den zweiten Brief. Tie Handschrift des Onkels. Er riß ihn so hastig auf, daß der Bogen mit. entzwei ging, er mwßte die beiden Stücke zusammenhalten. „Eine freudige Mitteilung, Mensdorf zwar verkauft, aber Wenigstens darf ich bis an mein Lebensende da wohnen bleiben, eine Dame — Frau von Rieding — Tie Buchstaben tanzten vor Hassingens Augen, er deckte die Hand über die brennenden Lider. Lena von Rieding hatte Mensdorf gekauft, keine Fremde würde auf dem lieben, alten Besitz wohnen, sondern die reizende Frau, die plötzlich in all ihrer Schölcheit und Anmut, vom Glanz des Reichtums umflossen, lockend als gütige Fee vor denk Mutlosen, Niedergedrückten stand und ihm und den Seinen die rettende.Hand bot. Ein überwältigendes Glücksgefühl, eine leidenschaftliche Dankbarkeit wallten in ihm auf und mischten sich, mit der Sorge imt die kranke Mutter und der Last der Geldnot zu einem Gänzen, in dem für Minuten die ganze Welt um ihn versank, „Herr Leutnant!" Tie schüchterne Stimme des Dienstmädchens klang etwas Ängstlich von der Tür her. „Der Kutscher sagt, mm sei es doch sckwn zu spät zum Kölner Schnellzuge, ob der Herr Leutnant denn etwa mit dein nach Halle weg wollten?" Hans Hassingeu war cmporgeschreckt und strich sich wie erwachend über die Augen. Tie Fahrt nach Köln, das Zusammentreffen mit Helene' — er hatte cs vergessen. Einen Moment durchrann cs ihn tvie lähmendes Entsetzen. Tann gab er sich einen Ruck. Seine Stimme klang heiser, aber ruhig: „Ich werde über Halle fahren, sagen Sie dem Kutscher, ich käme sofort." XIV. Zu derselben Stunde stand Helene Falk in einem düsteren, \ auf einen schmutzigen Fabrikhof hinaussehenden Zimmer am Plättbrett und führte das heiße Eisen sorgsam und etwas ängstlich über den dünnen Battist ihres weißen Kleides. Sie hatte es selbst am Tage vorher gewaschen, weil die Mutter nur unter dieser Bedingung ihre Erlaubnis zum Anziehen des- selben gegeben hatte. Es war ja doch auch Unsinn. Wenn ihre Töchter Ende April schon weiße Kleider tragen wollten, nähme das Waschen und Plätten das ganze Jahr hindurch kein Eiche. Lina, das Faktotum des Hauses, maulte schon genug über die viele Wäsche. Sic sah scheel zu de» Plättversuchen des jungen Mädchens, das sonst so wenig verstand', tüchtig mit im Haushalt anzugreifen und ließ es nebenan in der Küche nicht an anzüglichen Bemerkungen gegenüber der Hausfrau fehlen. Frau Falk steckte nach einer Weile den schon stark grau Melierten Kopf durch die geöffnete Küchentür. „Bist dü noch nicht fertig, Helene? Das dauert aber lange!" sagte sie, mit den unruhigen Augen dec abgehetzten Hausfrau, die immer auf der ängstlichen Suche nach -Spinnweben und Staub sind, das ganze Zimmer Musternd, in dem all jene Arbeiten gemacht wurden, die geeignet waren, Unordnung in eine Wohnung zu bringen. ~ Auf dein, einen Fenster zeigte eine Nähmaschine Spuren schneiderischer Tätigkeit, die im Moment den Inhalt eines großen Flickkorbes vor zu haben schien, neben dem großen Mitteltisch stand ebenfalls ein Korb voll Wäsche. Auf diesen wies Frau Falk jetzt hin. „Sobald bu fertig bist, mußt du Mit Aenne Wäsche legen!, Lina ivird sie gleich nach Tisch rollen mtb noch nachmittags plätten, wir Müssen allein das Geschirr anstvaschcn, dabei mußt du noch helfen, cs nutzt dir nichts." Helene zog ein klägliches Gesicht. „Aber Maina, ich soll doch um 4 Uhr in Schwelm sein," „Bis dahin ist noch lauge Zeit, mein Kind, erst die Arbeit, dann das Vergnügen." Vom Herde her klang ein verdächtiges Zischen, und Frau Falk zog sich schleunigst in ihr Küchenrevicr zurück. Dafür trat durch die Tür voni Flur aus ein junges Mädchen, eine kleine, rundliche Gestalt,, mit einem unschönen, aber frischen Gesicht unter glanzlosem, brauneni Haar. Ihre gutmütigen, blauen Augen richteten sich sofort ans das glühende Gesicht der -eifrig plättenden Schwester. „Nun, Lenikind, welcher Weizen ist dir denn verhagelt?" Sic trat näher mtb faßte die Schlankere und Größere nm die seine Taille. „Ich denke, heut haben wir doch nur Grund znrn Lachen." lieber Helenens liebliche Züge breitete sich eilt seliges Leuchten. Sie nickte. „Du hast recht, Aenne, heut darf ich mir gar nicht die Stnmunng verderben lassen. Heut bin ich ja so glücklich, als ob es direkt in den Himmel gehen sollte. Mer weißt du," sie dämpfte die Stimme noch mehr wie vorher schon, „Hans ist 174 so eigen, und vorn Aufwaschen, Ivie Mutter mir eben für nach Tisch anklindigte, werden meine Heinde doch nickt schöner. Sich mal, ich hab' schon vom Platten ganz gelbe Schwielen dran!" Sic stellte das Eisen beiseite und blickte bekümmert auf ihre kleinen, vollen Hände, die allerdings nicht mehr so glatt und weich waren wie in der Harzer Pensiimszcit. „Glaub' doch nicht, daß dein Haus w etwas beachten wird, wenn er dich nach acht Monaten znnr erstenmal wiedsersieht!" tröstete Aenne Falk. „Du bist ja sonst so viel hübscher geworden." „Ach, Aenne, meinst du wirklich?" Helene strahlte vor Freude, sie war sich ja für ihren Hans nie schön genug gelvesen. Run sic mit der älteren Schwester, die noch nicht lange ihre Vertraute war, von ihrer Liebe sprechen konnte, ging ihr auch die Arbeit leichter von der Hand. Sie legten zusammen Wäsche, bis die tobende Heimkehr der drei jüngeren Brüder an die Mittagszeit mahnte uni) an das Tischdecken. Bei der einfachen, aber gut zubercitetcn Mittagsmahlzeit in denk bnrgcrl-ich gediegen eingerichteten Eßzimmer suchten die ein wenig schräg stehenden, grauen Augen des Hausherrn, der blaß und überarbeitet oussah, öfters das glühende, vertränmte Gesichtchen Helenens. Ein weicher Ausdruck gerührten Vaterstolzes glitt über sein bärtiges, etwas aufgeschwemmtes Gesicht. Sie war doch die Lieblichste seiner Töchter, wenn auch seine Frau sie die Faulste schalt. Sie würde freilich ihren Weg durchs Leben nicht allein finden wie di', beiden Aeltesten, von denen eilte sich in Düsseldorf zur Mallehrerin ausoildete und die andere in Paris ihr Sprachexamen machen wollte. Aber er hegte seine stillen Hoffnungen für sic. Und als die Rede auf das Geschirrwaschen kam und auf Helenens Murren darüber, gab er seinem Liebling, so selten er sich sonst in diese Angelegenheiten mischte, recht. Sie sollte nicht mit rot gewaschenen Händen zu der Bc- gegmmg mit ihrer Freundin Lisbeth und deren Mutter' kommen, die in Schwelm aus irgend einem Grunde eine Stunde Aufenthalt nehmen mußten. Helene wurde glühendrot vor Scham und Verlegenheit. Der Vater kümmerte sich sonst wenig um sie und gerade heute, wo sic ihn und die andern belog und betrog, diese unverdiente Güte. Sie hätte ja für ihren Hans wieder eilt ganzes Lügengewebe spinnen müssen. In der Tasche trug sie einen Brief Lisbeths, den sie gestern im Beisein der Blutter erhalten hatte, der aber nicht die Ankündigung ihrer Durchreise enthielt, sondern die Aufforderung, Helene soll iin Harzburg, wohin sic sich mit ihrer Mutter zur Kur begeben würde, 14 Tage lang ihr Gast sein. Das wollte sie nun den Eltern bei ihrer Rückkehr ausrichten, so, als ob diese Einladung mündlich erfolgt wäre. Sic hoffte bestimmt auf ihre Einwilligung, denn es würde ja nur die Reise kosten. Und direkt knapp ging es bei ihnen nicht zu, lange nicht so, wie Hassingcn ihr das Leben in seinem Elternhanse geschildert hatte. Tie nächste Zukunft barg also für Helene Falk so viel Glückverheißendes, daß sie des schweren, trüben Winters voll banger Sehnsucht vergaß. ~ Um hz4 Uhr machte sic sich auf den Weg bei strahlendem. Sonnenschein, der so warnt wie im Mai schmeichelte, in ihrem weißen Kleidchen und dem kleinen Matrvscnhut, einer lichten Frühnngsblüte gleich. Als sie den düsteren Fabrikhof durchschritt, hatte sie eine Begegnung, die sie in leichte Verlegenheit brachte. Es war ein Herr von mittelgroßer, ein wenig gebeugter Gestalt, int grauen, gut sitzenden Jackettauzug, mit einem sehr mageren, von kurz- geschnittenem Vvllbart umrahmten Gesicht, aus dem kluge und ernste braune Augen leuchteten, die beim Anblick des jungen Mädchens warm, fast zärtlich ausstrahlten. „Nun, wohin denn in solchem Glanze, kleine Helene?" fragte er, ihr die Hand reichend. Sie stotterte ihre Lüge heraus, und sie fiel ihr hier noch einmal besonders schwer, denn vor Paul Heinecke, dem Prokuristen ocr väterlichen Fabrik, den sie kannte, so weit ihre Erinnerung überhaupt zurückreichte, hatte sie früher nie ein Geheimnis gehabt. Sie war mit ihren Puppcnstubenforgcn, mit ihren SchulauWtzen und all ihrem Aerger und Kummer zu ihm geflüchtet und hatte imchtpr Hilfe, Rat und! Trost bei ihm gc- fttnben. ©te. hatte ihn früher „Onkel" genannt, aber seit sie konfirmiert war, hatte er es selber nicht mehr gewünscht. Sic nannte ihn jetzt wie ihre Schwestern mit dem BornamenI und dem förmlichen „Sie". Er war mich erst 32 Jähre alt, noch zu jung für einen Kinkel einem siebzehnjährigen Mädchen gegenüber. Als schüchterner, armer Lehrling ivar er einst in die Fabrik eingetreten, und Herr Falk hatte den verwaisten Knaben völlig in die Familie gezogen, eine Gifte, für die der Erwachsene, den! ein Lotteriegewmn vor Jahren schon zum wohlhabenden Mann, gemacht hatte, damit lohnte, daß er seine bewährte Kraft dev Fabrik erhielt, anstatt sich selbständig zu machen. Wer ihn genau beobachtete, wie er mit Helene Falk sprach, sich von ihr verabschiedete und noch einmal zurücksah, ehe sie um die Hausecke verschwand, der hätte wohl gewußt, daß noch ein anderer Magnet als die Dankbarkeit ihn an die Familie Falk fesselte. Ein glückliches Lächeln lag noch um feine bärtigen Lippen, als er schon die grauen, ausgetretenen Holztreppen zum Kontor hinäufsticg. Seine Gedanken folgten der kleinen Helene, die im Fieber der Erwartung mit der Elektrischen durch die belebte Stadt und eine häßliche Arbeitergegend ihrem Ziele zufuhr. Ein Stückchen mußte sie iwch gehen, aber Hoffnung und Seligkeit machten ihre Schritte leicht. Rings um sic sproßte der Frühling, ftebcr junger Saat stieg trillernd eine Lerche auf, von den Birken am- Rande des kleinen Wäldchens drüben am Berge wehten grüne Schleier. Sie sah sich schon dort mit ihrem Haus wandern, Arm in Arm, Auge in Auge. OH, das Glück war gar nicht zu fassen, daß jetzt der Zug durch das Land brauste, in dem der Geliebte saß, sich ihr von Minute zu Minute näherte. Die gläuzendeit Schienengleise blitzten so freudig int Sonnenlicht, das kleine rote Stationsgebäude sah so freudig drein, der junge Stationsassistent schmunzelte so vergnügt, als ob sic alle teilnehmen tvollten, an deut Glück des Wiedersehens, dessen Zeugen sie sein würden. Natürlich war die kleine Helene viel zu zeitig zur Stelle! und mußte sich noch eine Viertelstunde damit begnügen, nur ini Geiste mit ihrem Hans vereint zu sein, sich vorznstcllen, wie er aussehen, was er sagen, ob er ihr vor allen Leuten einen Kuß geben würde. Schließlich versank sie so in ihre Träumereien, daß sic bei dem langgezogencii Pfiff, dem Rollen des nahenden Zuges ztt- sammenschrak und eilte Art Lähmung durch ihren jungen Körper ging. Sie konnte keinen Schritt tun, sondern stand, wo ihr Wandern sie gerade hingefü.hrt, ein wenig abseits, mitten im grellen Sonnenschein. Bor Aufregung war jeder Blutstropfen aus ihrem Gesicht gewichen, ihre Hände, um den Sonnenschirm gekrampft, zitterten', ihre binttet bewimperten Augen blickten scheu, suchend, voll verhaltener Seligkeit die lange Wagenreihe des Bummelzuges entlang. So stand sie noch, als die dunklen Wagen mit ein paar neugierigen Reisenden an den Fenstern, nach kurzem Aufenthalt, an ihr vorüberglitten, nur in ihren Augen war jeder Glücksschein ausgelöscht. Hans von Hassingen war nicht gekomnicu. Cs war alles vorbei, das sehnsüchtige Hoffen, die jauchzende Glückseligkeit. Sie war wieder die armle, kleine Blume, die im Schatten stehen Mußte. Noch konnte sie es nicht fassen, Noch irrten ihre bangen Augen immer wieder über den Bahnsteig, als müsse irgendwo die wohlbekannte, hohe, schlanke Ossiziers- gestalt austauchen, aber nur der hübsche Stationsassistent kam auf !ie zu mit der Frage, ob sie vergeblich auf jemanden gewartet habe. Da kam sie zur Besinnung und verließ, ohne dem Nen- gierigen eine Antwort zu geben, den kleinen Bahnhof. Aber sie nahm nicht den Weg, den sie gekommen. Ihr suchender Blick hatte auf einer kleinen Anhöhe eine roh gezimmerte Holzbank bemerkt, von Schlehdorngebüsch und grünenden Birken umgeben. Dort hinauf schleppte sic sich mit ihrem Weh. Dioch barg ihr Herz daneben die schwache Hofftiung, Hans Hassingen könne vielleicht mit einem späteren Zuge kommen', und dann sollte er sich nicht getäuscht haben, er sollte sie noch hier finden. Bon der Baut ans hätte sie den Blick auf den ganzen! Bahnsteig frei, nichts konnte ihr dort entgehen. Sv saß sic denn da und wartete. Ter laue Wind, der die grünen Birkenzweige schaukelte, strich ihr kosend um die blassen Wangen, wehte ihr neckend weiße Blüten- blättchcu vom Schlehdorubnsch in den Schoß, sie merkte cs nicht. Sie hörte nur auf das dumpfe Rollen nahender Züge, starrte nur auf 'Ne wenigen Passagiere, die sic ausluden, oder folgte Mit heißen Augen einem durchrasenden Schnellzug. Die. Dämmerung sank, es wurde kühler, sie empfand nichts davon. Sie hatte nicht die Energie, den verlorenen Posten zu verlassen. (Fortsetzung folgt.) 175 Das Volkslied in Oberhessen. Bon Pfarrer O. Schulte, Grofzen-Linden. V. Dieselbe Mahnung zur Treue finden wir in dem folgenden Liedchen, das ich gleichfalls in Beuern ausgeschrieben fjflbc: 1. Ich wollt', eS wä - re Nacht, wär' al - les voll - bracht. wollt' zu mei-nem Liebchen geh'n, und an ih-renl Fen-ster steh'n. ob sie mir aufmacht, ja macht, ob sie mir auf-mncht. "2. Tse Türe, die tvar zu, Schläft alles in Ruh. - - „Weißt du nicht, daß man bei der Nacht Kei'm Soldat die Tür aufmacht? Komm' am Morgen früh', ja früh'," — 3. „Morgen früh' hab' ich kein' Zeit, Da sehen S die Leut'. Tenn dein Vater ist mir nicht gut. Dieweil du mich so lieben tust, Schätzlein, bleib' getreu, ja treu." v,-. — 4. Schön schwarz und schön rot. Jetzt schießt man mich tot. Legt man mich ins Grab hinein, Begräbt man mich so hübsch und sein. Jetzo schlaf' ich ein, ja ein. : Ein ganz merkwürdiges Lied ist das vom Volke gesungene «An der Saale Hellem Strande". Es gibt ein Studentenlied, das genau ebenso anfängt, sowohl in Text uub Melodie. Franz Kugler hat es gedichtet und F. G. Feska konlponiert (Anfang des 19. Jahrhunderts). Mer das Volk hat mit diesem Liede der Romailtri„Nichts anfangeu können. Es hat das Lied in Text und Weise umgcmodelt, und zu einem Abschiedsliede ge- Macht, das um Gießen herum viel gesungen wird; die Fassung, in der rch es bringe, stammt aus Beuern: 1. An der Saa-le grü-nem Stran-de steh'n die Bur-gen stolz und kühn,- 2. kühn,' ja ih - re Mau-ern die sein zer - fal-len, küh-ler Wind streicht durch ih - re Hal-len,Wolken zieh'«, ja zie-hen d'rü-ber hin. 2. Air der Saale grünem Strande Steh'n die Burgen stolz und kühn. - So mancher Jüngling singt Abschiedslieder, Zreht aus der Heimat, kehrt niemals wieder, Gedenket ,ei —, ja seiner Liebe nicht. 3. An der Saale grünem Strande Steh n die Burgen stolz und kühn. — ”3“' muß scheiden, muß dich verlassen, Kann dich, Geliebte, nicht mehr umfassen, .richt mehr an bet —, ja deinem Busen ruh'n. Damit verlassen wir die eigentlichen Liebeslieder und kommen Itinnm Cm°Cn' ”tC mt* Bräuchen iinb Sitten zusammen- «» Eb»^u"^Esfeiertage tyechselt wenigstens int oberen - das Gofmde feinen Dienst. Man hat dafür einen Wncn Ausdruck. Man sagt: Ter Knecht, oder die Magd „icherzt , wenn man aiisdrücken will, daß sie die bisherige Stelle ausgeben Nach diesem Scherzen heißt der 3. Feiertag: Scherz- der fftadt is aber Mf- und Abzug der Dienstboten ein seht prosaisches Geschäft. Anders im Vogelsberge, der ja liebt, auch das Alltägliche mit sinnigem Brauche zu umkleiden Da ladet der abziehende Knecht oder die abziehende Magd, wenn sie aus einem Dorfe in ein anderes überziehen, die Spinnstuben- kameraden. em, sie zu begleiten. Nach dem Mittagessen kommt auch die Gesellschaft. Man ladet sich die Kleider und sonstiges Hab und Gut des Abziehendeu auf, man nimmt die Lade, das Abziehende muß in die Mitte, und bann ertönt das Scherzlied. Es gibt sehr charakteristische. Ans einem derselben, dessen Anfangsstrophe und Melodie mir leider fehlen, setze ich zwei Strophe» hierher: Wenri nun ein’ als Magd muß dienen, Tie muß haben viel Geduld, Sie darf fich zu nichts erkühnen. Sie. muß hab'» an allem Schuld. Manche Magd ivird auch verachtet, Wenn sie gleich tut, was sie kann. Es tvird ihr doch nicht so betrachtet, Ihr Herr ist stets ein strenger Mann. Am 3. Weihnachtsfeiertage iingts darmn überall auf deN Landstraßen. Hier kommen fie, dort gehen sie. Unter den gesungenen Liedern ist auch das folgende, in Eichelhain ansge- zeichnete: 1. A - de, ihr Brü-der mein, ich kann nicht mehr bei Euch Mk-i c f 5\- t • s sei», die Ge - sell-schaft mnß ich mei-den, ich muß aus mei-ner Hei-mat schei-den, und das tut_ weh. 2. Wollt ihr mich noch einmal seh'n. Steiget auf des Berges Höh'u, Schaut herab ins tiefe Tal, Da seht ihr mich zum letztenmal. Und das tut weh'. 1 l Nun a - de, ihr lie-ben Käme-ra-den, ge-het noch ein k Ich hab' Euch zwaral-le ge - la-den,hab'ge-macht kein'n i we - nig mit! ) ( Un-ter-schied; s^' eucf) 6 = 6er bev Weg zu wett, ||^ L : ich muß unter die frem-deu Leut', und das tut— weh! Kann in Ton und Wort der Schmerz, die Heimat zu lassen, einfacher und besser geschildert werden? Auch das höchste Fest des Bauern, die H o ch z e i t, hat besondere Lieder gezeitigt. Tas weiß er ja noch, daß Mann und Frau zur Ehe mitenianber bestimmt sind. Immerhin finbet man auch un btrfen Vogelsberge ältere ledige Personen, die bei dem verheirateten Bruder ober der verheirateten Schwester den Einsitz, den Auszug, haben. Tas Heiraten hat ihnen nicht die Reihe jetragen. Es war kein Platz, unterzukommen, da. Wenn nun solch ein ^unggesell sich einen Trost suchen will, bann stimmt er wohl bas alte Jimggesellenlied an, bessen Fassung hier aus Horgenau im Kreise Lauterbach stammt, das aber auch sonst, z. B. in Burkhardsfelden, bekannt ist: 1. Wenn ich ans Frei'n gedenke, Kommts mich so grausig an, Ter Ehstaud tut mich kränke. Wenn ich gedenk' daran. Soll treten in ein Stand, Ter ewig ivird genannt. Sein das nicht schwere Sorgen, Vom Abend bis zum Morgen, Wenn man's bedenken tut? 2. Frei' ich mir eine Reiche, Dergleichen mag ich net, Tu sich die Leut 'rum streite. Was die für Güter Hütt'. 17G Da heißt es Tag unb Nacht: Hab dich zum Mann gemacht. Du Lump, du Schelm, die Prahler, Du hast kein'n halben Taler . Zu mir in's Haus gebracht. 3. Frei' ich mir eine Arm«, Desgleichen ich auch bin, Da heißt's: Gott soll sich erbarme! . Wo woll'n die zwei nur hin-? • Keine Leinwand und kein Tuch! Kein Strümps' und auch kein Schuch! Kein Haus, kein Hos, kein Kammer! Ist das nicht großer Jammer, Wenn man's betrachten: tut? usw. Der Hochzeitslieder aber gibt es manche. Ein Teil derselben wird der "allgemeinen Sitte nach am Abend des Hochzeitstages vor dem Hause von den Spinnstubenkameraden der Braut oder des Bräutigams gesungen, und diese Lieder heißen tm besonderen Bräu- oder Braitlieder. Eines der m Oberhesten bekanntesten ist das sogenannte Ehestandslied, das das Ehestandsleben mit dem Klosterleben vergleicht und offenbar auf katholischem Boden, wie auch das oben geiiannte: „Es welken alle Blätter", erwachsen ist. In der zweiten Strophe srud die Worte: „Ich will heirat'» in der Still" so ält verstehen: „Ich will so heiraten, daß es die Mütter gar nicht' werft." Auf die ganz eigenartige Melodie, die mir alt scheint, mache tch besonders aufmerksam. Ich Habe das Lied in Engclrod und Beuern auf- geschriebcil. Hier die erstere Fassung: " 1, Btw ge - fällt das Eh'-standsle - ben bes-ser als das Kloster-zieh'n, ja Klosterziehw. In das Kloster mag, ja mag ich nicht, beim ich bin zu der Eh' ver-pflicht', ja Eh' verpflicht't! 2. Ach, was wird die Mutter sprechen, Wenn ich sie verlassen muß, ja lassen muß! Sie mag sprechen, was, ja was sie will. Ich will heirat'» in der Still', ja in der Still'. 3. Vater, tut euch doch erbarmen Und verschafft mir einen Mann, ja einen Mann (eine Fran), Der (die) mich drückt an sei —, ja seine (ihre) Brust, Tenn zum Heiraten hab' ich Lust, ja hab' ich Lust! Dermifebtes. * M r s. T a f t s „P a t r i o t i s ch e" Robe, lieber die heldenhaften Anstrengungen der amerikanischen Schneider, die mit allen Kräften am Werke sind, bei den Festlichkeiten in Washington jetzt zu beweisen, daß die amerikanische Modekunst ber Vormundschaft der Pariser entraten kann, wird unterm 3. März von Newyork allerlei..Interessantes berichtet. Mrs. Tast, die neue Präsidentin, hat Stunden schlimmer Aufregung hinter sich. Die schwierige Toilettenfrage harrte der Lösung und sie mußte sich klar sein, daß ihr erstes Auftreten in Washington darüber entscheiden würde, in welcher Weise sie die ihr zukommende gesellschaftliche Führerschaft ausfüllen wird. Mrs. Taft hat sich auf die patriotischen Pflichten besonnen, die ihr als der neuen Präsidentin der Union obliegen: nach langen Beratungen hat sie in Newyork bei amerikanischen Schneidern die Robe für den Jnaugurationsball bestellt: sie ist der Entwurf eines amerikanischen Schneiders, aus amerikanischem Material gefertigt und bedeutet die entscheidende Lkriegs- erkläruug gegen den Terrorismus der Pariser Modeschöpfer. Die Robe der' Präsidentin ist ein klassisches Muster von eleganter Einfachheit und soll zugleich im Gesellschaftsleben von Washington eine neue Aera einleiten, in der die alten Toiletten und Schmuckexzentrizitäten verbannt sind. Sie ist ganz aus zartem weißen Chiffon gearbeitet und nur mit Goldrutenblüten, der amerikanischen Nationalblume, verziert. Im Gegensatz zu der europäischen Mode wird die lange Schleppe des .Meides nicht von ben Schultern aus zur Erde fallen, souder» ist in der Taillengegend befestigt. Nur in den Haaren wird Mrs. Tast einen Diamantschmuck und eine Federaigrette tragen: sonst wird kein Schmuckstück die lichte Einfachheit und die elegante Schlichtheit, der Toilette beeinflussen. Aber am Tage vor dem Präsidentenwechsel herrschte trotz der Lösung bet Toilettenfrage im Hause Tafts eine seltsam gedrückte Stimmung. Als ein Bekannter Taft nach der Robe seiner Gattin fragt, wurde er ärgerlich und lehnte es ab, sich über Frauen- mode» zu unterhalten. Die Nervosität bei den Damen war noch größer: sic erklärte sich aus der Besorgnis, das Kleid würde nicht zur rechten Stunde fertig werden. Der Korrespondent eines englischen Blattes hat das in Frage stehende Newyorker Modehaus aufgesucht und sich das Kleid zeigen lassen. Es soll in der Tat wundervoll werden, war aber am zweiten abends gerade fertig geschnitten und wurde mit Nadeln zusammengesteckt. Man habe in Washington zu lange beraten, dniuit erklärte der Chef des'Hauses die Verzögerung. Aber er fügte nicht ohne Stolz hinzu: „Mrs. Taft braucht sich jedoch nicht zu beunruhigen. Wir kennen unsere patriotische Pflicht. Wir werden die Nacht durcharbeiten und die Robe morgen früh mit einem besonderen Boten nach Washington schicken." Bei der Fahrt zum Kapitol wird die Frau des neuen Präsidenten ein geschmackvolles Dirertoirekostüm anlegen und als Schmuck nur ein Perlenhalsband tragen. Ihre Abneigung gegen • Juwelenluxus ist in den Salons bereits bekannt und die Damen richten sich danach. In der Tat erklären die Juweliere, daß der Verkauf von Schmuckstücken vor den Festtagen nicht im geringsten zugenommeu habe, ja eher einen leichten Rückschlag erlitt. So beginnen die Tafts im Zeichen der Einfachheit ihre Präsidentenzeit unb lehnen das luxuriöse Auftreten der früheren Präsidentenfamilie ab. * Sam art in eS Schulde n. Wenn Balzac, dessen Ansprüche auf eine, vornehme Lebenshaltung mit seinen Einnahmen nicht harmonierten, von Sorgen und Gläubigern geguält wurde, dann pflegte er sich als Trost zu sagen: „Lamartine geht es noch schlechter als mir." lind in der Tat bedeutete Lamartines Leben eine endlose Kette von Finanzschwierigkeiten großen Stils. Für seine erste Orientreise machte er rund 2 Millionen Schulden; das Werk, das er bann über die Reise schrieb, brachte ihm nicht ganz, aber doch fast ebensoviel wieder ein. Lamartine arbeitete mit allen Mitteln, um den steten Mißklang zwischen Einnahmen und Ausgabe» notdürftig zu dämpfen; er kaufte en gros Wein ein und verkaufte ihn dann wieder mit recht erheblichem Nutzen, aber alle Unternehmungen konnten nicht ausreichen, die rastlos au- wachseuden Schulden z» tilgen. Der Dichter hatte eine unbezwingbare Vorliebe für schöne Pferde; es gab Zeilen, da er allein in Paris sich 18 Pferde hielt; er umgab sich mit einem ganzen Hofstaat von Bedienten und Gehilfen, gegen 20 Leute, Sekretäre, Kopisten und Expedienten, unb auch in feiner Kleidung entfaltete er den größten Luxus. Bei ihm war es gewissermaßen zum System geworden, überhaupt nur noch nach Dutzenden zu kaufen. Wenn er bei feinem Schneider einen besonders schönen Sammct- stoff sah, so kam unfehlbar der Auftrag: „Schicken Sie mir bitte 12 Weste» von diesem Sammet." Und nicht anders handelte er bei seinem Schuster. Eines Tages besuchte er den wackeren Meister, um sich über einen Schuh zu beschweren, der nicht tadellos saß Der Schuster erklärte ihm die Ursache des schlechten Sitzes und erläuterte die Möglichkeit, den Fehler künftig zu vermeiden! „Schön," meinte Lamartine, „also dann machen Sie mir doch bitte 12 Paar." Seine Werke brachten ihm bisweilen außerordentlich große Einkünfte, allerdings nicht die Dichtungen, die nur geringen Gewinn abwarfen. Aber für die Histoire des Giroudins empfing er 250 000 Frs. und die Geschichte der Türkei brachte ihm nahezu die gleiche Summe. Wie Balzac, so arbeitete auch Lamartine unter dem Druck der Verhältnisse, aber während das Lebeuswerk Balzacs noch heute lebendig vor uns steht, sind die meisten Arbeiten Lamartines, die int Zwange der Notwendigkeit hingeworfm wurden, so gut wie vergessen. Heute durchblättert man selten lene Bücher, die seiner Zeit ihrem Verfasser int Laufe vom 14 Jahren 41/2—5 Millionen Frs. eingebracht haben. Aber weder diese Summe noch die anderen Einnahmen —• wenn Lamartine Geld brauchte, opferte er auch seine Würde, weinte und flehte nm Hilfe wie mit ein Almosen — noch die halbe Million, die die Nation ihm zum Geschenk ntachte, reichten aus, alle seine Schttlden zu bezahlen; doch hatte er, als er starb, 7 Millionen bereits abgezahlt.. v J Arithmogriph. 1 2 2 7 weiblicher Vorname. 2 13 4 1 früheres Weginaß. 3 4 4 6 österreichischer Feldherr. 4 7 2 7 ein Tier. 14 5 Nebenfluß des Rheins. 5 7 4 7 ungarisches Romitat. 6 4 1 spanischer Tanz. 4 6 4 7 Figur aus der „Sizilianischen Baueritehre. 7 4 6 1 eine Arzneipflanze. , Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, den Namen eines modernen Roinanschriststellers. Auflösung in nächster Nummer.f Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer: R E B E E D A M B A B I E ■M I R Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schon Universitäts-Buch- und Steindntckerei, R. Lange, Gieße».