sie die gefalteten Hände auseinander, ihre Lippen hörten auf zu murmeln, sie packte sich an den Kopf und drehte sich herum wie im Wirbel uno wurde dann plötzlich ganz ruhig; durch das Dunkel ihres zerinarterten Kopfes schoß eine Erleuchtung — wenn es nun doch, doch wieder brannte?! * Sie waren alle auf den Feldern lueit draußen. Selbst die Alten und die Kinder waren mit ausgezogen.- Die Kinder, vor den Gespannen her hüpfend, den weißen Staub des Weges aufwirbelnd; die Alten, nachschlurfend, in der Hotte den Säugling, oder den Laib Brot und den Kaffeekrug. Nur das rufende Muhen einer Kuh, die mit vollem Euter im Stall stand, das unzufriedene Meckern einer Ziege, die man beim §au§ angepflöckt hatte, das wütende Grunzen eines Schweins, das gern dem heißen Koben entwichen wäre und sich draußen gewälzt hätte, belebten dann und wann die Totenstille des Dorfes. Noch war es nicht Mittag, aber schon lastete die Sonne schwer, ihre Strahlen hatten förmlich Gewicht; sie drückten alles in den Gärten nieder: die rankenden Bohnen, die breitblättrigen Rüben, das in der Dürre herbstlich-fahl gewordene Gras. Die Aw ei enggedrängten Reihen der Häuschen pusteten einander Hitze ins Gesicht; sie waren wie die Backöfen. Alles Gebälk, von Fichtenholz gezimmert, die Türen und Fensterrahmen schwitzten Harz aus und sperrten, ausgetrocknet bis ins innerste Mark, sich in klaffenden Fugen. Mitunter kam ein Windstoß; aber er brachte keine Kühlung, er wirbelte nur Staub auf, und die Luft ivard dicker ivie vorher. Echtes Erntewetter; der blaue Himmel, leicht angegraut vom staubigen Dunst der mehligen Felder, au- gerancht vom heißen Odem der dampfenden Erde. Aus den Schornsteinen der verlassenen Hütten kräuselte sich kein Rauch; heut kam niemand um Mittag heiin, heut ruhte man erst abends, wenn das letzte Korn drinnen war. Sorgsam hatten die Hausfrauen vorn: Fortgehn das Feuer im Herd gelöscht, mit Wasser die etwa noch schwelende Glut ausgegossen. Nur bei der Witwe Driesch rauchte es. Sie war die einzige, die daheim war; und sie hatte Feuer im Herd wie immer. Ein großes Feuer. Wollte sie Kuchen backen? War der Sohn heimgekommen, daß ihr Schlot so rauchte? Dicke graue Dampfwolken quollen ans dem Schornstein und legten sich schwer übers Dach, lind jetzt tat sich die Tür auf, die Hintertür, bei der das Reisig lag; die Driesch kam heraus, in der einen Hand die Dose mit Streichhölzern, in der andern die Petroleumflasche. Sorgsam goß sie den letzten Rest über die dürre Reisigwelle aus, ein Zündhölzchen strich sie an — hei, die ganze Schachtel fing mit Feuer, sie ließ sie fallen, und die jähe Flainme beleckte gierig das petroleumgetränkte Gezweig. Mit großen Augen stand die Alte dabei und sah's brennen. An der Hauswand reckte sich rasch die Flamme empor — knack — schon sprang das Hinterfensterchen von 1909 — Nr. 91 3» Brennende Liebe. Novelle von ClaraViebig. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Er ließ sie stehen und sprang, mit eilt paar großen Sätzen seine Beete überhüpfend, dem Hause zu, froh, ihr entronnen zu sein. Sie rief ihm nicht nach; sie sagte kein Wort. Wie vernichtet stand sie, ihre Hände umklammerten die Zaunstecken. Kälter Schweiß lief ihr über den Körper, und ein schreckliches Frösteln schüttelte sie. Ihr Sohn, r— ihr Willem — der war — der sollte — ja, was hatte er denn eigentlich getan?! Es war ihr, als hätte sie einen Schlag vor die Stirn bekommen; sie konnte sich auf einmal gar nichts mehr klar machen, nur das wußte sie: ihr Willelm mußte bald kommen, bald kommen und denen da die Mäuler stopfen! Stöhnend wankte sie in ihre Hütte zurück. Da war es jetzt ganz Nacht, nur das Feuer im Herd warf glimmende Scheine. Der schwarze Kater schnurrte, sie nahm ihn auf den Schoß und strich ihn, daß sein Fell Funken sprühte. Er schnurrte immer lauter und lauter, tote ein Spinnrad — in ihrem Kopf saß das Rad. Es drehte und drehte sich: Mordbrenner — ihr Willelm war kein Mordbrenner — gehängt — ihr Willelm wurde nicht gehängt — der Gendarm, der Heid wären Esel — es hatte im Dorf gebrannt — seit er fort war, brannte es nicht mehr im Dorf — die Herren würden ihn pisacken, es schon herauskriegen — nein, ihr Willelm war kein Mordbrenner, ihr Willelm wurde nicht gehängt — der Gendarm, der Heid, die Herren vom Gericht, alle waren Esel — nein, ihr Willelm war kein Mordbrenner — aber wie, wie das ausweisen?! Mit einem Schrei fuhr sie auf. Ihr Willelm wär unschuldig, ganz unschuldig, sie, seine Mutter, konnte es beschwören! Aber wer — wer glaubte ihr?! „Heilige Maria, Modder" Gottes, erbarm dech! Ech brennen dir en Kerz an — esu hell, esu hoch! — hän es unschullig! Hilf, erbarm dech, heilige Maria, Modder, hilf!" Sie lallte und schluchzte und rang die Hände. Auf den Knieen rutschte sie durch die Stube und schlug die Stirn auf den Estrich. Was .sollte sie anfangen, wie konnte sie's ausweisen, daß ihr Willelm nicht der Brandstifter war?! Die Nacht flog dahin, schon krähten die Hähne, bald würde der Morgen rot ins Fenster schauen. Was sollte sie tun, wie sollte sie ihm helfen?! „Heilige Maria, voll der Gnaden, gegrüßet seist du! Ech gelowen dir —!" Es hatte im Torf gebrannt, nun der Willelm int Kittchen saß, brannte es nicht mehr, aber wenn — ihre Augen wurden plötzlich ganz stier, mit einem tiefen Atemzug riß 362 -w der Hitze. Schreiend fuhr der schwarze Kater heraus und jagte mit versengtem Fell ins Weite. Auch sie ging jetzt davon, langsam, Schritt für Schritt, blieb' oft stehen und sah zurück: würde das Feuer auch nicht wieder verlöschen?! Eine Angst kam sie an. Hatte sie am Ende nicht sorgfältig genug die im Herd geschürte Riesenglut herausgerissen und in der Stube herumgezerrt? Und Stroh darauf geworfen und petroleumgetränkte Lappen? All ihr wollenes Zeug, ihr schwarzes Kirchenkleid und das Tuch — noch ein GesüMik von ihrem Manu selig — hatte sie deswegen in Fetzen gerissen. Hatte sie etwa nicht brennende Hölzer genug ins Bett gesteckt, zwischen die Federn der ausgeschnittenen Kissen?! Doch, doch! Das Bett hatte schon tote eine Fackel gebrannt, als sie ans der Hintertür herausgetaumelt war, halb erstickt, mit vor Rauch blinden Augen. Ja, ja, sie durfte ruhig sein, es würde schon genug brennen, es würde eine Flamme geben, die alle sahen! Etwas rascher schritt sie weiter. Auf den Anger wollte sie hinauf. Am Bergkopf oben, da w-ürde sie am besten sehen, wie das Feuer höher und höher stieg, wie es das Dach ergriff, das ihr Mann selig zur Hochzeit neu gedeckt, wie es das Haus verzehrte, das der Großvater selig einst gebaut hatte! Wenn nur niemand zu früh nach Haus kam, wenn die Hütte nur erst recht, recht toll brannte! Sie beunruhigte sich noch immer. Durch das Tannen- wäldchen gedeckt, war das Dorf jetzt ihren Blicken entzogen. Brannte es auch noch brannte es auch wirklich noch?! Sie rannte und keuchte bergan. Nur herauf zum Anger, voran, oben, da konnte sie sehen, da-- „Hah!" Ein langgezogener Schrei wahnwitziger Freude entstieg gellend ihrer Brust. Da lag das Dorf ihr zu Füßen. Eine Rauchwolke lagerte dick über ihm. Aber jetzt, jetzt — hah! — jetzt schoß es rot ans der Wolke! Sie teilte sich, ein wirbelnder Wind blies darein, feurige Zungen leckten empor, riesengroß, frendenhell, und leckten nach rechts und leckten nach links und stießen zusammen, vereinigten sich, flössen ineinander über, und wurden noch länger, noch breiter, toiirbeit zu einem feurigen Band, das sich immer mehr und mehr entrollte, schnell abwickelte wie von einem Küäuel. Weit aufgerissenen Auges stierte die Frau: Jesus, das war ein Feuer — das war ein Feuer! Es war längst nicht mehr die Hütte der Driesch allein, die da brannte. Bon Dürre und Sonnenglut ausgetrocknet, waren die Strohdächer aufgeflogen gleich Zunder. Jetzt brannten der Hütten schon vier, fünf. Mer noch nicht genug hiermit, der Wind machte sich dahinter und blies die Flammen an. Die eine ganze Reihe des Dorfes hinunter fegte der Brand; mit gespenstischer Eile sprangen Flämm- chen von Giebel zu Giebel. Wie Matten, von geschäftiger Hand zusammengerollt, krempelten sich hie Strohdächer um, erst sengten sie, erst schwelten sie, aber dann — hui — das totreife Getreide, jedes Korn ein Funke, puffte wie Pulver in die Höhe und sprühte Feuergarben in die Lust. Ein stinkender Rauch stieg zum Himmel empor und verdunkelte den Tag; aus den Ställen tönten die verzweifelten Stimmen der eingesperrten Tiere. Kathrein Driesch hörte nicht das Jammergebrüll der Verbrennenden. Sie hörte nicht das Geschrei, das plötzlich, hinten weit, von den Feldern her, wie im Alarm zu ihr drang. Sie horte nicht das Krachen von Balken und Mauerwerk — sie sah nur. Sah, triumphierenden Blickes, ein wildes, wogendes Flämmengetümmel, eine Glut, riesengroß, den Sonnenglanz löschend mit ihrem Rot, eine Fackel, riesenhoch, vom Wind geschwungen, lodernd himmelan, bis vor des Allerbarmers eurigen Thron, _ Die Mutter fiel in die Kuiee nieder auf den Anger, Huf das grüne Weideland der Herde und breitete ihre Arme weit und schlug sie wieder zusammen, als drücke sie schon jemand an die Brust, und weinte und lachte und hob die zitternden Hände hoch empor über ihr greises Haupt und schrie lauter als die hundert Stimmen der herbeistürzenden Dörfler, schrieb hinein ins Angstgebrüll der Tiere, ins Stürzen der Balken, ins Prasseln der Flammen: „Mein Willelm! Eweil kömmt hän!" Der Traum. Von Rudolf Presber, Berlin.*) In einem juristischen Seminar saßen drei späte Semester zusammen. Der Professor vorne ging eine Arbeit des Studiosus Buxenhagen, Hasso-Sueviae XX. X. X., über den Meineid durch. Es kann aber auch der Falscheid gewesen sein. Oder widerrechtliche Freiheitsberaubung. Der Studiosus Buxenhagen, Hasso-Sueviae XX. X. X., verstand nämlich vom Meineid soviel wie vom Falscheid, und von den beiden zusammen soviel wie von der widerrechtlichen Freiheitsberaubung; nämlich gar nichts. Und die drei Studiosen hinten am Fenster interessierten sich weder für den Falscheid, noch für den Studiosus Buxenhagen, noch für den Professor. Sie waren eigentlich ganz gegen ihre Gewohnheit hierher gekommen. Weil es draußen so heiß war und hier so schön kühl, und der Mann da vorn im alten, schwarzen Gehrock mit seinen leise vorgetragenen Ansichten nicht sehr genierte. Die drei unterhielten sich über die Liebe. Tas war ein sehr schönes Thema und jeder hatte etwas zu sagen. Plötzlich warf einer die Frage hin: „Und wer bezahlt nachher die Droschke zum „Silbernen Hirschen"?" Da wurde es still von der Liebe und man sprach von der Droschke. Sie hätten sie gern ausgeknobelt, aber sie hatten weder einen Knobelbecher noch Streichbeine. Da hatte der Jüngste plötzlich einen Einfall: „Wißt ihr — was? Mer den schönsten Traum über die Liebe erzählt, der wird von den anderen beiden freigehalten und darf im Fond der Droschke allein sitzen." „Den schönsten Traum über — — Ich fürchte, das wird sehr unanständig", sagte der Aelteste. Aber die beiden anderen protestierten. Der Vorschlag war schön, Vertrieb die Zeit und überhaupt. . . Also los! Da erzählte der Aelteste: „Ich habe geträumt, ich ginge durch den Wald, da kam plötzlich,, in Tränen aufgelöst, barfuß, ein wunderhübsches Mägdelein, und . . „Barfuß — ist schon faul", sagte der zweite, der aus Berlin war und nicht viel von Füßen hielt. Da schwieg der Erzähler beleidigt still und ruhte sich aus von den gehabten Anstrengungen seiner Phantasie. Ter zweite aber, der aus Berlin war und nicht viel von Füßen hielt, begann: „Stellt euch vor, im Traum sitz' ich neulich im Tiergarten und denke an gar nichts, oder an das Examen, was auf dasselbe hinausläuft. Plötzlich steht das Glück vor mir —". „Woran hast du erkannt, daß es das Glück war?" „Es führte ein kleines Schwein am lilafarbenen Bändchen, und alle Automobile machten einen Bogen um feinen Weg." „Das Schwein beweist, nichts. Mer wenn die Automobile es nicht überfahren haben, dann war es schon das. Glück! Also weiter." „Und das Glück war ein wunderschönes Weib, roch nach Heliotrop und hatte seidene Dessous, die immerzu knisterten und Strümpfchen . . „Nicht weiter ausziehn — wir kennen das." „Auch gut. Und das Glück sagte zu mir: ich liebe dich) Artur." . „Nicht sehr neu." „Nein, aber erfreulich. Und ich werde dir durch alle Examina helfen, Artur; werde bei dir sitzen wenn du arbeitest und werde dich darauf aufmerksam machen, wenn auf der anderen Straßenseite ein Vorgesetzter geht. Und du sollst durch deinen Fleiß ein berühmter Jnrist werden, wenn du auch das Pulver nicht erfunden hast. Und wie sie so sprach und ich genauer hinsah, da erkannte ich die Aehnlichkeit meiner Glücksgöttin mit der Siegesgöttin hoch oben vom Brandenburger Tor und . . ." *) Unter dem Titel „Der Vetter aus Köln" hat Rudolf Presber ein Büchlein lustiger Schwänke erscheinen lassen. Ter vielgelesene Verfasser von „Leutchen die ich lieb gewann" und von „Sieben törichten Jungfrauen", gibt hier ein buntes Allerlei kleiner nachdenklicher und kecker Satyren; krause Späne, die wohl bei größeren Arbeiten entfielen, aber alle mit der persönlichen Note des Humoristen. Hier ein artiges Stückchen ans dem unterhaltsamen Buch, das im Verlag der Concordia, Deutsche Verlags-Anstalt, Hermann Ehbock in Berlin W. erschienen ift- 363 „Stell sie wieder rauf, Artur! Nu, Fritz Leberecht, erzähle du!" „Ich habe geträumt, ich habe die Käroline Brümsel wiedergesehen, mit der ich Tanzstunde hatte. Sie ist zwar nicht hübsch, aber pockennarbig; und daß sie ein bißchen hinkt, wird reichlich dadurch ausgewogen, daß sie viel stärker schielt. Und wie mich das Mädel sah, — d. h. eigentlich sah sie an mir vorbei — da sagte sie: „Ach, Fritz Leberecht, da bist du ja auch wieder! Du hast wohl studiert?" r- „Das hab ich," sag ich — und sie: „Natürlich Jus" — und ich: „Versteht sich. Ich möchte gern zur R e g i e r n n g." „Ach, wie komisch", lacht sie. — „Wieso komisch?" sag ich. — ,,Ra, du hast doch vielleicht gelesen, daß mein Vater ins Ministerium gekommen ist." Er schwieg und sah treuherzig vor sich hin. „Na und dann?" drängten die Freunde, begierig, des aufregenden Traumes Ende zu erfahren. „Wieso — und dann? Ich hab' mich natürlich sofort mit ihr verlob t." Fritz Leberecht fuhr sieben Minuten später im Fond der Droschke, als Geladener, zum „Silbernen Hirschen". Die Freunde saßen schweigsam Und eittgefchüchtert gegenüber. Etwas wie Ehrfurcht hatte sich auf ihre Herzen gelegt. Wer so schön träumt — der macht Karriere, dachten sie. Und seufzend zahlten fie die Droschke. schöne Brunnen. Von Jos. Ang. Lux. Kein Platz ist einsam, wo ein Brünnen rauscht. Die Landschaft wird lebendig, wenn ein Wässerlein plaudert, und die Wanderung kurzweilig. Auch in der Stadt ist bas Wasser belebendes Element. Hier hat sich die Kunst seiner bemächtigt, tim die Wirkungskraft zu steigern. Brunnen sind fast bie em» zigen architektonischen Denkmäler, welche die Städte einst besaßen. Das haben die alten Städtebauer gut verstanden. Brunnen, die man in alten Städten ober Stadtteilen erblickt, sind ein Labsal, nicht nur für die Durstigen. Die rhythmische Monotonie des strömenden Wassers gleicht die disharmonischen Straßengeräusche aus. Sie webt ein feines, gleichmaschiges Tonnetz durch den zerstückten und abgerissenen Lärm, bindet und verebnet, nimmt seine Härten und trägt ihn im ruhigen Flusse, gebändigt und besänftigt fort. Und sinkt die Stille der Nacht aus den Stadtplätz herab, bann tönt sie wie sanfte, einlullende Musik. Der Stille nimmt sie das Bange, Atembeklemmende, die Erstorbenheit. Urweltslieber sind es, bie jedem Röhrbrunnen entsteigen, ein Rauschen, bas schon im Anfang der Welt dasselbe war. Eine Welt homerischer Stimwtingen erwacht, Blöcklinsche Bilder, wenn man will, inmitten kleinstädtischer Philisterei. Die Stimme des Meeres, der großen Mutter, lebt in dem kleinen Wasserstrahl, tönt nach, ein fernes Echo des Meeres, das nach Thales von Milet, dem Ahnherrn Unserer Philosophie, der Urgrund aller Dinge war. Der Mensch schaüt darin fein eigenes Symbol. Beide sind verschwiegenes'Nebelheim. Man kennt -nicht die verborgenen Wunder des allumfließenden Wassers. Kein Blick durchbringt alle Tiefen der Seele, so streng und tief hüten beide ihre Geheimnisse. Gin! Mgrund sind sie, oft ein grauenvoller Abgrund. Jeder Brunnen timschlreßt ein solches Symbol. Und aus der Tiefe beS rauschenden Brunnens steigen alle rätselhaften, wunberfameil Gestalten, mit beneit die wundersame Phantasie das Wasser belebt hat, empor, und sind Stein geworden, oberhalb des Brunnenrandes. Edle Plastik! Und wie das Gras zwischen den Steinstufen sproß, blüht unvermerkt und ungerufen das Volkslied empor. „Am Brunnen vor dem Tore' .... ." Das war einst der gesellige Sammelpunkt der Stadt "und unter deut Rauschen des 'Wassers ward der Klatsch gepflegt. Und die Kinder der Dienstbarkeit kamen mit Kannen und Krügen und in das 'Plätschern mischte sich lautes Gelächter. Aber wenn es still ward und einsam, schlich oft etrt Gretchen, mühselig und beladen, und jammerte vor dem BrnNnen: „Wie könnt' ich einst so tapfer schmalen....." Und Klage verrinnt im Rauschen, und manche Träne rollt rns Becken, ern Bropfen unter Millionen von anderen, hur ein! Mlßiger als die Brüder, und steigt zum Himmel empor als lichte Wolke und sinkt 'nieder in den Schoß des 'Meeres, wo sie mit Unzählbaren anderen Tropfen in unendlicher Klage aufrauscht, scheit und wild, als ob alle Tränen der Welt da gesammelt waren und alles Weh zusammenklänge. O Mensch! Alle Brunnen Mo davM voll und aus der Tiefe tönt es wie eine versunkene! Glocke! Wie das Wasser zieht! Neigt man sich über beit Rand, tim die heißen Lippen zu netzen, erschaut man fein eigenes Bild. ■x)U allen Dingen erkennen wir gerne unsere Züge. So zu sehen, Ist eben Menschenart. Alle Kunst wurzelt darin. Vermenschlichen will sie die außermenschliche Natur, das ist ihr Sinn. Am Brnnneu! wird es 'offenbar. Ein Naturelement hat fie zu fassen, und was hat sie da nicht alles getan! Geht man durch irgendeine alte Stadt oder einen alten Stadtteil, so steht man oftmals still im' Banne eines solchen edlen Gebildes. Die neuen Stadtteile entbehren eines derartigen Schmuckes. Das totire den Stadion tern zu sagen, und alle schönen Möglichkeiten wären ihnen aus Herz zu rücken, die sich bei der Betrachtung der Seele erschließen. Ist diese Sache bloßer Schmuck? Ei, da wäre wegen des 'Aufwandes manches' Bedenken zu erheben. In der Tat über ist sie zugleich eine hygienische Notwendigkeit, die nur deshalb nicht 'erörtert wird, weil man sie ohnehin gerne einsieht. Wir haben also das Glück, die Angelegenheit rein künstlerisch betrachten zu dürfen. Steht der Künstler vor der 'Aufgabe, so erschließen sich ihm tausend verlockende Wege. Alle Geister haben ihm vorgeleuchtet, alle Kulturen bis ins graue Altertum hinein. Unerschöpflich sind die Gestaltuitgs'möglichkeiten, die das strömende, mimende, spritzende oder ruhende Wasser darbietet. Die Phantasie aller Völker und aller Zeiten hat dem Meißel des Bildners! vorgearbeitet und eine Märchenpracht erschlossen, vor der die schönheitssuchende Seele erschauern muß. Mer alle Wege, die! in bie Schatzkammer ber Ueberlieferung führen, finb schon begangen worden. Viele dieser Wege sind sogar schon unzählige Male begangen worden und werden es 'immer wieder. Fast überall arbeitet der Meißel dem Liede nach, folgte die plastische Verkörperung dem rein dichterischen Bilde. Der suchende Künstler mag die Argonautenfahrt versuchen, er mag bie Griechenmeere! durchqueren und alle mythologischen Bewohner der Gemässer bis zur fernsten Quellennymphe im Hirtenreiche Arkadiens äuffuchen und sich ihre Legenden erzählen lassen. Er mag sich aus der Heiterkeit des griechischen Götterhimmels in das Niflheim der Nibelungen begeben, oder, wenn es ihm gelüstet, den Ritt ins alte romantische Land "unternehmen, den deutschen Zauberwald! erforschen und bei den Undinen und anderen Kindern des feuchten Elementes sein Glück probieren. Aber er glaube nicht, daß er der erste fet. Und sei es der seltsamste Md köstlichste Stofs in irgendeiner Stadt steht ein Brunnen, wo er sicherlich verwendet ist. Aber was liegt daran? Der selbständige Künstler wird jeden Stoff neu und interessant gestalten, .denn schließlich ist in der bildenden Kunst die Form das 'Entscheidende. Könnte es nicht ber Fall fein, daß unter beit Plastikern einer kommt, der mit einem Naturgefühl begabt wie Böcklin oder Segantini, eine homerische Stimmung hinzaubert, mitten in beit Alltag, ursprünglich und neuartig und dennoch 'nicht über beit bekanntest! Borstellungskreis hinausgehend? Es' könnte ganz gut .möglich' fein, meine ich. Jede Stabt könnte einen NibeluitgenbrniutM! haben und er könnte in jeder Stadt merkwürdig und anziehend sein. In allen Fällen aber würde sehr viel darauf ankommen, daß das Wasser selbst in den Dienst der plastischen Idee gesteM, feiiter Natur gemäß 'behandelt werde, was die Barocksiinstler so trefflich verstanden haben, von denen die historischen Gärten' manches gefangene Werk bis heute bewahren. Denn beim Brunnen und auch beim ornamentalen Brunnen ist das Wasser doch bie Hauptsache, und bie Architektur, die es einfaßt, zusammenhält ober darbietet, und bie edle Plastik, die das Werk beherrscht, um dem.' Gedanken des Ganzen einen bestimmteren, verdichteten symbolischen Ausdruck zu geben, sind doch eigentlich hervorgegangen aus dem Wesen dieses Naturelementes und dadurch formal bedingt. Brunnen, an denen das Wasser durch Turbinen hervorgetrieben, gepeitscht und mißhandelt wird, so daß man an feiner ®rfdjeiitnitg! nicht so sehr seine edle Natur betrachten als vielmehr die Wirkung! der Maschine unerquicklich nachsühlen kann, sind unkünstlerisch, mag auch bie Plastik für sich allein bedeutend fein. Denn dann ist ein Teil nur Vorwand des anderen und das Werk zerfällt jü zwei Hülsten, die kein Ganzes bilden. In. einem öffentlichen Garten, wo viele Liebespärchen spazieren gehen, glückliche und unglückliche, steht ein anmutiger Brunnen, mitten im Teich, darin sich hoch aus den Binsen ein seltsames Liebespärchen erhebt, ein Triton und eine Nymphe. Die Liebenden, die hier vorüberwandelit, können sich, sofern sie es ^beachten', an dem sathrischrn Widerspiel erfreuen. Auf sie blinzelt der Triton aus bem Schilfe, er drückt bie geraubte Nymphe, bie sich! schreiend wehrt, an sich und weit im Bogen speiend, höhnt er mit fratzenhaftem Grinsen herab. Was mir an diesem Brunnen bedeutsam ist, das ist der Wasserspeier. Es liegt nichts W-ider- fpruchsvolles oder gar Widerwärtiges barin_, baß ber Wasserstrahl aus bem Munde schießt, benn bas Wasser ist des Tritons eigentliche Heimat. Dagegen wirkt es abstoßend, wenn irgendeine menschliche Figur, die nichts von dieser Amphibienuatnr besitzt, als Wasserspeier verwendet wird, wie man es an Brunnen der Neuzeit oftmals vorsiildet. Aelterc Kunstpenoden haben sich vor solchen Mißgrifseu wohl gehütet. Die Gotik verwendete Wasserspeier aller Art, aber sie verwendete als Vorbild nur Wesen, deren Lebenselement das Wasser ist, oder sie erfand zu' diesem! Zweck mit erstaunlicher Phantasie eine ganze Welt von abenteuerlichen Fabelwesen. Tiefe Zusammenhänge müssen sichtbar werden'. Und jedes Kunstwerk soll ein reines Gefäß sein, des leuchtendsten Geistes erfüllt. O, ich kann mir denken, daß ein Künstler an1 allen Schätzen der Ueberlieferung vorübergehen mag, ohne auch nur einmal 'das Zauberwort zu sprechen: Berg Sesam, tit dich aitf! daß er lieber in das Wesen der Dinge hinabsteigt, tim! atis ihm die Form heraufzuholen. Zu den Großen gehören immer nur solche, welche den Kreis der herkömmlichen Darstellungswittel durchbrochen und der Natur nette künstlerische Darstellungsmittel abgerungen haben. — 364 — Bilderrätsel. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Brich- und Steindruckerei, N. Laune, Giehe«. Auslösung in nächster Nniuiner. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Mutig oder feige? Eine hübsche Erinnerung eines einundzwanzigjährigen Studenten und Reserveleutnants ans dem dänischen,Kriege von I8b4 erzählt Professor Karl Larsen in einem Aussatz „Der Mensch und der Krieg", der in „Nord und Süd" verofsentlrcht wird. Ev sind Schüsse gefallen, und die Meldung kommt, daß „der Femd sich aus Leibeskräften mit unseren Feldwachen schlüge.. Wir rücken vorwärts zum Entsatz, hielten uns aber vorläufig m einer geschlossenen Kolonne mitten aus dem Wege und warteten nähere Ordre ab. Inzwischen pfiffen die Kugeln der Preugen um uns, und mancher brave Soldat mußte hier verbluten, ehe er noch dazu hatte kommen Minen, einen Schuß gegen die Feinde Dänemarks zu lösen. Es ist nicht angenehm, so nut den Händen tm Schoß zu stehen und sich erschießen zu lassen. „Mutig oder wige i Diese Frage drängte sich mir wohl hundertmal in diesen zehn Minuten auf, und die Antwort lautete: „Feige!" Fa, ich bekenne es; wie ick dort stand, da war ich ein Feigling, ein elender Kujon — aber ich bitte alle, die zu Hause auf ihrer Stube sitzen und über mich richten, ein so mörderisches Feuer auszuhalten, und zwar, ohne selbst eilte Hand erheben zu dürfen, em Wort zu sagen oder einen Schuß zu lösen. Die Mannschaften der Feldwachen, von den Prerißen zurnck- gedrängt, kommen jetzt in voller Unordnung, vom Feinde verfolgt, zurückgelaufen. Die Verwirrung ist tm Begrisf, auch tue Leute des Leutnants zu .ergreifen, sie geraten zwischen die wild Fliehenden, „ da wachte ich am". Man sieht nun, wie energuch die Nerven des jungen Mannes reagieren: „Arik erneut Stock, den ich in der Hand hatte, schlug ich einen meiner Leute zur Erde. Darauf zog ich meinen Säbel und schrie: „Der Erste von der zweiten Kompagnie, der ohne Ordre retiriert, wird niedergehauen!" Die Wirkung war verblüffend. Tie Zurückgebliebenen schielten nach mir hin, um zu sehen, ob es wirklich mein Ernst sei; aber es muß wohl etwas Imponierendes an mir gewesen sein, denn sie blieben Gleichzeitig erhielt ich die Ordre, mit meinem Zug einen Knick zu besetzen. Ich besetzte diesen, und eme halbe Stunde lang hielt ich ein wahrhaft mörderisches Feuer ans. Die Preußen benutzten die im Terrain sich bietenden Niederungen vortrefslich, so daß man sie in der Regel nicht sieht, bis sie einem gerade auf dem Leibe sind, llnb plötzlich sprang kaum zehn Schritte von mir ein preußischer Offizier heraus, sowie eine, Menge Soldaten. „Mutig oder feige?" fragte ich mich selbst; aber nun lautete die Antwort: „Mutig!" Der Gedanke an die Heimat schwebte mir dunkel vorbei, der Gedanke an alles, was ich auf- geben mußte; aber es war nur ein Augenblick, tausendmal kürzer, als ich dazu brauche, es zu erzählen. Mein Regenmantel inachte mich kenntlich. „Feuer, Feuer!" rief der tapfere Preuße, indem er auf mich deutete; aber eine Sekunde früher hatte ich bereits auf ihn gezeigt und gerufen: „Legt an, Feuer!" „ Der Offizier fiel, und unsere kräftige Salve hatte überhaupt eine starke Wirkung auf unsere Feinde. Unsere Gewehre waren indessen fast alle ab- geschosseii, und deshalb: „Zurück, lauft!" kommandierte ^ich, und nun liefen alle, was das Zeug halten wollte, über das Feld bis zum nächsten Knick. Ich brauche kaum hinzuzusügen, daß wir auf diesem Wege eine Salve erhielten, die 15 von meinen 45 Mann tötete oder verwundete, und daß die Kugeln besonders mir um die Ohren pfiffen, aber den einzigen Schaden litt mein Regenmantel, in dessen untersten Saum ein Riß geschossen wurde, und danu meine Hände, die ich mir arg blutig riß an der Dornenhecke, die am Knick stand, über welchen wir himvegvoltigierten. „Mutig, mutig!" so jubelte es in mir, und von diesem Augenblick fiel es mir gar nicht mehr ein, daß mein Leben in Gefahr sei . . . Wir zogen Ms gegen die Schanzen zurück, und der Kampf blieb hier eine Zeitlang stehen, bis das 6. Regiment zu unserem -Entsatz anrückte. Dann ging es vorwärts, wie es zuvor rückwärts ging, der Feind retirierte schleimigst . . . Der Kampf war beendet, der Bataillonskoinmaitdeur kam, der Regimeutskomntandeur kam, alles war mir wie in einem Traum, alles war mir, als hätte ich nichts davon erlebt: aber die Wagen, die mit den Verwundete und Toten nach Sonderburg rollten, die ernsten Ambulanzen, die feierlich auf den schneebedeckten Feldern vorwärts,schritten, um die Gefallenen aufzulesen, waren lebende Zeugen, daß hier ein Gefecht gestanden. Mein Hauptmann stand und sprach mit dem Regimentskominändeur, es war von mir die Rede, es war mein Mut, den er beschrieb, meine Tapferkeit, die er lobte, und nun kam er ans mich zu, drückte meine Hand und sagte: „Viel Glück zu Ihrer Feuertaufe! Sie haben wie ein tapferer Soldat Ihre harte Probe bestanden." Ein tapferer Soldat! Ja, ich fühle es, von dem Augenblick an, wie es zur Tat kam, von dem Augenblick an habe ich nicht an die Möglichkeit gedacht, daß ich getroffen werden könnte." Noch verweilt der jimge Leutnant glückselig bei dem offiziellen Rapport und einer ehrenvollen Erwähnung darin, und mit überströmender Freude schließt er: „Meine geliebte Mutter, meine lieben Geschwister, mein braver Christian, ehrlicher Niels, meine liebenswürdige Familie, empfangt den herzlichen Gruß eines Soldaten!" _ _ , Am Düppeltage, dem 18. April, stand, er im Lautgraben! zwischen den Schanzen 2 und 3, und dort blieb er auch — als „tapferer Soldat". — Vermischtes. *' Die Prüfung des chinesischen Briefträgers. Der chinesische Postbeamte, der den Söhnen des Hiiumels ihre Briefe überbringt, hat eine Reihe anstrengender und gefahrvoller Proben abzuleisten, ehe er des Amtes würdig befunden wird, das er bei kargem Solde dann verwalten muß. In einem französischen Blatte wird dies Examen geschildert. Vor allen Dingen muß der künftige Briefträger einen Beweis seiner körperlichen Leistungsfähigkeit und seines Mutes ablegen. Daher sendet man die Kandidaten auf große Fußreisen, weite Entsermmgen. »innen zu Fuß zurnckgelegt werden, durch einsame Bergschluchten und düstere Täler eilt der Prüfling, durchschreitet rauschende Gietz- bäche, durchquert sinstere Wälder, die durch Räuberunwesen berüchtigt sind, und kehrt dann nach Ueberbringiutg irgend> einer Probebotschaft znm Ausgangspunkt seiner Reise zuruck. Hal er die Wanderung mit der wünschenswerten Schnelligkeit liberwunoen, allen Gefahren getrotzt und durch List ober Kraft allen Widerstand besiegt, so stehen seine Aussichten für die Anstellung Aber das Examen ist noch nicht zu Ende; die schwerste Prüf«»» steht noch bevor. Zur Nachtzeit, wenn mit dem Dunkel die Gespensterstunde naht, muß der Kaildidat bestimmte abgelegene Orte aufsuchen, biel durch das Treiben von Dämonen und böien Geistern berüchtigt sind. Vollbringt er auch dieses Wagnis mit Unerschrockenheit und Standhaftigkeit, so gilt er für würdig, als Beamter in den Postdieust einzutreten, aber viele scheitern au bieier Prüfung, die als die härteste und gefährlichste von allen Proben gut. * Aits der M ü nch eiter Jugend. Der Gesandte eines deutschen Bundesstaates in Berlin führt bei einem Diner eine bekannte Dame der Berliner Hautesinance zu Tisch. Die Fran Geheime Koniiuerzienrat gebraucht in der ersten Viertelstunde me Anrede „Exzellenz", in der zweiten „Graf N , . in der dritten beginnt sie „Mein lieber N. . .", worauf sich der Gesaudte zn ihr wendet: „Mein Vorname ist Karl!" Es mag schon als bemerkenswerter Versuch zur selbständigen und unabhängigen Formschöpfung gelten, wenn der ^plastische Künstler in einer BrUiinenidee aus die großen Ernahreriniieit der Brunnen deutet, auf die Wolken, die das erquickende Naß herab- träufeln. Auf den Steinpfeilern stehen streng architektonische Gestalten, ober scheinen aus dem Stein hervarzuwachsen, so hart und streng sind sie, und haben das Antlitz zum Himmel erhoben; lechzend, die Himmelsgabe herabzuflehen, und die hohle Hand strecken sie vor, den fallenden Regen aufzilfairgen. Alle Symbole sind in der Natur zu finden. Und alle hohe Kunst ist symbolisch. Ich kenne einen solchen Brunnen. Architektur und Plastik sind hier zur Einheit verschmolzen. Eines die notwendige Ergänzung des änderen. Die Architektur als Ausdruck der reinen Zwecklich- keit, als Stufen und Bruiinenraud, darauf m gleichen Abständen, gleicher Haltung nnd gleicher Gestalt, kniende ^üngluigsgestatten sich erheben, die Hände um die eigenen Schultern.gelegt, zm ruhigen Schauen den Blick auf die Wasserfläche gebannt, darin das eigene Bild emportauchen muß. Sie sind das Symbol des nchenden Wassers selbst, das die Schönheit der Schöpfung tn seinem spiegel anffängt, sie sind zugleich die Darstellung jener unendlich fußen und traurigen altgriechischen Legende des Narelssus, freilich tn herbe asketische Sprache des gotischen Geistes übertragen. Schöne Brunnen — das .wäre eine Angelegenheit für die : schnell auwachsende Stadt. Die Stadtväter mögen das bedenken. . -Die Römer gaben bent Volke nicht nur panem, auch eireenses. Aber wir errichten ja Denkmäler. Um jeden Preis. Wir nehmen sprn teren Geschlechtern Aufgaben vorweg, für die sich vielleicht^ einst größere Küiistler fanden. Schöne Brirnneii, das ist eme Aufgabe, bei der der Künstler nicht leicht danebeNgrelst und bei der die Stadt ihre Freude, ihren Nutzen hat. Daß es auch der Stadt nütze, daran sollen wir zunächst denken. ( i k i e c t k t I C 5 c l f t f 1 ( c i t c i f s l i i i ( l i t S t 1 t