m. M Vsnnerttag den 14. Oktober i D M >kWKS UW Rheinlandstöchter. Roman von Clara Vie big. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Nun Pochte Nelda an der Freundin Mädchenstübchen. „Herein!" In dem rosigen blumengejch,muckten Nest stand die Braut und ließ sich von der Jungfer das elegante Reisekleid überstreifen. • „STt), Nelda du?! Hast du ihn gesehen? Ist er schon fertig? Kommt er gleich? Ast der Wagen da? Daß Carlo nur ja nicht auf mich warten muß! Rasch, Trautchen, rasch!" Sie zitterte vor Ungeduld, das Mädchen mühte sich hastiger. „Aber seien Sie doch nicht so ungeschickt! Trautchen, rasch, eilen Sie sich!" „Ich bin's nur," sagte Nelda. „Der Wagen ist noch nicht da, und Herr von Osten ist eben erst von Tisch weg- gegangen. Du hast viel Zeit." „Nein, nein, liebste Nelda — wo ist denn mpinHHut, mein Schleier? Rasch, suchen Sie, Trautchen! Liebe Nelda, ich habe so Angst, wir kommen zu spät zur Bahn. Meine Handschuh! Nun noch der Abschied von Papa und Mama! Es iväre schrecklich, wenn wir den Zug versäumten!" „Ich will dir gern adieu sagen, Agnes!"t ' > „Gleich, gleich — Trautchen, den Mantel! Meine liebe, gute Nelda!" Ein flüchtiges Umschließen, ein rascher Kuß. „Verzeih, ich bin so unruhig, so aufgeregt, mein Kopf ist — ah, es klopft! Herein!" Herr und Frau Röder traten in die Stube. „Mein teures Kind!" Die gute Mutter zerfloß in Dränen, auch in Papa Röders Äugen schimmerte es feucht. „Nimm unseren Segen mit — komm gesund wieder — werde glücklich — laß dir's —" die elterliche Rührung erstickte fernere Worte. Die Tochter tunkte aus einer Umarmung in die andere, jetzt kamen auch ihr die Tränen. „Da —" sie erhob horchend den Kopf von der Schulter der Mutter — „'da ist er!" Draußen wurden Schritte laut, es pochte leise; Ostens gedämpfte Stimme fragte: „Bist du fertig? Der Wagen ist da! Geliebtes Herz, koinm!" „Ja, ja!" Agnes machte sich hastig los. „Adieu, adieu, ihr alle!" Sie riß die Tür auf. „Da bin ich!" Er schlang seinen Arm um sie und trug sie, mehr als er sie führte, die Treppe hinunter. Die Eltern drängten sich hinterdrein, dann das Mädchen mit kleinen Gepäckstücken und Reisedecken; zuletzt kam Nelda, sie folgte langsam. Ulkten noch einmal lebewohl, Agnes erwiderte mechanisch die Küsse, bann Hob sie der Gatte in den Wagen. „Adieu, adieu, geliebte Kinder! Glückliche Reise, kommt gesund wieder!" „Adieu, adieu!" Es klang wie ein Jubelruf, das junge Paar winkte noch Kopf an Kopf geschmiegt, zum Fenster hinaus, lächelnd, glückstrahlend. Nelda schaute dem Wagen nach, bis er um die Ecke verschwunden war. Wenn schon Agnes, die Liebenswürdige, Rücksichtsvolle, so ganz der andern vergaß, welch' allgewaltige Macht mußte die Liebe sein! * „Dein Volk ist mein Volk, dein Gott mein Gott." Es summte Nelda in den Ohren, es stieg ihr heiß zu Kopf; sie hatte hastig und viel getrunken, jetzt fühlte sie es. Sie war mit der getreuen Laura auf dem Heimweg. Es war noch nicht ganz dunkel, als sie der Brücke zuschritten; die Frühlingsdämmerung währt lang. Laura rannte furchtbar. „Wie geht es Papa?" fragte Nelda. „Hustet er noch so wie heute mittag?" „O jemmich," seufzte die biedre Magd, „ganz gräßlich! Ich bin als bang, mit unfern guten Herr Rat gibt es noch- emal ebbes Schlimmes. Heut nachmittag war der Medezin- rat da, un jetzt muß ich noch nach der Apthek in Ehren- breitstein." „Und was hat der Doktor gesagt?" Nelda war fast atemlos, es überfiel sie Plötzlich eine große Angst. „Jst's was Schlimmes?" stieß sie hervor. „O ne, ne, en Erkältung. Aber der .Herr Rat soll sich schonen un nit so viel arbeiten. Sagm Se mal, Fräulein- chen, nix for ungut," fuhr die treue Seele vertraulich fort, „könnten Se sich nit bald einen anschaffen und sich verheiraten? Dann braucht der Herr Rat nit so viel mehr in die Wiens zu schreiben — die Madam hat mer's erzählt, er tut et nur, bis Sie versorgt sind." „Laura!" Nelda hob abwehrend die Hand. „Was fällt Ihnen ein?!" Der Don war ungeduldig, schmerzlich und verletzt zugleich. Erschrocken schwieg die Magd. Am Ende der Brücke fragte sie verlegen: „Fräulein, Fräuleinchen, sind Se noch bös? Ich mein’ es ja so gut, ich hab' Se doch gekannt, wie Se so klein waren!" Sie wies einen Fuß hoch über den Boden. „Nein, Laura, ich bin ihnen nicht bös!. Aber wissen Sie was? Gehen Sie jetzt nach der Apotheke in Ehrenbreitstein, ich laufe vor nach Haus. Ich kann ganz gut allein gehen, es ist noch nicht spät. Vor was sollte ich mich fürchten?" * Ferdinand von Rainer war in der Kirche gewesen; ganz an der Seite, von einem dicken Pfeiler gedeckt, hatte er der Trauung beigewohnt. Er hatte auch Nelda Dallmer gesehen. Gleich hinter der zierlichen, ganz in Duft und Schleier gehüllten Braut stand sie, ihre schlanke, kräftige Gestalt überragte die meisten der Damen. Sie trug dasselbe weiße Kleid wie damals auf dem Ball, er erkannte es wieder -- 642 — «n seiner Einfachheit; aber diesmal hatte sie Veilchen an der Brust, und der herbe Zug um ihren Mund fehlte. Er mußte vor sich hiulächeln — wie genau er dieses Mädchengesicht kannte! Oft in der Nacht, wenn er wachend lag, sah er es aus dem Dunkel tauchen und sich vor ihn hiupflanzen. Er wußte ganz; genau, wie es in ihren Augen aufleuchtete, weuu er ihr begegnete; wie ihre Brauen sich tzusammonschoben, wenn sie schieden. Er freute sich immer auf den Wechsel in ihren Mienen; ihr Gesicht war ihm wie ein liebes Buch, das man gern liest, das man gar nicht aus der Hand legen mag. Romer hörte herzlich wenig von der Traurede, er beobachtete Neida Dallmer. Jetzt stand sie im vollen Sonnenflimmer, überstrahlt von Licht; ihr weißes Kleid leuchtete wie Schnee, ihr Haar schimmerte golden. Demütig hielt sie den Kopf gesenkt; das war ihm so neu an ihr, es rührte ihn. War sie nur andächtig, oder an was dachte sie? Da — jetzt hob sie den Kopf! Er erschrak fast. Sie drehte sich halb um, groß und suchend glitten ihre Augen durch die Kirche. Wen suchte sie — ihn?! Nur einen Augenblick, aber es hatte ihn durchfahren, unwillkürlich drückte er sich tiefer hinter die Säule. Er sah den Ausdruck der Enttäuschung auf ihrem Gesicht. Den ganzen Nachmittag hatte er an diesen suchenden Blick denken müssen. Einsam saß er in seinem Zimmer und starrte durchs Fenster auf die Gasse. Hinaus mochte er nicht, in Scharen zogen die Spaziergänger vorüber. Mädchen, Arm in Arm, bebändert und geputzt; Mann und Weib, die Jüngsten am Rockschoß; Liebespaare, junge Burschen, Soldaten mit ihren Schätzen. Alles wallfahrtete ins'Freie. Da würde kein Weg unbelaufen fein: die Täler hallen vom Schreien der Buben, aus jedem armseligen Wirtshaus Tanzmusik, über die einsameren Bergpfade wandeln Verliebte, oder Kinder suchen Himmelsschlüssel und frühe Maikräuter. Dazu Osterglocken überall! Nichts für ihn. Trübselig saß er in der Stube; er nahm ein Buch zur Hand, aber er stierte über die Seiten loeg. Draußen lachende Menschen. Er fühlte sich grenzenlos allein. Langsam, langsam stieg eine Sehnsucht in ihm auf. Er gedachte der Knabenzeit, in der ihm die Mutter bunte Ostereier versteckt und er sie jubelnd mit den Schwestern gesucht hatte. Alles vorüber — alle voneinander gerissen, die sich einst mitsammen gefreut — —! Gut, daß ihn niemand sah! In weicher sehnsüchtiger Stimmung stützte er den Kopf und träumte mit offenen Augen. Bilder der Vergangenheit zogen an ihm vorüber, und in ihm wuchs ein Verlangen — ja doch, ein Verlangen — nach was?! Mit einem Seufzer stand er endlich auf. Draußen war es still geworden, Nebelschleier webten schon überm Rhein. Es war Zeit, sich aufzumachen, Xylanders halten freundlich gebeten, den heutigen Abend bei ihnen zu verbringen. Wie eine leise Melodie summte es ihm in den Ohren: ,',Du wirst dabei an Dällmers Haus vorübergehen — du wirst sehen, ob Licht in den Fenstern ist — vielleicht ist sie zurück vom Fest — vielleicht kommt sie gerade." Träumerisch schritt Rainer daher. Er halte dem schmalen kiesigen Weg, den sogenannten Leinpfad unterhalb der Chaussee gewählt, der war ganz einsam; oben kam viel halbtrunkenes Volk. Der Pfad ging dicht mn Rhein, die Weidenbüsche hingen über, das Wasser plätscherte so eigen. Nichts mehr klar zu erkennen, alles vom Abendduft bezogen, verschwommen in den Linien. Verschwiegen, geheimnisvoll. Er ging sehr langsam. Mitunter schnellte sein Fuß einen kleinen Rheinkiesel vor sich her; dem starrte er gedankenlos nach, bis das Steinchen im großen Bogen ins Wasser hüpfte — das plätscherte auf, dann wieder gleich das stille monotone Glucksen. Von der Chaussee herüber klang Gejohle und ein Kreischen von Weiberstimmen, hier unten niemand — da — ein schneller Tritt! Hinter ihm kam jemand. Nun ein Hüpfen, ein Knirschen von Kies, ein hastiges Atmen. Er drehte sich um. Durch die Dämmerung sah er ein Paar Augen strahlen, ein helles Gesicht, eine schlanke Gestalt im dunklen Mantel. Ein großes Erfreutsein kam plötzlich über ihn. „Fräulein Dallmer! Nelda, Fräulein Nelda?!" „Ja," antwortete ihre sonore Stimme merkwürdig gedämpft — eine scheue Beklommenheit kämpfte drin mit unterdrücktem Jubel — „ich sah Sie vor mir gehen, ich habe Sie gleich erkannt! Guten Abend, wie geht es Ihnen? Fröhliche Ostern!" Impulsiv streckte sic ihm beide Hände entgegen; eine wohlige Wärme rieselte in die seinen über und flutete mächtig von ihr zu ihm. „Ich freue mich!" Er ließ ihre Hände nicht los. „Ich war sehr einsam heute!" Es siel ihm gar nicht ein zu fragen: so spät Sie hier allein? Er lvar zufrieden, daß fie da war; was ging ihn augenblicklich alles andere an? „Ich komme von Agnes Röders Hochzeit, unser Mädchen ist in die Apotheke nach Ehrenbreitstein. Papa ist gar nicht wohl, ich laufe darum vor nach Haus !" „Ich begleite Sie." „O das ist schon!" Sie paßte ihren raschen Schritt seinem langsamen an. So gingen sie. Rund herum wurden die Nebel dichter, die Nacht war plötzlich da, übers Wasser kam fernes Läuten. Der Wind war still, kein Hauch, nur ein stockendes Atemholen Seite an Seite. Neldas Schläfen klopften, hämmerten; ihr war heiß, es drehte sich mit ihr im Wirbel, und innen an ihr riß etwas, ein Bangen hielt sie zurück, ein mächtigeres Gefühl stieß sie vorwärts! „Sie zittern, Fräulein Nelda, friert Sie?" Er legte den Mantel fester um ihre Schultern. Es durchschauerte fie vor Glück bei seiner Sorgfalt; unwillkürlich drückte sie sich dichter neben ihn. Sie blickten sich an. „Fräulein Nelda, ich habe Sie in der Kirche gesehen!" „Ach — ich Sie nicht!" „Ich habe nichts von der Rede gehört, ich habe nur Sie immer beobachtet!" „Und ich habe Sie immer gesucht. Der Text war so wunderschön. „Wo du hingest, will auch ich hingehn; dein Volk sei mein Volk, dein Gott mein Gott!" Ihre Stimme war sicher geworden, ihre Brust dehnte sich unter einem tiefen Atemzug. „So muß es fein; ich dachte —" „Ich sah's, Sie dachten an etwas Besonderes. An was dachten Sie? An wen, Fräulein Nelda?" Sie schüttelte den Kopf. „An wen? Nelda!" Er wußte nicht, daß er jetzt flüsterte, dringend und aufgeregt. Eine heimliche Hoffnung legte ihm die Worte in beit Mund. Wie reizend, wenn sie sagen würde: „an —" „An Sic!" sagte sie plötzlich laut und fest, daß es ihn doch duLchschreckte. Sie hob die Augen zu ihm auf, ein glänzendes Licht brannte in ihnen. Es drang ihm in die Seele, es durchlief ihm die Adern und stieg ihm zu Kopf. Er breitete die Arme aus, ohne es eigentlich zu wollen. „Nelda--!" Sie sah ihn einen Augenblick starr an, tief erbleicht; daun schoß ihr glühendes Rot in die Wangen und verdunkelnde Tränen in die Augen. Sie stammelte, sie taumelte und griff mit der Hand um sich. Er wußte nicht, wie das so rasch geschehen, er hielt sie in den Armen und drückte seine Lippen auf die ihren; ein Rausch kam über ihn, als er ihren warmen Mund an dem seinen zucken fühlte. „Nelda, gutes teures Mädchen, an mich — an mich!" Er küßte fie wieder und wieder, feine Arme umschlangen sie fester. Sie sagte nichts, schr kräftiger Körper lehnte hilflos wie der eines Kindes an seiner Brust; sie ivar willenlos und zitterte wie Laub, das der Sturmwind rüttelt. (Fortsetzung folgt.) Die Anruhekl um und in Hungen in -en 3av- 1850 und M8. Von Adolf Stanback), Hungen. (Fortsetzung.) Zu den gemeinschaftlichen. Beschwerden mehrerer Gemeinden gehörte auch die, daß die Besitzungen von Arnsburg seinerzeit nicht an die Gemeinden übergegangen seien. Letztere glaubten benachteiligt worden zu sein, weil sie den Rechtstitel nicht kannten, unter denen die Arnsburgischen Besitzungen ehemals an ihre derzeitigen, Besitzer überkommen waren. Zur Beseitigung der in Umlauf gelangten Zweifel wurde bekannt gegeben, daß das fürstliche Haus Solms-Braunfels kraft des Friedensschlusses zu Luncville vom 19. Februar 1801 seine Besitzungen in Lothringen foteie baä fürstliche Haus Solms Lich seine Ansprüche aus das Amt mceberg abgetreten habe. In Verbindung mir den gräflichen Häusern Solms Laubach und Solms Rödelheim erhielten beide Häuser in Gemäßheit des § 16 des ReichsdeputationshauPtschlusscS 643 ttolttl 25. Februar 1803 die Klöster Altenberg und Arnsburg. Deren Güter wurden nach 'dein Hausrecht voM 10. November 1802 f.» verteilt, daß Solms Braunfels das Kloster Altenberg mit allen Besitzungen und den 4. Teil des ganzen Besitztums der Abtes Arnsburg, sodann die drei Häuser Lich, Laubach und Rödelheim jedes einen vierten Teil der Arnsburgischeu Besitzungen empfing. — Am 11. März bildete sich unter Mitwirkung Kießlings eine Bürgergarde, die stets mit 25 Mann und einem Befehlshaber! den Wachedienst versah. Mit dieser Einrichtung kehrte Ruhe in die Stadt ein. Weniger ruhig verhielten sich in den nächsten Tagen die Bewohner der umliegenden Orte. In der Nacht vom 12. ans 13. März wurden in Billingen dem Bürgermeister die Fenster eingeschlagen. Auf dem gräflich-laubachschen Hof bei Ruppertsburg wurden in derselben Nacht zwei Scheunen abgebrannt. Große Aufregung herrschte auch zu Trais-Horloff und Utphe; von Bellersheim her hörte man Gewehrseuer. •— Tie Nacht vom 13. auf 14. März verlief im allgemeinen ruhig; nur gegen Nonnenroth hin fiel ein Schuß. In Utphe war man mit den Verwillignngen bezw. der Antivort des Herrn Grafen unzufrieden und nötigte daher den gräflichen Verwalter in der Nacht vom Sonntag auf Montag, nach Tarmstadt abzureisen; und weitere Konzessionen zu erwirken. Noch waren die Deputationen von Hungen, Villingen, Nonnenroth und Röthges nicht zurück, als schon die Nachricht eintraf, daß eine Kommission von Darmstadt hier erscheinen werde, um die Ansprüche der Gemeinden zu untersuchen. — Lebhaften Anteil an der Bewegung nahm auch Wölfersheim. Tort wurde der Forstschütz Freihöfer von den Bauern verjagt. Forstmeister von Rabenau erstattete Bericht über den Vorfall, tvvrauf von Braunfels die Mitteilung kam, daß der Fall gerichtlich untersucht werde. Die Ausschreitungen gegen den fürstlichen Forstschützen können übrigens nicht von Belang gewesen feilt, denn der Bürgermeister Allwohn zu Wölfersheim berichtet unter dem 16. März: „Tic Gewalttätigkeiten, welche gegen den Freihöfer verübt wurden, kamen lediglich von der hiesigen Holzmacherrotte, die sich durch den Genuß von Branntwein Geist verschafft hatte und Freihöfer in den letztverflossenen Tagen, namentlich des Tages vorher, noch Veranlassung dazu gegeben haben soll. Tic ganze Sache ist beinahe nicht der Mühe wert,! davon zu reden. Ich 'habe die Hoffnung, daß Freihöfer heute Nioch! zurückgerufen werden wird, indem sich die gegen ihn auf- gereizten Gemüter befriedigend und halb reuevoll aussprechen." Fast gleichzeitig mit diesem Brief erhielt Kießling von „Gutgesinnten" zu Wölfersheim mehrfache Warnungen, indem er Miß? haudlungen zu fürchten habe. Als Rentamtmann Kießling nach der Ursache fragte, wurde ihm angegeben, man habe nichts gegen ihn, als daß er bei einer Verpachtung im Jahre 1841 einen höheren Pacht erstrebt habe. Trotz der Warnung des eben von Wölfers- beim kommenden Gerichtsdieners ging Kießling dorthin und leitete die nötigen Sicherheitsmaßregeln in Ansehung des Bergwerks- rechnungsweseus ein. Auch am 17. März weilte Kießling und zwar ungefähr 7 Stunden in Wolfersheim; es wurde ihm alle Achtung erwiesen und eine Bürgergarde gebildet. Allenthalben schien man nun das Schicksal der vielen Petitionen an Standesherren und Regierung abwarten zu wollen, als von Bellersheim aus Drohungen an ReutamtmaNn Kießling gelangten. Als er am nächsten Tage dort weilte, brachte man von Obern- Hofen die Kunde, daß der gräfliche Oberverwalter Lorenz von der ganzen Gemeinde Überfällen worden sei. Dabei habe man die Abtretung des .von dem Herrn Grafen daselbst gekauften! Schenlfchen Gutes verlangt. Ohcrvcrwalter Lorenz und Pfarrer MärgUard (?) wurden bei dieser Gelegenheit beleidigt, Bürgermeister Schmidt aber förmlich geschlagen und die Proklamation des Großherzoglichen Staatsministers von Gagern vom 16. März von den wütenden Bauern zerrissen. Welcher Art waren nun die mannigfachen Forderungen, die das unzufriedene Volk in seinen Petitionen teils an die Regierung, teils an die Standesherren richtete? Vor uns liegt eine Eingabe, die von den Gemeinden Wölfersheim, Södel, Melbach, Weckes- Heim, Wohnbach und Obbornhofen der Zweiten Kammer des Groß- Herzogtums Hessen durch bin Abgeordneten Ke i l von Melbach übergeben wurde (abgedruckt in der Frankfurter „Didaskalia" vom 20. März 1848). Sie lautet: H o h e. z w e i t e S t ä n d e k n m m e r! In gegenwärtiger, hochwichtigen Zeit ruhen die Blicke aller ächten Vaterlnudsfreuude auf Ihnen, und mit Vertrauen erwarten sie von Ihren weisen Beratungen des Landes künftiges und der kommenden Geschlechter dauerhaftes Glück. Tie bisherigen Verhandlungen des Landtages haben nur dazu beitragen können, dieses innige Vertrauen nur noch mehr zu bekräftigen, und mit lebendiger Freude hat es der Hessen biederes Volk vernommen, wie tief durchdrungen von vaterländischem Pflichtgefühl Sie Sich gezeigt, mit welcher Beharrlichkeit Sic die Erstrebung des Rechts bestanden, damit dieses biedere Volk fortan nicht mehr erscheine als Sclavei der Verhältnisse und der Willkür. - Indem die hessischen Landesstände ihrem ehrenvollen Namen durch die Thal würdevoll entsprechen, kommt ihnen zugleich der edle Beruf zu: „die Staatsbürger in Fällen, wo das Wohl ganzer Bezirke von Staatsangehörigen gefährdet ist," bei dem Landrssürsten kräftig zu vertreten. Solche Fälle walten bei uns ob, und wir erlauben uns, sie m Folgendem sowohl theilweise int allgemeinen Interesse deS Landes, als auch in unserem speciellen Interesse vorzutragen. Anlangcnd das Institut der großherzoglichen Kreisräthe, der Oberrechnungskammer und der Stcuerobereimtehmercien, so glauben wir es der Erwägung der hohen Kammer und einer weisen Staats- regieruüg überlassen zu müssen, ob diese Institute gänzlich ab- zuschafteu oder einer besseren Organisation zu unterwerfen sehen; man wendet sich an näher gelegene Gegenstände, namentlich: 1. An die Ahschassung der sogenannten Tecanatsrechner. Wie sehr diese zum Nachtheile des Volkes geschaffen sind, ist so vielfach bekannt, das darüber nur weniges zu sagen bleibt und beschränkt man sich nur darauf, daß manche Gemeinde ihr Kirchen vermög en früher jährlich für 11 ft. verwalten ließ, jetzt aber 50 ff. und mehr bezahlt, lind daß die Schuldner, um einige Pfennige zu bezahlen, mehrere Stunden Weges gehen müssen, um solche an ihren Rechner zu bringen, daß dabei viel Zeit versäumt und viel — unnvthiges — Geld verzehrt wird, und daß häufig im Einklang mit den Executanten das ganze Institut zur höchsten Bedrückung der Bürger bezeichnet werden muß. 2. An die Abschaffung der Gemeinde usw. Rechner außerhalb der Orte. Altes was in Bezug auf die Tecanatsrechner gesagt worden ist, wird auch hierher wiederholt und noch dabei speciell bemerkt, daß auch nicht einmal genügende Sicherheit wegen dieser krcisrüth- lich 'Angestellten vorhanden ist. 3. An die Abschaffung der Kreisboten. Cs ist eine entschiedene Wahrheit, daß diese Beamten zur höchsten Bedrückung der Bürger erscheinen und durch sie die höchsten Unterschleife in Bezug auf die Erpressung ihrer Gebühren vollzogen werden. Es läßt sich in Bezug aus dieses Institut in Wahrheit sagen, daß der Reiche arm, der Arme Bettler, und — der Kreisbote reich wird. Wenn man überhaupt das Executioiisöerfahren aus dem praktischen Gesichtspunkte ansieht, so muß man zu der Ueberzeugung gelangen, daß solches bloß der Kosten wegen vollzogen wird lind daß es füglich einer Ortsbehörde zu überlassen sehn dürfte, die Gemcinde-Jntradeu beizutreiben. 4. An die Beseitigung aller Privilegien, namentlich: al der Wirtschaftsmonopoie; b) deS Mühlenzwanges; c) der Wasenmeisterei (Schinderei); d) des Jagd- und Fischereirechts; e) des Präsentatsrcchtes; f) der Schäfereigerechtigkeit, nach dem Willen der Pflichtigen. Was die Posten unter a, b und c anbelangt, so ist ihr Druck im ganzen Lande bekannt und wird noch ausdrücklich zur Wasen- messterei bemerkt, daß eine jede Haut eines krepierten Stück Viehes dem betreffenden Standcsherrn, resp. seinem Schinderei- Pächter, gehört und dem Eigentümer des gefallenen Stück Viehes aus einem angemaßten Rechte aus Pen Zeiten des Mittelalters entzogen wird. In Betreff der Jagdgerechtigkeit wird zur Anschauung gebracht, daß Alles, was seither darüber beantragt wurde, nur auf Hochwildpret berechnet war. Zieht man aber in Erwägung, daß die Hasen, wo sie in großer Anzahl vorhanden sind, viel Schaden thun, so wird der Ausspruch gerecht erscheinen, daß die Jagdgerechtigkeit in ihrem ganzen Umfang volksthümlich aufznhebeu und den Gemeinden zu überweisen seh. Daß der Schaden, den die Hasen anrichten, in nicht verpachteten standesherrlichen Jagdgefilden sehr bedeutend ist, mag daraus entnommen werden, daß das ganze Jahr hindurch gehegt wird und der Jagdeigenthümer nur einmal Treibjagd im Jahr, manchmal auch in einigen nur hält, wo derselbe dann mit zwei oder drei ebenbürtigen Männern soviel schießt, als möglich ist, und kann man in diesen Jagden stets annehmen, daß in jeder Gemarkung mehrere Hunderte von Hasen zur Fortpflanzung übrig bleiben. Auch wird außerdem noch eilte Bedrückung ans dem Jagdrecht angeführt, daß nämlich die standesherrlichen Jagdaufseher die sich manchmal ins Feld schleichenden Katzen lobt schießen und dafür ein gutes Schußgeld erhalten. — Zieht man) in Erwägung, daß in der Wetterau häufig durch 'Mäusefraß fast alle Getreidefelder vollständig rninirt werden, so dürfte die Veranlassung zu dem Neberhandnehmen der Mäuse wohl darin zu finden sechs, daß Katzen, Hunde, Füchse, Raubvögel, Raben, kurz alle Tiere, welche der Landwirtschaft nützlich sind, getödtet, dahingegen alle gepflegt werden, die ihr schädlich sind und folglich dem Bürger großen Nachteil nnb Schaden bringen. (Schluß folgt.) Vevmißchtss. * Küu st liche Bl n m c n. Tie hängenden Gärten der Semi- ramis können kaum schöner gewesen sein als die mit Blüten reich' garnierten Hüte 'unserer Damen. Fast die ganze Flora der Welt ist auf den Töpfen vertreten; — sogar Helianthus annuus, be- kannt als „Sonnenblume" und geschätzte Gartenzierde deutscher Bahnwärterhäuschen, und die noch größere und berühmter«! Victoria regia fehlen nicht. Nur der studierte Botaniker oder erfahrene Gärtner ist imstande, alle die hutschmückenden Blüten richtig zu nennen. Zum Murren über den Blütenschmnck auf den Töpfen liegt indessen feine Veranlassung vor, denn die Fabrikation künstlicher Blumen hat eine staunenswerte Höhe erreicht- Tausende 644 Beißiger Hände sind unter Leitung botanisch, technisch und fünft» torisch geschulter Kräfte bei der Arbeit, um der Natur ein Paroli tzU bieten und Blumen, Knospen, Blätter und Gräser Ms den Mannigfaltigsten Stoffen erfteljen zu lassem Noch int 18. Jahrhundert lieferte die Fabrikation, die als „italienische" bezeichnet toittrbe, obschon ihr Hauptsitz Paris war, nur Phantasieblumen, denn es genügte, daß das Gebilde blu’Menähnlichen Charakter zeigte. Damals wurde auch Noch viel ein Material benutzt, das jetzt nicht mehr verwendet wird: die feinen Häutchen, die die letzten zusammengeleimten Fadenlagen der Coco'ns bilden. Aus den ab- geiösten Häutchen wurden, nachdem sie sortiert ilnd gefärbt oder bemalt wären, die Blumenblätter ausgestanzt und ulodelliert, ton dann mit Klebstoff oder Draht verbunden zu werden. Auch Berlin hat schon damals in solchen italienischen Blumen Absatz gehabt, denn eine 1'769 angelegte Fabrik brachte es bis 1782 von 90 auf 175 Arbeiterinnen und auf einen jährlichen Fabri- kationswert von 24 000 Talern. Später trat unter Anführung des Botanikers Seguin, der von der Fabrikation künstlicher Blumen Naturwahrheit in Formen und Farben forderte und bem= entsprechende Muster vorlegte, jene große Wandlung des Geschmacks ein, die immer mehr zu einer täuschenden Nachahmung der natürlichen Blumen drängte. Französische Firmen schritten kühn voran und suchte mit Hilfe verbesserter Werkgeräte, fein’ silhouei- tierter Ausschlageisen und delikat gravierter Matrizen dem Verlangen Scguins nach Möglichkeit zu entsprechen. Berlin und Leipzig machten sich diese Bestrebungen gleichfalls zu eigen. Nun sind sie, ebenso lote Paris, schon längst Hauptzentreu der Blumenfabrikation für den Weltmarkt geworden. Verhältnismäßig schnell geht die meist von Arbeiterinnen geübte Fabrikation voit statten. Mit dein Ausschlageisen werden die Blätter aus dem Material, wie Sammet, Taffet, Jaquonetts, Mull, englisch Leder und Papier Msgestauzt, um dann durch 'Pressung in der Matrize ihre Rippen Und Adern und, nachdem sie zuvor dem natürlichen Original entsprechend gefärbt sind, durch Bearbeiten mit heißen Eisen ihre Wölbungen und Krümmungen zu erhalten. Das Vereinigen der einzelnen Blumenblätter und Teile mit Hilfe von Klebestoffen »der mittete Zusammenwindens der einzelnen Drähte, die sorglich Umwickelt werden, ergibt dann Blume und Blütenzweig, deren Schönheit alle Tarnen entzückt und allen Männern — teuer ist, ’:i Mit d en Spaniern im Felde. Bon den kriegerischen Tugenden und Untugenden der im Rif kämpfenden Spanier, von ihrer Ka'mpfesweise und dem Leben angesichts des Feindes entwirft in einem Londoner Blatt ein englischer Mitkämpfer, hem es nach vielen Mühen gelungen ist, als Kriegsfreiwilliger in den Reihen der spanischen Armee ausgenommen zu werden, interessante und anschauliche Bilder. Er steht in der Borpostenlinie, die die Eisenbahn deckt, etwa zwei englische Meilen von Meline. Auf einem maurischen Markte, der von niedrigen, flachen weißen Häusern umrahmt ist, lagern did Truppen; die Offiziere und Sergeanten in den kleinen dunklen Gelassen der Häuser, die Mannschaften auf dem Markt. Auf Sand und Stein rastet man hier, in der Mitte des Platzes' lodern die Feuer, auf denen die Mittagssuppe gekocht wird; „die Luft M fast verdunkelt von dichten Fliegenschwärmen, selbst jetzt beim Schreiben kriechen Dutzende dieser Fliegen mir über Gesicht und Hände." Die Truppen tragen eine weiße Leiuemmiform mit blauen Streifen und eine Art Sandsandale. Tas unangenehmste Ausrüstungsstück ist der schwere HelM, aber neue leichte Kaki- helure sind bereits unterwegs. Zweimal täglich erhalten die Truppen ihr Essen, eine Art zusammengekochter Suppe arte Bohnen, Knoblauch, Del, Fisch oder Fleisch; dazu Brot und ein Gläschen weißen Weines. An den Geschmack des Oeles und des Knoblauches gewöhnt man sich erst mit der Zeit. Das Wasser ist schlecht und nur nach Zusatz von Alkohol genießbar. Der Kriegsfreiwillige schildert daun den Verlauf einer gewöhnlichen Tagesarbeit. Um 5 Uhr morgens endet der wenig genuß- veiche Schlaf auf den harten’ Steinen. „Wir erhalten Befehl, dreiviertel Meilen weit in das Gelände vorzudringen, um cs von Mauren zu säubern, die sich vielleicht in der Stacht herangeschlichen haben. . In Gruppen von zwölf Mann bricht man üuf, aber bald bildet man Schützenschwärme, denn schon auf Entfernungen von 1500 Metern beginnen die Mauresi ein siun- totb planloses Feuer. In raschen Sprüngen wird dann vorgegangen, bis wir bis auf einige 800 Meter an den Gegner heran sind. Die Mauren schießen schlecht; bisher ließen wir ihr Feuer unerwidert, nun nehmen wir in Gruppen das Gefecht auf. Eine halbe Stunde später ertönt das Signal zum Rückzug. Wir sind etwa ein Kilometer über unsere Vorpostenlinie hinaus uiib haben in bas Gelände geklärt. Der spanische Soldat ist im Felde leicht zu befehligen, wenngleich er kein guter Schütze ist und wenig Gewandtheit und Neigung zeigt, die Geländedeckungest guszunützen. Zweifellos ist er mutig und kühn. 'Die Legende von den Truppen, die nur ungern und widerwillig in den Kampf Zögen, erscheint dem töricht, der unter ihnen weilt. Die Haltung des spanischen Soldaten im Feuer ist 'bewundernswert. Erst gestern Jab ich während des Rückmarsches, wie ein Sergecuik ltotteu tut feinblichen Feuer gelassen stehen blieb, Um feine Zigarette anzuzünden und dann den Kameraden wieder uachzu- dilvn. Nach dein Gefechte vom Morgen erhalten wir Unsere erste Mahlzeit; dann Gewehrreinigung. Nachmittags um 4 Uhr sind zwei Stunden Gefechtsübungen; dann das Abendessen. Um halb 8 Uhr werde ich aus Vorposten geschickt. Von 8—1 Uhr hocke ich hinter -einem Felsen und luge in die Nacht nach Feinden, abech bis 1 Uhr ist nichts geschehen, ich rolle mich in meine Decke, um einige Stunden zu schlafen." .In den Augen des englischen! Beobachters wird die Disziplin im Lager etwas lässig gehandhabt, trotzdem das Mannschaftsmaierial eine etwas schärfere Behandlung ganz gut vertragen könnte, denn der spanische Soldat; ist ein’ sehr fröhlicher, lustiger und ein wenig übermütiger Geselle. Im Gefechte aber läßt er nichts zu wünschen übrig, es sei denn sein kriegerischer Uebereiser, der ihn das Kommando „Halt" leicht überhören läßt. Der Offizier hat übrigens das Recht, unaufmerksame und nachlässige Leute handgreiflich zu bestrafen; dagegen werden Schlägereien zwischen den Mannschaften unnachsichtlich geahndet. Die Offiziere sind tollkühn, aber zugleich von allen Obliegenheiten ihres Berufes vortrefflich unterrichtet; bemerkenswert ist ihre große Sorge für das Wohlergehen! ihrer Untergebenen. Auffällig für bett Fremden ist die Angriffstaktik der Spanier; bie Schützenlinie geht nicht in ihrer Breite vorwärts. Beim Signal „Sprung!" kriechen die Gruppen zusammen u’nd stürzen bann in Indianer forma tion einer hinter dem andern- vorwärts zur nächsten Deckung, wo schnell wieder zur Linie ausmarschiert wird. Man- bietet so dem Gegner eist kleineres Ziel. Die verlustreichen Kämpfe haben die Maim- schaften übrigens rasch gelehrt, die natürlichen Deckungen beiist Vorgehen besser aus-zu’ttutzen wie zu Anfang des Feldzuges. * Dem Südpol am nä chsteu. Die Veröffentlichung ton Leutnant ShaKetons Tagebuch, das in der Illustration abgedruckt wird, ist jetzt bis zu dem denkwürbigen Tage fortgeschritten, an deut ber kühne Südpolarsorscher Nahe am Ziele seiner Wünsche innehalten muß, am südlichsten bisher erreichten Punkt der Erbe im' ewigen Eise den Union Zack auspflanzt und mit herber Selbfli- überwindung den bitteren Cmtschluß faßt, tmtzukehven. Am 28. Oktober begann der entscheidende Vorstoß nach Süden. Dr. Marshall, Adams und Wild begleitetest Shakleboit auf dem verwegenen Zuge, der die vier Teilnehmer auf lange Monde den furchtbarsten Entbehrungen und Anstrengungen ausliefert. Ist kurzen, schlichten, packenden Worten schildert das Tagebuch das wochenlange sich Emporarbeiten zu dem großen Hochplateau: Endlich, am 18. Dezember ist die Hochebene erreicht und mit ihr eine Höhe von 2200 Metern. Die Temperatur sinkt, wilde Stürme toben über di« Eiswüste, die Nahrungsmittel schrumpfen zu- sam'rnen und noch tistmer trennen 544 Kilometer die Forscher von dem Ziel ihrer Sehnsucht, dem Pol. Die ohnehin knappest Rationen werden herabgesetzt. Unter eisigem Südwind feiern die vier bei -einer Kälte von 27 Grad das Weihnachtsfest. Nur für einen Monat noch langen die Nahrungsmittel und hi>t und zurück zum Pol harren noch 917 Kilometer ber Ueberwindung. Aufs neue wird die Tagesration geschmälert; noch läßt die Zuversicht die Reisenden die zunehmende körperliche Schwächung’ nicht spüren. Immer bitterer werden die Teniperaturverhältnisse; bisweilen bannt gewaltiger Schneesturm die Forscher in ihre Seite, wo sie fühlen, wie die kostbare Zeit verstreicht und der' Proviant abnimmt. Die mangelhafte Ernährung steigert die Leiden der Kälte, die Körpertemperatur geht zurück, aber „trotzdem fühlen wir uns noch kräftig". Aber nach und nach gewinnen der Frost Und der Sturm und der Schnee die Ueberfyanb. Immer schwieriger wird das Vordringen- Am 6. Januar verzeichnet man 280 8 ’ südlicher Breite; der Thermometer zeigt 390 unter 0. Endlich, am 9. November, wird bei 88° 23’ der Beschluß zur Rückkehr gefaßt. In das Eis graben die halberstarrten Hände den Flaggstock des Union Zack, der lustig- im Winde flattert. „Dort ist ber Pol, 175 Kilometer vor uns; aber es ist unmöglich, ihn zu erreichen. Vor uns dehnt sich die eintönige weiße EbeM, auf der wir so lange gelitten. Mit unseren großen Ferngläsern suchen wir bett Horizont ab; nirgends sieht man Erde. Allem! Anschein nach liegt der geographische Südpol inmitten dieses riesigen Plateaus ist einer Höhe von 3000 Metern, zweifellos die kälteste und stürmischste Gegend der Erdkugel." Noch eine. Aufnahme der äufgepflanzten Flagge, ein Gruß den wehenden Landesfahnen. „Unmittelbar danach treten wir den Rückmarsch an, wieder nach Norden!" Geographisches Kanimriitssl. Jtt die Felber vorstehender Figur sind die Buchstaben aaaaaaee gilllm n n p r s s tun derart ________einzutragen, baß die erste wagerechle Reihe den Nanten emeSKönigsreichs be* - — — — zeichnet u.bie4settkrechteu ReihenWorte von nachstehender SBebeutung ergeben: ~ — — — Deutscher Fluß, _ ___ ___ __ Gebirge in Afrika, Stadt in Böhmen, - ___ __ Stadt in Belgiern Auflösung in nächster Nummer; Auflösung des VexirMsels in voriger Nummer: ©al (b. i. */2 Salomo) + Peter — Salpeter. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudrnckerei, R. Lange, Gießen.