Mittwoch den \L Wruar 6 -i si W rL7 AW Fr5 MWM«W Auf Liebespfaden. Äniffli von. S>. E h r Hardt. 'Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Ais sie etwas Mb und bensnrmen ins Freie traten, sagte Helene mit schüchterner Stimme: ..Bitte, HnnS, las; mich die Hälfte der Rechnung bezahlen, ich habe noch eine Menge Geld, und wenn ich mit Papa zusammen bin, brauche ich ja keins m-chr." Er schien sehr peinlich berührt. „Welche Idee, Kind!" sagte er so schroff, wie sie ihn gar nicht finmte. „Diese kleine Freude, dich zu einem Wschiedsdincr eingeladen zu Haben, mußt du mir schon lassen. Wenn ich auch citt armer Teufel bin, aber für eine Dame, mit der ich ansgehe, bezpUe ich, und wenn ich ein Jahr lang abend» trockenes Brot essen muhte." Helenens Augen füllten sich mit smrkrlndem dtaß, itnb sie hatte große Mühe, ihre Tränen hinunter zu schlucken. „Sei mir nicht böse, Hans, ach —- lieber Hans, sieh nicht so finstzer aus — ich dachte, weil gerade Ende des ALonats ist, mich weit du doch sonst, immer ganz offen Mer deine Geldnot sprichst —" Er nahm ihren Arm und bog mit ihr in einen Promermden weg ein, der sich seitwärts von ihnen öffnete und der ganz einsaM lag. 'Die Sonne bramite, der Kiesweg knirschte unter ihren Tritten. Im verftaubten Fliedergebüsch zwitscherte ein Bogelstimmchen. Hassingen beugte sich nieder, sah die weinenden Augen und den wehen, inngeu Mund — Reue und leidenschaftliche Aift-ch lichkeit wallten in ihm auf. Er küßte das Mädchen heiß. „Verzeih du mir, kleine, liebe Helene!" bat er demütig, und während sie dicht aneinander geschmiegt planlos in den grün .umbuschten Wegen weiter tvauderteu, fuhr er fort: „Ich bin ein roher Patron, ich weiß es. längst, mir geht das Verständnis ab sirr zartes, nwMicheS Empfinden. Tas kommt davon, weil ich acht Jahre meines Lebens, gerade in der Zeit, in der Charakter Und Wesen sich zu entwickeln und zu formen pflegen, mit meist herzlich wenig zartfühlenden Jungen zusammengepfercht war, uw nur brutale Kraft sich behaupten konnte und .weiche Naturen sich entweder ändern oder zugrunde gehen mußten. Keine weiblich mildernde, versöhnliche Hand leitete mich und mein Fühlen, so bin ich irr vieler Beziehung hart und rauh geworden, ich kcknn's nicht mehr ändern." „Da must ich mich also daran gewöhnen, Hans." Es klang doch ein wenig schmerzlich. „Ja, kleine Helene, das wirft du schon, müssen!" lächelte er. „Jft.es nicht gewiß, wenn ich mein Unrecht wenigstens sofort einsehe und Abbitte tue? Obgleich —", er rückte den Hut aus der heißen Stirn und strich sich dann Wer die Augen, als wolle •er kÄvas fortwischeu, „so ganz im Unrecht war ich doch nicht. Du hast es gut gemeint, Liebling, ich weiß und verstehe es, aber eS tat doch weh - cs brachte nur so recht zum Bewußtsein, welch armseliger Kerl ich bin — so gern würde ich dir alle -Schätze der Welt-zu Füßen legen, und nicht mal einen schlichten Goldreif kann ich dir an den Finger stecken, weil ich lein Geld habe, weil ich kaum weiß, wie ich mich allein dnrchbringen soll." Es tvar ein momentaner Ausbruch der Verzweiflung, int nächsten Augenblick besann er sich schon und wurde ruhiger. „Mach feine so erschreckten Äugen, Schah, es -ist nickst so. schlimm, ich biu's ja schon gewohnt, und meist stört es mich gar nicht. Rur manchmal lauft mir die Galle über — siehst du, ich bekomme meine Anlage zur Hälfte, von Vater und einem Onkel, jeder gibt mir 30 Mark, das Heißt von Vater laß ich mir mir 20 schicken und 10 auf die -Sparkasse legen — ein Notgroschrst für nuerwartete größere Ausgaben -- nun vergißt aber mein Onkel so oft das Geld - und es ist so bitter, mahnen zu sollen, ich kann es nicht — es Mit ihm ja auch später ein, und es ist mir natürlich nicht verloren, aber es s-ckstt mir doch — ich bin ganz ehrlich gegen dich. Lieb, das Geld für die Heutige Fahrt hat mir Espach geborgt — darüber mach ich mir nun weiter keine Skrupel, in zwei Tagen kriegt er's wieder." Er wollte recht sorglos und leichtherzig erscheinen, aber die Mädchoiwhren hörten, doch den bitteren Unterton heraus, den ganzen niederdrückenden, heimlichen Kampf, den man- so treffend „glänzendes Eiend" nennt. „Ach. Harts, wie .traurig ist das alles — aber nicht ivahr, glücklich bist -bn doch -gewesen in diesem Sommer — sag mir#, hab ich dich glücklich gemacht?" „Sehe, sehr glücklich, mein Liebling." Noch einmal flüsterte grünes Vnchenlaub über ihren Häuptern, noch einmal barg Waldeinsamkeit treulich ihre junge Liebe. Sie setzten sich auf eine Bank, neben der ein silberklaresi Bächlein sprudelnd und plätschernd zu Tale Hüpfte. Born Kurplatz herauf klangen durch die Stille rauschwido. Musikweisen. Der Torgauer Marsch leitete das Nachmittagskonzert ein. „Hast du Lust, dort unten eine Tasse. Schokolade zu trinken, Kind?" Sie hatte den Hut abgenommeu und ihr Köpfchen an seine Schnlter gelehnt. Ohne sich zu rühren sagte sie keife: „Nein. Was sollen mir die vielen Menschen? Ich will mir dich, und ich will dich ganz allein." „Kleine Egoistin." „Ich habe dich nur noch zwei Stmtoen!" entschuldigte sie sich. „Dann hab ich gar keinen Teil mehr an dir, du wirst hier uird dort sein, das und jenes erleben, und ich werde nichts mehr davon wisse» ■— alle vom Regiment betrachten es als ganz selbstverständlich, daß du zu ihnen gehörst, sie. laden dich ein, rind du mußt mit den jungen Mädchen musizieren und tanzen, und ich muß beiseite stehen nnd werde nichts tun könnet' mich wenn du mich vergißt —" „Ich werde dich nie vergessen, Kind." Unten int .Kurpark spielte die Kapelle jetzt speich und trift!-- merisch einen Walzer -von Strauß, MmWich. erblichen die Sonnenstrahlen, die durch das grstm Laub ihr Mtzchen vergoldet hatte», die "Lonne war im Meder-- gehen schon hinter die hohen, das Tal einschlieh'nden rwaldderge getreten, ein kühlerer Lnithauch strich durch den dämmernden Wald. Tie Abschiedsstunde nahte. „Wir müssen zum Bahnhof, Lic-btmg." Sie erhoben sich-, wobei sie vermieden, sich Mzuichen. .Nh«" Widerrede MüVste Helene in das kurze Zäckchen, das Hasjingen ihr hinhielt, er hatte es die ganze Zeit über getragen, er kannte den jähen Trnttzeraturwechsel in den Harzer ^.alern, für die gegen Abend eine dünne BatisMnse nicht genug Warme- spenderin wär. . . „Run last dir noch einen Kus;-geben, lccbc, kleine Helene: sagte Hechingen weick, aber ohne SentimrntaliM. „Man kann nicht wissen, ob wir unterwegs ganz ungestört sind, wir müchen jetzt den direkten Weg zum Bahnhof durch das Bad nehmen." Sie hing an seinem Haise. Sie weinte nicht, der Schmerz i« ihr war so grast, dfaß alles in ihrem Körper zu erstarren Men. Er küßte.ihr totenblasses Gesichtchen, die erloschenen Augen, die zitternden Lippen wieder und..immer wieder. .Rimm'S nicht so schwer, mein Liebling, sei tacher, cs ist ganz' sicher, daß nur zu den Mutigen das Glück kommt, und war yv'üllcivs iwdj 5t MN g ei!, bei UNS emzukelM'N, iiidjt ivttbr ? immer den Kopf oben behalten, zuversichtlich sein!" So redete er zwischen. seinen Liebkosungen^ und suhlte sich selber fest und. -zuversichtlich werden und voll Hoffnung ans ein fernes Gluck.' Endlich mahnte der schmetternde Marsch, die letzte Nummer des KnrkouzerteS, sie zum eiligen Aufbruch Sie mußten rasch gehen, um den Bahnhof zur rechten Zeit zu erreichen. Unterwegs fiel Helene erst ein, daß sie ihrem Hans ra zum Abschied -ein« Freude zugedacht hatte. Sie griff hastig in ihre dem Rock ausgesetzte Tasche und zog ein weißes Kuvert heraus. - Ohne ihr rasches Gehen zu unterbrechen, reichte he es ihm hin. Er nahm es aüfleuchtesiden Blickes. ' „Liebling, dein Bild?" Sie nickte stumm und ihre Augen irrten nm einein trost- lvsen, wehen Ausdruck über sein freudiges Gesicht, das sie nur vor ihrem inneren Auge mit sich nehmen durfte. Er hatte sich feit seiner Leutnantszeii noch nicht photographieren lassen, er hatte auch dazu kein Geld. Sie selbst hatte sich photographieren lassen im Zenith ihres Glückes, angetan mit dem weißen, duftigen Kleidchen, das er so sehr an ihr geliebt, in einer Stellung, die charakteristisch für sie war, sitzend und leicht vornüber gebeugt, daß ihre schräg stehenden, schwärmerischen und zärtlichen Augen ein wenig von unten heraus unter der lockeren Haartolle über der L-tirn den Beschauer »»blickten, so daß, vereint mit dem träumerisch seligen Lächeln des kindlichen Mundes, der ganze Reiz ihres mädchenhaft scheuen und anschwiegenden Wesens von dem kleinen, schmalen Bildchen misströmte. Der junge Offizier war entzückt. „Eine größere. Freude konntest du mir zum Abschiede nicht machen, kleine Helene,, ichdanke dir innig, ich revanchiere mich auch bald." . - , ■ . _ _ ' Ünb nach vorsichtiger Umschau küßte er sie. Ein letzter Kuß der T-uikbarkeir und Sehnsucht. Aus dem schützenden Buchenwald traten sie in die Anlagen, die jetzt von promenierenden Badegästen belebt waren. Reichtum und Eleganz rauschte an ihnen vorüber, Neugierde folgte ihnen. Tarin hatte Helene recht gehabt, es war Hans HassiIlgens vornehme, schlanke Erschsiiinng, die aufsiel, junge Herren sind in kleinen Badeorten seltene und begehrte Artikel. Junge Mädchen int Tennisdreß reckten witternd die Köpfe, musterten mit kritisch abschätzendem Blick Helenens Kindergestalt. Sie taxierte» auf Bruder und Schwester und schöpften Hoffnung auf einen Tennisgefährten. Aber die Hoffnung sollte trügen, sie sahen den blonden, vornehmen „Offizier in Zivil" nicht wieder. Wären sie ihm auf seinem Weg zum Bahnhof gefolgt, sie hätten ihren Irrtum in bezug auf das „Geschwisterpaar" eingesehen. So sehr Helene Falk sich auch bemühte, tapfer und ruhig zu sein, ihr totenblasses Gesicht und ihre schmerzerfüllten Augen verrieten die ganze Schwere des Abschieds von dem Mann, der vor ihrem Coups stand, der zurückbleiben und sie allein in ein Leben hineinfahren lassen würde, vor dem ihr graute. Vor dem Bahnhof hatte er ihr noch ein paar dunkelrote Rosen gekauft, die trug sie an der Brust, und ein paar schwere Tränen, denen sie beim Einsteigen nicht wehren gekonnt, lagen als heiße Tan- trvpfen auf ihren samtweichen Blättern. Sie sprachen noch äußerlich ruhig, daß sie sich »ft schreiben wollten, und daß sie sich ja bestimmt, auf Espachs Hochzeit Wiedersehen würden, der Zwang, den eine ältere EoAPsgenoMi, deren spitze Nase fast die Fensterscheibe durchstach, ihnen auferlegte, half ihnen über die letzten Minuten hinweg. Wieder tönte das kurze, scharf akzentuierte „Abfahrt!", tute ein Schwertstreich drang es schneidend durch Helenens warmes, junges Herz. Sie verlor die mühsam bewahrte Haltung. „Hans- lieber Hans, vergiß mich nicht!" schluchzte sie auf. Er konnte nur mit dem Kopf scWteln, sie noch einmal scssi innig und ehrlich anblicken, auch er fühlte, daß es ihm heiß in die Augen stieg und eine unsichtbare Hand ihm die Kehle zu- faminenpreßte. Ein paar Schritte ging er noch neben dem sich langsam in Bewegung setzenden Zuge her. Helene hatte ihr Taschentuch an den Mund gepreßt, biß hinein, um nicht ausznschreien, aber ihre Augen schrieen all den Jammer aus, der ihre ganze Gestalt schüttelte. Tann noch ein Hutschwenken, ein wehendes Taschentuch. Einer langen, dunklen Schlange gleich rollte der Zug mit der kleinen Helene in den sinkenden Abend hinein. lFortsetzung folgt.) Aus Briefen Napskons I. über Vorgänge und Zustände im Aänigreich Westfalen. (Bor hundert Jahren.) In den Jahren 1858- -1.869 wurde unter dem zweiten Kaiserreich auf Veranlassung Napoleons III. eine Sammlung von Briesen und Tagesbefehlen seines großen Oheims herausgegeben. So umfangreich auch die 28 Bände umfassende „Correspvndanee de Napolöon I." war, so brachte sie doch nur eine Veröffentlichung von Urkunden, deren Auswahl ein einseitiges, historisch unwahres Bild des großen Kaisers ergaben. Alle Briefe und Stellen, die den Helden seiner Zeit in einem weniger günstigen Lichte erscheine» ließen, waren der Vorschrift gemäß absichtlich unterdrückt worden. Es ist das Verdienst des französischen Historikers Lso n Seceft re, daß er uns in seiner 1897 unter dem Titel: „Letties inädites de Napoleon I" veröffentlichten Sammlung den wahren Napoleon näher gebracht hat. Aus dieser Lecestreschen. Sammlung sollen uns heute nur die Briefe beschäftigen, , die unsere Aufmerksamkeit auf die Vorgänge und Zustande vor hundert Jahren während, der F-ranzosenherrschaft in Hessen-Kassel lenken. Sie zeigen uns nicht nur den Tyrannen Napoleon, der keine Gnade kannte, sondern auch den strengen Sittenrichter, der Jeromes Mißwirtschaft scharf verurteilte. Wir geben die einzelnen Briefe in deutscher Uebersetzung wieder. Kurfürst Wilhelm I. von Hessen hatte es verschmäht, trotz Napoleons wiederholter Aufforderungen, sich dem unter seinem Protektorate stehenden Rheinbund anzuschließen. ^er Kurfürst wollte durch eine bewaffnete Neutralität sich und sem Land retten. Arglos baute er auf Napoleons Zusicherung, sein Land unangeiochtest zu taffen, wenn die hessischen Truppen auf den Friedensfuß gesetzt würden. Der Tag von Jena entschied- auch Hessens «chmsal. Nach Preußens Niederwerfung durste Napoleon keinen Feind im Rücken haben. Daher zog von Fulda aus General Mortcer heran, und von der Weser her näherte sich eine zweite feindliche bewaffnete Macht unter der Anführung des Königs von Holland, um Kassel zu besetzen und den Kurfürsten gefangen zu nehmen. Ter französische Geschäftsträger eröffnete dem Knrsürsteu, daß er seine Truppen zu entwaffnen habe. Der hessisclw Landesfürst! gab den Widerstand auf und floh am 1. November 1806 Über- Arolsen nach Holstein und begab sich später von hier auf seine Güter nach Prag. , . Napoleon war verärgert, daß sich sein Bruder Louis, der König von Holland, an dieser „delikaten" Angelegenheit, der Ueberrumpelung Kassels, persönlich beteiligt hatte. Er schreibt ihm am 5. November 1806 von Berlin aus: (Lee-estre 127). ^>ch bin ungehalten, daß Sie sich persönlich nach Kassel begeben haben. Die Natur dieser Expedition war derart, daß ich Sie nicht damit hatte betrauen wollen. Zum GeneralgviiVernenr von Hessen wurde der kaiserliche General Lagrange ernannt. Die Entwaffnung der hessischen Truppen vollzog sich unter bedenklichen Umständen. Mißmutig zerschlugen die Soldaten die Gewehre und kehrten in die Heimat zurück. Biele hessische Offiziere zogen es vor, lieber in den Festungen von Mainz und Luxemburg zu schmachten, als m de» französischen Dienst zu treten. Die zurnckgekehrten Soldaten sollten wieder bewaffnet und in den französischen Regimentern eingc- stellt werden. Sie weigerten sich und ergriffen die Waffen gegen die Gewaltherrschaft. Auf dem flachen Lande an der Werra und in der Umgegend von Marburg gab es Aufstand und blutige Zusammenstöße. Lagrange suchte die Erbitterung zu strlm» und die Aufgeregten zu beruhigen!. Er vermied es, „mir nicht -MW 107 meßr- Oel ins Feuer zu gieren, feinem Kaiser genauen Bericht über die Revolte in Hessen zu erstatten. Dieser erfuhr durch seine Spione doch den wahren Sachverhalt, tadelte die Milde feines Gouverneurs und befahl ihm, strengere Maßregeln zu ergreifen, wie folgender Brief zeigt. Er lautet in deutscher Übersetzung: An den General Lagrange, Generalgouverneur von Kassel. Warschau, den! 13. Januar 1807. Ich sende Ihnen die Einzelheiten der Delikte, die in dem Lande Hessen begangen worden sind, und von denen Sie in Ihren Briefen gar keine Moriz nehmen. Diese besagen mir gar nichts. Doch sollten Sie Von diesen Borgängen unterrichtet sein und waren Sie verpflicht et/ niir davon zn berichten. Tie Einruohuer von Hers se id scheinen schuldig zu fein. Man soll eine leichte Abteilung von 4000 Manu dorthin schicken und die ganze Stadt vollständig plündern lassen für die Beleidigung, die 60 Solem.cn meiner Ärmer dort erfahren haben. Man soll durch eine Proklamation bekannt geben, die Waffen abzuliefern, und erklären, dass jeder, dec bewaffnet betroffen wird, mit dem Tode bestraft wird. lTer badische Oberstleutnant Lingg wurde mit der Straf- exekiitivn in' Hersseld beauftragt; jedoch dank' der mcnschensmnid- lichen Gesinnung dieses braven, Offiziers und des warmen Appells an das Herz seiner Jäger unterblieb der Vollzug der Strafe.) Napoleons Brief fährt, weiter fort: Die Stadt Wacht (Vach) ist. schuldig. Sie soll die vier Hauptrüdelssührer ausliefern, oder sie.wird verbrannt werden.. • - Eschwege, .der.Hauptplatz der Znsankmenrotlungen, soll die Schuldigen einliefern, »der die Stadt wird n ieder g e b r a nn l werden. Schließlich, soll der Hauptmauil, der den Aufstand. leitete, ergriffen und erschossen werden. Sie haben doch genügend militärische Kräfte. Wenn Sic dieselben, was ich nicht glauben kann, entfernt haben, so lassen Sie sie' wiederkommen. Erbitten Sie sich das 19; Linienregiment vom General Loison in Münster. Sim haben doch 2 rögimeuts prooisoires, das Pariser Regiment, die Gardefüsilierc, und ein italienisches Regiment.. Der General Thiebauld (GouverWur von Fulda) hat 1500 Mann. Ich schätze also, daß Sie fast 10 000 Mann zusammen haben können. Vermehren. Sie Ihre Truppenanzahl, wenn cs nötig ist, damit das. Land endlich entwaffnet wird. Heben Sie die Waffen- fabrik in Schmalkalden auf, nehmen Sie Geisel, lassen Sie eine Stadt odervi'n'i ge Flecken niederb rennen. Lassen Sie das Wappen des Kurfürsten überall, wo es noch sein sollte, entfernen. Die Offiziere (hessische), die keinen Dienst (französischen) genommen haben, find auf der Stelle festzu- nchmen und nach Frankreich abzuführen. Alle diese Angelegenheiten sind schlecht geführt worden. Es ist lächerlich, daß Offiziere von ihren Kapitänen abgesandt worbe» sind, um die Soldaten (ehemals hessische) wieder zu bewaffnen (um in französischen Dienst zu treten). Ich habe niemals ge- wollt.^daß man Gewalt, anwenden sollte; aber endlich muß de r S ch i in Pf, der m eine n Wa ff en a u g e t a n worden ist, m it Blu t g eracht w erde n. Wenn Ihnen nicht 10 000 Mann dazu genügen, werde ich Ihnen noch 20.000 Mann schicken. Wenn Ihre Maßregeln getroffen worden sind, lassen Sie. eine Proklamation ergehen. Erklären Sie, daß ich aufgebracht bin über das Benehmen dieser oder jener Stadt. Setzen Sie die Leute (verdächtigen) auf eine Liste, die eine jede Stadt auszn- liefern hat, bei Strafe der Einäscherung. Fügen Sie weiter hinzu, daß das Haus des Kurfürsten niemals mehr in Hessen regieren wird, weil die jüngsten Bvr- kommnisse die Frucht sind der. schlechten Leitung, die man dem Volksgeist gegeben hat. Um die Schlechtgesinnten in Deutschland zu erschrecken, muß man sichtbare Spuren zurücklassen. So habe ich es auch gemacht, als ich im Jahre 4 (1804) den großen Flecken Bignasco habe niederbrennen lassen; ich habe (dadurch), die Ruhe Italiens aufrecht erhalten. Man muß mir nicht die Wahrheit verhehlen. Machen Sie mir einen Auszug von allen Verbrechen, stellen Sie eine Liste ans von allen Leuten, die getötet worden sind, legen Sie mir Rca;cuschast ab von allen Geschehnissen, wie sie im wahren Lichte erichemen.; Es gibt auch Leute, die. sich wohl verdient gemacht hären, io der Major von Schmalkalden: bezeugen Sie ihnen meine Anerkennung. Lassen «>ic durch die .Konsistorien den Pfarrern schreiben, rap, gegenwärtig viel Lrnppeit kommen, und daß noch mehr kommen werden, wenn es nötig ist. Wenn sich das Volk großes Unglück ersparen wollte, so möge cs sich fügen und die Urheber dieses .Aufruhrs bezeichnen. Ich sehe ans Ihrem Briest vom 3. Januar nur Schwäche. Sic sagen, der Hauptmann Huscart (v. Uslar) sei gezwungen worden, Dienste bei den Insurgenten zu nehmen. Ich kann diese Ausflucht nicht gelten; lassen. Man nimmt niemals wider seinen! Willen ein Kvntmando au. (Uslar war Anführer der Insurgenten.) Er soll sein Betragen mit dem Kopfe büßen . , . Ich bin peinlich davon; berührt, daß Sie die Absicht haben, mir die Truppen MrückzuschickeN, die Sie haben. Ich treffe im Gegenteil Maßregeln, «in sie zu vermehrest. Keine Truppe soll Kassel verlassen, es sei denn die Schmach, die meinen Waffen widerfahren ist, gerächt. Ich kann gegenwärtig 15000 Maust entbehren; später werde ich es nicht mehr können. Ich e-rwarle von Ihnen Handlen und mehr Festigkeit. Täglich geht einer «keiner Courier^ «ach Kassel ab. Senden Sie mir durch einen jeden von ihnen einen Rapport. Ordnen Sie selbst, wenn es nötig ist, besondere Cvnrieve ab. Ich habe Eile, zu vernehme;», daß meine Adler g erti ch t Xin d. Leeestre 186). (Schluß folgt ) vom LZeorm!. ck. Die Nachricht von einer Feuersbrunst im Escorial, die in wichtigen Teilen dieses einzigartigen Bauwerks erheblichen Schaden angerichtet hat, ruft das düster grandiose Bild dieses Werkes vor die Seele, in dem Spaniens Größe und Macht das geschlossenste Symbol gefunden, düs die Zeitgenossen das achte Weltwunder nannten und von dem der Engländer Stirling gesagt hat, es sei das größte bauliche Unternehmen, das ein einziger Manu erdacht und ausgefnhrk hat. Dieser gewaltige Komplex, der durch den Willen eines Einzigen ohne Vorbild in wenig Jahren mitten in der Wüste ans dem Nichts geschaffen wurde, hinterläßt einen unvergeßlichen Eindruck. „In der Nähe ein wuchtiger Steinkoloß, im Innern ein melancholisches Labyrinth", so schildert Justi diesen Eindruck des Escorial, „gewährt er von Tal und Höhe ans wechselnde malerische Bilder. Er stimmt zu der wildgrandiosen Natur. Sobald diese uns umfängt, verschwindet die Verzweiflung, die uns unter seinen Gewölben ergriffen, man fühlt, man ist noch im Lande der Lebendigen . . . Noch mehr aber gewinnt er nachts. Wie ein unzugängliches Zauberschloß erheben sich da die Silhouetten der Kuppel und Turnmadeln unter dem funkelnden Sternenhimmel Castiliens, gehütet durch Wüsten und Bergketten, im Panzer seiner Manern, vier wachthaltende Riesen in den Ecken um ein hochragendes Heiligtum in der Milte, das Tabernakel eines heiligen Grals, ein Gehäuse mysteriöser, unnahbarer Schätze. Angelehnt an die schroffe Gebirgskette der Sierra, in der auch nichts Entgegenkommendes ist, deren Ausläufer nach Süden im Blau verklingen, hinabblickend in die weite Ebene, wo zwischen Jagdgründen, Weidetriften, Oelwälderii, so weit der Blick reicht, Gruppen von Granitblöcken aus-- gesäet find, als sei hier die Stätte einer untergegangenen meilemveiten Weltstadt, von der nur eine Akropolis, ein Ban mit der Verheißung der Ewigkeit geblieben ist." Ang verschiedenen Antrieben heraus ist der Plan zu dem Ban in Philipp II. entstanden. Der König hatte dein heiligen Laurentius als "eine Art Genugtuung und Gewissensbernhigung ein Kloster gelobt, weil er bei der Belagerung von St. Quentin ans strategischen Gründen ein Kloster des Heiligen hatte zerstören müssen. Als dann Karl V. in freiwillig klösterlicher Einsamkeit sein Leben beschloß und dem Sohne die Sorge für sein Grabmal hinterließ, verband sich mit dem Urplan die Idee einer Familiengruft, und dazu wollte sich Philipp selbst einen abgelegenen Palast für stille Stunden bauen. Nach zweijährigem Suchen ward nicht zu entfernt von Madrid ein Platz oberhalb des Dörfchens Escorial gefunden, der drei wichtige Bedingungen, Wasserreichtum, Steinbrüche und gesunde Luft besaß. Ern merkwürdig vielgestaltiges Leben zog nun in die schweigsame Wildnis ein. Der König selbst erschien unter den Arbeitern, unter den wilden Basken, Navarresen und Welschen, die spanische Dublonen zu unbarmherziger Arbeit trieben. Neberatt tauchte der gefürchtete einsilbige Monarch auf; „sein bloßes Erscheinen schien den Bau emporzuheben, verlieh ihm Leben und Wachstum". Sein düsteres Wesen, der Geist starrer Etikette und finsterer Relft 108 giofUät, blickt uns versteinernd an aus seinem Werke. Der Grundriß des Baues stellt nach der Volksmeinung einen Nost dar, das Marterwerkzeug, auf dem der heilige Laurentius den Tod erlitt; er umfaßt ein Rechteck von 206 Meter Lange und 161 Meter Breite mit vier Türmen an den Ecken/ Durch sechzehn einsame, kalte Höfe führt der Weg in diesem weiten Bart dahin, der zugleich Kirche, Palast, Kloster und Kollegium und Mausoleum ist, Bibliothek, Gemäldesammlung und Rektquienschrein in sich schließt. Uetzer 86 Treppen schreitet man und durch 1200 Türen, gelangt vorüber ' an vierzig Altären, - zählt 89 Springbrunnen und 1111 Fenster, die sich nach außen, 1562 Fenster, die sich nach den Hösen öffne«,- Die Kirche und das Pantheon mit der Totengruft der spanischen Könige, der königliche Palast, in den; König Philipp, an Körper, nicht an Geist gebrochen, das Kruzifix seines Vaters in den Händen haltend, mit dem Blick auf die Pracht des Hochaltars der Kirche gestorben ist, _ sic scheinen von dem Feuer verschont. Zerstört ist die Casa del Infante, der feine Bau mit dem hübschen Garten, der für den Jnsantcu Gabriel in der zweiten Hälfte dcS 18. Jahrhunderts aufgeführt wurde. Bedroht ist besonders das Kloster mit den Kapitelsälen, in denen sich die gewählte Gemäldesammlung befindet mit schönen Werken des Ribera, des Tintoreito, des Greco und des Luca Giordano. In der Nähe befindet sich auch die herrliche im glänzenden Farben- schmuck des Barocks prangende Bibliothek, deren Hauptsaal 52 Meier lang ist und die 150000 zum Teil sehr seltene Bände beiWhrt. Die Handschriftensammlung umfaßt 4300 arabische, persische, griechische und andere kostbare Handschriften. __________ Csl Äi Nsdi. Ein Spaziergang. Von Gerhart H a u p t m a u n.H Abseit vom Lärm, mit stillem Schritt hinan, Ins Oelbaumdüster, auf des Saumtiers «Maden: Steil, steinig und verschwiegen ist die Bahn. Hrer mag die Seele rein vorn Siaub sich baden! Bon naben Hängen grüßt das liebte Laub Ter Goldlimone. Bläulich, von Terrassen, Wölkt die Olwe ernste Wipielmaffe»: Darüber hin ein Reih wie Silberstanb. Wohin? Rur tiefer in die Schlucht hinein. Die schon von Ansang dich entrückt der Stunde» Wie Pallas' Goldhelm oben blitzt ein Schein. Wie Eumenidendonner mnrrt's int Grunde. Doch tief im Schatten, an der Quelle Raust, Hebt jetzt das Einhorn still das Haupt vom Rasen Und sieht mich an: die Roseimnstern blasen — Und weiter äst e6, äugend klug und sanft. Ttt weißes Fabeltier in Pallas' Hain, Erharrtest du mich einsam hier? Wie lange? .., Hoch ein Getrümmer hängt ins Tal herein: Tie Abendglut küßt Turm und Manerwange. Ist dies der Schtttt zerfallner Griechenpracht, yn der mich späte Pulse heintlich drängen? Soll ich die Seele an Getrümmer hängen? Da schwingt ein Ton sich aus der WcckdeSuachl. Heiß schwillt er auf! ES ist der alte Boror Ter Alenschenbrust, in Sehttsucht überquilleudr Aarkissos sinkt, gebückt in Strauch und Dorn, Tas Körbchen fleißig mit Oliven inllend — Attfwachend spielt dazu der Drosseln Schlag —- Und Echo tönt ein andrer Born der Siebet: Ter Knabe schluchzt, und schluchzend kommt es wieder, Im letzten Glanze lauscht der Frühlingstag. Hinan! Dt! graues Bergnest über mir ‘ Sollst dein versteckt Pygmäenvolk mir zeigen. Tie gleiche Dumpfheit über Mensch rmd Tier Und Gärten, die in ©tufen mit mit steigen. Zerwühlt der Eirund. Der Scholle Brodem, reich Ansdampfend, Früchte ohne Mast gebärend. Der Gärtner, atmend, stöhnend und verzehrend, Jit Dumpfheit schmälend, seinen Früchten gleich. Wir sind nicht dumpf, und rein ist unsre Brust Vom Brodem, driir die Götterbilder tu eben. Uns kann, die matte Quak und schale Lust Den leeren, weiten Himmel nicht beleben: Entgöttert die Rattw, so ganz wie er! Tie? unten rauscht die blaue Glut zu Lande. Ich sehe keine Beter knien am Strande. Und doch: du bist es noch, du heiliges Meer! Allein wer hindert mich, daß ich mein Haupt Zur Erde neige und Poseidon grüße? Tas; ich in Ehrfurcht, wenn auch marktbestmtbt, Im Strahl des Helios die Singen schließe? Zeus Hypatos, daß ich, nntincnb, dir Den Hauch, den du mir schenktest, wiedetschenke k Wer, Aphrodite, daß ich dein gedenke Und deines einigen Götterstrahls in mit? Wer hindert mich? — „Nicht ich!" Nicht dul Ich weiß! Du bleichet Schmerzeusgoit, den ich nicht nenne, Ich fühle dich, o Haupt voll Blut und Schweiß, Und deine Stimme ist'S, die ich erkenne! Nicht du!— Ta klappt und klimmt ein müder Hui. Sileinis führt feilt mog'reS Tier am Zügel, Sorglich und fromm: ein Kranker hängt im Bügel . . « Und durch die Lull erschiviltt Hosiaunatus. Ligurischer Manu auf deiner Eselin: Was blickst dii her anf mich aus wunden Sternen? Willst du mich kennen, landfremd tvie ich bin? — „Wir waren eins in tiefentstml'nen Fernen." O, Stuber! Eros zuckt im Auge dir Und schießt bett Pfeil: schon spür tch heiß die Wunde: Mit tiefstem Schmerze dehnt er die Sekunde Zur Ewigkeit und schenkt sie dir und mir. Literarisches. — Illustrierte Zeitung, Leipzig, Vertag trott I. I. Weber. In der soeben erschienenen Nummer 3484 finden ivir die bebeutsanrsten Ereignisse der letzten Tage bereits in zahlreichen JllustraUvucn anschaulich wiedergrgebeu, so den Einzug des britischen .Herrscherpaares in Berlin, Darstetümgen der .Hochwasser- katastWphen aus fast allen in Mitleidenschaft gezogenen Gegenoeit Detttfchlands. An die Reise des HerrscherMares erinnern auch die Bilder aus dem südasriümstchm Reiche König Eduards, indessen! der Artikel „Zwei Gedenktage der Entwicklungslehre", der den in den letzten Moumeu so osk genMtnten Berliner Professor Plate zu!N Berfafser hak, den Jubiläen Darwins und Haeckels gilt. Im Mittelpunkt der starken Nummer steht als vielfarbiges Meister- 'stück moderner ReprobuktionMechuik die Doppelseite „Luthers letztes Bekenntnis" „ach dem Gemälde von W. Pape. Ein umfangreicher, fesselnd geschriebener und reich illustrierter naturwissenschaftlicher Beitrag, der das Leben der Amrisenvölker zum Inhalt Lat, ein interessanter technisch-industrieller und sportlicher Teil, zahl- reiche. Bilder zur Tagesgeschichle, unter benot noch die dem Untergang der „Republic" gewidmeten, und mehrere große Illustrationen wie „Ucbedingen am Bodensee", Originalzeichnung von H. Braun und „Finkenwärder Fischerboote" von Ulrich HAmer hervvrgehoben seien,- vervollständigen den Inhalt. Scherz-Charade. Der Narrheit Szepter schwang Prinz Earneval, Da ging ein hübsches Mägdlein auf den Ball, Wo aus der bunten Schar der Ersten und der Zweite«; Ein Jüngling sie galant zur Tafel wollt' geleiten. „O, Schönste aller ersten Beiden! Wäre _ Mit wohl vergönnt der Vorzug und die Ehre, Daß ich zum Contre Sie, dem nächsten Tanze, führte? Dürst' ich mir nehmen wohl die Dritte unb die Vierte?' —* Als er zuletzt ein Küßchen rauben 'wollte, Entwand sich ihm die unbekannte Holde: „Weit geht die Drei und Vier der Ersten unb der Zwecken, Doch soll man. auch int Scherze nie das Ganze überschreiten. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des DiaiuanträtselS in voriger Nummer. E w e Brehm Zweit » d Pirna G « y d H Wir entnehmen diese Ftncht der griechischen Reise Gerhart Hauptmanns dem Februarheft der neuen englischen Zeitschrift The Engi iah Review (Herausgeber: I. M. Hueffer). Redaktion: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Brich- unb Steindruckerei, N. Lange, Gichem