Donnerstag den 10. Juni nS Iffl W ml 1909 — Nr. 89 AZ -M^W 1 ■’<« I Brennende Liebe. Novelle von ClaraViebig. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ein seltsames Lachen verzog das düstre Gesicht des Sohnes: nun schlief sie — nun schlief sie — nun ging er — seine Oefen anstecken — Huh, ihn fror — da wurde er wieder warm — hei, wenn die Funken tanzten und*die rote Glut fauchte, einem entgegenschlug, als wollte sie einem das Hirn ausdörren — heiß, immer heißer,---ha, wer kam da, wer wollte ihn stören?! Zusammenschreckend blieb er plötzlich stehn, die Stirn wie im Schmerz krampfend. Außen drückte eine Hand kräftig auf die Klinke; die immer unverschlossene Tür gab nach, und aus der weichen Dämmerung des milden Sommerabends traten der Gendarm und der Gemeindevorsteher in die überheizte Dunkelheit der Witwenstube. „Schlaoft Ihr eweil schon?" sagte etwas verlegen der Gemeindevorsteher. „Häh, Kathrein, exrusört! Hört ehs!" Aber der Geridarm hatte den, deswegen sie kamen, schon beim Kragen gepackt und ihn uiedergeduckt mit einer Faust, die an Widerstreben gewöhnt war. Ofen-Willelm dachte nicht daran, sich zu sträuben; scheu die Schultern hochziehend und den Köpf zwischen die Schultern steckend, duckte er sich. Nur einen unzufriedenen, unbehaglichen Laut stieß er aus, wie unsanft aus dem Schlaf gestörte Kinder tun. Die Alte, die der laute Ruf des Gemeindevorstehers nicht geweckt hatte,, wurde jetzt sofort wach und setzte sich im Bette auf: „Willelm, wuh Kiste? Wat haste, Willelm?" „Hän es hei — nor ruhig," sagte der Gemeindevorsteher und tappte nach dem Herd, die Glut aufzüstören, daß sie hell leuchtete. „Kathrein, seid eweil verstännig, maacht kein Ambra!*) Dän Willelm hei, dän hole mir eweil eböes mit, dän — dän soll — dän muß — dän —" „Dän Willelm mitholen — waor dann?!" Das Weib stutzte. „Dän Willelm, nä, dän bleiwt hei," sagte sie kurz entschlossen und tastete nach ihren Röcken auf dem Schemel am Bett. „Bleibt nor liegen, bleiwt noren l St---!" Der Gemeindevorsteher wollte ihr die Hand auf den Mund legen, aber schon hatte sie die goldenen Knöpfe der Uniform Klinkern sehn, und in sinnloser Angst vor 'm Gendarmen einen hellen Schrei ausgestoßen. Mit beiden Füßen zugleich fuhr sie aus dem Bett und stand nun zitternd vor den Männern. Was wollten die hier?! Bei Nacht noch dazu?! In verständnislosem Entsetzen irrten ihre Augen von einem zum andern. Nun sah sie den Griff, mit dem der Gendarm *) embarras = Wirrwarr. ihren Willelm gepackt hielt. Was, was hatte ihr WilleW getan? ^Nichts hatte der getan, loslassen sollten sie ihn, gleich auf der Stell'! Zeternd ging sie gegen den Gendarmen an, aber der schob sie unsanft' beiseite. „Halt Euer Maul, Frau,' sagte er kurz, „macht Euch kein Ungelegenhcit. Voran!" Er stieß den Verhafteten zum Fortgehen in den Rücken. Aber die alte Frau packte ihn am Uniformschoß und hielt ihn fest mit ungeahnter Kraft. „Dän Willelm, dän Willelm," schrie sie in höchsten Tönen, „wat haot hän dann gedahn, wat haot hän dann gedahn?! Hähr Schandarin, och, laoßt hän doch hei, dän maocht jao sein Läwen kein Schpitackel, dän zieht jao gleich in't Bett, dän säuft net, dän zankt net, dän es alleweil ruhig — och, duht ihm neist! Jeses Maria, Hähr Schandarm, liewer Hähr Schandarm, duht dem Könd neist!" Die Zähne klapperten ihr in Furcht und Schluchzen; sie hatte den Uniformschoß fahren lassen und versuchte nun, rhren Sohn dem eisernen Griff zu entwinden. Sie wußte wohl selbst nicht, daß sie dabei kratzte und kniff. Der Gendarm hatte alle Mühe, das Weibsbild abzuschütteln, zumal sein Arrestant, durch das Beispiel der Mutter angesteckt, sich auch zu sträuben begann. Endlich schaffte ein kräftiger Stoß die Alte beiseite, und Handschellen!, im Nu aus der Tasche gezogen, fesselten den Verbrecher. „In't Kittchen —?!" Der gellende Schrei der Frau hallte von den rußigen Wänden wider. Sie lag auf den Knie en und rang die Hände: „Nikla, Nikla! Hähr Schandarm! Hährgott im Himmel! Wat haot hau dann gedahn?! Ech schwören, dän es esu unschullig wie neugeboren! Dän schnied't ke Gras uf andrer Leut's Wies, "dän bricht ke Aestche im Wald ahf — dän cs noch nie öwer dän Zaun gestiegen, für Aeppel zu pflücken beim Hähr Pastor —. glauwt et, glauwt et doch, bei meiner ewigen Tätigkeit, dän es esu ene gude Jung! Hän haot mer immer Kaffee on Zucker erufgeschickt, on en schwaarz Schörz für nach, der Kirch ze giehn, on hän haot sich ahffottegrafiere laoßen für sein Modder — on se alle Jaohr uf einen Dag besucht! Och, hän es esu gud, glauwt et doch noren! Ech will stärwen uf der Stell, wann ech net de pure Waohrheit saon! Ritla" — sie wandte sich flehend an den Ortsvorsteher — „Nikla, dir kennt mech seit Menschegedenk', saot, havn ech Eich je wat fürgemaach? Helft mer doch! Laoßt hän doch hei!"- Sie machte Anstalt, seine Kniee zu umklammern. „Seid doch net esu gäck, Kathrein," murmelte der Ortsvorsteher zurückweichend. „Eier Willelm kömmt jao bal redur, et es uor für dat hän sich ausweist — hat hän —; hm —!" Verlegen mied er den angstvoll sich einbohrenden Blick der Frau. „Hm, dat mer et zu wissen krieht — no, dat hän et net es, dän hei alleweil dat Feuer anfänkt!" „Dat Feuer — hei dat Feuer — ?!" Ganz verwirrt glotzte die Frau narb ihrem Herd. „Nä, dat sänken ech immer sälwer an!" — 354 „Och was!" Der Gendarm wurde ungeduldig; ohne viel Aufhebens hatte man den Kerl fortschaffen wollen, und nun dauerte das Gezeter schon so lange, daß bald die ganze Straße boll Neugieriger stehn 'würde. „Dummes Weibs- bild, von d e m Feuer is ja gar keine Red'! Brand hat er angelegt, der Schubjack! Vorau jetzt, marsch!" Er stieß seinen Häftling der Tür zu. Ter Willelm Brand angelegt?! Tie alte Frau hob verwundert die Hände. Es konnte einer glauben, ihr Willelm hätte Brand angelegt?! „Jesus Maria," sie schlug ein Kreuz und faltete dann die Hände, „esu en Sund!" Das war ja ein Verbrechen! Ihr Willelm ein Verbrecher? Das war ja beinah zum Lachen! „Ha, ha!" Sie stieß ein kurzes, aufgeregtes Lachen aus: „Mi, Hahr Schandarm, fit ebbes dicht däu Willelm net!" „Allons," sagte der Gendarm und schob den Willelm zur Tür hinaus. „Das wird sich ja finden. Hat der Kerl 's nicht getan, werden fe'it Euch scheu bald retour schicken!" Ja, das würden sie auch! Des war sie ganz sicher. * So bald, wie die Witwe Driesch sich'» gedacht hatte, kam ihr Willelm nun doch nicht zurück. Viermal schon lvar sie darum in des Ortsvorstehers Haus gewesen, und auf der Straße, auf dem Acker schrie sie ihm nach: „Häh, Nikla, wanneh kömmt däu Willelm redur?" Auch er wußte nichts, zuckte nur die Achseln und vertröstete sie, sah er ihr banges Gesicht und ihre verlangenden Äugen, mit seinem steten: „Seid doch uet esu gäck, Kathrei», Kän kömmt bal redur!" Nun waren schon vier Wochen in» Land gegangen; das Tamienwäldchen beim Torf strömte überstarken Harzdust aus, langsam sickernde, bernsteinfarbene Rinnsale tränten die rissigen Stämme hinab, alle Feuchtigkeit schien den Bäumen entwichen. Durch die Stille des August- Mittags hörte man das Fallen der Nadeln und das Knistern von Zweigen und Zweigleiri. Zu sehr hatte die Sonne ob ihnen geglast. Ueber die Felder kam mehliger Duft; das Korn war gehauen. In Schwaden lag's am Boden; die Weiber rafften, die Männer banden und setzten die Mandeln auf, und die Kinder, die jetzt frei an der geschlossenen Schultür vorüber durften, liefen über die Stoppel und sammelten die verstreuten Aeyren. Das Dengeln der Sensen am Feierabend, oiese eintönige Musik des Torfes, hatte aufgeyört, dafür knarrten jetzt am Tag die Ochseuwagcn über die zu tenuen- hartem Lehm gebrannte Straße hinaus, und „hott und Hahr" und Peitschenknall erschütterten die Luft über den flimmernden Feldern. Alles lvar draußen. Nur Kathrein Driesch nicht; die hätte nichts zu ernten. Still saß sie in ihrer Hütte und hörte, war das Rattern der auszieheudeu Wagen verstummt, nichts als das Surren der Fliegen und da» Knastern des Reisigfeuers im Herd. Sie schürte, wie immer, denn wenn er heimkam, sollte er's doch nach seinem ,,EH»"*) finden. Und wie sie so dasaß, lässig die Hände, — sie konnte nicht arbeiten, was auch, lvozu auch, er lvar ja nicht da — kamen ihr die Gedanken: Jesus, weim sie dem Willelm was antaten?! Wie lauge hielten sie ihn denn nur da?! Nun glaubte sie dem Nikla nicht mehr — der log ja, trotz {einer grauen Haare! Der wich ihr aus: gestern abend hatte ie's deutlich gemerkt. Da lvar sie aus ihn zugelaufen, gerade als er vorm beladenen Erntewagen her Heimschritt, die Heugabel über der Schulter. „Wanneh kömmt däu Willelm?!" Er aber hatte den Kopf auf die Seite gedreht und übers Wetter angefangen mit seinem Sohn, dem Matthes, der hinter ihm schritt. „Häh, Nikla?" Wär er taub? Sie hatte ihn ange- packt, am Hemd vorn bei der Brust, und hatte ihm ins Gesicht geschrieeu: „Wanneh kömmt hän?" Nun mußte er's doch Hören- Aber statt ihr Antwort zu geben, war er unwirsch gelvorden: „Laoßt mech in Ruh," und hatte den Ochsen, die uni et in Joch, die Köpfe gesenkt, mühselig daher schnauften, mit der Peitsche eins übergehauen: „Häh, häh, Luderzeug, voran, häh, häh," und war schnelleren Schritts weitergezogen mit *) ä son aise — bequem. Napoleon I. und die Literatur. Bon Tony Kellen. (Nachdruck verboten.) Mitten zwischen den großen Schlachten, über die wir aus Anlaß ihres 100. Gedenktages jetzt so häufig Artikel in den Zeitungen lesen, fand Napoleon noch Zeit, sich mit den verschiedensten geistigen und wirtschaftlichen Angelegenheiten zu befassen. Man weiß ja, wie umfassend sein Interessengebiet war und mit welchem Scharssinn er selbst die ihm scheinbar fernliegenden Tinge durchdrang. Weniger bekannt aber ist seine Kenntnis der Literatur und seine Bücherliebhaberei, und es dürfte deshalb manchem erwünscht sein, etwas Näheres darüber zu erfahren, zumal er sich vor genau hundert Jahren mit der Zusammenstellung einer eigenen, ganz nach seinem Geschmack ausgcwähltcn Bibliothek befaßte. Tie Vorliebe Napoleons für Bücher stammt schon aus seiner Jugend. Freilich war das Motiv derselben mehr der Wissensdrang als die reine Bibliophilie. An der Fürstcntafel in Erfurt erzählte er selbst: „Als ich erst Leutnant in der zweiten ArtiUcric- kompagnie war. . ." (da die kaiserlichen und königlichen Gäste über diese Erinnerung betroffen waren, Hub er nochmals an:) „Als ich die Ehre hatte, ein einfacher Leutnant in der zweiten Artilleriekompagnie zu sein, lag ich drei Jahre zu Valence ür Garnison. Ich liebte viel Gesellschaft nicht und lebte Zehr zurückgezogen. Durch eine günstige Fügung wohnte ich bei einem Buchhändler, einem sehr unterrichteten und wohlwollenden Manne. Ich las zu wiederholten Malen während der drei Jahre, die id) zu Valence in Garnison stand, seine ganze Bibliothek durch, und ich habe nichts vergessen, selbst von den Dingen, die in keiner Beziehung zu meinem Beruf standen." . So lange seine Mittel knapp waren, wird er sich wohl nidjt viel Bücher nngeschafst haben. Als er aber auf den .Kaiscrthrvu gelangt war, faßte er den Plan, für seinen Bedarf eine eigene Bibliothek drucken zu lassen, und zwar sollte dies, da er fast immer auf Feldzügen unterwegs war, eine Reisebibliothek sein. Wie er swl diese dachte/ ersehen wir aus dem Schreiben, das auf )ei|U’n Befehl Baron Mencval am 17. Juli 1808 aus Bayonne an Barbier, den Bibliothekar des Kaisers, richtete. Dieses merkwürdige Schreiben lautet: ■ . K „Ter Kaiser wünscht eine Handbibliothek von ungefähr tauieno Bänden in Klein-Tnodez und in schönem Druck zu haben, -»er Sohn Und Kitecht und mit dem Enkelkind hoch oben auf den goldenen Korngarben. Und sie hatte ohne Antivort dagestanden lind wie tiefsinnig zur Erde auf die weißen Schaumflocken gestiert, die den angestrengten Ochsen aus dem Maule geklext waren. Warum hatte ihr der Nikla nicht stand gehalten?! Die ganze Nacht hatte sie darum nicht schlafen können, und wenn sie auch fleißig gebetet hatte, Ruhe hatte sie doch nicht gefunden. Sonst hatte der Nikla doch gern mit ihr ein Wort ausgetauscht, nie wär er ihr vorbeigegangen?! Jäh ward sie des plötzlich inne: auch andere wichen ihr aus! Ihr Nachbar zur Linken, Heid's Josef, dessen Häuschen sich so dicht an das ihre lehnte, als wären die zwei eins, sah sie früher nie hinten int Gärtchen Unkraut jäten oder ihren Kappe» begießen, ohne daß er sich über den Zaun lehnte, mit ihr ein Schwätzchen zu halten — und ihre Nachbarin zur Rechten, die Schueidersch, eine Wittib' wie sie, die nur die Hand zum Feustercheu herauszustrecken brauchte, um än ihrem Feustercheu zu pochen, hatte auch schon seit Tagen nicht bei ihr angeklopft. Was hatten die beim — sie war sich keiner Unfreundlichkeit bewußt und einen Klatsch hatte sie nicht an gefangen — wär's etwa wegen dem Willelm?! Jesus, der arme Jung, was hatten sie nur gegen den? Und er hatte das Vieh doch so sorgsam gehütet; jede Küh war ihm lieb, und war ein Ferkel müde, so trug er's heim auf den Armen. Nein, einen so guten' Hirten kriegten sie nie wieder. Jetzt mußte das arme Vieh immer int dunstigen Stall bleiben, niemand fand während der Ernte Zeit, es ins Freie zu treiben. O je, die würden schon noch einseheu, was der Willelm wert war! Aber so waren die immer gewesen: ist ,einer lauge in der Fremde draußen, der ist nicht mehr einer von ihnen — und nun gar der Willelm, der besonderer war als alle, den guckten sie scheel an. Mochte auch sein, daß sie ihm das Geld, das er als Rente bezog — wie ein pensionierter Herr — neideten, ihm's vielleicht auch nicht gönnten, daß er dazu noch den Posten als Gkmeindehirt gekriegt hatte. Es langte nun so schön für sie beide'; nun brauchte sie auf ihre alten Jahre nicht mehr in Tagelohn gehen wie früher — ach ja, was war ihr der Willelm doch für ein Glück! Andere Männer in seinem Alter haben längst Fran und Kinder, aber sie hatte den Sohn noch so ganz für sich allein! (Fortsetzung folgt.) 355 Kaiser will, das; diese Werke zu seinem besonderen Gebrauch ohne Rand seien, um keinen Platz zu verlieren. Tic Bände sollten 500 bis 600 Seiten stark sein, mit gebrochenem und abgelöstem Rücken gebunden und mit möglichst dünner Decke. Diese Bibliothek sollte aus ungefähr 40 Bänden religiösen Inhalts, 40 Bünden epischer Dichtungen, 40 Bänden Theater, 60 Bänden Poesie, 100 Bänden Romane, 60 Bänden Geschichte bestehen. Ter Rest bis tausend würde durch geschichtliche Denkwürdigkeiten aus allen Zeiten nus- gefüllt werden. Tie religiösen Werke wären das Alte und Neue Testament in den besten llebersctzungen; einige Episteln und die wichtigsten anderen Werke der Kirchenväter, der Koran, Mythologie; einige ausgewählte Abhandlungen, über die verschiedenen Sekten, die in der Geschichte am meisten Einfluß gewonnen haben, z. B. die der Arianer, der Kalvinisten, der Reformierten nsw., eine Kirchengeschichte, wenn sie in der vorgeschriebenen Bandzahl begriffen werden kann. .. ~ , Tie Epiker wären Homer, Lucan, Tasso, ^elemach, Die Henriade usw. Tie Tragödien: von Corneille nur das, was sich auf der Bühne erhalten hat; von Racine Tie feindlichen Brüder, Alexander und Tic Prozeßsüchtigen nuszuschlicßcn, von Crobillon nur Rhadamist, Atrcus und Thyest aufzunehmen, von Voltaire nur das, was sich auf der Bühne erhalten hat. Geschichte: einige gute chronologische Werke auszunehmen, sowie die bedeutendsten alten Urtexte und das, woraus man französische Geschichte in allen Einzelheiten kennen lernen kann. Man kann die Abhandlungen Machiavellis über Titus Livius, den Geist der Gesetze,"Die Größe der Römer und was man von den Geschichtswerken Voltaires mit Recht behalten kann, unter die Rubrik Geschichte ausnehmen. Romane: Tie neue Heloise und Die Bekenntnisse von; Rousseau. Die Meisterwerke Fieldings, Richardsons und Leagcs usw. dürfen natürlich nicht fehlen; die Erzählungen von Voltaire. Man darf von Rousseau weder den Emile, noch eine Menge unnötiger Briefe, Denkschriften, Reden und Abhandlungen aufnehmen; das nämliche gilt von Voltaire. Der Kaiser lvünscht einen sachlichen Katalog mit kurzen Bemerkungen zu erhalten, die die bedeutendsten Werke bezeichnen, und einen Bericht über die vermutlichen Truck- und Buchbinderkosten dieser tausend Bände, ferner darüber, welche Werke eines jeden Schriftstellers jeder Band enthalten könnte, was jeder Band wiegen würde, wie viele Kisten nötig wären, von welcher Größe diese sein müßten und welchen Raum diese einnehmen wurden." Wie man sieht, mutete Napoleon seinem Bibliothekar nicht gerade, eine besonders dankbare Arbeit zu. Barbier sollte eine Zusammenstellung von Werken machen, die tausend Bände füllen würden, aber er durfte nur solche Werke auswählen, die Napoleon genehm waren. Ta wäre es natürlich viel einfacher gewesen, wenn Napoleon seinem Sekretär das Verzeichnis der Werke diktiert hätte, die er in seiner Reisebibliothek vereinigt zu sehen wünschte. Bald kam er übrigens darauf, daß 3000 Bände für die geplante Bibliothek nötig wären, die man auf 30 Kisten verteilen könnte. Von jedem Buche sollten 50 Exemplare gedruckt werden. Tie Kosten für Satz, Papier, Druck und Binden berechnete Barbier ans 4 Millionen Franken. Dazu wären dann noch die Ausgaben für 125 Kompilatoren, 25 Schriftsteller und einen Dichter aus die Dauer von 6 Jahren gekommen. Tie Herstellungskosten waren wohl etwas reichlich bemessen und sie waren dem Kaiser ofsenbar zu hoch, denn er verzichtete darauf, sich für seine Reisebibliothek die Bücher selbst drucken zu lassen. Barbier mußte ihm nun aus vorhandenen Ausgaben eine Bibliothek zusammcnstellcn. Hierauf bezieht sich folgendes Schreiben des Baron Meneval an Barbier: „La Malmaison, 20. März 1809. Der Kaiser fragt nach, ob seine Reisebibliothek bereit ist. Ich empfehle Herrn Barbier, mit Ansmerksamkeit ;u_ wählen und vortreffliche Bücher auszunehmen, denn Sc. Majestät hält darauf, etwas Ausgezeichnetes zu haben, sowohl hinsichtlich der Wahl der Bücher, als hinsichtlich der Schönheit der Ausgaben' und der Eleganz der Einbände. Wenn die Epiker noch nicht' dabei sind, so darf man keinen Augenblick verlieren, sic hineinzutun." Nun beeilte sich Barbier, die Auswahl zu vollenden und Napoleon nahm die Bibliothek mit auf seinen Feldzug in Oesterreich. Kurz nach der Einnahme Wiens und wenige Tage vor der zweitägigen Schlacht bei Aspern und Ehling ließ er folgenden Brief an Barbier schreiben: „Schönbrunn, 14. Mai 1809. Ter Kaiser hat gefunden, daß seine Bibliothek schlecht bestellt ist. ES sind darin viele nutzlose Bücher. Zu diesen gehören die folgenden Werke, die Se. Majestät aus der Bibliothek hat cnt- scrnen lassen: die Werke von Parny, 5 Bände, 12°; die Werke von Bcrtin, 2 Bände, klein 12°; das Theater der Dramatiker zweiten Ranges, 8 Bände, 12"; die Abhandlungen über Tacitns und Gallust, 4 Bände, 12°; die Lebensgcschichtcn der berühmten Seefahrer, 12 Bände, klein 12°; die Briese von Terpaty über Italien, 3 Bände, 12°; Tic drei Reiche der Natur von Delillc, 2 Bände, 12°; die Geschichte Jovians, 2 Bände, 12°; die Briefe der Ran von Sövigna, 11 Bände, 12°; die Hirtengedichte, 1 Band, 12°; die Äusgewählten Stücke von Busfon, 1 Band, 12°; die Denkwürdigkeiten von La Ro'uchesoucauld, 1 Band, 12°; die Er- iunerungen von Fran von Eaylus, 1 Band, klein 12°; die Kölner Bibel, 1 Band, 12°; die Jliade, 2 Bände, 12°; den Tasso, 2 Bünde, 12°; den Camoöns, 3 Bände, 12° die Aeneide, 4 Bände, 12°; den Milton, 3 Bände, 12°. Die sechs letzten Werke sollen aiisgetanscht tverdcu und zwar gegen eine Bibel von Sach, 12°; eine Jliade, klein 12°; einen Tasso, klein 12°, italienisch und französisch; einen Camoäns, klein 12°, emp Aeneide in Prosa, klein 12°; einen Milton in Prosa, klein 12°. Ter Kaiser will, daß kein poetisches und literarisches Werk in 12° sei. Dieses Format muß allein für geschichtliche Werke und Chroniken Vorbehalten werden. Die Sammlung der griechischen Romane ist in einem zu großen Format. Tic Kölner Bibel ist schlecht und unleserlich gedruckt. Tic Acncidc und der Milton sind in Versen; Sc. Majestät wünscht prosaische Uebersehungen. Elf Bände von der Fran von Savigna nehmen zuviel Platz ein; man sollte eine Auswahl ihrer Briese in einem kleinen Format suchen. Alle übrigen Briefe sind als nutzlos verworfen worden. Sc. Majestät wünscht, daß Herr Barbier folgende Bücher schicke, um sie zu ersetzen: einen Tacitns in französischer lieber» setzung in 12°, einen Gibbon in 12°, einen Diodorns von Sizilien in 12°, das Gedicht vom Mitleid, klein 12°, einen Gil Blas in klein 12°. Tie Denkwürdigkeiten von Rctz sind auf sehr häßlichem Papier und schlecht gedruckt; man muß sie gegen ein besseres Exemplar vertauschen. Somit sollte man folgende Werke schicken: 1. einen Tacitns in französischer Uebersetznng, 2. einen Gibbon, 3. einen Diodorns von Sizilien, 4. die Denkwürdigkeiten von Retz, 5. eine Auswahl aus den Briefen' der Frau von Seoigne, 6. eine Bibel von Sach, diese 6 Werke in 12°, 7. eine Jliade, 8. eine Aeneide in Prosa, 9. einen Tasso, italienisch und französisch, 10. einen CarnoanS, 11. einen Milton in Prosa, 12. eine Auswahl der griechischen Romane, 13. einen Gil Blas, 14. das Gedicht vom Mitleid. DieS alles lvon Nr. 7 an) in möglichst kleinem Format. Auf Befehl des Kaisers: Mencväl." Es mag Barbier wohl nicht leicht gewesen sein, all diese Werke gerade in den angegebenen Formaten ausfindig zu machen. Napoleon legte nämlich Wert ans kleine Bände. Tas Duodezformat der Franzosen entspricht dem deutschen Oktavformat, das z. B. für Romane allgemein üblich ist. Schöngeistige Werke wünschte er nur in einem kleinen Format zu besitzen. Auch sonst erteilte er zuweilen Aufträge zur Beschaffung von Büchern, die seinem Bibliothekar manche Mühe verursacht haben werden. Ein andermal erhielt Barbier einen Rüssel dafür, daß er dem Kaiser die Novitäten des Buchhandels nicht schnell genug zuschickte. Selbst ans dem russischen Feldzug kümmerte sich Napoleon um die neuen Bücher. Obgleich Napoleon sich aus seinen Feldzügen manches an- eignete, was er als Eroberer beanspruchen zu können glaubte, war er doch darauf bedacht, die ans Bibliotheken entliehenen Werke zurückzugcben. Ties ersehen wir aus folgendem Brief an Barbier: „Paris, 26. Februar 1813. Am Anfang des letzten Feldzugs hat der Kaiser den Herrn Baron von Moneval beauftragt, einige Werke über Rußland und Polen von der Dresdener Bibliothek zu entleihen. Herr Msneval hat dem königlichen Bibliothekar in Dresden einen Empfangsschein darüber ansgestellt. Seitdem sind diese Bücher mit dem Gepäckwagen, auf dem sic sich befanden', verbrannt. Ter Kaiser wünscht, daß man diese nämlichen Werke hier aiis- suche und sie der Dresdener Bibliothek znrückgcbc. Ich schreibe dies dem Herrn Barbier auf Befehl des Kaisers. Der Kabinettssekretär: Baron Fain." Auf der Insel Elba beklagte der Kaiser sich ost über die Bescheidenheit feiner Bibliothek, obwohl er mit seinem Gepäck eine Anzahl Bücher erhalten und seit seiner Ankunft iit Porto Ferrajo viele dazu gelaust hatte, sodaß er an die 500 Bände besaß. Als er eines Tages mit dem Bergwerksdirektor Pons d' Härault über den Mangel an Büchern sprach, sagte dieser, er glaube, man könne mit fünfhundert Bänden sehr gut sein Leben aiissüllen. „Ja," entgegnete Napoleon, „ein Leben der Zerstreuung, aber nicht ein Leben voller Arbeit, denn nm gute Bücher zu schreiben, muß man viele Werke studieren; aber trotz großer Studien sind gute Bücher selten." Hiernach scheint Napoleon die Absicht gehabt zn haben, auf Elba ein Buch zn schreiben. Er hat diesen Plan aber nicht ausgesührt. Früher hatte er allerdings verschiedene Abhandlungen verfaßt, n. a. eine Geschichte Korsikas. Er sagte 1792 einmal: „Meine Arbeit ist beendet, verbessert, kopiert, aber unter den gegenwärtigen Umständen wird man sie nicht drucken. Auch gut! Ich habe nicht mehr den kleinen Ehrgeiz Autor zn sein." Daß Napoleon die Bücher liebte, erklärt sich daraus, daß er die geistige Macht zn schätzen wußte. Er war in der Weltliteratur sehr bewandert und legte manchmal ein sehr treffendes Urteil an den Tag. Es wäre sehr interessant, einmal all seine mündlichen und schriftlichen Aeutzerungen über die verschiedenen Schriftsteller zusammenzustellen, soweit sie uns erhalten sind. Mau würde daraus ersehen, daß er die Schriftsteller zumeist sehr scharf charakterisierte, aber auch, was bei der Eigenart seines Geistes leicht erklärlich ist, einzelne, die in der Literaturgeschichte jetzt unbestritten einen hohen Rang einnehmen, mit Unrecht ignorierte oder geringschätzig behandelte, lieber Homer sagte er: „Tie Ilias steht neben der Bibel und ist das Zeichen und Unterpfand der Zeit. Homer war in seiner Schöpfung Dichter, Redner, Geschichtsschreiber, Gesetzgeber, Geograph und Gottesgelehrter: er war der Enzyklopädist seiner Epoche." Zu Nar- bonue äußerte er sich einmal: „Taeitus ist ein unzufriedener Senator, ein Trotzkopf, der sich, in seiner Studierstube sitzend, mit der Feder in der Hand, rächt. Er zeigt gleichzeitig beit Groll eines Autokraten und den eines Philosophen." Wie so viele seiner Zeitgenossen schwärmte er für Ossian, und er behauptete sogar, dieser sei durch ihn Mode geworden. Corneille und Racine schätzt er sehr hoch, dagegen urteilte er wegwerfend über Shakespeare. Ueber Jean Jacques Rousseau sagte 'er zu Corvisart: „Er war ein großer Mann, das heißt, ein großer Schwindler, dieser Rousseau! Mer in seiner Art war er ein großer Manu, er hat schöne Sachen gemacht." Bei einer andern Gelegenheit sagte er: „Voltaire hat am meisten zur Revolution! beigetragen. Man las seine Schriften in allen Bedientenstuben." Heber Bernardi» de St. Pierre, den Verfasser von „Paul und Virgiuie" sagte er: „Aus den Schreibereien eines Mannes,kann man keinen Schluß auf seinen Charakter ziehen: Bernardi» de St. Pierre, der so gefühlvoll und so schwärmerisch schön schreibt, ü»d in Bezug auf Humanität so herrliche Grundsätze hat, ist einer der schlechteste» Männer in Frankreich gewesen." Ebenso abfällig äußerte er sich über den Verfasser von „Ata'la". „Chateaubriand," sagte er, „ist ein Großsprecher ohne Charakter, er hat ■eine gemeine Seele und eine wahre Wut, Bücher zu schreibe». DaS ist einer von den Elenden, die auf eine Leiche spucken! Er gleicht den Insekten, die sich an Kadavern mästen, den Lebenden aber nicht zu nahe zu kommen Wagen." Zum Großherzog von Frankfurt sagte er: „Kant ist ein dunkler Mensch, den ich nicht liebe." Wieland gegenüber bekannte er: „Ich liebe die erhabene Poesie, die pathetischen und kraftvollen Schriftsteller, vor -allem die tragischen Dichter." In ähnlichem Sinne sagte er zu Goethe: „Die Tragödie sollte die Schule für Fürsten und Völker fein; das ist das höchste, wonach der Dichter zu streben hat. Die Tragödie erwärmt die Seele, erhebt das Herz, sie kann und soll Helden schaffen. Vielleicht ist Frankreich für einen Teil seiner große» Taten unferm Corneille Dank schuldig. Ja, Wenn Corneille noch lebte, ich ivürde ihn zum Fürsten machen." Dieses Wort ehrt ebenso sehr Napoleon löte den Dichter; denn noch nie hat ein Monarch die Bedeutung eines Dichters so hoch geschätzt. Daß Napoleon selbst die Literatur nicht gefördert hat, erklärt sich aus den Zeitverhältnissen. Die Kriege und die politischen Interessen nahmen alles in Anspruch, und voit den damaligen französischen Schriftstellern hat keiner dem Kaiser imponiert, am- allerwenigsten die Baronin vott Stasi, die er haßte, sowohl weil sie eine Frau war, als auch, Weil sie Deutschland mehr Gerechtigkeit widerfahren ließ, als er es mit den Pflichten des Patriotismus für vereinbar hielt. So kam es, daß er einen direkten fördernden Einfluß auf die Literatur überhaupt nicht auszuüben vermochte. _____________ Vermischte», *’ Amüsante „Ko n st i t u t io u s s che rze" werden im „Gaulois" erzählt. Nach dem Tode Alexander I. war in Petersburg ein Ausruher -ausgeb rochen, weil Nikolaus I. zum Thronfolger erklärt würde an Stelle des Großfürsten Konstantin, des jüngeren Bruders des perstorbenen Zaren. Großfürst Konstantin würde von der Thronfolge ausgeschlossen, weil er eine morganatische Ehe eingegangen war. Die Volkserregung wollte einige fortschrittliche Geister dazu benutzen, um ein parlamentarisches Regime zu erlangen. Sie eilten durch die Straßen und stifteten das Volk an, bei allen Kundgebungen laut zu rufen: „Es lebe der Großfürst Konstantin und die Konstitution!" Aber die guten Muschiks waren sich über den Begriff des Wortes Konstitution nicht recht im Klaren und sie berieten, was das wohl bedeuten könne. Schließlich einigte man sich darauf, daß nur die Gemahlin des Fürsten damit gemeint feilt könnte und so durchzogen damals lärmende Massen die Straßen von Petersburg und riefen mit leidenschaftlicher Begeisterung „Hoch lebe Großfürst Konstantin und die Großfürstin Konstitution!" . . . Als König Ferdinand ll. von Neapel, der Vater Franz' II., von seinen Untertanen bestürmt wurde, eine Verfassung zu erlassen, erschien der König freundlich lächelnd auf dem Balkon seines Schlosses und fragte die auf dem Platze demonstrierende Volksmenge: „Was ivollt Ihr, meine Kinder?" „Wir wollen eine Verfassung !" „Das ist alles? Deswegen braucht Ihr nicht so viel zu lärmen. Ich werde Euch eine geben, ich werde Euch zwei geben, ich werde Euch drei geben, ich gebe Euch, so viel Ihr wollt." Das Volk aber ivar entzückt über diesen guten König. „Es lebe der König! Es lebe die Verfassung!" Und jubelnd zog das Volk davon, zur Verzlveiflung der Carbonari, die die Unruhen hervorgerufen hatten und nun erlebten, daß das Volk nicht begriff, um was es sich han-i bette, und den Spott des Königs nicht verstand. Gütiger gegen seine Untertanen verfuhr der König der Araukaner. Es war ein Franzose, der bei den südamerikanischen Indianern Häuptlingswürde erlangt hatte und bei seiner Rückkehr nach Europa sich mit größtem Ernst den Titel „Aurelius, der erste König von Araukanien" beilegte. Er war übrigens ein sehr gutmütiger Herr, der auf seine Karriere sehr stolz war. Wenn man ihn nach seinen Untertanen fragte, pflegte er mit allem 'Ernst zu antworten: „Ich habe ihnen alle Fortschritte der Zivilisation beschert; sie haben ihr Parlament." „Nein, wirklich? Und wie versammeln sich die Abgeordneten? Haben sie ein Parlamentsgebäude?" „Nein, sie versammeln sich zu Pferde auf einer Waldlichtung; ich präsidiere zu Pferde, und wer das Wort ergreifen will, muß in die Mitte des Kreises reiten, um zu sprechen." Kurz, aber harmonisch verlief die Tagung des ägyptischen Parlamentes, das Jsmäil Pascha eines Tages einberief. Der verschwenderische Kh-edive, der es fertig brachte, eine Milliarde auszugeben, hatte eines Tages den Einfall, sich den Luxus einerVerfassung zu gestatten, um in politischen Dingen nicht weniger „liberal" zu fein, als in seinen Privatangelegenheiten. Er berief also ein ägyptisches Parlament ein und nahm selbst die feierliche Eröffnung vor. Mit der Linken stützte er sich auf den Säbelknauf, die Rechte breitete er weit aus und hielt folgende Ansprache: „Ich will, daß meine Untertanen sich einer völligen Freiheit erfreuen; sie selbst sollen mir ihre Sorgen und Beschwerden vorbringen und dieses Parlament soll sich, nach dem Vorbild aller Parlamente, in zwei Lager spalten: Zur Linken die Opposition, zur Rechten die Än- hänger der Regierung." Ein freudiges Murmeln des Beifalls ging durch die Schar der Abgeordneten; mit energischem Tone fuhr der Vizekönig fort: „Mso schön: Me meine Freunde und Anhänger mögen sich jetzt zur rechten Seite begeben und alle meine Feinde ans die linke." Bei diesen Worten entstand im Saale ein fürchterlicher Tumult? Alle, die links gestanden hatten, stürzten auf die rechte Seite des Saales, stürmten die Bänke, drängten sich zu-, sammen und im Laufe von 10 Sekunden war die linke Seite völlig leer. Jsmäil-Pascha mochte wohl einige Lust zum! Lachen verspüren; aber er blieb ernst, blickte eine Weile schweigend und nachdenklich auf diese Parteigruppierung und sagte dann nicht ohne Befriedigung: „Also gut. Ich sehe, daß ihr alle meine Freunde seid und daß eine Opposition gegen meine Regierung nicht besteht. Es ist daher auch überflüssig, euch wieder zusammenzurufen." Und damit wurde oie Sitzung geschlossen und von einem Parlamente war üie mehr die Rede bis zu dem Tage da Tewsit- Pascha seinem Vater auf dem Thron nachfolgte. * P e ch. Nachtwächter: „Was sitzen Sie hier unter dev Laterne?" — Betrunkener: „Wo soll ich denn hin, kein Mensch weiß ja, wo ich wohne!" * Na ja! „Sie schatten ja so betrübt drein — was fehlt Ihnen denn?" — „Ein reicher Schwiegervater." Zitateu-Rätfel. Aus jedem der folgende» Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? — 2. Gar vieles kann, gar manches muß geschehn, Was man mit Worten nicht bekennen darf. 3. Schlecht weht der Wind, der keinen Vorteil bringt. 4. Die Welt wird schöner mit jedem Tag. 5. Schon manchem widerfuhr des Schicksals Ungemach . -« 6. Etwas fürchten und hoffen und sorgen Muß der Mensch für den kommenden Morgen. 7, Die Boten bringen traurige Mähr. Auflösung in nächster Nummer» Auflösung der Charade in voriger Nummer: Aufrichti g. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».