M K x. —n Bt Nerven. Novelle von Georg Freiherr von Ompteda. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Beim Start kamen wir nebeneinander, und mir fiel wieder Morsums Farbe auf. Er faty aus wie eine Kalkwand. Und der kleine Ziesow, der fortwährend Witze riß Und womöglich im Rennen noch Unterhaltung machte, sagte plötzlich zu Fritz: — Morsum, bit siehst- ja aus wie Dünnbier und CPUcke. Aber da mußten wir auch schon anreiten, und wenn Fritz hätte antworten wollen, so hätte er es jetzt wenigstens nicht mehr gekonnt. Der Gaul des Rittmeisters wär eine FuchsstUte, ein etwas kitzliches, hochbeiniges, widerwärtiges Dier, das sein Besitzer für ein Butterbrot erworben hatte und manchmal vor der Schwadron ritt. Da ließ unser Major, der startete, das Taschentuch sinken. Das Rennen begann. Das Tempo war ziemliche gemütlich, und ich- legte mich neben Morsum zurecht. Mein alter Bock war nicht schnell, aber ein todsicherer Springer. Vielleicht konnte ich den Freund über die Hindernisse führen. Zuerst kam eine Steinmauer. Dann wurde plötzlich das Tempo schärfer. Ziesow rief unterwegs: — Kinder, wir wollen mal etwas einheizen, daß die Damen wenigstens 'was zu sehen kriegen, sonst müssen wir uns ja schämen. Uber er brauchte gar nicht das Tempo zu verschärfen, denn Morsum, der die Instruktion bekommen hatte, für rin scharfes Rennen zu sorgen, war plötzlich wie der Teufel vorn und führte. Der Fuchs ging, wie es schien, tadellos und nahm eine Bretterwand, die jetzt folgte, willig Und glatt. < 1 Für mich war diese Reiterei so gemütlich, daß ich mir ruhig meine Gedanken machen konnte. So sagte ich mir, die beiden, die da vorhin wetten wollten, hätten mit den ersten Hindernissen jedenfalls schon ihre Wette verloren. Nun kam eine Hecke mit Koppelrick, ein Graben dahinter. Morsum führte noch- immer. Der Fuchs machte vor dem Hindernis Miene, auszubrechen, flatterte hin und her, aber Fritz zwang ihn hinüber, nur blieb das Dier dabei mit den Hinterbeinen hängen und richtig — er lag. Als ich hinterher sprang, vielleicht drei Sekunden später, wäre ich beinahe auf Morsum gelandet, der neben dem Gaul auf der andern Seite auf dem Gesicht lag. Ich hatte keine Zeit, Betrachtungen anzustellen und konnte nur noch etwas ausbiegen, um mir eine andre Stelle zum Sprunge zu suchen, der nun etwas schief geriet. Ich wußte ja, die Kameraden würden dazu kommen und ihm helfen. Wer während des ganzen übrigen Weges konnte ich die Stellung meines Freundes nicht vergessen: auf dem Gesicht mit ausgebreiteten Armen, ohne Bewegung, den Kopf seitwärts, etwas eingezogen. Ich ritt mein Rennen unter dem Eindrücke sehr schlecht nach Hause und kam auch- richtig als „stark getriebener Letzter" ein. Aber das war mir ganz gleich, die Kameraden kannten die geringe Eignung meines Tieres als Rennpferd, und mir lag jetzt bloß das Schicksal des Freundes am Kerzen. i Ich gab den Gaul ab imb lief nach dem Gräben. Die andern hatten Fritz aufgerichtet. Unser Assistenzarzt war sofort zur Stelle, untersuchte den Gestürzten, neben den ich mich- hingekniet hatte, uiit ihm den Rücken zu halten, und sagte nur kurz: — Also schnell hereinbringen. Wir werden erst mal einen Rotverband hier anlegen. Einfacher Schenkelbruch. Morsum schien große Schmerzen zu leiden. Aber er verzog keine Miene, war nur totenblaß und lächelte gezwungen. Ich sah, er nahm sich- höllisch zusammen. Ich zog das Taschentuch, wischte ihm die Stirn, die einige Schrammen -aufwies, und stäubte die Erde aus seinem §aar. Die übrigen waren inzwischen — es war das letzte Rennen r— wieder zu Pferde gestiegen, oder hatten sich auf die Wagen begeben und fuhren nach der Garnison zurück. Die Sache dauerte mit Morsum ihre festgesetzte Zeit. Schmerzen hatte er nicht, er mußte nur lange ruhig liegen. Das Bein heilte zwar normal, aber, wie sich erst nach dem Transport h-erausgestellt, hatte er noch dazu einen komplizierten Knöchelbruch erlitten. Als Fritz vollkommen geheilt war, ging er lahm. Damit war seiner reiterlichen Laufbahn -ein Ziel gesetzt. Ich hatte erwartet, daß er sehr unglücklich sein müßte. Jemandem, der so große Anlage zum Reiten hatte, konnte es nicht einerlei sein, ob er nicht wieder imstande sein würde, in den Sattel zu steigen. Doch merkwürdigerweise schien er nicht besonders niedergeschlagen zu sein. Er war vom Regiment abgefeiert worden. Nun trat er aus seinem Reserveverhältnis aus. Als er abreiste, begleitete ich ihn an die Bahn. Wir sprachen noch, bis der Zug ging. Ich fühlte, er freute sich eigentlich, des Dienstes ledig zu sein, mochte es aber vielleicht aus Scham, vielleicht aus Interesse fiir die Kameraden nicht eingestehen. Ich sagte: — Du kommst mir -eigentlich vor, als brauchte man dich -gar nicht so zu bedauern, oder du hast dich merkwürdig in dein Schicksal gefunden. Na, Willenskraft hast- du, das haben wir gesehen. Wie du deinen Schmerz verbissen hast, als du da in dem Graben saßest^ das war großartig. Wir haben dich alle bewundert. Er sagte schnell und erfreut: — So, habt ihr das? — Ja, es muß doch höllisch weh getan haben? — Es tat sehr weh! Aber einer Ueußerung darüber, ob er ungern von uns schied, wich er aus. Mir war es peinlich, mich etwa einzudrängen in seine Gefühle. Ich ließ ihn also ganz ruhig, mochte er denken was er wollte. Unser Abschied war kurz uiib herzlich. Dann dampfte er davon. 2. Wieder waren ein paar Jahre vergangen, und ich hatte- ihn nicht gesehen. Wir schrieben uns ab und zu. Aber wie es so geht, auch unter guten Freunden: unsre Beziehungen waren nicht mehr dieselben. Er kam nicht zum Regiment, ich hatte meinen Dienst, und im Laufe der Zeit folgten unsre Briefe sich immer spärlicher, bis sie endlich ganz aufhörten. Inzwischen trat eine große Veränderung in meinem Leben ein. Mein Vater starb, und ich war genötigt, unser Familiengut zu übernehmen, woran mir eigentlich wenig lag, denn ich war nicht zum Landwirt erzogen worden. Mein älterer Bruder, der das Gilt hätte bekommen sollen, wurde lungenkrank und zwar so schwer, daß die Merzte sagten, mit einem Aufenthalt im Süden wäre es bei ihm nicht abgetan, sondern für seine Körperversassung gebe es bloß eilt Radikalmittel, nämlich dauernd in einem viel milderen Klima zu leben. Mit schwerem Herzen mußte er infolgedessen das Gut verlassen. Er siedelte ganz nach Italien über. Den Winter wollte er in Pegli bei Genua wohnen. Den Sommer über ginge er dann vielleicht ins 'Gebirge hinauf. So mußte ich also umsatteln und Landwirt werden. Nun war auch meine direkte Verbindung mit dem Regiment gelöst. Da erinnerte ich mich unwillkürlich — selbstsüchtig, wie man ist — wieder meines alten Freundes, den ich cm Drange der Dienstzeit nicht mehr gesehen, und schrieb ihm, er möchte mich doch einmal besuchen. Er kain auch wirklich. Aber er gefiel mir nicht, er schien eigentümlich verändert. Nebrigens war es mit seiner Lahmheit nicht mehr schlimm, er konnte wenigstens mit mir auf die Jagd gehen und war den längsten Spaziergängen gewachsen. Wir waren ganz allein auf dem Gut, und die Abende wurden uns lang. Zeitungen, Bücher — Nachbarschaft gab es wenig — Besuche beim Pastor, Schach oder Dame genügten schließlich nicht, um die Zeit totzuschlagen. Wir faßen eines Abends in meinem Zimmer und schwatzten und schwatzten. Ich sprach wieder vom Regiment. Ich sagte, es sei doch schade, daß Fritz aus dem Reservever- haltnrs habe ausscheiden müssen, noch mehr sei es aber- schade, daß er nie dazu wäre zu bewegen gewesen, überzutreten. • Na, weißt du, ich glaube, zum aktiven Offizier hätte cch doch nicht gut gepaßt. Ich fühle mich so ganz wohl. — Aber ich finde nicht, daß du den Eindruck machst, als befandest du dich wohl. Er antwortete mit ziemlicher Heftigkeit, ich irrte mich, er befände sich sehr wohl. Dagegen war nun weiter nichts zu sagen. Wir fingen wieder an von seinem Sturze damals beim Regimentsrennen zu sprechen, und ich lobte noch einmal sein Verhalten, das mir wirklich beinahe heroisch erschien. Doch er sagte plötzlich erregt: — Nein, wahrhaftig, da hast du aber doch nicht recht, i denn ich kann dir sagen, mir war damals sehr eklig zu Mute. Ich kann mir nicht denken, daß ich eine gute Rolle gespielt hätte. . --Doch! Gerade! Und dann weißt du, allen Schneid und alle Sterben in Ehren, aber wenn man vorher weiß daß so etn Luder wie der Fuchs die reine Fallmaschine ist, so ist's doch schließlich kein besonderes Vergnügen, das Biest zu reiten. 1 Er richtete sich plötzlich auf: — Findest du das wirklich? . r 7" Ich .glaube, das findet jeder vernünftige Mensch, ^ch kann mir auch was Angenehmeres denken. Du setzest dich auf so ein Tier, hast's nicht zugeritten, bist an seinen Dummheiten nicht schuld, Gewinnaussichten hat's nicht, du reitest es bloß, um das Feld zu füllen, und riskierst deine Knochen, weil die Frau des Besitzers die ihres Mannes nicht dransetzen will! Ich glaube, da würde ich mir doch sagen: rch habe meui Genick auch-nicht gestohlen. Und was geht dich schließlich der Schinder an? — Ja, aber solche Ansichten kann man nicht äußern I fe- antwortete Fritz lebhaft. I r— Warum denn nicht? — Nein, das kann man doch nicht gut. Das wäre doch. . . 'ne. — — Sehe ich gar nicht ein. Das ist doch kein Mangel an Schneid. Habe ich ein eignes Pferd in Arbeit und will das Tier meinem Willen beugen oder es erziehen, na, da darf ich natürlich nicht danach fragen, ob es mir ein paar Rippen kostet, dafür bin ich eben Kavallerist. Aber in deinem Fall . . . Fritz rauchte stumm seine Zigarre und blies den Rauch vor sich hin. Erst nach einer ganzen Weile, während deren wir mächtig gestumpft hatten, wie wir's früher als junge Leute nannten, fragte er, indem er mich fast lauernd ansah: — Sag mal, ist nie beim Regiment über mich geredet worden? — Wieso denn? — Nun, ich meinte bloß so. Ich dachte, ich hätte den Ritt vielleicht nicht schnell genug angenommen. — Tas wüßte ich doch nicht . . . Wieder schwieg er, bis er nach einer Weile abermals anfing: — Weißt du, der Kommandeur ist doch eigentlich ein famoser Mann! — Gewiß, der hat 's Herz auf dem richtigen Fleck. Fritz fuhr auf: — Ja, ja, allerdings! Und da wundert einen oder freut einen — ich weiß nicht, wie man sagen soll — sehr, eine ^Ansicht, die er mal äußerte. Erinnerst du dich noch des Tages, wo ich einen neuen Gaul hatte und ihn vorritt, sprang und ein paarmal siel? Da gingen wir doch nachher ins Kasino, und da erzählte uns doch der Oberst eine Geschichte von siebzig? Weißt du noch? Ich lachte: — Natürlich, wie die Franzosen sich auf seine Schwadron eingeschossen haben, und daß ihm dabei doch höllisch eklig zu Mute war. ' ’ — Ja, das meine ich! Weißt du — weißt du noch, wie der Kommandeur sagte, wer gar keine „Nerven" hätte, der hatte überhaupt keinen richtigen Mut, sondern derjenige, der „Sterben" hätte, aber sie beherrschte, der wäre der eigentlich Mutige. Erinnerst du dich noch? — Gewiß. Fritz fragte gedehnt: — Glaubst du nicht, .daß er damit sehr recht hat? , . — Selbstverständlich! Eine ungeprüfte Tugend ist keine Tugend. Weil jemand nicht gestohlen hat, ist's noch sehr die Frage, ob er nicht zum Dieb geworden wäre, falls er nichts zu essen gehabt hätte. Vielleicht hat nur die Gelegenheit gefehlt. So ist's mit deni Mute doch auch. Unser Gespräch erstarb. Wir saßen lange in meinem Zimmer. Die Zigarre ging nicht aus, und es war ein so dichter Rauch geworden, daß man hätte mit dem Messer Stücke herausschneiden können. Ich war müde und möchte nicht beschwören, och ich nicht in meinem Lehnstuhl etwas einnlckte. Aber sonderbar, wir fanden an dem Abend nicht den Entschluß, zu Bett zu gehen. (Fortsetzung folgt.) Napoleons I. letzte öffentliche Geburtstagsfeier. (Nach einem Tagesbefehl vom 31. Juli 1813.*) , Am 25. Juli 1813 hatte Napoleon Dresden verlassen, um nach M a i n z zu reisen, um dort mit der Kaiserin zusammen- zutreffen, die einige .-läge vorher auf seinen Wunsch hier ein- getroffen war. Es waren die letzten glücklichen Stunden, die der ratierliche Gemahl an der Seite der Kaiserin Marie Luise! L? goldenen Mainz verleben sollte. Welcher Umschwung der Verhältnis,e, als der schwer geprüfte Mann drei Monate Ipatei, im November, dieselbe Stadt wiedersah! In dieser geb hobenen Stimmung der ^ulitage erließ er von Mainz aus den Tagesbefehl, der eine besondere feierliche Begehung seines Ge- m'A^tages anordnete. Es galt, noch einmal den schon im Äb- blassen begriffenen Glanz des einstigen Gebieters von Europa neu aufzufrtichen, die Begeisterung der Soldaten für ihren alten General anzufachen, die Stimmung der Bevölkerung in den okku- s".l2nsravc.- ^'^influssen. In der Erwägung, daß mit Ablauf des Waffenstillstandes' am 20. August die Feindseligkeiten wieder ausgenommen würden, und deshalb an seinem Geburtstage, Ist- Uugust, die geplante Festfeier unterbleiben müsse, ordnete oer Kaiser an, daß tm Soldatenlager schon am 10. August s Awrfeter zu ,einem bevorstehenden Geburtstage stattfinden Wtte.^pNit Bezug hierauf geht dem Fürsten von Neuchntel, *) Aus: „Lettres inebiteS par Leon Lecestre". Paris 18.97. 563 neralmajor frei „der Großen Armee", unter dem 31. Juli 1813 von Mainz aus nachstehender Tagesbefehl zu, der in der Ueber- setzung^ lautet: „Schreiben Sie den Marschällen und kommandierenden Generälen, sowie den Gouverneuren von Dresden und Magdeburg, dem Kommandanten von Würzburg rc„ daß in Anbetracht der Umstände das Geburtsfest des Kaisers am 1 0. August begangen werden soll. Ans diesem Anlaß befehle ich, daß einem jeden Unteroffizier und Soldaten eine Gratifikation von 20 Sous (80 Pfg.) verabreicht werde. Die Marschälle sollen Anordnungen treffen, daß diese Gratifikation schon ani 9. ausbezahlt werde. Diese Summe soll dazu dienen, ein besonderes Mahl Herrichten zu lassen: es soll weiter den Mannschaften gegeben werden doppelte Ration an Brot, Reis, Branntwein und Fleisch. Ich wünsche, daß die Marschälle Befehle geben, daß jeder Divisionsgeneral alle Offiziere seiner Division zu einer besonderen Tafel einlädt; der Marschall selbst soll an der Tivisionstafel teilnehmen, wo er sich befindet. Ich bewillige hierzu, unabhängig von den doppelten Rationen an Proviant, 6 Franks auf den Kopf. Die Summe soll en bloc dem Marschall zugehen, der sie wieder an die verschiedenen Divisionsgeneräle zur Verteiluug bringen wird. Ich wünsche aucb daß man in allen Lagern ein „Tc Tcum" singe, daß daselbst des Abends große Illuminationen stattsinden, daß die Artillerie Feuerwerkskörper abbrenne, kurz, daß jeder Marschall alles das tue, das ihm schicklich scheint, um den den Franzosen so überaus werten Tag feierlich zu begehen, die Soldaten au fzu heitern, nnd um Eindruck zu machen bei den verbündeten Völkern. Die verbündeten Truppen sollen dieselbe Gratifikation erhalten wie die anderen. Es wird zweckmäßig sein, daß die Tafel der -Offiziere im Freien abgehalten wird, mtb zwar zu derselben Stunde, wie das Mahl der Soldaten. Die Toaste werden unterstützt werden durch Salven von 100 Kanonenschüssen. In den verbündeten Ländern wird man die Spitzen des Landes und die vornehmsten Bürger einladen; in den feindlichen Ländern wird man auch die Obrigkeit und diejenigen von den Ersten der Gesellschaft, mit denen man zufrieden ist, einladen können. An den Orten, wo es möglich sein wird, fallen die Generäle einen Ball geben. In Dresden, dem kaiserlichen Hauptquartier, wird man für die ganze Stadt einen großen Ball abhalten; des Abends soll daselbst eine Truppenschau stattfinden, statt mit Kartätschen zu feuern, soll man Feuerwerk abbrennen, was mehr Eindruck machen wird. Die militärischen Operationen und die Aufkündigung des Waffenstillstandes, die am 20. stattfinden kann, sind die Gründe, aus denen ich die Feier des diesjährigen Geburtstages vom 15. auf den 10. verlegt habe. In Frankfurt, Hanau, Fulda und bei der 22. Division, Homburg ausgenommen, wird das Fest am 15. gefeiert werden, ebenso in Wesel, Mainz und in dem übrigen Frankreich. Daher werden diese Städte nicht in den Tagesbefehl einbegriffen sein." Eine besondere Freude wurde Napoleon bei dem diesmaligen Geburtsfeste zuteil; er erhielt von feinem 2 V? jährigen Sohn, dem König von Rom, die ersten Erzeugnisse seines poetischen Empfindens. Dadurch sehr beglückt, schreibt der kaiserliche Vater au die Erzieherin der kleinen Majestät: „Ich finde, daß der König sehr schöne Verse macht, und besonders drücken seine Verse Gefühle aus, die wahr find." Es war Napoleons letztes frohes Geburtsfest; 1814 beging er seinen Geburtstag im Kreise weniger Vertrauter auf Elba, 1815 dachte auf der Fahrt nach St. Helena an diesen Tag niemand mehr. —e—. Die Eisenbahnen der Erde. Dr. Krenzkam macht im neuesten Heft der Monatsschrift „Die Welt des Kaufmanns" (Verlag von Georg D. W. Callwey in München) interessante Angaben über den Umfang des Eisenbahnnetzes in allen sünr Erdteilen. Er schreibt U. a.: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind unter allen Staaten der Erde das an Eisenbahnen reichste Land; mit dem „Lande der unbegrenzten Möglichkeiten" ist auf diesem -Gebiete der Wettbewerb überhaupt ausgeschlossen, sie haben mehr Eisenbahnen als ganz Europa und nehmen von dem gesamten Eisenbahnnetze der Welt fast die Hälfte für sich in Anspruch. Es sind 4'73 096 Km. Eisenbahnen in Amerika, darunter in den Vereinigten Staaten — einschließlich 579 Km. in Alaska — 361579 Km., das sind über 45 000 Kilometer mehr als in Europa mit seinen 316 093 Km. Asien hat 87958 Km., Australien 28 510, Afrika 28193 Km. Eisenbahnen. Die Reihenfolge der einzelnen, am besten mit Eisenbahnen ausgesiatteten Länder hat sich wenig verändert: auf die Bereinigten Staaten von Amerika folgt das Deutsche Reich mit 57 376 Km.; allerdings ist der Abstand zwischen dem ersten Eisenbahnlande der Welt und dem Deutschen Reiche hinsichtlich der Bahnlänge sehr bedeutend. Dann kommt das europäische Rußland mit 56 670 Km., Frankreich mit 47142 Km., Britisch Ostindien mit 46 642 Km. Auch Oesterreich-Ungarn hat sein Eisenbahnnetz bedeutend ausgedehnt, nämlich aus 41 227 Km., während in Großbritannien und Irland der nahezu völlige Stillstand des Eisenbahnbaues anhält; Großbritannien mit seinen 37107 Km. scheint also ein mit Eisenbahnen gesättigtes Land zu sein. Känada hat ein Eisenbahnnetz von 33147 Km., Mexiko 21007 Km., die Argentinische Republik 20560 Km., Brasilien 17 059 Km., Italien 16 420 Km., Spanien 14 649 Km. und Schweden 13165 Km. In China wurden 1906 etwa 2300 Km. Eisenbahnen neu hinzugebaut; nachdem dort das Vorurteil gegen die Eisenbahnen überhaupt als überwunden gelten kann, und man insbesondere auch erfahren hat, daß die Eisenbahnen bei vernünftigem Bau und Betriebe sich billiger bewirtschaften lassen und gute Erträge liefern, wird im weiten China überall der Bau neuer Eisenbahnen in Angriff genommen. Tas Netz in Afrika hat sich von 26 395 Km. auf 28193 Km. vergrößert und nunmehr fast den Umfang der australischen Bahnen erreicht; namentlich in der Kapkolonie und in Transvaal, ebenso auch in den deutschen Kolonien in Afrika schreitet der Eisenbahnbau rüstig vorwärts. Zieht man das Verhältnis des Eisenbahnnetzes zu dem Flächeninhalt in Betracht, so -ergibt sich eine von der obigen ganz verschiedene Stufenleiter. Da steht unter allen Staaten das kleine industriereiche Belgien obenan: es kommen dort auf 100 Qm. Flächeninhalt 45,4 Km. Eisenbahnen, das heißt die höchste Quote. Dann folgen das Königreich Sachsen mit 20,3 Km., (Hessen hat -etwa denselben Prozentsatz. Red. d. F.-Bl.), Baden mit 14,5 Km., Elsaß-Lothringen mit 13,6, Großbritannien und Irland mit 11,8, Deutschland mit 10,6, Württemberg und die Schweiz mit 10,5, Preußen und Bayern mit 10 Km. vermischtes. * Die erste preußische Seeschlacht. Selbst ein guter Kenner der preußischen Geschichte könnte in Verlegenheit geraten, fragte man ihn, wann Preußen seine erste Seeschlacht schlug. In der Tat ist es ziemlich unbekannt, daß dies gerade vor 150 Jahren, nämlich am 10. September 1759 geschah. Zum Schutze von Wollin und Usedom und des Haffs gegen die Schweden hatte Friedrich der Große eine „Flotte" geschaffen, indem er im Mai 1758 dem Kaufmann Daniel Schulz in Stettin hatte befehlen lassen, vier Galeoten und vier sogenannte Zeese- kähne, große Fischerfahrzeuge vom Haff mit Geschütz zu versehen und auszurüsten. Fast fünfzehn Monate lang verhinderte diese winzige Macht das Eindringen feindlicher Schiffe in die Odermündnngen, endlich am 10. September 1759, kam es zu einer regelrechten Seeschlacht. Bei vollkommener Windstille lagen am Repziner Haaken zwischen Ückermünde und Neuwarp die Preußischen Schiffe, rechts der „Prinz Heinrich", „König von Preußen", die Galeere „Jupiter", die Galeere „Mercur", die Milte bildete- ein« kleine Fregatte und dann folgten auf dem linken Flügel „Prinz Wilhelm", Galeere „Mars", Galeere „Neptun". Im zweiten Treffen waren vier Barkassen. Die schwedische Macht unter Admiral Rudenspaar bestand aus vier großen Galeeren, zwei Bombardiergaleoten, acht kleinen Galeeren, einer Jacht, einem Proviant- und einem Lazarettschiffe und einer Anzahl unbedeutender Fahrzeuge. Gegen acht Uhr morgens erfolgte der Angriff gegen den rechten preußischen Flügel und bald war der Kampf allgemein. Die preußische Flottille hielt sich sehr tapfer, aber nach über zwei Stunden wurde der „Prinz von Preußen" geentert und seine Kanonen wurden sofort gegen die anderen preußischen Schiffe gerichtet. Dann mußte sich „Mars" ergeben und schließlich auch „Prinz Heinrich" und „Prinz Wilhelm". „König von Preußen" hatte nun die ganze Macht gegen sich und zog sich fechtend eine Meile nach Ziegenort zurück. Da aber die leichte aufgekommene Brise wieder einschlief, so mußte er endlich, ganz zerschossen, auch seine Flagge streichen. Die Verluste der Schweden betrugen über 120 Mann, alle ihre Fahrzeuge hatten stark gelitten, eine Barkasse war in die Luft geflogen und zwei ipnreri gesunken. — Das war die erste preußische Seeschlacht. * Die Heiligen der Lufts chifser und der Automobilisten. Auch die Luftschiffer müssen ihren Heiligen haben und sie haben sich, wie dem Temps au§ — 564 — Röfselfprung. W. Jeitseu. Redaktion: I V.: E. Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen Universitäts°B>.ch- und Steindrnckerei, R. Lange, in nächster Nummer. geworden, während der Automobilismus bereits seit längerer Zeit seinen Heiligen besitzt, den starken Christophorus, der den Herrn ans seinen Schultern trug. Ihn hat das Volk Auslosung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummert Wenn jedem laut geschähe, Was leis' er andern tut, Es ginge vielen wehe, Und ginge wen'gen gut. "Ein bisher ungedrucktesGelegenheitsgedicht Anzengrubers, das „Lied der Deutschen in Oesterreich" betitelt ist und aus dem Jahre 1881 stammt, bringt die Zeitschrift „Die Quelle". Es lautet: ■ Von einer mächtigen Felsenwand Kann eines Kindes schwache Hand Trotz Drängen und trotz Drucken Kein' Stein vom Felsen rücken. Und einem solchen Kinde gleich Sind deine Feind', Teutschösterreich l Wie bunt sie es auch treiben. Du brauchst allein Nur deutsch zu sein, Echt deutsch zu sein, So wirst du deutsch auch bleiben. Und suhlst du deine Ehr' bedroht, So Hilst dir wahrlich in der Not Und aus der Feinde Schlingen Kein Beten und kein Singen. . Drum srommt's auch nicht, Deutschösterreich, Die sunkelnden Dukaten gleich Für Lieder auszuschreiben. Du brauchst allein Nur deutsch zu sei», Echt deutsch zu sein, So wirst du deutsch auch bleiben. Musik. ~ A- Morena: Ein Sommertag in Göhren. Walzer. Berlin" Steglitz, C. Morena. , A. Beneke: Siegfried und die Varusschlacht int Arns« berger Walde. Leipzig-Gohlis, Bruno ,Bolger. Karl Hedinger: Elsaß. 1. Das deutsche Beamtentum! Uno. anderes. 2. Bundesstaat, Berwelschung, Parteikämpfe, El-, saßische Bürgerstuoe u. a. Leipzig-Gohlis, Bruno Bolger. - . Georg Zrechert: Vom Lebensweg. Schlichte Bersch Letpztg-Gohlts, Bruno Bolger. o Himmel und Erde. Gedichte. Leipztg-Gohlts, Bruno Bolger. Wilhelm Steritbauer: . Adressenschreiber. Sozialer Roman. Leipzig-Gohlis, Bruno Bolger. Hanns Wegener: Eichmdorffs „Ahnung und Gegenwart . Leipzig-Goylis, Bruno Bolger. Km r l H um n ins: König Gustav V. Adolfs Wickingerfahrt nach Reval. Epos. Leipzig-Gohlis, Bruno Bolger R elig t o ns g es ch ich t l i che Volksbücher, herausqeft von Fr. Schiele. III. Reihe, 11. Heft. Richard B ür kner: Altar und Kanzel. Geschichte des Gotteshauses. IV. Reihe, 10 Heft. v. Gustav Aurich: Der moderne Ultramontanismiis in seiner Entstehung und Entwickelung. Tübingen, I. C. B. Mohr. Im Wandel der I a h r t auseude. Eine Weltgeschichte tn Wort und Bild. 9.—13. Lieferung. Stritgart, Union Deutsche Berlagsgesellschast. ■ Adolf Friedrich Herzog zlt Mecklenburg: Ins rnnerste Afrika. Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition. 1. Lieferung. Leipzig, Die Standorte des deutschen Reichsheeres mit Armee-Einteilüng tind Verzeichnis der Regimenter nach deut Stande vom 1. Oktober 1909. Leipzig, F. A Berger Will). Vallentin: In Brasilien. Berlin, Herrn. Partei. Rom geschrieben wird, den Propheten Elias zu ihrem! , * Ddr Brud«,r-Schwesterbuttd. Eine seltsalne Sitte Schutzhelfer ausersehen. Ist doch der heilige Elias auf I die in keinem anderen Lande gefunden wird, besteht in Montes einem von feurigen Rossen gezogenen Wagen diirch die I einer Frau kann ein sog:. Lüfte gefahren, und das tun ja die Aviatiker auch, nur daß fettigere Aufopferung in jedem'^FtzUe^dä' LeMts 'verpflichtetem^ sie statt der Feuerrosse ihre Motoren benutzen. So tst denn I der eine Teil auch begangen haben, was er will, ja selbst die der heilige Elias zum himmlischen Beschützer der Ltiftschiffahrt I wachsten Angehörigen des anderen ermordet haben. Der Bund wird ■ 1 tn der Kirche durch den Priester unter dem' Bilde des heiliges Johannes geschlossen, wobei sich das Paar dreimal küßt. Darauf chnetdet der Jüngling, die neue Schwester in den Finger, verletzt „ sich selbst und läßt das Blut in einen Becher rinnen. Er taucht! ganz allgemein zum Patron der Atitomobilisten erwählt. Im I seine Waffe, sie den YatagaN ihres Vaters hierin Und dann trinken ' ' - '■ — - - - --■■■■ sie das Blut aus. Vdm nUn an ist eine eheliche Verbindung zwischen beiden ausgeschlossen. * Freundesrat. Verlob dich nicht in der Sommerfrische, du heiratest nämlich die Gegend nicht mit. Mittelalter galt Christophorus als Nothelfer gegen Unglücksfälle; es ging die Legende, daß der, der das Bildnis des Heiligen angesehen hatte, während des ganzen Tages vor einem plötzlichen Todesfall geschützt iväre. Deshalb stellten die mittelalterlichen Künstler Christophorus in riesiger Größe | Neue Vsicher, am Portal der Kirchen dar, damit die Reisenden nur den I (Besprechung erfolgt nach Auswahl. Eine Verpflichtung zur Blick zu erheben brauchten, um unter dem Schutz des Heiligen I Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eingesandter zu stehen. Es ist leicht erklärlich, tveshalb man den Helfer Aernomchen.) . re. o . äe9Q. Unglücksfälle zum Heiligen der Automobilisten machte. I faden für Anfänger und Fortgeschrittene.' °21." und ZZ^Anfl'/ In Italien iverden deshalb vielfach Bilder des Christophorus I bearbeitet von Paul HanNeke. Berlin, Gustav Schmidt. auf den Autoinobilen angebracht und die Händler mit | Grimmetshast-sens Simplizianische SchrifteK, heiligen Gegenständen verkaufen zahlreiche Medaillen zu jedem i -r^usgcgeben, eingeleitet und erläutert von Ernst Arnold. Erstep P«s° und in j-d-r G-Sj-, di- -ns)-- -in-n d-n ZLLK"'tz..ch--m Heiligen, auf der anderen em Automobil darstellen. I bliothek des 17. und 18. Jahrhunderts.) a 1 " * Reinlichkeit scheint auch erst ein neuerer Kulturbegriff ! 0 ® n f fe: Sehnen und Hoffen. Epos. Leipzig-Gohlis, zu sein, wenn auch z. B. der Gebrauch der Seife sich sowohl 1 ~ ~ ö - - im klassischen Altertum wie bei den alten Germanen nachweisen läßt. Aber man lese, was nach einer Mitteilung des Türmers Max Kemmerich in seinem neuen Buche „Kulturktiriosa" von der Reinlichkeitsbetätigung früherer Zeiten initteilt: Leute, die sich eines gottgefälligen Lebenswandels befleißigten, badeten im Mittelalter nicht. Desto reinlicher waren die weltlich Gesinnten. Das Waschen beschränkte sich allerdings bloß auf Gesicht und Hände, aber Bäder, und zivar gemeinschaftliche für Mann und Weib, existierten zu allen Zeiten. Ein großer Teil des Tages wurde im Wasser zugebracht, wo man einander traf, plauderte, sich erlustierte. In Hall in Tirol war es im 17. Jahrhundert Brauch, Halboder ganz nackte Mädchen von zehn bis achtzehn Jahren über die Straße ins Bad zu schicken und sie von nackten Burschen von zehn bis sechzehn Jahren begleiten zu lassen. Als int Jahre 1666 eine Reinigung der Straßen von Paris vorgenommen wurde, war das ein so großes Ereignis, daß es von Dichtern besungen wurde, .ja daß Medaillen zu dauerndem Gedächtnis diese Sgche verkünden. Die Kuriosa, die der Verfasser über Hygiene noch aus der Zeit Voltaires mitteilt, die Beschreibungen der Zustände in Pariser | Klinkhardt u. Biermann. Krankenhäusern, die Details von dem verpesteten Friedhof des innocents sind wert, recht weit bekannt zu werden. Dann würde der Hinweis auf die „gute alte Zeit" wohl bald verstummen. wert durchs den sundeu eins Todes ist men Wun- ge- als bat ein stritt das mit Weg mehr wilde mit der mals stür- mir Meer seinen den litt wer Herz nie nie-