samstag den (6. Oktober ■0T 8 S U8W Rheinlandstöchter. Roman von Clara Viebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Nelda" — er legte flilsternd seinen Kopf ans den ihren — „liebst du mich wirklich so sehr?!" Ihr Zittern hörte auf; sie schlang den linken Arm um seine Schulter, ihre Rechte umspannte mit dem alten kraftvollen Druck seine Hand. „Wo du hingehst, gehe auch ich hin; dein Volk mein Volk, dein Gott mein Gott!" Sie sprach dieselben Worte luic Agnes Röder zu ihrem Bräutigam; dort waren sie hingehaucht in verschtvimmender Zärtlichkeit, hier klangen sie wie ein Schwur. „Ich lasse dich nie — nie — nie!" Leidenschaftlich stärker klang jedes „Nie". „Ich möchte sterben, ich bin zu überselig!" „Nicht sterben, liebstes Mädchen! Leben, leben!" „Ja, leben für dich!" Sie lächelte und schmiegte sich fester an ihn. „Für dich!" Er zuckte zusammen und wurde blaß bis in die Lippeil — — für dich — —! Vor seinen Augen zerriß jäh ein Nebel, der Wind der Wirklichkeit pfiff ihm um die Ohren; was hatte er getan?! Er unterdrückte einen Fluch tlnd ein Stöhnen. Sie sprach leise weiter, durch das Dunkel mit den treuen Blicken die seinen suchend. „Ich hab Sie — ich hab dich lieb gehabt vom ersten Augenblick an. Du tatest mir so grenzenlos leid. Nun sollst du's aber gut haben, ich will dich so lieben! Tu sollst froh werden." „Nelda" — er löste ihren Arm von seiner Schulter und schob sie von sich — „ich bin ein freudloser Mensch. Es ist — ich kann — — Nelda, laß mich!" „Lassen?!" Sie lachte glückselig. „Ja, ja, ich weiß alles, was du sagen willst! Und wärst du arm wie eine Kirchenmaus, und hätte dein Vater was zehnmal Schlimmeres getan — zuck nur nicht zusammen, ich weiß alles ganz genau — was mach' ich mir draus! Ich hab dich lieb —i unsagbar — grenzenlos!" Sie warf von neuem die Arme uin seinen Hals. „Du armer, geliebter, einziger Ferdinand von Rainer — Rainer — Rainer —4 Rainer — was mach' ich mir draus?! Der liebe, schöne, gute Name! Er ist für mich der beste auf der Welt. Sei froh, ich liebe dich, ich liebe dich!" Sie streichelte seine Hand, seine Wange; das Ueberniaß ihrer Zärtlichkeit sprudelte um ihn wie ein schäunrender, betäubender Quell. Eine ivunderbare labende Wärme drang durch die feuchten Rheinnebel und verscheuchte sie. Es war nicht Nacht, nein, süß lähmender Frühlingstag. Jetzt war er der Willenlose; er gab sich kraftlos dem Zauber des Geliebtwerdens hin. Langsam, sich umschlungen Haltend, gingen sie vorwärts. IX. Hauptmann Lylander war entschieden schlechter Laune. Man war's so wenig an ihm gewohnt, darum fiel es doppelt auf. Er saß an seinem Schreibtisch, aber zurückgelehnt in beit Korbsessel, die Beine weit von sich gestreckt. Mar er müde? Heut in der Mittagsglut vom Schießplatz herunter zu kommen, war freilich keine Kleinigkeit. Rasender Staub — man hatte davon geschluckt zum Ersticken. Rasender Durst — auf den Geschützen prallte die Sonne, die Bedienungsmannschaft klebte auf den Protzkästen, matt wie die Fliegen — wie die Kerle von Schweiß troffen —! „Ae!" Er fuhr sich nach dem Hals und riß die Binde ab, die Uniform hatte er schon aufgeknöpft. „Blödsinnige Hitze heute!" „Was hast du, Paul?" fragte Frau Elisabeth vom Fenster her. Sie hatte sich da mit Flickerei, Garnrollen und Nähmaschine etabliert. „Rrrr" ging das Rad. Das war so gemütlich: den Mann in der Nähe, keine Arbeit versäumt und dabei immer den Blick auf die Kinder, die unten im Garten lärmten. „Dir ist wohl nicht ganz recht? Wart, ich hole dir den andern Rock, jetzt kommt ja niemand!" Sie sprang auf und ließ rasselnd die Schere zur Erde fallen. „Pardon!'' Wie der Wind war sie zur Stube hinaus und kehrte nach! wenigen Minuten mit dem Trillichröckchen zurück, das sie an Tasche und Ellenbogen mit gelblichem Nessel ausgebessert hatte. „Da, siehst du — so!" „Danke!" „Rrrrr" schnurrte die Nähmaschine. Frau Elisabeth hielt den blonden Kvpf übergebeugt, der Schweiß Perlte ihr auf der klaren Stirn, ihre Wangen waren hochgerötet vor Eifer — unangenehm hier das Dreieck in dem Kinderhemd, zu stopfen ging'S nicht mehr, ein neues Stück mußte eingesetzt werden! So. Man hörte nichts als das gleichmäßige Rasseln und ab und zu pinen hellen Schrei vom Garten herauf; dann beugte die Mutter spähend den Kopf zum Fenster hinaus. Eine heiße Sommerluft strömte herein, der Julinachmittag machte sich breit; draußen und drinnen surrte jetzt ein ganzer Schwarm von blauen Fliegen, mit den dicken Köpfen stießen sie gegen die Scheiben. ' „Sssss,-s - s „Rrrrr „Verdammte Wirtschaft," sagte der Hauptmann plötzlich und ließ die geballte Hand schwer auf den Schreibtisch fallen. „Aber Paul!" Die junge Frau hob den Blick nicht von der Arbeit, iallles Erstaunen legte sie in ihren Ton. „Was hast du denn nur? Kopfschmerzen?" —n "Sei so gut, höre jetzt mal mit dem Gerappel auf, es. macht einen nervös!" Er fuhr sich unwirsch durch die Haare. 646 „Aber Paul" — sie sah nun doch auf — „wie komisch Ml bist! Ich, muß doch die Kinderwäsche in Ordnung bringen, Samstag wechseln sie alle; zerrissen können sie nicht gehen. Ich weiß gar nicht, sonst läßt du mich immer nähen, wenn du Kopfweh hast oder arbeitest; aber seit gestern abend bist du so verstimmt!" Noch einen wehmütigen Blick auf die Maschine, dann begann sie emsig mit der Hand zu nähen. Er sagte nichts, er schloß die Augen und suchte mit dem Kopf eine bequemere Stellung an der harten Lehne. Jetzt war's ganz still, für fünf Minuten, für zehn Minuten; vom Korbsessel kamen gleichmäßige Atemzüge. Frau Elisabeth blickte lauschend hinüber, ein verschmitztes Lächeln spielte um ihren hübschen Mund. „Er schläft!" Jetzt lachte sie leise und vergnügt: „Hi, hi, nun kann ich wieder! Er merkt's ja nicht. " „Rrrrr" ging das Rad, etwas schüchtern und vorsichtig, aber doch eindringlich genug. Mit einem Seufzer fuhr der Schläfer ans. Wie eine ertappte Sünderin schreckte die Frau zusammen und ließ die Kurbel fahren. „Ach entschuldige, ich dachte, du schliefest!" Sie spkang auf und näherte sich ihm mit reumütiger' Miene. „Laß nur, laß nur!" Er lächelte ein sarkastisch wehmütiges Lächeln. „Ich weiß ja, du kannst nicht ohne deine Maschine bestehen, geschweige denn ein paar Augenblicke müßig sitzen. Nähe nur weiter! Ich habe keine Kopfschmerzen mehr." „Also doch! Kopfschmerzen! Siehst du, wie deine Frau dich kennt? Jedenfalls war die Bowle, gestern abend in Mülz, gepantschtes Zeug. Nelda hatte auch ganz trübe Augen und Ramer sah so echauffiert aus. Natürlich, daher ist's!" " „Sag' mal, Elisabeth, findest du nicht, daß Nelda Dall- mer 'seit dem Frühjahr sehr verändert ist? Ob das die Sorge um den Vater macht? Ist dir nichts an ihr ausgefallen?" Er blickte gespannt zu seiner Frau hinüber. „Gott, ich habe darüber wirklich nicht nachgedacht, man hat so viel wichtigeres im Kops! Aber ja, ja, jetzt, wo du mich darauf aufmerksam machst, finde ich es auch. Sie war immer ein bißchen anders als sonst die jungen Mädchen — aber abgesehen davon — sie hat jetzt so was — ich weiß nicht recht, wie ich mich ausdrücken soll — so was Gespanntes. Weißt du, sie hat am Ende Ramer gern? Es ist doch komisch, immer treffen die zwei hier bei uns zusammen ; früher kam Nelda alle Jubeljahr, jetzt kommt sie zweimal die Woche. Du, es wäre eigentlich ganz nett, wenn die zwei sich heirateten, findest du nicht? Freilich, sie haben nichts; und dann Ramer mit seinem Namen! Aber na, Nelda kann ja auch keine großen Ansprüche machen!" „Warum nicht?" „Aber Paul! Hübsch ist sie nicht, und Geld hat sie nicht, und riesig liebenswürdig ist sie auch nicht; sie ist ja sehr nett, aber — ich glaube auch nicht, daß Ramer sich wirklich was aus ihr macht, der denkt viel zu viel an sich." Die junge Fran reckte sich und warf sich in die Brust. „Für so was habe ich einen Blick! ’ Der versinkt immer in seine alten Geschichten, der merkt gar nicht, wenn sich eine um ihn hat!" „Schade, schade, ich wünfchte, wir hätten die zwei nie miteinander bekannt gemacht! Auch auf die gestrige Partie hätten wir Nelda nicht mitnehmen sollen oder Ramer abwinken. Ich mache mir Borwürfe. " Lylander seufzte. „Es ist ein Jammer, wenn das Mädchen auch schon so früh ange- rnickt hrirb — gerade das Mädchen!" „Liebe Zeit, aber Paul, was kannst du dafür? Fass' die Sache immer ein bischen praktisch aus! Es ist doch besser, es öffnet sich ihr überhaupt eine Chance als gar keine; wer weiß, vielleicht wird's doch was — und wenigstens. hat sie dann später mal Erinnerungen." „Nein, nein," — sein Gesicht wurde finster — „du kennst Ramer nicht, wie ich ihn kenne. Eigensinnig, zäh an seinen fixen Ideen hängend; wie du richtig sagtest, ganz in sich versunken — selbst w enn sie zusammenkämen, wäre das ein Glück für dies offne, hochherzige Geschöpf?! Aber es wird nichts, ich weiß es genau." „So? I Also du ha.st was gemerkt?! Erzähle doch, haben sie dir was gesägt? Woher weißt du denn das genau? tzerzenspaul, so sag' doch, bei meinem Interesse für die beiden kannst du mir's, mußt du mir's verraten! Also sie haben sich gern — was? Ja? Wissen es schon andere Leute?" „Das ist's ja eben!" Thlander wühlte sich in den Haaren und sprang heftig auf. „Muß ich mir heut morgen nach dem Dienst, als ich mir im Kasino einen Schoppen leiste, die Bemerkungen von den Bengels anhören. Osten sollte sich auch was schämen, sitzt ruhig dabei, wenn über die Freundin seiner Frau skandaliert wird! Dem Rönt- heim, seinem Intimus, hätte ich am liebsten in das malitiöse Gesicht geschlagen. Nelda soll sich Rendezvous geben — Nelda soll einsame Spaziergänge, tief in den Wald, mit einem Herrn — man nennt Rainer — unternehmen! Nelda soll — ä, was rede ich davon! Es ist viel zu niedrig. Früher hat sich keiner von den Herrn um das Mädchpst gekümmert, jetzt, wo es an ihr zu mäkeln gilt, ist sie in ihren Mäulern, diesen ungewaschenen Mäulern, die viel zu schmutzig sind für ihren reinen Namen! Arme, arm'e Nelda!" Er ließ sich schwer in den Korbstuhl fallen und beschattete das Gesicht mit der Hand. Frau Elisabeth war glühend rot geworden. „So heftig? Ich kenne dich gar nicht wieder! Du scheinst dich ja sehr für Fräulein Dallmer zu interessieren." „Gewiß, das tue ich auch!" Sein sonst so gemäßigter Ton war noch immer erregt. „Sie ist das beste, prüch!- tigste Mädchen, das ich mir denken kann. Jeder Manu könnte Gott auf den Knien danken, wenn er sie bekäme. Sie sind nur alle blind in ihren Ansichten, in den vew rotteten Vorurteilen dieses erbärmlichen Klatschnestes — mag sein, daß äs überall so ist — nun, ich habe ihnen heut energisch meine Meinung gesagt, beinah wären wir uns in die Haare geraten!" „Um GotteswiUen!" Die junge Frau stürzte auf ihn loss und umschlang ihn mit beiden Armen. „Paul, mach' dir doch keine Ungelegenheiten! Was gehen dich fremde Leute an? Laß Nelda Dallmer zusehen, wie sie fertig wird; wa-s änacht sie solche Geschichten? Aber ich sage dir, hierher braucht sie nicht mehr zu kommen!" Die Tränen schossen ihr in die Augen, sie stampfte mit dem Fuß aus. „Ich will keinen Aerger im Haus und keine Alteration; wir haben genug mit uns zu tun!" „Rege dich nicht unnütz ans, nähe nur weiter," sagte er und machte sich los. „Rrrrr" — die Maschine sauste geradezu. „Rrrrr—r—" da, der Faden war gerissen! Die Frau Hauptmann hob den Kopf „Tie Hand zu küssen brauchst du ihr auch nicht mehr, Paul! Das ist überhaupt hier am Rheni gar nicht Sitte." (Fortsetzung folgt.) Die Anruhen um und in Hungen in den Jahren MV und w. Von Adolf Staubach, Hungen. (Schluß.) 5. An die Beseitigung des P r äs e n t a t i o n s r e chtes. Das Präsentationsrecht ist weit nachtheiliger, als man dieses int Allgemeinen zu glauben geneigt ist. Staatsrechtliche Grundsätze werden verletzt; die Aemter werden an Leute vergeben, denen sie nicht gehören. Ein anderer Nachtheil aber ist der, daß hie Bürger mit stetem Mißtrauen gegen diese Beamten erfüllt sind, namentlich in Prozessen gegen die Standesherrschaft, und wäre es daher wünschenswert, wenn die auf diese Weise angestellteu; Beamten versetzt würden. 6. Die Ablösung der Hut- und Pserchgercchtigkeit nach dem Willen der Pflichtigen. Diese Ablösung ist in hohem Grade wichtig und wünscheus- werth; denn wenn die Wohlfahrt gedeihen soll, so muß das Grundeigentum frei seyn. 7. An die Erlassung eines Gesetzes, wonach sich die Angestellten aller Nebeugeschäste zu enthalten haben. 8. Desgleichen, daß die Stempeltaxe ermäßigt wird, indem häufig unbemittelte Staatsbürger ihr Recht schwinden lassen müssen, weil sie den Stempel nicht vorlegen können. 9. Desgleichen, daß das Wahlgesetz, dahin abgcändert wbrde, daß jeder rechtliche Bürger Hessens ohne Vermögensberücksichtigung an den Landtag wählbar erscheint, indem es entschieden richtig steht, daß ein minder Vermögender ganz gleiche Rechte an und für sein Vaterland besitzt. 10. Daß alle Güter ohne Ausnahme einer ganz gleichen! Besteuerung unterworfen werden. 11. Desgleichen,, daß den Beamten zur strengsten Pflicht gemacht wird, im dienstlichen Umgang mit den Staatsbürgern, sich mit Humanität gegen letztere zu benehmen. 647 12. Das; eine Bürgermeister-Jnstrnctiott entworfen und dadurch dieser bürgerliche Beamte sicher gestellt und nicht zum lasttragenden Werkzeug gegen die Bürger verwendet werden kann. Ist. Desgleichen, daß ein Brannttveinbrennereigesetz notiert wird, wonach "der Brenner eine bestimmte Summe im "Verhältnis zN seinem Brenngeschirr bezahlt und sonach jede Controle aufhört Und die Besoldungen für die controlireüden Diener erspart werden. 14. Desgleichen, daß ein Bierbraugesetz erlassen wird, wo- Nach bie Brauerei und der Verzapf des Bieres frei von allen! Abgaben erscheinen. 15. Desgleichen, daß ferner ein Gesetz erlassen wird, wonach alle Diener bis zu dem Gerichtsdiener herab fix besoldet werden Nnd die Diäten-- und Gebühren-Schneidereien vollständig anfhören. 16. Desgleichen, daß ein Gesetz erscheine, nach welchem die Gerichte besser arrondiert werden; denn es findet sich nicht selten, daß Dörfer ganz in der Nähe eines Landgerichtes Hegen und die Bürger dennoch vier bis fünf Stunden. Wegs von dem Gerichtsort entfernt wohnen, dem sie zugeteilt sind. 17. Desgleichen, daß durch ein Gesetz die Aufhebung her Zünfte ausgesprochen wird. 18. Desgleichen, daß ein Gesetz erlassen wird, nach welchem eine progressive Einkommensteuer notiert wird, daß in Zukunft die Staatslasten nicht allein auf dem Grundeigent Hum ruhen, Nnd alle Stände dazu zu concurriven haben. 19. Desgleichen, daß die Familienfideicomisse, insbesondere! die der standes-- und freiherrlichen Familien Und Familienm ajorate aufgehoben werden, indem durch die Unantastbarkeit dieser Fami- lieir-Fideicomisse für die Private viel verloren geht und insbesondere die Güter in einer Hand bleiben wird für den Bürger für. einige Zeit verloren gehen. Mit froher Zuversicht richten wir daher an Hessens Stände die dringende Bitte: diese Anträge zu berücksichtigen und hie Verhandlungen einzuleiten, die zu glücklichen Resultaten führen werden. ' Wölfersheim, den 11. März 1848. Die in der Anlage verzeichneten Bürger von Wölfersheim, Meckesheim, Obbornhofen, Wohnbach, Södel imd Melbach. . (Folgen ungefähr 600 Unterschriften. Für diese unterzeichnet einer der Deputierten: A. Weller, von Wölfersheim bei Friedberg.) Eine Reihe der von den solms-braunfelsischen Orten an die Standesherrschaft gerichteten Forderungen haben wir bereits aus- geführt. Man verlangte dann ferner noch eine .Parzellierung der Hofgüter und niedrigere Pachtsätze, Ablösung der Rentenrückstände u. a. Die Stimmung in deir umliegenden Orten sowohl als in Hungen selbst war seit dem 17. März recht gut geworden, lvas wir aus nachfolgendem Vorkommnis ersehen: Als Rentamtmann Kießling am 27. März von Braunfels nach Hungen zurückkehrte, rückte gerade die Bürgergarde aus. Nach zwei Stunden kehrte der größere Teil der Garde zu einem festlichen Zusammensein in den „Solmser Hof" zurück. Als Mitglied der Äürgergarde begab auch Kießling sich dorthin und würde freundlich begrüßt. In dem Saale waren die Bildnisse! des braunftlsischen Fürstenpaares aufgehängt. Nach einer Stunde wurde das Bildnis des Erbgroßherzogs (Ludwig III.) dazwischen und das Bild des Ministers Gagern darunter angebracht. Nun wurden verschiedene Reden gehalten und Toaste ausgebracht. Eine der Reden, die dem Fürsten von SolNts-ÄraNnfels galt Nnd von dem Aktuar Kießling gesprochen wurde, nahm Bezug auf die fürstlichen Verwilligungen hinsichtlich der Verminderung des Wildes und der Teilung der Teiche. In den Toast, der aus das Wohl des Fürsten ausgebracht wurde, stimmten alle (mit lautestem Jubel ein. Rentamtmann Kießling nahm sofort Veranlassung, namens, des Fürsten zu danken. Seine Worte fanden eine äußerst günstige Aufnahme, was daraus hervorgeht, daß ihm abends 11 Uhr die Bürgergarde ein Ständchen brachte. Bei dieser Gelegenheit hielt ein Bürgerssohn eine Ansprache, die Kießling erwiderte. — Der soeben geschilderte Vorgang zeigte daß das Verhältnis der Bürgerschaft Hungens zu dem fürstlichen Haus ein recht günstiger war. In Langsdorf fand am 27. März unter dem Vorsitz des. Großh. Kreisrats Follenius eine Sitzung der meisten Bürgermeister der ,Umgegend statt. Man verlangte die Abtretung her Klostergüter, Herausgabe von. Neutralitätsgeldern, Begleichung bedeutender Kriegskostenrechuungen u. a. Einen oder zwei Tage früher wurde zu Lauterbach das Ricdeselsche Schloß gänzlich zerstört. Die auf der Flucht begriffene gräfliche Familie kam mit dem Wenigen, was sie in der Eile gerettet hatte, durch HungeN. Alls Möbel waren von den Rebellen auf die Straße geschlendert und drei Wagen Akten verbrannt ivorden: den Kammerdirektor von Burie hätte die Bande beinahe erdrosselt. Der Zustand im Riedeselschen war derart erschrecklich, daß Ministerialrat Maurer weinend von Lauterbach weggegangen sein. soll. Er hatte überhaupt nicht vermocht, in Ober Hessen ruhigere Zustände herbei- züsühren. Während in unserer Gegend Nun allmählich Ruhe einkehrte, tauchten in Baden nochmals republikanische Ideen mit besonderer Lebhaftigkeit auf. Auch in Hessen, namentlich iin Süden, gestaltete sich die Lage der Dinge so besorgniserregend, daß man das sich in Urlaub befindliche Militär und alle Reservisten einzvg Nnd Marschordre erteilte. Am 28. Marz tagte zu Hungen eine Bürgerversammlung, die die Pachtung des Hofgutes beschloß. Demgemäß empfahl Rentamtmann Kießling der Standesherrschaft, nach Ablaus der Pachtzeit eine Parzellenverpachtung unter freier Konkurrenz zuzusagen. Bezüglich der 4 Hubbacher Teiche ging dem Bürgermeister Buttron ein Schreiben vom Rentamt zu, das in Anbetracht der von der Stadt Hungen während der erregten Zeit aufrecht erhaltenen Ruhe nnd Ordnung verfügte, daß eine Teilung der Teiche nach den bis dahin benutzten Flächenräumen erfolgen solle. Stadt und Herrschaft sollten jede ihren Teil unabhängig und vollständig verwalten. Ten zahlreichen an die StandesherrschafteN gerichteten Forderungen gegenüber traten die Standesherren am 9. April mit einer Erklärung an die Großherzogliche Regierung heran. TaS Schriftstück lautete: Tas schon längst gefühlte Bedürfnis; nach gleichmäßiger Und einheitlicher Gesetzgebung ist durch die Ereignisse der letzten Tage ein allgemeiner, züm Theil mit Ungestüm verfolgter, Wunsch des ganzen deutschen Volkes geworden. — Indem die Unterzeichneten diese Folge des erwachten Zeitgeistes erkannten, find dieselben alsbald zusamuiengctreten und haben Großherzoglick-eri Staatsregierung schon unter dem 11. vorigen Monats schriftlich erklärt, daß sie bereit sehen, die aus ihrer früheren Landeshoheit herrührendeii Regierungsrechte, die der neuen Gesetzgebung hinderlich sehn könnten, aufzugeben und daß sie sich, mit Verzicht auf die ihnen zustehenden höheren Gewährschaften, für die Zukunft allen Landesgesetzen in Beziehung auf ihr, im Großherzogtum! belogenes, Eigenthum unterwerfen würden. Diese Erklärung wurde von Großherzoglichem Ministerium mit dankbarer Anerkennung und mit der Versicherung entgegengeiiommen, daß dasselbe bedacht sehn werde, das standesherrtiche Eigenthum gegen cigen- mächtige Uebergriffe zu schützen. Leider haben die hierauf ergriffeneil Maßregeln nicht in allen standesherrlichen Bezirken die Wiederkehr eines gesetzlichen Zustandes herbeizuführen vermocht, indem die Einwohner mehrerer dieser Bezirke, ungeduldig die neue Ordnung der Verhältnisse zu erwarten, sich selbst zu Richtern aufwarfen, und den Aussprüchen der gesetzgebende!; Behörden Vorgriffen. Diese Sachlage hat die Unterzeichneten bestimmt, nochmals znsammcnzutreten, um Großherzogliche Staatsregierung zum! schleunigen Erlaß der, ihre Verhältnisse regulierenden, Gesetze zu veranlassen, indem sie derselben wiederholt erklärten, daß sie ihre innegehabte Stellung gegen die Bewohner ihrer seitherigen! Gebiete gänzlich ausgeben wollten; daß sie insbesondere auf ihre Gerechtsame in Justiz-, Polizei-, Kirchen- und Sckmlsachen verzichteten: daß sie eben so der mit schweren Opfern erkauften Steuerfreiheit entsagten, und daß sie sich auch in Bezug auf ihre Rechte privatrechtlicher Natur, als Zehnten, Moiiopolien, Jagden, Fischereien u. dgl. den Landesgesetzcn ohne Widerrede imter- wersen würden. Hiernach glauben die Unterzeichneten ihrerseits alles gethan zu haben, was mit einiger Billigkeit von ihnen gefordert werden kann, und sie halten sich zn der Erwartung berechtigt, daß die Einwohner ihrer seitherigen Gebiete dies erkennen, und in Ruhe und Ordnung sich gedulden werden, was die Gesetzgebung über diese Verhältnisse beschließen wird. Drohungen und Excessen offenbarer Gewalt gegen ihr Eigentum werden sie den Mut des guten Rechts und, die Ueberzcugimg entgegensetzen, daß sie mit aufopfernder Selbstverleugnung ihre Pflichten gegen das Vaterland in dieser ernsten Zeit erfüllt haben, und daß daher lveitere Angriffe gegen ihre Person oder ihr Eigenthum nur Folgen von Verkennung alles Rechlssinnes scyn könnten. _ Sie erwarten gegen solche nicht nur den Schutz der Staatsregierung, sondern auch denjenigen ihrer Mitbürger, die schon so vielfach bewiesen haben, daß ihnen das öffentliche Wohl und ein gesicherter Rechtszustand mehr am Herzen liege, als eigennützige Bestrebungen. Darmstadt, den 9. April 1848. Die Standesherren des Grobherzogtums Hessen. Die Tage int April verliefen für unsere Gegend im allgemeinen ruhig: anfangs Mai wird uns noch berichtet, daß die Bauern zu Villingen, Wölfersheim, Röthges u. a. Orten auf die Jagd gingen, oft in Stärke von 10 Mann, daß die Fischerei frei ausgeübt werde und daß in der herrschaftlichen Scheuer zü Utphe Feuer angelegt, dieses jedoch rechtzeitig entdeckt tvorden sei. Mit diesen Vorkommnissen dürste die Bewegung des Jahres 1848 für Hungen und Umgegend ihr Ende gcfunbeit haben. Vermifdifes. * VoN den neuesten Schmuckmoden. Tie hohe Vvl- leitdung, die in den letzten Jahren die Kunst des Goldschmiedes imd des Juweliers erreicht hat, stellt sich inj den neneften ©chmuck- moden in glänzendem Lichte dar. Besonders die Schönheit in den Fassungen der ©teilte erhält einen in der Geschichte der Schmückformen bisher unbekannten Reiz, indem nur noch Platin, kein Gold und Silber mehr dazu verwendet wird. Ta gibt .es keine schweren goldenen Klauen oder Hände mehr, die früher in Schlipsnadeln oder Broschen den ©teilt aufdringlich umschlossen, sondern alles ist Nur aus die Wirkung des Steins lelbst berechnet, der in einer ganz diskreten, fast unsichtbaren Weise 648 gefaßt ift. 'Da so Glanz und Schönheit bet Juwelen, durch keine Umrahmung abgeschwächt, in ihrer freien Wirkung' sich entfalten, hebt man den Reiz der einzelnen Steinarten durch feine Kott- trnstierungen hervor, indem man z. B. den Diamanten von einer Fassung ganz kleiner farbiger Steinchen umspielt werden läßt, deren bunter Lichterglanz den einsamen Strahl des Solitaires noch verstärkt. In der formalen Gestaltung des Schmucks geht man auf historische Muster zurück, wie sie das 18. Jahrhundert und der Empirestiel darbieten. Schlank edele, antikisierende Linien walten besonders in Schmuckkämmen rind Diademen vor. Während das Moderne Kunstgelverbe vor einigen Jahren auch im Schmuck das einfache Ornament betonte und allen Luxus des Linienspiels verbannte, erfreut Man sich jetzt wieder an dem reichen Arabeskenwerk des Rokoko, das bis zur Nachahmung von Spitzen in Diamanten sich steigerte. Tie aus der Natur ent« noMmenen Motive von Pflanzen, Blumen, Trauben usw. sind aufgegeben und an Stelle der plastischen Wirkung, die man im Schmuck erstrebte, ist eine mehr zeichnerische Schönheit getreten, die sich an der reinen Köstlichkeit des Materials in der geschmackvollen Wirrnis einer schönen und kühnen Linienführung erfreut. Die feinen zarten, sich leicht zum herrlichsten Ornament anordnenden Perlen sind die Lieblinge der neuesten Mode; matt trägt sie als Collier und Kreuz, auch bei Nachmittags-Gesellschaften. Sehr viel getragen wird die Form' des „.Hundehalsbandes", die sich eng um den Hals schmiegt. Diademe in allen Größen und allen Formen sind der schönste Haarschmuck bei größeren Festen'; mit ihnen wetteifern runde Kronen aus Juwelen und kostbare Schmucktämme als Ausdruck höchster Pracht in den neuen Schmuckmoden. * Typen ans den: Bettlerparadies. Die Kaufleute der Champs-Elysoes in Paris haben an den Polizeipräfektest eine Petition gerichtet, um dem immer stärker werdenden Eindringen der Berufsbettler in diesen Lieblingsweg des eleganten Paris zu wehren. Werden doch hier die eleganten Equipagen direkt von Zudringlichen angefalien, die auf das Trittbrett heraufspringett und einen bestaubten Blumenstrauß so lange Hinhalten., bis man sich durch ein Geldstück von ihnen befreit. Dieses immer deutlichere Hervortreten, die immer weitere Ausbreitung des Bettlerwesens in Paris beleuchtet Guy Dorval in einem Artikel des Gaulois, in dem er die hauptsächlichsten Bettlertypen vorführt. Die Seinestadt ist ja eine Art Paradies für Bettelnde, denn der Pariser ist gutmütig und gibt leicht. So ist denn die Zahl der falschen Einarme, der falschen Blinden, der falschen Beinlosen Usw. Legion, und diese ganze Scheinwelt menschlichen Elends lebt behaglich von ihrem Bettelgewerbe, zum Schaden der wirklichen Armen, die nicht wagen, ihre 9iot öffentlich zur Schau zu stellen. Denn das Betteln ist für die, die es mit Geschick ausführen, ein einträglicher Beruf; es gibt eine Elite von Bettlern, die den Somnier itt Badeorte gehen und im Winter an die Riviera, die sehr wohlhabend sind und eine schöne sichere Einnahme haben. Nie ist der Bettler Vagabund. Er hat sein Heim, seine eigenen Möbel, sei es auch nur in einer kleinen Wohnung und einer schlechten Gegend. In solchen Schlupfwinkeln machen nun diese Künstler der Verstellung aus einem kräftigen und gesunden Menschen, der iin Vollbesitz all seiner Glieder ist, einen Einarm, einen Stelzbein, einen elenden Krüppel. Einer von ihnen versteht die besondere Spezialität, auf Armen und Beinen seiner Kollegen scheußliche Wunden anzubringett, die zugleich grünlich und blutig aussehen. Das ist ein koloristischer Künstler, eine Art Delacroix. So ziehen sie täglich aus, eine Armee entsetzlichen Jammers. Doch sind sie heimgekehrt, dann findet der Einarm sein verschwundenes Glied wieder, der Blinde sieht vorzüglich, der „Rücken- Märker" ist geschmeidig wie ein Tänzer, der Stelzbein hat seine Füße wieder und der mit eklen Wunden Behaftete läßt sie wie durch Zauber verschwinden, indem er sie mit einem Lappen abreibt. Dann geht man trinken und ist vergnügt in den benachbarten Schenken. Die beiden großen Klassen, in die die Masse der Bettler zerfällt, sind der wandernde und der seßhafte' Bettler. Der erstere macht alle Boulevards, alle öffentlichen Platze und Straßen heute da, morgen dort, .besonders des Nachmittags, unsicher. Der andere sitzt stets an derselben Stelle und hat seinen bestimmten Bezirk, den ihnl niemand streitig zu machen wagen würde. Manche bevorzugte Plätze machen ihren Besitzer reich und werden von ihnen als wertvoller Besitz weiterverkauft. So trat ein Blinder — diesmal ein wirklicher — seinen Platz für die hübsche Summe von 8000 Franks einem anderen ab. Er hatte an ihm durch- schncktlich sieben Franks täglich „verdient". An solch einem Lieblingsort der Bettler, etwa an.einer Kirchentür, kann man dann Gespräche hören wie etwas das folgende, in dem ein Stelzbein Itnb ein Blinder sich unterhalten. „Du gehst also nicht mehr als Krüppel ohne Beine?" „Nein, diese Woche bin ich Blinder . . . Und du, hast du nicht Mehr deinen Veitstanz?" „Nein, das ist mir zu anstrengend, ich gehe jetzt mit einem Bein." Von dem Proletariat zur Aristokratie der Bettler führt der Almosenemp- fänger, der mehrere Sprachen versteht. Er weiß auf englisch, deutich, rutzttch, spanisch ein paar Phrasen, in denen er um Hilfe bittet rind dankt. Er täuscht sich nie in der Nationalität seines Opfers; mit einem Blick weiß er, ob er einem Sohn Albions oder einem Deutschen gegenübertritt. Er steht mit Vorliebe vor bett großen Hobels und wartet in bett eleganten Straßen. Sein Benehmen ist korrekt, seitt Auftreten diskret, seine Stimme dringlich, aber weder flehend noch belästigend. An seinem Benehmen wird er nur von dem besseren Hausbettler übertroffen, der sich des Morgens einstellt, höflich, zeremoniell, ja unterwürfig. Er ist bald ein imglücklicher Schriftsteller, bald ein stellungsloser Lehrer, bald eilt Künstler ohne Engagement. Hat er unser Mitleid sich nutzbar gemacht, dann zieht er sich mit ehrerbietiger Ker'- beugung zurück. Nächstes Jahr sehen wir ihn wieder, wir sind seine Kunden geworden, unser Name steht in seinem Adressenbuch eingetragen. Man hat solch ein Adressenbuch einmal beschlagnahmt. Es enthielt Rainen unb Adressen der „Klienten", den Tag des letzten Besuches, die Höhe der empfangenen Summe und bei jedem besondere Bemerkungen, z. B. 3c., zunächst filzig, U., man muß von seinem letzten Roman sprechen, Z., naiv, leicht gerührt, W., man Muß auf die Freimaurer schimpfen. Mit Hilfe dieses Buches verdieiite der kluge Mann seine 8—10 000 Franks das Jähr. * Die Abrüstung in der Tierwelt. Auf eine merkwürdige Erscheinung in der Natur hat Dr. Felix Os- ivald in der Monatsschrift „Science Progreß" hingewiesen. Nach einer Mitteilung, die wir darüber im „Türmer" finden, könnte es fast scheinen, als ob die Tierwelt den Menschen ein Vorbild allgemeiner Abrüstung geben wolle. In den großen naturwissenschaftlichen Museen, die auch mit den Resten ausgestorbener Tiere reichlich ausgestattet sind, finden sich stets zahlreiche Skelette, die den Beweis liefern, daß in früheren Zeiten der Erdgeschichte manche Tiere, auch solche von ungeheurer Größe, wie sie jetzt gar nicht mehr erreicht wird, mit Panzern von erstaunlicher Mächtigkeit ausgerüstet waren. Es ist nun eine höchst reizvolle Aufgabe für den Naturforscher, durch Vergleiche der aüsgestorbenen Tierwelt mit der noch lebenden zu verfolgen, wie die einzelnen Familien sowohl größerer wie kleinerer Tiere im Laufe der Zeit ihre Rüstungen zmn Teil gänzlich abgelegt haben. Es gibt ja auch heute noch recht tüchtig gepanzerte Lebewesen. Unter den niederen Teeren, namentlich unter den Insekten, braucht man nach Beispielen nicht lange M suchen. Aber auch unter den großen Wirbeltieren, gerade unter den Riesen ihrer Klasse, finden sich die „Dickhäuter" mit ihrem dicken Fell, das erst die mörderischen Geschosse der Neuheit zu durchdringen vermochten. Außerdem fallen jedem selbstverständlich sofort solche Wesen wie Schildkröten und Gürteltiere ein. Dennoch läßt sich nach Dr. Oswald der Nachweis führen, daß im allgemeinen in der Tierwelt die Neigung zum Ausdruck kommt, die Rüstung abzulegen. Die Amphibien und Reptilien, die heute meist nackt oder schlecht behaart sind, haben Vorfahren mit einer kolossalen Panzerung gehabt. Die Zahl der Knochenfische, die vor alters vielfach in einen soliden Panzer eingeschlossen waren, ist wesentlich zurückgegangen oder hat ihr Schutzkleid zum großen Teil verloren. Die Gürteltiere stammen von Ahnen ab, die einschließlich des Schwanzes und der Beine in Knochenpanzern von riesigem Gewicht steckten, und sogar die Wale und Delphine, deren Haut bei den heutigen Vertretern nur durch die dicke Fettschicht eine erhebliche Widerstandskraft erhält, sind die Nachkommen von gepanzerten Tieren. Ob die Menschheit dem Vorbild der Tierwelt erfolgreich nacheifern wird? * „Fräulein, weshalb sind Sie beim so unhöflich mit dem jungen Mann? Letzthin waren Sie doch noch so liebenswürdig zu ihm." — „Ja, inzwischen haben wir uns aber verlobt." * Richter: „Sie haben dem Kläger bie zwei Ohren ausgerissen?" — Angeklagter: „Ja, mehr hat er nit g'habt!" * Lehrer: „Hans, hast du beinern Vater gesagt, wie schlecht gestern bie lateinische Lektion ging?" — Hans: „Wo denken Sie hin, Herr Lehrer, ich schwatze doch nicht aus der Schule." * A. (im Eifer): „Wie Sie als Vegetarier dieses — Wurstblatt lesen können, ist mir ein Rätsel!" Tauschrätsel. Hagen — Ober — Dose — Leber — Ost — Feige — Keller — Falle — Alba — Durst — Aller — Dame — Leid — Wanne. Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebenso viele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben ein Sprichwort ergeben. Auflösung in nächster Nummer/ Auslösung des Kammrätsels in voriger Nummer: Spanien a t g a a 1 1 in 1 a a u e s u r Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.