Auf Liebespsaden. Roman von Si>. Ehrhardt. "Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) An diesün Morgen, da er endlich durch Sturzbader kalten Wassers etwas erfrischt und auch ernüchtert mit seiner Toilette so weit fertig war, dass er nach dem Kaffee klingeln konnte, war er direkt erleichtert, zu sehen, daß. ihm von dem Briefkuvert auf dem Tablett, das die Unschuld vom Lande täppisch vor ihn auf den Tisch stellte, nicht .Helenens feine, flüchtige Schriftzüge entgegensahen. Es war ein Brief von seinem Onkel, die endgültige Mitteilung, daß. er wegen des Verkaufs von Meusdorf lütt einem, Agenten in Verbindung getreten war und auch schon einige Käufer sich meldeten, von denen aber keiner bei den schlechten Zeiten, den Preis zahlen wolle, auf dem er bestehen müsse, wolle er nicht aus seine alten Tage noch irgend wohin als Inspektor gehen. „Es fällt mir schwer genug, mich ton Meusdorf zu trennen, mein Junge. Tas wirst du mir toielleicht nachfühlen können. Ter Landmann verwächst mit der Scholle, die er bebaut, mit dem Hause, das schon seine Eltern und Großeltern bewohnten, an dem er mit den Wurzeln der Tradition nnb der Erinnerung hängt, aber will ich nicht eines Tages gezwungen als Bettler. 'von Haus und Hof gehen, so muß ichs eben jetzt überwinden." Hans Hassingen liest sein Frühstück unberührt stehen, ihm war der Appetit vergangen. Er stierte vor sich hin, und es war nicht mehr Helenens rührendes Bild, das ihm mahnend vor dem inneren Auge stand. Tas Familienbewusttsein hob in schmerzlicher Empörung das Haupt, als grolle es einem Treulosen. Wo war der Reichtum, der Glanz, den er den Seinen hatte zurüekevobern wollen ? Tas Stammgut seiner mütterlichen Ahnen fiel in fremde Hände, daheim schleppten die Eltern ihr sorgenvolles Leben weiter, die junge Schwester kränkelte. Und er, der 'hatte Retter sein wollen? Er lag in den Banden einer Gefü'hls- schwärmerei, die ihm den Weg zur besieienden Tat versperrten. Lena von Riedings Millionen lockten mit teuflischem Gleisten. Er wehrte sich verzweifelt. Um diese Fran werben mit der. Liebe zu^einer anderen im zäh ausdauernden Herzen. Nie, Die Sorgenfalte auf der Männcrstirn grub sich, tief, sehr tief, die kräftige Hand ballte sich wie im Kampf. Sie war ein ganzes Gefühl wert, die Fran, ein Schurke, der ihr nur ein halbes anbot. Es, klopfte schüchtern an die Tür. Das blonde Mädchen mit den törichten, blauen Augen und dem dummen Lächeln im sommersprossigen Gesicht brachte einen Brief. „Das Fräulein draußen wartet auf Antwort." Er nahm das gelbliche Kuvert mit dem mattlila Siegel. Weilchenduft umschmeichelte ihn süß und tröstend. Eine steile, große Handschrift, lila Tinte. „Lieber Freund! Wollen Sie heut abend mit mir Tristan Und Isolde sehen? Und später bei Carlton mein Gast sein zu einem 1909 — Nr. 40 STp? " MA wSSr. Karnevalssouper ä beug? Dann holen Sie mich um 6>,4 Uhr ins der „Billa Maria" ab, in einem Wagen, bitte, ich bin doch sehr müde von gestern, aber abends leb ich wieder auf, wie Sie Nüssen. Dem Karnevalsgefährten einen Morgengrust! Lena von Rieding." Ihn durchrann es bei der Lektüre heiß und kalt. War Lr nicht ein Narr, daß er mit hundert Bedenken um die lockende Frucht herumschlich, anstatt skrupellos zu versuchen, ob sie nicht für ihn gereift war? Ganz verwirrt warf er nur ein paar Zeilen auf eine Visitenkarte, einen Dank und daß er pünktlich erscheinen würde/ knvertierte sie und gab sie dem neugierig zusehenden Mädchen'., Tann war es höchste Zeit, in die „Heilmühle" zu gehen, er stürzte nun doch noch eine Tasse kalten Kaffee hinunter/ weil ihm ganz übel war von all den Aufregiingen auf leeren! Magen, und machte sich dann aus den Weg. In der „Heiko mühte" war sein schwerer Schädel nicht der einzige, der seinem' Besitzer zu schaffen machte; Meisenberg sah grün aus inte eine zweitägige Leiche, er war auch in Mainz gewesen. „Habe Sie auch gesehen, Kamerad, aber wissen Sie, Karneval in Mainz und so exklusive Gesellschaft, ne, da kann ich ja gleich lieber einen Kasinoball mitmachen meine Frau hat sich diesmal übrigens als Diplomat gezeigt und die vornehmen Allüren nur in passenden Momenten verloren." Er lachte wiehernd, und die Korona, die mit von der Partie gewesen tvar, stimmte ein. Dem jungen Offizier tvar's beruhigend, daß dieses Lachen nicht Lenas Protege galt, es hätte ihn sonst verstimmt. Der kleine Artillerist gesellte sich erst zu ihm, als er das große Haus am Marktplatz verließ. Er hatte sich auch wieder mal ein Dampfbad, angeblich für seinen Rheumatismus, in Wahrheit aber für seinen Katzenjammer geleistet. Er war Noch schauderhaft unsolide gewesen, wie er dem Kameraden eingestand. „Decken wir den Mantel der christlichen Liebe über diese Karnevalsnacht!" Mit den salbungsvoll gesprochenen Worten schnitt er nähere Fragen Hassingens ab. Nach einigen! Schwanken erzählte dieser ihm von Frau von Riedings Einladung, der kleine Leutnant konnte vielleicht verhindern, daß abermals eine unliebsame Störung ihnen die Festfreude verdarb. „Glückspilz!" sagte dieser voll Ueberzenguiig. „Die Fran liebt Sie ja, Hassingen, ich hab sie gestern beobachtet, wie kichl sie den schönen Moeschen gelegentlich in seine Schranken zurückwies, und dann dieses Entgegenkommen bei Ihnen —" „Tas Ganze ist doch ein Karnevalsscherz, Keßler - - so gut wie sie „Kleiner" zu Ihnen sagt, von morgen ab tut sie's sichep nicht mehr." Aber der Artillerist war nicht überzeugt. „Eins ist nicht wies andere, wenn's auch äußerlich so aussieht. Es ist wie mit dem Kuß hn Karneval, er kann sehr wenig bedeuten, aber auch sehr viel — nun werden Sie rot, Hassingen/ und ich wünsche Ihnen nur, daß nicht etwa vor der feindlichen 158 Exzellenz die Rede miss Küssen kommt — dann wäre Ihr Erröten eiue fölgemsihwere Indiskretion gegen Fron von Rieding als vor mir." „Sie müssen doch immer necken, Keßler!" sagte Hasskngm ctlvaS verlegen. „Ja, lucmt die Leute mir nicht immer Angriffspunkte böten, wurde ich dos Necken schnell verlieren!" erklärte Leutnant Keßler mit Seelenruhe. „Aber jetzt sollen Sie Ruhe vor mir haben, mein einziges Wünschen heißt jetzt: Kaviar und weißer Portwein." Aus der Wilhelmstraße wogte schon wieder der Strom der Müssiggänger bei lochendem Sonnenschein. Auch hier bleiche, übernächtige Gesichter, blau umschattete Augen. Vergebens spähte Hans Hassingen nach einem goldbraunen Samtkleide-, heut erschien Lena von Rieding wohl nicht. In der Bodega empfing sie das Halloh einer animierten Gesellschaft. Iran von Schlettaus dunkle Augen glühten Haus Hassingen entgegen, daß ihn eine Empfindung beschlich tuic als Kind, wenn ihn int Park von Meusdorf eine Raupe am Halse emporkroch, und er dos haarige Tier geekelt ins Gras schleuderte und mit Füßen trat. Ta aber sein Begleiter sich schleunigst den Platz, neben der rotblonden Erika sicherte, blieb ihm nichts anderes übrig als. sich einen Stuhl neben die jugendliche Exzellenz zu ziehen, nach- den« er den Schriftsteller, der früh schon aus Mainz herüber- gekommen war, wohl in der Hoffnung, Fran von Rieding zu treffen, begrüßt hatte und einem zweiten Herrn, einem, n>ie er später erfuhr, Wiesbadener.Arzt vorgestellt worden wart Exzellenz erkundigte sich teilnehmend nach seinem Ergehen und bedauerte in lebhaften Ausdrücken, daß, er noch so wenig Erfolg gehabt habe. „Sie sollten es mal mit einer Kur bei unserem Doktor versuchen !" Sie wies mit der bräunlichen, beringten Hand auf den Fremden, der hinter blitzenden Brillengläsern ein Paar matte blaue Augen prüfend auf den Offizier richtete, im übrigen einen bürgerlich behäbigen Eindruck machte mit seinem stark hervvrstehendemj Leib, über dem sich, eine helle Weste, jvölbte, und deut bärtigen, gewöhnlichen Gesicht ans kurzem, gedrungenem Halse. Tie Exzellenz nickte ihm wohlwollend zu und fuhr fort: „Tiefer gute Doktor kuriert die Leute mit einer neuen Art Massage, Vibrationsmassage - er hat schon Wunderkuren vollbracht — auch bei mir schlägt seine Methode an - was meinen Sie wohl, Herr von Hassingen, iuie viel Aerzte schon einen vergeblichen Kampf gegen meine Nerven geführt haben - - Herr Baransky ist der erste, der mich schon teilweise von meinen Schmerzen befreit hat und dem ich schon einige Nächte Schlaf verdanke er ist mein Wohltäter geworden, weiß, Gott —" „Wenn Exzellenz ruhiger lebten, würde ich noch mehr erreichen!" siel der Arzt geschmeichelt ein und zog seinen schlecht Verschnittenen Bollbart durch die Finger. „Ruhig leben!" wiederholte die brünette Frau mit nervös zuckenden Augenlidern. „Sie haben gut reden, Doktor, »veil.Sie .anderes Blut in den Adern haben, mir liegt die Unruhe von jeher int Blut von einer ungarischen Großmutter her, die sich zu Tode getanzt, hat, trotzdem sie tausendmal vorher gewarnt worden war." „Hab' ich wohl auch etwas von dem Blut, Mama?" fragte, die kecke Erika naiv' und kokett zugleich. Tie dunklen Augen ruhten einen Moment weich auf dem blühenden, pikanten Gesicht der Tochter. „Es ist wohl anzunehmen, Kind, aber ich wünsche es dir' nicht." Tann wandte sie sich wieder dem blonden Offizier zu und begann ihm int halblauten Ton ernstlich zn einer Konsultation ihres Arztes zuzureden. „Er hat sich eben erst hier niedergelassen,. weil Wiesbaden das rechte Feld für seine Behandlung ist, er nimmt vorläufig kein Honorar von seinen Patienten, ihm liegt. vor allem daran, erst mal bekannt zu werden ich sag' Ihnen das, weil ich weiß, Sie haben den Arzt in der „Heilniühle" frei und wollen.' . nicht unnötig für einen solchen Geld nnsgeben, aber Sie können's doch versuchen, ich glaube, Sie werden's nicht bereuen." lind Hassingen, der nur zu begierig nach allem! griff, was ihm Genesung verhieß, ließ sich überreden und kündigte dem befriedigt schmunzelnden Arzte für den morgigen Vormittag seinen Besuch an. „Wo haben Sie eigentlich Fran von Rieding?" fragte der Schriftsteller über den Tisch, herüber. „Ich dachte, die Herrschaften wohnten in einer Pension." Er wandte sich an die Exzellenz, sein Monokel blinkte aus Da'wwer, er schnarrte ein wenig beim Sprechen. -Der boshafte Frauenmund verzog sich herbe/ denn Hassingen! hatte sich verfärbt und nahm, Gleichmut heuchelnd, einen Schluck aus seinem! Weinglase. „Wir wohnen weniger kostspielig, Herr Wonnck, als eine Frau, die über ein Vermögen von Millionen verfügt." Tie Frauenstimme klang feindselig. Im braunen Auge des Schriftstellers blitzte es auf. „Ich weiß nicht, Mama, was du willst!" mischte Erika! sich ein. „Sie wohnt doch auch nur in einer Privarpensiou, und int! Hotel ist es doch sicher viel teurer, ich. finde- überhaupt, daß sie von ihren Millionen sehr wenig hermacht, ivenn ich so reich wäre, ich wüßte ganz anders anfzutreten." Tie Exzellenz ärgerte sich, daß die Tochter ihre Feindin in Schutz nahm und sagte, wohl mit Absicht dem blonden Offizier zngewandt: „Bei der Frau ist auch die Einfachheit Koketterie, sie mußte: immer etwas Besonderes haben, schon an der Riviera damals, wenn sie nur den Herren gefällt, das ist ihr Lebenszweck." „Sollte das nicht die Absicht jeder Fran sein, Exzellenz? Wenn man so jung und schön ist wie Frau von Rieding, wäre es traurig genug, sie entzöge sich uns, dazu ist ja noch Zeit, wenn sie alt ist und verblüht." jScr Schriftsteller lächrlke harmlos, aber im braunen Ange hatte er ein spöttisches Glitzern. Hassingen wechselte einen Blick mit ihm und sah dann verstohlen lächelnd beiseite. Tas scharf gewordene Franengesicht war leicht erblaßt. „Ich kann diese Frau nun einmal nicht leiden!" sagte sie mit plötzlicher, schroffer- Ehrlichkeit. „Ich hege ein Mißtrauen gegen sie." Ihre Stimme lunrbe zum Flüstern, sie neigte sich näher zu dem Offizier hinüber und- fuhr fort: „Sagen Sie selbst, lieber Herr von Hassingen, ist es etwa passend, daß sie als so junge Fran nur von ihrer Jungfer begleitet in der Welt herutw- reist?" Hans von Hassiugens jugendliches Gesicht zeigte auf einmal die hochmütigen Linien, die es io jäh veränderten. „Ich meine doch, eine Taute wie Frau von Rieding schützt sich selbst, muß denn die Tugend durchaus immer einen Wächter haben? Wenn das notwendig ist, dann steht sie wohl ans tönernen! Füßen und bricht trotz der Gardedame zusammen." Tie Frau zuckte wegwerfend die vollen Schultern, als lvolle sie andeuten, daß der Gegenstand ihr einer weiterem Erörterung nicht wert war. Tor blonde Offizier hätte sie in dem Moment kalten Blutes erdrosseln können. sind als sie nach einer Weile alle Register der Liebenswürdigkeit gegen ihn aufzog und ihn anfforderte, sich ihnen! doch abends anzuschließen, sagte er Höflich, aber mit einer Knapp- heft, die sich jede nähere Frage verbat: „Ich muß danken, Exzellenz, ich bin heut abend bereits . eiugeladen." Sie verwand ihren Aerger nur schwer und hielt sich zum! Trost au die Zusage des Schriftstellers, der im stillen noch immer, hoffte, auf diese Weise doch noch zu einer Begegnung mit den braunhaarigen, reizenden Frau zu kommen. Gleich darauf empfahl sich Leutnant von .Hassingen unter einem Vorwande. Tie stickige Luft des engen Raumes erregte ihm! Ekel, die gehässige Exzellenz stieß ihn immer mehr ab. Mochten sie hinter ihm herreden, Keßler würde schon seine lose Zunge für ihn und seine Dame rühren, wenn es not tat. . Er aß heut allein Mittagbrot und hielt hinterher eine ausgiebige Ruhestunde. Ter jungen Frau ivollte er ungern mit matten Augen und fahlem Gesicht entgegentreten. Er blätterte daun zur Orientierung in dem Textbuch zu „Tristan und Isolde", machte sorgfältiger denn je Toilette und begab sich in einem Wagen nach der „Villa Maria". An einem Blumenladen unterwegs ließ er halten und erstand- zwei köstliche Marechal Niel-Rosen, lveil sie ernt' Tage vorher geäußert, es wären ihre Lieblingsblnmen, eine Aufmerksam- kcit mußte, er ihr doch- erweisen. Beklommen, als ginge er seinem Schicksal entgegen, stand! er dann inmitten eines kleinen, behaglichen, blumettdnrchdusteteM Salons, wohin ein -ältliches Mädchen mit treuen Augen in einem! sanften Gesicht ihn geführt hatte. (Fortsetzung folgt) 169 Das Volkslied in Gberhejfen.') Bott Pfarrer O. S chst! I t e, GroßeWindän. I. Wohl schon Mancher unter den Lesern hat den Vogelsberg cutmttl in der Frühlingszeit durchwandern Auch da hat ja dieses Gebirge einen großen Reiz. Tas Helle Grün der Wiesen, das junge Laub der Bäume, die kleinen Kuhherden auf den Wüstungen, bei denen die Hüte-Jimgen oder -Mädchen mit den Ringelstöcken als Hirten stehen, die Fernsicht, die allerdings selten sich dem Auge ganz klar zeigt — wer das alles bei warmem Sonnenschein und mit wohlgemutem Herzen sicht, der wandert ebenso fröhlich seine Straße, als weint die Glut des Sommers schwer auf dem Laubdache der Wälder liegt und man so kühl in ihrem Schatten dahin schlendert. Und vielleicht ist auch wohl schon dieser oder jener genötigt gewesen, in dieser Frühlingszeit an einem Sonntagabende in einem Gasthause der kleinen Dörfer cinzukehreii, die überall die zusamMcnliegenden eigentlichen Höhen, Hoherods- kopf, Taufstein, Geiselstein, umkränzen. Ta hat er, wenn es ein schöner, ruhiger Abend war, etwas erlebt, das er wohl bis heute noch nicht vergessen hat, Es zogen die erwachsenen ledigen Mädchen des Ortes,' Arm in Arm nebeneinander gereiht und die ganze Breite der Straße einnehmend, und dahinter die Burschen, ebenso gereiht, langsam die Straße auf und nieder, und dabei sangen sie, die Mädchen, wie sie sagen „hell" oder, „sein", d. h. die. erstes Stimme, die Burschen „grob", d. h. die zweite Stimme. Ans, der Nähe klang der Gesang nichts weniger als. schon: üngcschulk die Stimmen, schlecht die jAussprache, scharf'und' gestreßt oft die Töne. Aber ein wenig weiter ab! — wie wunderbar ergreifend! Wer von dcir Stadtmenschen .das.einmal recht gehört hat, der vergißt es nie. Macht es die meist schwermütige, und dabei doch, so liebliche Melodie? Macht, cs die Einfachheit des Liedes, das in so scharfem Gegensätze steht zu. der Musst des Konzertsaals und der Oper? Macht es, daß das Lied-so hiuausklingt in den stillen Abend, bald anschwellend, bald verhallend, je nachdem! die Sängerschar näher kommt oder weiter weg zieht? Man lauscht und lauscht und kann nicht müde werben zu hören, und noch bis in den Schlaf hinein folgen uns die Melodien. Wer einmal so singeir gehört hat, der hat ein Stück Leben des Volksliedes in Oberhessen gesehen. Wir wollen uns nicht lange mit einer B eg r if fsbe st im - m it it g des Volksliedes überhaupt aüfhaltcn. Es. ist, kurz gesagt, ein Lied, in dem das Volk sein Lieben und Hassen, seine. Freude und fein Leid, sein Urteilen und Wollen zum Ausdruck bringt. Aber unser deutsches Volk zerfällt wieder in mehrere Völksstämme und bei diesen, können wir wieder Unterabteilungen machen. Bei allem Gemeinsamen kommt doch wieder bei jeder eine gewisse Eigenart auch im Volksliede zum Vorschein. Tas oberhessische Volkslied hat einen ernsten, schweren Charakter, wie ja auch der Oberhesse das Leben nicht leicht nimmt. Es jubelt nicht, wenn cs auch von Freude weiß. Es redet gern von den Nöten des Lebens, ergreifend weiß es sie wiedcrzugeben, das Scheiden zweier liebenden Herzen, die Not unglücklicher sich Liebenden, den Jammer des Weibes, dessen Mann auf blutigem Schlachtfeld gefallen, die Klage der treulos Verlassenen, aber nie wird die Klage zu trost- loscM Seufzen und .Weinen: Es ist oft derb, sehr derb, und manche Lieder werfen auf den. Verkehr von Bursch und Mädchen nicht das beste Licht, und viele Lieder verdienen das Prädikat,^ das ihnen der VvlksMund gibt, „schlecht". Es weiß nichts von. Freiheitsdrang und Freiheitslust: Treue gegen Gott und die- irdischen Herren ist ihm ein nnverrücktes Gut. Es glaubt an Wunder und mancherlei geheimnisvolles Walten in dieser Welt. Es erzählt lieber, als daß cs. Empfindungen und Gefühle schildert, aber, wo sie durchbrechen, da weiß es für sie einen treffenden Ausdruck zu finden. Es kennt auch Humor und scharfen Spott, aber cs ist nicht der lustige, übermütige des Rheinländers. In das Lachen und Scherzen schaut zu sehr der Ernst hinein. Tas obcrhessischc Volslied kommt mir immer vor, als sei es der Kanal, durch den der seine Gefühle und Gedanken sonst so sorgfältig verbergende Oberhesse diese auSstromen läßt und auch ruhig ausströmcn lassen kann, weil es so gar nichts Persönliches an sich trägt und- doch dem' Ausdruck gibt, wirs ihn bewegt. .Wenn.ich aber also das oberhessische Volkslied charakterisiere, muß ich einen naheliegenden Irrtum ablehnen. Man kann sich vr-m Volksli.ede überhaupt leicht dieselbe Vorstellung machen, bic mtd) uh. besaß, als ich ansing, die Lieder zu. sammeln. Ich stellte nur vor, ein jeder deutsche Volksstamm habe seine eigenen Volkslieder, die Alemannen ihre alemannischen, die Bayern ehre bayrischen, dis Hessen ihre hessischen. Tie. singe er allein t?ine andern. Man wird ja von selbst in dieser Meinung bestärkt, wenn inan in so manchem Lied-erbuche Ueberschriften findet, wie die: Thüringisches Volkslied, alemannisches Volkslied usw. um so größer war meine Uebcrraschung, als ich am Anfänge meines Sauimelns vor etwa 17 Jahren in Engclrod, das int sogenannten „dicken" Vogelsberge, etwa 2 Stunden vom Hohe- rodsiövfe und Taufsteine entfernt liegt, auf einmal auf das Lted streß: „>zetzt geh ich. übers Brünnelein, trink aber nit". Das svar doch ein alemannisches Volkslied. Wie kam das in den 1i Nach dem am 20. Januar 1900 in der Hess. Vereinigung für Voltstuiide zu Gießen gehaltenen Bortrage, Vogelsberg? Zuerst glaubte ich, einen Sonderling vor mir zu haben, der, Gott weiß wie, dorthin verschleppt lvordcn sei und sich dem Sprachgebrauch angepaßt habe. Aber bald darauf sand rch Lieder, die auch im Rheinlande gesungen werden, so: „Cölir am Rhein, du schönes Städtchen" und andre mehr. Tas war doch seltsam in, dem weitentlcgenen Gebirgsdorfe, aus dem man damals noch bis zur nächsten Eisenbahnstation einen Weg von 3—4 Stunden harte. Meine Vorstellung, daß jeder deutsche Stamm' nur seine eigenen Keder finge, fiel hin. Ich lernte verstehcit, daß das Volkslied zum großen Teile Gemeingut des ganzen deutschen Volkes ist, daß -manches Lied keine Stammes- und Laudesgrenzeu mehr kennt, daß es wandert, meint auch jeder Bollsstamm nur die Lieder sich dauernd zu eigen macht, die seiner Denkweise, seinem Empfinden verwandt sind. Tie Bestätigung brachte mir, allerdings viele Jahre später, die reiche Sammlung der Odenwäldcr Volkslieder, die Lehrer Krapp in Tarm- stadt mit Unterstiitzung des Odenwaldklubs und des Großherzogl. Ministeriums des Innern unter dem Titel „Odenwälder Spinnstube" herausgegeben hat. Ich kann jedem Oberhessen nur empfehlen, sich dieses Büchlein, das Melodien und Texte enthält', und Nur 50 Pfg. kostet, so lange es noch keine ähnliche Sammlung vberhcssischer Volkslieder gibt, anzuschaffen. Wenigstens der dritte Teil dieser Lieder — so viel kann ich auf Wund meiner! Sammlungen schon jetzt fcststcllen — wird auch in Oberhesscni gesungen, und ich fürchte, daß kaum' ein Drittel eigener Lieder übrig bleibt, wenn einmal in Oberhessen alle Lieder gesammelt sind.' Tie Frage liegt nahe, wie cs denn eigentlich möglich sei, daß so viele Volkslieder in Oberhessen also wandern. Auf den ersten Blick scheint es, soweit die weltfremden Dörfer des Vogels- bcrges in Betracht kommen, nicht glaubhaft. Man stelle sich doch! einmal solch ein einsames Torf im Gebirge recht vor Augen. Biel Fremde sieht dasselbe das ganze Jähr hindurch' nicht. Gelegentlich kommt , einmal Besuch aus der Stadt, aber der bringt kerne Volkslieder mit, höchstens die neuesten Gasscnhaner, und es' ist ganz ergötzlich zu sehen, wie die Spiunstubcn im Gebirge sich zu ihnen verhalten. Natürlich preist der städtische Besucher solche schauderhaften Blüten der Dichtkunst und' Musik wie die: „Ist denn kein Stuhl da, für meine Hulda" als den Gipfelpunkt des Schönen. Man uimmtö auch auf, aber nicht für lange. Da dringt das natürliche Empfinden wieder durch, und es' wird vergessen. Auch die Touristen tragen nicht zur Verbreitung der Volkslieder bei. Die sind ja meistens selbst froh, wenn Jemand bei ihren Wanderungen ein Volkslied über die erste Strophe hinaus im! Kopfe hat. Eher kann man auf die Soldaten raten, aber die bringen ja aus ihrer Dienstzeit mßist nur Soldatenlieder mit Gewiß bilden auch die einen Bestandteil des Volksliedes, aber jedes an seinem. Platze. Sie sollten in der Kaserne, bei den Soldatenvereinen und den Zusammenkünften der Soldaten ihre Stätte haben, aber nicht in dem Gesang unserer Torfjugend sich emdrängen. Daß sie es doch tun, ist eine alte Klage unserer! Volksfreunde, und auch die Krapp'fche Sammlung hat ja dafür einzelne Beispiele. Aber wer ist denn Schuld daran, daß das Volkslied wandert? Einmal sind es die Knechte und Mägde, die sich nicht nur in die Heimatdörfer, sondern auch in die Fremde verdingen. Und dann trugen nicht unwesentlich die sogenannten „Strickgänger" dazu bei. Ende Februar, Anfang März, da die Bauersleute tüiin Meisten Zeit haben — die Wintcrarbeit ist vorbei, die Frülnahrszeit noch nicht angesangen — gehen die ledigen jungen Mädchen gern in die Nachbardörfer zur Freundschaft intfc* Bekanntschaft und die Knechte und* Mägde bekommen ein paar Tage Urlaub, um die Heimat wieder einmal auszusuchen. Es ist feie Ferienzeit des Bauersmannes. Eben diese besuchenden Mädchen, die überallhin den Strickstrumpf mitnehmen, heißt man die Strickgänger. Aber fie kommen an den fremden Orten nicht mir in die Familien, sondern sie werden auch dort in die Spiun- stnbe mit genommen, die, wie wir später zeigen werden, die eigentliche Hüterin und Pflegerin des Volksliedes ist. Tie- Kameraden aber int eigenen Torfe haben ihnen, als sic Abschied nahmen, zngerufcn: „Bringt uns neue Lieder mit!", und nun suchen sie Beute zu machen, andere, unbekannte zu lernen. Aber auch von ihnen selbst will die fremde Spinustubc, die sie besuchen, Vorteil haben. Das einzelne Mädchen weiß ein hier unbekanntes! Lied. Es !muß sich* deshalb mitten tu die Stube setzen und Vorsingen. Tie Andern geben Acht und lernen —. Sv wird* das Volkslied! zum* Wanderlied, so fliegt cs hierher und dorthin. Wenn in Ober Hessen die Verbreitung ans dem bezeichneten Wege geschieht, so mag im übrigen Deutschland der Verkehr ganz ähnliche Wege gehen. Immerhin kamt man auch in Oberhesseu eigene, diesem Lande allein eigentümliche Lieder finden. Einige tragen ja. sozusagen feen Stempel der Herkunft an der Stirite, so das bekannte Liedchen: Zu Lauterbach hab' ich mein Strumpf verlor'» Und ohne Strumpf geh' ich net heim, Trum geh' ich gleich wieder nach Lauterbach hin tbtfe* zieh mir den Strumpf an mein Bein. Es bezieht sich auf unsere Kreisstadt Lauterbach. Zwar gibt es Leute, die in Zweifel gezogen haben, ob diese wirklich gemeint! feit. Ter Lauterbach hat inzni ja mehrere in deutschen Landen, 2): Darmstadt, Elbert'fche Buchhandlung. 160 — Mer, um sich zu überzeugen, soll man nur emmal in die um Lauterbach Herumliegenden Orte gehen. Da ist es das bekannteste, längst parodierte und variierte. Ein anderes echt oherheppchev ist das kurze Liedchen aus dem Busecker Tal: O wär Tch eimual Im Bnsecker Tal! etc. Die Herrschaft „Busecker Tal" liegt hier bei Gienen. S Dörfer gehörten einst dazu, Altenbuseck, Grostenbuseck, Oppenrod, Rodgcu, Beuern, Bersrod-, Reiskirchen, Burkhardsfelden und Albach. Aber wenn nicht, wie hier, lokale Andeutung im Liede ,elbst den Weg weisen oder Anlehnung an bestimmte Sitten und Bräuche, bte nur in dieser Gegend- sich finden, geschichtliche Neberlreserung,^besondere Eigenart des Stammes oder dialektische charaktertstpchtz Form einen Schluß gestatten, ist die Bezeichnung, ob eigen, ob fremd, schwer zu machen, eben des vorhin geschilderten wandernden Charakters so mancher Volkslieder halber. Es sgibt aber dieser Lieder noch n n g e z a h l t c. Lae von om veranstaltete und von Böhme herausgegebenc Sanimlnng „Lreder- hort" hat ja nur einen Teil. Die deutschen Volkslieder sind noch nicht gesammelt, auch, noch nicht die Volkslieder m Oberhesfen! oder Starkenburg, oder Rheinhessen. Auch die „Odenwälder Sptim- stnbe" enthält ja nur einen Teil der Odenwälder Lieder. Witz Viele es gibt, davon kann uns vielleicht eine Mittcililng Pros. Tr Hauffer's auf dem Verbandstage der deutschen Vereine für Volkskunde, der nmi 2. Oktober vorigen Jahres zu Berlin ab- gekalten wurde, eine kleine Vorstellung geben. In nnserm Nach- barlande Oesterreich, werden sie ziir Zeit mit Unterstützung der Regierung, die jährlich- 20 000 Kronen dafür ausgibt, gesammelt, und der genannte Professor, der zunr Leiter der deutschen Sammlung bestellt ist, erwähnte, das; ein einziger Pfarradjunkt brS jetzt deren 1200 zusammengebracht habe. Im Ganzen seien 20 000 deutsche Volkslieder gesammelt. Allerdings hat er dabei nicht gesagt, ob und wie viele mehrfach dabei vorkämen. Scheffel in Särkingen. Tie Veröffentlichung der Briefe Scheffels an Friedrich Eggers durch I. Proells, die im Märzheft der Deutschen Rundschau, zum Abschluß gelangt, führt bis an die Schwelle jenes entscheidenden Moments in seinem Leben, da er, vom römischen Recht befreit, nach Rom zog, nm Maler zu werden, und dort seinen eigentlichen Dichterberuf entdeckte. Aber wir erleben in dieser vorbereitenden Zeit bereits die deutlichen Ansätze seines poetischen Gestaltungstriebes, sehen in diesen Briefen langsam die Knospe seiner dichterischen Begabung sich entsalten. Es ist der Schauplatz feines berühmten „Trompeters", auf dem er die späteren Motive seines Dichtens in Freud und Leid durchlebt, aus dem ihm Bilder, Situationen und Formen entgegentreten, die später in seinem Saug vom- Rheine und dem Ekkehard zu künstlerischem Golde ausgeprägt toerben sollten. Am 27. April 1850 schreibt er an den getreuen Jugend- und Kunstfreund: „Wenn Du eine Carte von Deutschland anschaust, so wirst Tri am Altvater Rhein, zwischen Schaffhausen und Basel die „getrewe und feste, Waldstadt" Saeckiu- gen vorfinden.... In diesem Saeckingen hat einst der heilige Fridolinus den schnöden allcmannischen Heiden die Lehre vom Kreuz gepredigt: und allhiero hauset, seit dem Neujahr 1850, Dein treuer Joseph, seines Zeichens Rechtspraktikant beim Bezirksamt, mit einem schäbigen Gehalt von 500 sl. jährlich und einem Herzen, das in der Schwarzwaldlust wjedcr merklich gesund geworden ist... Hier sitze ich bei zwei nie versiegenden Gesundheits- imtnneit, — bei einem prächtigen, kernhaften, eigentümlichen Landvolk, und bei einer sich ewig gleichen Natur, wo die Schwarz- tvaldtannen rauschen und in der Ferne die schweizerischen Alpenriesen gen Himmel ragen. O wenn Dsu sie nur einmal sehen und mit ihnen leben könntest, meine lieben Freunde, die Hauen- steiner; wie sie au einem Markttag oder zum Fest des Schutz- h eiligen nach Saeckingen konnnen, oder wie sie am Sonntag mit Saug und Klang in ihren Wirtshäusern Herumsitzen. Wenn so ein schmucker Bursch in altertümlicher Volkstracht, schwarzem Saniniet- schoben, rothem Leibchen bis fast an die Knie, kurzen Wadenhosen unb gesälteter Halskrause des- Wegs kommt^ oder ein rothwangiges Maidli mit enchetzlich hoher Taille und farbig zusammengewürfeltem Rock dis ans Knie, sammt rotheu Strümpfen, so ist mir's immer, als bätt' ich ein Stück realer Poesie, ein lebendig getvordenes Volkslied vor mir. Ich lerne zwar auch reichlich das kennen, was ein guter Staatshämorrhoidarius als Verdorbenheit des Volks bezeichnet; o es -wird entsetzlich viel geprügelt auf dem Wald oben, — und gesoffen, und Scheiben eingeschlagen, und bei den Maidliu zum Fenster hiueiugestiegen; aber Alles so primitiv, so gemüth- lich, als wenn nicht anders fein könnte." In diese „Schwarz- ivaldeinsa-mkeit" hinein spielt Scheffels Liebe zu dem anmutigen Vreueli, der Wirtstochtcr von W-illaringen im Hauensteiner Wald. Die kleine tapfere HaduMokh des „Ekkehard" trägt Züge dieses lieblichen Waldkiudes mitt den kastanienbraunen Zöpfen. „Und iueint einer erst," so gesteht Scheffel seinem Fritz, „das Glück oder Unglück hat, fragmentarische Studien darüber zu machen, lute sich die große Passion, die Liebe, im Herzen eines Schwarzwälder blauäugigen Kindes abspiegelt — in dem Schacht eines solchen Herzleins liegen mehr ächte Goldstufen, als in ganz Californien. Leider, leider schlägt hier die Lyrik in ein furchtbares Tragisches um; 'wenn der Bürger Tantalus, dereiustmals zu Grunde gieng, weil ihm die goldenen Früchte zwar vor der Nase hingen, aber nicht erreichbar waren, so ist das sehr -einfach; — wenn abest an einem spätem Reichsbürger so ein Waldröslein gar innig und sinnig heranfrankt, und sich au ihm und er an sie anschmiegen möchte, und er das Röslein doch nicht bricht, nicht weil er nicht will, sondern weil er nicht wollen darf, weil er ein Stück sittlicher Substanz- in sich hat und weiß, daß wenn ers thäte, inj Eonflict von Herz und Welt entweder der Egmont oder das Klärchen oder beide zusammen zu Grunde gehen müssen: so ist das gewiß eine tragische Dorfgeschichte." Aus Leben und Geschichte des einsamen Städtchens wachsen ihm poetische Gestaltungen auf. In lustigen Stunden sind es die weinfrohen Trinksprüche der Altvorderen, die ihn erfreuen, so daß „Stamm- und Gesellenbnch" des wohledlen Balthasar Kredercr, eines Ahnen mütterlicherseits aus dem 16. Jahrhundert; in einem archaisierenden Briefe an „syncn lieben Herzbruder, den Doctorenr Eggers zue. Berlin" ahmt er den altdeutschen Chronikstil mit all seinen lustigen und gravitätischen Schnörkeln nach und bereitet den Ton „Ekkehard" vor. In melancholischer Stunden wieder klingeii^die Töne und Stimmungen des „stillen Mannes" aus dem „Trompeter" an. Dabei gefällt ihm sein Beruf immer weniger. „Ich bin ein halber Hinterwäldler geworden und seit Jahresfrist aus dep mo-, benteit Cultur schier hinausgewachsen, dabei aber gesund und scharfkantig geblieben." Noch einmal möchte er als fahrender Schüler in die weite Welt ziehen, „ein halb Jahr in Italien gibt einens Wintervorrat sürs Leben, bann kann man euch wieder Lastthier sein und nach der deutschen Staatshämorrhoidariatsearriare bc8 „täglich dümmer und täglich brauchbarer Werdens" streben." Sein! „bester Kern ist immer noch der Zug zur Kunst"; den will er in Rom pflegen, nachdem er die amtliche Stellung im Schwarzwald aufgegeben hat. Und so meldet beim der letzte Brief aus Karlsruhe vom 17. Mai 1852, daß das Bündel geschnürt sei. „Dm deutsche Juristenwrtst abgeschüttelt, in sechs Tagen zieh ich nach Rom — als derselbig fahrende Schüler, wie er vor acht Jahren aus München ausgezogen. 'S Herz wird mit jedem Stundeuschlag wieder frischer, seit es die Gewißheit hat, der bat neuen missre wenigstens auf Jahr und Tag entrückt zu sein.' HumsriMcher. * Sein Ideal. Gerichtsvollzieher: „Mein Sohu svllemest anderen Beruf ergreifen, als ich. Wozu raten Sie nur c Student: „Lassen Sie ihn — Geldbriesträger werben * Zukunftsbild. Strolch: „Ich will nicht Ihre Börse, auch nicht Ihr Leben, fonbeut etwas Gas; mein Ballon ist tut, Sinken und wir befinden uns gerade über dem Zuchthaus von ClllCT ' * Sm Kaffeekränzchen. Vater (zu seiner Tochter, die dort mit ihrer Mutter war): „Nun, Aschen, lurc war s ? — Else: „Das kamt ich Dir nicht gut sagen, denn fortwährend wurde ick gebeten, ,mal auf einen Augenblick hmausziigeben! * Lakonisch. Baron: „Haben Sie mit dem Besuch schon gesprochen, Johann?" •— Diener: „Jawohl, gnä' Herr, er liegt broujicn ** , * Berschuappt. Frau Schulze: „Tiefe Nacht haben se sich wieder jräßlich gehauen hier an die Ecke. Nee, die Manner! — Sie müssen doch ooch imitier in Angst sind, Frau Muller t — Frau Müller (deren Mann Schutzmann ist): „Durchaus nich, Fran Schulzen; meiner seht jeder Prügelei aus dem Wege! Bilderrätsel. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels in vor. Nr.5 Madrid Arabien Borneo Italien Breslau Wien Euba Prag Budapest M a r i e u b a b. Nedaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiiidruckerei, R. Lange, Gieße«.