Nr. 88 1909 MZ ^WBSsl !«MWMW' M»,7.,.77SÄ । MS&J ^Sfraf ä ® iall® 1Ü M^ZÄWüWW MMML^WEEMMZ O Brennende Liebe. Novelle von ClaraViebig. (Nachdruck verboten.) Es brannte im Dors. Immer zur Nachtzeit; bald hier, bald da, nun schon an die acht Wochen. Eben war das Korn auf dem Feld in die Halme geschossen, als an einem dunklen Abend das erste Feuer ausgekommen war; seitdem hatte der rote Hahn tv-ohl auf zehn Hütten gekräht. Biel Schaden war zwar nicht entstanden; dem einen war nur das tiefhängende, mit Binsen und Stroh gedeckte Dach ein wenig angesengt worden; beim andern hatte die vom Wiuterschwein gesparte Speckseite, die von der Balkendecke herabbaumelte, ein bißchen gebrenzelt; beim dritten hatte das Reisig, das die sammelnden Kinder au der Seitenwand des Häuschens aufgeschichtet, geknackt und geknistert, bis die Frau, die der Säugling wachgeschrien hatte, wähnte, draußen sei einer und hole ihr Reisig !veg; beim vierten hatte der Kuh ängstliches Brüllen das Qualmen auf dem Futterboden verraten; beim fünften war's gar nicht erst ausgekommen, ein Regenschutt hatte den Dachstuhl begossen Und gelöscht, was etiva im Gebälk nicht geheuer war. Immer war aller Heiligen Schutz sichtbar zu spüren gewesen. Aber doch begann ein heimliches Grausen die Gemüter der Dörfler zu rütteln. „Ech kurantören," sagte ein ganz Kluger und zog das braune Leder seiner Stirn in bedenkliche Falten, „duh es einen Lauskerl, darr et anfänkt!" Ja, so mußte eS auch sein! Jemand war da, der das Feuer anlegte! Die Kinder konnten die Schuldigen nicht sei», die wurden an der Hand und in der Hotte mit ins Feld genommen, oder blieben sie einmal allein zu Haus, so versteckte die Mutter die Schwefelhölzer gewiß auf der» obersten Bord, wohin sie nicht langen konnten. Aber hatte die Ammei, die allein au der Wiege ihres kranken Kindes saß, als alle noch in der Abenddämmerung draußen auf bem Feld schafften, nicht einen verrnmmuten Kerl zum Fenster hereingucken sehen? Und war dem Bräuer'sch Hubert, der in später Nachtstunde noch den Hof aufgesucht, nicht ein schwarzer Schatten vorbeigeschlüpft und im Heckengäßchen zwischen den Gärten entkommen?! Es war kein Zweifel mehr, es gab einen Brandstifter — dber wo, wer war der Missetäter? Einer aus dein Dorf—? Nicht möglich! Da kennt ja einer den andern viel zu genau, erfährt's täglich zu sauer am eigenen Leibe, wie schwer das bißchen Lebensnotdurft zusmnmengeschrabt ist, um aus reinem Uebermut den Nachbar zu ängsten. Nein, es mußte schon einer von weiterher sein; einer vielleicht, der sich in der Welt umhergetrieben' Freilich Handwerksburschen, Fechtbrüder, die ।— wer weiß?! — schon mit einem Bein im Zuchthaus stehen, Passierten nicht das Dorf, das einsam Ms dem Eifelplateau liegt, seine zwei schnurgeraden, dichtgedrängten Hüttenreihen in den Schutz eines schwarzen Tannenwäldchens stellt, dagegen seine weitentlegenen, dem Oedland abgerungcncn Felder allen Eifelwinden und allen' Pfeilen glutäugiger Sonne preisgibt. Das kleine. Dorf zitterte. Und bei der Angst war Neugier und bei der Neugier Wut. Wenn man den Kerl er- wischte, man schmiß ihn von der Straßeuböschung herunter in den Bach, daß er nie mehr auf die Beine kam! Oder matt stieg hinauf zur Bergkuppe, die wie ein Kopf, auf dem Scheitel mit kurzem Gebüschschopf besetzt, über'm Dorf auf- taucht, und hing ihn da an den zähen, im Wind schaukelnden Haselnußbaum, mit dessen Gerten man ihn erst weidlich verdroschen! Da ivürden die Kühe und Schweine, die der Dorfhirt auf knrzrasigem Anger hütete, lvas 31t gucken haben und ihr Hirt, der Ofen-Willelm auch! Und lute sie an den Wilhelm dachten, stockte ihnen Plötzlich der Atem. War der nicht Heizer gewesen unten im Rheinland, jahrelang?! Der einzige aus dem Dorf, der nach seiner Militärzeit nicht heinigekehrt Ivar, um den Acker mit seinem Schweiß zu begießen, sondern der unten geblieben war, wo die Welt lockt und die lieben Heiligen nur mehr in den Domen zu finden sind, aber nicht mehr auf den Straßen. Es hieß, daß man in den Fabriken auch schwer arbeiten mußte, — mochte sein, aber sicher doch lange nicht so schwer, wie man hier oben arbeitete, wo einem im Mai gar oft noch die Feldfrucht erfror und die Kartoffel schon wieder im September. Der Ofen-Wllelm hatte da unten weiter nichts zu tun gehabt als Glut zu schüren. .Heizer war er gewesen, Nachtheizer in der Fabrik; aber alle Tage hatte er verschlafen können, in einem faulen Leben sein sicheres Geld verdient — bloß fürs Feueranzünden! „Hm!" Der Gemeindevorsteher kratzte sich den Kopf, als ihn etliche mit der Nase auf den Ofen-Willelm stießen. Was, der sollte das Feuer gelegt haben?! 's war freilich ein merkwürdiger Kerl, ja, da hatten sie wohl recht, ein ganz Kurioser, anders wie andere, das kam eben vom Leben draußen — aber ein Brandstifter? Nein! War nicht seine Mutter, die Witwe Driesch, ein kreuzbraves Weib, eine gottesfürchtige Frau dazu, vor der jeder die Mütze heruntertun konnte?! Weit wies der Gemeindevorsteher die Petzer und Zuträger von sich; aber als ihm bald darauf, in einer Sonntag« nacht, der Heuschober abbrauntc, den er am Samstag-Abend erst fertig gesetzt hatte, dicht hinter seinen: Zaun, begann er doch auch zu schnuppern. Von des Ofen-Willelm Hütte her fing es auch ihm an, brenzlig zu riechen. Was, sollte am Ende der Ofen-Willelm das Feuerstochen nicht lassen können? Der war seit Winter wieder im Dorf; im grauen Winter war nie etwas ausgekommen, aber nun, seit die Sonne schien, seit die au: Hiinmel lohte, die Hütten und die Tannen, die Aeckcr und den Bergkopf Tag für Tag mit ihrer roten Glut überschüttete, seit der struppige Gebüschschopf flammte und die Kiesel in: versiegten Bach Funken sprühten und auf sonneuharten Wegen der trockene Staub blendete, seitdem r- —,» 350 In des Gemeindevorstehers Kopf wogten seltene Gedanken; er besprach sich, mit dem und jenem, recht heimlich-. Hinter der Schennenwand tuschelten sie wie verliebte Paare, oder weit draußen auf flachem Feld, >vo nur die heiße Luft zitternd lauschte. Mit den Gerichten was zu tun zu haben, ist immer eine üble Sache, man weiß nie, ob man Recht kriegt oder Unrecht; doch eh' man sich das Dorf anstecken ließ, jetzt gerade, da der Brünnen anfing spärlich zn spenden, jetzt, da selbst der Bach int kühleren Grund nur mehr ein dünnes Rinnsälchen über blanke Stellte sickern ließ, jetzt, da man der Ernte gedenken inußte — sie war Heuer reichlich-, aber wer konnte Mut haben, sie itt die Scheunen zu sarn- Nteltt? ,— hieß cs: lieber verklagt, als beklagt. Ein warmer Abend war's nach sonnensrohem Sommertag, als der Fußgcndarm aus der nächsten Bürgermeisterei Und der Gemeindevorsteher zusammen nach der Hütte der Witwe Driesch stapften. Kakhrein Driesch kochte das Abendmus. Eben hatte ihr Willelm die Herde eingeirieben; noch zitterte der letzte Ton seines Tuthorns iit den Lüften, jede Kuh lvar gehobenen Schwanzes in ihren Stall gerannt. Nun hatte der Hirt auch Feierabend. Er saß beim .Herd auf dem Schemel, hatte bett Napf int Schoß, den Löffel in der Hand, und die Mutter tat ihm auf. Aber er sah nicht die bräunlichen Speckgrieben, die >vie leckere Fischchen im Mehlbrei auf» tauchten; unverwandten Blickes schaute er ins Herdloch, drin Funken sprangen. Tie Mutter sprach: „Jong, esu äß doch!" fischte aus' ihrem Napf die Speckgrieben und tat sie ihm auch noch auf. Ihr Mlleltn aß die gern, und war der Speck auch sündhaft teuer, der Jung mußte alle Abend sein Geschmelztes haben. Was hatte er denn sonst auf der Welt? Gar ttichts! Der arme Jung! . Bon fünf Söhnen war er der letzte — zwei klein gestorben, zwei in Frankreich gefallen — immer hatte sie sich drein geschickt itnb Amen gesprochen. Aber daß der Willelm da unten sich so zn Schanden gearbeitet hätte, daß er ins Krankenhaus gemußt und danit für invalide erklärt worden war auf seine besten Jahre, das grämte sie. Er hatte nun freilich hier oben den Posten als Gemeinde- Hirt bekommen — aber war das wohl ein Amt für einen, der immer klüger gewesen war als die andern von seinem Jahrgang? Der heut noch klüger ivar als alle, die nach ihm dem Herrn Lehrer durch die Finger gelaufen, der eigentlich geistlich hätte werden müssen, wenn's Geld dazu vorhanden gewesen wäre? Säue hüten itnb Kühe treiben, das kann auch ein Trottel! Die Mutter unterdrückte einen Seufzer und strich ihrem Millelm den buschigen Haarschopf aus den Augen. Er brummte nur, und als sie ihm ermunternd zuredete: ,/Esu äß doch, — esu lecker — Schweinsgriewen un Buch- Weizenmehl !" — löffelte er sich gedankenlos etwas ein und ließ es bei der andern Mundecke wieder heraüslaufen. Seine Stirn blieb gerunzelt, und vom Hinterköpf, wo der Schädel durch spärliche Haarreste nur unvollkommen gedeckt war, schien ihm ein Zucken herabzulaufen nach dein Genick und den Rücken lang in einein leichten • Stiefeln.' Seine Augen blieben starr, ganz abwesend, bis: sie jetzt plötzlich an zu rollen fingen von oben nach unten, von rechts nach links; Unstet folgte sein Blick den springenden Funken im Herdloch. Die Mutter betrachtete den Sohn unverwandt, während sie leise, ohne das gewohnte Schlürfen und Schnalzen des Behagens ihren Napf auslöffelte. Sie verscheuchte die Katze, die sich schnurrend heranschlich und ihren Kopf an den Beinen des Mannes rieb, mit stumm-drohender Gebärde. Sie -selber wagte kaum zn atmen. Was mochte der Willelm denken, daß er so stumm war? Früher, im Winter, war er viel parlauker gewesen. Was hatte er da nicht alles erzählt von den Fabriken unten mit ihren Rädern und. Walzen, mit ihren Schornsteinen und Kesseln, mit ihren Oesen, die einen Bauch hatten wie ein Bierfaß zur Kirmes — nein, noch viel größer, groß wie die leibhaftige Hölle, darin ellenhohe Flammen brennen! Er war an die Hitze gewöhnt, nun fror er immer, der arme Jung' Jetzt, selbst im Sommer, wo andere den Schatten suchen, stellte er sich in die pralle Sonne oben am Anger, kaute an feinem Kanten Brot und blickte starr ins feurige Gold am Himmel. Aber heiß genug, sagte er, würde ihm doch nicht; den ganzen Tag mußte sie int Herd feuern, so viel Reisigholz und Tannenäpfel wär sie sonst im strengsten Winter nicht sammeln gegangen. Sich den niederrinueuden Schweiß vom Gesicht wischend und das kattunene Tuch nm mageren Hals ein wenig lüftend, raffte Kathrein Driesch ein neues Bündel Reisig vorn Estrich Hinterm Ofen auf, brach's knackend über dem Knie in kleine Stücke und stopfte alle zugleich, uoch dem Herd in den Rachen. Ter platzte fast. Aber mit einem Stöhnen, mit einem Schauer des Frierens rieb sich der Sohn jetzt die Hände, und dann sagte er langsam, stockend, als mache ihm jedes Wort Muhe> und doch mit innerer Hast: „Modder — zieh — schlaoseu!" „Jao, jao," sagte sie und faßte schon nach ihrer Haube, wüßte sie doch, daß, wenn der Willelm nicht seinen „gud Schuhr" *) hatte, er leicht ungeduldig wurde. ,So wollte sie ihm denn rasch den Willen tun, sich 's Deckbett über die Ohren ziehu, wenn auch draußen noch Leben war. Bon fern klang Mädchen-Gekreisch und das Dengeln von Sensen. Auch Willelm lauschte. Er war jetzt aufgestanden; den Kops weit vorstreckend, daß sich ihm die Strange am Hals zerrten, verharrte er unbeweglich. Tie Kniee hielt er eingeknickt, die Lippe hing ihm. Nur die Augen des finsteren Gesichts fuhren beständig umher, lauernd, geängstet wie bei einem Tier, das gejagt wird und das doch selber jagen möchte. Die Nüstern der stumpfen Nase blähten sich witternd. Durch die tiefer und tiefer werdende Dunkelheit der Bauernstube tönte jetzt das betende Leiern der Alten: „Gegrüßet feist du, Maria, voller Gnaden, Der Herr ist mit dir, Gebenedeit bist du unter den Weibern Und gebenedeit die Frucht deines —" Sie unterbrach sich, ihres Sohnes gedenkend: „Willelm!" Und als er nicht kam, kletterte sie noch einmal aus dem Bett, tappte sich auf bloßen Füßen zum Sohn hin, machte dem Vierzigjährigen, wie sie es einst dem Vierjährigen getan, das Zeichen des Kreuzes auf Stirn und Brust und tappte dann befriedigt wieder zurück. Gleich darauf schnieften schon ihre ruhigen Atemzüge. (Fortsetzung folgt.) Goethe als Mensch. Goethe ist heute der Gegenwart besonders nahegerückt. Wir sehen ihn heute weder als einen in hohen Wolken thronenden Halbgott noch als einen in enger Erdenwelt hausenden Philister. Was. uns an Goethe besonders lieb und wert erscheint, ist seine v o rbil d- liche Menschlichkeit. Wir haben erkannt, daß in Goethe die Seele der Menschheit am vollkommensten ausgebildet ist. Goethes Bedeutung liegt nicht in einzelnen seiner Werke, andern in der Gesamtheit seines Schassens, in der sittlichen Wirkung seiner Persönlichkeit. Im ganzen Streben des Dichters besitzt nichts eine so führende Rolle, wie der Drang nach Ethüch-AcsthetifcheM, nach dem Höchsten überhaupt. Das Sittlich-Schöne und Güte hat Goethe zu dem edelsten Menschen gemacht, dem wir uns nicht mit zitternder Sklavenehrfurcht nähern, sondern mit Liebe. Denn Goethe war nicht der kalte, abgesonderte Egoist, sondern ein Menschenfreund, den Jesus zum Vertrauten erkoren hätte. Goethe ist der eigentliche Schöpfer des Begriffes Menschentum? Als Menschheitsgestalt ragt er in unsere Zeit hinein, den Weg leuchtend, den die Menschen gehen sollen, die idealen Ziele kündend, die fein strebender Geist erreichte. Und wenn wir nach den Mitteln fragen, mit denen er so Großartiges erreichte, dann darf die Antwort nicht allein stauten: Begabung und Gunst des Schicksals. Ware Goethe nicht ein Manu von mtSgerciftem. Charakter, der souveräne B Herrscher einer nach langen Mühen erworbenen produktiven ArbeitsMethooe gewesen, er hätte über den Durchschnitt nicht hinausgeragt. Fleiß, Ausdauer, Folge und Beharrlichkeit waren die Geheimnisse seiner Lebenslust. Das Ziel seines uuvergleichb sichen Bildungsdranges war die harmonische Ausbildung aller feiner Kräfte, das volle Ausleben feiner Individualität. Er 6ei«8 die seltene Kunst der Aufmerksamkeit und der starken Konzentration. Er floh gewaltsamen Eindrücken, um au seiner Seele, seinem inneren Menschen, keinen Schaden zu nehmen. Er war sich seines Weges bewußt und wollte ganz seiner innersten Bestimmung gerecht werden, ganz seinen wünschenswertesten Beruf ausfüllen: edlen Seelen vorzufühlen. Er erforschte das Erforschliche und verehrte ruhig das Unerforschliche. Darin erblickte er das schön ne Glück des denkenden Menschen. Nichts aber war ihm verhaßte« als eine laue Oberflächenkültur. Goethe hat llnendliches geschaffen. Uni) doch ist alle diele „Literatur" im: Go et he scheu. Sinne nur „Fragment". Größer aw alle Spuren seines unermüdlichen Wirkens war jein Leben, seine menschliche Existenz, fein unverfälschtes Menschentum. Schon von *) jour = Tag. — 351 Zeitgenossen wurde das Kunstwerk seines Lebens bewundert. Als Mensch war Goethe ohne Tadel. Nie hat er sich irgend eine Unredlichkeit zu schulden kommen lassen. Auf bent Neidpfade hat mau ihn nie betroffen. Er war selbstbewußt, aber nicht stolz. Wenn er oft so erscheint, dann ist es nicht seine Schuld. In Demut verehrte er alles Große und Schöne. Goethe verliert nichts von seiner Größe, wenn wir erfahren, daß er ein Mensch war wie wir, mit menschlichen Eigenschaften und Gebrechen. .Hätte er die nicht gehabt, er wäre nicht mehr als eine kalte Statue geworden. Aber er war Mensch unter Menschen, schuf als Mensch Großes -für Menschen. Die sauerste Lebensprobe bestand er, indem er sich selbst bezwang. Ein Befreier der Unfreien wollte er sein. Der Fundamentalsatz seiner Ethik heißt: Bon der Gewalt, die alle^Weseu bindet, Befreit der Mensch sich, der lich überwindet! Dem Getriebe der Welt war Goethe, abhold. In manchen Forderungen des Tages hat er eine Passivität bewahrt. Wo man ihn gern als obersten Richter gehört hätte, da schwieg er. jSetne Gedanken wuchsen in beschaulicher Stille. Aus heißem Sehnen nach innerer Ruhe entstanden am '12. Februar 1776 die Verse : Ach ich bin des Treibens müde! . . . Süßer Friede, komm, ach, komm in meine Brust! In solchen Stunden, wo .nur der Atem' guter und stilleü Menschen seine Glückseligkeit fördern konnte, gewann er an^Tiefe und Ausdehnung, erlebte er die tiefe Wahrheit der Worte: „Selig, .wxr sich vor der.Welt ohne Haß verschließt." In seinem Tagebuch ist zu lesen: „Das Beste ist die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse und gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen kann." In dieser olympischen Ruhe und Heiterkeit fand Goethe die Kunst 'unbefangenen Schauens und Lauschens:, die Lynkeusstimmung des reifen Alters. Ruhe und nachgiebige Beharrlichkeit hat der Dichter hohe Glücksgüter, genannt. Zu Kanzler Müller äußerte er einmal: „Es gibt nur zwei Wege, ein bedeutendes Ziel zu erreichen: Gewalt und Folge. Jene wird leicht verhaßt, reizt zur Gegenwirkung und ist überhaupt nur wenigen Begünstigten verliehen. Folge aber, beharrliche, strenge, kann auch vom Kleinsten angewendet werden und wird selten ihr Ziel verfehlen, da ihre stille Macht im Laufe der Zeit unaufhaltsam wächst." Goethes Leben Ivar ein Kampf, hervorgegangen aus dem Ruf nach Tätigkeit. „Elender nichts als der behagliche Mensch ohne Arbeit!" schrieb er 1779 in sein Tagebuch. Aus allem' Leiden und Dulden heraus fand Goethe allein durch Streben und Tun den Weg zum neuen Menschen, zur Selbstbefreiung. Faust-Goethe sagt: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der tätlich sie erobern muß." lind int Faust, der Lebensbeichte des Dichters, stehen auch die inhaltsreichen Worte: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen." Jede Arbeit sindet in sich ihren schönsten Lohn. „Da, wo du bist, da, wo du bleibst, wirke, was fcit kannst, sei tätig und gefällig und laß dir die Gegenwart heiter sein." Eine andere weise Goethesche Lebensregel lautet: Willst du dir ein gut Leben zimmern. Mußt ums Vergangene dich 'nicht kümmern, lind wäre dir auch was verloren, Erweise dich Ivie neugeboren! Was jeder Tag will, sollst 'du fragen, Was jeder Tag will, wird er sagen. 'Wie eine Friedensbotschaft an die Menschheit klingen diese Verse. Wie ein Leuchtturm' erscheint hier! der Dichter, der den Menschen aus dem stürmischen Lebens'meer.die Fahrt zeigt. „Denken ' und Tun, Tun und Denken, das ist die Summe aller Weisheit. Beides muß wie Aus- und Einatmen sich im Leben ewig fort, hin und her, bewegen. Wer sich zum Gesetz macht, das Tun am Denken, das Denken am Tun zu prüfen, der kann nicht irren, und irrt er, so wird er sich lald auf den richtigen Weg zurü'ck- findeit." Wer still an seinem Platze zum Wohl der Allgemeinheit sich strebend müht, der ist ein wahrhaft guter Mensch int Sinne des Weisen von Weimar. Aus dem Boden der Humanität . strebte Goethe eine Menschheitsverbrudernng an. „Humanus heißt der Heilige, der Weise, der beste Mann, den ich mit Augen sähe" Auch die Worte stammen von Goethe: „Kindlein, liebt euch, oder, wenn das nicht gehen will, laßt wenigstens einander gelten." In Goethe dürfen wir ein Menschheitsideal verehren. Das Ideal des einzelnen Herzens wie der ganzen Menschheit. Er ist 'der Führer zu allem Edlen und Guten, zum wahren 'Glück, zur Ästhetischen und sittlichen Kultur. Ihm können wir unsere Zukunft anvertrauen. Em Edison des Mitteialters. lieber einen interessanten Vorgänger Edisons, der ihm än Fülle und Energie des Erfindungsgeistes nicht unebenbürtig erscheint, wenn er auch freilich, durch ein widerstrebendes Zeitalter gehemmt, in seinen Erfolgen weit hinter dem großen Erfinder des 19. Jahrhunderts zurückblieb, war Edward Somerset, Marquis von Woreester, dem George Frederie Stratton in Seieutific American einen längeren Aufsatz widmet. In der Geschichte der experimentellen Wissenschaften, hat er zwar nur einen bescheidenen Platz bei der Erfindung der Dampfmaschine, aber in seinen Ideen und Planen, in feinem Wollen und Wirken war er eine weit über die Grenzen feiner Zeit hinausschauende, schon ganz modern anmutende Persönlichkeit, ein Experimentator großen Stils. Wenn einer seiner zeitgenössischen Biographen von ihm sagt, „er habe nichts an und für sich für wahr gehalten, sondern alles durch das Zeugnis eines einwandsfreien Experiments erweisen wollen; er habe aus allem, was er dachte oder las, Stoff zu Erfindungen ge- zogen", so erinnert das an ein ähnliches Bekenntnis des' „Weisen von Menlo-Park", der von demselben rastlofen Versuchseifer, dem gleichen Wunsch, durch Experimente seine Ideen zu beweisen, sich beseelt zeigt. In den unruhvollen Zeiten Karls I. von England in der Aera der Revolution und Cromwells ragt die Gestalt Edward Somersets als eine fremdartige und doch gewaltige Erscheinung aus seiner Umgebung hervor. Einem uralten Geschlecht tapferer Soldaten und mächtiger Edelleute entsprossen, war er im Hofleben aufgewachfen und zu einem königstreuen Krieger geworden, der für seinen angestammten Herren Gut und Habe opferte. Nicht weniger als 350 000 Pfund hat er aufgebracht, um Truppen gegen die Rebellen auszurüsten: er hat sich im Bürgerkriege selbst an ihre Spitze gestellt. Nirgends trat ihm in seiner Erziehung und Umgebung ein Hinweis auf jette wissenschaftlichen Beschäftigungen entgegen, denen er sich später mit immer größerer Leidenschaft zuwandte. Mit 27 Jahren war er jedoch bereits von seinen Ideen und mechanischen Experimenten so erfüllt, daß. er in einer seiner Burgen, Raglan Castle, Werkstätten ein« richtete und einen geschickten Meister, den Dentschen Kaspar Kalthoff, zum Leiter berief, unter dessen Aufsicht seine Ideen zur Ausführung gebracht werden sollten. Wenige Jahre später genügten ihm diese Werkstätten nicht mehr, sondern er erbaute in Vanxhall bei London besondere Gebäude und Laboratorien, die ihn allein 200 000 Mk. kosteten. Die Gesamtsumme, die er für seine Experimente ausgegeben hat, wurde auf eine Million Mk. berechnet, für damalige Verhältnisse ein enormer Betrag, dessen Hingabe selbst bei einem so reichen Malme wie dem Marquis von Woreester allgemeines Aufsehen erregte. In die Wirren des Bürgerkrieges war Somerset, als eifriger Parteigänger des Königs eng verstrickt, und nach der Hinrichtung Karls I. ging er in die Verbannung nach Frankreich. Seine Güter wurden eingezogen und er lebte drei Jahre in großer Armut. Seine gewaltigen Werkstätten in Vanxhall waren aber von dem Protektor Cromwell vor Zerstörung geschützt worden und es war .Kalthoff erlaubt worden, in seinen Arbeiten ruhig fortzufahren. Da litt es den Marquis nicht int fremden Laude, fern von seinem Lebenswerk'; er kehrte nach London zurück und wurde hier drei Jahre im Tower gefangen gehalten. Von hier aus verkehrte er mit seinem "Werkmeister, schickte ihm Zeichnungen und Altweisungen zur Ausführung der Modelle und Maschinen, die auch in der Zett des größten Unglücks ganz allein seinen! Geist erfüllten und beherrschten. Genauere Einzelheiten über die Erfindungen Somersets sind uns hauptsächlich er« halten in einem 1663 von ihm veröffentlichten Werk', das den Titel „Ein Hundert Erfindungen" führte. Der Titel wurde von ihm selbst dahin erklärt, daß er hier hundert von ihm gemachte Erfindungen zusammengestellt habe, die so weit durchdacht und gefördert seien, daß jede von ihnen in der Praxis eingeführt werden könne; er veröffentliche nur die wichtigsten seiner Ideen, soweit er sich ihrer noch erinnere, und auch nur Pläne, die er nach dem Jahre 1655 gefaßt habe, da seine früheren Aufzeichnungen ihm verloren gegangen seien. Eine ganze Reihe moderner Errungenschaften ans dem Gebiete der Technik ist hier bereits vorweg genommen und in allen Einzelheiten beschrieben. So erläutert er „eilte Maschine, in der Tasche tragbar, die im Innern des größten Schiffes zu jeder bestimmten Minute, bei Tag oder Nacht, selbst noch eine Woche nachher, bewirken kann, daß das Schiff unwiderruflich füllen muß". Es handelte sich um einen Explosionsstoff, der durch ein Glockenwerk zur Wirkung gebracht wurde, also um einen Vorläufer des moderueu Torpedobootes. Des weiteren beschäftigt sich der Erfinder viel mit der eingehenden Erörterung von Sicherheitstüren und Vexierschlössern, durch die jeder Diebsgefahr vorgebeugt wird. „Der Eigentümer kann", so heißt es von einem dieser Sicherheitsschlösser, „auch wenn es eine schwache Frau ist, mit leisem Handgriff die Stellung des Schlosses zehn Millionen Mal mehr verändern als es selbst der Verfertiger oder ich, der Erfinder, weiß. 352 Menn es ein Fremder öffnet, so ertönt eilte Alarmglocke, die der Eindringling nicht abstellen kann, und auch wenn es niemand hört, wird seine Hand in einer Fuchsfalle festgehalten." Sonrerset gibt die Konstruktion einer Baggermaschine an, die der heute gebrauchten Form bereits sehr nahe kommt; er scheint auch der Erfinder des hydraulischen Widders gewesen zu sein, denn er beschreibt unter anderen Wasserhebemaschinen, auch einen Stoßheber ganz genau. Sein verbesserter Revolver, den er sich 1661 patentieren ließ, ist bereits eine Art Magazingewehr mit Hinterlader-Einrichtung: Er enthält „zehn Kugeln, die hintereinander abgeschossen werden können, so daß man mit einer einzigen Ladung zehn Diebe töten kann, ohne von neuem zu laden". Die Gedanken einer Universalschrift beschäftigten auch den Marquis, die die Völker untereinander näher verbinden sollte. Seine größte Erfindung aber war die „Feuer- Wasser-Maschine", die durch Dampf in Bewegung gesetzt wurde und in Bäuxhall mehr als acht Jähre in Tätigkeit wär. Es war eine richtige Dampfmaschine, wohl die erste, die wirklich konstruiert wurde. Er nannte sie selbst voll Stolz ein „halb-allmächtiges Werk", und ehe er in melancholischer Resignation, ohne mit seinen Erfindungen durchgedrungen zu sein, aber ungebrochen ins Grab stieg, wünschte er, daß ein Modell mit ihm begraben würde, was aber die Priester als Teufelswerk verweigerten. Vermischtes. * Erfolge der Polizeihunde. Die Frage, ob der Polizeihund nötig ist, kann als nut „ja" beantwortet werden; denn die beste Autorität auf diesem Gebiete — der Verbrecher selbst, gibt zu, daß ihm ein einziger Hund unangenehmer ist als drei Beamte. So wurde vor einiger Zeit der berüchtigte Kassen- einbrecher Wilke von Dessau nach Koswig transportiert, und da man bei dieser Gelegenheit auf eine Geivglttat des zu acht Jahren und drei Monaten Zuchthaus Verurteilten rechnen konnte, nahmen die Transporteure einen Polizeihund mit in den Wagen hinein. Das kluge Tier setzte sich sofort dem Verbrecher gegenüber auf die Bank und wandte während der Fahrt kein Auge von ihm üb. Wilke, der sich 'stets bei derartigen Gelegenheiten äußerst renitent benimmt, wagte es "jn diesem Fälle nicht, irgend einen Widerstand zu leisten, er versprach sogar ohne weiteres, sich ruhig zu verhalten, und blieb es auch. Da für die meisten dieser Taugenichtse der Transport zur Strafanstalt der letzte Augenblick ist, bei dem ein Fluchtversuch einige Aussicht auf Erfolg hat, so liegt es im Interesse der Sache, bei allen diesen Gelegenheiten einen; Hund 'zur Bewachung hinzuzuziehen. Oft ist ein braver Gehilfe aber auch schon der Retter seines Herrn in der Not geworben', so kürzlich erst wieder in Hamburg, als ein Arretierter den Polizisten plötzlich än der Kehle faßte und derart zu würgen begann, daß nur das sofortige Einspringen und Zubeißen des Hundes den Ueberraschten vor dem Tode errettete. In der Verhandlung gab der äußerst kräftige und wegen Gewalttätigkeiten und Raubes schon vielfach vorbestrafte Mensch zu, daß nur der im Arm fest- verbissene Hund den Beamten vor weiteren Tätlichkeiten geschützt hätte. Häufig dient aber auch der Hund zur Ueberführung des Verbrechers, und es gibt einige Beispiele, bei denen der Hund noch Tage nach der Tat die richtige Spur sand. Der kürzlich wegen Mordes Hingerichtete Knecht Hütscher hatte sein Opfer mit einem großen Stein niedergeschlagen; an einem Montag morgen wurde der Erschlagene aufgefunden, nnd erst Dienstag nahm die Polizeihündin Gerhilde die Verfolgung nach der geringen für sie noch am Steine wahrnehmbaren Witterung auf. Sie hielt anderthalb Stunde lang die Fährte des Mörders des Försters Kleinen nnd wiederholte diese Leistung 41 Stunden später nochmals. Derartige Beweise verblüffen die Verbrecher derart, daß sie sich für überführt erachten und ein Geständnis ablegen. Es ist nicht gesagt, daß nur gerade die obengenannten Hunderassen zu Polizeihund- dieusten geeignet sind, denn fast alle mittleren Hundearten lassen sich ausbilden und in der Praxis verwenden. Gelegentlich schlummert in einem Hunde ohne Wissen des Besitzers rin derartiges schätzenswertes Talent, das bei gegebener Gelegenheit plötzlich in die Erscheinung tritt, und uns auf die Verwendbarkeit des Hundes aufmerksam macht. So wurde vor Jahren in einem Flecken Oberbaherns ein Bullterrier der Entdecker eines Brandstifters. Sein Herr kam in der Nacht in dem Augenblick an einem abseits liegenden Gehöft vorbei, als gerade die erste Feucrgarbe zum Giebel eines Stalles hervorschoß. Da Eile geboten war, um das Bich noch zu retten, so kümmerte sich der betreffende Herr zunächst nicht um den stets zur Seite bleibenden Hund, dessen Fehlen er erst bemerkte, als die Gefahr für die anderen Baulichkeiten! beseitigt war. In der Meinung, daß der Hund vielleicht nut» verbrannt sei, wurde die Umgegend, um ganz sicher zu gehen, auch 'nach Spuren abgesucht, und hierbei fand man im Schnee die Fährte des braven Tieres, das einem querfeldein gelaufenen Manne gefolgt war. Dieser hatte kurz nach Ausbruch des Feuers, Redaktion: K. Neurath. — NotationZdruck und Verlag Ium sich ein Alibi zu verschaffen, teilte entfernt liegende Wirtschaft aufgesucht, und als die Gendarmerie von dem Besitzer des Hundes auf das absolut eigenartige .Verhalten des sonst so treuen Tieres' aufmerksam gemacht, die Verfolgung der Spur aufnahm nnd in die Gaststube cintrat, daß der Bullterier vor dem auf der Stelle geständigen Brandstifter, der nicht begreifen wollte, daß ein Hund so klug sein könne. * Einem seltenen Beispiel von weiblichem Heroismus begegnen wir in den kürzlich erschienenen Memoiren der Fürstin Marie Nikolajewna Wolkonski, die in deutscher Ueber- setzung erschienen sind. Die Fürstin war im Alter von 21 Jahren mit dem 20 Jahre älteren Fürsten Wolkonski — dem Führer der Dekabristen von 1825 — getränt worden. Gerade nach ihrer ersten Entbindung inszenierten die Verschworenen den mißglückten Putsch gegen Nikolaus I., der die Teilnehmer teils mit Galgen, teils mit Sibirien bestrafte. Unter den mit Verbannung nach Sibirien Bestraften befand sich auch Fürst Wolkonski. Sobald seine Verhaftung seiner Gattin mitgeteilt wurde, „reist sie nach Petersburg, sucht und erhält, „noch recht krank nnd sehr schwach", die Erlaubnis, den Fürsten zu besuchen, erfährt seine Verurteilung zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit und lebenslänglicher Verbannung und beschließt sofort, ihrem Gatten nach Sibirien zu folgen. In diesem Entschluß liegt ein doppelter Heroismus. Sie verläßt nicht nur Eltern und Vaterland, sie muß auch zwischen Mann und Kind wählen. Sie verläßt das Kind, das bald darauf stirbt, nnd folgt ihrem Gatten in die Bergwerke von Blagodatsk, nachdem sic die Genehmigung des Zaren erhalten. Es mutet seltsam an, zu hören, wie sie von ihrem Sohne Abschied nahm: „Ten ganzen Abend war er bei mir gewesen und hatte mit dem Siegel des Briefes gespielt, der mir die Genehmigung zur Reise — ihn für immer zu verlassen — gebracht hatte. Dieses große Siegel von rotem Wachse machte ihm viel Freude. . ." Drei Jahre spater war er tot. . . Ter Vater will sie zurückhaltcn, die Schlvcster sagt ihr: „Was tust du? Tein Gatte trinkt vielleicht, ist liederlich geworden." „Um so notwendiger ist meine Reise," gibt sie zur Antwort und nun fährt sie, bis sie ihren Gatten erreicht. Tag und Nacht, ohne ihren Schlitten zu verlassen, bei Schneegestöber und einer Kälte, daß ihr die Tränen an den Augen gefrieren. Mik der Fürstin Trubetzkoi, die ebenfalls ihrem Manne gefolgt ist, führt sie gemeinsam Haushalt, fegt, wäscht und versichert, cs gehe alles besser ohne Dienstboten. Wöchentlich zweimal sieht sie ihren Gatten. Später und allmählich bessern sich die Verhältnisse; beinahe mit Bedauern verzeichnet die Fürstin 1829, daß den Gefangenen die Ketten abgenommen wurden. „Wir hatten uns an das Ketrengerajsel so gewöhnt, daß ich es sogar mit einem gewissen Vergnügen hörte, es verriet mir das Nahen Sergeis bei unseren Zusammenkünften." — Tie Sträflinge, meist schwere Verbrecher, behandeln sie mit zärtlicher Achtung und nennen die Staatsgefangenen respektvoll „unsere Fürsten", backen für sie Kartoffeln in heißer Asche, nehmen ihnen die schwere Arbeit ab, kurz, der „Abschaum" treibt Blüten reinen Menschentums . . . Tie letzten Jahre der Verbannung leben die beiden Gatten, nunmehr vereinigt, in Irkutsk und 1855, im Krönungsjahr Alexanders 11., kehren sie endlich nach Rußland zurück. * Das mißverstandene Stichwort. Herr. Hetzt, Direktor einer reisenden Schauspielergesellschaft, hatte die besondere Eigenschaft, nie eine Rolle zu lesen, wodurch er nebst seinen Schauspielern auch den Souffleur zur Verzweiflung brachte. In einem entsetzlichen, aber zugkräftigen Rittcrschauspiel hatte er die Rolle des Raubritters Dagobert Bluthausen übernommen. In seiner ersten Szene hatte er erregt aufzutreten nnd..nach seinen auf Raub geschickten Gesellen mit dem Angstruf zu spähen: „Sie kommen noch nicht!" Mit einer Miene, die dem Publikum die Gänsehaut auffahren ließ, tritt Ritter Dagobert auf und steuert direkt dem Souffleurkasteu zu mit aufgeblasenen Nüstern der Worte harrend, die er zu sprechen hatte. Der Souffleur flüstert« ihm zu: „Sie kommen noch nicht!" Heigl schweigt, schneidet eilt wütendes Gesicht und schleicht sich mit stummem Spiel hinter die Kulissen. Dort kommt ihm der Inspizient in den Wurf, dem er wutentbrannt 'zudonnert: „Sie Efel, was schicken's mich den» viel zu früh 'naus! Ich steh wie der Ochs am Berg vorm Kasten und wart' auf mei’ Red', da schreit mir der. Souffleur zu: „Sie kommen noch nicht!" — „Aber das war ja gerade Ihr? Rede!" lautete die verblüffte Antwort. Charade. Ein kurzer Rui ermahnt euch laut, Vom Lager euch zu trennen; Im Rätsel, das ihr hier erschaut, Müßt ihr zuerst ihn nennen. Die Silben 2 und 3 soiort Rus' ich, wenn ihr's getroffen! Ist euer Freund wie's ganze Wort, Dürst ihr das Beste hoffen. . Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nununcr: Sand — Ceder — Hau§ — Dder — Post — Eichel — Rebel — Hahn — Angel — Uhr — Esche — Regen. S ch openhaue r. der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».