PW 6) S |'sl|iS]ll| «SM R'-MA I »L. Rheinlandstöchter. Roma., von Clara Vie big. (Fortfthung.) (Nachdruck verboten.) Cr mußte lachen wider Willen — das war wieder der alte frische Ton, der ihn anmntete lute Waldesrauschen und erquickender Windhauch! Er glaubte keinen gleichen Klang gehört zu haben seit Jahren. „Und was macht Ihre Fran Mutter? Wie leben Sie? Was war das für ein .alter jovialer Herr, der mir eben aufmachte?" Ein Schatten glitt über Neldas Gesicht, sie zögerte einen Augenblick. „Der Mama geht es ganz gut; sie würde sich auch sehr freuen. Sie zu sehen, aber jetzt gerade kann sie nicht, sie — ach, warum soll ich's nicht sagen?! Ich habe sie geärgert. Aber Sie werden doch wiederkommen, nicht wahr?" 'Sie sah ihm zutraulich bittend in die Augen. „Dann habe ich Mama hoffentlich nicht gerade geärgert. Der alte Herr ist Rentier Schmolle, unser Mieter — ein sehr guter Mann — doch lassen wir das, sagen. Sie mir, was macht Ihre Frau, und Ihre Kinder, Ihre lieben Kinder?" „Sie werden uns besuchen, Nelda, ja? Sie versprechen es mir, Hand darauf!" „Aber" — das Mädchen sah ihn groß an — „Sie wissen doch, Ihre Frau mag mich nicht mehr!" Ein tiefes Not schoß ihr über die weiße Stirn. „So schwer es nur wird, ich möchte dann auch lieber nicht, daß Sie uns besuchen, wenn Ihre Frau es nicht leiden mag!" Unsinn!" Er lachte ein klein wenig forciert. „Kindereien! Elisabeth ist jetzt ganz anders, ich glaube, am liebsten wäre sie selbst mit herauf gekommen. Sie hat mich mit den Kindern bis hierher begleitet und" — er zögerte — sollte er sagen: sie steht unten ? _ ; „Warum ist sie denn nicht Mit herauf gekommen-' Ach, Nelda, Sie kennen ja Elisabeth, bei aller Herzens- aütc'ist ie doch ein bißchen — nun wie soll ich sagen?" Er suchte verlegen nach einem Ausdruck, sie sah, wie eine langsame Röte ihm ins Gesicht stieg. Solchen Zug hatte er immer gehabt, wenn Frau Elisabeth etwas sagte, was ihm nicht ^"b^Das schadet nichts," kam sie ihm zu,Hilfe. „Ich- komme zu Ihnen!" ■ ,, O Sie!" Er machte eine Bewegung, als wolle ec ihre Hand an die Lippen führen, aber dann schüttette erste ihr wie einem guten Kameraden. „Sie sind nicht kleinlich! Mein Gott, loie konnte ick's eigentlich aushalten, sechs,- nein, sieben lange Jnhre, ohne von Ihnen" —„ Er kam nicht dazu, auszusprechen, draußen hatte es leise au der Klingel gerührt. Nun noch einmal. Sie horchten beide, eine Kiuderstimme wurde laut. Jetzt steckte Herr Schmolte sein rotes Gesicht zur Tür herein. „Herr Major, ergebenster Diener, entschuldigen Sie, der Herr Sohn fragen nach dem Herrn Papa! Ein charmantes Jungchen! „Papa, du fällst 'rnnterkominen," tönte Friuchens Stimme im Hintergrund. „Die Mama is ungeduldig!" .Mander wurde glühend rot. „Ich komme gleich, geh' voran, Fritz!" Hastig ergriff er Neldas Hand. „Und, Fräulein Dallmer, nicht wahr, Sie kommen zu uns, bald?" . Sie nickte flüchtig. Mit sehnsüchtigen Augen sah sie zu. dem Jungen herüber! der auf der Schwelle stand, die Beins gespreizt,' die Hände in den Hosentaschen, die blaue Matrosenbluse über der gewölbten Brust offen, die Mütze keck auf dem blonden Kopf. Er sah der Blutter ähnlich, Zug mit Zug; aber er hatte des Vaters treue Augen. „Und das ist Fritz?!" Nelda eilte auf den Knaben zu und legte ihm deii Arm um die Schultern. „Du kannst mich nicht kennen, lieber Junge, aber ich kenne dich sehr gut, ich habe dich auf dem Arm gehalten, als du noch ein ganz kleines Wickelkind warst! " . . Der Junge wurde rot, es kam ihm höchst despektierlich vor, einmal ein Wickelkind gewesen zu sein; dann aber riß er die Mütze vom Kopf und sah Nelda offen an, mit einem klaren fragenden Blick. , „ „ . „Grüß' deine Mutter von Tante Nelda, horst du t „Tante Nelda, ja!" , Sie bückte ich hastig und küßte ihn auf die Stirn. „Du lieber Kerl! O wie glücklich Sie sind!" wandte sie sich zu Kalander; es kam ihr ans tiefstem Herzen. „Und Sie kommen zu uns, Nelda, Sie kommen? „Ich komme. Ich muß Ihre Kinder sehen, ich komm« „Komm jetzt, Papa," sagte Fritz und faßte des Vaters Hand. „Du, man muß Frauenzimmer nicht warten lacken, du weißt doch! Fall nicht, hier sind Stufen! Ich darf doch aus der Straße auch mit dir gehen, Papa, ).a? Wir beide! Ich geh' am liebsten immer mit dir." • • * Im Berliner Zimmer war eitel Wehklage, Frau Rätin schwamm in Tränen. Sie hatte sich ebc-* zu sehr über Neld« geärgert. Sagte doch das undankbare n.no aus Aule» des Briefes, der vom Onkel gekommen war — man hatte ihm von Neldas Krankheit geschrieben und er wünschte dringend die Nichte zu ihrer Erholung bet sich zu haben, wolltemun- gehend das Reisegeld schicken und so weiter - sagte doch da- undankbare Kind: „Mama, da reis' ich gleich, ^ch freu mich unsäglich, bei. Onkel Konrad zu sein und sehne mich nach Papas Grab!" Wie unzart, immer vom Grab zu sprechen! „Du wirst mich nicht zu sehr vermissen, Mama, batte sie auch gesagt. Wie bockig sie war, jetzt gerade reisen zu wollen, wo man sie so nötig brauchte! ä Frau Rätin weinte ihr Taschentuch naß, dagwischeu borckte sie auf die Stimme int Vorderznmner. Wie fatal, daß sie nicht Heroingehen konnte zu Mander; aber mtt den roten Augen, nein! lind angezogen war sie amh nicht, lieber den Aerger mit Nelda mußte entern ja alles ver- aeben — Gott,'wie sollte das noch werden-'! m Ö ' Schmolle ging ab und zu und ermutigte. „Reden wn. reden tote mau endlich frei von der Leber weg! Sie werden sich doch nicht vor Ihrem eignen Fleisch und Blut fürchten, Berehrteste? Na, da brate mir einer 'nen Storch! Mir ist es sehr ä propos, wenn die Sache MNl Klappen kommt. Sehen Sie mal, der erste Juli isst vor der Tür, wir kündigen, machen Hochzeit, feine Reife nach der Ostsee oder dem Harz oder nach Friedrichsroda, was? Ersten Oktober sitzen wir gemütlich eingespunden in unsrer neuen Wohnung, Berlin W. Kott sei Dank, wir können's ja!" „Ach, wie schön!" Die Rätin seufzte sehnsüchtig, dann schaute sie ängstlich nm. „Aber Neida, Nelda —?!" „Na, sie reist eben mit uns. Ich habe Neldachen sehr gern. Und es ist ja auch für Sie hochinteressant!" „Gott, Schmolke, lu-ie Sie Nelda kennen" — der Ton war ganz ärgerlich — „als ob die so gleich Ja und Amen sagte! Ich möchte lieber sagen, ich habe einen totgeschlagni, als ihr das erzählen. Ach, könnte man mal ein Glück hadert, gleich wird es einer» getrübt! Meinetwegm mag sie Ku den: Bürgermeister, aber jetzt doch nicht; ich kann sie iricht entbehren. In ein paar Tageir läßt sich doch feine Hochzeit Herrichten; und so lange rnuß sie bei mir bleiben, die Dehors müssen gewahrt werden!" „Aber, Werte, bei uns alten Leuten!" „Das ist ganz egal. Ich 'weih gar iricht, tvas Sie immer mit dem Alter wollen! Die Dehors müssen gewahrt werden, nran ist das fernem Stand schuldig. Mein guter Dallmer war Regierungsrat, mein Vater Registrator und mein Onkel" — hier machte sie eine kleine Pause — „Geheimer Rechnungsrat! " „Ja, freilich, freilich!" Schmolke wurde ganz rot vor Bewunderung; sein Vater hatte Korinthen rind Zichorien verkauft urrd die Düten selbst gedreht in dem dunkeln Lad- chen des kleinen märkischen Fleckens. Er war froh, als es draußen zweimal klingelte, urrd verschwand. Nach fünf Minuten kam er mit Nelda wieder herein. „Nun, wie war’s?" Frau Dallmer hatte begründete Ursache, einen freundlicheren Ton gegen die Tochter anzuschlagen; sie sah, wie Schmolke an seiner Krawatte zupf.e und beit gestreiften Hemdbusen berausdrückte. Er präparierte eine Ansprache. Ihr schwindelte. „Na, Neldachen," sagte der gute Schmolke und klopfte das Mädchen auf die Schulter, „das war ja 'ne Freude! Wirklich ein nobler Mann, außerordentlich nobel, und das Jungchen ganz charmant! Was Sie alles für Bekanntschaften haben! Aber nun bleiben Sie auch lieber hier, nicht wahr, Neldachen? Sie werden doch Muttern nicht kränken Und jetzt reifen ? Sehen Sie mal" — er druckste und schluckte Und räusperte sich — „wir können Sie jetzt absolut nicht entbehren. Wir" — er druckste wieder und schluckte und bekam sogar einen Hustenanfall — „wir — nämlich — sehen Sie mal" — eine atemraubende Pause. Frau Rätin hatte das Gefühl, in ein Mauseloch kriechen zu müssen. „Wir, nämlich die Frau Mama und ich — sind gesonnen, in den heiligen Stand der Ehe zu treten!" Es war heraus, Gott fei Dank! Nelda fühlte ein eigentümliches Zittern in den Knteen; sie mußte sich am Tisch niederlassen und den Kopf in die Hand stützen, alles ging mit ihr rundum. „Also doch — «lso doch?!" War es ihre Stimme, die das sprach, merkwürdig starr und klanglos? Sie warf keinen Blick zur Mutter herüber, sie konnte nicht; ein eisernes Gewicht drückte ihr den Nacken nieder, glühende Röte stieg ihr bis in die Stirn — das war die Scham. „O, mein Vater, mein Vater". Sie hätte laut herausfchreien mögen: „Du bist vergessen, dein Name wird abgeworfen wie gar nichts — Vater, Vater ist's möglich?!" Sie Pein stieß ihr fast das Herz ab, die Kehle schnürte sich zu, kein Laut wollte über die Lippen. Fran Rätin sah angstvoll nach der Tochter hin, sie hatte einen lauten Ausbruch gefürchtet. „Nelda, ach, sei nicht böse," bat sie kläglich, „es mag dir ja komisch sein, aber so eine atme Witwe wie ich! Und Schmolke ist so gut — und es ist ja auch gut für dich! Denk' mal, du brauchst dich nicht mehr mit Stundengeben zu quälen! Ach Gott, du hist ja mein einziges Kind, wie liegst du mir am Herzen — Neldachen, verdirb mir doch das Vergnügen nicht!" Die Tochter hielt die Lider krampfhaft gesenkt; war das Trotz oder Schmerz um ihren Mund? Wohl nur das letzte; es klang unsäglich traurig; „Und hast du denn Papa ganz vergessen?" Jo nein, o nein!" Frau Rätin brach in lautes Schluchzen aus. „Er war ja meine erste Liebe. Aber ich habe zu viel durchgemacht int Leben; immer Krankheit, und nicht so mittun können, wie man eigentlich gemußt und gern gewollt hätte! Da wird man zuletzt praktischer. Danke du Gott, daß du eine Mutter hast, die immer dein Bestes bedenkt, andere Mütter sind ganz anders, die denken nur an sich. Mein Himmel, was hast du für ein Glück, daß du so einen guten zweiten Papa kriegst, der dich lieb hat und für dich sorgen will!" „Ich will seine Siebe, ich will seine Sorge nicht, schäm' dich!" Tas schwebte Nelda auf der Zunge; da — eine todeskalte Hand legte sich ihr auf den Mund — halbverlöschte Schriftzüge zeigten sich ihren Augen, von der unsicheren Hand eines Sterbenden aufs Papier gekritzelt — ein fernes, fernes Flüstern tönte: „Sei gut gegen deine Mutter, sie ist schwach und bedarf der Stütze." — — — Ein Zittern lief durch Neldas Glieder. „O mein Vater!" Mit einem Jammerlaut legte sie den Kopf auf den Tisch. „Regen Sie sich nicht auf, Neldachen, man ja nicht!" Schmolke kam langsam um den Tisch herum und pflanzte sich neben das Mädchen hin; mit der einen Hand trommelte er verlegen auf die Platte, die andre versuchte ungeschickt die blonden Haare zu streicheln. „Na, sehen Sie, Neldachen, ich kann das gut begreifen, daß Sie nicht sehr erbaut sind; so'n Manu, wie Ihr Herr Vater, bin ich schon lange nich — wenn ich allein die Stellung bedenke! Aber, Kindchen, man muß mit den Verhältnissen rechnen!" Sie hob den Kopf und sah so gramvoll ins Leere, daß dem guten Schmolle eine Gänsehaut Über den Rücken kroch. Hätte sie lieber geheult, es wäre noch angenehmer gewesen. Das besorgte freilich Frau Rätin fchon zur Genüge. Tie wischte sich die Augen und putzte sich die Nase, jetzt klang's mit ganz verquollner Stimme: „Ich habe in meinem Leben immer verzichten müssen — wenn Nelda sich so lieblos stellt — da können wir's ja auch ausgeben!" Mit einem vehementen Ruck legte sie nun auch den Kops auf den Tisch. Ter arme Schmolke stand wie angewurzelt, er sah angstvoll von der einen zur andern. „Gotte doch," stieß er endlich hervor, „ich habe es doch nur gut gemeint! Teuerste, Verehrteste, Werteste, kriegen Sie man nicht gleich so verzweifelte Gedanken! Und, Neldachen, gucken Sie nich immer gradeaus, gucken Sie Schmollen mal an, ein einzig Mal! Was — sehen Sie so, das war nett! Und nun geben Sie mir mal die Patsche — so. Wissen Sie, Neldachen, ich will mich ja auch gar nicht mit Ihrem Herrn Vater gleichstellen, Ehre, wem Ehre gebührt! Ich bin kein studierter Mann, dafür hat's in der Jugend nich gelangt. Aber ich verehre die Frau Geheime unaussprechlich" — hierbei verbeugw er sich und legte die Hand aufs Herz — „die ist grade so ne richtige Frau, wie sie im Buch steht. Sie sorgt so gut für mich; wir ergänzen uns, was sie zu viel hat, habe ich zu wenig und umgekehrt. Sie ist allein, ich bin allein. Für sie ist es ’ne Versorgung, für mich 'ne Ehre. Man muß die Sache nur richtig beleuchten. Und, Neldachen, sagen Sie selbst, Ihnen bin ich doch immer herzlich gut g-ew seit was? Neldachen, können Sie mich denn gar nicht leiden?" Ter alte Mann hatte so etwas Gutmütiges in der Stimme, bittend sah er das Mädchen aus den kleinen hellblauen Augen an. Neldas Gesicht wurde unwilllürttch um einen Schern freundlicher. „Ich habe auch gar nichts gegen Sie, Herr Schmolke!" „Äa, fcljcn !" "Es ist mir nur so schrecklich" — Nelda stockte und warf zum erstenmal einen Blick zur Mutter hinüber — „daß Ma — daß meines Vaters Frau je wieder neben einem andern leben kann, als ob — o wenn Sie meinen Vater gekannt hätten!" Sie hob die gefalteten Hände, eine hei.ige Zärtlichkeit war beim letzten Wort in ihrer Stimme. „Meinen Vater!" Tie Tränen fingen an, ihr schwer ans den Augen zu tropfen, (Fortsetzung folgt.) Seltsame Frauenberufe. Plauderei von M. Kotzak. Daß beit Frauen, die man mit ihrer Tätigkeit ehedem' frt Küche, Keller und Kinderzimmer verwies, sich allgemach fast! alle Berufsarten eröffnet haben, ist allbekannt. Gibt es nicht in Schottland bereits einen weiblichen Geistlichen, sind nicht hier 783 Md dorr FrauÄl M SkchtIamMte öffentlich aufgetreten, hat Ulan nicht in Kvnstmy, Berlin, Bochum, Düsseldorf, Celle, Liegnitz, Oldenburg. -Osnabrück, Hildburghausen, Kattmvitz und Meiningen iveiblicha Mitglieder in die Schnlaussichtsbehörde ausgenommen UM? Und erst im freien Amerika! Dort hat man schon über 300 weibliche Provinzschulräte, der ungezählten Stadtschulräte gar nicht, zu gedenken; die Staaten Idaho und Colorado haben sogar weibliche Unterrichtsminister und — was fast unglaublich klingt,— der Staat Oregon nennt einen weiblichen Eonvenieur sein eigen. Mrs. Sheldon, die dort die Regiernngsgeschäfte der Republik mit, zarter Hand führt, vertritt zwar nur den zum Mmdessenat in Washington befohlenen Gouverneur, aber sie vertritt ihn doch als Staatsoberhaupt der Berfassnng gemäß. Tas rst immerhin. bemerkenswert, umsomehr, als sie sich von der StrKung einer einfachen Maschinenschreiberin bis zu ihrem heutigen veranttvortungs- und ehrenvollen Posten hinaufgearbeitet hat. Fast iwch seltsamer berührt es uns, da st eine Londoner Bvr- vrlgenreinde weibliche Detektivs zur lleberivachung der Lebens- mittelfälschung mrgestellt hat. Frauen als Detektivs sind ja »n sich kenis übergroße Seltenheit, nur verwendet man sie eben «n Gehermen, das; nvan sie dagegen vor aller Welt als „Spitzel" bezeichnet und ihnen als solche Beamtenstellmrg einräumt, ist leben das Absonderlick-e. Im übrigen sind cS eigentlich nicht jette Frauenberufe, mit denen das „schöne itnb schlrache Geschlecht" starken ins Hand- ioerk psnscht, von betten ich hier reden will, sondern solche, die, sviveit bekannt ist, bisher noch von niemand, gleichviel ob Mann oder Weib, ausgeübt wurden. So fittb z. B. in unserer modernen Zeit eine Unzahl der wunderlichsten Fra neue rwerbsa rt-en aus dem Gebiet der Reklame gleich Pilzen aus der Erde herausgetrachfen. ßn Amerika und, wie man sagt, auch in England, leben v.ece Frauen und Mädchen davon, baß sie die zauberhafte Wirkling iraend eines Geheimmittels der staunenden Welt praktisch vor Augen führen. Die Sache spielt sich etwa derart ab: Ein Arzt erfindet einen Trank gegen Fallsucht. Bei einer Theater-Vorstellung verfällt nun eine Dame plötzlich ht Krämpfe; während man eben im Begriff ist, sie ans dem Schauspielhaus zu tragen, nähert sich ihr ein Herr und flößt ihr einen Lössel voll aus dem Inhalt einer Flasche ein, worauf die Patientin sich sofort rrlMt, und zlvar so völlig, dach sie inOande ist, der Vorstellung bis zum Schluß beizuwohncu. Ter barmherzige Samariter verfehlt aber natürlich nicht, das Publikum Mit dem Namen und der Bezugsquelle des Medikamentes bekannt, zu machen. Ein ««derer Fall, Ein schönes, junges Mädchen beschmiert sich das Gesicht derart, daß sie wie eine alte Frau erscheint, und besucht tn dieser Entstellung täglich ein bestimmtes Lokal. Tann besinnen eines Tages ihre Runzeln zu weichen und ihre Züge ein reines frisches Aussehen anzuuehmen, die Verjüngung geht nun schnell vorwärts, und bereits nach einer Woche ist aus der „Alten" eine in Jugendblüte strahlende Schöne geworden. Darüber befragt, wie daS Wunder hat geschehen können, erklärt sie, daß sie ihr«» entzückenden Teint irgendeiner neuen Salbe oder einem Haut- wässer zu danken habe. Trotzdem das Publikum diesen Schwindel genugsam kennt, fällt es doch immer von neuem daraus herein, wenn bie ReklanveHeldin ihre Rolle gut spielt. . Andere Arten der Reklame, die indessen nicht auf Täuschung brr Wenge hinauslanfen, sind folgende: eine Dame — aber notwendigerweise eine sehr schöne — zeigt sich an einem öffentlichen Ort mit kastanienbraunem Haar und am nächsten Tage mit aoldbloudcm; am dritten erscheint ihr Gelöst schwarz wie bie' Fittiche des Raben, am vierten iweiß wie Schnee, am fünften brandrot, am sechsten himmÄblau, am siebenten vosa und am achten gar meergrün. Dabei erzählt sie jedem, der es hören oder auch Nicht büren will, daß sie die Haarfärbnüttel, mit denen sie ihrem Hauptschmuck alle diese wechselnden .Farben verleiht, da oder dort zu kaufen pflegt. In der Regel nimmt sie auch gleich Bestellungen entgegen. Tas Auffallende ihrer Persönlichkeit, wel- ches in hohem Grade die Aufmerksamkeit der Leute erregt, zieht eigentlich immer Käufer des Mittels herbei. Sehr beliebt sind M» vielen Orten auch die lebendigen Modefignren. Es sind dies hübsche Mädchen, die irgendein Mvdewarenhans sehr vornehm und nach neuestem Geschmack gekleidet in belebten Straßen spazieren gehen läßt. Sie tragen den Namen und die Adresse der Firma in Riesenbnchstaben auf dem Rücken. Indessen wandeln sie nie sondern immer zu zweien ober dreien, einander unter» gefaßt haltend, daher. In unserer Reichshauptstadt, sah man vor einigen Jahren drei Männer, in völlig übereinstimmenden Mstümen von ausgeprägt gigerlhaftem Schik, derart die Straßen innsichcr machen, doch gewährten sie einen entschieden lächerlichen Anblick, während jene anmutigen Btädchen in ihrer Dreizahl im Gegenteil das Buge geradezu entzücken. Da sie aber keinerlei Schauspielerkünste bedürfen, um die gewünschte Wirkung aus- Wüben, so werben sie auch lange nicht so hoch bezahlt als bte vorgenannten Heldinnen den Reklame. Daß gebildete und fesselnde Frauen in Bädern und anderen Fremdenorten von! den Wirten häufig umsonst, volle Verpflegung und noch -Geld .obendrein erhalten, um die Tafel mit ihrer .Unterhaltung zu beleben und Kberhaupt Gäste herbeiznziehen, ist ebenfalls keine Fabel.., Alle diese Berufsarten sind, wenn sie von ihren Vertreterinnen auch Schönheit ober Talente erheischen, doch überaus.leicht aus- Miübrn, doch gibt es einen, der weder geistige noch kürpertcckje Vorzüge verlangt, und dem man gerecht werden kann, ohne arbeiten zu müssen, der aber dessenungeachtet kein leichter genannt werden kann. Es ist dies der Bents der S ch n h a u s t r e t e r i n. Biela ^Tanten haben sehr empfindliche Füße und scheuen sich' neue Stiefel anzuziehen, daher lassen sie jedes Paar, bevor sie es selbst in Gebrauch nehmen, vorerst einige Tage von einer anderen Fran tragen. Damit die Schuhe aber rasch ausgetreten! werden, muß die berufsmäßige Schuhanstreterin immer einen um em ganz weniges größeren Fuß als ihre Kundin haben. Tie «chuhaustrcterinnen sollen von den Eigentümer» großer Schuhladen bett Damen empfohlen werden. Da ich gerade bei den Schuhwaren bin, will ich noch erzählen, daß in den meisten amerikanischen Städten die auf Straßen und öffentlichen Plätzen das Handwerk des Schuhwichsens ausübenden Persönlichkeiten junge 'Mädchen sind. Sia tragen sogar eine eigene, recht kleidsame! und Mette Uniform. Es will uns dünken, als ob diese Tätigkeit sich für Männer besser eignen sollte als für Frauen, aber läßt sich ein gleiches nicht auch von der des Baders sagen? Und do d findet man zurzeit in England und Schweden zahlreiche Angehörig« des weiblichen Geschlechts, die die Herren kunstgerecht rasieren und ihnen das Haupthaar schneiden. Es verdient sich eben jeder sein Brot so gut rote er kann. Wenn eine Frau es aus einem ihrem Geschlecht allerwegen zugänglichen Arbeitsgebiet nicht vermag, so muß sie wohl ober übel nach einem neuen suchen'. Auf welche wunderliche Gedanken zur Erreichung ihres Zicks sind nicht heute manche Frauen ge- kommeii? Da gibt es in einem Seebäde — ich glaube einem nirckienfrirrgischen — ein Mädchen, das ein bedeutendes Maltalent besitzt, mit dem sie sich in einzigartiger Weise ihren Unterhalt verschafft. Sie streut nämlich mit gefärbtem Sand in den Seestrand riesige Bilder — meist Porträts, daneben aber solche von arabeskenartigem Charakter, bie .großen Teppichen ähneln. Ihre Bilder gekrönter Häupter sind nach bett Nachbildungen in Zeitschriften außerordentlich ähnlich. Sobald diese Gemälde fertig find, zerstört fiel sie wieder. Tie Malerei, frei der sie sich Tüten bedient, die unten offen sind, geht fabelhaft rasch vmOattm. Merk« würdig ist es nur, daß die Künstlerin bisher iwch in keiltest Spielhalle aufgetreten ist. Eine andere für Bildhauerei begabte Dame versteht es, Bäume und Büsche so zurecht zu schneiden, daß sie dis Ansicht von allerhand menschlichen Typen gewähren. Ihrs Fertigkeit wird hier nnd dort, am häufigsten aber wohl in England, in Anspruch genommen. Unter Umständen entwickelt sich aus dem von Erfolg gekrönten Versuch einer einzelnen mit Phantasie nnd Geschmack begabten Persönlichkeit sogar ein blühendes Gewerbe für viele. Tas trifft s. B. für das der „Blumendoö- terirnien", auch „Bluinenverbesserinnen" genannt, zu. Wir finden sie vornehmlich in Frankreich, aber auch in anderen Ländern und Orten, wo der Blumenhandel ein bedeutender ist. Tiefe Frauen! fügen kostbare, aber schon halb entblätterte Blüten so zusammen, das; man ihren Mangel nicht bemerkt, sie machen aber auch welke wieher frisch. Eine Päonie wird in ihrer Hand durch Umbiegeni der Blätter zur herrlichsten Rose, eine Campannla zur seltenem Orchidee und eine weiße Rose durch Färben zur blauen oder grünen. Ich habe im verflossene» Jahre z. B. Narzissen, Maiglöckchen uno Wasserrosen im schönsten Himmelblau gesehen, die ihre uw- wcchrscheinliche Farbe solch einer Künstlerin verdankte>t. Wer Phantasie, Erfahrung und Geschicklichkeit auf dem Gebiet besitzt, kamt mit dieser Tätigkeit viel Geld verdienen. Alles Seltsame, von dem ich berichtet, wird jedoch durch einen zuweilen in Mittelamerika ausgeübtcn Frauenberuf in de» Schatten gestellt. Seine Vertreterinnen hoben es fich — man höre und ftaime. — als Besonderheit erkoren, lebende Vogelscheuchen bat« zu stellen. Um die Vögel von den Reis- und Kasfeepflanzungcm ab- zuwehren, eilen sie, mit wehenden Lumpen bekleidet, Stöcke mit Fetzen in den hoch erhobenen Händen tragend, ans den Feldern! umher. Um die geflügelten Diebe fernzuhalten. Man sagt, daß nur Frauen, aber keine Männer, sich zu dem Geschäft hergeben!. Ferner wird erzählt, daß in jenen Gegenden Afrikas, nach denen vornehme Europäer reisen, um der Raubtierjagd, obzuliegen, eingeborene Frauen es.als Beruf erkoren haben, die Stimmen der Sei een, Tiger nsw. nachzuahmen, um die Tiere aus ihrem Versteck hervorzulocken und sie den Jägern an geeigneten Plätzen znzu- treiben. Ich gebe diesen Bericht aber mit .Vorbehalt toieb.r, da ich für seine Wahrheit nicht einstcheu kann und er mir sehr wenig glaubwürdig erscheint. Zmu Schluß will ich noch einen Frauenbcrnf erwähnen, der, tote man behauptet, eine Zukunft hat. Tie ihn pflegen, sind Frauen, die gut kochen können, aber, was noch wichtiger ist, eins sehr seine Zunge haben. Sie gehen in den Garküchen und! Gasthäusern herum, kosten die Speisen und sagen, woran es ihnen fehlt.' Tie Hauptfach« aber ist, daß sie verstehen müssen, einem billigen Gericht durch irgeudeiiien Zusatz erhöhten Wohlgeschumck zu verleihen. Gerade um dieser Fähigkeit willen werden sw gesucht. Andersests zieht man ihre Kunst zu Rate, wenn bei einem bisher sehr bckiebten Mittagstisch die Kostgänger plötzlich wegbleiben. . , Ein angenehmerer Beruf jedensalls, als ber jener einjainen, pick frespwcheiren Frau, die auf einer kleinen' Insel m der «udM uMtberfeelenallein haust, um nachts ein Leuchtfeuer al» Wegweiser für die Schiffer aiizuzlmden! Bilderrätsel. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei- N. Lange, Dieben. lieg sich nun völlig ton der Fremrdesstinime steuerst. Wir kainM auf einen Weg, der ton der Heide herab in das an ihrem Rande liegende Quartierdorf führte. Ein paar schwach erleuchtete! Fenster war alles, waS in der pechfinsteren Nacht zu erkennt war. Doch brauchte ich das Gehöft, too wir für die Nacht bim gehörten, nicht zu suchen. Hinter einem Scheuirentor rief der Rappe immer von neuem gleichsam sein „Hierher!" und schlug ungeduldig mit dem Hufe ans Tor. Als ich mich Jet dem Rittn meister meldete, sagte er: „Gott sei Dank, daß Sie. wieder da sind," und lobte meine Findigkeit. Ich gab aber das Lob an die beiden treuen Freunde weiter in Gestalt einer Extraration Hafer, die ich für sie vom O.nartiermeister erbettelte. * Eine Sammlu ng von altamerikanischem Gold sch muck. Der Goldreichtum Amerikas ist in einigen Gebieten schon sehr früh von den Bewohnern für SchmucksacheM, Amulette und dergl. ausgeuntzt worden. Während nun von solchen a(ten Goldsachen aus Kolumbien und dem Gebiete des Isthmus von Panama sehr reiche Sammlungen erhalten sind, sind Arbeiten von den Autillen und Guayana fast gar nicht, aus Mexiko nur sehr spärlich und auch aus Pern nur in beschränktem Umfange in europäische Sammlungen gelangt. Das hat seinen Grund darin, daß die erstgenannten Gebiete in der Zeit der Couquistg gründlich auSgePländert wurden, wobei die gesamte Beute in den Schmelztiegel wanderte, während in Kolumbien und auf dem Isthmus, Gegenden, die auch an sich besonders reich an Gold waren, die Sitte, dem Toten feilten ganzen Schmuck und all seine Fettische mit ins Grab zu geben, einen doch nicht unwesents lichen Teil des alten Bestandes bis auf unsere Zeit gerettet hat. .Das Königliche Museum für Völkerkunde hat nun seine Samm lungen altamerikanischer Goldarbeiten, wie Prost Seler in hfrt Amtlichen Berichten aus den königlichen Kunstsammlungen mtt- teilt, durch einige prächtige Neuerwerbungen wesentlich ergänzt und bereichert. Darunter befinden sich einige halbmondförmig^ Schmuckstücke, die als Gehänge au der Nasenscheidewand befestigt wurden, dann einige Schmuckplatten, die an dem Seitenrand«! mit durchbrochen gearbeiteten Vogelköpfen und Vogelflügeln versehen sind. Wie diese Stücke ans dem großen alten Knlturgebiet Kolumbien stammen, so kommen auch von dort her zwet interessante; Masken aus Goldblech. Die wichtigste Erwerbung aber ist eine ganz einzigartige Sammlung von Schmuckstücken, die. aus dem berühmten Goldlande deö Isthmus von Panama und den au- grenzenden Teilen von Costariea Herkommen. Die Arbeiten such wohl fast alle Amulette und wurden vermutlich an einen Halsschnur befestigt auf der nackten Brust getragen. Allerhand, Tierfiguren sind in ihnen dargestellt, laugschnäblige Vögel, Fledermäuse, Spinnen, Eidechsen, Fische, Insekten, aber auch Dämonen in menschlicher Gestalt, in Tauzstcllimg nut der Rassel m der Hand. Abgesehen von einigen Stücken, den Spinnen, die als Schellen ausgebildet sind, der doppelschwänzigen Eidechse und dein. Fische, sind sämtliche Stücke mit einer breit ausladenden unteren Verlängerung versehen. Wie die merkwürdigen neuseelandiscyen Figuren, die als Brustschmuck getragen wurden, ihre.Gestalt durch beit ursprünglichen Halsschmuck, ein Bei!, in das sie hui- eingezwängt werden mußten, erhielten, so scheinen auch die Formen der Goldamulette in dar kolumbischen und Jsthmns-Region mw der Form eines Beiles erwachsen zn sein, das ursprünglich als Schmuck oder Amulett am Halse getragen wurde. * Sein Wunsch. Süffel lsenfzend eine im BierglaS sOoiirn utenbe Fliege betrachtend): „Wer auch, 'mal solchen Tod haben könnte!" _____________ VsL'mlfchies. * Leben mit Tieren. Unter diesem Titel ist im Verlage des „Kosmos, -Gesellschaft der Naturfreunde", in Stuttgart ein hochinteressantes Buch mit tierpsychologischen. Plaudereien und Erinnerungen von Eonrad M. von Unruh erschienen. Der Verfasser schildert seine Erfahrungen während jahrzehntelanger liebevoller Beschäftigung mit Pferden, Hunden, Katzen und andern Tieren. Das nachstehend geschilderte Erlebnis aus dem 1864 er Feldzug zeigt seine lebensvolle, frische Schilderung: Der mächtige laudsmännische Braune hatte bald meine ganze Neigung gewonnen. Aber seine Neigung mußte ich mit dem Rappen meines Burschen teilen. Im Quartier und Biwak stets dicht nebeneinander stehend, verband eine ungewöhnlich zärtliche Freundschaft die _ beiden Wallache. Vielleicht waren sie Heimats- und Jugendgefährten. Beim Marsche getrennt, begrüßten sie sich, sobald sie einander ansichtig wurden, mit freudigem Lachwiehern. Gern ließ ich die Frenndschaft gewähren und hatte meine Freude am Beobachten. Ritt ich auf den Märschen längs der Schwadron, so trafen sich oft die Nasen der beiden sich anlachenden Freunde zn flüchtiger Berührung wie zu einem Kusse. Der Rappe war der sehnsüchtigere, zärtlichere, der Braune hatte mehr vornehme Zurückhaltung. Ich habe bald Nutzen davon gehabt. Anfangs Februar waren wir hinter den Dannevirken auf dem Marsche nach Norden, bei mäßiger Kälte war noch gegen drei Uhr nachmittags klare Luft. Mir kamen durch ein ärmliches Heidedorf, als der Rittmeister mich nach vorn rufen ließ. Dänische Dragoner sollten uns hier, nach Westen in die Heide ausgewichen sein. Er zeigte mit aus der Karte das noch eine halbe Meile weiter nach Norden gelegene Dorf, worin unsere Schwadron die Nacht zubringen werde, und befahl mir, zur Sicherung das Gelände westlich aufzuklären. „Nehmen Sie sich zwei Mann von Ihrem Zuge, reiten Sie direkt westlich, etiva eine Meile weit! Finden Sie nichts Feindliches, so wenden Sie daun nördlich eine halbe Meile, dann östlich, bis Sie unfer heutiges Qnartierdorf erreichen!" . „Zu Befehl!" Aus der weitermarschierenden Schwadron nahm ich zwei Mann mit guten Pferden, aber nicht den Burschen mit dem Rappen. Im Abreiten sahen wir und unsere Pferde der Schwadron nach, sie kannten also deren Marschrichtung. Wir trabten dann westwärts in die verschneite Heide hinauf. Oben, sah ich von Westen eine Wolkenwand aussteigen, es wurde dunstig, kein Baum, kein .Strauch 'kennzeichnete den Weg, nur Spuren von alten Wagengeleisen im Heidekraut. In der Ferne ragte etwas wie Gebäude ans, aber als wir herankamen, waren es alte Torfschuppen — also frisch weiter westwärts. Die Dunkelheit siel fast plötzlich ein, und es ward immer schwieriger, Gleisspnren zn merken. Nördlich wendend, gerieten wir zwischen zahlreiche unregelmäßig angelegte Torflöcher, mußten also vorsichtig langsam reiten. Zum Ueberfluß begann bei mäßigem Nordwest ein leichter, aber dichter Schnee herabzurieseln. Vom Feinde keine Spur, aber auch von Weg und Richtung keine mehr. Der Zeit nach mußte der Augenblick gekommen sein, ostwärts zu wenden, aber gerade da wurden ' die Torslöcher immer dichter. Hin und. her mußten wir uns durchwinden, verloren aber dahei alle Richtung. Es war stockfinster geworden, und noch immer rieselte der Schnee. Der eine von meinen Leuten meinte, wir müßten mehr links halten, der andere mehr rechts. „Ich verlasse mich auf meinen Braunen," erwiderte ich und ritt mit langen Zügeln sacht weiter, die beiden still hinter mir her. Der Braune ging gerade vor dem Winde. Wenn der sich nicht gedreht hatte, mußte unsere Richtung also Südost feilt. Ab und zu nahm der Braune die Nase auf den Boden hinunter, und au den Unebenheiten des Tretens merkte ich, daß er einer alten Wagenspur folgte. Plötzlich blieb er stehen und hob den Kopf. Die schwach dunklen Umrisse gegen den matt leuchtenden Schnee ließen mich erkennen, daß er gespannt horchte. Dann ging er etwas rechts abbiegend weiter. Einige Minuten später hielt er wieder plötzlich an, reckte sich förmlich hoch in die Höbe, den Kopf fast steil in die Lust und stieß nun einen wiehernden Ruf auZ, so laut und seltsam, lute ich noch nie vordem den Ruf eines Pferdes gehört hatte. Dann horchte er gespannt, Verriet aber nichts Gehörtes und ging weiter. Wenige Minuten darauf nochmals plötzliches Anhalten und Hochrecken, wieder der fast dämonische Rus hoch in die Lüste und das angestrengte Horchen.. Mit einmal war er wie elektrisiert, ließ ein weniger lautes, freudig klingendes, kurzes Wiehern hören und schritt mit scharfer Wendung nach rechts lebhaft weiter. Die Leute sagten nachher, es hätte fie wie Grausen gepackt, als der Braune so in die Nacht hinaus schrie — daS hätte so schaurig geklungen, daß ihnen Geistergeschichten aus Kinderjahren eingefallen wären. Als nach etlichen Minuten der Braune wieder stehen blieb, wieder laut, aber niait mehr so schaurig rief, da löste sich uns das Rätsel. Ich hörte zwar nichts, denn ich habe nie ein feines Gehör gehabt, nur'ungewöhnlich weit und scharf sehende Augen, aber die Leute riefen beide: „Der Rappe antwortet ihm!" Die ganze Schwadron kannte ja die seltsame Freundschaft der beiden Pferde und freute sich daran. Der Braune ■ quittierte daS Antworten des Rappen mit einem langen, vergnügten Lachwiehern. In immer kürzeren Pausen ertönten nun Rns und Antwort. Dabei waren wir immer noch Vielleicht an tausend Schritt weit in der Heide. Der Braune Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Geographischen VerschichrMels ist voriger 91t'. i Hebriden Schleswig Alpen Rügen Pouunem Strassuud HKutbn.rg Westkale» Waldeck M hy'■ Pi