WM UMWW/M ^WWUW ZLLLMüLZZZM ’ //^zvrx-3* WgWMM n| Äfe rtautel, dann fe, die Blutig, fiel es . Wir -b hier Entsatz 1 ging, sendet, r kam, itte ich ndeten ianM, »ritten, ter ein it dem c mein d nun Glück t Ihre hle es, »enblick troffen iziellen t über- meine meine s Sol- grabeu! — als gerä. s ihre t Dotier mirb, t fran- Bingeit rlichen t man »tüssen t UNd Gtetz- en beeilter hat er mnbftt, erstand lünftiff. rüsuur >ie Geis Orte Geistern Uner- ienmter dieser en gilt e eines ;r eine : Fran ,de die dritten ibte zu liebe». Mittwoch den (6. Juni ; 1909 — Nr. 92 nacht sagen zu dürfen, nein, das behagte ihm nicht. Und in der Neujahrsnacht, Schlag zwölf, tat er seinen letzten Honiruf und seinen letzten Spruch, den" er sich frist unter Tränen selbst gezimmert hatte, tote er das die Fahre all getan hatte, von Tag zur Rächt. Aber diesmal war ihm besonders weh uird heiß ntns Herz gewesen, und ganz groß kam's über ihn, als er auf der Kirchentreppe stand und tiefbewegt mit lauter, zitternder Stimme rief: „Hört, ihr Nachbarn, hört ihr Leute, Wieder ging ein Jährlein heute. Wieder kam ein Jahr herauf, —• Geb' der Herr ihm guten Lauf! Euer Knecht, der Lukas, leget Horn und Stab nun tiesbeweget In die Hände euch zurück. Wünscht ein fröhlich Neujahrsglück! Lobt Gott den Herrn! Lobt Gott den Herrn!" Dann ging er mit schweren Schritten. Ein Bursche rief: „Hoch- der Lukas!" Und „Hoch der Lukas!" schrie's aus Leibeskräften rings auf dem Kirchenplatz und aus den Fenstern der Häuser. Und alle Neujahrsschüsse galten ganz besonders den» Lukas. Das ivar sein Abschied gewesen. Meine Mutter hat's mir erzählt. Sie hat auch den Spruch behalten. Ich hab' mich aber sehr geärgert, daß ich zu der Zeit droben in der Dachkammer int Bette liegen mußte, der Bruder und ich, und daß wir beide so bombenfest schliefen. Denn da- wir Buben waren, haben wir gar gern geschossen, und zum Hoch,schreien hatten wir auch die rechten Kehlen. Dann bin ich aber öfter zum armen Lukas gekommen, trug ihm einen Schirin hin, der ein Loch hatte, die Kaffeemühle, die nicht mehr mahlen wollte, und der Lukas reparierte alles mit sicherer Hand. Und billig, für ein paar Batzen. Man stand dann neben ihm, sah ihm zu, hörte seine Scherze und lachte mit ihm. Ja, selbst wenn man so traurig kam luie ich damals, da ich mit meiner.Geige gefallen war und sie zerbrochen hatte, wußte er einem Angst und Traurigkeit zu vertreiben, und allein schon die feste Zuversicht, daß er alles machen könne, stimmte eilten heiter. Dann war man nun auch in den Jahren, daß man drüber lachte, wie man sich ural vor dem armen Lukas hatte fürchten können, damals, da man -noch ganz klein gewesen war. So hatte die Mutter oftmals plötzlich gesagt: „Der arme Lukas kommt — guckt, draußen vorm Fenster!" wenn der Lärm zu groß ivar, den wir machten. Dann krochen wir mäuschenstill in die Ecken. Aber der arme Lukas kam nie. Da lachte man jetzt drüber. Dann ein Jahr oder zwei später verhalfen wir — alle Buben im Dorf — dem Lukas mal zu einem schönen Verdienst. Das war auf der Kirchweih gewesen. Der Lukas hatte sich eine Bude aufgeschlagen und ein merkwürdig Spiel gemacht. Männlein u»td Weiblein, Ochsen, Esel und Pfe» - hatte er aus Holz ausgeschnitten und fein bemalt. Alics so schön naturgetreu, wie wir's noch nie gesehen hatten. Der arme Lukas. Eine Geschichte in der (Dämmerung von Wilhelm Holzamer. (Nachdruck verboten.)« 1. Kapitel. Niemand wußte recht, wie er ins Dorf gekommen ivar. Eines Tages war er dagewesen, ohne Warum und Woher, und gleich war er wie daheim gewesen. Es war, als ob er früher mal zu den Bewohnern gehört hätte, als ob immer ein Platz für ihn geblieben wäre, den er jetzt richtig eingenommen und ausgefüllt hätte. Niemand empfand ihn als neu. (M hatte so seine Richtigkeit, daß er auf einmal da war, ganz als ob man die ganze Zeit her auf ihn gewartet hätte. Sv war er auch, der doch ein Fremder war, dem man das übliche Mißtrauen hätte ei tgegenbringen müssen, gleich bei allen wohlgelitten, vom Bürgermeister bis zum kleinsten Schuster, und alle mit ihm gut Freund. Selbst die ältesten Waschweiber wußten nichts Böses über ihn. Er war schon ein bejahrter Mann, als ich noch ein Kind war, obgleich ich glaube, daß er älter aussah, als er war. Er ging ein wenig vornüber gebeugt und trug bis beinahe in den Sommer einen dicken Ueberrock, der schon stark „patiniert" war, und einen breitkrempigen Hut, der sein Gesicht beschattete. Man mochte sich dann fast fürchten vor ihm. Aber wenn man seine Stimme hörte Und seine guten Augen sah, ward man leicht zutraulich. Es war so etwas Väterliches in seinem Blick, das Kinder gleich herausfühlen, und ich erinnere mich, daß ich an ihn denken mußte, als ich zum erstenmal Goethes „Getreuen Eckart" las. Ja, daß er mir wie der getreue Eckart auch später noch oft vor Augen trat. Er hieß im ganzen Dorf „der arme Lnkas", und wenn das jemand aussprach, klang's beinahe wie ein Ehrentitel für ihn. Meine Mutter hat mir erzählt, wie er damals sein Amt als Nachtwächter niedergelegt hat. Sie' begeisterte sich ordentlich dabei. Nämlich als ich noch ein Bub war, wurden die Stunden geblasen in unserm Dorf. Und als der arme Lukas noch gar nicht lange dort war, wurde ihm das Nachtwächteramt übertragen. Es ivar ein Vertrauensposten, und der arme Lukas bot der Gemeinde die Sicherheit geradezu, daß nichts geschehen könne in der Nacht, Wenn er wache. Ein paar Jahre lang versah er sein Amt ttt treuer Pflichterfüllung, und nichts Uebles geschah in dunkler Nacht, nicht Brand oder Diebstahl. Da wurden aber die Stechuhren eingeführt, und der Lukas legte sein Amt nieder. Es hatte für ihn den Reiz verloren. So wie ein Dieb durch die Straßen zu schleichen, von niemand gesehen, von niemand gehört, — und nicht mal einen Spruch zu den Sttinden oder nur zur Mitter- 366 nicht in der Fibel und nicht ini Bilderbuch. Und in Farben, es war ja lote ein Wunder. Alles aus Holz und alles so lebendig. Dem Pferd seine Augen, dem Esel seine Ohren, der Ochs, wie er sprang und den Schwanz streckte, und dort der Ritter mit dem Schwert und das Edelfräulein mit dein Falken auf der Faust, das waren ja alle Herrlichkeiten der Welt. So was hatten wir noch nie gesehen. Wir standen und guckten. Und der arme Lukas lächelte. Aber da war mehr — das ivar alt nicht nur zikiik Angucken, danach warf man mit Bällen, nut roten und gelben und grünen, die der Lukas aus Lappen genäht hatte. Wenn eine Figur so getroffen wurde, daß sie in ihrem Mechanismus nicht wieder aufsprang, sondern fest nach hinten fiel, bekam mau einen Preis: „Einen Fisch, eine Zigarre, auch eine Zigarette!" Das lvar der Preis. Ter Lukas rief's ans und lud all die „Herrschaften" ein, mal zu werfen. Uns hatten die Herrlichkeiten ja schon angezogen. Nun kam das Werfen hinzu und — die Zigaretten lockten. Nur ein paar Süßmäuler schielten nach .den Lebkuchenfischen. So verwarfen wir fleißig unsere Pfennige. Aber da lvar noch ein Merkwürdiges. So beim Zielen nnd Zielaussuchen ging's uns. erst auf. Das Hauptstück in der Mitte — was war denn das? Das war ja der Lukas selber, mit seinem grünen Uebervock, seinem großen Hut. Eine Rute in der .Hand, eine Kiepe auf dein .Rücken mit allerlei Siebenfachen drin, mit Puppen und Spielzeug, so daß ein Kopf, ein Arm, ein Wagenrad, ein Pfcrde- schwantz oben heraussahen. Und traf man aufs Zentrum, hob der Lukas den Arm mit der Rute und wackelte mit dem Kopfe, uni) das ging so lange lveiter, bis der lebendige Lulas hiutrat nnd Kops und Arm festhielt. Eine Freud', da wir das erkannt hatten! Einer sagte es dem andern. „Auf ben Lukas!" hieß es, uub alle Bälle flogen nach bem Zentrum im lieberrock be§ armen Lukas. Aber nur wenige trafen. „Ans ihn, den Lukas!" bieß nun ber Ruf, ber jetzt laut geschrien mürbe. Balb war bie kleine Bube von Menschen umstellt,, denen das merkwürdig vorkam, unb wer mal dastanb, der warf auch, nicht bie kleinen Leute nur, auch bie großen. Als ob wir fühlten, baß bie Art unseres Rufes bie Leute herbeizöge, änderte er sich in jedem Munde ganz von selbst und ganz in derselben Weise: „Haut ihn, den Lukas!" Das zog in ber Tat noch mehr, bewirkte sogar, daß ber Polizeidiener streng herantrat. Immer neue Werfer kamen. „Einen Fisch, eine Zigarre, auch eine Zigarette!" hatte der Lnkas nur zu rufen. Das andere besorgten wir. Aber zu geben hatte er nicht viel. Nur wenige trafen. Nickel nach Nickel aber glitt in die Tasche seines Ueberrocks, und er schmunzelte. Auch am zweiten Kirchweibtag zog der Spaß noch. Unb fehlten mal bie großen Leute, so warfen wir, unb der Lukas gab ein paar Würfe brtin und gab auch mal eine Zigarette, wenn nichts getroffen worden wär. Er konnt's auch. Seitdem mocht's manchmal geschehen, daß einer dem Lukas auf der Straße zurief: „Haut ihn, den Lnkas!" Er ward aber nicht böse darüber. Er schmunzelte und nickte einem zu. . Das war, wie ich selbst noch, ein Bub war. — Als ich erwachsen war, lernt' ich den Lukas genauer kennen. Er war nun viel älter geworden, aber immer noch rüstig. Er machte noch immer die kleinen Ausbesserungen, für die man eigentlich keinen Handwerker hat. Er pfuschte ja wohl auch manchem Handwerker ins Geschäft, aber er pfuschte doch halt nie. Denn was er gemacht hatte, war gemacht. Gerade wie er der beste „Viehdokter" in der ganzen Gegend war. Wenn er ein Schwein ansah, wußte er, was ihm fehlte. Unb sagte er, daß ihm nicht zu helfen wäre, konnte man drauf schwören. Verriet et aber ein Mittel — ein Ruböl ober einen Tee ober sonst eine Diät, bann war's, denn auch sicher, baß bas Vieh wieder gesund wurde. Steif und fest glaubte mau daran. So verdiente sich der arme Lukas all die Jahre hin seinen Unterhalt. Dann setzte auch ich ihn in Nahrung. Ich war ans Besuch heimgekommen, und der Uhrmacher in der Stabt hatte mir meine gute „Nachtmahluhr" total „oerruiniert", so daß sie zum erstenmal, seit ich sie hatte, nicht ging. . Ich klagte das meiner Mutter und schalt auf die Uhr und den Uhrmacher, und vielleicht auch auf den Paten, der sie mir geschenkt hatte. Da schickte mich die Mutter zum armen Lukas. Ich trug ihm die Uhr hin. Er saß am Fenster. Aus seinem Tisch lag allerhand feines Handwerkszeug, Feilen und Zangen, Stifte und Schräubchen. Und der Lukas tiftelte gerade an einer Brosche ans Tombak mit einem feuerroten Stein und bog die kleinen Häkchen vorsichtig bei. Er war so in seine Arbeit vertieft und behandelte das unwerte Ting mit so viel Vorsicht, daß er mich anfangs gar nicht beachtete. Als $r endlich fertig war, blickte er einen Augenblick vor sich hin über die Gärten, die sich da unten den Hügel hin dehnten. Denn die Bäume blühten gerade, weithin, und es war ein schöner Anblick von dem Fensterchen da oben. (Fortsetzung folgt.) Der Kartoffdfrieg in Oberhessen im Jahre MO. Von Georg Schäfer in Gießen. (Bei unserem Preisausschreiben mit dem ersten Preise ausgezeichnet für die beste geschichtliche Arbeit aus den Jahren der Revolutionen.) (Nachdruck verboten.) Nach den napoleonischen Kriegen im Jahre 1815, besonders aber, nachdem Napoleon im Jahre 1821 auf der Insel St. Helena gestorben war, gab es Frieden in Europa. Dieser Friede wurde 1830 in Frankreich, in den Vereinigten Königreichen Belgien und Holland, im Herzogtum Braun-, schweig und im Kurfürstentum Hessen gestört. In Frankreich, genauer in Paris, das die Hauptrolle in politischer Hinsicht bei den Franzosen spielt, brach eine Revolution aus, weil der damalige König Karl X. fünf Ordonnanzen, d. h. Befehle, ergehen ließ, die die politischen Freiheiten der Franzosen beschränkten: Die Kammer wurde aufgelöst, die Preßfreiheit beseitigt, das Wahlgesetz nnd bie Rechte ber Abgeorbneten würben stark gemindert. Daraufhin griffen die Pariser zu den Waffen: Die Revolution brach am 27. Juli aus. Ain 29. Juli gingen zwei Linienregimenter zu den Aufständischen über und das übrige Militär marschierte von Paris ab. Am 30., Jul« wurde der Herzog von Orleans zum General-LMtnant von Frankreich ernannt, am 2. August dankte König Kart ab und sein Vetter Louis Philipp wurde König von Fran!reich. Hiermit war die Ruhe wieder hergestellt. Belgien und Holland bildeten zusammen das „Vereinigte Königreich der Niederlande", bie fortwährend nn Streit miteinander lagen. Es würde zu weit führen, diese Kämpfe näher zu schildern. Der Streit ging in Haß über, so baß sich beibe Staaten voneinander losrissen. Die Julirevolution in Paris hatte das Volk aufgeregt. Am 25. Au- giist 1830 wurde in Brüssel die Oper „Die Stumme von Portici" aufgeführt; das Werk entflammte die Gemüter. Die Belgier' erklärten sich für unabhängig, worauf die Holländer Antwerpen belagerten unb bombardierten. (In den klaren, kalten Dezembernächten des Jahres 1830 hörte man den Donner der schweren Belagerungsgeschütze vor Antwerpen bis in den Vogelsberg.) Die Belgier wählten sich den Prinzen Leopold von Sachsen-Koburg zum König. Holland blieb bei dem Hause Oranien. — . In Braunschweig verübte Herzog Karl, der 182.3 bie Regierung angetreten hatte, allerlei Frevel. Durch seine Verschwendungssucht verdarb er die Finanzen des Landes. Zuletzt wurde er (1830) von seinen Agnaten und sogar vom Deutschen Bundestag für regiernngsunfahig erklärt. Am 7. September 1830 brach ein Aufstand aus; das Resibeuz- schloß wurde erstürmt und in Brand gesteckt, der Herzog mußte ans dem Lande flüchten. Seine Diamanten, Mätressen unb andere Sachen nahm er mit. Zuletzt ließ er sich <" Genf nieder, wo er 18,73 starb. Er vermachte') sein Eigentum, zirka 25 Millionen, der Stadt Genf unter dem Vorve- ') Herzog Karl war mit dem Prinzen Alexander von Hessen weittällfig verwandt und naher bekannt. Er schrieb dem P^nzci in seinen letzten Lebensjahren: Besuche mich bald, ich Win e! ' zu meinem Universalerben cinsetzcii. Der Prinz erhielt den Du n als er zur Jagd fahren wollte; er steckte das Schreibt tn D. Tasche und vergaß es. Da Herzog Karl keine Antwort W' ! wurde er zornig und setzte die Stadt Gens al§: Unioerfalei ein. Die Quelle, woraus ich vorstehendes erfuhr, ist unanfechtv — 367 halt, daß sie ihm et;t großes Reiterstandbild errichten müsse, was im Fahre 1879 geschah?) > Die drei großen Revolutionen in Paris, Brüssel und Braunschweig wären Wohl spurlos an unserer Provinz vorübergegangen, wenn nicht in den benachbarten kurhessischen Provinzen Hanau und Fulda, die unser Oberhessen im Süden und Osten umschließen, ein Aufstand ausgebrochen wäre. Die erste Ursache war das anstößige Ver- hältnis des Kurfürsten Wilhelm II. mit der Emilie Ortlöpp aus Berlin. Er erhob diese zur Gräfin Reichenbach und beschenkte sie mit großartigen Gütern, die in Böhmen und Mähren zusammengekauft wurden. Die Kurfürstin, eine preußische Prinzessin, die sehr beliebt war, lebte entfernt vom Hose. Das sonst so ruhige und geduldige kurhessische Volk wurde in feinen Gefühlen aufs Aergste verletzt. Dazu kam noch der hohe Wildstand, der die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in bedauerlicher Weise schädigte; der verderbliche Schmuggel an den Landesgrenzen, die lästigen Formen im Händel und bei Ueberschreitung der Landesgrenzen, die drückenden gutsherrlichen Lasten und das rücksichtslose Auftreten mancher Beamten. < Da trafen die Nachrichten von Brüssel und Braunschweig ein und der ^Aufstand brach Ende September in der Provinz Hanau los. .Einige Tage später (28. September) erschienen kürhessische Neberläuser in den hessischen Grenzorten Laugen- vergheim, Himbach und Eckartshausen und wiegelten das Volk auf. Den Zollhäusern galt der erste Angriff; die Aufrührer verbrannten die Bücher der .Zollerheber, zertrümmerten das Mobiliar und ergötzten sich an einem Fäßchen Branntwein. Von da ab marschierten die Krawaller nach Mittel-Gründau, das an der Grenze liegt und etwa je 7 Kilometer von Gelnhausen und Meerholz (beide im ehemaligen Kurhessen) entfernt ist. In Mittel-Gründau fanden die Revolutionäre starken Sukkurs. Die Sturmglocke wurde gezogen, der Gemeinderat versammelte sich, der "Bürgermeister und der Lehrer traten an die Spitze der Rebellen und führten die Aufrührer nach dem eine halbe Stunde entfernten Hain-Gründau, wohin die Nachricht von dem Anmarsch des großen Haufens bereits gedrungen war. Deshalb standen schon alle Hain-Gründauer Männer und Jünglinge, die marschfähig waren und sich mit Stöcken, Beilen und Hämmern versehen hatten, zum Weitermarsch, nach Büdingen bereit. Unterwegs kam die Nachricht: Ein kleiner Haufen Väterlandsbefreier sei von einem in Büdingen aufgestellten Militärkommando zurückgeschlagen worden. Diese Nachricht verdoppelte den Zorn des großen Haufens, der von Minute zu Minute stärker anschwoll und bereits viele hundert Köpfe zählen mochte. Einer solchen Uebermächt gegenüber konnte das Militärkommando umso weniger Widerstand leisten, als die Einwohner von Büdingen mit den Krawallern fraternisierten. Die Einwohner schwenkten Tücher und Hüte und versprachen Hilfe gegen das Militär. „Es wird vernichtet werden, wenn geschossen wird!" schrien die Zornigsten, die sich nachher am ersten verkrochen. Ein Bauer, der den Einzug in Büdingen mitmachte, erzählte : „Wir wurden bei unserer Ankunft in Büdingen cmp- fangen wie ein König oder Kaiser. Aus allen Fenstern schauten Leute heraus, die uns als Befreier begrüßten. Man drückte uns die Hände und labte uns mit Speisen und Getränken." Um zwei Uhr nachmittags war der Zug in Büdingen; ohne Zögern begannen die Verwüstungen an den Gebäuden des Staates und des Grafen. In erster Linie richtete sich dm Zerstörungswut der irregeleiteten Menschen auf die staatlichen und gräflichen Dienstpapiere: auf die Steuerlisten, die Heberegister über Holz- und Grasgelder, weil die Anf- rührer glaubten: Wenn diese Register und die Prozeßakten verbrannt sind, kann nicht mehr festgestellt werden, was einer schuldig ist und die Schuld fei’ dadurch getilgt. Waren diese Papiere und Akten beseitigt, so begann die Verwüstung der Wohnungen und der Möbel. Ein Angriff auf das Landgericht und die Wohnung des Landrichters wurde zwar verhindert, hier floß jedoch das erste Blut. Ein Mann erhielt einen Stich mit einer ) Auch in Berlin, Hamburg, Karlsruhe, Altenburg und im Königreich Sachsen kamen Kraivalle vor, die jedoch schnell unterdrückt wurden. Heugabel; die Wunde war lebensgefährlich, der Verletzte starb an der Verwundung. Gegen Abend kam denk Grafen Ernst Kasimir"') ein rettender Gedanke. Es ertönte Musik, hinter der die Stadtfahne hergetragen wurde. Schleiinigst stieg der Graf zu Pferd Mrd ritt hinter der Fahne her, die die Richtung nach Norden, nach dem sog. Jerusalemer Tor hinaus und bem: Dörfchen Büches, nahm. Von allen Seiten kamen die Krawaller herbei nnd schlossen sich dem Zuge an. Viele angesehene Personen aus Büdingen taten ebenso. Binnen einer halben Stunde waren die Rebellen hinausgelotst nnd Büdingen schien wie aus- gestorben. Der Graf und die Bürger Büdingens marschierten bis nach Büches mit, wo sie zur Seite traten und den Zug vorbei marschieren ließen, dann zogen sie — von Sorgen befreit — nach dem schön gelegenen Heimatstädtchen zurück. Die Aufrührer waren von der feinen Behandlung nnd der Ehre, die ihnen angetan wurde, so begeistert, daß sie den Grafen zum König von Büdingen ausrufen wollten. Von Büches marschierten die Ausrührer nach Bleicheii- doch, wo sich der Haufen, der immer stärker anschwoll, spaltete. Der eine Teil marschierte über Ortenberg nach Gedern und schotten, der andere nach Nidda-, Wo, sich Gelegenheit fand, wurden Verwüstungen vorgenommen. Besonders übel hausten die irregeleiteten Menschen in Ridda. Die Dienstakten im Landgericht, alle Möbel, Türen, Fenster wurden zertrümmert, selbst die Tapeten rissen die verrückten Menschen herunter. Hiermit war dem Haß bet* Krawaller noch nicht Genüge geleistet, sie vergriffen sich auch an bem Privateigentum der Beamten. Der Landrichter erlitt einen Schaden, der nachträglich auf 5300 Gulden (zirka 9*200 Mk.) geschätzt wurde. Sehr unangenehm wurde dem damaligen Pfarrer in Nidda mitgespielt; er hatte sich besonders devot benommen, als der Großherzog, einige Jahre vorher, durch Nidda reifte. Die Bauern setzten den Pfarrer auf einen dürren Klepper, zwangen ihn an der Spitze des Zugs zu reiten und von Zeit zu Zeit zu rufen: „Es lebe die Freiheit!" Nachdem die Krawaller die ganze Nacht vom 29. auf den 30. September in Nidda getobt hatten, zogen sie früh morgens auf der großen Straße, die von Nidda durch die Wetterau nach Friedberg führt, auf das Dorf und das Schloß Bingenheim los. Dieses alte Schloß war n a ch dem 30jährigen Krieg von 1648 bis 1681 die Residenz des Landgrafen Wilhelm Christoph von tzefseu-Gingenheim, einer Seitenlinie von. Hessen-Homburg. Als die Linie erlosch und die kleine Land- grafschaft, die auch "die „Fuldische Mark" genannt wurde, an Hessen-Darmstadt zurückfiel, wurde das Schloß zu Dienstwohnungen für den Rentamtmann und den Forstinspektor umgewandelt. Auf den Rentamtmann und seine DienstnktenH hatten es die Aufwiegler in erster Linie abgesehen. Dieser Beamte war dienstlich verpflichtet, die herrschaftlichen Güter, Wiesen und Aecker zu verpachten, die Pachtschillinge zu erheben, die Holzgelder einzutreiben, die Zehnten, Gilten und Zinsen ilnd sonstigen Lasten und Abgaben hereinzubringen, abgesehen von anderen dienstlichen Arbeiten. Tas Geld >var vor 80 Jahren sehr rar, die Verdienste schlecht, die Beitreibung der Rückstände stieß darum auf große Schwierigkeiten: ohne Härten ging es nicht ab. Das Beitreibungspersonal bestand, und besteht heute noch, aus dem Pfandmeister, dem Rentaintsdiener, der auch Donkäuenbote und zu damaliger Zeit das „Groscheu- männchen" genannt wurde und einem vom Ortsvorstand! zu ernennenden Zeugen. Den Spitznamen Groscheirmännchen erhielten die Domänenboten bezw. Rentaintsdiener deshalb, weil sie die Mahnzettel austragen mußten und von jedem Mahnzettel eine Gebühr von 3 Kreuzern = einem Groschen zu beziehen hatten. Wurde der Schuldner zahlungsunfähig, so konnte das Groschenmännchen seinen Groschen und seinen s) Er wurde 1840 in den Fürstenstand erhoben. 4) Die nachfolgenden Schilderungen stammen von Augenzeugen und zwar von Altbürgermeister Lahm in Bingenheim, sowie von dem „alten Schwab", der heute noch als. geistig und körperlich rüstiger Greis von 94 Jahren in Bingenheim lebt. Ferner benutzte ich die aktenmäßige Darstellung des „Bauernaufstandes in der Großh. Hessischen Provinz Oberhefseu im Herbst 1830 von Laudgerichtsdirektor Stammler in Gießen", sowie verschiedene Anhaltspunkte aus den Reutamtsrechnuilgen und Beitreibungsakteii. — 388 Anteil an den Pfandgebühren in den Schornstein schreiben. Um dies zu verhüten, strengten die Mahnbvten ihren Scharfsinn an, der darauf hinauslief, die Hilfsquellen der Schuldner ausfindig gn machen. Das Groschenmännchen weiß, wieviel Ellen Darm jeder Schuldner im Leibe hat, hieß es früher unter den Leuten, womit ausgedrückt werden soll: Er kennt die Vermögeusverhältnisse der Zahlungs- pflichtigen auf das genauste. — (Schluß folgt) Var Luftschiff im Kriege. Die jüngste große Dauerfahrt des Grafen Zeppelin, bei der das neue Luftschiff trotz des schweren Unfalls bei Göppingen durch eigene Kraft nach notdürftiger Reparatur die Heimreise vollenden konnte, hat in England zahlreiche Betrachtungen hervorgerufen. In einem Londoner Blatte spricht sich jetzt der bekannte englische Kriegskorrespondent William Maxwell' darüber aus, welche Rolle die ver- vollkommueten Luftschiffe int Kriege spielen würden. Er spricht dabei von den beiden Schulen, die sich gebildet haben; die eine vertritt den Standpunkts daß das Luftschiff in seinen wichtigsten Leistungen stets auf den Kundschafter- dienst beschränkt bleiben werde, während andere mit reger Phantasie im Luftkreuzer eine der verderblichsten neuen Offensivwasfeu sehen, die um so vernichtender wirken ntuß, als sie in den Höhen so gut tote unangreifbar sind und nicht allein als Truppentransportmittel, sondern durch das Auswerfen von Bomben und Minen unabsehbare Verwüstungen in den Tiefen anrichteu können. „Künftige Er- fahrttngen," so sagt Maxwell, „werden zwischen diesen gegensätzlichen Anschauungen entscheiden. Wir müssen uns einstweilen auf jene Theorien beschränken, die durch die Praxis und durch Beobachtungen gestützt sind. Was wäre hie Folge einer Luftschifsinvasion? Würden sie mit Explo- sivstosfen beladen daherkommen unb trotz des internationalen Völkerrechts London in Stücke zerschmettern? Es fehlt nicht an Leuten, die dies bald für möglich halten, und die haarsträubendsten Bilder hat man bereits entworfen von der zerstörten Riesenstadt, die wehrlos einer Luftflotte preisgegeben ist. Wem die Wirkung der Cxplo- sivmittel aus eigener Anschaltung bekannt ist, den müssen solche Träume wie die Phantasien eines gestörten Gehirnes anmuten. Die Zerstörungskraft der Granaten und Torpedos ist gewiß gewaltig, wenn die Umstände günstig sind, aber niemals so gewaltig, wie man im allgemeinen an- nimint. Während der jüngsten Kämpfe in Konstantinopel war die Taschkischla-Kaserne die Zielscheibe eines lebhaften Artilleriefeuers; später verrieten nur einige unbedeutende Löcher in den Wänden die Beschießung. Port Arthur zeigte uacb dreimonatlicher Beschießung durch die schwersten Geschütze vom Land und von der See nur geringe Spuren der Zerstörung, ausgenommen in der enggedrängten Chinesenstadt, die unmittelbar am Hafen liegt. Die durch Torpedos von den Russen zerstörten Kriegsschiffe konnten trotz der gründlichen und planmäßigen Verwüstungen von den Japanern wieder zusammengesetzt werden. Ladysmith, das in vier Monaten mit 25000 Granaten überschüttet wurde, Überstand das Bombardement mit unbedeutender Beschädigung. Die Verschanzung der.Derwische beim Omdurman wurde von englischen Kanonenbooten mit Lidithgeschossen beworfen, blieb aber in Wirklichkeit unbeschädigt und die Verschanzungen von Pretoria, die stundenlang energisch beschossen wurden, überstanden die Prüfung mit der Vernichtung eines Ausguckpostens. Jeder neue Krieg beweist eher die Bedingtheit als die Furchtbarkeit der Geschoßwirkungen, und dem, der ans die Ebene vor Liao-Pang hinabgeblickt hat, als die feuerspeienden Geschütze der Japaner und Russen einen Stahlhagel heriiiedersandten, mag einige Skepsis verziehen werden. Es soll damit nicht etwa die. Harmlosigkeit der modernen Geschosse behauptet werden, sondern nur, daß ihre Wirkung von bestimmten Umständen abhängt. Wenn unter so günstigen Umständen aus sicherer fester Lage nach genauen Zielvorbereituirgen abgegebene Schüsse so unverhältnismäßig bescheidene Resultate ergeben, was wird man von Geschossen erwarten, die nur durch die Schwerkraft getrieben ans den Wolken herunter- geworfen werden? Zunächst müßte die Anzahl dieser Geschoße so groß fein, daß eine ganze Flotte von Zeppelins den Himmel verdunkeln würde, die wiederum ein Ziel böten, das schwer zu fehlen wäre. Und nun das Zielen der Artilleristen in den Luftschiffen. Versuche in Frankreich haben gezeigt, daß aus einem Luftschiff Sandsäcke in ein Fort geworfen werden foulten. Aber Genauigkeit ist alles und wenige Zoll verhindern die Zerstörungskraft. Gewiß wäre London ein unfehlbares Ziel, und niemand wird bestreiten, daß es schwer beschädigt werden könnte, aber die Zerstörung wäre ungleich geringer, als die Phantasiebilder der Unerfahrenen annehmen. Die Sachverständigen stimmen überein, daß die Mitnahme von Geschützen an Bord der Luftschiffe und der Transport von Truppen eine theoretische Gefahr, keine praktische ist." Maxwell spricht dann von den neukonstruierten Geschützen zur Zerstörung von Luftschiffen, aber ex überschätzt ihre Wirksamkeit nicht. Die Luftschiffe werden seiner Ansicht nach im großen ganzen immer wieder nur von Luftschiffen bekämpft werden können. Das Luftschiff selbst aber ist trotz aller Fortschritte immer noch von der Gunst der Winde und der Witterung abhängig: „Als eine stets zuverlässige Waffe bleibt es daher außer Betracht." Die Verdienste des Grafen Zeppelin um die Luftschiffahrt erkennt der englische Kritiker bewundernd an, aber einstweilen liegt nach seiner Ansicht die einzige praktische Bedeutung der Fortschritte in der erhöhten Möglichkeit, die Luftschiffe zu Kundschaftszwecken zu verwenden. Eines Tages werden diese Grenzen sicher überschritten werden, das Luftschiff wird die Sicherheit des Seedampfers haben; dann aber werde es Englands Aufgabe fein, die Luftherrschaft zu ergreifen, wie es heute die der See. inne hat . . . Vermischtes. * Jemand einen Denkzettel geben. Das in seinem zweiten Bestandteile auf das lateinische schedula zurückgehende Wort bedeutet von Haus aus ein Blatt Papier, auf dem man für s ich etwas vermerkte, um sich gegebenenfalls daran erinnern zu können. Jedenfalls ein sichereres Mittel als der bekannte Knoten im Taschentuche. Er ist eigentlich der Vater unserer „Notizbücher". Natürlich konnte man einen solchen Denkzettel auch einem anderen geben, um seinem Gedächtnisse aufzuhelfen. In Hans Sachsens „Kauf- mantt mit bef Sackpfeife" erhält dieser, im Begriff nach der Frankfurter Messe zu reisen, von allen seinen Nachbarn Aufträge und läßt sich von ihnen Denkzettel darüber schreiben, um ja an Ort und Stelle keinen der Aufträge zu vergessen. Sicherlich würde er auch keine der aufgetragenen Besorgungen unterlassen haben, wenn ihm nicht ein widerwärtiger Windstoß alle diese Denkzettel in den Marn entführt hätte. Wie man sieht, hat dieser Denkzettel noch durchaus nicht die böse Bedetitung von heute, nach der er ein Etwas ist, bei dessen Anblick der andere sich an gewisse unangenehme Dinge erinnern soll. Aber er erhielt diese Färbung früh genug. Schon im „Lustig gesprech der tensel" (1542) heißt es: Gott hat aber eins (= eines Males) beweiset seine Macht Und den Papisten ein Denckzedel bracht, Tarin sie mügen lesen und scheit, Das ir Praktik und anschlag gar nicht wöllen bestehen. In diesem Sinne können nun auch Dinge, Vorgänge u. a. (z. B. Krankheiten) dein Menschen einen Denkzettel hinterlassen („geben"), der ihn an vergangene liebet erinnert. * A.: „Was macht deine Frau?" — B.: „Weiß Nicht. a't voriger Woche entschlüpfte mit eine ihr mißfällige Bemerkung, und seither hat sie kein Wort mit mir geredet." — A. ochuellj. „Sag' mal, mein Lieber, was für eine Bemerkung war das? Magisches Quadrat. In die Felder nebenslehenden Quadrats sm» die Buchstaben BHEEIIKLLOOOO T ZZ derart einzulragen, daß die ivngrechtca", senkrecht.Reihen gleicl)laiile>id folgendes beoeimn • 1. Ein Naturprodukt. 2. Musikinstrument. . 3. Name aus der nordischen Mythologi • 4. Heilt oft die schwersten Wunden. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: W e r z u s e h r sich e n t s eh u l d i g t, b e s eh u l d i g t s i w Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Biich- und Steindriickerei, R. Lange, Gießen.