I N2W UW Bat 'riiäfK'S WRE iS ZamZLag den P. M A T * i A K W W I I »it Die Pflastermeisterin. Roman von Alfred Bock. I (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Der Meisterin tat es wohl, daß er so besonnen sprach !und sich ans freien Stücken den Kirmeßburschen nicht mehr zurechnete. „Weißt du, Friedmar," sagte sie zutraulich, „du bist ein dippeliger Mensch, 's ist Gutheit von mir, wann ich dir's sag'. Du rackerst dich ab die ganze Woch' und kriegst ja auch dein' Lohn. Aber wann du draus aus wärst, könnt'st du doch lang in dein' eigenen Sack pflastern." Der Obergesell sah die Meisterin mit großen Augen an. Eine leichte Röte lief über ihr Gesicht. Es fiel ihr schwer, die Unterhaltung in den Strom zu lenken, auf dem ihr Schifflein fortan mit neugeschwellten Segeln treiben sollte. „Mehr Ehrsucht müßt'ft du haben," fuhr sie fort, „daß du was vor dich bringst." „Ich weiß gar nicht, wo Ihr hinaus wollt, Meisterin." „Sacht, Friedmar. Ich hab' mir das schon ausgeklugt. Horch zu." „Ja, ja." „Guck, ich häng' nicht so am Geld. Dann was ich brauch', ^ab' ich. Ich will mein Ruh' haben. Ich möcht' ab vom Geschäft. No, wann ich's ansbiet', langen viele zu. 's plätschert nicht ins Faß, aber 's tröpfelt doch. Das wissen die Lent'. Eh' ich einen Fremden herein lass', mein' ich, du stehst mtr am nächsten. Dir gönn' ich's, Friedmar." Der Obergesell fuhr verlegen mit der Hand über den Kopf. „Ei, wie soll ich dann mit meinen paar Batzen so'u Geschäft in die Hand nehmen?" „Du brauchst kein Kapital. Meinethalben mag das Geld stehen bleiben. Ich drück' dich nicht. Du bist doch kein ver- bambelter Mensch, daß du nicht was verdienen könnt'st. Und wann du was übrig hast, zahlst du mir's ab." ,La, Meisterin, wann's aus die Arbeit draußen.ankäm', das sollt' mich nicht schenieren. Aber das Schriftliche mit den.Büchern. Da komm' ich nicht zurecht. Und das muß doch auch sein. Da tüt' ich mich verhoppassen. Und wann's drauf und dran ging', hätt' ich das Geld verlaweriert." „Für die paar Bücher find'st du jemand. Wann's weiter nichts ist." Die Meisterin sah den Gesellen warm an. Dieser fing den Blick auf, und plötzlich dämmerte ihm, daß die Meisterin hinter ihren geschäftsklugen Worten einen ganz anderen Klan versteckt hielt. Sollte er sich getrauen, über den Zaun zu gucken? Und wenn er abblitzte? No, dann blieb's in vier Wänden. Er zupfte heftig an feinem Schnurrbärtchen, strich mit der flachen Hand einige Male rasch über den linken Backen und sagte dann vorsichtig: „Ja, Meisterin, das möcht' schon angehen, wann Ihr selbst die Bücher versorgen wollt." „Ich? Ei du Hansel! Da braucht' ich ja nichts abzugeben itttb könnt' meine Sach' behalten." „So mein' ich's nicht, Meisterin. Wir könnten uns ioj zusammentun." „Was sollten dann die Leut' von der Kompaguieschäft denken?" Der Obergesell stand auf und trat mit hochrotem Gesicht an die Mei. criit heran. „Ich hab' mir das so vorgestellt. Wir lassen uns kopulier'«. Das heißt, wann ich Euch recht bin als Freiersmann."- Die Meisterin schlug die Augen nieder und sagte ruhig, aber ohne ihre Erregung völlig verbergen zu könuen: „Vielleicht schon. Freilich bedenk' ich mich, ob ich wieder in die Eheschaft treten soll." Nun geriet Friedmar ins Feuer. „Ich schaff' so lang für Euch. Ihr habt Euch über nichts zu beschwer'n. Das müßt Ihr doch selbst sagen. Ich halt' Euer Sach' hoch. Und Euch auch. Da fragt nur herum. Ich hab' so keine Schwad'. Und das Süßliche bleibt mir im Hals stecken. Aber ich schätz', 's müßt' geraten, wann ivir miteinander geh'n. 's wird Euch nicht gereuen. Ihr dürft ja sagen." Die Meisterin hatte keine Ursache, die Spröde zu spielen und den Friedmar hin und her zu zerren. Er ivar iHv auf halbem Weg eutgegengekommen. Und doch noch zaghaft fragte sie sich: „Ja, warum ist der jetzt so forsch drauf los gegangen?" „Du Einfalt," gab sie sich selbst die Antwort, „weil er dich leidlich find't. Bist du dann von der Straß aufgelcfen, daß du dich so gering acht'st? Der Friedmar weiß ganz gut, ivas er will. " Sie stand auf und gab dem Obergesellen herzhaft die Hand, „'s soll feilt, Friedmar. Der Berspruch gilt. Zu richten hab' ich nichts int Haus, 's ist alles an seinem Ort. Und mit der .Hochzeit kannst du's halten, wie du willst.^ Der Obergesell, der die Meisterin um Haupteslänge überragte, beugte sich nieder, seine Braut „abzuschmatzen". Das war so jäh gekommen. Noch sträubte sich etwas in ihr, dem Gesellen, der in .ihrem Dienst gestanden, zu Willen zu sein. Friedmar lachte kurz ans. „Wann's dir paßt, wollen wir über vier Wochen Hochzeit machen. Ich bin schnell fertig. Ich hol' meine Kist' und zieh' zu dir herein." Darauf setzten sie sich zusammen und besprachen die nächstliegenden Dinge, insbesondere die Hochzeit, die nun bevorstand. Biel Lärm sollte nicht gemacht iverdeu. Die nächsten Verwandten wollte man laden, die Nachbarschaft und etwa noch ein paar gute Kunden. Nachmittags sollte es einen Kaffee geben, abends ein Essen. Das war so der Brauch. „Dazumal," sagte die Meisterin, „ivie mein Manu selig nach Herrnberg als Hochzeiter kam, bracht' er die ganze Vetterschaft mit. Großschnauzige Menschen, die sich Gott weiß was einbildeten. Schon beim ersten Schälchen Kaffee ftngen sie mit den Herrnbergern Spektakel an. Die waren 422 | Die „Braut“. I Hochzeitssitten und 5p o chzeits g cbr än che im Vogelsberg. ZQ. ,. n Hochzeitshanse ist'alles bis ins kleinste vorgerichtet. I xn, der einen Seite des Schlafzimmers zieht sich eine lange I -Pasel hm, sie wird gebildet von drei Tischen, die man asi- I emandergerückt. An der gegenüberstehenden kleineren I Bwnd, darinnen die Stubentür sich befindet, steht ein etwas I kleinerer Tisch, ein gleicher quer an der Vorderseite. Tie I -Ische sind gedeckt mit blütenweißem Leinen, das früher I selbst^geivvben ivurde, setzt aber meist gekauft wird. Auf I den Tafelii stehen in langen Reihen die Goldkaffeetassen, I sre säumen ein die Teller, die hoch beladen mit Radanen- I und süßem Blechkuchen. Dazwischen thronen gesüll'e Wein- I s'Bscheu, !nährend die Branntweinkrüge auf' den Feuster- I banken stehen. Dieselbe Einrichtung findet sich auch in der I Kammer und in einer Oberstube des Hauses. I . Die Brant zieht sich mit Hilfe des Nähmädchens, das I den Braiustaat angcfertigt, vorerst mit einem einfachen, l schwarzen Tuchkleide — das seidene wird erst zur Kirche I getragen —- an zur ZiviIsta n ds: ra uu n g, die am Bormittage der Hochzeit im Schulhause stattfindet. Zn dieser gesetz- Ucheu Handlung folgen dem Brautpaare nur die zwei Zeugen, die Väter des Brautpaares (oder wenn der eine oder beide gestorben, andere nahe Verwandte). .. Tas^ Hochzeitshaus füllt sich nun mit den geladenen Hochzeitsgästeii. Man setzt sich aber noch nicht um die gedeckten Tische, sondern nimmt irgendwo int Hause Platz. Die „Bräutmahre" (Brautjungfern) haben am Vormittage in der Kirche den Altar geschmückt. Ein reicher Flor von Blattpflanzen und Blumen, künstlichen zum Teil, da es Winter ist, ziert den Altar; ein breiter Teppich liegt vor seinen stillen ansgebreiket; der Gang durch die Kirche ist mit Efeublättern bestreut. Vom Kirchturme, läutet die große Glocke das Zeichen, daß der Pfarrer eingetroffen ist. Jetzt ordnet sich auf dem Hose vor dem Brauthause der Hochzeitszug. Voran stellt sich das Brautpaar, ihm folgen zunächst die kleinen, meist weißgekleideten Mädchen mit Kränzlein im aufgelösten Haar, daran reihen sich die Brank- jnngfraueu, hiernach die Frauen. Nun kommt das männliche Geschlecht in derselben Ordnung: Knaben mit Sträußchen an den Mützen und Hüten, die Burschen („Bräul- burschen"), zuletzt die Männer. Heller Sonnenschein strahlt vom blauen Himmel, ein Zeichen guter Vorbedeutung für den künftigen Sonnen- schein. im Hause des jungen Paares, (ilebrigens legt man auch das gegenteilige Wetter, Regenwetter, als gutes Zeichen aus; mau sagt dann: es regnet der Braut Glück in den „Schnatz" (Brautkranz). Aus den Fenstern der Häuser, die die Straße eiuföitmcn, durch welche der Brautzug schreitet, gucken überall Neugierige. Andere ninstehen itt dichter Schar die Kirche, noch andere eilen in die Kirche, um hierin der Trauung beizuwohnen. Da läuten die Glocken in vollem Chore. Sic haben einen eignen Klang diese Hochzeitsglockei,! Ihr Ton läßt die Brant tief erbeben, Tränen perlen ans ihren Augen. Das Mutterherz bleibt auch nicht ungerührt, die Mutter zieht das Taschentuch und trocknet ihre Tränen. Sonst überall stolze, fröhliche Gesichter im Zuge. Der Brautzug zieht zur Kirche. Das vorauschreitende Brautpaar wird scharf aufs Korn genommen von den Augen der Zusehenden, insbesondere die Braut, die^sittsain zur Linken des Bräutigams schreitet. (Nach der Trauung geht sie rechts vom Bräutigam.) Sie besteht vor den Kennerblicken der Musternden, und man hört hier und da murmeln: „A schü Braut, die Minna! A schünes Bräntpoar!" dlnf der Orgelbank oben auf der Emporbühne in der "itujc sitzt der Lehrer und beobachtet scharf das Eingaiigs- kor. Da kömmt das Brautpaar' in Sicht. Die Glocke» schweigen, brausend fällt die Orgel mit vollen Registern ckuch nicht latsch und gabeu's gehörig zurück. Selbigmal ist der Pfarrer Schreiner dazwischen gekömmen. Sonst hätt's blutige Köpf' gesetzt." „No, ich bring' dir kein' Anhang mit," sprach Friedmar. „Aber uns' Gesellen und die Lehrbuben sollst du laden. Wann man so zusammeri schafft das ganze Jahr, gehört man auch beieinander, wo's lustig hergeht." Tie Meisterin war's gern zufrieden. Im Laufe des Gesprächs sorschte sie nach den „Leuten" ihres Verlobten in Fischbach, und wie's ihm vormals in seinem Heimatsort ergangen. Friedmar hielt nicht hiiiterm Berg und sprach sich offen aus. Da war nur noch die einzige Schwester seiner Mutter, eine alte, gichtbrüchige Frau, die nicht mehr vom Platz konnte nut) ärmlich in ihrem Häuschen saß. Von seiner Jugendzeit war nicht viel zu erzählen. Er war einer bliitarmeii Taglöhnerin Sohn, ©einen Vater hatte er nie gekannt. Als kleiner Knirps schon hatte er schaffen müssen, daß ihm das Blut aus den Nägeln sprang. Auch später, als er herangewachsen war, kam kein Geld in seine Finger. Der Mutter Löhnung reichte nicht ans, Nahrung, Holz und Licht aufzubringen. Da mußte er beispringen und tat's auch gern. Sonntags, wann die Burschen mit ihren Mädchen ins Wirtshaus zogen und ihren „Jacks" trieben, saß er still hinter den geflickten Fensterscheiben und rauchte feinen Knaster. Einmal, Himmelfahrt, hänselten ihn die Burschen, weil er keinen rechten Sonntagsstaat trug. Ta kam eine fürchterliche Wut über ihn. Teu'Laus- bubeu mußte er doch die Stange halten können. Damals kündigte er dem Sägmüller auf, wo er für siebzig Pfennig wi Tagloyn stand, und ging unter die Pflasterer. , Auf emmal glückt's ihn,, und er brachte sich vorwärts. Jetzt fah ihn in Fischbach keiner mehr über die Achsel an. Die Mutter starb. Er hatte ihr noch ein besser Leben machen komien. Das war sie wert, benn eigentlich hatte sie ihre Gutheit um alles gebracht. Es gibt so Menschen, die nichts abichlagen mögen und hintennach von den Nichtsnutzern verlacht werden, die sie ausziehen. Akkurat so war's der Mutter ergangen. Er selbst stand nun an den Dreißig. I Die Spinnstube und das „Geduschel" mit den Mädchen waren so an ihm vorbeigewischt. Deshalb ging er doch aufrecht und war kein Spielverderber. Aber geruhig war er geworden. Manchmal im Wirtshaus daheim war's ihm I Ipahig zu mut, wenn die Burschen sich wegen ihrer Scbatz- geschichten in beit Haaren lagen. Da fiel ihm der Schäfer- hannes in Fischbach ein, der auf dem Hang'saß und in sich hiueinlachte, wenn drunten seine Häinmel aneinander fuhren I Die Meisterin hörte mit Teilnahme und Spannung I bic Lebensgeschichte ihres Verlobten. Das gefiel ihr, das I er )o in'ch von der Leber weg sprach. Dabei kam seine! ganze Bravheit heraus. Kein Falsch war an ihm, ein Mann I von niteni schrot und Körn. Hatte es der Nachbar Kivping I mrvl immer gesagt? Und der hatte einen scharfen Blick I Die Meisterin legte nun das Mäntelchen der Zurück- I Haltung ad, das sie vorsorglich nmgehängt hatte, und trat I Mit vertraulichem Wort hervor: „Weißt du, Friedmar, dach du so in Armut aufge- I wachsen bist, war ja grausam hart für dich; aber geschad't I Ijflt dir's nicht. Grad' dadurch hast du dich aufgerappelt I und bijt in die Höh' gekommen. Guck, ich bin ja von ver- I möglichen Leut'. Deswegen hab' ich doch keine Zuckerplätz' I daheim gekriegt. Wo die Mutter früh fehlt, haben die I Äinber viel ausznsteh'n. Der Vater hielt uns unter der I Fuchtel. Gott könnt' einen bewahren, wann int Haushalt I was daneben ging. Daun war der Vater blau vor Zorn I Wie ich schon lange eingesegnet war, hat er mich noch ge- I ohrfeigt, daß es geklatscht hat." 's war ja mein Vater, I aber ich könnt' das ewige Geschrei nicht ertragen. Selbig- I mal hat mein Mann selig in Herrnberg gearbeit’. Der wollt' I miet) Par tu. Und ich hab' mich nicht gesperrt. Daun ich I wollt' aus dem Haus. No, und ich hab' mich nicht zu be- I klagen gehabt. Du hast den Meister gekannt. Der war I feit in seinem Sinn und von treuer Art. Wanu's manchmal I gefjogelt hat, das ging auch herum. Ihr habt all' euer I ©putzen, ihr Mannsleut'. Da muß man euch auskenneu." I . Der Lbergesell verzog seinen Mund zu einem behaglichen I Grinsen und sagte: „Ich hab' keine Angst, Meisterin. Wir I werden fchon miteinander auskommen. Und wann eins das I „Dippchen" mal überkochen läßt, setzt's das andere ruhig I boin Feuer. Da kann nie nichts passieren." (Fortsetzung solgt.j I 423 ein und begleitet mit ihren stimmungsvollen Klängen den Brautzug in seinem Anmarsch. Das Brautpaar nimmt Stellung auf dem Teppich vor dem Altäre. Im Halbkreise umstehen die kleinen Mädchen und Brautjungfern des Altares Rückseite. Ter männliche Teil des Hochzeitszuges begibt sich in das Chor, der weibliche Teil nimmt auf den Frauenbänken im Schiff der Kirche Platz. Die Orgel geht in zarte Register über und verstummt. Der Geistliche vollzieht die Trauung. Bei den eindringlichen, herzlichen Worten des Geistlichen fließen die Tränen an den Wangen der Braut hinab, auch die Mütter des Paares weinen, dazu feuchtet sich noch manch anderes Auge in der Kirche. Kräftig schallt das Ja des Bräutigams bei der ewig bindenden Frage des Geistlichen durch die Kirche, weich und nur ivie ein Hauch das der holden Braut, der die zart geröteten Wangen unter dem grünen Myrtenkranz ein gar liebliches Aussehen verleihen. Die der Braut zunächst stehende Brautjungfer nimmt ihr das Bukett ab (es fehlt dieses auch bei den ländlichen Hochzeiten nicht) und-hält dieses bis die Einsegnung vorüber. Während das Brautpaar, nachdem es die Handschuhe von der rechten Hand gestreift, sich die Hände reicht zum Bund des Lebens und der Geistliche die Einsegnung vornimmt, intoniert gang Pianissinn die Orgel : O, welche heil'ge Stunde! Tic Trauung ist vollendet. Der Geistliche drückt dem Brautpaar seine herzlichsten Glückwünsche aus. .Das Brautpaar umgeht den Altar und legt, in ein Papier gewickelt, das Opfer auf denselben, welches hernach in die Opferbüchse kommt, die später nochmals im Hochzeitshäuse zirkuliert. Die. majestätischen, frohen Klänge der Orgel begleiten nun h.en Auszug der „Brautleute" aus der Kirche, der in der gleichen Ordnung wie der Einzug sich vollzieht. Auf dem Rückzüge kracht hier und da aus einem Fenster oder einer verborgenen Ecke ein Schuß; es sind Ehrenbezeugungen/ die dem Brautpaare gelten, insbesondere dem Bräutigam, da er als Soldat gedient.*) Im Hause angekommen, nimmt das Brautpaar Aufstellung im Hausgange. Hier gehen nun alle Glieder der Hochzeitsgesellschaft an ihm vorüber, gratulieren dem Brautpaare durch Händedruck und wünschen ihm Viel Glück und Segen. Tie Gäste nehmen nun nach freier Wahl an ben gedeckten Tischen Platz. In der großen Wohnstube sitzen die Männer, in der Kummer die Frauen, einige davon auch in dem vorderen Raum; von der Oberstube nimmt die Jugend Besitz, und bei ihr plazieren sich auch — Minna und Heinrich, das junge Paar. Der Kaffee wird aufgetragen, nachdem bei vielen Männern ein Schluck ans einem Glase, das aus einem der Krüge gefüllt, den Borwärmer gespielt. (Früher folgte der Trauung statt Kaffee stets die Hauptmahlzeit, ein Gebrauch, der sich fast ganz verloren hat.) — Pfarrer und Lehrer als Ehrengäste sind anwesend; sie bleiben zum Hochzeitsmahle da, das gegen Abend folgt. Rach dem Kaffee wird Wein und Konfekt genossen, Dre Zungen lösen sich, die Unterhaltung wird reger, lebhafter; eilte heitere, fröhliche Stimmung bemächtigt sich aller Gäste. Die vorderen, oberen Fensterflügel werden geöffnet, um dem dichten Zigarrenrauch Abzug zu verschaffen. : Nicht jeder Hochzeitsgast ist indessen ein Freund von Wein und Süßem. Der alte „Hannjörg" sagt: „Aich, sei das Werk nitt gewuhnt; aich hake mich Hai läiwer on den," damit deutet er auf den vor dem Fenster hinter seinem Rücken stehenden Branntweinkrug und gießt sich eins nach dem andern ein. Wenn der Hannjörg erst an- geraucht war, oder „a wink innerm Dach" hatte, dann war er ein gar lustiger Kauz. Seine Witze und Späße erheiterten dann die ganze Gesellschaft und seine „Schlager" wurden mrt lautem Lachen erwidert. Deswegen sieht man den Haninorg auch sehr gern bei fröhlichen Anlässen, insbesondere bei der Hochzeit. . W/ ?er Abend hcreindäminert, bricht die Hochzeitsgesellschaft mit Ausnahme der bejahrten Leute auf und unternimmt unter dem Vortritt des Brautpaares einen Zug durch die Dorfstraßen, wobei den nächsten Verwandten em ganz kurzer Besuch abgestattet wird. (Schluß folgt.) *) Im Sommer werden dem Brautpaar manchmal Sträußchen ans den Fenstern geworfen. Johann Calvin. Zur 400. Wiederkehr seines Geburtstages (10. Juli). Von Dr. F r i tz M ittelmann (Berlin). Unter den großen Reformatoren des 15. und 16. Jahrhunderts ist Calvin der kleinste. Aber er ist der universellste Geist. Weder der einseitige nationale Fanatismus des Allslawen Huß beseelte ihn, noch die urwüchsige Kraft des durch und durch deutschen Martin Luther oder des national engherzigen Helden vom Cappeler Berge: Calvins innerstes Wesen ist sein Streben nach Universalität. Seinem klaren, scharfblickenden Verstände ging nachdrücklicher als allen anderen die Idee einer Einheit aller Evangelischen ans; wenn seine Bestrebungen gleichwohl scheiterten, so lag dies nicht nur an der Halsstarrigkeit der anderen Reformatoren, sondern zum großen Teil ail seinem eigenen, unbeugsamen, unnachgiebigen Sinn. Noch mehr als bei Luther steht im Mittelpunkt seines Lehrgebäudes das gedruckte Wort der Bibel, und was ihn überdies scharf vom großen Wittenberger Mönch unterscheidet, ist seine Stellung zur römischen Kirche. Hing Luther hie und da doch tiefer mit dem Papsttum zusammen als er sich selbst eingestehen wollte, so war dem Genfer Reformator diese Rücksichtnahme fremd. Er kämpfte mit dem heiligsten Eifer gegen Rom, wetterte gegen, Papst und Kirche in so persönlichem Haß, ja trieb seinen Fanatismus so weit, daß er die Forderung einer unversöhnlichen Feindschaft zu einer Art Dogma in seinem Lehrgebäude erhob. Als Calvin auftrat, hatte Luther bereits tiefe Breschen in den festen Wall des Papismus geschlagen, sein trotziger Kampf und sein glänzender Sieg hatte das Ansehen des Papstes mächtig erschüttert. Kämpfte Luther gegen eine bis dahin unbesiegte, ja. kaum augegrissenc Zwingburg, war sein tlnternchmcn tollkühn und verwegen bis zum äußersten: — ein einzelner gegen eine ganze Welt, und was für eine Welt! — so lägen für Calvin die Dinge anders. Er konnte lvciterbauen aus bem von den anderen Reformatoren gesicherten Fundament, und umfassender, umgestaltender eingreifen, da er von Hause ans freier der alten Kirche gegenüberstand: der Bruch mit Rom war für ihn nicht das glänzende Ergebnis eines fast übermenschlichen Seelenkampfes wie bei Luther, sondern das Ergebnis eines rein logischen Denkens. Gleich dem deutschen Reformator entstammte Calvin nicht den bevorzugten Kreisen. Er wurde, am 10. Juli 1509 in Royon in der Picardie als Sohn eines bischöflichen Sekretärs geboren und nachdem er bereits im Alter von noch nicht 1.2 Jahren eine Kaplanei erhalten hatte, wandte er sich aus den Wunsch des Vaters ganz der Theologie zu. Seine Erziehung genoß er zum größten Teile im Hause einer befreundeten Adelsfamilie und eignete sich dort frühzeitig den feinen Ton und jene gewandte Art des Umgangs an, die ihn so scharf von der grobkörnigen Derbheit Luthers unterscheidet. Mit 13 Jahren fiedelte Calvin icach Paris über und fand seiner tüchtigen Fortschritte wegen bald Aufnahme int Kollegium de Montaign, der selben Anstalt, in deren Hür- sälen wenige Jahre später auch Ignatius von Loyola den Grund zu seiner Bildung legen sollte. Tann studierte er, einer plötzlichen Entschließung seines Vaters folgend, einige Zeit an den Unioersi- täten Orleans und Bourges die Rechte und zeichnete sich durch großes Wissen bald so auS, daß man ihm aus freien Stücken den Toktortitcl antrug, den er jedoch ablehnte. Den größten Einfluß hatte in dieser Zeit der deutsche Humanist Melchior Volmar ans ihn, der Calvin für das Studium der Antike begeisterte.. Ter Humanismus, der in Frankreich bekanntlich in noch viel höherem Maße als in Teiitschland ein Hauptträger der Opposition gegen die herrschende Kirche war, brachte Calvin der Theologie wieder näher, zumal Orleans und Bourges starke Parteigänger der evangelischen Sache waren. Zunächst freilich teilte er nur lene konservative religiöse Opposition, die im ganzen auf dem Boden des Papsttums stehen blieb; an einen Luther oder Zwingli als Vorbilder dachte er noch nicht; ihn reizte vorerst noch der literarische Ruhm der Erasmus, Reuchlin und Lefövre. Bald aber vollzog sich ein tiefer Wandel in seinen Anschau- ungen. Nachdem er durch einen Kommentar zu Senecas Abhandlung „lieber die Milde" wegen der freien Gesinnung, mit der er darin die Grundsätze der absoluten Regierungsform geißelte, nicht geringes Aufsehen erregt hatte, vertauschte er beit Kodex des Justinian endgültig mit dem Evangelium und stand in Paris bald so int Vordergründe der reformatorischen Bewegung, daß man den erst Vieruudzwanzigjührigen als einen Hauptpfeiler der neuen Kirche schätzte. Doch obgleich Margarethe von Navarra, die Schwester Franz I. von Frankreich, ihm ihre besondere Gunst schenkte, mußte er aus der Hauptstadt und Frankreich fliehen, bis er nach langer Irrfahrt in Basel Ruhe fand. Von hier aus brachte er seinen bedrängten Glaubensgenossen in der Heimat Hilse, und zwar in einer Art, die die Welt in Erstaunen und Aufruhr versetzen sollte; mit der „Jnstitmio religionis christianae", dem Fundamentalwerk der Calvinschcn Lehre, beginnt für die Kirche des Abendlandes eine neue Epoche. Dieses für den sranzösischen Protestantismus kanonische Buch ist eine spstematische Darstellung der neuen Glaubenslehre, die wichtigste Tat Calvins, das Programm seines Lebens. Tie Lehre Calvins hat die Ernmgenschaften der deutschen Reformatoren zur notwendigen Voraussetzung. Von einer historischen Entwick- 424 Vermischtes Bilderrätsel V Redaktion: K> Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen gegessen?" - in die Sprechstunde „Schnepfenbraten. . war eingeladen!" aus freien Stücken aubot,ab und drohte, nicht mehr zu predigW, als man ihm das Geld mit Gewalt anfdrüngcn wollte. Fleckenlos lebt Calvins Namen in der Weltgeschichte fort. Und doch liegt auf seinem großen Leben eilt tiefer Schattens Daß auch in seinem Lande auf seinen Befehl ein Scheiterhaufen qualmte, kann ihm die Nachwelt nicht verzeihen. Der Prozeß gegen den Spanier Michael Servet bleibt trotz allem Deuteln und Entschuldigen, trotzdem Melanchthon und andere Größen nachträglich das Urteil unterschrieben, ein dunkler Punkt in des Reformators Leben. Servet war kein Ketzer, auch kein Jrrlehrer, die reinsten Absichten leiteten ihn bei seinen Versuchen, das Urchristentum wiederherzustellen, daß aber seine Ansichten von denen Calvins weit abwichen, wurde sein Verhängnis. Durch die Oppositionspartei von Gens, das er aus seiner Flucht berührte, in die inneren Händel verwickelt, wurde er auf Csalvins Befehl ins Gefängnis gesetzt und weil er standhaft den Widerruf verweigerte, am 23. Oktober 1553 öffentlich verbrannt. Zwei große Taten aus der letzten Zeit seines Lebens krönten feilt reformatorisches Werk. 1549 erzielte er eine Uebereinkunft mit den Züricher Theologen, der zufolge seine und Zwinglis Anhänger hinfort nicht mehr getrennt sein, sondern eine Gemeinde, eben die große reformierte KiTche bilden sollten, und int Jahre 1558 gründete er zu Genf ein Gymnasium, ans dem bald eine Universität hervorging, die ruhmreiche Pflanzschule der reformierten Theologie. Das Rektorat überließ Calvin seinem bedeutendsten Schüler Theodor Beza, er selbst war einfacher Professor der Theologie. Am 27. Mai 1564 schied Johann Calvin aus dem Lebern Tie gewaltigen Erfolge, sein unermeßlicher Einfluß hatten sein bescheidenes Wesen nicht zu ändern vermocht. Bis zuletzt war er Prediger von Sankt Peter und Lehrer des Wortes Gottes. Und einfach wie sein Leben war auch fein Sterben. Seine letzten Worte waren ein Verbot, ihm ein Denkmal zu errichten; ohne Auszeichnung wollte der Verkünder der staatlichen und religiösen Gleichheit mitten in seiner Gemeinde ruhen. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummerr Sagau, Satan. * Direkt. Eine höchst unverständliche Anwendung findet neuerdings das Fremdwort „direkt" in der Umgangssprache des gewöhnlichen Lebens. Solche Gedankenlosigkeiten verbreiten sich bekanntlich stets schneller als Gutes, und so schwatzt unüberlegt einer es dem anderen nach, — und noch mehr eine es der anderen, dieses lächerliche „direkt". So hört mau „das ist direkt unwahr", „das ist direkt gefährlich", „das ist direkt unmodern", „das ist direkt albern oder eine direkte Albernheit"; da wird ferner z. B. von einer Steuer behauptet, sie sei „direkt unästhettsch , oder von einem Angeklagten, er sei „direkt ein groger Wetberfrenud ; ferner liest man: die verfügte Aenderung ist direkt latsch; zur Zeit sollen Steine direkt knapp sein (in einem „Äiarktbermu ), diese Angaben sind durchaus erfunden, ja wir mochten sagen, direkt erlogen. Und so „direkt" es sich überall, als hatten Wir int Deutschen all die hübschen Steigerungswörtchen nichtnuchtt die so feine und vielseitige Abwechselung in das „direkte ^nietiet bringen könnten, wie: wirklich, wahrhaft, gewiß, gewysermahm, entschieden, ausgemacht, fürwahr, zweifellos, zweifelsohne,,»» zweifelhaft, unstreitig, unleugbar, augenscheinlich, chandgreMi^ geradezu, förmlich, vollständig, ganz, gänzlich, gründlich, ditrm und durch, vollkommeit, ganz und gar, durchaus — das fin» »ron volle Dutzend, und noch mehr findet mau in Lchlessmgs vegrm sich geordnetem „Deutschen Wortschatz". Aber wer wird sich dc>m die Mühe machen, in einem Buche nachzuschlagen oder auch nur in seinem eigenen Hirnkasten? Es ist ja eine ,,deckte Unverfrorenheit, an den „modernen" Menschen ein solches AnstMM zu stellen, nicht wahr? * Der Knicker. Arzt: „Was haben Sie denn gestern «beim — Patient (der einen schlechten Rock angezogen hat mw wechstnnde für Unbemittelte gegangen ist, zöger iw. . das heißt, nicht bei mir zu Hanse, lnng weiß dieser selbst wandel- und entwicklungslose Reformator nichts. Tie Philosophie und die Lehre der Kirchenväter scheiden für ihn aus, auch die letzten Anklänge an die katholische Kirche, mit der ihn niemals so feste Bande verknüpften wie den sein halbes Leben in Klostermanern weilenden Luther, verschwinden aus seinem System. Die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben, hie Ausgangs- und Mittelpunkt der Dogmatik Luthers bildet, steht Mich bei Calvin im Vordergründe, nur daß sie ihn zu ganz anderen Ergebnissen führt. Da der Mensch nach der Bibel unfähig ist, selbst fein Heil zu erwirken, so folgt für den Verfasser der Jn- flitittion mit logischer Folgerichtigkeit daraus, daß Bekehrung Und Nichtbekehrung, Seelenheil und Verderben allein in dem feluigelt Willen Gottes ihren Grund haben. Calvin kommt, somit Ku der Lehre von der Prädestination, bent Kernpunkt seines ganzen Systems. Der menschliche Wille, die menschliche Tat ist nichts, nur jenes ewige Dekret gilt, wodurch Gott „bet sich festgesetzt hat, was aus jedem Menschen werden soll". So wird ihm aus dem Buche der Religion eine Religion des BucheI, bereit fatalistische Auffassung an den Islam erinnert. Indem Calvin sich als strenger Feind aller Ueberlieferiiug erwies, verlieh er dem Einzelnen eine Bedeutung, die folgerichtig durchgesmhrt, zu einem absolut demokratischen Kirchenwesen führen mußte. Und was ferner mittelbar aus der Prädestination folgt, ist, daß das Leben der Gemeinde sich in den Bahnen vollendeter Sittlichkeit bewegen muß. Die unbeugsame, drakonische Strenge der Sittenzucht ist „neben der Predigt der reinen Lehre und der schristgemäßeu Verwaltung der von Gott hinterlasseneii Heilsmittel" das dritte und bedeutsamste Merkmal der Lehre Calvins. Das grundlegende Werk seiner Institution übersandte der Reformator mit einer freimütigen Widmung dem französischen Könige und wartete die Wirkung dieses Schrittes in Italien,pb, wo er sich einige Zeit am Hofe der evangelisch gesinnten Her- zogin von Ferrara aufhielt. Allein vor der Inquisition mußte er bald wieder nach Norden flüchten. Auf feiner Wanderung berührte er 1536 die Stadt Genf, wo die reformierten Prediger Wilhelm Farel und Peter Viret seit einigen Jahren die neue Lehre kündeten, und hier siel die wichtigste. Entscheidung für Calvins ganzes Leben. Es gelang Farels Ueberredung, ihn für das große Reformwerk zu gewinnen und den Widerstrebenden zum Verbleiben in Genf zu bewegen. Nun erstrahlte der glänzende Stern Calvins von Tag. zu Tag heller, in Kürze war er der beliebteste Prediger Genfs. Aber seine Wirksamkeit sollte noch ein» Mas jäh unterbrochen werden, denn der Boden für seine Tätigkeit war noch nicht reif. Als nämlich unter den Reformierten der Schweiz Zwistigkeiten ausbrachen und der Rat der Stadt Genf auf Berns dringendes Verlangen Calvin anfforderte, sich bei seinen Einrichtungen streng an die gemeinsamen Synodalbeschlusse zu halten, weigerte er sich standhaft und wollte in einer solchen Stadt, deren Ueppigkeit und leichte Sitten ihn ohnehin verletzten, auch nicht mehr das Abendmahl austeilen. Seine und Farels Verbannung war die Antwort von feiten der Stadt. 1538 begab sich Calvin über Basel nach Straßburg, wo er als Prediger jit der französischen Gemeinde tätig war und als Abgesandter der Stadt an den Religionsgesprächen zu Worms und Regensburg teilnahm, die ihn mit Melanchthon zusammenführten. In Straßburg jedoch, wo er sich auch vermählte, — mit einer Witwe Jdelette von Bur es, mit der er 9 Jahre in glücklicher Ehe lebte — sollte Calvin nur einige Jahre wirken, denn Bot- schast auf Botschaft vom Rate der Stadt Genf drang mit immer stürmischeren Bitten in ihn, denen er schließlich uachgab und im September 1541 die verlassene Tätigkeit in der Schweiz wieder ausnahm. Sein Einzug in Genf war ein Triumph; mit dem Augenblick, wo er die Stadt wieder betrat, war er unumschränkter Herr und Gebieter und blieb es mit ungeschmälerter Macht bis Wu seinem Tode. Genf mar' fortan der Mittelpunkt der neuem Lehre, die Kathedrale der Stadt wurde zum St. Peter der reformierten Christenheit. Wie Calvin in der Staatsregierung ein Anhänger der gemüßigten Demokratie war, so richtete er eine ähnliche Verfassung auch für die Kirche ein. Noch im Jähre feiner Rückkehr wurden die unter feiner Leitung entworfenen „Ordoniiances eeclssiastiques" angenommen, die ihrer Tendenz nach auf das apostolische Zeitalter zurückgehen und den Kern der neuen Kircheuverfassuirg bilden. Die Gemeinde ist fortan die Basis der gesetzgebenden und sittenrichterlichen Gewalt, die Ausübung liegt in den Händen eines aus 12 weltlichen und 6 geistlichen Mitgliedern zusammenge- fetjten Konsistoriums, dem Calvin präsidierte. Die Macht dieses reformatorischen Pfarrministeriums war unumschränkt, öffentliches wie privates Leben war ihm untertan, sogar vor der Schwelle der Häuslichkeit machte die drakonische Strenge des Genfer Papstes nicht Halt, der jedes Einreden des Rates aufs mirffamfte zu bekämpfen wußte. Auch in der Politik war Calvin bald der ausschlaggebende Faktor. Aber so hart und drückend sein Regiment war, man ertrug es doch schweigend und verzieh dem hartem sittenstrengen Manne, der gegen sich selbst Noch eiserner als gegen andere war. Von feinen 150 Talern Gehalt spendete er noch reichlich den Armen, lehnte eine Aufbesserung, die der Rat ihm