MUW V6Y — Kk. M NUssM bi Die Pflastermeisterin. Roman von Alfred Bock. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) । 1 III. Die Pflasterarbeit in Dietkirchen rückte nur langsam fort. Die Gemeinde hatte die Kosten, 'der Staat die Arbeits- Überwachung und spatere Unterhaltung der Pflasterstraße übernommen. Bei genauer Prüfung der Wegstrecke stellte sich heraus, daß der Untergrund- hier und da mangelhaft war. Es wurde Chausseeschotter und Kies aufgeschüttet. Wo die Neuauffüllung geschah, konnte mit der Pflasterung erst begonnen werden, nachdem das Deckmaterial Halt und -Festigkeit gewonnen hatte. Es kam vor, daß die Gesellen, die morgens zur Arbeit antraten, unverrichteter Sache wieder abziehen mußten. Das verdroß die Leute. Als der Straßemmterbau allenthalben gleichmäßig festgelegt war, drängte der Staatsstraßenbeamte, zu dessen Aufsichtssprengel Dietkirchen gehörte, so energisch auf rasche Fertigstellung der Arbeit, daß Friedmar die Zahl der Pflasterer beträchtlich vermehren mußte und dadurch ganz gegen seinen Willen die Lohneinn-ahme der Altgesellen verkürzte, die seither mit ihm hantiert und sich auf eine lange Akkordarbeit eingerichtet hatten. So war Friedmars Verhältnis zum eigentlichen Stamm seiner' Leute mißlich geworden. Diese behaupteten, er habe schon am ersten Tage, da er als Meister-auf der Arbeitsstätte erschien, den Herrn und Rechthaber herausgekehrt. Das -war aber eine böswillige Unterschiebung. Friedmar beabsichtigte keineswegs, seine Arbeitsgenossen die größere Machtbefugnis, die ihm jetzt zugefallen war, fühlen zu lassen. Aber er grollte ihnen, weil sie sich auf seiner Hochzeit so ungebührlich benommen und die Fischbacher geradezu herausgefordert hatten. Einzig aus diesem Grunde blieb er nach der Hochzeit auch den Mittagsmahlzeiten fern, die er ehedem gemeinsam mit den Gesellen in der Schänke „zum wilden Mann" eingenommen hatte. Es traf sich, daß der Straßeuaufseher zur Mittagszeit die Pflasterbahn in Dietkirchen besichtigte. Dieser war ein gewissenhafter Beamter, der seine Sache aus dem FF verstand und scharf darauf sah, daß die begonnene Arbeit planmäßig und tadellos vollendet wurde. Bei gelegentlicher Prüfung hatte er einmal entdeckt, daß die Wölbung der Straße nach der Mitte zu steil anstieg. Sofort hatte er Friedmar, der damals noch Obergeselle war, herbeirufen lassen und befohlen, daß das Pflaster der beanstandeten Strecke wieder aufgerissen werde. Der Herr Aufseher konnte sehr unangenehm werden, wenn man feine Schuldigkeit nicht bei ihm tat. Im Privat- verkehr dagegen war er wie ausgewechselt, ein witziger, jovialer Mann, der einen guten Bissen und einen gediegenen -Trunk liebte. Auch mit Friedmar hatte er in zwanglosem Beisammensein schon manchen Schoppen geleert. Die Sonne stand scheitelrecht. Bom Turm der Dorfkirche drang gell und abgerissen das Zwölfuhrläuten auf die Arbeitsstätte. Die Gesellen, die in der Sonnenglut nur mit §emb und! Hose bekleidet schafften, erhoben sich schwerfällig von ihren Holzpflöcken, zogen ihre Joppen -an und schritten langsam und ermattet dem Wirtshaus zu. „Wo halten Sie Mittag?" fragte der Aufseher Fried-, mar, der sich eben anschickte, den Platz zu verlassen. „Im Stern," antwortete der junge Meister. „Gehen Sie mal mit ins Einhorn. Da kehre ich immer ein, wenn ich über Mittag hier zu tun habe. Die Frau, Roth kocht eine Suppe, die einen Toten lebendig machen kann. Und das Fleisch schmilzt einem im Mund." Friedmar kam die Aufforderung gelegen. Unterwegs erzählte der Aufseher, die Einhornwirtin sei verwitwet und eine entfernte verwandte des Bürgermeisters. Ihr Mann habe den größten Teil seines Vermögens an der Getreidebörse „verwispelt". Der Frau sei eben noch so viel geblieben, mit ihrem einzigen Kind, einer Tochter, Hans und Hof über Wasser zu halten. Das Wirtshaus sei wenig besucht, aber das Essen sei delikat dort. Der Meister sollL nur erst probieren. Die Einhornwirtin, eine Frau, an fünfzig, mit stark verwitterten Zügen, über auffallend strahlenden rehbraunen. Augen, hieß die Gäste willkommen. „Was gibt's zu essen, Frau Roth?" erkundigte sich der „Wie gewöhnlich, Herr Aufseher. Supp', Rindfleisch' Meerrettich und ein Stück Kuhkäs drauf, gut durchgezogen." „No, lassen Sie mal anfahren, Frau Roth, wir haben Hunger." \ Während die Alte in die Küche trippelte und die Männer im kühlsten Winkel der Wirtsstube Platz nahmen, trat die Tochter des Hauses herein, den Tisch zu decken. Der Aufseher nickte ihr vertraulich zu. „Grüß Gott, Lina." „Gu'n Dag, Herr Aufseher." „Heiß heut." „Ja, mächtig, Herr Aufseher. „Da bring ich einen jungen Ehemann." „So?" „Seine Frau hat auf dem Kochlöffel gepfiffen. Aber wie er am Einhorn vorbei wollt', ist ihm der Küchenduft in die Ras' gestiegen. Da ist er bei euch eingekehrt. Also -angestrengt, Lina. Sonst brennt er uns durch." Das Mädchen lachte hell auf, wobei zwei Reihen weißer Zähne zum Vorschein kamen. Frei, aber ohne Koketterie! ließ sie ihre Blicke über die schlanke Gestalt des jungen Meisters gleiten. „Ich mein', ich hab' Euch schon gesehen. Gelt', der Pflastermeister?" „Ja," erwiederte Friedmar, von der hüvj^en Er- scheinung des Mädchens betroffen. Sie war nicht groß, sondern zart und zierlich gebaut. Aus dem Oval des ebenmäßigen Gesichts sprachen die glänzenden Augen der Mutter. Das braune Haar, das in seltener Fülle um den Scheitel floß, war in einem vielfach gewundenen Nackenzvpf -aufgesteckt. Nm ihren kleinen Mund spielte ein schalkhaftes Lächeln. Da sie jetzt aus und ein ging, schien sie trotz ihrer schweren Schuhe den Boden nur schwebend zu berühren. „9io, Meister," schmunzelte der Aufseher, „Ivie sprechen Sie jetzt? Die gefällt Ihnen, was?" Da Friedmar schwieg, fuhr er fort: „Wie der Einhornwirt sein Geld verpulvert hatte, nahm sie einen Dienst in der. Stadt an. Zwei oder drei Jahre ist sie.fortgeblieben. Tann ist der alte Bär abgekratzt, und sie kam wieder heim. Und ganz unverdorben. Ein wahres Wunder." Die Einhornwirtin und ihre schöne Tochter trugen die dampfenden Schüsseln auf. Die Männer erlabten sich an der schmackhaften Kost und setzten einen tüchtigen Trunk daraus. Erst nachdem sie abgegessen hatten, rückte die Wirtin ihren Stuhl heran, indessen Lina bescheidentlich am Schanktisch stehen blieb. Der Aufseher gab zuerst ein paar Schnurren aus der Stadt zum besten. Dann sprang die Unterhaltung auf Dietkirchener Verhältnisse über. Tie Wirtin meinte, seitdem die meisten Leute aus dem Ort in die Fabriken gingen, sei ein ganz neuer Ton aufgekommen. Die Familien hielten nicht mehr so zusammen wie früher, die Buben und Mädchen, die noch nicht trocken hinter den Ohren waren, bekamen eine Menge Geld in die Finger. Gegen die Eltern waren sie aufsässig. Tag für Tag saßen sie mit ihren grasgrünen Gesichtern in den Arbeitssälen zusammen. Abends auf dem Heimweg wurden Dummheiten gemacht. Aller Zucht und Gesittetheit fühlte man sich ledig. Es fiel schon längst nicht mehr auf, wenn ein Mädchen ohne Kranz an den Traualtar ging. So weit war's gekommen. Der Pfarrer donnerte von der Kanzel herunter gegen das Luderleben und die wachsende Lotterei, aber er predigte tauben Ohren. Ter Aufseher,- der Optimist war und die Jeremiade der Einhornwirtin sehr gelassen angehört hätte, sagte mit einem Auslug von Ironie: „No, Hrau Roth, und Ihr Bürgermeister? Warum schlägt er dann uicht mal mit Keulen dazwischen?" „Der Bürgermeister?" erwiderte die Wirtin bitter, „der läßt Gott 'nen guten Mann sein, wann seine Scheuern nur voll sind. Geh'n Sie mir weg mit dein. Der tralatscht da und dort herum, horcht die Leut' aus und legt ihnen hernach den Spannstrick um. Das Aussäckeln versteht er. Umsonst ist er nicht der reichste Mann int Ort. Wir'sind ja verwandt miteinander. Wer nicht nach seiner Pfeif' tanzt, kriegt 'nen Stümper. Wie's bei meinem Mann aufs letzte ging, hat er den Bürgermeister rufen lassen und hat ihn angegangen, er möckst' uns beisteh'n, wann er nicht mehr da wär', weil wir Weibsleut' doch nicht soviel von der Wirtschaft versteh'n täten. Kaum halt' mein Mann die Augen zugemacht, kommt Mein Bürgermeister her und biet' mir für meine ganze Sach' ein Schandgeld. Den Einsitz sollt' ich Kehalten. Die Lina sollt' sich wieder vermieten, meint er. Da hab' ich mich mit Hand' und Füß' gewehrt. Ich wollt' niein Eigentum nicht verkümmeln. Selbigmal ist der Bürgermeister zornrot fortgerannt. Und hat ein' Haß auf mich geworfen und hetzt und verred't's den Leut', daß sie in die Wirtschaft kommen." „Teufel," fuhr der Aufseher auf, „das ist ja ein ganz- gefährlicher Mensch. Meiner Seel', hab' ich gar nicht gewußt." „Natürlich, wann der mit dem Herr Aufseher spricht, ist er glattzüngig bis dortaus. No, dessentwegen hat er uns doch nicht verquetscht. Freilich haben wir unsere Last. Die Zinsen drücken einen, und es wird uns sauer, bis wir Unser paar: Aecker in Ordnung haben. Wo alles jetzt in die Fabriken läuft, kriegt man für Geld und gute Wort' noch keins." „Ei zum Kuckuck, Frau Rotk spannen Sie nur eine« tüchtigen Mann hier vor. Ta gibt's nur ein Rezept. Die Lina muß heiraten." Tas Mädchen lächelte und sagte unbefangen: „In so Sachen ist kein ,Muß', Herr Aufseher." „Ta hör'n Sie's," brach die Wirtin los. „Freilich, wann man so schneübig ist. Für die Lina läßt unser Herrgott noch ein' extra backen." „Nur stät, Frau Roth," begütigte der Aufseher. „Der Lina schlockert eines Tages auch das Herz-. Mag sie sich sträuben, soviel sie will. So was kommt über Nacht. Und dann brennt sie lichterloh." Die Männer zahlten ihre Zeche und erhoben sich. Friedmar hatte an dem Gespräch nicht teilgenommen, ja nur mit halbem Ohr gelauscht. Auf dem Weg zum- Arbeite platz besann er sich, wo ihm das Mädchen im Dorflbegegnet sein könne. Sie hatte ihn gleich erkannt. Und die mußte einem doch in die Augen stechen. Er hatte zwar für die Weibsleut' nie einen rechten Blick gehabt. Aber diel Donnerkil! So sanber wie aus dem Kästchen genommen. Und anstellig. Wie die sich bloß herumdrehte. Da fiel1 sich eine ändere schon den Arm ans dem Gelenk. Ein Staats-, mädchen! So was zum Knuspern. Die Schnauz' gehalten. Die war! doch zn sittig für so dumme Spaß'. Wenn der ein Flappch zu nah kam, hatte er seine Ohrfeige weg. Aber was ging jihn denn das Mädchen an? War er oben uicht ganz klar, daß er sich mit seinen Gedanken auf einmal da fest- bohrte? Er hatte sein Teil daheim, und damit basta. Gerade das Gleichmütige und Gesetzte, was die Meisterin an sich hatte, das schickte sich für ihn auch. Die Burschenzeii hatte eti verpassen müssen. Jetzt war er gut uiitergekrochen- und konnte Gott danken dafür. Sonderbar! Wie die Ein- hornlina vorhin am Schanktisch stand, hätt' er aufjauchzen und sie hernmschwenken mögen. So was Jnnghaftes war über ihn gekommen. Possen! Als ob er nicht wüßte, was er seiner Meisterschaft schuldig war. Sollt' er der Meisterin was verzählen, wenn er abend heimkam? Lieber nicht, Die kannte ihn nur als ernsthaften Manu und tüt’ sprechen: „Friedmar, du bist nicht recht bei Groschen." Am änderen Tag war Friedmar anfangs schwankend, ob er dem „Stern" treu bleiben oder ob er int „Einhorn" Mittagrast halten solle. Der Sternivirt io ar ein grober Patron, und seine Suppe schmeckte wie Spülwasser. Friedmar hatte keine Rücksicht auf ihn zu nehmen. Wo er fein Geld verzehrte, konnte ihm gleich sein Der Aufseher mar ein gescheiter Mann. Der sagte: „Wer seine schwere Arbeit hat, muß etwas zusetzen können. Und ein gutes Essen schlägt an." Friedmar entschied! sich für das „Einhorn". Die Wirtin sah ihn gern wieder einkehren Für das Mittagbrot wurde der ortsübliche Preis ans eine gewisse Zeit hinaus vereinbart. Friedmar -gab bei besserer Verpflegung keinen Pfennig mehr aus als int „Stern". In den ersten Tagen setzten Mutter und Tochter dem jungen Meister die Gerichte vor und aßen daun später an besonderem Tisch. Friedmar meinte, man könne das doppelte Anrichten sparen. hielten sie künftig ihren Mittag selbdritt. Wenn abgedeckt war, zog sich die Alte in die Küche zurück und machte da ihr „Nickerchen". Ihre Tochter ttiochte immerhin dem! Meister Gesellschaft leiftcn. Ta war nichts dabet. Der war ja ein „geheirater" Mann. (Fortsetzung folgt.) r , Am der Geschichte der Aircheugemeinde Heuchelheim. Heber die ältere Geschichte der Kirchengemeinde .Heuchelheim existiert gegenwärtig nur wenig urkundliches Material. Die wichtigsten Urkunden sind während des 30 jährigen Krieges m Verlust geraten. 1646 wurde das Dorf von den Schweden vollständig iiiedergebrannt. . Auch während des 7 jährigen Krieges, namentlich während der Blokade von Gießen im Winter 1759 hatte der Ort schwer zu leiden. Dem Brande von 1646 sind auch die alten Saalbücher der Gemeinde meist zum Opfer gefallen Die älteste uns vorliegende Urkunde ist das „Pfarr Com- p e t e it z und Kir ch-S aalb nch zu Heuchelheim". Es wurde 1741 auf behördlichen Befehl von dem damaligen Pfarrer Snsemihl angelegt und enthält Nachrichten von „bereit Ecele- s i a st icis, jur ibn s- nnd Gerechtigkeiten der Kirch, Pfarr und Schul zu Heuchelheim". Der Pfarrer Susemihl war noch in der Sage, aufgrund der damals Noch vorhandeucn- Urkunden und der in Privatbesitz befindlichen Familicn-ChrouikcN, sowie ferner gestützt auf mündliche Ueberlieferungen.öfterer Leute auf Verhältnisse des vorhergehenden Jahrhunderts zurückgehen stt können. So sind unter anderem diesem neuen Saalbuch von l/H Kaufbriefe von 1607—1643 in Abschrift beigefügt. Somit enthält das Susemihlsche Saalbuch auch manches Lehrreiche aus früheren Zeiten. ; ' Heuchelheim soll vormals- „Hochelem am Hochthurm" geheißen haben wegen des hohen Kirchturms', den es ehedem gehabt,- „so aber hernach vom Wetter ruiniert und abgenommen worden r lieber die Entstehung und den Namen H e u ch e l h e i m- sagt die Urkunde: „Das Dorf soll aus'etl. Matzer-Hoffen, welche in dem mit Heucheln oder Korn-Haufsen bedeckten Feld gestanden, erwachsen sehn und davon den Nahmen erlanget haben, sondert. M3 435 Abgang des Dorfs Gropbachs, und nach dem solches nebst Seltzer Und Astheim der Stadt Gießen das Ausnehmen gegeben. Da dann die vormahlige Gropdächer, so sich wegen Sicherheit in das Burgschloß an der Lahn (ist die Schwalbachsche Burg bei der Kirch, jetzt auch die alte Burg genannt) niedergelassen, in ihrer alten Gemarkung annoch ihre Vieh- und Schaafhäußer nebst ctL Frucht Scheuren gehabt und gleichsam zwischen den Heucheln Daheim gemeßen." 1741 bestand noch die alte Kirche aus der vorreformatorischen Zeit. „Wer dießelbc sundirt und dotirt ist ungewiß, doch soll sie schon im 14. Saeculo gestanden feyst intb sind die zwey "große Glocken darinnen in ao 1403 gegossen Morden." Als Merkwürdigkeiten dieser alten Kirche werden erwähnt ein altes Gemälde vom jüngsten Gericht "und ein in Stein gehauenes Bildnis mit 3 Köpfen „gegen der Orgel, unter welchem vermutblich im Papstthum Kirchengeräte verwahrt worden." „Die große Glocke zu Gießen soll hier gestanden haben und nach dem Brandt aus "Roth nach Gießen verkauft worden sehn." Letzteres läßt sich nicht feststellen, da die Glocken der Gießener Stadtkirche vor etwa 50 Jahren umgegossen wurden. Weiter wird bemerkt, daß in der Heuchelheimer Kirche keine Monumente (Grabdenkmäler) sich befanden als die der Pfarrer Goebel (t 1694) UUd Gcilfuß (t 1737). „Es wird auch niemand als der Pfarrer und seine Frau in der Kirche begraben." Heuchelheim war die Eathedral- oder Mutterkirche der umliegenden Ortschaften: es gehörten zu ihr die Orte Kinzenbach, Lindes, Alleudorf, Atzbach und Launsbach. „In dem Papstthuur ists der Haupt Ort der umliegenden Dorfschasten gemeßen, jedoch daß sie Dallhcim oder Altenburg bei Wetzlar vor ihre Blutter erkannt "rind die große Gefälle, welches nur solches Closter ällhier ziehet, zu genießen gehabt." Das Kloster besaß in Heuchelheim 6 „Psaffeuhöfe", deren Einkünfte der Pfarrei daselbst zü- gewicsen waren. Der jeweilige Heuchelheimer Pfarrer hatte dafür die Verpflichtung, in den Kapellen oben genannter Orte die Messe zu lesen. Später vergab das Kloster die Höfe an Ortseingesessene in Erbpacht, „und erhebet das Closter davorr «noch jährlich 50—60 Achtel Korn-Pfacht allhier." Obschon stiftungsgemäß sämtliche Pachtgefülle der Pfarrei gehörten, lieferte das Kloster nur den vierten Teil an dieselbe ab, "tute die „Bauregcl" von 1594 besagt: „Das Altenburger Closter muß Kirch uud Pfarr bauen was neu gemacht wird intb jährl. das vierte theil zur Pfarchi geben, (sie) soll auch ä l l e s "e r h a l t e n, da alle P s a ch t hierher gehört und unrecht entzogen ist. Man muß plit Streit "erlangen und machts Closter Schwierigkeit, do doch alle Pfacht der Kirch gemeßen." Die Schwierigkeiten entstandet jedenfalls infolge der Einführung der Reformation in Heuchelheim. Aber auch dieser schon beschränkten Beitragspflicht suchte sich das Altenburger Kloster ganz zu entziehen, da infolge (des 30 jährigen Krieges alle Dokumente verloren gegangen, „mithin mann nichts mehr gehabt, womit "mann denen Nonnen (in Altenburg) dießes erweisen können . . . ., daher auch alle gebäude so verfallen, indem mann endl. froh gemeßen, daß mann solche Um flicken können .... Es wäre zu wünschen, daß hohe Obrigkeit das Closter anhielte, darzuthun, aus was .Ursachen solches Ließe starcke Pfacht in Heuchelheim erhebe, so würden vielleicht ihre eigene döcumente wieder sie sehn und wenigstens das v orige rceuperiert werden können." Um 1529 wurde in Heuchelheim die Reformation eingeführt; der erste evangelische Prediger war Joh. Gernandt, dem sein Sohn Friedrich 1570 nachfolgte. Da Heuchelheim keine Patronats- stclle war, so erfolgte die Bestätigung des jeweiligen Geistliches Lurch den Landesherrn. Der Berufung eines Neuen Pfarrers ging eine Examination vor deni „definitorio" zu Gießen voraus. Die Kirchendisziplin wurde vom Kirchen-Convent gehandhabt. Die Uebeltäter wurden vom Convent zur Strafe gezogen und "darnach „die execution dem Antüt übergeben". Der Kirchen-Convent wurde vom Pfarrer und den Senioren, Kirchen- ältesten, an den allmonatlichen Bettagen in der Kirche oder in der Pfarrei abgehalten. „Jir desertions-Sachen (Ehescheidungen!), desponsations-Sachen (Entlobungen) hat der Pfarrer priman instantiam rind werden solche zuerst bei dem Kirch-Convent untersuchet rmd nochmals deswegen nebst der Ober bcambtcn zu Gießen Bericht an Höcht. Consistorinm (gerichtet), allwo solche Fälle entschieden werden." Tie Strafgelder erhält zur Hälfte der Kirchenkasten, zur anderen Hälfte werden sic „ad Pias cailsas", zum Waisenhaus oder „geistlichen Landkasten" verordnet. Die K i r ch e n - V i s i t a t i o n wurde alle drei Jahre von dem Superintendenten und dem „Oberbcamteu" von Gießen an- gestcllt, und gibt die Gemeinde (bürgerliche) die Diäten und dem Superintendenten einen Dukaten für seine Bemühung. Der Kirchen- K a st e n hatte 1096 st. 29 alb. und 6 Pfg. an Kapitalien ausgeliehen; die ausgeliehenen Pfarr-Kapitalien, die nur zur Besoldung des Pfarrers verwendet wurden, betrugen 499 fl. 23 alb. 6 Pfg. Außerdem erhob der Kasten Noch mt Frucht-Pachtgefüllcn 4 Westen 8 Gescheit Korn, von einem Acker an der Hardt, 5 Westen Gerste von 25 fl. ausgelieheneist "Kapital Und 3 Mesten von einem Acker, der „Geißclsteckcn" zu Launsbach. Ferner mußten an den Kästen geliefert werden als Abgabe von 2 Gärten je ein Hahn, von einem anderen Grundstück eine Gaus. Das Pfarrgüt, das der Pfarrer zur Bewirtschaftung übernahm, umfaßte 42h2 Morgen 21 Ruthen, 6 Schuh Ackerland und 121/4 Morgen, 12 Schuh Wiesenflächen. Vor und in beut 30 jährigen Kriege wurden viele Grundstücke, die zur Pfarrer gehörten, verkauft, vielleicht aus Not 1111b machten die Zinsen "von den noch übrig gebliebenen Kapitalien die G e l d b e s 0 l d u n g des" Pfarrers aus. So wurde 1643 ein Teil des „heiligen Gutes" nebst Haus und Hof, an der Bach gelegen, an Joh. Weller für 2000 fl. verkauft. Tas Gut enthielt 17% Morgen 1/2 Ruthe. Die B e s 0 l d u n g s b e z ü g c des Pfarrers zu Heuchelheim waren mit 236 fl. 19 alb. 8 Pfg. veranschlagt. An barem Gelds 54 fl. 26 alb. 6 Pfg., an ständigem Pacht körn 2 Achtel 1 Meße. Die Reine rträguisse aus dem P f a r r g u t e betrugen nach Abzug sämtlicher Unkosten 140 fl. An Früchten konnten auf den Pfarräckern gezogen werden 55 Malter Korn, 5 Malter Winterweizen, 2stg Malter Sommerweizen, 40 Malter Gerste, 10 Malter Hafer, 3 Malter Erbsen, V2 Malter Linsen, 1/4 Malter Hirsen, 3 Malter Wicken, 1/2 Malter Lein (vom Flachs). „Maag (wohl Magensamen-Mohn), Rüb (Rübsanrcn-Raps), Haus Rohrst?), Hcydekorn, Bohnen werden nicht gezogen." Die Frucht- hreise waren damals sehr gering. 55 Malter waren mit 110 fl. veranschlagt, so daß sich "das Malter gleich 200 Pfund auf 2 fl. gleich '3 Mk. 40 Pfg. stellte. Weizen hatte denselben Preis- Gerste war mit IV2 fl. per Malter angesetzt, Hafer stellte sich im Malter auf 1 "fl. Der Reinertrag aus "den Gartcnsrüchteiij war mit 7 fl. 23 alb. 6 Pfg. veranschlagt. Es würden geerntet! 3 Körbe Aepfel, 1 Korb Birnen, 3 Körbe Zwetscheu, 6 Wagen Kraut, 6 Wagen Rüben. Ter Korb Aepfel hatte einen Wert von 57 Pfg., der Korb Zwetschen einen solchen tioit 42 Pfg. Die Heuernte ergab 8 Wagen, die Grumternte 4 Wagen. Der Wagen Heu und Grumt war mit je 1,70 Mk. veranschlagt. Der Werk von Stroh wurde auf 33 Fuder mit 30 fl. gleich 51 Mk. geschätzt. An Geflügel hatte der Pfarrer jährlich einen Hahn von 3/4 Jahren im Werte von 14 Pfg. zu beziehen. Die Accidentien waren mit 50 Mk. veranschlagt. Der Pfarrer erhielt von einer Kindtaufe 10 alb., von einer Proklamation 15 alb., Wein kau s-KvPul ation 10 alb., „Hochzeitl. Copulation" 20 alb., das Opfer bei Hochzeiten. „Die Braut bringt vor der Copulation einen Kuchen und der Bräutigam 1 Maaß Bier, wenn sie copukiert worden eine „Brautsuppc, bey der copulation eine Citrone uud Schnupftuch". Die Leichenpredigt kostete 15—30 alb., ein Attestat 5 alb. „Die Kinder so zum H. Abendmahl das erstemahl gehen (Konsirmanden) bringen etwas Eher und soll jedes ein Schock (60 Stück) haben." An Gerechtsamen hat a) „die Pfarr die Gerechtsa!mc! in der Heuchelheimer Gründclbach zu fischen, b) Bedient sich ein Pfarrer des gemeinsamen Back- und Brau-Hauses ohne Accis, Steuer, c) Darf Er so viel Vieh auf die Weydc treiben, als; er will und kann, doch muß er dem Hirten die Pfründe davon geben, d) Genießet Er in allen gemeinschaftlichen Sachen (Gemeinde- nutzen) gedoppelt Looß." Das Fischereirecht wurde der Pfarrei um die Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Rat uud Amtsverwalter Wittich zu Gießen streitig gemacht. Das Hochs. Konsistorium zu Gießen entschied „in savorem der Pfarrei". Wittich" appellierte an das Oberkonsistorium in Darmstadt, und ist die Sache noch „lis pcn- dcns" (fchwebeuder Prozeß). Aus einem alten Saalbuch tonnte die Pfarrei Nachweisen, daß sie das Recht schon im 16. und 17. Jahrhundert besessen hatte. So beurkundet der Pfarrer Jörg Victor 1594: „Die Bach im Torf ist der Pfaar Fischbach und mag dicselbige ein Pfarr Herr jederzeit fischen lassen." Ein Amts- befehl von 1618 besagt: „Der Gerichtsknecht soll der Gemeinde daselbst anzcigen, daß sich niemand außerhalb des Herrn Pfarrers der Fischerey in der Heuchelheimer Bach bei Vermeidung ber. Strafe anmaßen soll." Unter der Rubrik „Scholastica" (Schulverhältnisse) sind in dem Saalbuch nur wenige Notizen enthalten: sie betresfeni hauptsächlich die Besoldungsverhältnisse des zeitigen Heuchelheimer Lehrers. 1710 kam mit 19 Jahren nach Heuchelheim als Prae- ceptor, Organist uud Glöckner der aus Staufenberg gebürtige: Joh. Heinr. Henckelmami. Es wird ihm bezeugt, daß er die Schule treu als ein geschickter Schulmann 31 Jahre versehen, und daber der Wunsch ausgesprochen: „Gott leite ihm ferner mit seinem H. Geist und seh sein bcysta ndt in d e r m ü h - (unten Schularbeit." Henckelmann hatte 76 Schulkinder zu unterrichten, die auf 3 Klassen verteilt waren. Schulhaus nebst den dazu gehörigen Stallungsgebäulichkeiten waren in „keinem sonderlichen Zustand, wäre auch zu wünschen', daß ein Klein Scheurgen dabey, damit der zeitige Schulmeister sein bißgen Frucht und Futter verwahren und aufheben könne." Die Seh ul b e s 0 l d u n g war mit 118 fl. veranschlagt, und gehörte die Heuchelheimer Schulstelle, wie auch die Pfarre für die damaligen Verhältnisse zu einer der besser dotierten. Das Einkommen setzte sich zusammen aus 12 fl. 23 alb. in „sixo", aus 4 Westen Pachtkorn, aus den Reinerträgnissen des Schulgutes, zu 4 st. 6 alb. veranschlagt, aus Schullohn an Frucht auf 11 st. 15 alb. geschätzt, an Brot im Werte von 18 ft., nnl Geld "von durchschnittlich 60 Schulkindern ä 27 alb. = 54 fl., aus Accidentien im Werte von 9 st., aus Gerechtsamen, zu 1 fl. veranschlagt. Auf den Schuläckern konnten gezogen werdest" 5 Mesten Gerste, 2 Wagest Kraut, 2 Wagest Rüben. Der Wiesen- 436 MW ergab eine» Karren Heb tt'nb 1/21 Karren Grum. Jeder?, der Frucht zog, hatte ein „Seil" Korn zu liefern; die Lieferung brachte 5 Malter ein. Ferner wurden von jedem OrtsbürgeU 2 Leib Brot erhoben. Die Accidentien setzten sich zusammen: >,bey einer Kindtauf 5 alb., bey einer Hochzeit TO alb., und so sie Hochzeit halten, muß ein Stück Fleisch, Suppe unb Kuchest gehoben werden, bey einer Leiche 10 alb., und ein Leib brodt vors Geläut." Der Stelleninhaber durfte so viel Vieh halten, wie er wollte und auf die Gemeindeweide treiben. Vom Ke- meindenutzen erhielt er ein Loos. Als der Bürgermeister bem' Lehrer Henckelmann das Recht des Viehhaltens beschränken wollte, wurde dem Lehrer von dem Superintendent Bielefeld zu Gießen befohlen, „sich seiner Schul-Fretzheit nichts zu begeben, tbann die Gemeinde nicht .zu ruhen vermeinet, kann sie ihre Klage am gehörigen Orte Vorbringen." Unverständlich bleibt nachstehende Bemerkung im Saalbuch: »,Mcm hat etl. mahl eine freye Schule zu machen gesuchet Und es ist auch deßhalb die Sache an Höchst. Konsistorium berichtet worden, aber noch keine Confirmation eingelanget." Sollte es sich hier um Errichtung einer Privatschule handeln? Eine Aufhebung des Schulgeldes, das 54 fl. in der Besoldung ausmachte, kann doch nicht geplant gewesen sein. Wer konnte und wollte dep Besoldungsausfall decken, die Gemeindekasse sicher nicht? =&=. Vermischtes. *’ Die Katzen und die Mäuse. Tie Tierpsychologie beschäftigt sich seit langem mit den: schwierigen Problem, ob bei den Tieren außer ihrem unbewußten und instinktiven Nachahmungstrieb auch eine bewußte und absichtliche Nachahmung bestehe. Untersuchungen, die man in der letzten Zeit bei Katzen vorgenommen hat, und die sich u. a. mit der Lieblingstätigkeit dieser Tiere, dem Mäusefaug, beschäftigen, haben nun zu interessanten Ergebnissen geführt, die eine bejahende Antwort erlauben. In Century Magazine berichtet der Professor an der Harvard-Universität Robert Perkes in einem längeren Aufsatz über diese Versuche, die er zusammen mit Tr. Berry vorgeuommen hat. Schon vor zehn Jahren hatte sich Professor Thorudike mit dem gleichen Problem beschäftigt, war aber bei seinen Versuchen mit Katzen zu ganz negativen Resultaten gekommen. Die neu, aufgenommenen Experimente haben deshalb zu einem besseren Ergebnis geführt, weil sie mit einer größeren Anzahl Katzen und viel längere Zeit hindurch ausgeführt wurden. Sechs Monate hindurch wurden neun Katzen drei Stunden täglich beobachtet. Als beste Versuchstiere erwiesen sich eine Katze von der Insel Män und ihre drei Jungen., Die Tiere wurden in Kästen gesetzt, von denen aus sie einander ganz genau beobachten konnten, und es ergab sich, daß die Jungen allmählich der alten Katze, wenn sie ihr sechs oder mehr Mal genau zugeschaut hatten, allerlei Kniffe ablernten, z. B. das Ausstößen des Schiebers an der Tür, das Trinken aus einer Milchflasche ober das Rollen eines Balles in ein bestimmtes Loch. Die Tür aufzuschieben, lernte die eine der kleinen Katzen in zwanzig Minuten, die zweite etwa eben so schnell, die dritte aber konnte ks an fünf verschiedenen Tagen, obgleich sie sich sehr mühte, Nicht zustmrdebringen. Tas Begreifen der Tiere ging nur langsam von statten, aber die Fähigkeit bewußter Nachahmung zeigte sich doch bei ihnen entwickelt. Tas interessanteste Experiment bestand in der Untersuchung, „wie die Katze Mäuse fangen lernt." Tie jungen Katzen wurden im Alter von fünf Monaten, wo sie bereits genügende Größe und Stärke besaßen, um sogar eine große Maus zu töten, in einem großen Käfig zusammen mit einer Maus eilt» gesperrt. Natürlich war darauf gehalten worden, daß sie niemals vorher das Fangen oder Töten einer Maus gesehen hatten. Die Kätzchen hatten zunächst vor der großen schwarzen Maus ein wenig Furcht und näherten sich ihr sehr vorsichtig. Als die Maus voller .Schrecken weglief, rannten sie ihr nach und fingen mit ihr zu spielen .an, ohne sie irgendwie zu kratzen ober zu schlagen. Nach einer Stunde konnte die Maus, ohne daß sie einen Schaden erlitten hatte, aus dem Käfig entfernt werden. In diesen mehrmals wiederholten Versuchen gaben die Katzen nicht die geringste instinktive Absicht kund, eine Maus zu fangen, zu töten und zu fressen. Allmählich gewöhnten sich die Katzen an das neue lebende .Spielwerk, schlugen Wohl auch einmal mit den Krallen stärker zu, aber niemals verletzten sie die Mans ernstlich, auch nicht, als man sie vieriindzwanzig Stunden hatte hungern lassen. Nach dieser sechswöchentlichen Gewöhnung an die Maus wurde nun den jungen Katzen- Gelegenheit gegeben, die alte Katze beim Toten und Fressen einer Maus zu beobachten. Man wollte konstatieren, ob sie nun wenigstens den Mäusefang erlernen könnten, den man doch bisher für einen den Katzen angeborenen Instinkt gehalten hatte. Während also die eine junge Katze mit der Maus spielte, wurde plötzlich die alte Katze in den Käsig gelassen, die die Maus sofort tötete und verzehrte, während die junge Katze zusah. Sobald die alte Katze ihren Raub gefressen hatte, wurde sie wieder aus dem Käfig entfernt Und der jungen Katze eine neue Maus gegeben. Sie spielte mit ihr, ebenso wie sie es mit der anderen getan hatte, ohne ben geringsten Anschein, daß sie sich das gemerkt hätte, was sie eben gesehen. Erst als die alte! Katze mehrmals Mäuse vor den Jungen getötet und ihnen von dem Fleisch zu essen gegeben hatte, lernten sie allmählich deii Mäusefäng. Durch dies Experiment würde also erwiesen, daß junge Katzen im Aller von fünf bis sieben Monaten keine instinktive Neigung haben, Mäuse zu fangen und zu töten, sondern daß sie das erst durch häufigere Beobachtung der alten Katze erlernen, es also in einer bewußten, mit Willen oer- folgten Nachahmung tun. Allerdings ist dies bisher nur bei einer bestimmten Art von Katzen, eben denen von der Insel Man festgestelU. Als Resultat all seiner zahlreichen Untersuchungen, über die Nachahmungsfähigkeit bei Katzen stellle Tr. Berry fest, daß eine bewußte Nachahmung bei ihnen vorkommt, daß Katzen bis zu einem gewissen Grade auch Handlungen von Menschen nachahmen und daß Katzen nicht instinktiv Mäuse töten und fressen, sondern es erst durch Nachahmung erlernen. * Schwänke aus dem Mittelalter. 1. Tie sieben Sinne. Ein Bauer kam zur Beichte und bekennt: „Ehrwürdige« Herr, ich gebe mich schuldig, an meinen sieben ©innen." Der Beichtvater sprach: „Es gibt ja nicht mehr als fünf Sinne." Da antwortete der Bauer: „Lieber Herr, ich bin Schultheiß, da darf ich doch wohl zwei Sinn« mehr haben als ein gewöhnlicher Bauer." — 2. Ter Rangstreit der Fakultäten. Zu Pavia war ein Streit ausgebrochen zwischen den Doktoren der Rechte und der Arznei. Eine Fakultät Wollte der anderen Vorgehen. Darüber appellierten^ sie an den Herzog von Mailand und baten um seinen Ausspruch, Dieser beriet sich mit feinen Räten darüber, aber sie tonnten nicht einig werden. Als der Narr des Herzogs davon hörte, sprach er: „Diese Sache wollte ich wohl entscheiden." Fragt der Herzog: „Wie?" Spricht der Narr: „Wenn einer ausgeführt wird .geht der Missetäter voran, der Henker hinten nach." * Boshaft. „Meine Frau habe ich gelegentliche eines Eisenbahnunfalls kennen gelernt!" — „Da können Sie von der Eisenbahnverwaltung entschieden Schadenersatz beanspruchen." * Verblümt. Schutzmann: „Sie wollen also den Manu bestimmt an seiner erfrorenen Nase erlenneit ?.....Hm, die meinige ist ziem Beispiel doch auch erfroren!" — Zeuge: „J'a, dem seine ist aber — wirklich erfroren!" _, * Heransgeredel. Sie: „Warum wollen Sie denn Unsere Hochzeit bis zum Frühjahr verschieben?" — Gr: „Aber, wollen Sie denn nicht begreifen, daß ich unsere innige Liebq nach Möglichkeit in die Lange ziehen mochte?" Literatur'. — Deutsche Arbeit. Monatsschrift für das geistige Leben der Deutschen iit Böhmen (Prag, Karl Bellmann). Herausgegeben im Auftrage der Gesellschaft zur Förderung! deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen. VIII. Jahrgang, Nr. 10. — Dieses Heft steht imter dem Zeichen des heimischen Architekten „Joses Zasche". Karl Krattner entwickelt in einem lehrreichen Aufsatz die Grundzüge von Zasches Schaffen, zahlreiche Bildbeispiele in bekannt guter Ausführung beweisen das Wort mit der Tat. Im neuen Jahrgang sollen die Arbeiten zum Neubau des Deutschen Hauses und zum Bau der neuen Deutschen Um- versität in Wort und Bild, vorgeführt werden. — Dr. Franz Stephan Schindler fügt in das Bild des heimischen lehrten Bolzano einen neuen Stein als Schluß der diesem bedeutenden Manne gewidmeten Aufsatzreihe in diesem Jahrgang, unter dem Titel „Bolzano als Sozialpolitiker". Selbst Kenner Bolzanos dürften überrascht sein und hohen allste-« meinen Interesses ist die Staatslehre Bolzanos sicher. — In dem Vortrag „Warmbad und Pflanzentreiberei", der mit Illustrationen versehen ist, zeigt sich der Gelehrte in schönem Bunde mit dem praktischen Kunstgärtner. Prof. Hans Molisch hat darin wieder ein Muster eines populärwissenschaftlichen Vortrages geschaffen. — An Belletristik enthält das Heft neben der kräftigen Erzählung „Der Kurat von Sankt Anton" des unlängst in jungen Fahren verstorbenen Joses Schicht eine Novelle „Hans Girmann" von Ferd. Gruner, eine herzhafte Humoreske „Die Stimme vonn Himml" in nordböhmischer Mundart von Josef Schwaab u. v. a. Magisches Quadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAAABBEEN N N N R UUZ derart einzutragen, daß die wagrechten u. fenkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Ein Verbrechen. 2. Mädchennamen. 3. Früheres Gewicht. 4. Holländischen Maler. Auflosimg in nächster Nummer. Auflösung des Vevsteckvätfels in voriger Nummer: Ein en 3)i 0 h r e 11 k a n n in a n n i ch t weiß w a f ch en. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießeil.