Samstag den A April P69 N MM irnttii Ostern. Von ,Älbert Geiger. Es steht ein Kreuz verlassen 1 Einsam im dnstern Tann. Es starrt mit blassem Antlitz ' . Herab der Schmerzensmann. Fern einer Amsel Klage: , V O Lenz, noch bist bit weit! Doch in den Säften webt es leise Wie Hauch der Frühlingszeit. Da kommt ein Knab gegangen Im Schlüsselblumenkranz. Das blonde Haupt umflossen Von lauterm Sonnenglanz. Am Kreuze hält er lächelnd. Hell strahlt sein Ang hinaus. Und auf dem blassen Antlitz siehe, Glüht hell ein Schimmer auf. O steige so vom Kreuze, Dies Lächeln im Gesicht. Gib endlich du der Erde Des Friedens goldenes Licht! Den Frühling an der Seite, Gepriesener Gottessohn, So künde deinen Willen den Völker^ Im Mniisterglockenton: Genug des Opferblutes! Bringt milde Herzen dar! Daß endlich der Erlösung Botschaft sich mache wahr. Zerschlagt das Schwert der Selbstsucht/ Das eure Hand entweiht: Das ist die gottgewollte wahre Glückselige Osterzeit! Spätinghof. Roman von K. v. d- Eide?< (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) G. Zwei Jahre waren verflossen, seitdem Jan Thomsen den Atlkanf genommen hatte, Spätinghof zu verlassen. Es blieb bei dem Anlauf; er kam nicht fort. Spätinghof blühte auf. Es bekam von innen und außen ein anderes Aussehen, und Jan. hatte seine Freude daran, denn es war größtenteils sein Verdienst. Jak machte wohl die Pläne, traf neue Einrichtungen und hatte gute Ideen; et bestimmte jauch ohne weiteres) wo Jan noch zaghaft eriuog; Jan aber war es, der alles ausführte, der voll früh bis spät unermüdlich ^arbeitete. Vielleicht wollte er sich auf diese Weise ein Anrecht arif Spätinghof erwerben; vielleicht half ihm die Arbeit über das Fern« weh hinweg, das ihn noch manchmal beschlich, und schließlich gewann er feine Arbeitstätte lieb. Er blieb auf Spätinghof, nnb von seinem Fortgangs war nicht mehr die Rede. Auch in der Küche sah es setzt anders aus. Hier waltete ein tüchtiges, kräftiges Dienstmädchen. Wiebke Themann, ein Mädchen von der Geest, hatte sich anfangs oftmals gegrault; sie glaubte, es keine vier Wochen auf Spätinghof ailshälten zu können. Aber sie gewöhnte sich an die rauhe, finstere Art der Alten. Ihre Furcht schwand, als' sie merkte, daß Mamsell ihr aus dem Wege ging und sich scheute, ihr ■etivaS zu sagen. Sie konnte schalten und walten, wie sie wollte; es redete ihr niemand darein. Mamsell lvurde überdies kränklich und stand selten von ihrem Lehnstuhl auf. Mit den Brüdern stand das Mädchen auf kaineradschaft- lichem Fuße. Jan war ihr gegenüber frenndlich und dienstwillig, u.ud Jak ivar lustig, machte gelegentlich einen Spaß und kniff sie in die dicken Wangen. " Im übrigen entsprach Wiebke gerade nicht seinem Geschmack; sie war ihm zu dämm und schwerfällig; er hatte eine Vorliebe für schlanke Mädchen Mit Glutaugen. . . . Es ivurde wieder einmal Winter; draußen fror das rinnende Wasser vonr Dache zu Eiszapfen, und an den Fenstern blühten weiße Blumen. Da wurde Mamsell ernstlich krank und mußte sich ins Bett legen. Eine heftige Grippe warf, sie aufs Krankenlager. -Sie ivar in den letzten Jahren immer mehr abgemagert, ihre Gestalt war zusammengeschrumpft. Jetzt war ihr Ge- sicht nicht größer als das eines Kindes; ihre Gestalt schien nur noch ans Haut und Knochen zu bestehen. Der Geist -aber war noch derselbe menschenfeindliche und finstere. Das sah man an den großen, dunklen, unheimlichen Augen, die unruhevoll umherfpähten. Weicher und sanfter machte die Krankheit die alte Frau keineswegs. Dazu kam, daß sie in der Pflege fast ganz auf Jan und Jak angewiesest ivar; Wiebke ivar nicht zu bewegen, das Krankenzimmer zu betreten. Franke Steffens brachte eines Mittags eine kräftige Kalbfleischsuppe zur Stärkung der Krankest. Doch sie kant übel damit an. „Geht mir los mit Kalbfleischsuppe", schrie die Kranke. „Wollt ihr mich von der Welt haben? Hans Peter Michelsche hat Kalbfleischsuppe gegessen und ist drei Stunden danach gestorben. Rein, ich vergifte mich nicht daran." In peinlichster Verlegenheit ging Frauke nach Hause; Jan fand nut Gelegenheit, ihr stumm die Hand zu drücken. Als er wieder in die Stube trat, jammerte die Akte kaut: „Ihr laßt mich verrecken wie ein Stück Vieh. Ein 226 — folget* Hering, der würde mich fitrieten. Aber ihr kümmert ench ja nicht um mich. — Ein salzer Hering!" Durch die Wohnstubentür guckte bic' alte Lehmbecksche, Mamsells treueste Milchkunbin, herein. „Ach, bu liebe .Zeit, Mamsell," rief sie. „Sie können mich dauern. Sie sehn ja aus, als wenn Sie schon brei Tage unter die Erbe gelegen hätten. Nein, wer hätte bas gedacht, Has; Sie so schnell daran glauben müßten; sie waren ..." „Ich bin ja noch nicht tot!" schrie Trienlieschen mit »o lauter Stimme, daß sie selbst darüber erschrak. „Wartet doch man die Zeit ab!" Lehmbecksche retirierte in größter Eile nach, der Kirche. „Gott beivahre," sagte sie zu Wiebke, „die hält's mit dem Denker, ich sag' nichts, weint sie sich nicht noch mal herans- rappelt. Dieser Schlag Leute ist zäh. Ich sag' nichts!" Bei Mamsell Fant jetzt doch der Gedanke an den Tod. Er kam im in er wieder und ließ sich nicht abweisen. Während ;te, das Gesicht der Wand zugekehrt, die rotkarierte baum- ivollene Bettdecke bis über die Ohren zog, grübelte und überlegte sie. Immer finsterer wurden ihre Gedanken; ihr .Geist arbeitete fieberhaft. Boni Doktor wollte sie noch immer nichts wissen; sie hegte kein Vertrauen zu der ärztlichen Kunst. „Totbleibeil kamt ich auch ohne Doktor", sagte sie. „Aber dem Pastor Föimt ihr mal Bescheid sagen." „ Der Pastor wurde geholt. Wenn der alte gutherzige Herr aber annahm, daß Mamsell ihr Herz vor ihrem Tode erleichtern und Frieden mit ihrem Herrgott schließen wollte, dann hatte er sich getäuscht. Die' Kranke hatte nichts anderes tut Sinn, als ihr Testament zu machen, ttnd da Pastor Reimers öfters bei dergleicheit Anlässen geritfen wurde und in der Abfassung vvit Testamenten eine gewisse Uebung besaß, so schickte sie zu ihm. Wohl einige Stunden saß der in feinem Amte ergraute Mann an dem Krankenbette, und alle seine Einwendungen, all sein Kopfschütteln fruchteten nichts. Es wurde ein Testament, so wunderlich und heillos, luie es nur in dem Kopfe dieses unseligen Weibes entstehen konnte. Der Hauptpassus lautete: „Im Falle ich sterben sollte, wahrend die Kühe auf der Fenne sind, bekommt Jakob Thomsen den Hof mib alles, was dazu gehört; sterbe ich aber zu der Zeit, da die Kühe im Stalle sind, fällt der Hof mit allem Zubehör an Johann Thomsen. Derjenige von ihnen, der leer ausgeht, bekommt 1000 Taler, die auf der Stadtsparkasse in Husum stehen, und außerdem nur, was ihm der Erbe noch aus freien Stücken gibt." So ungefähr laiitete das Testament, das von der Alten, dem Pastor und einigen rasch herbeigeholten Nachbarn Unterschrieben imtrbe. Als alle gegangen waren, legte Trienlieschen sich zu- frieden in ihre Kissen zurück. Jetzt mochte der Tod kommen, sie hatte ihr Werk vollendet, das klügste Werk ihres Lebens. Sie hatte keinen benachteiligt; sie hatte sich eine Waffe geschmiedet, die ihr Leben erhalten und verlängern sollte Ein Grinsen überflog ihre Züge Sie dachte an ihre Kühe, die ihr mehr wert waren, als die Menschen. Die Kühe sollten das Geschick der Menschen bestimmen. -> t&Wi Neffen sprach sie offen über ihr Testament. Zu Jan sagte Jie: „Das Testament habe ich deinetwegen gemacht, weil du bei mir geblieben bist. Teilen läßt sich der Hof nun mal nicht; aber dein wird er darum doch Ich sterbe tnt Winter, paß auf! Ich kann die Kälte nicht vertragen. Es kommt ja auch nicht darauf an. ob ich sie eimge nage früher hereinnehme. Ich sorge schön für dich, daß du den Hof kriegst." 1 ..... Jak redete sie anders, als er mit finsterer, drohender Miene an ihr Bett trat. „Entweder sterbe ich im Frühjahr oder tut Herbst," sagte fic, „bann sterben ja meistens rÄeutC;- ?u W ja immer Glück, bn sollst sehen, du trtegst den Hof." ‘ 1 ’ ' *'rtj3te Jak barsch. Er war in äußerst w ^aitu.ei, diesmal war er dem finsteren, listigen Weibe doch nicht gewachsen. Wh in ihre Bettdecke hinein. „Ich J’Vfe a2nat e '«-ac()te ,u\ --Jetzt wird mir keiner \ Einer Nnrd ben anderen bewachen. J/W toird arbeiten und sorgen, daß der Hof instand .chüh pflegen und mein Leben zu er- halten suchen, bis feine Zeit zum Erben kommt. Jetzt ist Jak an der Reihe, er wird mich schon über den Winter hiiiwegbringen, damit er mich im Sommer beerben kann us'd den Winter über pflegt mich Jan. Ja, es ivar die höchste Zeit, daß ich etwas tat. Auf fremde Leute ist in solchen Zeiten kein Verlaß, das sehe ich an der Wiebkedeern* ihretwegen konnte ich umkommen. Wer die Jungens, die habe ich jetzt am Tau." ' e , Fs schiett wirklich, als hätte die Alte recht; als hätte I"h stak überlegt, wie schlecht es um ihn stünde, wenn die Me letzt im Winter stürbe und er mit ein paar tausend aJcart baren Geldes davongehen sollte. Er bekümmerte sich setzt mehr als sonst um £ie Kranke: er brachte ihr an den: nächsten Markttage aus der Apotheke in Husum Bruch tee, und Brustzucker mit. Wiebke mußte heißen süßen Tee kochen und ent Süppchen bereiten, wie es kleine Kinder nach der Entwöhnung bekommeii. sie nur jetzt nicht stirbt," dachte er, „nachher will ich die Karre schon lenken." . , z Auch Jan kam der Gedanke: „Wie, wenn die Tante! setzt stürbe?' Er nahm sich vor, falls ihm der Hof zufiele, dem Bruder außer dem Sparkassengeld alles zu neben, was sich auf dem .Hofe entbehren ließe, nnb ein paar von beit besten Fen,teil nnb bic Hälfte des Viehes bagtt, bamit jjat auch fein Fortkommen fände. Ihm, der so ein zügelloses Temperament besaß, der stets geherrscht, nie eigentlich gedient hatte, würde es schiverer als Fan fallen, sich fremden Leuten unterznordtten. r ipat jedoch eine Wendung zur Besserung ein. Der Husten ließ nach; nur der Appetit wollte sich, noch nicht eiiistelleii. 1 1 „Ein salzer Hering! Ein salzer Hering mit Senf/« knurrte die Tante, „der wird mich kurieren!" „Ich muß ihr den Willen tun", dachte Jak. „Wenn sie eine Gier darauf hat, hilft es ihr vielleicht." „Sei still," fuhr er sie an, „ich hol dir ben Hering." --Aber einen milchernen", sagte sie. llnb als er schon an bet wur war, schrie sie noch so laut sie konnte: „Such bir ben allergrößten aus!" _®er Hering wurde gebracht. Mamsell aß ihn uutev Makeln und Schelten. 1 . --Hu, ich lass' mich nicht unterkriegen. Klein ist er man. Nein, den Gefallen tu ich ben Leuten nicht. Der Kopf ist halb ab. Haha, totbleiben? Ne, ber salze Hering bringt mich wieder* in Schick. Greulich schmeckt er! Ha, ich fühl' mich schon halb gesnnb! So'n alter, überjähriger Hering! Die Mannsleute lassen sich immer alles anschmieren." Mamsell saß aufrecht im Bette nnb kaute. Sie aß noch einen Happen Brot, um ben Geschmack loszuwerben, und trank drei Tassen Tee, weil der Durst sie heftig plagte. In ber Nacht schwitzte sie sehr, nnb am nächsten Tage fühlte sie sich bedeutend Wohler. ' Sie erholte sich wirklich. Es schien, als ob ihre eiserne Willenskraft die Krankheit unterjochte. Einige Tage darauf i/v ise schon, die Feuerkieke unter ben Füßen, in ihrem Lehnstuhl, nnb acht Tage später kroch sie schon wieber int Hanse umher. „Ich lasse mich nicht unterkriegen!" sagte sie mit trium- phierendem Blick. „Ich heiße Trienlieschen Goos!" , . „Sie hat ihre Seele bem Teufel verschrieben," sagten die worffeilte. „Dafür läßt er sie noch ein paar Jahre leben." ' T . Jul- l>er in der letzten Zeit mit finsterer Miene umher- gegaitgen lvar, iunrbe wieder besserer Laune. Wenn nur erst der 12. Mai da wäre, der Tag, an dem nach althergebrachter witte die Kühe auf die Weide getrieben wurden, dann war es ihm egal, was aus dem alten Weibe würde, ^aun mochte sie seinetwegen in die Graft fallen, er würde teiiieu Finger rühren, um sie heraüszuziehen. Jan machte sich weniger Sorgen des Testamentes wegen. „Wie es kommt, so kommt es," dachte er. „Weirn es nicht anders sein kann, nehme ich die tausend Taler von der Sparkasse und pachte mir eine kleine Landstelle mit ein paar Kühen nnb Schafen. Knapp wird es wohl werden, denn, ^ak wird mir gewiß nicht eine Katze zugeben. Tüchtig arbeiten müssen wir dann wohl; aber Frauke wird sich schon U.1 Ä*es ftnden!" Obgleich zwischen Franke und ihm nie ein Wort über ihre Liebe und über die gemeinsame Zukunft gefallen war, war er ihrer doch so sicher wie seiner selbst. (Fortsetzmig folgt.) — 227 — schnell wieder znrückziehen. I«, das ist «Teilt Er schüttelte den Kopf. ist." ja immer int Ar-> , Richard Arnholt ging mit unbewegkem Gesicht durch das lungc Frühlingserwachen. Heute sollte die Büste seiner Fran fertig sein, das Kunstwerk, um dessentwillen er sich nun ganz allein seit Wochen in der Stadt aufhielt, in der andere um der Arbeit oder des Vergnügens willen weilten. Um dieses Abbild gingen seine Gedanken, während die Veilchen ihm entgegenduftetcn und die Bogel von Lenz und Liebe und Osterherrlichkeit sangen. Ob es Dagmar wohl gelungen war, das letzte Etwas in das wunderschöne Gesicht zu bringen, jenes Etwas, das ihr Vater, der berühmte Bildhauer, nicht hatte aus dem Marmor zaubern vielleicht auch eine Viertelstunde, aufgehalten „Aber ich bitte Sie, drüben habe ich Sie beitskostüm gesehen!" r 'A"^.?vissen Sie, wie es einem Menschen zu Mute ist, der - I eben Zllustoucn verloren hat, die ihm jahrelang das höcbste waren? 1 Frei. . . aber leer, leer, leer!" Auferstehung. Osterskizze von Franziska Bram (Koblenz). Nach langem Winter war nun doch endlich der Frühling ein- Mögen, mit weicher Luft und sonnensrohen Tagen. In den Bor- gärten schmückten sich die Sträucher mit lichtgrünen Schleiern, und auf den Straßen boten kleine Mädchen Blumen an: dicke, plumpe Strauße von goldgelben Primeln und kleine Sträußchen dunkler Veilchen. Und morgen war Ostern! Sie lachte. „Ja . . . ins Atelier gehört es auch." „Was arbeiten Sie denn?" „Nur eine kleine Statuette, Sie wissen eigentliches Feld." sie wischte ein Stäubchen an dem Marmor ab. , »Ja, das Leben ist grausam", sagte sie leise. „Aber. . ., eine Illusion war doch nur Schein, die so von einem Winde! ~n lag das Haus des Bildhauers in Sonnenglanz gebadet. Ein altmodisch beguemes Haus, wie sie jetzt wieder modern werden, unt breiten, vielgeteilten Fenstern, schmiegte es sich unter hohe Kastanienbäume, an denen die braunen, dicken Knospen glänzten. Ein großer Garten schloß sich nach rückwärts an. Ein hellgekleidetes Dienstmädchen öffnete ihm, wie so ost in der letzten Zeit, und begrüßte ihn mit höflicher Freundlichkeit. „Wollen sie, bitte, in das Gartenzimmer treten . . . der Herr Professor ist im Atelier." „Und das gnädige Fräulein?" „Auch; aber Sie werden erwartet." „Sie sind eine große Künstlerin, Fräulein Dagmar." sie senkte den Kopf. Ihr lichtblondes Haar, die Mitgift ihrer dänischen Mutter, legte sich einfach frisiert, aber mit einem ichvnen Schwung um den kleinen Kopf und war im Nacken in schwerem Flechtenknoteu vereinigt. , »Eine Kleine, die im Kleinen ihr Feld suchen muß! Neben meines Vaters mächtiger Kraft! Aber so ist's ganz gut." Sie deutete auf das Marmorbild. „Und da . . . sind Sie zufrieden?" „Zufrieden? ... Nein." hattest mur Schönheit. So viel irdischen Reiz, daß du keine Seele brauchtest..." Er sank auf einen Stuhl und verbarg das Gesicht in den Händen. Ihm War,, als ob der Blitz neben ihm eingeschlagen habe. Aber zugleich tn aller Zerschlagenheit regte sich ein sonderbares Gefühl der Freiheit... ja, der Flucht aus einem Grabe, in dem ihn die Fran mit der kalten Marmorschönheit noch jahrelang nach ihrem Tode festgehalten hatte. . . Ein leises Knarren an der Tür riß ihn empor. Da, am dr!"0ang zum Atelier stand Dagmar Wechtritz in ihrem weißen !me ste von der Arbeit kam, und sah ungewiß herein mit ihren großen, etwas kurzsichtigen, blauen Augen, die in die pcerne immer nur etwas schüchtern und ungewiß blicken konnten, aber alles in der Nähe um so liebevoller zu betrachten schienen. Wechtritz zuckte zusammen. Ihr ausdrucksvolles liebes Gesicht sah, erschrocken zu ihm auf. „So ist es also doch mißlungen?" „Mißlungen? Nein, es ist viel zu sehr gelungen. Es hak eine grausame Aehnlichkeit. Ich sehe dieses Gesicht genau wie es war. . . Ich sehe es jetzt mit allem, was darin sprach, Nnd^auch mit allem, was darin fehlte." Sie sah ihn mit verstehendem Blick scheu von der Seite an, ■re' « m blc ^"der versetzen konnte, als ob sie Lebenden ihre Geschichte aus dem Gesicht ablese. sie wollte sich schnell wieder zurückziehen. „Kommen Sie nur, bitte, herein, Fräulein Wechtritz." sie trat ein und gab ihm die Hand. „Wenn ich so erscheinen darf. . . ich wollte nicht, aber Sie - 'j — ■ wisten, Vater macht wenig llmstände, und er kommandierte mich können, trotz aller Bilder, trotz der sprechenden Aehnlichkeit, die I hierhin, um Ihnen zu sagen, daß er noch ein paar Minuten, teine große Kunst in die klassischen Züge gelegt hatte. ■ '><