Donnerstag den U. Januar 1909 ZU N WM MW GMj Maria Hendrina von Goch. Novelle von Luise Schulze-Brück. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Beert legte vorsichtig Hendrina den Mantel um. Das MH-- fettche» Hatte das besorgen iroffön, aber Beert hatte sie mit einer einzigen Bewegung zurückgeschoben. 9hm stand sie zaghaft daneben. „Berkmitsche Se nor 's Klredchen net — gewwe Se Obacht. Mannsleut' könne doch so waS uet." Aber Beert konnte es. Gartz zart und geschickt machte er das, «und zart und geschickt streifte er der Hendrina auch die weiten Pelzstiefel über die ausgeschnittenen Schuhe. Hendrina sah ihm halb staunend zu. Daß der Beert das konnte! Aber freilich, er hantierte ja auch auf dem Schiff so geschickt luitb gewandt. Er nahm ihr ja da alle Arbeit ab, die sie ganz gut hätte tun Birnen. Und tote gut er aussah in deut schwarzen 'Anzug. Das fand Hildegard auch: „Ater 'hawive ä [diceu.e Gawalier," sagte sie stolz, während sie die steile Strafte «ach dem „Pariser Hof" hinaufgingen, wo der Ball stattfand. — Und gerade wieder Ivars Hendrina wie am Silvesterabend vor dein Kirchgang. Nur daß diemvl Beert neben ihr ging und sie sorglich führte. ( „Was für Tänze krieg' ich denn, Hendrina?" fragte er halblaut. „Ach du." M war ihr doch ,beklommen. „Ich hab' ja gar nicht gewußt, ob du mit mir tanzen willst und da —“ „Ich 'kann mirS denken," murmelte er. „Dem Amerikaner, dem hast du wohl schon alles versprochen?" In Hendrina regte sich der Trotz. „Du hältst ja fragen können." „'Noch. ift’S, ja nicht -zu spät," sagte Bert gelassen. „Und- weiin du mir immer den Tanz nach einem gibst, den du Mit dem -andern tanzt! —" Sie sah ihn betroffen an. „Ach Beert." Er 'lachte ärgerlich. „Das ist zu viel, meinst du. Aber ich. bestehe drauf. Immer den Tanz nach dem- anderen. Und wenn du das nicht wagst —" Er sah so böse mls. Seine Augen funkelten und er drückte Hendrinas Arm fest, „Ja, ich will schon." „No, was werd denn do verhandelt?" fragte Hildegard neugierig^ Sie hatte schon- einen ganzen Trupp junger Leute um sich. „Ihr seid emol ganz Aparte, ihr. Wann annere Leut' nff'n Ball Hetze, do sind se pl-äsierlich und freie sich. Awwer ihr macht ü Bonem (Gesicht) wie die Katz', Sv-ann's donnert. Die Nidder- rheiner, die sin doch g'ra-d' als wann se mit Blei gefüttert wär'«! Als to.fi int fe immer K Klotz, an Bään hätte, mt könnte ke äirz-ig Mol K bische 'losgelMe wäru, un & bische Hippe. Immer Bantinett ihn-e bg Klotz an. Was iS tat» nn alleweil Widder los? Awwer -einerlei was, da sin wir am „Pariser Hof", un mt mach ä armer Gesicht, Hendrina, un du Beert auch, sunscht denke die Seit, liiier hätte euch eso a saure Schoppe zu dinle gewwe, daß ihr'n M IM eit noch im Mund spürt. Do — do geht die Musik schon. Mx ,fir, snnst komme m-er M Mt." V. Hendrina van Endert schlug langsam die Augen auf und saH verwundert unr sich. Ach, sie hatte so schön geschlafen. Und brJmee geträumt und Lichter glanz Metze« und Musik gehört--bis Angen fielen ihr halb wieder zu —, weiter träumen. Musik —< jetzt -einen Walzer — la la la — la la —- la la, ach, wie sie sich wiegte -auf dem glatten, Boden und fast-zu schweben schien im Arml des Amerikaners, — wie die Lichter flimmerten und funkeltest, — erst rwch jedes einzeln MS ein feuriger Kreis, dann alle M-. samm-en in einem großen, großen- Feuerkranz, — la la la —; la la la la. spielte die Musik, immer rum, immer rum, la la la lst, — 'sie schwebte, sie flog, cs- schwindelte ihr, ihr Her» klopfte so laut, loder war esi das andere Herz dicht an ihrem, das so klopfte? Das schwarze grause Haar Tschvrtschies roch so stark nach irgend etwas — und so fest drückte er sie an sich — und immer rum —i immer rum — Ä» la la —» la la la la. Und 'dann hörte kW Musik plötzlich -auf, während sie noch immdr forttanzten, und fie wurde festgehalten, weil ihr ganz schwindlig war, und saß daM auf einem Stuhl und der andere neben ihr, und ringsum sahmi neugierige und mißgünstige Augen sie an, — während sie baÄ nur halb merkte unb fühlte und intimer noch feurige Kreifs sah und Musik Hörte. Und dann sing die Musik wieder an, eite Rheinländer w-ars diesmal la la — -la la — la la la. „Rheinisch, Polka tanz' ich gern mit 'nem schönen jungen Herrn." Und jetzt stand Beert so groß und breit vor ihr da und nahist sie in seine Arme, — und so groß sie auch selber war, so wav sie doch klein neben ihm, und er führte sie so geschickt und sd stark durch bett Trubel — la la — la la — la la la — rhei — nisch Polka — tanz' ich gern--sie suhlte sich so sicher, so geborg-en bei ihm, er hielt sie so ruhig — und nun stellte ev so vorsichtig hin wie- eine Wachspuppe ■— sie mußte lachen. Damj kamen andere, — 'fremde Gesichter, — fremde Menschen, H braune, schwarze, — dann wieder der Amerikaner, und nach ihm immer wieder Beert. Wie lange das so gedauert hatte, -sie wußte es nicht. —< Spät, spät mußte cs wohl gewesen sein, oder früh am MorgAL Denn -als sie heimgingen aufs Schiss, das jetzt ihr Heim wvp, da war schon ein weißer Schein, der nicht nur Schneelicht war, über dem Rhein und den Bergen, und seltsam grau und kalt standen die Micher und Türme Bingens' in dem Zwielicht. Und Hendrina fröstelte unter ihrem warmen Mantel, während a» ihrer einen Seite Beert ganz stumm ‘ging, und an der anderen bet!: Amerikaner, -der beständig schwatzte und lachte und tolles Zeug vorbrachte. Und ihr war so sonderbar gumute, gerade, als ob sie -es nicht sei, die das alles erlebe, sondern eine andere, eine Fremde, und sie sehe nur zu wie durch einen Schleier, wie g-astK von ferne, und wundere sich über die tollen Menschen und übrtz die Geschehnisse. — 'Ruck war sie doch'ganz wach. Wer sie ivolltH noch nicht «mfstehen, noch ein bißchen liegen und nachsinnen, —< noch einmal die Musik hören und tanzen — tanzen — mstz Tschortschie 'Werner und mit Beert. Es war noch alles still. Sie schaute durch das Gitter, -■■=* niemand war in der kleinen Kajütenstube. Nur draußen schlichest vorsichtige Schritts, sie schob den Laden cm stenig hoch, fett- sah stz 30 Beert, der eifrig herumHantierte. Er hatte seine blauett Schiffer- Neider an und ein rotes loses Halstuch um-, es fiel ihr eigentlich Wm erstenmal auf, welch ein hübscher Mensch- er war. — Das kastanienbraune starke Haar, das schön geschnittene Gesicht mit den sonderbar lang geschnittenen Augen, — „verflixte Augen" hatte Hildegard gesagt — mit der Hildegard hatte Hendrina ihn! Mich ein paarmal tanzen sehen gestern- abends Der Laden knarrte ein wenig-, sie hatte daran gerührt. Beert sah sofort auf, mit einem! schnellen, scharfen Blick auf das Fenster- Ken. Den Blick hatte sie früher nie an ihm- gekannt, nur in den letzten Tagen erst. Sie hatte in mancherlei Augen gesehen in' diesen Tage-», fast schien's ihr, als fei es überhaupt zum- erstenmal in ihrem Leben, daß sie so viel in andere Augen geschaut habe, daß- sie da etwas gesehen habe, was ihr bisher fremd gewesen. Sie schloß ihre eigenen Augen fest zu, — da waren auch schon die- schlvarzen Augen -Georg Werners und dicht daneben! die braunen Beerts mit den langen schwarzen Wim-Pern. Und da waren die roten Lippen Tschortschies -über seinen weißen Zahnen-, — der Mrmd, bet sie geküßt hatte am- Silvesterabend, — und ha war Beerts Mund, — ob der auch so küssen konnte, — so heiß und so tveich, — so Ivie der -andere? Hendrina van Endert schauderte ein- wenig- in ihrem- warmen, weichen Bette. Was -war das nur in ihr, das neue, das was vorher nicht gewesen war? In ihr und um- sie? Das, was in1 ihr sich regte und sie unruhig und heiß machte, und das-, was sie in den Augen des Amerikaners las — und in Beerts Augen? Ach, sie hatte auch allerhand Geschichten schon gelesen, in alten Zeitschriften und in Buchern, die z-ufällig den- Wieg in das- kleine Haus in Goch gefunden hatten, Geschichten--von Liebe und L-eiden- sch-aft. W-ar das Liebe, was sich da in ihr regte und- so heiß und süß war, und -doch- so beklemmend? Und- wenn- es! Liebe war, liebte sie den Georgie? Einen, den sie vor acht Tagen noch nicht gekannt hatte, der allen Mädchen nachlief, wie die Hildegard er- znhlte, und so ein Wilder, Böser war? Oder war das Liebe-, was sie sich ängstigen und fürchten ließ vvr ihr und sieh flüchten z-u Beert, wo sie sich so sicher fühlte, so geborgen und ruhig. Mar der Beert ihr nicht noch dis- vvr -ein paar Tagen immer wie ein Bruder gewesen, wie solch ein großer-, gutmütiger Bruder? Ach Gott, war ihr nicht die ganz« Welt anders gewesen? War es -nicht, als ob sie jetzt in einer ganz, neuen M-elt sei, in einer Welt, wo es schön und wonnig- war zu leben, morgens ijtt erwachen und- z-n wissen, wie herrlich es sein konnte — und abends einzuschlafen und zu träumen von dem- Erlebten des Tag es! Draußen pochte ihr Batet hart an und rief mürrisch ihren Namen. Er hatte wohl noch nicht ausg-eschlafen und- war nun-schleckt gelaunt. „Steh' auf, Hendrina, et kommt Besuch!" Besuch? Wer konnte das- sein? „Tie Tante Seit von Mainz-, Die hält auch ivatt besseres! dhun können, wie hier eruin ze flankieren. Aber nu steh ans." Tie Tante Sette! Hendrina erinnerte- sich ihrer, kaum. Sie lvar emutfil in Goch gewesen vor lange«! Jahren, als Hendrina iwch! ein Kind war. Rur daß sie laut sprach und lustig war, hatte sie noch in der Erinnerung. Und daß ihr Vater- sie nicht leiden mochte, wußte sie. Manchmal hatte die Tante Sette einen Brief geschrieben und ihren Vater gebeten, Hendrina nach Mainz- zu schicken. -Aber -daraus war ja nie etwas geworden. lind nun kam sie selber. , H j I I ' I Hendrina sprang aus. Ta gab «Ä noch' viel z-n tun'. Siei ftatte in den letzten Tagen nicht so recht Ordnung gehalten., Zu -viel anderes war ja auch auf sie eingestürmt. Wie konnte nm« aufräumen und Staubwischen, wenn man so bunte Gedanken Hatte! Nun holte sie alles nach!. Das halbwüchsige Mädchen, das alle Tage 'ans Bingen 'kam- mch ihr bei der Arbeit half, guckte sie ganz, «rswunt an. -Sie Ivar sonst nur gewöhnt, daß das Fräulein trau» werisch und still herumging-, mauchnml für sie lächelte, dannj ivieder mit großen Augen ins Leere sah. Der -alte van Endert war ganz sauertöpfisch. Sie sollte nicht kommen, die Sette. Sie würde ihn ja doch nur molestieren, aller-- dumm,es Zeng aushecken, herum schnüffeln, die Hendrina aus- ffnuntercn. Es war schon gerade schlimm.' genug, wie es war. Er lMte heute morgen den Beert wieder v-orgeuomMen. Ob er denn lE sehe, wie der Hase liefe. Ob er nicht sehe, daß der Amerm toter ihm- dl-e Hendrina vor der Nase wegschnappe? Und nach dem! .«writater habe er sich gestzrn abend um'gehört. Aäs der Wein- M--ttter sage, darauf gebe er ja nichts. Der sei ein Schwätzer nud- Nussch-netder. Aber glaubwürdige Leute haben ihm- erzählt, wie * tott dem Georg Werner stehe-. Geld hat er wie Her,. Bon seinem Kater -hat er schm einen' Haufen geerbt, dazu kriegt er noch mal soviel von feiner Mutter. Wenn der Georg- heiratet, dann zieht er in die schöne Billa in Rüdesheim-, oder er kauft sich hier in Bingen ein Hans. Nach dein- Geld- von der Hendrina, da- sragt der nichts. Das läßt er int Schiff ruhig stecken, dazu verpflichtet er sich. Es- ist ihm- egal, ob er's jetzt gleich kriegt, ober, erst, wenn er, der Alte, mal tot ist. Darauf will er Brief un-df Siegel 'geben. . Beert van Endert wurde blaß. Er sah den alten Fuchs! burdibtingenb an: „Hat er das gesagt? Hat er mit Euch geredet, Oehm? Wegen der Hendrina?" Das kam ganz gepreßt hervor. Der -alte van Endert blinzelte schjlan. „Na, so nicht geradeaus. Aber -zu verstehen hat er mirs gegeben, so hinnenerum. litt daß der verliebt is bis in den großen Zeh, datt kann doch jeder eiu-- fehen! Datt war ja ett reine Kamedi gest-er abend. Und- datts Has du dir allein eingebrockt. Mit deinen bumnt'e Anstellereien! Stu totnS du et auch allein ausessen! Mir kann et jetzt egal sein!" „Oehm! Ihr müßt doch! scheit, was' das für einer is! Auf den ersten Blick müßt Ihr das' doch eraus haben! So 'n Leicht-, Ml und Schürzenjäger wie der l An dem wollt Ihr die Hendrina! geben?" Der junge Mensch bebte am- ganzen' Leibe. „Geben?" sagte der Alte giftig. „Geben hab ich se dir wollen, du Has ja nich gewollt! Ich hatt ja alles fix un fertugf gemacht! Du braucht's bloß zuzepacken. Aber du Has ja gesagt, die Hendrina bat dich! nich lieben. Uni fe sollt nich gez-wnugest werden. Se sollt erst sehen, wie ett in der Welt wär ! Nu sieht se ett ja. Nu is ja einer da, den sie lieben kann! S!o ’n ausgemachte Dummheit! Als- ob die Flaulcut nicht immer den liebten, der gerab da is ! Wenn du ihr en paar Tag schön gebnn hätt'st, denn hält se dich, geliebt. 5bt liebt se v'leicht den annem. Wenner cu W-ind-huud- is un eit! Schürzenjäger, kamt ich datt ännern? D-lt Has et ja selber gesag, die Hendrina milß den lieben, den se heirat! Rn werden mer et ja sehen." Er grinste schadenfroh, als er sah, wie Beert die Fäuste ballte. „Jetzt kanns- de Faust machen', eso v-ill du wills! Jetzt tont® du bett Schaden besehen! Mir is ett jetzt einerlei! Ich kann ett abwartcn. Ntt laß ben Werner schütt' Augen machen unb mit der Hindrina ctumi scharmnzieren. Ich haben ct nich ge^ wollt! Ich haben se extra Mit auf ett Schiss genommen, datt btt mit ihr Knuts in ett, Klare komm en! Datt du eso ett Dummerjan wärs, datt hab ich! nich gedach." (Fortsetzung folgt.) Winter und winteriedm im sächsischen Erzgebirge. Anna berg-, im- Januar 1909. Recht -mitten tut Gebirge ist das kleine Städtchen am Abhänge eines Hügels stufenweise ansgebcmt; ein Teil der kleinen Häuser liegt oben auf der Höhe, von wo ans man weit in die vielen Täler, die nach allen Seiten sich hinziehen, h-inabblicken tour. Mit dem Abend bin ich eben angetonntett. Nach der unruhigen Großstadt-Weihnacht, nach dem- lauten verwirrenden Leben unten den vielen Menschen im, buntesten Verkehr ist nun die Gebirgsstille- doppelt wohltuend-. Die letzten Tage unb Nächt« -über ist reichlich Schnee gefallen-, die Täler und- Berge find- winterlich auf das Feinste ausgeputzt: beschneit find die Abhänge, beschneit-die Wiesen unb Felder, beschneit die Waldungen. Oben, in der kleinen Bergstadt, stehe ich an einer Straßenecke unb blicke in die abcndstillen Täler hinunter. ES ist sternenhell, unb her Schnee tmrchiichtet das Dunkel, durchwebt es mit einem feinen nebeligen -Schimmer. Aus den Schneemassen treten da unb dort, einsam ruhend-, Häuschen hervor, nichts stört ihren Frieden, Lampen unb Laternen, Heller und matter, bis in weite Fernen zersttcut, winken von unten herauf, beleben die Landschaft, flim- ment leise, reflektieren in gelben, bläulichen, rötlichen, violetten to'ieiii Farben und werfen ihren Schein hinaus auf den Schnee. Ueberall, wo ein Schein hinfällt, ist der Schnee mit einer her- vortretenden, reichen gespenstischen Helle überbreitet ; der von einem! schönen reinen Blatt durchwirkte Aether Verharrt, einem unermeßlichen Schatten gleich, unbeweglich über der Gebirgswelt. Das alles erscheint mir nun wie eilt Märchen, das ich schweigend mit erlebe. Welch ei,n Wunder, das alles zu schauen! Welch eine Freude, die winterliche Schönheit der schweigenden Täler nun aus dem vollen zu genießen! Der Anblick hat mich andächtig gestimmt und andächtig gehe ich nach kurzer Weile die Straße weiter hinaus. Immer geht es bergan unb ich muß mir ein neues Gehen abgewöhuen, muh fester auftreten mit den Füßen, damit ich sicher fortkomme. Tis Kräfte des Körpers mnß tch mehr zttsammettnehmen. Die Lunge arbeitet lebhafter, ich mutz tiefer und- voller atmen und- fühle mich gezwungen-, die Brust zu dehnen, zu weiten. Welch eine Lust tst das, day llngewohnie einer neuen Umgebung: reinere; Luft,, strengeres Klima, bewegtere Natur, frischeres Lebe«, a-N sich selbst zu erfahren. Im Gehen, spüre ich, wie eine Wand-- lung t.n unb atrmir vvrgeht. Die Glieder spannen sich in den Muskeln nur- Sehnen straffer, die Sinne arbeiten lebendiger, ftte Keele fühlt sich befreiter. Fröhlicher nehme ich,ait allem M teil, fo'ns' uüii mich her lebt und, irr die Erscheinung tritt. Die kleinen besckMeiterr Häuser ftiimnen mich glücklicher, die schmalen Gassen lasse» mich tnieder das Heimelige der kleinen Stadt an- genehmi empsindeü. Wie freundlich, rein und kräftig wirkt hier die Welt ans mich ein! Leute, denen ich begegne, grüßen mich Natürlicher und unbefangener, freier, munterer tollen die Kinder KeruM. Vertraulicher ist aller Verkehr. Heller schauen hier die Menscheii^auL den Augen. In den Straßen hat der Verkehr noch ettoas Anmutiges. Alles Bewegliche und Feststehende vereint sich harmonischer. Die Häuser erfreuen Durch ihre Schlichtheit, ängstigen nicht durch angeklebte B allone, Erker und Verzierungen. Wie angenehm muten diese einfachen Fassaden an. Ich steige, immer weiter, komme Über den schönen Marktplatz unb trete weitersteigend in eine neu« .Straße ein; sie führt scharf bergan. Ue6er.aU sind Schlitten unterwegs, Glocken .am Halse der Pferde läuten da und dort, durchklingcn lieblich, die Stille, vibrierend in der Lust. Kinder vergnügen sich in der Straße mit Ruscheln, Schwatzen und- Juchzen. Ungezwungener betrechen sie ihr Spiel, betrachten den Fahrdamm als ihr eigenstes Gebiet, das sie mit ihren kleinen Schlitten beherrschen. Welch ein Vergnügen, kleine Knaben und Mädchen, einzeln oder zu zweien, auf der Schneebahn der Straße abwärtssausen zu sehen.,. Da stiebt der Schnee auf, da schreien die Kleinen und fühlen sich bedeutend als kühne Abenteuerer. Auf her Höhe der Straße bin ich angekonimen. Gerade will ein Junge mit seinem Schlitten abwärts' sausen. Im Nu habe ich meinen Entschluß gefaßt. _ Mitmachen möchte ich die lustige Reise zii Tal. Der Junge ist stolz darauf, mich mitnehmen zu dürfen. Er letzt sich vorne, hin; ich nehme hinten Platz, dann stoßen wir ab. Plötzlich foult der Schlitten dahin, wir lehnen uns weit zurück, der Wind pfeift mir um die Ohren, Schneeperlen fliegen mir ins, Gesicht. Eine wilde Lust lebt während der Fahrt in mir auf, mente Augen weiten sich, leuchten in Helle, und ein Gefühl erregt mich, als müßt ich immerfort in den Abend, hineinjauchzen. * Das ist vor allem das Schöne am Gebirgswinter, daß er zu erneut gesunden sportlichen Treiben so viel Gelegenheit bietet, so Vieh Anregung gibt. Was aber ist im menschlichen Dasein er- Mschender, belebender, erheiternder als das freie Tummeln an den schneehellen Bergabhängen, in den reizenden Tälern, tvo eine Kerbe freie Luft den Körper stählt und zu froherer Bewegu nchkert antrerbt! Da äußert sich, alles Leben elementarer, da erhält die AnÄgelassenheit und Fröhlichkeit der spiellreibenden wrenschen-emen eigenen Reiz, denn Erschlaffungen treten spar- lamer auj, die Regsamkeit ermattet nicht so schnell. Alle Lust ist lugendlich belebt, alle Begeisterung sinnliche kräftiger. Er- frcultch ist auch, daß imi Gebirge auf so vielerlei Art und Weist Sport betrieben werden kann. Wem das Schilausen, das schon Mehr geübt fein will, nicht zusagt, versucht es mit dem Reun- ivolf oder begnügt sich mit dem Rodeln oder Ruscheln, das nun M überall uni Gebirge der winterliche Sport des Volkes geworden ist. Das Ruscheln ist vor allem ein geselliges Vergnügen; jeder, der nicht ängstlich oder eitel ist, kann daran teilnehmcn, für jeden ist es geeignet; man kamt nicht zu jung, man kann nicht zu alt daftir feilt. Für beide Geschlechter ist es gleich passend. Eine besondere Kostümierung ist nicht nötig,. Jeder kann in seinem täglichen Anzug erfchemen, das Elegante ist freilich in keiner Weise zweckmäßig.^ Lackschuhe zerfetzen, schön gebügelte Anzüge kommen.aus. der Mcon; überdies sind sie hinderlich, unbequem bei allen Bewegungen. Tas Rodeln, Rnscheln erfordert, tvie stder WrnteriPort, eine gewisse Derbheit, denn ohne diese ist ein- „Sichgehenlasssn" nicht möglich, und ohne dieses tvird man nie zn entern Genug kommen. /„ Luchsten Nachmittage bin ich draußen am Abhange des lwaüten.Verles ur der nächsten Umgebung des Städtchens. Zwei Knider und m meiner Begleitung, ein Junge und ein Mädchen, mer noch, mochte es von dem wunderbaren Scheinen auf den Schneeflachen m gch ausnehmen, damit es den Blick kläre. öchischeni Flächen, zwischen Hügeln und Waldungen, da iu E• -itmcö Bvltte-.n beim Ruschplu lebendig. Ta saufen ~ tcll<.Erctn, nebeneinander, hintereinander, einer übcr- tzo t den. atidern, „nach lmks und rechts schießen sie aneinander' iKder, Mrmqew über Uttnere Erhöhungen, stocken oder drehen M /»n Ito;., selbft mit» .taufen wieder weiter. Oester verliert eurer die Richtung,, wendet sich in voller Fahrt plötzlich nach ieuwärts, kiM um, uitd rvirft Üe Ritsch,ei in Ä» W? S iitu> klein? Abentest.er, die die Lust am Spiel steigern. Es iß anfsalleud, ^vie dieser Sport Arm und Reich, Jugend und Alter zu, fröhlichem Treiben vereinigt und zusammenhält. Da sind kleute Knaben und Mädchen von vier und fünf Jahren mit kleinen zierlichen Schlittet!. Kindliche Kühnheit strahlt ihnen aus den Augen, und mitten unter der beweglichen Menge mtter- nehm'en sie die lustigsten Fahrten in rasender Schnelle über zwcitaitstüd Meter talwärts'. Zwischen den Kindern sind alte Vater und Mütter jeden Standes, ergraute Junggesellen, pensio- merte Beamte zu jugendlicher Munterkeit erwacht. Junge lebens- frftche Mädchen zu Hunderten, jubelnd, und jauchzend, sind, in ihrer Lust und Ausgelassenheit nicht zn halten. Zu zweien und dreteü sitzen sie ost auf länglichen Schlitten und tvährend der Fahrt iacheu sie ihr Helles übermüttges Lachen. Hier sitzt ein Brautpaar, dort ein Ehepaar auf einem Schlitten. Mutter und Kind ruscheln zusammen. Neben dem Arbeiter int Arbeitsrock tummelt sich der vornehme junge Mann im kostbaren Sportanzug.. Teure gekaufte Schlitten, große und kleine, vermengen sich Mit Primitiven selbstgefertigten. Aber der Unterschied fällt hier nicht auf. Denn der Verkehr ist nicht von Bedingungen abhängig. Der Umgang wird nicht durch gesellschaftliche Formen oestimmt. «eine Vorschriften machen besangen und behindern das natürliche Lebendigsein. Hier herrscht das Gemüt über den Verstand, dw Freiheit, über den Zwang, die Natürlichkeit über die strenge Moral. Richt.Worte sind nötig zur Verständigung, denn eine schöne Freude allein, die sich in stohen lebhaften Bewegungen m Hellen.Geberden und frischen uaturkrästigen Lauten äußert, verkettet hier me verschiedenen im täglichen Leben einander entfremdeten menschlichen Elemente harmonisch zn einer glücklichen Gemeinschaft. Vis zum Abend betreibe ich eifrig und lustig mit den Kindern w meiner Begleitung, mit all den andern, die sich im bunten Gewoge tummeln, den Ruschelsport, der nur eine Schattenseite Hat, dw oft ini lustiger Weise besprochen wird-: nämlich, daß man die Ruschelbaim nicht auch hiuanffausen kann, und zwap auf vom Schtttten, sondern gezwungen ist, diesen nach jeder Fahrt roiteoer zur Höhe emporzuziehen. Daran ist nun leider Wichts zn andern. Warum sollte es auch anders sein. Vielleicht rst es ganz gut, daß man gezwungen ist, zwischen Fahrt und! Fahrt eine kleine Pause zu machejnl, und daß man, während man beim Schlitten zur Höhe hinauf zieht, Go- legenhett hat die Mildern beim Ruscheln zu beobachten, und sich ft?', dw alle so liebenswert macht, teilnehinend W * . An einem Abend steige ich alleine den reickstich 800 Mete« Wen Berg hinauf, uml oben vom Aussichtsturm aus eine Fahri mit dem Hörnerschlftten, die nur unter Führung ans'geführt werden rann, zu unternehmen. Der Hörnerschlftten ist ein größerer Schlitten mit einem erhöhten Hintersitz für ein oder zwei Passa- giere, und efttem, nieder« Vordersitz für den Führer. Vorne rage« zwei, hohe, nach rückwärts gebogene Holzhörner empor, an denen sch der Führer während der Fahrt festhält. Um 1.0 Uhr abends besteige uh bett Schlitten'. Der Führer ist ein junger kräftiger Bursche. Ich frage ihn, ob denn die Fahrt wohlgelingen wird, worauf er Mr mit einem „Nu freilich" antwortet. Wir komme« zunächst.nur langsam vorwärts, gleiten gemächlich auf schmalen «ttv werteren SBegen zwischen Taimemvaldungen hindurch. Di« Füße des Führers schleifen immer über den Schnee hin. Ich verhalle.mich still auf meinem Hintersitz, spähe nach allen Rich- tmige« .xit Ine Nacht hinaus und weiß bald nicht mehr, wo ich Mich heftnde. Ich kann nichts deutlich erkemien, die Einzelheiten der Natur verschwimmen int Dunkel des Abends. Hin und wieder, passieren wir eine Lichtung int Tannendickicht. Tann rann W wohl tief unten ftu Tal die Schneeflächen erkennen, me. sich, cmmv stillen, sce gleich, bis in weite Fernen aus- bretten. Bald gleiten wir aus den Waldungen heraus und er- rerchen den freien, leicht sich talwärts senkenden Bergabhang, "äd. gleich eilt der schlitten geschwinder dahin, sanft, lautlos als berühre et DteSchnreyäche« Nicht. Er geht wie im Fluge. Ich om MM (Jft» irre, weiß nicht, wo wir hier gekommen sind, weiß nicht wohm »me WÄen. LiM u. rechts spielen gleichsam! kleine vereinzelt« TannenbäUMhen, kahle Sträucher, gespenstisch erscheinende Bäume an «NN vorbm. Mir, ist, seltsam zu Mute. Befinde ich mich oenn auf der Erde? Ist nicht alles um mich her märchenhaft ver- ü'Midette Wirs beim feie Fahrt ein Ende haben? Werden wir mchi de« Weg verfehlen und schließlich unendlich ferne landen? W wunderlichsten Gedaikk-'N werden in mir lebendig. Oester frage ssch laut den Führer, wo wir denn sind-. Er hört mich NE. Ja) schreie, er murmelt etwas; das mit der Fahrt für mich unverAndiich, verfliegt. Und immer gleitet der Schlitten im Fluge dahin, durch Dunkel, das unendlich ist, durch Skillc P? tzee alW Leben verftmken scheint, immer abwärts zur Tiefe, die M mich grundtos ist Mein Sinnen verwirrt sich. Stimmen tuscheln m der Lust. Em fernes Singen, Lacken und Läute» * ■ E m her, geheimnisvolle Laute weben durcheinander. Nechelhafte Gestalten nmAatteru mich, lasten nach mir, werfen Sastcier zkber mich, meim vor meinen Augen. Und immer vertvokreukr wird das, ttanmhafte Leben in der vunklen Weite, tmnwt imoht' versmke ich in den Traum, verliere mich aus der ^caeiMurt^ » -■ Sre schiitten hält plötzlich am Fuße des Bciws Mr- m Führer Miß Mich von meinem Sitze aufrütteln.. Heinrich Grcter. 32 Line Erinnerung — und vom Altkönig! Am 14. Januar d. I. werden es hundert Jahre, baß Landgraf Friedrich V. von Hessen - Homburg seinen Geheimrat v. Sinclair anmies, eine Teilung des uralten kaiserlichen Reichsforstes „die Hohe Mark", über den der Besitzer der Burg Homburg als kaiserlicher Waldgraf seit 1484 die Oberaufsicht führte, vorzunehmen, nachdem die 7016 Morgen fassende Seulburger Mark, zu der die Ortschaften Seul- berg, Ober- und Nieder-Erlenbach, Petterweil, Köppern und Friedrichsdorf gehörten, bereits 1804 geteilt worden waren. Der Landgraf Friedrich V. hatte ein Achtel, die genannten Ortschaften sieben Achtel erhalten. Die „Hohe Mark" umfaßte ein Gebiet von 26161 Morgen zwischen Homburg, Oberursel und Neiffenberg, woran 30 Ortschaften auf dem rechten Ufer der Nidda teil hatten. Die Teilung der „Hohe Mark" konnte aber erst nach langen Verhandlungen, bei denen das Großherzogtum Hessen, daZ Kurfürstentum Hessen, die Landgrafschaft Hessen-Hombrirg, das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt a. M. beteiligt waren, durchgeführt werden. Der bekannte kurhessische Oberforstmeister v. Wildungen in Marburg a. d. L. leitete als Sachverständiger die Verhandlungen. Endlich im Jahre 1813 kam der Teiluugs- traktat zustande. Der Landgraf von Hessen-Homburg erhielt als oberster Märker ein Sechstel voraus und außerdem noch einen Anteil, der die Gipfel des Feldbergs und Altkönigs einschloß; das übrige rourde nach der Kopfzahl der 4444 Märker verteilt. Am 28. September 1813 fand schließlich auf dem Feldberg das Teilungsfest feierlichst stait, bei dem noch einmal der im Jahre 1623 gestiftete Markbecher geleert wurde. Aus dem Gesagten erhellt, das; der Gipfel des Altkönig nicht, ivie vor einiger Zeit angenomuien, zum großherzoglich hessischen Gebiete gehört und er der höchste unter den Bergen un Großherzogtum sei, sondern daß er 1813 dem landgräflich hessen- homburgischen Gebiet zugesprochen, das 1866 schließlich preußisch geworden. Allerdings siel nach den; Tode des letzten Landgrafen von Hessen - Homburg, Ferdinand, am 24. März 1866 Hessen - Hornburg an das Großherzogtuu, Hessen und blieb bei diesem Staate bis zum 6. Sept. 1866, an welchem Tage Hessen u. a. auch die kann; erivorbene Landgrasschaft Hessen-Homburg an Preußen abtreten mußte. Vorn 24. März bis 6. September rourbe dein Feldberg und Altkönig allerdings die Ehre zu teil, als die höchsten Berge im Großherzogtum Hessen zu gelten, von da aber sind 2l(t- könig und Feldberg preußisch, nur der am Nordabhang des Altkönigs gelegene Harheimer Wald ist hessisches Gebiet, und der 771 Meter hohe Taufstein im Vogelsberg wurde wieder Hessens höchster Berg. VevMs Achtes. * Die Fischhalle von Messina. Man schreibt der K. Z.: Welch großen wirtschaftlichen Schaden das Unglück von Messina dem Lande bringt, geht n. a. auch daraus hervor, daß Messina der Mittelpunkt für bett Fischhandel Siziliens und weiter darüber hinaus war. Der wiederholte Besuch des allmorgend- lichen Fischmarktes, an diesen wundervollen, von Palästen tun» rahmten Hafenkai wird mir unvergeßlich bleiben; denn ich fand diesen Markt reicher itttb interessanter als selbst die berühmten Alt Genua, Venedig und Neapel ititb voller kennzeichnender Eigentümlichkeiten. In einer einfachen, rittgsnin offenen, überdachten Halls, dicht aut MM e, fand der Markt statt. Aber da Fische i)in ein ipauprnau.uugsmittel bilden, so herrschte hier täglich eilt südlich bewegtes und überaus ntalerisches Leben und Treiben. Den Nordländern fällt es immer wieder auf, daß es hier viel Mehr die Mänu.er find, welche den Einkauf für Haushalt und Küche, besorgett. Sie verstehen sich ebenso gut aufs Feilschen und Handeln, wie, bei uns die Frauen. Aber tut allgemeinen, besonders für die besten Sorten, gelten doch feste Preise, die. nach dem Kilo berechnet werden. „Ja, hier lohnt es, ein Fischer zu sein", das war mein- Gedanke, als ich all die herrlichen, zum Teil riesigett Meerestiere, in überraschend vielen Farben und Sorten, vor mir auf bett Tischen ausgebreitct sah. Manche dieser Riesenleiber liegen da gleich einem großen Braten, und werden pjundweise zerlegt und verkauft. Die. Tierwelt der Meere des Südens ist eben in. Zahl und Arten sehr viel reicher und- Mannigfaltiger, als in den nördlichen Meeren. Ungefähr 200 Wcharten tverden in Mesjitta als eßbar verkauft. Sehr hübsch ist es, hast man den Fischett, um sie gegen die warme Luft ztk schützen, angefeuchtetes Grünzeug auflegte. Ganze Körbe mit frischen Rosenblättern hatte man zur Hand. In der Mitte der Halle hat ein Geldwechsler seine Bude; denn da das Geschah so flott geht, fehlt es an Kleingeld. Gern unterrichtete man mich über die hauptsächlichsten Fischarten. Es schmeichelte den Fischern, daß ich- etwas darüber in die Zeitungen bringen wollte. Dck zeigte man mir die „spada" (Schwertfisch) und die „spatulal"^ die lang, platt und ganz silbern ist und ein großes Auge hat, das tote Saphir glänzt. Sehr beliebt sind der „grongo", citi Meeraal, der größer ist als unsere Aale, und der goldig btnrnttf „ccrniado", der unseren Schleien ober Karpfen ähnelt. Sehn interessant ist die „alalunga", ein großer, zirka 20 Kilo schwerer Fisch, der seinen Namen von der langen, hochstehenden Rückens stosse hat. Alle diese Sorten sind aber teuer und kosten 2 Lire bis 2 Lire 50 Ct. das Kilo. Fertier sind da der „merlttzzo" aus der Familie,,baccala" (Stockfische) aus befielt Fett der Lebertran gewonnen tmrd, die „eipolla", ein merkwürdig roter Fisch mit Riesenkopf, die „mnggielli", kleinere rosige Fischchen u. a. hl Der größte von allen ist der „tonno", der Tunfisch, der bis 200 Kilo schwer wird; frisch kostet er hier 1.75 Lire das Kilo, Ganz billig sind die frischen „färbe" (Sardellen) und die „acciughe" (Sommerfische, Anchovis). Für den Fremden besonders intern essant sind die verschiedenen „polpi", die Polypen und Mollnskeif, die leider einen guten Teil ihrer Leuchtkraft und Farben verlieren, sowie sie aus dem! Wisser kommen. Am' bekanntesten sind da wohl die „sepia", aus deut das weiße Fischbein (osso di sepi,ch gewonnen wird, und der „calamajo", der Tintenfisch. In Salz-° ivasscr gekocht oder ;in Öel gebacken, die kleineren ganz, die größeren in Stücke ober Ringe geschnitten, munden sie zum Teil vortrefflich, haben zumeist einen feilten hunrmerähnlichen Ge-- schmack. Ich weiß, daß die Deutschen ein Vorurteil gegen die Polypen haben. Wer es ist ganz ungerechtfertigt. Und sie sollten es zu überwinden suchen. Auch was es an reizvollen Muscheln des südlichen Meeres gibt, konnte man auf dem Fische, markt von Messina erstehen. * Sie ist schuld daran. Jin „Wiener Extrablatt"- luirb unterin 1. d. M. berichtet: Der städtische Motorführer I. B. stand gestern vor dem Bezirksrichter der Josefftadt unter der Anklage, aus Unachtsamkeit bei der Kreuzung Universitäts- und Reichsratsstraße den .Hörer der Medizin P. B. überfahren zu haben, der unter die Schutzvorrichtung geriet und mehrfache Hautabschürfungen davontrug. — Richter: „Ist das richtig?" — Angeklagter: „Er ist nur selber schuld, ich hab' ein Signal nach dem anderen gegeben, alles umsonst, der junge Mann bleibt mitten auf dem Gleise steh'n, schaut au schönen Mädel nach und 's Malheur war fertig! Ich bin sofort steh'« geblieben, weil ich langsam gefahren bin." — Der Verteidiger beruft sich aus einen Zeugen, den Aufleger A. R. — Richter (zum Zeugen): „Was wissen Sie über den Unfall?" — Zeuge: „Bor allem, Herr Richter, muß ich angeben, daß ich ein geborener Erbfeind von allen Motorführern bin. . . aber. . . der Wahrheit alle Ehre: Der is wirklich Unschuldig." — „Woraus schließen Sie das?" — Zeuge: „So was is mir noch nie vorgekom- men! Neber die Straßen is a wunderschönes Madel gangen ... da hat sich der Student in die förmlich verschaut . • . wie angezaubert bleibt er mitten auf dem Gleise steh'«, hört nichts und schaut und schaut nach dem schönen Madel ... die ist au dem ganzen Unglück schuld, nicht der Motorführer!" — Auf Grund dieser bestimmten Aussage fällte der Richter einen Freispruch. Das genügt. Besuch: „Nachdem Herr Benoiston nickst zu Hanse ist, so sagen Sie ihm, Kitte, wenn er wiederkommt, daß ich hier war." ■— Diener: „Will der Herr mir seinen werte« Namen sagen?" — Besuch: „Nicht nölig, nicht nötig, mein Guter. . . . Ihr Herr kennt mich schott dreißig Jahre!" Charade. In der ersten tmnineln stch die Wellen, Zn der zmetien rüstet sich der Kte!; Früher war das Ganze nur kür Geister, ' Jetzt tst'S großer Geister hohes Ziel. to. , Auflösung in nächster Nummer.? Auslösung deS Magischen Quadrats in voriger Nummer: A M 0 R M 0 R A 0 R A N RANK Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag der Vrüht'schen Universitäts-Buch» und Stemdruckerei, N. Lange, Gieße».