m. J59 1909 SWWM Rheinlandstöchter. Roman von Clara Viebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Sie winkte mit der Hand. „Wohin — ich weiß es nicht. Weißt du es?" Sie drängte ihr Gesicht dicht an das seine und bohrte den stieren Blick in seine Züge. „Du weißt es auch nicht, weißt es nicht — oh — oh!" Mit einem Wehlaut wich sie zurück. „Er ist fort, weit fort! Nun zeigen sie mit Fingern auf uns — sie werfen uns mit Steinen i— sie reißen dir deinen Rock ab — nein, nein!" Mit jammerndem Aufschrei fuhr sie von neuem auf den Sohn los und umklammerte ihn mit beiden Armen. „Sie sollen dir nichts tun, ich '.vill es nicht haben! Da!" Sie riß das Spitzenhäubchen vom Kopf und schleuderte es zur Erde. „Da habt ihr meine Krone! — — — Weine nicht, weine nicht, mein Junge! Mein kleiner Feror- 7iand — ei, ei!" Sie schmiegte ihre Wange an ihn und spitzte den Mund zum Kuß. „So ein lieber, kleiner Junge, warum wird er denn weinen? Er liegt ja in seinem schönen Bett — seine Mama ist bei ihm — ei ei — eia popeia!" „Mutter!" . Es war der markerschütternde Aufschrei eines gequälten Herzens, der jetzt durch die Stube gellte; der Sohil taumelte zurück an die Wand, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend. Tie Wärterin, die bis dahin teilnahmlos umhergewirtschaftet hatte, schaute auf. „Hm, hm. Da" — sie langte nach der beiseite geworfenen Düte und dem Veilchenstrauß — „da Majestät, has hat Ihnen der Herr Leutnant mitgebracht. Nu freuen Ae sich aber, gelt?" , , Die Wahnsinnige klatschte tn bte Hande und lacqw vergnügt! mit gierigen Fingern riß sie die Düte auf und stopfte hastig ein Stück Kuchen nach dem anoern m den Mund. Mitten im Kauen hielt sie inne und zeigte nach der Wand: „Was will der fremde Mann da? Fort! fort! Die Düte ängstlich an sich drückend, kauerte sie sich ganz in der Fensternische zusammen. „Er soll weg — da — der — weg, weg!" „ r „Aber" — Frau Müller zog die sich Sträubende aus der Ecke — „eis is ja der Herr Leutnant, Ihr Sohn! Majestät, ü was, sein Se doch nicht so doll!" „Nein, nein!" Die Kranke wimmerte wie ein Kind. „Den kenn' ich nicht — der nimmt mir alles — weg, weg! Er soll gehn!" ' . „Mutter, ich bin es! Liebe Mutter — Ferdinand, beut Kohn!" „Nein, weg — nein!" Sie versteckte sich zitternd hinter die Wärterin. Diese flüsterte: „Gehn Se nur, Herr Leutnant! Ja, gehn Se, se iA etzt sehr aufgeregt, da is nix bei zu machen!" Wie ein Trunkener schwankte der Sohn zum ZtmmetZ hinaus, an der Tür wandte er sich noch einmal um. Da war das vergitterte Fenster, hellbeleuchtet der zu- ammengekrümmte Körper der Mutter und die stämmige Gestalt der Wärterin mit dem groben fühllosen Gesicht. Seine Veilchen lagen am Boden verstreut, dazwischen die Blumen des freundlichen Kindes — sie hatten kein Gluck ge* bracht. VII. Ueber den Rhein wehen laue Lüfte, der Ehrenbreiw stein glänzt goldgelb int Sonnenschein. In den Wällen am Werstein und drüben an der Karthause blühen die Verl- cben, blau, massenhaft; der süße Geruch steigt der Schild- wache, die droben dröhnend auf und ab schreitet, in die Nase. Der Gewehrlauf blitzt in der Hellen Luft. Wohin der Bltck schweift, alles klar, heiter, freundlich. Der graue Klumpen der inneren Stadt mit den schwarzblauen Schieferturmen — die Firmung, der Markt, die Löhrstraße, der Entenpfuhl — alles sieht verklärt aus. Und draußen um die Billen tnt Glacis blühen schon Pfirsichbäume, und die Stachelbeer- büschc umspinnen sich mit erstem Grün. In den Rhetn- anlagen flöten die Antseln; wer eine neue Toilette hat, fuhrt sie spazieren. Frühlingszauber — Osterglocken! Fräulein Aurora Planke saß in ihrer Jungfernwoh- nung, herb blickend, süß säuerlich wie ein Einmachetops Essiqvflaumen. Es war wunderhübsch still und ruhig um sie; die Stube so aufgeräumt und sauber, der Gedanke mt Staub schon Blasphemie. Man sah, hier trippelten ferne Kinderfüße, auch kein Zigarrendampf verräucherte dte werßen Mullgardinen. Alles tadellos. Tadellos auch die herbe Jttngfrau int schwarzen Wollkleid mit dem blendend weißen Umschlagkrägelchen und btto Manschetten. Wie Pythia auf dem Dreifuß saß sie auf dem gestickten Sessel vor ihrem Nähtisch; hinter sich hatte sw eine Epheuwand, aber der Epheu war künstlich vor sich ein Vogelbauer, aber das gelbe Tierchen darin ausgestopft. Bewahre, nur kein lebendiges, das warf ja Schinutz durch biß (Stube i Auf Fräulein Auroras hoher Stirn lagerte eine Wolke des Unmuts. Heute war Agnes Röders Hochzeit — ste taU'd>ettit er nicht bald kommt, muß ich weg; die Ober- konsistorialrätitt hat mir ihren Kirchenstuhl offeriert. Schon spät!" Sie lauschte wieder, unruhig, gespcntnt — da —t draußen klingelte es endlich, ein ungeschickter Tritt stolperte über den Flur. Jetzt klopfte es. „Herein!" flötete Aurora, ihre Sttmute hatte etwas Holdseliges. Die Tür ging auf, über die tzchwelle schob sich linkisch ein junger Mensch. Der Rock war fadenscheinig, um das blasse jugendliche Gesicht hing das semmelblonde Haar laitg und straff, sanft in der Mitte geschettelt. Er wagte 634 — i nicht die Augen aufzuschlagen. Man witterte den Pfarramts- kandidaten ttt spe auf zwanzig Schritt. Fräulein Aurora streckte die §a»b aus und lächelte. „Nun, lieber Heinrich?!" (Sr wagte es, nach einem tiefen Diener, stotternd die Hand zu fassen. „Ich — ich wollte — mir erlauben — meiner hochverehrten Gönnerin — ein gesegnetes Osterfest zu wünschen!" ^ „Danke, danke! Nehmen Sie Platz! Wo waren Sie denn so lange?" Es lag ein sanfter Vorwurf in den Worten. „Ich habe Sie längst erwartet. Nun ruft mich leider die Pflicht zur Kirche, eine frühere Schülerin von mir macht heute Hochzeit; viel zu jung, viel zu jung! Bei diesen Kinderehen, was kommt da heraus? Ueberhaupt, wie ich darüber denke!" Sie zuckte die mageren Schultern und drehte die Augen gelt Himmel. „Freilich, es gibt Ausnahmen," setzte sie einlenkend hinzu und strich dem jungen Menschen die Haare aus der Stirn, „aber selten, höchst selten! Lieber Heinrich, kommen Sie heute abend wieder und trinken Sic den Tee bei mir; es ruht sich gut nach stürmischem Tag im wohlumfriedeten Hasen!" Sie seufzte. Ter junge Mensch sah sie verwundert mit den runden blaßblauen Augen an, ein gutmütiges Lächeln zog ihm übers Gesicht. Was seine hochverehrte Gönnerin "nur meinte? Der Tag war doch nicht stürmisch, im Gegenteil herrlich schön, und ein Spaziergang mit den andern Seminaristen, nebst anschließendem Tänzchen in Capellen, wäre eigentlich der Teestunde bei Fräulein Aurora Planke vorzuziehen gewesen. Aber Fräulein Planke zahlte seine Studiengelder. Sie gewährte ihm Mittel für Wohnung und Kleidung, sie hielt ihre Hand schützend über dem Elternlosen; war die Hand auch knochig, es war doch immerhin eine Hand. Er unterdrückte den Seufzer, der in ihm aussteigen wollte. „Lieber Heinrich," flötete Aurora und zog aus ihrer Tasche ein kleines Päckchen, „hier, nehmen Sie, das hat der Osterhase für Sie gebracht!" Er fühlte zwischen seinen Fingern ein paar harte, in Papier gewickelte Taler. „Nun, was meinen Sie, wird es reichen, um sich dann und wann ein kleines Extravergnügen zu gestatten? Wohlverstanden, im höheren sittlichen Sinne!" „O meine hochverehrte Gönnerin!" Ter blasse Mensch rutschte vor Verlegenheit auf dem Stuhl hin und her; man sah's ihnt an, er war sich unklar, sollte er Auroras Hand an die Lippen drücken oder nicht? Die knochige Rechte näherte sich immer mehr seinem Munde, sie kam nah, ganz nah — jetzt — er wurde dunkelrot, mit einem plötzlichen Entschluß ergriff er sie und schüttelte sie herzhaft. „Wenn das meine Mutter wüßte, wie gut Sie zu mir sind, Fräulein Planke! Ich danke, ich danke. Sie tun so viel an mir, mehr als die eignen Verwandten, und sind doch nur meiner seligen Mutter Jugendfreundin; Sie find selbst wie meine Mutter!" Er schluckte ganz gerührt und seine kurzsichtigen Augen zwinkerten. Aurora zuckte zusammen, als habe sie jemand auf ein schmerzendes Hühnerauge getreten. „Schwester, Schwester — sagen Sie Schwester, lieber Heinrich! Mein Gott, wenn ich so zurückdenke, ich war noch ein kleines Mädchen, als Ihre Mutter schon heiratete! Sie war mindestens zehn Jahre älter als ich — aber die Neigung, die gleicht den Unterschied der Jahre ans. Ich fühle mich Ihnen wie eine Schwester, mein lieber Heinrich!" Nun drückte sich die knochige Rechte wirklich an seinen Mund; Fräulein Aurora seufzte. So blieben sie regungslos eine ganze Weile, während heller Frühlingsschein von draußen hereinflutete, die scharfen Züge der höheren Schulvorsteherin noch schärfer erscheinen ließ und unbarmherzig die Krähenfüße um Mund und Augenwinkel beleuchtete. Der liebe Heinrich wagte nicht, sich zu rühren, da — ein Glockenton von fern! Fräulein Aurora erwachte wie aus einem Traum. „Sie läuten schon, wie ärgerlich! Ich darf nicht fehlen, ich muß eilen. Bitte, lieber Heinrich, helfen Sie mir in die Mantille! Also auf; Wiedersehen heute abend; nicht zn spät, lieber Heinrich! Ich erwarte Sie so früh wie möglich — auf Wiedersehn, lieber Heinrich!" — Agnes Röder war katholisch, Leutnant von Osten protestantisch. Aber was macht der Unterschied der Religion bei zwei liebenden Herzen?! Ohne Zögern hatte Agnes gleich eingewilligt, sich in der protestantischen Kirche trauen zu lassen; den Eltern war es schwerer geworden, aber sie aabcn nach. Tie Ostens waren altprenßischer Adel und die Stellung des Bräutigams erheischte Rücksichten. Mit verweinten Augen und hochrotem Kopf war Mama Röder mehr als einmal aus der Messe nach Haus gekommen; auch den Kaplan Tengler von der Florinskirche sah man öfter geschmeidigen Tritts die Freitreppe des Röderschen Hauses hinaus schlüpfen, seine dünne schwarze Gestalt schob sich wie ein Schatten vor die leuchtende Freiherrnkrone des Osten- schen Wappens. Umsonst die Tränen der geängstigten Katholikin, die vehementen Drohungen des Pfaffen! Errötend und lächelnd hatte Agnes erklärt: „Mas mein geliebter Carlo will, ist auch mein Wunsch!" Und auf die peinliche Frage: „Welcher Religion sollen deine Kinder sein?" hatte sie, noch tiefer errötend, ebenso lächelnd erwidert: „Carlos natürlich!" Leutnant von Osten hatte sich entzückt den Schnurrbart gestrichen — wirklich pyramidales Glück! Seine kleine Braut war ein Ideal, ordentlich poetisch, als sic, sich an ihn lehnend, verschämt flüsterte: „Mein Carlo! Wo du hingehst, will ich auch hingehen; dein Volk ist mein Volk, dein Gott mein Gott!" Sie hatten sich dann zärtlich in die Augen geblickt und lange die Hände gehalten. Das war ein Glück! "Mama Röder vergaß ihren Pfaffen und ihre Gewissenspein, Papa Röder schmunzelte über das ganze behäbige Gesicht, — einen Freiherrn zum Schwiegersohn, schön, jung" reich — das waren Aussichten! Und Gott sei Dank, man hatte die Gewißheit, die.Tochter nicht des Geldes wegen geheiratet zu sehen. So war der große Tag endlich heran gekommen: der Himmel wolkenlos, strahleuü blau. In die L>chloßtirche strömte es — Feiertag, schönes Wetter, die bequeme Stunde: zwei Uhr — und dann, was würde es zu sehen geben! Blumen, Toiletten, Luxus, Glanz; die Leute hatten's ja dazu. Tie ganze Mädcheuwelt der höheren Kreise war einge- laden. Anselma von Koch, Lena Rohling, Milchen und! Tonchen Zünglein, noch ein paar flotte Offizierstöchter und zwei steinreiche Cousinen Röder waren Brautjungfern; sie würden sich famos neben den sporenklirrenden eleganten Kavalieren ausnehmen. Wieviel Hoffnungen waren in die funkelnagelneuen Hochzeitstoiletten hineinphantasiert worden! Sollten die sich erfüllen, gab's mindestens ebensoviel neue Hochzeiten binnen nächstem, als Brautführerpaare da waren. „Wenn die Hoffnung nicht wär', wenn die Hoffnung nicht wär'!" Ganz recht, nur daß die Hoffnungen verschieden aussehen. Hier wickelten sie sich alle in lange weiße Schleier und trugen Myrtenkränze. (Fortsetzung folgt.) Robert Stephenson. (t 12. Oktober 1859.) Robert Stephenson, der berühmte Ingenieur, dessen ErfiN- dnngeN auf dem! Gebiete des Eisenbahnwesens geradezu um* wälzend für das gesamte Kulturleben geworden sind, war am! 16. Dezember 1803 in sehr bescheidenen Verhältnissen geboren; sein Vater arbeitete für-wöchentlich 1 Pfund Sterling in dem Kohlenbergwerk zu Killingworth und hatte die hübsche, jedoch blutaruw Fanny Henderson, die Magd eines Pächters geheiratet, die ihm! zu Willington unweit Newcastle den Sohn gebar und dann in der Blüte ihrer Jugend starb. So lag die Erziehung Roberts dem! Vater allein ob. Er schickte den Knaben in die Schule zu Long Benton und Newcastle und machte ihn von seinem fünfzehnten! Jahre an in dem Bergwerke, in dem er arbeitete, praktisch mit allen Minenarbeiten vertraut. Abends, wenn ihr Tagewerk beendet war, saßen Vater und Sohn daun noch eifrig studierend über mancherlei Bücher, und der Plan zur Vervollkommnung der Lokomotive mag wohl schon damals in beider Gedanken rege geworden sein. 1820 ließ Georg Stephenson den Sohn noch ein Semester lang die Edinburger Universität besuchen, wo er aus den Vorlesungen Hopes über Chemie, LeslicS über Physik und Jamesons über Naturgeschichte trotz der Kürze der Zeit großen Nutzen zogt Georg Steil,enson hatte es mittlerweile so weit gebracht, in Newcastle eine Lokomotivenfabrik auf eigene Rechnung zu gründen, und in diese trat nach der Rückkehr von der hohen .Schute Robert als Gehilfe ein, mußte aber nicht lange nachher aus Gesundheit^- rücksichten die anstrengende Arbeit vermeiden, weshalb er eine Kommission zur Untersuchung der Gold- und Silöerbergwer« Südamerikas übernahm. Nachdem er dort die Si lb er m in eng esell- schast von Columbien gegründet hatte, kam er int Dezember 1827 635 ■ lö 's lt= e L n :r rt ut M m! in e- e- n, ik, ’n er he e: e- tb! -d ie" n ;e en sie Ild Ht icr ich! er es ne u- a- itb er he te os te m! er in! 19 ■nl it er 0- :1t ir c- is gl n it, ct zi- ie fe toieber in England an, gerade noch zur rechten Zeit, um! seinem Vater bei der Erbauung der ersten großen Eisenbahn von Manchester nach Liverpool behilflich! zu sein und den von deren Direktion ausgesetzten Preis von 500 Pfund für die 'beste Lokomotive zu gewinnen. Seine nächste große Schöpfung war dann die Anlage und der Bau der Landon-Birmingham-Eisenbahn in den Jahren 1833—38, und von da an galt Robert Stephenson als eine weltberühmte Autorität im Eisenbahn- und Maschinenbaufach. Fast keine Bahn 'wurde fernerhin gebaut, bei der er nicht zu Rate gezogen worden' wäre, und so bat er mittelbar und unmittelbarj Teil gehabt an der Anlage aller ersten Bahnstrecken in Belgien, Schweden, Dänemark, Deutschland, der Schweiz, Toskana, Kanada, Aegypten, Indien nfto1. Aber nicht bloß als Schöpfer von Eisenbahnen errang und erhöhte Stephenson in der Folge seinen, Ruf; er leisheteBewtinderns'- wertes auch in Wasserwerken, Tunnelarbeiten und Brückenbauten, von denen besonders die Britanniabrücke über die Menaistraße Nnd die Viktoriabrücke über den St. Lorenzstrom bei, Kanada Bewunderung erregte, jene, weil bei ihr zuerst die.größte Tragkraft des Rohrs erprobt würde, diese, weih es damals die größte Brücke der Welt war. Als persönlicher Charakter war Robert Stephenson nicht minder geschätzt, wie als Ingenieur; sein Wohltätigkeitssinn war ungemein rege, nnd große Mittel stellte er zu wissenschaftlichen Forschungen zur Verfügung. Man rühmt von ihm, daß Neid und Egoismus ihm völlig fremd gewesen feiert. Auch als 'Politiker warmer tätig und vertrat im Parlament die konservative Partei. Tie letzten Lebensjahre Stephensons waren durch ein schweres Leber- leiden vergällt. Auf einer Reise nach Norwegen, wurde dies so schlimm, daß er die Reise abbrechen mußte urtd, hoffnungslos krank in. sein Haus zurückkehrte. Dort in London starb er am 12. Oktober 1859. Die Hauptstadt einer Riefenreicher. Vorläufig zählt es zwar noch keine 3000 Einwohner und gleicht den anderen australischen Landstädtchen, denen das Gold- gräbertum nicht seine besondere Note verliehen hat, wie ein Ei dem anderen, zur Hauptstadt der Commonwealth of Australia ist es aber doch nun endgültig erkoretr, das kleine Nest Naß-Canberra an den fruchtbaren Westabhängen der Cullarin-Range. Man kann es heute passend mit dem nasciturus des römischen Reiches vergleichen, des nach der juristischen Präsumption pro jam nato habetur. Die Vorgeschichte der von den Australiern getroffenen Wahl entbehrt Nicht der Komik. Im Jahre 1900 war man nach manchem! Ack und Krach mit der Konstituierung dec Commonwealth glücklich fertig geworden. Tie völkerrechtlichen! Haarspaltereien über die Tatsache, daß sechs nicht sonveräne Kolonien Old Englands,' die voneinander völlig unabhängig waren und oft schnurstracks entgegengesetzte Wirtschaftspolitik trieben, unter einen Hut kommen wollten, waren mit Rasiermesserschärfe zu Ende geführt. Nun begann der Streit um die Wahl der künftigen Bundeshauptstadt. Vernünftigerweise hätten nur Sydney und Melbourne als Städte von lueit mehr als einer halben Million Einwohner und Mittelpunkte der etwas dichter besiedelten Gegenden des Erdteils in Betracht kommen können. Besonders geeignet schien Melbourne, das in seiner ganzen Anlage von allen Städten der Welt am meisten Aussicht hat, in einer nahen Zukunft dem Ideal einer Großstadt nahezukoMmeu, in der die Menschen weit draußen zwischen Parken und Gärten auch menschlich wohnen und nur zur Arbeit nach dem Geschäftszentrum fahren. Ties ging aber den Bewohnern von Sydney arg gegen den Strich. Auch. Brisbane und Adelaide meldeten ihre Ansprüche an, und schließlich entschied man, daß die neue Hauptstadt zwar in Neu-Südwales als der kopsreichsten der australischen Kolonien, aber zum mindesten hundert englische Meilen von dessen Hauptstadt Sydney liegen solle und daß, ebenso wie die uordamerikanische Bundeshauptstadt Washington inmitten des zu keinem Bundesstaat gehörenden Distrikts Columbia liegt, auch für die Hauptstadt der Commonwealth ein besonderes' 2400 Quadratkilometer großes Territorium zn schaffen fei. Bei der nunmehr beginnenden Suche nach dem passendsten Orte wiederholte sich der klassische Wettstreit der Städte, die sich um die Ehre stritten, den Homer hervorgebracht zu haben, in Modernem Maßstabe. Waren cs damals nur sieben, so waren cs in Australien an hundert. Bor fünf Jahren glaubte man in Telgety, einem. Nestchen in den australischen Alpen, das heiß Ernst und Johannes Schlaf, ohne es aber irgendwie als Reizmittel für Inspiration und Produktion zu empfinden. „Tas! Räuchert und der Tabak," schreibt Johannes Schlaf, „ist fast mein einziger Genuß und meine einzige „Zerstreuung", Alkohol nehme ich so gut wie gar keinen zu mir. Meine Shagpfeife oder Zigarre im Munde ut schöner Frühlings-, Sommer-, Herbstzeit ins Land hinein zu wandern, oder meine täglichen längeren Spazieraänge ünd Wanderungen ins Freie: das ist wohl das schönste und reichste, was das Leben mir bietet; jedenfalls' das ungetrübt angc- nehmste." Ter Dichter Timm Kröger und der Maler Franz von Stuck, die beide einen guten Glimmstengel Heben, rauchen wahrend der Arbeit überhaupt nicht. Karl Spitteler hat „erst Mit achtundzwanzig Jahren zu rauchen anaefangni, ungerne, der Zähne wegen. Hat auch geholfen." Allmählich ist er bann „em heilloser Raucher" geworden. „Von irgend welcher Einwirkung aus den Geist selbstverständlich feine Spur. Wäre auch traurig uin Einen bestellt, wenn er seine Inspiration aus dem Tabak holen müßte." Gelegenheftstaucher ist Wilhelm von Scholz, dein bei ärgerlichen Angelegenheiten die Zigarre ein notwendiges Mittel ist, „uin ruhig am Schreibtisch und bei der Sache zu bleiben." „Irgend welche Inspiration kann ich dem Tabak nicht zuschreiben," lautet seine Ansicht, „dagegen wohl eine gewisse isolierende und konzentrierende Stimmung — die aber wieder zu viel Behagen in sich trägt, um nicht die Menge der Arbeitsleistung zn vermindern." Herbert Eulenberg raucht nur Zigaretten; beim Arbeiten und Schreiben zu rauchen, ist ihm unmöglich. Engagierter Nichtraucher ist Georg von Ompteda, der schon bei längerem Verweilen in Tabakrauch Nebelkeit bekommt nnd auf die Raucher mit ihren Unarten eine gewisse Wut hat; der Komponist Leo Blech hat beim Rauchen nie eine Genußempfindung gehabt. Als ein Gegner des' Tabak- geuusses erscheint der feine Romandichter Ottawar Enking. Er ist zu dcr unerschütterlichen Uebcrzeugung gelangt, „daß es für einen Menschen, der seine Würde bewahren und frei und gesund fein will, ganz notwendig ist, ohne jegliches Reizmittel z'u leben und zu schaffen." Peter Altenberg ist zwar Zigarettenrauchpr, aber als Anbeter des „natürlichen Lebens" Gegner des Tabakgenusfes. „Geistig-seelische Wirklmgen seit jeher Null," philosophiert er, „Tabakgenuß ist wie ein jeder Genuß' absolut keine zwingende Notwendigkeit. Man tut alles nur aus Mangel art Selbstzucht und zu wenig Achtung vor seinen latenten Lebensenergien. Die GenußMfttebt sind Kinderspielzeug einer tändelnden unreifen unmännlichen Menschheit. Hungere, bis dir eine harte Brotrinde als Leckerbissen erscheint! Tann wird sie dir implicite zu einem hervorragenden Genußmittel! Das Natur- geMäße werde dir zu einem Tonicum! Tabak ist überwindbar!" T«bakgenutz und künstlerisches Schassen. „Fluch über die, so dem armen Dichter seine Zigarre ver- teuern!" Mit solch wehmütig-humoristischem Ausruf schließt Ernst von Wolzogen seine Antwort auf eine interessante Umfrage, die Dr. van Meutert über die Einwirkung von Tabakgenuß auf das geistige Schaffen angestellt hat und in der von Dr. Osborn herausgegebenen! Zeitschrift Nord und Süd veröffentlicht. Unter den' Dichtern, Malern und Komponisten, die sich bis jetzt zu der Frage geäußert haben, finden sich die Vertreter der verfchieden- artigften Anschauungen, leidenschaftliche Raucher und konsequente Gegner des Nikotins, Gelegenheitsraucher und Nichtraucher. Einige Dichter erkennen doch, ohne deshalb dem Tabak einen bestimmenden Einfluß auf ihre Phantasietatigkeit zusprechen zu wollen, die anregende, belebende, den Geist konzentrierende Wirkung einer Zigarre alt. So ist Ernst von Wolzogen .ein entschiedener Verteidiger des Rauchens: „Der Tabak ist das einzige Nervenstimu- lanz, auf das ich nicht glaube verzichten zu können. Ich habe imm er gesunden, daß eine gute Zigarre zum Stimmungmachen nnd zur Konzentration der Gedanken sehr viel beiträgt. Beim Schreiben kann ich allerdings nicht rauchen, und das ist einer der Hauptgründe, weshalb ich das Diktieren vorziehe. Wenn mir die Zigarre nicht schmeckt, so habe ich auch sicher auf keine Inspiration beim Schaffen zu rechnen. So sehr der sonst von mir keineswegs verachtete Alkohol mich int Schaffen stört, so sehr fördert der mäßige Tabaksgennß die Tätigkeit Meiner Phantasie und erhöht mir ganz wesentlich die Freude ander Arbeit." Auch Hanns' v. Zobel- t i tz gesteht, daß er „fast unfähig zur geistigen Arbeit wurde, wenn ich meine Zigarre ganz entbehren mtißte." Nachdem er viele Jahre ein recht starker Raucher gewesen war, beschränkte ihm der Arzt den Tabakgenuß auf das Aeußerste. „So habe ich mich auf (angeblich) nikotinfreie Zigarren beschränkt, finde, daß sie recht schlecht schmecken', brauche sie aber, so bald ich arbeite." Gbenso braucht Heinrich Lilien fein seine Zigarre not- wendig zum Schassen. „Sie verleiht meinen Gefühlen diejenige Temperatur, deren sie bedürfen, um sich in Phantasie umzusctzen, und meinen Gedanken die Geschmeidigkeit und Beweglichkeit, um diese Phantasie festzuhalten, zu formen, mitznteilen. Mit anderen Worten: das Rauchen beschleunigt meine Gefühls- und Gedankenassoziation." Unentbehrlich ist die Zigarre bei seiner Arbeit auch Rudolf Herzog, dem sie als Helfer und Freund Bei einer schwierigen Stelle stets zur Hand ist und „eine Konzentrierung aller Sinne" verschafft. Paul Scheer bart schreibt: „Ohne Tabak habe ich wohl seit fünfundzwanzig Jahren nie gelebt. Ich kann somit nicht sagen, wie das Ausbleiben der Tabakwirknng sich äußert. Tie Beeinflussung der Produktion durch den Tabat- genuß erscheint mir zweifellos. Es findet schnelle Komposition von Bildern und Borstellungsreihcn statt." Eine andere Gruppe von Künstlern läßt das Rauchen nur als Genußmittel gelten, spricht ihm aber jeden Zusammenhang mit der geistigen Arbeit ab. So Paul Hey sie: „Ich habe nie Zigaretten geraucht, nur Zigarren und immer nur nach einer Mahlzeit, morgens eine ganz leichte, nach Tisch, eine importierte, abends eine billige deutsche. Tas Rauchen war mir stets ein Genußmittel, als Anregung zu geistiger Tätigkeit hat es mir nie gedient, doch würde cs mir schwer fallen, es zu! entbehren, da es beruhigend auf meine Nerven wirkt." „Eine angenehme belebende Wirkung" verspürt Wilhelm Higeler vom Rauchen. Leidenschaftliche Raucher sind Otto — 636 — Gesuchte gefunden! zu haben. Der Bodenwucher trat aber in so Unverschämter Gestalt aus, dass man den Beschluß wieder rückgängig machte Und die Spekulanten ihren ernüchterten Gefühlen überließ. ®ie Kommission begann atrfs neue zu suchen. Sie Wachte es wie der Szekler Landtag, ließ sich! auf zahllosen Banketten bewirten und als sie „so wie die Väter, stolz auf ihre? Taten, nach bräuchlichen Gelagen heimtzekehrt," standen nur noch sechs Orte auf der Liste, unter denen vor kurzem Baß-Canberra als allein der Ehre würdig erklärt wurde, Bundeshauptstadt zu Werden. Der am Aaßfluß gelegene Ort darf selbstverständlich seinen bisherigen Namen nicht behalten, sondern tont) demnächst nach den Ergebnissen -eines reich dotierten Preisausschreibens umgetauft. Von einer Uebersiedlung der Bundesregierung kann jedoch vor vielen Jährest nicht ernstlich die Rede sein, weil von den notwendigen Regieruugsgcbäuden noch nichts steht und vorläufig bei der mißlichen Finanzlage Australiens auch noch nicht das Geld da ist. Eines Tages aber wird auch diese in? ihrer Art gewiß originell« Städtegründung fertig' sein als die Bundeshauptstadt eines Landes, dessen politische Grenzen sich mit denjenigen eines ganzen Erdteils decken. VeVMZschtes. * D i e deutsche Frau und die F r e in d iv ö r t e r. Die bis jetzt stärkste, die allein noch gar nicht erschütterte Stütze unserer Attsländerei und Fremdwortsucht ist — die deutsche Frau. Der Beamte, der Arzt, der Gelehrte, der Kaufmann, der Tagesschrift- steller, — so hieß es kürzlich in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins — sie haben Wert und Pflicht der Sprachreinheit allnlählich erkannt und tun eS immer mehr, nur nicht die deutsche Frau. Alan sehe nur einmal eines der meist mit Geschmack und lleberlegung ausgesiatteten Hefte an, in denen die großen Geschäfte für Frauenkleidung ihre Waren empfehlen. Ein Unkundiger müßte daraus schließen, daß unser deutsches Land hinter den Leistungen des Auslandes ganz zurückgeblieben oder mindestens an der Herstellung z. B. von Seide, Wolle und alleir Kleiderstoffen so gut wie unbeteiligt wäre. Sehen wir einmal, ivas unseren Frauen und Töchtern in solchem Verzeichnis an- geboten wird : Taffetas Chiffon, Vegetal, Hottsseline ; Satin Liberty, de Chine, Messaline, ondoyant, Merveilleux; Crepe de Chine, Cache- mire, M6teore, friss; Beugaline, Epingle, Cötele; Taille Öttoman, fran^aise; Moire antique, Velours; Crdpon (!), Cristaline, Louisine, Diagonal, Faille-precieuse, Duchesse-Directoire, Armure-brillaut, Surah- Chevron, Moire-Renaissance, Paillette; Tsingtau-Tussah, Kaiki; Reps Ottoman; Peau de gant, Twill-Japon, Shantung-Tussah; Velours panne, miroire, du Nord; Seal, Velvet; Eolieune, Popeline, Marquisette, Chiehinette; Peau de laine; Tailor-made-Kostüm, Coverteoat, Homespun, Travers; Voile-Grege, Jupon; Satin-Soleil, Coating; Irishe (!) Garnituren; Nansoc, Jupon; Matelass6, Ratinee; Organdy und Organdi, Plmnetis, Gingham, Siamoseu, Jaconet, Englische Faille „direkt importiert", Cretonne-Reversible, Düstre (1), und dann gibt's Sortimente von „millerainierten" und „mercerisierten" Sachen, in bester Qualität: Primissimä. So sieht es in solchem Werzeichuisse aus; und hört man alle diese schonen Namen noch dazu ausgesprochen, geziert richtig oder auch verdreht und ver- stnglückt, so kann einem von dem Sprachengewirr schlimm und übel werden. 'Dazu, wie viel falscher Schein und schließlich geradezu Vorspiegelung läuft da mit unter? Weshalb wehren sich Unsere deutschen Frauen nicht gegen dieses Kauderwelsch? Zeit lvärS es wirklich! Oder wird es nicht eher anders, als bis sich ein großes Geschäft aus eigenem Antrieb entschließt, dem Unsinn, der uns, wo nicht vor dem eigenen Urteil, so ganz bestimmt in den Augen des Auslands herabsetzt, ein Ende zu machen und Deutsch zu reden? — F. B. Grünfeld in Berlin hat das längst getan; aber der einzelne erreicht natürlich nicht viel; neuerdings sollen auch Rudolf Hertzog und andere führende Geschäftshäuser eine deutsche Bezeichnung der Modewaren anstreben wollen. Hoffen wir also ans einen Erfolg! * Das Museum der Schreckensz eit. Der lang gehegte Plan des Pariser Gefüngnisdirektors Pourret steht jetzt vor der Verwirklichung: in den düsteren freudlosen Räumen der Gonciergerie, in denen in den blutigen Tagen der großen Revolution so ost der Jammer Verzweifelter ait den kalten Mauern widerhallte, ist man bereits am Werke, die Reliquien und die historischen Gegenstände aufzustellen, die bestimmt sind, ein Museum der Schreckenszeit zu, werden. Unter der Führung des Gefängnisdirektors hat der Mitarbeiter des Gcmlois ein Gang durch die kahlen Korridore, die düsteren Gewölbe,, die dunklen Zellen unternommen, in denen so viele Unglückliche Monate und Jähre ihres Lebens verbringen mußten. Schon ein alter verschossener Plüsch- sessel, eine Arbeit des 18. Jahrhunderts, dessen elegante Formen- gebuug schmerzlich kontrastiert mit dem trostlosen Zustand des vom Alter zerstörten Stoffes, weckt die Erinnerung an ein tragisches Schicksal: Ans diezem Stuhle trauerte Marie Antoinette ihrem grauenvollen Ende unter der Guillotine entgegen. Daneben sieht mäst ein altes Elsenbeinkruzifix, der elfenbeinerne Körper des Heilands ist von den Jahren vergilbt. An der Seite sieht man noch eine kleine Oeffnuug. Die Legende erzählt, daß hier ein Flnchtplan verborgen war, als man der unglücklichen Königin! durch die Eisenbarren ihres Kerkers das Bildnis des Erlösers reichte. Durch eine kleine Wendeltreppe kommt man hinunter zu dem einzigen großen Vorraum, dem heutigen Wartezimmer; dahinter aber dehnt sich der düstere feuchte Gang, den mau die „rue de Palis" getauft hat Und die „Hölle" nennt. Hier liegest die Zellen, die in den Schreckenstagen stets mit Opfern der Gewalthaber überfüllt' waren, dunkle kahle Mauergeläsfe, in denen dis Armen eingepfercht würden, die nicht die Mittel hatten, sich bessere Behandlung zu erkaufen. Tie ist den Archiven ruhenden Akten erzählen im stoischen Gleichmut drkchütternde Geschichten Von dest Leiden der Insassen. In der ersten Zelle waten 26 Männer untergebracht, denen nur sechs Strohsäcke zum Nachtlager gegeben wärest; ist der zweiten gar 45 mit 19 Pritschest, in der dritten.38 Totkranke, die zusammen auf neun kümmerlichen Bettstätten dem Ende ihrer Leidest entgegentränmten. Ein jedes Gelaß hat so seine grauenvolle Chronik. Auch, die Franest Mußten die gleichest Entbehrungen erdulden, für 45 gefangene grasten lieferte mast 19 Strohsäcke, zur Nachtzeit mußten die ejammeimswertest einander int Liegen ab lösen, nist nicht übereinander zu lagern und zu ersticken. Doch neben diesen Bildern dch Schreckens tauchen auch andere auf, der Eitelkeit, der Koketterie, der Gefallsucht wurden selbst die mächtigen Mauern der Concier- gerie nicht zum Hindernis: Am Ende der „Rue de Paris" liegt der Frauenhof, auf dem sich selbst in den Tagen des Blutes wunderliche Szenen abspielten. Der Modegöttin entsank selbst im Gefängnis nicht das Szepter; am Morgen promenierten hier die vornehmest Gefangenen .in einem koketten Neglige, am Mittag sah mau sie mit eleganter Coiffure und sorgsam gekleidet zur „Promenade" ist den Hof tänzelst und am Abend erschienest sie gar in großer Toilette; hinter eisernem Gitter leuchteten dann die Färben der Blumen -auf, Seide knisterte' Und Federn ivogten vorüber. Am Hofe, im ersten Stockwerke, liegest bie Zellest, in denen die berühmten Frästen ihrer Zeit die Tage ihrer Gefangenschaft verbrachten: Hier erwartete Charlotte Eorday ihren Tod, hier trauerte die Fürstin von Monaco, hier schmachteten Josephine Beauharnais und Mme. Rscamicr nach Freiheit, hier erwartete die Dubarry die schreckliche Stunde, da sie ihren weißest, einst Von den kostbaren Diamanten geschmückten Nacken unter der kalten nackten Klinge der Guillotine beugest Mußte. Am Ende der „Rue de Paris" liegt ein schwarzes Gelaß, von schweren Eisenbarren abgeschlossen, es ist die Stätte, wo die zum Tode Verurteilten stöhnten und tveinteii, ehe man sie zum Richtplatz schleppte. Daun muß man sich bücken, um die enge niedrige Pforte zu durchschreiten, die zu der Kerkerzelle der Königin Marie Antoinette führt. Ein enges, düsteres Gelaß, nackte, kahle Mauerwände, kamst daß ein leiser .Abglanz des Tageslichts durch ein enges vergittertes Fenster durch blaue und grüne Scheibest sich mühsam einen Weg bahnt. Die eine ©eitern wand war einst durchbrochen und führte zu der Zelle, in der der gestürzte Robespierre sich zu dem gleichen Schreckensweg« rüstest mußte, den er vordem so' viele andere geschickt hatte.. Jist Girondistensaal, der heute als Gefängniskapelle dient, werden jetzt die Reliquien ausgestellt; mast sieht bereits zwei ©teintischL mit Medaillons der Mme. Elisabeth und Ludwig XVI., ein Porträt Marie Antoinettes und andere Bilder, die die letzten Lebens- stundeu der unglücklichen Königin veranschaulichen. * Der Gehorsame. Sie: „Um Gottes willen, .Karl, hörst du nichts? Ich glaube, es sind Einbrecher im Hause!" — Er: „Geh und verhandle mit ihnen. Mir hast du erst gestepst abend wieder gesagt, ich hätte hier im Hause nichts zu sagen!" Rösselsprung. jeder ge gang ganz sein ließ 013 sieht miß ben nes al unter was ver be tau der les re et reut hat der al jeder eine and ge er was ein les Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nninmer: Eberhard — Jdria - Nisib — Feldmans — Rabe — Jrtiseh - Salmiac; Ein frisches B a d. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,