Samstag den <3. November K fi' E 1,909 — Nr. M ^sSSSJifQH HtÄÄKäS ^^ub!w®SWW«i: ”) 6 pik WiiW Witz'! Ä!lW * 9 Rheinlandstöchter. Roman von Clara Biebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Zerstreut kritzelte sie allerhand Schnörkel auf den Rand des unbeschriebenen Mattes. Es war so still im Zimmer, man hörte kM Knirschen ihrer Feder da — ein rascher Schritt draußen im Flur! Sollte Besä schon vom Tanzboden wieder kommen, so früh? Richtig, sie war's, ihr Kopf streckte sich zur Tür herein. „Herr Borgemeister!" < ,„Hm, was willst du?" ,Lerr Borgemeister" — sie trat vollends ein, ganz außer Atem und schnappte nach Lust — „ha, ech sein e so gerannt' Herr Borgemeister, oe Meerfelder sein doll, on ve Manderscheider sein Esel! Se wollen Ihnen de Fenster einschmeißen on — ja, ech weiß «et, wat se wollen, se wissen es selber «et. Jeß, war dat en Schkandahl beim Hommes! Hän wollt se de Tür eraus schmeißen — ja, leicht! Se han den Heinrich verhauen. Ech han derweil Zuaekuckt, äwer— ha —" sie schnappte wieder nach Luft und preßte beide Hände gegen die heftig atmende Brust, ihre Wangen glühten — „gleich sein se als da, de Meerfelder, vn de Manderscheider schleppen se mit!" „Was sagst du?" Nelda sprang auf. Dallmer blieb ruhig sitzen, keine Muskel in seinem Gesicht bewegte sich. „Ja, se wollen de Fenster einschmeißen. Jesses, da sind se als schon!" Besä sprang hinaus, man hörte sie draußen über den Flur rennen und gleich darauf ihre helle Stimme an der Haustür. „No, no, wat gilt et dann? Reißt de Klingel «et af! Ufgemaach — wat saot ihr?! Ne, ech denken «et daodran, dän Borgemastex es als im Bett. Wat lvollt ihr?" Ein donnerndes Pochen gegen die Tür antwortete, dann ein paar kräftige Fußtritte. „Dän Borgemaster soll eraus kommen, wir mässen hän ebbes fraogen!" Befa lachte. „Eweil es't »et Zeit, kommt Widder iiwer hunnerd Jaohr! On nau Zieht schlaofen. Gud Nacht!" Lachend trat sie wieder in die Stube. „Herr Borgemaster, se sein betrunken, se —" das Wort erstarb ihr im Mmrde, ein Hagel von Steinen prasselte gegen die geschlossenen Läden. . „Hoho!" Dallmer verließ eiligen Schrittes das Zimmer; gleich -darauf riß er die Haustür auf und stand auf der Schwelle. „Was fällt euch ein, seid ihr verrückt oder betrunken? Macht, daß ihr nach Hause kommt, ich rat's euch im guten!" „Im guden, im gilben — wat haot hän gesaot?!" Die Nächststehenden wichen zurück, die Fernerstehenden drängten vorwärts. Das ivar ein unruhiges Hin- und Hertreten, ein Sichschieben und Stoßen. „Nun geht, oder sagt, was ihr wollt!" Klar tönte des Bürgermeisters Stimme über die Köpfe hin. Er konnte keinen einzelnen erkennen, es «rar zu finster; die Gruppe draußen war eine verschwommene dunkle Masse, au fdie der Regen niederprasselte. Nur seine Gestalt auf der Schwelle war kenntlich, vom erleuchteten Hausflur fiel der Schein auf sein bleiches Gesicht. Fetzt drängte sich Nelda neben ihn. „Onkel," bat sie leise, „mach die Tür zu! Laß sie! Komm doch!" Unsanft schob er sie von sich. „Was wollt ihr? He?!" Ein undeutliches Murmeln' die Antwort. Dann ein unzufriedenes Murren, dann verworrenes Geschrei: „Hongev — krank — Geld — ons Maar — ans Maar!" Aus denk dichtesten Haufen zeterte jetzt eine grelle Weiberstimme — Dallmer zuckte zusammen, es ivar dieselbe, die 'heute morgen in Meerfeld hinter den klappernden Läden an sein Ohr gedrungen — „wir krepieren! Dän Borgemaster soll ons ebbes von dem Geld gtimen, wat hän gestohl hast — jao, gestohl!" Langgezogen" kreischte sie das letzte Wort in die Nacht. „Gesto—h—l!" Keiner in dem Haufen rührte sich; sie standen still, als habe die ungeheure Anschuldigung sie alle gelähmt. „Hal bei Maul, Schneidersch, bau bis zo frech," flüsterte einer unterdrückt. „Nein, sie soll reden!" Dallmer reckte sich hoch auf, die grauen .Haare auf seinem Kopf schienen sich zu strauben, die Ader an der Schläfe schwoll zum Platzen. „Dre Schneider also!" Er bezwang sich „Tretet doch hier vor, Schneidersch, ich möchte Euch gern sehen!" Das Weib machte sich mit den Ellenbogen Platz, nun hatte es sich durchgedrängt, es stand dicht vor der Tür. Das abgezehrte Gesicht ivar gespenstisch bleich, in den Augen glühte ein wildes Feuer. „Nun?" Der Bürgermeister sah sie fest an. Sie erwiderte seinen Blick, ohne mit der Wimper zu zucken. „Was wollt Ihr, Schneidersch?" „Geld!" Sie streckte den Arm aus, der dürr wie ein Stecken war. „Kuckt hei, ke Lot Flaisch, Hand on Knochen! Ke Fressen for saat zo gänn. On c su s immer al! Ihr haot Schold! Haha —" sie lachte schrill — „wär et gebliewen, wie et ivaor, eweil hätten mer Fisch genug; kein Krankhaat on bähten net versaufen! Geld!" Sie trat noch einen Schritt näher und tippte Dallmer mit dem Knochenfinger au«s die Brust. „Ihr haot Geld genug!" Ihre wilde«! Augen sprühten ihn an, wie die einer in die Enge getriebenen Katze. „For ons sollt et sein, bat Geld, Watz dän Hähr Kaiser geschickt haot! Et es net menschenmielich, bat bat bißchen Dreckschüppeu e su vill gekost haot. Wuh es bat anner Geld?" Sie reckte die flache Hand hin; Dallmer wich einen Schritt zurück, ihre dürren Finger stachen ihn fast ins Gesicht. „Geld, här damit!" „Ihr seid toll, ich habe kein Geld!" Er stieß sie zur Seite. „Kann ich dafür, wenn ihr unvernünftig seid? Laß ich es regnen Tag und Nacht? Müßt mit dem da oben — 710 streiten!" Er wies zum Himmel hinauf, oben jagten zerrissene Wolken über die Mondsichel, von fern klang ein dumpfes Grollen: ein Gewitter zog auf, das erste im Jahr. „Hör damit, Ihr haot et gestohl!" War das ein Kreischen! Nelda drängte sich dicht an den Onkel; sie sah wie seine breite Brust sich krampfhaft hob und senkte, sie fühlte durch den Rock das Zittern seines Armes. Der Regen nrachte eine Pause; er hielt gleichsam den Ateni an, wie einer, der lauscht. Was nun? Nun ein Wetterleuchten, das die Gesichter zuckend be- leilchtet für einen Augenblick — und nun ein dumpfes Durcheinander. „®e haot recht, se haot recht! Jao, dän Borgemaster most ons kurautören; jao, jao, hän haot die Schuld!"' Dazwischen wildes Weibergekreisch: „Mer krepieren! -Hör dermit!" Brot — Geld — Hunger — Elend — wie Kolben- schläge fallen die Worte. „Dem Leifager sei Mädche es auch als dod," sagt eine .Stimme. „Stehler!" Mit geballten Fäusten dringt die Schneidersch auf den Bürgermeister ein. „Dau Stehler!" . Patsch, eine flache Hand schlägt ihr derb auf den Mund. Zwischen Dallmer und die Megäre schiebt sich Befa, schnell ivie ein Gedanke. Ihre Augen funkeln, sie hebt entschlossen dre Hand wieder und fuchtelt drohend durch die Luft. „Maach! Willste noach ein hau, Schneidersch? Hal bei Maul!" Mit einem heftigen Ruck wirft sie das Weib zurück mtb breitet schützend die Arme aus. "Ihr seid al besoff, noach derzu am erschten heiligen Ost er d ag! Gieht Häm, schämt eich!" Ihre Helle Stimme tönt durch die Nacht. Jetzt packt sie mit ihrer ganzen jungen Kraft die erhobenen Arme der Wütenden und preßt sie ihr an den Leib. Das Weib schimpft und windet sich; Vefa hält fest, und die Männer sangen an zu lachen. „Laoß sin, Mädchen," sagt der eine, „bemena dech liet mit der Saach!" „O dau Lappes!" Sie dreht den Kopf ein wenig zur Leite und sieht ihn verächtlich von oben bis unten an. Jetzt zuckt ein Blitz nieder, man sieht deutlich ihr hübsches Gesicht mit der heräufgezognen Oberlippe und den zornigen Augen. „Schämt eich al! Ihr seid jao e su dumm, laoßt eich von e su enent alen Framensch kommandieren. On dat wollen Mannskerl sein?! Ba!" Sie spuckte aus. „Noa, Stesses, dau sollst Hier uor kommen, dau kriehst ke Bützche mieh, ne! On dao hinnen dän Toni, dän soll sech uor verstechen, on dän Pitter on dän Hanni derzu — ke Bützche mieh — dän Hähr Borgemaster es vill zo gud sor eich! Noa, Schneidersch, strampelt net e su — dao!" Sie gibt dem Weib einen Stoß, daß es rückwärts in den dichtesten Haufen fliegt. „Kladderadaatsch," sagt einer der Männer laut, und die andern grinsen. „Jao!" Vefa breitet wieder ihre Arina schützend aus; braun und keck steht sie vor dem Bürgermeister, der, wie aus Stein gehauen, ohne Regung auf die Menge starrt. Es ist jetzt tageshell, Blitz auf Blitz folgt. Ueber'm Mosenkopf steht das Gewitter; ein Donner kracht und rollt dröhnend in den Bergen wieder. Und nun wieder ein Blitz! Einen Augenblick ist Dallmers graues Haar von einer Flamme umloht — das Haus, die Straße schwimmen in blauem Feuer — dann ein Rollen, ein Krachen, ein ohrenbetäubender Schlag, kurz aber furchtbar — mit einem Aufschrei umschlingt Nelda den Onkel. Geblendet weicht die Menge zurück. „Jeßmarijusep!" „Kuckt elao" — Befas helle Stimme übertönt den Tumult — „Meerfelder, Maud er scheib er, schlagt en Kretz vn sprecht eil Gebot! Onsen Hährgott es ütoer eich!" „Se haot recht! O Jesses, Jesses!" Blitz auf Blitz, Donner auf Donner. Man wird blind und taub; und nun schüttet ein Guß nieder, furchtbar, gewaltig, Riesentropfen, schwer wie Blei, prasseln auf die Köpfe. „Onkel komm ins Haus!" Dallmer fährt zusammen, er rüttelt dje Erstarrung' von sich ab. „Manderscheider, Meerfelder!" Dem Donner gleich dröhnt feine Stimme über den Platz. „Seht, der Mosenkopf steht in Flammen! Ein Gewitter! So lang ich denken kann, war noch keins utzu diese Zeit. Der Himmel zürnt uns, weil wir miteinander zürnen. Haben wir nicht fünsimd- zwauzig Jahr alles zusammen geteilt? Ihr habt euch gefreut; ich habe mich gefreut, Ihr wart betrübt; ich war betrübt. Da sind welche unter euch, mit denen bin ich alt geworden, und welche, die hab' ich als Kinder spielen sehen; mir kennen uns, mein' ich, genau. Und ihr Teufelskerle glaubt, ich werde einen Pfennig nehmen, von hem> was euch zukäm'?! Mag sein, ich hab' in meinem Leben viel verkehrt gemacht, mit euch hab' ich's immer gut gemeint. Mein Liebstes hab' ich verloren und manches andre noch. Golt im Himmel ist mein Zeuge, cs hat mir nichts so weh getan, als daß ihr" — feine Stimme bebte —< „euch gegen mich kehrt! Und nun sagt ruhig und vernünftig, was ihr! wollt! Ich will tun, was ich formt; und dann werd' ich von Manderscheid fortgeheu. Ihr kriegt einen neuen Bürgermeister, leicht einen besseren. Nun sagt!" Keine Antwort. Die Männer stießen sich gegenseitig an; die Schneidersch war in die hinterste Reihe gedrängt, als sie nur den Mund auftat, legte sich ihr eine derbe Faust drauf. „Still, häit haot recht!" Es war nur geflüstert, aber die andern hörten's. „Hän haot recht! Hän haot recht! Ne, en annent Borgemaster — ne, och e ne! Kommt, nter giehu Häm! Jesses, es dat en Wäder!" „Ihr gebt keine Antwort, — wie?" Dallmer wartete. Keiner sprach, nur ein verlegenes Räuspern war hörbar. Da Schritte die Gasse herunter! Durch den strömenden Regen kam einer angetrabt, der schrie schon von weitemr „Hä, Hollah, seid ihr doll gäweu, onsen Bvrgemaster zu molestieren?! Dunnerknippchen noach emaol, schärt eich Häm!" Es war Heinrich Hommes; er sprang auf den Bürgermeister zu und schüttelte ihm kräftig die Hand. Befa machte Platz, sie schlüpfte ihm unter'm Arm durch und mischte sich unter die Leute; Nelda hörte bald hier, bald dort ihre Stimme. Zu sehen war nichts mehr, das Blitzen hatte aufgehört. Nur Nacht und Regen. „No, da soll doch gleich!" Der junge Mann reckte die derben Fäuste aus den Aermeln und hielt sie dem Nächst- steheuden unter die Nase. „Wan et es, waaß ech net, et is stichdonkel; äwer onnerstieht eich uoachehs!" „Laoß sin, Heinrich," lachte Befa — sie stand schon iriebcr neben ihm — „eiveil es ales in Ordnung! Gnoen Awend, Meerfelder! Gilden Awend, Manderscheider!" „Guden Awend!" Ein Trupp entfernte sich. Da sagte auch eine Stimme: „Guden Awend, Hähr Borgemaster!" Ein Teil blieb noch und stand zögernd herum; lauter Meerfelder, die konnten sich noch nicht entschließen. „Meht häm, Meerfelder," redete Befa eifrig zu. „Gicht! Kucktelhei dat Wäder! Haald eich net e fu onneedig ofsi ihr seid kwatschuaaß, ihr kennt krank gänn!" »Jao, jao, bet Befa haot recht! Dat Wäder!" Unschlüssig traten sie von einem Bein aus's andere. „Kommt herein", sagte Dallmer plötzlich- feine Stimme klang ruhig und freundlich. „Trocknet euch! Die Befa soll einen Kaffee kochen, wartet das schlimmste Wetter ab. Kommt!" Er ging voran in's Hans, tiefatmend schritt er rasch durch den Flur, das Wasser lief ihm aus den grauen Haaren. Trappf end und scharrend folgten die anderen. Erst standen sie scheu im Eingang, daun — Nelda drehte sich gerade um und sah, wie sie sich hinter Befa in die Küchentür drängten. Nur die Schneidersch fehlte, die hatte sich davon geschlichen. (Fortsetzung folgt.) NulturzuständL aus der Amgegerw von Eichen Zur Zeit des 30jährigen ttrieges. (Nach einem alten Krosdorfer Kirchenbuch.) In den unruhigen Zeiten des 30 jährigen Krieges gewährtes Stadt und Festung Gießen den Landbewohnern eine sichers Zufluchtsstätte. Der Zuzug von außen war so stark, daß die Stadtkirchä die Besucher des Gottesdienstes nicht alle fassen konnte. Es wurde deshalb dem „geflüchteten Landvolk" in dem „üiri- stischeii Auditorium" gepredigt. Später wurde das „Ballhaus" m Botanischen Garten, im dem die Studenten sich mit dem Federb alls WL vergnügten, zur Kirche eingerichtet. Tas Krosdorfer Kirchen- buch von 1629 berschtet von einer großen Anzahl Kinder, die iu Gießen im „exilio" getauft wurden. So unter anderem: 1635 „Wf Psiugstsvnnabend Hans Emil Hessen ein dochterlcin getaufst - • • bg» kmdt ist 'zu Gießen getaufft worden, weil man wegcst dös Kriegsvvlks zu Gleiberg nicht sein können." 1 636 „I. Kvlimann em toMerlein zir Gießen iü dem exilio getaufft. 711 — 3. TrmitatiS Jvh. Crombachj $iii Gießür em tochterlein in dem, Vxrllv getaufft, 4. Trinitatis Job. Weigel ein sonlein auch M Meßen tu meinem nahmen (im Namen des Krofdorfer Pfarrers), getaufst, gcvatter hanß, Cramer Burger zu Gießen." 6. Tri- ttttattg wurde W. Stemmet von Lmmsbach ein Kind von dem Gwßener Pfarrer getauft, „weil Ihr (LaunS'bacher) Pfarrer schwach ■yetj, al> to. Ltemmels Fran „zu Gießen in dem exilio einer) Hingen tochter genesen". "ach Gleiberg flüchtete sich mancher, sogar aus sMter Ferne, weil,er nch dort sicher glaubte. So wird berichtet: i bö.8 Df 2. Trinitatis Andreae Ottmanen von Lich, tvelcher sich Mild zu Gleiberg in dem exilio aufhielt, ein tochterlein getaufst. 1639 „Vs Andreae A. Sommer von Planheim (?) Unter dem banngraben von Wittenberg, welcher in dem- exilio herum ziehet vndt bey A. Bnrbrauer beherbergt: Unt allhier stw Adams Weib einer jungen tochter genesen solches getaufft." „Io. Trimt. esacob N. . . von Solms' Braunfels' ein dochterlein getaut)t ... da sich gedachter Jacob in Exilio wegen verderbter Kriegszeiten aufgehalten." 1 642: '„Peter Herr von r-.awstchoach (als; die Launschbacher lvegen der Bayerischen Armee hier (Glmberg) gelegen) ein sonlein getaufft." Weiber und Kinder begleiteten ^damals die Soldaten auf ihren Kriegszügen. Auch nach dem Lode ihrer Manner hielten sich die Frauen im Lager aus. Las Kwfdorser Kirchenbuch erwähnt die Taufe eines Sol- ENtindes, dessen Vater im „Rinkau" (wohl RheiNgaU) tot blieben. Tr« Mutter brachte das Kind im Lager zu Krofdorf zur Welt, als dort „Landgraf Wilhelms KriMsvolk 2 Com- l'anyan statt gelegen". Taufpaten waren Caspar Mesjin Oberst- wachtmeister von Kassel und Leutnant M. Rhen von Kassel. Tas Kwfdorser Kirchenbuch erwähnt häufig kirchliche Tran- u n g e n von Soldaten. Die Trauungen konnten erst „ex eon!- Msn magistratns militaris" oder mach militärobrig'keitlicher Erlaubnis vollzogen werden, oft auch erst „post poeiiitentiam publi- eam", nach öffentlicher Buße, wenn die betreffenden Personen schon vorher in wilder Ehe gelebt hatten. 16 45 wird „Hanß P'keler von Umstadt mit C. Manger von Münster, alß iie hier in garnisvn gelegen ex consensu Magistratns militaris ehelich m der Kirche eopuliert." Ferner: „C. Sinin ein soldat aus Stererinark vndt Carin ist bei Fulda bürdig auf Befürwortung des Herrn Leutnants Teischler, so allhier auf dem schloß in garniso'n gelegen ehelich eopuliert." 164 6, 22. Januar Henrich Gerlach ans Witzliigerode, Herrschaft Wollberg, ein Soldat mit C. Rehn aus Rauschenberg (Bezirk Kassel) „ex confenfu vagistratus milit." eopuliert. Ler Vater der Rehn hatte sich eine Zeit lang in Krofdorf „in exilio" aufgehalten. Auffallenderweise wird nur eine kirchliche Bestattung eines Soldaten erwähnt, obwohl im Totenregister von Gleiberg bei dem Jahre 1655 bemerkt wird: „Tieß jar Pestis- mächtig grassiert an allen orten", mithin auch int Soldatenlager häufige' Sterbesäll« Vvrgekommen sein müssen. Nur 1631 heißt es: „Balzer Hegerle vürdtg von Esringen (2i/g Mehlen von Heilbronnen) ein Soldat, seinem Handwerk ein schreiner, ist zu Ewssdorf gestorben stich daselbst ehrlich begraben, hat fleißig gebettet und ist in dem Herrn verschieden." Sollte das! Soldatenhandwerk im allgemeinen als unehrlich.gegolten haben, so daß die Begleitung der Leiche seitens eines Geistlichen unstatthaft war? Ein Auswuchs der damaligen Zeit waren die zahlreichen unehelichen Geburten. Tie gefallenen Personen mußten öffentlich pvr versammelter Gemeinde Kirchenbuße tun und während der Predigt vor dem Altar stehen. Auch wurde ihnen in der Regel mch eine Geldbuße auferlegt. War- Mann oder Frau der „poeni- LnteS" katholisch oder kalvinistisch, so wurde gleichzeitig mit der Kirchenbuße die Conversion zum lutherischen Glauben vollzogen' Unter den „poenitentes" in Krofdorf wird folgender Fall besonders erwähnt. 1643. 19. Februar, „Conrad Schmitt, Zimmermann zu Crosstorf mit der Oberförster Magt Wfieaun poenitentiam!. geleistet und so bald eopuliert worden. Tie Weibs Person ist Bei Fuld daheim in dem Babsttum erzogen, hat aber vnserÄ Catechismus gelernt, sich zu Nuß freiwillig ergeben, vnd hat nach guasimodigeniti, da ein großes Pest Buß vnd Bettag', erst mahlen commnnieiret." Hat 2 Fl. Kirchenbuß erlegt „damit die beyden Canzeln oben mit schwarzem Tuch bekleidet werden." Intoleranz unter den einzelnen christlichen Bekenntnissen war mich ein trauriges Zeichen der Zeit. Sie ging sogar so weit, daß kalvinistisch (reformiert.) für antiprotestantisch galt. Der lieber» tritt vom KaloinisMus zum Luthertum wird in dem Krofdorfer Kirchenbuch als eine besondere göttliche Gnadentat bezeichnet. So findet sich daselbst "unter „Nota": 16 40. „Joh. Reymann uxor ist zu Herborn in dem.CaM- nGme -erzogen auch ezlich jar in dem CaloiniPfcheN glauben! steiff verblieben, biß sie vhugefehr sor 2 jar mitt jbreM man von Mez hier gehn Cleyberg kommen welcher Zeit sie die Predigt fleißig besucht .vndt darinnen durch, erieuchtung des z. Geistes Ihren irrthum, darin sie bißher gestecket, fernen erfettten vndt hat sich auch nach einigem zwang anß truck ihres gewissens zu vnßerer Religion begeben, vndt off Pfingsten ao 1640 nochmahls communieiret." 16 4 3. „Appolonia, H. I. Osterlings von Salzböden uxor ist zU Kirchhoffen int Casselschen Land erzogen, aber zu Aunrvt ge- Horen. Durch Gottes gnad hat sie vom Calvinis'mUZ sich abgetan vndt nach.geschehener eousirmation an dem Fasten Soutag znm erstenmahl bei Uns; znm Nachtmahl gegangen " -iie Sicherheit im Lande wurde damals gefährdet, nicht nur diirch die durchziehenden Soldaten, sondern auch durch das herum- ztehende Raubgesindel. Landgraf Georg II. erließ 1641 eine Verordnung, „daß die Unterthanen sich gegen die Plünderer, Ltraßenranber, Mordbrenner und herrenloses Gesindck emUich zu Wehre Hetzen und mit dem Geläute der Glocken ihre Nachbären jeuvsmül zu ruf eit yf-tcn, uuch bnft bie Bearn^n, unb Soldaten die Unterthanen mit genügsamer Hilf fecunbiren, und die rauben leben Partbehen äußerst verfolgen helfen. Hiebe* werfen, und damit sie mit dem Schwert, Strang iind Rad, ihrem Verbreeyen nach abgestraft werden mögen, zu peinlichem Helss- gericht etnliefern sollen." Tie Strafen für Verbrechen waren damals hart und grausam-. M wird folgendes berichtet: „Ein Junge von 16 Jahren aus hatte 1 einer Mutter, weit sie ihm kein Geld "gegeben, 9 tödliche Wunden mit dem Beil beigebracht. Gr wurde zweimal mrt glühenden Zangen gezwickt, geköpft, gev'ierteilt, die Fleisch- stucke wurden an 4 Straßen aufgehängt, und der Kopf bei Wieseck auf einen Spieß gesteckt." Hinrichtungen, namentlich von Kindesmörderinnen, wurden häufig vollzogen. Das Krofdorfer Kirchenbuch berichtet noch aus dem Jahre 1682: „Die 10. 8br. ist Eva, Joh. Weigels Dochten wegen Erstickung ihres Kindes allhier mit beut Schwerd voM leben znm tobt hin gerichtet worden. Wobei) sie sich ganz christlich, geduldig, standhaft biß an ihr End erzeiget hat, auch den Gel- sang: Jesu, meine Freude, mitgesungen." —6—. Lebemermnerungen eines deutschen Aünftlers. , Ein im Frühling des verflossenen Jahres' zutage geförderter Briefwechsel Goethes mit dem Münchener Galeriedirektor Johann Christian v. Männlich hat die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf die Persönlichkeit dieses begabten Malers und phantasievollen Künstlers gelenkt. Seine soeben unter dem Titel ,,®in deutscher! Maler und Hofmann, 1741—1822" erscheinenden Lebens-Erinne^ rungen, nach der französischen Originalhandschrift von Eugen Stall- reither bei E. S. Mittler u. Sohu in Berlin herausgegeben, erweisen sich als ein Werk von fesselndem Reiz und von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung. Im Dienste von drei regierenden Fürsten des pfalzbayerischen Hauses Wittelsbach hat Männlich den größten Teil seines Lebenslaufes zurückgelegt. Eine vielseitige Begabung, eilt klarsehender Blick und eine reiche Lebenserfahrung befähigtest ihn, feine Erinnerungen in reizvoller Form niederzuschreibenj So gewährt er nicht UNr einen fesselnden Einblick tn die alltäglichen Verhältnisse der kleinen Leute und in das glänzende, prunkvollo Leben der Großen, sondern auch in das Weben der Weltgeschichte. Wie aus der Vogelperspektive schauen wir hinein in das Paris aus der Zeit vor der Revolution, in die ewige Roma, in die glänzenden, nach dem Muster von Versailles gebildeten Hofhaltungen von Mannheim und Zweibrücken. Wir machen persönliche Bekanntschaft mit den großen Philosophen des sterbenden 18. Jahrhunderts, mit Grimm, Diderot, Rousseau, den Mode? malern Vanloo, Boucher, Grenze, Fragonard, Bernet, Menas, Hackert und vielen' anderen. Wir begegnen dem Kaiser Josef II., dessen durch Goethes „Dichtung und Wahrheit" bekannte Krönung zu Frankfurt geschildert wird, Napoleon', der in München einzieht, dem Kurfürsten Karl Theodor, dem kunstsinnigen Christian IV., dem verschwenderischen Bauherrn Karl II. August, der ohne Hei- mat und Sa,nb feine Tage bescWoß, und dem leutseligen „Vater Max" von Bayern. Manche Abschnitte sind geradezu Kabinettstücke unterhaltender Lektüre, z. B. die Erzählung von Glucks Proben zur „Iphigenie" und !zum „Orpheus" in Paris'. Die Proben znm „Orpheus" verliefen dricht so stürmisch wie die zur „Iphigenie", weil den Musikern allmählich slar wurde, was der Komponist bezweckte, und die Sänger, die tnt Banne seiner beherrschenden Persönlichkeit standen, ihn fürchteten. Man wiederholte die erste Szene, wo sich der von Schnurz gebeugte Orpheus während des herrlichen-, die Bestattung Eurydikens begleitenden Chorgesangrs erhebt und in den Schrei verzw-eislnngsvoller Klage ausbricht: „Eurydike!", nm schon gleich daraus seinem dumpfen Brüten wieder anheimNufallen. Gluck war mit dem Sänger Le Gros nicht zufrieden. Er ließ ihn des öfteren diesen Aufschrei wiederholen, in dem immer etwas wie Gesang Tag. Schließlich verlor er die Geduld und sagte ärgerlich zu ihm: „Mein Herr, das ist unbegreiflich. Sie schreien immer, wenn Sie fingen sollen, und handelt es sich ein einziges Mal darum, zu! schreien, dann bringen Sie es nicht zustande. Denken Sie in diesem Augenblicke weder an die Musik noch an den Chor, der singt, sondern schreien Sie ganz einfache so schmerzvoll, als ob man Ihnen ein Bein absäge, und wenn Sie das können, dann gestalten Sie! diesen Schmerz innerlich, moralisch und von Herzen kommend." Mau begann von neuem, und Le Gros entsprach vollkommen der Absicht des Komponisten. Ter vereinzelte Schrei, der als etwas der Musik fremdartiges die süße und schöne Harmonie des' Chores durchbrach, erzielt« die größte Wirkung und rührte selbst unempfindliche Seelen. , Bon der Persönlichkeit Glucks gibt v. Männlich eine lesielnde! Schilderung. „Herzog Christian IV.,'Pfalzgraf und Herzog von Zweibrücken, besaß in Paris ein Palais und er, em Freund der 712 FrmMseük, aber ein Feind ihrer Musik, machte Gluck, der seit dem Növember 1713 in Paris weifte, das Anerbieten, in seinem' Pwlais Wohnung zu nehmen, was dieser Mit lebhaftem Dan? cm- uahm. Wer Muck in seinem Ueberzieher und mit seiner runden Perücke begegnet wäre, ohne ihn zu kennen, hätte in ihm ganz gewiß nicht eine hervorragende Persönlichkeit und einen schöpfe rischen Genius vermutet. Er !var über mittekgroß, ge- vrung«r, stark nnb sehr muskulös, ohne dabei beleibt zu sein. Sein Kopf'war rund, sein Gesicht breit, rosig und pockennarbig, die Augen Kein, etwas tiefliegend, aber funkelnd, voll Feuer und Ausdruck. Von offener, 'lebhafter und leicht erregbarer Wesensart, Sonnte er sich den Anstandsregeln und konventionellen Gebräuchen der guten Gesellschaft nicht fügen. Wahrheitsgetreu nannte er die Dinge bei ihrem Rainen und beleidigte auf diese Weise wohl zwanzig mal am Tage die empfindlichen Ohren der Pariser, die au Schmeichelei irnb lügenhafte Unterhaltung, die sogenannte Höflichkeit, gewöhnt waren. Für Lobesworte unzugänglich, wenn sie nicht von Personen ausgiugen, die er schätzte, wollte er auch nur echten Kennern gefallen. Er liebte seine Frau, seine Tochter und seine Freunde, wenn er auch mit ihnen weder zärtlich war, noch ihnen zu schmeicheln pflegte. Ohne sich jemals zN berauschen oder sich den Magen zu verderben, war er ein starker Esser und Trinker. Daß « gewinnsüchtig war und das Geld liebte, verhehlte er selbst »richt. Gären guten Teil Egoismus legte er besonders bei Tische cm den Tag, wo er ein Recht auf die besten Bissen zu habeil glaubte." ___________ Vermischtes. . * Amerikanische Ge s e lisch af ts s ch er ze. Die Sommernwnate haben scheinbar eine Ermattung in dem Sensationsbedürfnis der amerikanischen Gesellschaft gebracht; nun aber, da mit dem Herbste auch die „Season" wiedergekehrt ist, regt sich bereits aufs neue der Erfindungsgeist der blasierten Millionäre, die zu den seltsamsten Mitteln greifen, um ihren Gästen irgend eine besondere Gesellschaftsunterhaltnng zu bieten, die noch nie dagewesen ist. Die erste Ueberraschung der Saisorr in dieser Hinsicht kommt mis Massachusetts, aus der Stadt Rox- bury, wo am 21. September bei einem großen Balle in der Jntercolonral - Hall ein je nach den Umständen höchst unterhaltsamer oder höchst peinlicher neuer Tanz eingeführt umrde: der Pfirsichkorbtanz. Bielleicht ist damit eine harmlose Parodie auf die stetig wachsenden Dimensionen der Frauenhüte beabsichtigt, vielleicht trieben den Erfinder iroch tiefere Absichten, das Cha- rakteristikum des neuen Tanzes ist jedenfalls, daß das tanzende Paar mit den Köpfen gemeinsam in einen nmgestülpten großen Korbe steckt. Der Korb muß genau die Größe haben, um sowohl der Frisur der Dame als auch dem Kopfe des Tänzers Raum zrc geben und zwar so, daß die Gesichter einander nicht allzu na6c kommen müssen. Als das „Amüsante" dieses Tanzes rühmen eifrige Anhänger den Umstand, daß die Tänzer während des Drehens nicht rechts und nicht links sehen können und nur ein Eckchen blitzendes Parkett mit den Äugen erhaschen können. Es fehlt aber nicht an skeptischen Zynikern, die behaupten, daß der große Erfolg des neuen Tanzes weniger in dem Richtseherr- können als in dem Nichtgesehenwerdenkönnen liegt. Die zweite Novität der Gesellschaftssaison kam aus St. Louis, wo eine führende Dame der Gesellschaft sich eine reizende Keine Ueberraschung für ihre gänzlich unvorbereiteten Gäste ausgesonnen hat. Im Empfangszimmer, wo sonst die Dame des Hauses meist nur mit einem stereotyp liebenswürdigen Lächeln ausgerüstet ihre Gäste bewillkommnet, erwartete die erfindungsreiche Wirtin die Geladenen mit einer ausgezeichnet funktionierenden Gartenspritze. Jeder neu Ankommende bekam unbarmherzig und unversehens einen ansehnlichen Strahl schönen kalten klaren Wassers als lieben Willkommensgruß. Die Erfinderin dieser neuen Begrüßungsform hat übrigens anfangs selbst einige Bedenken ; vielleicht nicht ganz mit Unrecht befürchtete sie, mancher möge diese ungewohnte Wasserreichung mißverstehen. Aber am Ende ging alles trefflich und die Neuerung wurde ein unbestrittener „Erfolg". Die Begossenen machten zwar zunächst höchst sauersüße Mienen; dann aber blieben alle stehen, um Zeugen zu sein, tote der nächste ahnungslose Gast das gleiche Schicksal würde erdulden müssen, und wenn dies dann prompt und gründlich eintraf, kannte die mitfühlende Begeisterung und das Lachen aller keine Grenzen. Aber St. Louis liefert der wunderlichen Ge- sellschastschvonik der Union in diesem Jahre noch weitere Sensationen. Da hat man bereits einen Ball abgehalten, der als besonders pikanten Reiz nur Teilnehmer umfaßte, die sich verpflichtet hatten, ihre Kleidung verkehrt anzuziehen: mit dem Futter nach außen. Humorlose Aestheten der Kleidung mochten Manches einzuwenden haben, denn selbst die bestgeschneiderte Robe verliert an Ansehen, wenn Nähte rmd Futter nach außen gekehrt werden; aber der amerikanische Humor ist nicht ktemltch, Herren und Damen amüsierten sich köstlich, alle fühlten, tote originell es ist, plötzlich am Fracke weißscideue oder bunte gestretfte Aermel zu haben oder Fischbeingernste an der Außen- fette der Toilette zu tragen. Etwas grimmiger angehaucht ist der Humor von Fräulein Stella Simmons aus Fond du Lae in Wisconsin, die jetzt durch einen neuen hübschen kleinen Gesellt schaftsscherz fast eilte Berühmtheit geworben ist. Sie lud ihrs Bekannten zum Diner und spannte die Neugier ihrer Freundinnen! aufs höchste durch die Ankündigung, sie wolle ihnen bei dieser Gelegenheit ihren Bränttgam vorstellen. Erwartungsvoll kamen die Gäste, eine Schwester der Wirtin begrüßte sie, man harrte, die Neugier stieg aufs höchste: bis endlich die Flügeltüren zunt Speisesaal sich öffneten. Da sah man Miß Stella an reich- besetzter Tafel sitzen, ihr gegenüber der Bräutigam: ein echtes Menschenskelett, das die scherzhafte kleine Brant sorgb sam mit einem elegant sitzenden Fracke und blendend weißer Wäsche versehen hatte. Der Totenkopf grinste, in den leeren schwarzen Augenhöhlen ahnte mau ein höhnisches Blinzeln, kurz amerikattifcher Sinn genoß hier höchste Groteskkomik. Zwar wurden einige Damett ohnmächtig und mußten hinaus getragen werben, anbere waren so humorlos zu gehen; aber immerhin blieben noch genug amüsierte Gäste, die den originellen Einfall der jungen Wirtin bewunderten und sich mit allem Zeremoniell dem bleichen starrgrinsenden Bräutigam vorstellen ließen. * Br ies ka sten der Tau te Eufemin. Aus der neuesten Rümmer des „Guckkastens", der von Paul Keller im Rose-Verlag heransgegebenen buntillustrierten Zeitschrift für Humor, Kunst und Leben, entnehmen wir folgenden witzigen Beitrag, der dis unsinnigen Ratschläge mancher Frauenzeitimgeu vergnüglich verulkt: Vergißmeinnicht, Finsterwalde. Ganz meine Meinung: das Totschlägen der Motten mit der Hand ist eine Roheit. Viel besser zur Vertilgung dieser gefräßigen Insekten (nicht Fliegen» meine Liebe!) ist folgende Methode: Man lege ein Stück gitteui Manchestersamt in die Nähe der Lanrpe^ T« ihn die Mottest lieben, so setzen sie sich manchmal darauf. Nun bedeckt man sie mit einem Weinglase (Vorsicht, daß die Tierchen nicht gequetscht werden!) und schwefelt bann das Glas ans. Freilich muß inaui dabei geschickt sein und achtgebeu, daß die Motten nicht entweichen!, ehe sie in dem Schwefel erstickt sind. Kätchen Ratlos. Selbstverständlich gibt cs eine praktische Verwertung der Kartoffelschalen — auch in einem städtischen Haushalt. Tie Schalen werden sorgfältig getrocknet imd anstatt des teuren Mooses zur Ausfüllung der Doppelfenster benutzt. Das edle einfache Kraut wirft sehr vornehm. Will man einige Abwechselung in der Farbe haben, so gebe man farbige Frucht- schalen nach Belieben zu, oder setze einige Blümchen ober Bögelchen vom letzten So-mmsrhute dazwischen. Unglückliches H aus m üt ter chön. Wenn du ganz sicher gehen willst, daß die eingelegten Früchte nicht Umschlägen, so tust du aut besten, sie alle Tage aufzulochen und aufS ueujd einzulegen. Du hast zwar etwas mehr Arbeit, aber die Früchte halten sich auch bei solcher Behandlung jahrelang. ., Sportfexin, Breslau. Wie man sich billig Rolffchuhtz Herstellt? Sehr einfach: Aus den ausgedienten Untergesteltest von Kinderspielzeug, Schäfchen und Pferdchen nsw. Gewöhnlich brechen die Holzrädchen beizeiten ab; das schadet aber weiter nichts, man läßt sich dann eben eiserne daran befestigen. Auch die Holzplatte ist nicht von Dauer imb wird am besten bald durch eilt eisernes Gestell ersetzt. Mehr tote drei Mark kostet das nicht; da man zur Befestigung Schlittschuhriemen benutzen kann, p stellt sich die Sache ziemlich billig. * Die sprechenden Hände. Herr Meier (als ihn seilt Freund mehrmals bei den Händen fassen! will, mit denen er während des Redens lebhaft gestikuliert): „Donnerwetter, unterbrechen SiS mich doch nicht immer!" m * Durchschaut. Bureauvvrstand (zu semen Beamten): „Es ist doch merkwürdig, meine Herren, bloß in Ihrem Zimmer ist niemals eine einzige Fliege zu finden — ich. verbitte mir das, meins Herren!" (Aus den Fliegen den.) * Ein Unzufriedener. „Nicht wahr, HiaÄbaner, Ihr habt immer Pech?" — „'s is wahr, ja, a jeder is scho «mal abbrennt, bl'soßi net!^ Magisches Dreieck» j In die Felber nebenstehenber Figur sind __I die Buchstaben aaaabbiiklooorr derart einzutragen, daß die einander ent- _ sprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten; 1, Aegyptische Stadt. 2. Spanischen Feldherrn. 3. Stabt am Niger. 4. Teil von Brasilien. 5. Einen Buchstaben. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Anthmogriphs in voriger Nummert Elbe — Liss« - Ille — Saba - Abel - Beil - Elisa -£ Tahiti — Halle; Elisabettz. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbructerei, R. Lange, Gießern