My Mittwoch den 8. Dezember JSj i! M W W D i) LMWDW fi-WAW Rheinlandstöchter. Roman von Clara Biebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) V. In seinem stilvollen Eßzimmer ging Haupt,nann von Osten unruhig aus und nieder. Mißmutig gab er einem niedrigen Fauteuil einen Stoß, daß der bis in die nächste Ecke rollte. Eine warme Lust strömte durchs geöffnete Fenster, vom Königsplatz her wehte ein Duft blühenden Flieders. Die Welt stand in Wonne. Ein Zug grenzenloser Abspannung verlängerte Ostens hübsches Gesicht, er warf sich in einen der geschnitzten Eichenstühle am Eßtisch und stiitzte den Kopf mit beiden Händen. Das Frühstück war aufgetragen, das Flämmchen unter dem silbernen Teekessel brannte, lieber der Kristall- schale init Honig summte eine Biene; sie surrte und surrte, schwirrte zurück und kehrte wieder, unwiderstehlich auge- zogen. Jetzt , klebte ihr schwarzgelber Leib' fest am Rand, der Säugrüssel senkte sich in die lockende Süßigkeit — tveh, die dünnen Beinchen glitschten, angstvoll zappelte sie im Honig. „Ekelhaft!" Osten sah auf, nahm sein Messer und fischte die Totmatte heraus. Da lag sie auf dem Rand fernes Tellers, versuchte wegzurriechen und konnte doch nicht. „Dummes Tier!" Er schnitt sie mitten durch und klingelte „Reinen Teller, Friedrich! Nehmen Sie das iveg!" Dann saß er wieder und stützte den Kopf in beide Hände. Er wartete auf seine Frau. Ob sie aufgestanden war? Unter dem Vorwand Felicitas' Schlaf überwachen zu müssen, hatte sie sich ausguartiert; sie schlief bet dem Kinde auf der Chaiselongue. Wie sie wollte, ihm war alles egal; er war froh, ihr bleiches Gesicht mit den leicht- geröteten Augenlidern nicht sehen zu müssen; es gab ihm jedesmal einen Stich durchs Herz, wenn die braunen Augen ihn still und leidvoll ansahen. Weiß Gott, sie tat ihm leid, sie hatte das nicht um ihn verdient — so eine sanfte kleine Heilige! Aber er konnte nicht dafür, es war stärker als er; seine nie gekannte Leidenschaft raste ihm durch die Adern Und machte ihn fühllos für alles andre. Was waren all' die kleinen Mädchen in seinem Leben gewesen? Pah, vergessen! Sie allein hatte eine unnachahmliche Art den Kopf zu tragen; es packte ihn wie ein Taumel, wenn er diesen weißen Nacken sah, auf dem die gvlduen Löckchen leise zitterten. Gestern beim Gartenfest in Billa Arnheim, tut Wintergarten, waren sie sich begegnet, unter der großen Palme hinter den exotischen Büschen. Es war ihr Geburtstag; draußen auffj dem von Fliederbüschen umsäumten Rasen tanzte die frohe Jugend. Helles Lachen, Musrk. Die Königin des Festes hatte sich weggestohlen; unter der großen Palme in der feuchtheißen Treibhausluft stand sie, schwer atmend. „Ich kann es nicht mehr ertragen, nimm mich fort!" Hinter zusammengebissenen Zähnen hatte sie's vorgcstoßen, Tränen waren ihr über die Wangen gelaufen, ein paar lang-i same schwere Tropfen. „Ich kann nicht mehr lügen!" Ihr Fuß trat heftig auf. „Zu was sind wir erzogen? Zurst Lügen uird Heucheln! Ich will nicht mehr — mach dich frei, erst daun gehöre ich dir!" Mit einem Aufschrei: „Anselm a —!" wollte er ihr uachstürzen, sie umfangen, sie mit glühenden Küssen überschauern. Sie wehrte ihn ab. „Mach dich frei," raunte sie, funkelnden Auges, und biß die Unterlippe mit den weißen Zähnen. „Ich teile nicht!" Ich teile nicht!---- War das eine schlaflose Nacht gewesen! Stöhnend hatte sich Osten auf dem Bett herumgeworfen. Alles zerwühlt. In rasendem Verlangen und namenloser Wut hatte er die Kissen zusammengeballt und zu Boden geschlendert. Anselma hatte recht, es war nicht zu ertragen, ein Ende mußte gemacht werden! Und doch war's unmenschlich fatal, Agnes die Geschichte auseinander zu setzen; erstens, was verstand die davon? Zweitens war ihr stiller Blick so verwirrend. Er scheute sich. Mer es mußte sein, es mußte! „Dann gehöre ich dir!" — das war wie ein Peitschenschlag. Heute morgen noch wurde gesprochen. Jetzt saß Osten und wartete auf seine Frau. Sie kam noch nicht — eine kurze Galgenfrist — jetzt kam sie! Draußen tönte fröhliches Geplapper einer Kinderstimme, Agnes machte die Tür auf und schob ihr kleines Mädchen vor sich her. Mit einem Jauchzen sprang Felicitas auf den Vater zu und kletterte mch seinen Schoß; mit beiden .Händen zauste sie ihn, daun legte sie das Köpfchen mit den blonden Ringellocken kokett auf die Seite und blinzelte schelmisch unter den langen Wimpern. „Papa, ich bin fein gemacht!" Sie sprang herunter und hob ihr rosa Röckchen. „Guck mal!" „O — hm — sehr schön! Süße, kleine Puppe!" Er tätschelte das schneeweiße Hälschen. Ihr Kindergesicht hob sich strählend zu ihm auf; sie ließ sich so gern bewundern und küssen. „Ganz wie er," dachte Agnes und sah zu mit einem dumpfen Gefühl im Herzen, halb Angst, halb Stolz. Sie verglich die beiden Gesichter — das waren dieselben Züge, dieselben blonden Haarringel über der schmalen Scirn, bet dem Kind nur nm einen Schein heller. Osten küßte die Kleine und schob sie dann von sich, „So, mein Engel, nun geh wieder hinaus! Agnes, nimm mir das Kind'doch ab," sagte er fast ärgerlich. Felicitas klammerte sich an seinen Hals und brach in Schluchzen aus. „Ich will nicht, ich will nicht! Papa, bei dir bleiben! Papa!" Ihr Schluchzen steigerte sich zum Geschrei. „Komm, Felicitas, sei lieb !" Mit zitternden Fingerst suchte Agnes die krampfhaft angeklammerten Händchen zu lösen. „Mein du, geh! Papa, Papa!" Felicitas stieß nach der Mutter; ihr Geschrei wurde gellend, hochrot drückte — 766 — sie ihr Gesicht an die Wange des Vaters, konvulsivisches .Schluchzen erschütterte ihr zartes Figürchen. „Du hast gar nicht die rechte Art, Agnes," sagte er Unwirsch. Und nun tänzelte er mit der Kleinen aus dem Arm im Zimmer herum, gab ihr tausend Schmeichelnamen, pfiff und sang. Es war ein reizender Anblick, der schöne Mann und das schöne Kind; Felicitas lächelte schon wieder, jetzt lachte sie laut. Agnes stand dabei, die Arme schlaff am Körper herunter hängend; in ihrem langen weißen Morgenrock sah sie aus wie ein Geist. „Und nun gehst du, mein Engel, nicht wahr?" Osten stellte die Kleine zur Erde. „So!" Noch eine schmeichelnde Liebkosung. Felicitas schüttelte ihre schönen Locken zurück und warf Kußhände. „Adieu, Papa, Papa!" Dann rannte sie mit ausgebreiteten Armen auf die Mutter zu. „Ich bin lieb, küß mich, Mama!" Mit einem unsäglich zärtlich-wehen Gefühl drückte Agnes ihr Kind an's Herz. Die T'ür hatte sich hinter der hübschen Kindergestält geschlossen, geräuschlos begann die junge Frau Tee ein» Kuschenten. „Laß das," sagte er und zerkaute den blonden Schnurrbart.^ „Ich habe,mit dir zu sprechen!" Sie stellte sofort die Tasse hin und neigte ergeben den Kopf. _ Er vermied, sie anzusehen und ging hastig im Zimmer tmf und nieder. Er suchte nach dem rechten Wort. — du — es ist mir sehr fatal — wirklich auf .Ehrenwort — ich will dich nicht kränken — aber — aber —" „Sprich nur ganz ruhig, ich kann alles hören!" Er beobachtete fte einen Augenblick von der Seite; ihr zartes Profil zeigte keine Regung, und doch sah er’§ >— he wußte alles. Sie saß da wie geknickt. Er wurde dunrelrot, ein Zorn überkam ihn gegen das blasse Geschöpf, das so langweilig, so regungslos dasaß, dem kein Blut in beit Adern floß. „Agnes," stieß er brüsk heraus, „es tut mir leid, wir müssen uns scheiden lassen!" „Scheiden —? Nein!" Er starrte sie fassungslos an; sie wagte „nein" zu sagen, wenn er „ja" sagte?! Dicht vor ihr blieb er stehen itttb schleuderte ihr ins Gesicht: „Ich liebe dich nicht mehr, liebe eine andre! Ich will, ich muß sie — du mußt dich scheiden lassen!" Sein Stiefel trat sporen kl irrend den Boden. „Dies Zusammenleben ist eine Qual für mich — auch für dich! Denkst du, ich sehe nicht, daß du leidest? Es tut mir weh, und ich kann dir doch nicht Helsen! Ich muß, ich muß, ich muß!" Er drückte die geballten Fäuste an die Schläfen. „Agnes, mach mich nicht rasend, ich muß!" Sie gab keinen Laut von sich. Er griff nach ihrer Hand, sie entzog sie ihm nicht, schlaff hingen ihre eiskalten Finger zwischen den seinen „Agnes, überlege, ich will dich nicht drängen. Es kann dir unmöglich wünschenswert sein, mich zu hal.cn. Ich liebe eine andre, hörst du, eine andre! Weißt du, was das heißt?" Unsanft drückte er ihre Hand. „Eine andre! Laß mich frei!" Ein Zittern überlief ihr Gestalt, es war, als wollte sie ihre Hand aus der seinen reißen, aber die Finger glitten nur sacht zurück. „Ich weiß, daß du Ansclma von Koch — Frau Arnheim," verbesserte sie sich —? liebst! Ich kann das wohl begreifen; nur das begreife ich nicht, du kennst sie so lange wie mich, warum hast du sie nicht gleich gewählt? Du warst zu Haus so viel mit ihr zusammen, ihr habt getanzt, ihr rittet aus, sie war immer schön — warum jetzt erst?" Ihre Augen sahen ihn traurig fragend an. „Als du sie lieben durftest, warum hast du sie da nicht geliebt?" Sie sah so unschuldig aus, es war eine rührende Klage in ihrer Stimme. „Warum nicht, als du sie lieben durftest?" „O du!" Er lachte schneidend auf. „Als ob man dann liebte, wenn's gerade gestattet ist! G-rade was man nicht haben darf, reizt! Daß sie dem andren gehört, der sich Mit ihr groß macht — dies stolze göttliche Weib — daß man zusehen muß — ha —!" Wie ein wildes Tier rannte er auf und ab. „Was weißt du von Leidenschaft?! O diese Madonnengesichter, man langweilt sich tot!" Fast roh schrie er sie an: „Ich habe dich längst betrogen, habe es gemacht, tme's alle machen. Wer jetzt will ich frei sein, hörst du, Laß dich scheiden — gegenseitige Abneigung, ganz leicht — hörst du, scheiden!" „Nein nie!" Wer hatte der zarten Stimme diese Festigkeit zugetraut, der Heuten Gestalt diese Haltung? Sie stand am Tisch rn dem schleppenden farblosen Kleid- die Hand auf die Platte gestemmt. Langsam, aber fest fielen die Worte mit metallnem Klang. „Ich lasse mich nicht scheiden. Ich will nicht. Felicitas soll nicht das Kind geschiedener Eltern sein, em Makel wäre auch au ihr. Das Kind liebt dich. Biel mehr als mich," setzte sie leiser, mit zuckenden Lippen hinzu. „Es würde nach dir jammern. Und ich kann und will es dir nicht lassen, selbst wenn du es haben wolltest; es darf nicht werden wie du. Ich mache dir keinen Borwurf, ich glaube du kannst nicht anders sein." Sie senkte ben Kopf. „Ich verstehe ja auch so vieles nicht — aber ich lasse mich nicht scheiden!" ,Mso mit Gewalt hälft du mich?!" Seine Stimme schlug in Hohn über. „Das also ist die gepriesene Weiblichkeit?! Frauenwürde — ha ha!" Eine tiefe Röte stieg in ihr Gesicht. „Ich halte dich nicht für mich, ich halte dich für das Kind. Denk' an Felicitas!" Eine unendliche Bitte lag in ihrem Ton, sie streckte flehend die Hände ans. „Unser armes Kind!" „Laß mich!" Er wehrte sie ab, und bann packte er sie bei beiden Handgelenken, die zarten Arme röteten sich unter seinem heftigen Druck. „Laß dich scheiden — du willst nicht? Es gibt ein Unglück — du — du!" Er rüttelte sie in sinnloser Wut, daß sie hin und her schwankte, dann ließ er sie plötzlich los; zurücktaumelnd wäre sie fast gestürzt. Und dann warf er sich mit einem dumpfen Stöhnen auf den Stuhl am Tisch- das Gesicht in den Händen verbergend. Sie stand noch am selben Platz, wohin seine Hand sie geschleudert, mechanisch rieb sie die dunkelroteu Abdrücke der kräftigen Finger an ihren Armen. Jetzt klang seine Stimme wieder, aber anders; fast lallend flehte er: „Agnes, laß mich, ich bitte dich! Ich kann nicht sein ohne sie — es verzehrt mich, macht mich toll — geh zu deinen Eltern, hast es da besser — beklage dich, schrei meine Schuld aus — willige nur ein — willige ein!" Er war außer sich „Nein!" Jetzt stand sie neben ihm und blickte auf ihn nieder; er sah nicht den Ausdruck tödlichen Schmerzes, mit dem sie dann die Augen schloß und nach Atem rang. „Ich gehe nicht zu meinen Eltern, ich beklage mich nicht. Hier ist mein Platz. Innerlich sind wir von einander geschieden, vor der Welt bleibe ich deine Frau. Für Felicitas trag' ich alles!" Eine große Energie lag in ihren Worten; sie stand schwankend am Tisch, ihre Kniee trugen sie kaum, abe rdie Stimme war fest. Verstört sah er auf — war das seine Frau? Ihre Blicke trafen sich; ernst und traurig, ohne mit der Wimper zu. zucken, sahen ihn die braunen Augen an. Mit einem schmerzlichen Lächeln nickte sie leicht. „Ich bin dir überlästig, schon lange, dein bißchen Liebe war rasch verflogen. Aber letzt hast du Pflichten. Ach" — sie fuhr zusammen, der alte schüchterne Ausdruck breitete sich wieder über ihr Gesicht; es klang fast tote ein Hauch — „ich hatte dich früher sv lieb!" „Agnes!" Er erschrak vor dem zitternden Weh in ihrem Flüstern, für einen Augenblick versank die berückende Gestalt Anselmas; das arme Geschöpf in dem schlaff nieder- hängenden Kleid tat ihm unsäglich leid. Sain Herz zog sich zusammen. , Nein, er war' nicht schlecht, .eine wilde Wut gegen sich selbst überkam ihn. Er schlug sich mit der geballten Faust vor die Stirn. „Ich elender Kl>rl!" „Arme," sagte sie leise. „Arme Frau!" Mau wußte nicht, meinte fie jene oder sich selber. Wie ein Geist glitt sie hinaus und zog geräuschlos die Tür hinter sich zu; draußen lehnte sie sich an die Wand und brach in huf- loses Weinen aus. Da war niemand, zu dem sie slüchteu konnte. Doch — Nelda! (Fortsetzung folgt.) Der schmiösr. Bon Otto S t v e ß l (Wien). Ich war meinem bisherigen Schneider weitergegaugen. ©eine' englischen Stoffe stammten geradewegs aus Brünn und seine Anzüge waren so knapp zugemessen, daß Ellenbogen und Kniee nach kurzer Zeit allzu dreist hervorstachen. Als ich diese Nachteile zergte, meinte er, der Schneider müsse auf zahlreiche Bestellungen hmarbeiten und könne nicht für die Ewigkeit schaffen. Eine uw verschämte Benrerkung, die ich als Anspielung auf meinen Beruf nicht leicht verzeihen wollt«. Kurz«, ich suchte einen besser«!! 767 — fe' «Hte enMM Stvffe.E einem ordentliche *3'et(ll'66t^ fa'W/ f? daß ein Gewand behaglich unb fecTjt faß, ohne vergecktes Ansehen, hübsch, ohne aufzufallen, ge- ohne bald die Form zu verlieren. Tas alles ,,oan selbst ohne iveitläufige Anweisungen treffen und ^cht alle Mängel als Vorzüge einreden schtreßlich sollte er bürgerliche Preise berechnen, denn zum Teufel', Wozu rst mau denn lerder Gottes ein Bürger Eltorlbn.1 liß um meine Gunst. Keine Woche ver- äW' rJ b(t^ ?ntr etwelche eirglische oder französische Herrest- Leldershsteme unter den verlockendsten Wucher-Ratenzahlungsbc- promptester Bedienung angeboten wurden. Endlich «entschloß uh mich für einen Manu, der durch wortkarge Einfachheit Mmtch mMe, indem sein hatbsteises Firmakärtchen bloß seinen P^tenden Namen und Titel bekannt gab „Aladar Allerhand, ^^altschivere Zeile von zwei ins Papier ge- prcßreit Medaillen flariliert war, die, wie eine nähere Betrachtung ergabt eigentluh nur Vorder- und Rückseite eines Ehrenzeichens stir L-chneiderkunst irgend einer Ausstellung bedeuteten. Tiefen Hanoen wollte ich mich anvertrauen. Aladar Allerhand führte SS?31 1,1 kiner reichen Straße der inneren Stadt neben Geschäften von tadelloser Vornehmheit. Seine Auslage Mtö eine leisen, leichten Ton von Lochung, eine Art von menfch- krchem Pfifs nach der Aufmerksamkeit der Vorüberspazierenden mit ^._m solcher Umgebung gebotenen Haltung geschickt zu vereinigen. Wahrend anderwärts nur einzelne kostbare Stücke diskret aus- gÄegt waren, wirkte hier eine köstlich nachlässige Fülle und Viel- ^itigkeit, Stof,e zu Häuf versprachen Kleidungsstücke für alle Jahreszeiten und Gelegenheiten eines eleganten Weltlaufes, Tutzendk importierter weiter und berühmter englischer Mäntel hingen an einem Halter, über schimmernder russischer Rohseide wkettrerten anmutig üppige Damenpelze aus Astrachan und Bisam men einem Umhang, für den mindestens vier blaue Füchse aus Sibirien Schlauheit und Leben eingebüßt. Daneben leichte, dicht geflochtene, eng eingerollte oder kühn schattende Panamahüte für das drohende mühiahr und auf besonders verlockenden Stücken ein Tafelchen mit reizvoll niebrigen Preisziffern. Nicht ohne Erwartung und Spannung betrat ich das wohlfeil- vornehme Lokal und fand mich gleich nach der Eingangstür in einem Engpaß, aus welcheur cs kein Entrinnen gab, da ein hochaufgeschossener Jüngling mit zutraulicher Ehrerbietung sogleich die schmähe Pforte verstellte, während rechts und links die breiten, mit Herrlichkeiten bedeckten Stufen der beiden Auslagefenster bis in das Innere des Ladens reichten. So war man eingekeilt und geradewegs hineingenötigt. Bescheiden fragte ich nach Stoffen «ir einen Winterrock. Ter Jüngling wälzte Lasten herbei, schlug sie Ballen unter eirtzückteir Lobpreisungen auf, zeigte die anf- gvklebten englischen Ursprungsmarken, rollte die Stoffe stürmisch Cscheu den Fingern, sie waren vorläufig unverwüstlich. Ter lf für die Ewigkeit! Schüchtern begehrte ich einen weichen, Reichten und doch warmen braunen Stoff. Wie sollte seine Firma damit nicht dienen können? Er suchte lange, schien aber immer nur andere Farben zu finden, die ec immer leidenschaftlicher an- prces, tor meinen Augen spazierten, Dutzende von grauen, schwarzen, blauen, salz- und psefserartigcn, grätenmustrigen, breit- und eng» karrierten Ballen, nur kein schlichter brauner war dabei. Tas braun« Tuch werde eben nicht getragen, es gefalle Heuer nicht Und seine Firma führ« beim Allmächtigen keine Ware aus dem! Vorjahr. Ja, wenn ich vor zwölf Monaten einen braunen Mantel gewollt, hätte ich 20 Arten bekommen können, während wieder blau um seinen Preis aufzutreiben gewesen wäre. Aber jetzt! Still beharrte ich auf meinen Wunsch. Das sei nun einmal meine Farbe. Endlich zog er ein Stück hervor und lächelte triumphierend: in ganz Wien würde ich kein solches Braun finden, so 'leuchtend, so flaumig. Er entfaltete es, zog es gleichs- fam innig ml seine Brust und murmelte: „Leider mir ein Rest, G reicht nicht." Aber wenn ich statt eines Mantels etwa eine Weste daraus haben ivvllte? Seufzend und verzichtend wühlte ich in Gottes Namen ein schwarzes Tuch. Und der Preis? Er nannte eine großartige Summe. Ich verbeugte mich dankend Und versprach wiederzukommen, wenn ich den Haupttreffer gemacht haben würde. Ter Jüngling ivich nicht von der Türe und Wchelte um einen Grad vertraulicher: der Herr Bank-oirektor so und ,so zahle das doppelte«, der Herr Regierungsrat N. hab« für drei Söhne drei gleiche Mäntel bestellt, was er aus seinen Büchern zu erhärten bereit sei, während der Graf R. noch höhere Preise anstandslos bewillige, die eben nach der sozialen Stufenleiter und allgemeinen oder besonderen Bernrögenslage abgc- niessen seien. Der Jüngling lies; offenbar von seinen Idealen! dies und jenes nach. Mit einer Kühnheit, deren ich mich selber schämte, bot ich ein« Snmine, welche feine Forderung um ein Drittelt kürzte. Ter Jüngling lächelte mit schmerzlicher Ber- nviniing. Wieder wollte ich die Bestellung bis zum Haupttreffer Yinausschieben, mich bestens empfehlen, als aus dem Mittelgründe des langgestreckten, vollbesetzten Raumes von dem tzolzverschlage der Kasse her ein zweiter kleiner, pfiffig lächelnder gewandter Mann vvrsprang und den abgerisseneni Faden der Unterhandlungen wieder aiiknüpste. Einem Kavalier von meinem Range — als ich diese Ehrung bescheiden abwies, lächelte er tröstend — könne doch wohl eine solche Bagatelle keine Schwierigkeiten verursachen. Dabei schraubte er mit gutherzigem Augenblinzeln mein Angebot wieder uni ein Uinftel hinauf, so daß wir uns eist wculn angenähert hatten. Dastir bekäme ichs aber. Es würde zu weck welche Märchen von Tugenden^ dieser Mantel verwirklichen würde. Aber ich bestand strenge auf meiner Sumuie. Vergeblich suchten der Jüngling und dsr Psi/fige d^s M nir-^u?1dcm" Cossen cte hinüberzuscherzen, der eine, schein! ?Jnn.l!liS, dem Kafsabuch die Namen der vornehmen Gesellschaft dt-ickte'^ hp°r' ™l£,ben€'1 bie dieses Kleidungsstückes teilen , der andere, utdem er die mannigfachen Gelegenheiten der welchen der Mantel seine Treuste zu leisten fähig t^lks' .S'SS Bergwanderungen, Automobilfahrten, Luft- bedurften eines solchen Stückes, wo- « zarte Warnungen vor leglicher Nebertreibuim eiw- geflochten wurden, die dem Besteller ein allzu frühes Ende bs- reiten konnten. Ich blieb fest, da wurden sie mutlos trat bangsani aus dem Hintergrund, allmählich sozu- Horizont füllend, der Herr der Herrlichkeiten wlber,. Aladar Allerhand, hervor. Er war schon betagt, gleich!- am ein großartiger Sonnenuntergang, aber wohl erhalten Aus einer imponierend weitreichenden Stirne saß ein Kranz pfefser- brauiien, gelegentlich zausigen und mausigen Haares, während der Bart in mächtiger nußbraun gefärbter Herrlichkeit tief auf enw gevlümte Samtweste hinabwallte. Dieses bedeutende Haupt saß etwas lose auf einem dünnen, vielfältigen Halse, so daß es gleich einer schweren Blüte wippte und schwankte. Hob er es, jjo wurde mail unter dem Bart über der Weste einer üppigen! Seidenwawatte gewahr, die ton einer Perle wie von einer Ärokodilsträne geschmückt war. Herrn Merhands Gestalt war von eigentümlicher gelenkiger Ungeschicklichkeit, als wären die eiu- emzelnen Bestandteile seiner Figur lose zusammengesetzt, so daß ebenso wio der Kopf auch die Arnie an den Schultern, besonders! aber der lauschend vorgebeugte Rumpf auf den Hüften gleichsam ohne Scharniers fragwürdig zu balancieren schien. So bebte er mir entgegen, reichte mir mit weltmännischer Verbeugung die Hand: „Haben der Herr Doktor schon gewählt?" Tie beiden Vorinstanzeil setzten ihn von der Sachlage in Kenntnis und jeigten ihm das Tuch. „Herr Tvltor, ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Geschmack, es ist dies tit bet Tat ein treffliches, ein unverwüstliches, «eist wahrhaft edles Material." „Ich hätte freilich ein braunes Tuch! derselben .Art vor- gezogen, aber es ist leider keines mehr vorrätig." „Herr Doktor, Sie haben Glück, mit Verlaub. Es hätte mich geschmerzt, Ihnen mit biefem braunen Tuche dienen zu können. Ganz abgesehen von der Qualität. Ich will ja nicht sagen, daß es schlechter gewesen wäre als das schwarze, denn ich führe überhaupt keine niedere Ware. Bei Mir ist alles Prima. Aber cs wäre um einen Grad minder trefflich gewesen, dieses wird nach zehn Jahren noch sein wie heute, jenes wäre nur noch fünf Jahre so geblieben. Dieser Mantel kann uns alle noch überleben«. Aber nicht dieser Nmstand ist es, der mich erfreut, sondern daß niemand in Wien heuer einen braunen Mantel trügt. Ter Herr Doktor wären der einzige gewesen, man hätte Sie von weitem sch«on daran erkannt. Und dieses auffallende Stück hätte mich verraten, mein Geschäft habe die Verantwortung übernommen^ allein in ganz Wien ein unmodernes Tuch zu liefern. Begreifest Sie, daß ich glücklich bin, Ihnen gerade hierin nicht entgegen^» kommen zu können?" Ich begriff und sagte niedergebeugt, leider gestatteten es mir ja auch meine Verhältnisse nicht, den schwärzest Mantel zu bestellen. Ta richtete sich Herr Allerhand empor, iutirf feilt Haupt in den Nacken, so daß er den Jüngling und den Pfiffigest nachlässig von oben her über den tiefer ans dem Nasenrückest sitzenden .Kneifer ansah: „Und wegen einer solchen Kleinigkeit habest Sie den Herrst Doktor ziehen lassen wollen? Was muß ich hören? Wenn der Herr Doktor an hundert Schneidern vorübergeht, will er baust wohl einen Mantel von dem und jenem, oder von Aladan Allerhand? Findet er etwa nicht Schneider genug in der Wienerstadt, aber er bringt nur dem Aladan Allerhand sein Vertrauen entgegen. Wir müssen diese Ehre zu schätzen verstehen. Herr Doktor, Ihr Auftrag ist mir aus jeden Fall ein Gewinn, Ihre ausgebreitetest Beziehungen werden für mich sprechen, Ihr Mantel erobert mir ein neues Feld, ich darf sagen: es ist ein Ehrengeschäft. Nehmest Sie dem Herrn das Maß." Ter Jüngling und der Pfiffige! führen mich schleunig in die Kleiderkoje. Herr Allerhand überwacht an ihrer Eingangstür das Maßnehmen, wobei er mit charmantem! Gespräch meinen Lebensstand ausholt, daß ich verheiratet bin und so weiter, worauf er die Gelegenheit ergreift, mich von der Notwendigkeit eines edlen Pelzwerkes für meine verehrte Fran Gemahlin zu überzeugen, wie denn sein ganzes«, wohlafspriiertes Lager, keineswegs ans diesen geringfügigen Mantel beschränkt, mir ehrerbietigst zu Füßen pe(cgt fei. Unterdessen sollt mein Blick neben den Spiegel auf eine mit Emblemen und Arabesken kunstreich kalligraphierte Ehrentafel: „Anläßlich der Modenausstellung. . . zu Wien hatte der Firmainhaber Herr Aladan Allerhand die Ehre, Seiner Majestät vorgestellt zu werden. Allerhöchst derselbe geruhte ihn mit der Zlnspraihe zu beehren: „Allerhand? Ich kenne biefen Namen. Ihre Objekte sind wirk- lich 'sehr Preiswürdig!" Diese mich hoch beglückenden Worte des erhabenen Monarchen verewige ich hiermit zur Ehre meines 768 Namms, zum Erbe ttnb Ansporn meiner Söhne. MadM Allerhand." Nun überließ ich mich wehrlos meinem Schicksal. Wahl des Stoffes, Unterhandlung mit den Instanzen, Rechtszng wegen der Kvstenbestimmung, Abschwören meines HMvsen. braamm Geschmackes, Begründung des Ehrengeschästes, höchstes, allerhöchstes Zeugnis für die Firma und Anprobe hatten mir eine Stimdr meines Lebens verkürzt. War ein Winterrock solchen Aufwand wert? Mutlos wankte ich ans den: Laden, vorn Jüngling, bmt Pfiffigen und Herrn Aladan Allerhand höchsteigen geleitet. Ich fühle mich solcher Ausmecksamfeit nicht gewachsen, ich zittere vor den drei Instanzen rind die einsame Kwkodilsträue ans Herrn Allerhands Hemdbrust fasziniert mich, beraubt mich aller Wider- starrdskrast. Ich fühle mich dieses Meisters unwürdig. Der Mnt?r- rock hat auch nicht ordentlich gepaßt. Weiß mir jemand einen rinderen Schneider? Ver'ZznßebtsA. * D « r H u mv r i m en g l i s che.n P a r käm e n t. Anläßlich des Konfliktes zwischen dein britischen Ober- und Unterhanse erzäblt eine englische Wochenschrift allerlei Einzelheiten ans der Geschichte und vom Wesen des Unterhauses, die für das englische Parlamentsleben charakteristisch sind. Sehr oft kann man in den englischen Zeitungen lesen, daß dieser oder jener Redner den „Ton des Hanfes" nicht getroffen habe, aber schwer wird es, wenn man diesen Ton bestimmen sollte. Aber es gibt ein derartiges unfaßbares Etwas, das alle alten britischen Parlamentarier MMwittert und das die angehenden Politiker fühlen und in sich aufsangen müssen, wenn sie imlParkament eine Rolle spielen wollen. Wohl in keinem- Lande der Welt spielt die Jungfernrede eines neuen Abgeordneten eine so große Rolle, wie im englischen Parlamente, ob es ihm gelingt, den „Don" zu finden, ob es ihm gelingt, bei seiner ersten Rede überhaupt Aufmerksamkeit und Zuhörer zu finden, das entscheidet darüber, ob er künftig vom ' Haus« beachtet werden wird oder nicht. Die Konti? der Umstände, die oft bei derartigen Gelegenheiten entsteht, mag bisweilen von lernet» tragischen Schimmer umgeben sein, wenngleich der Humor der lachenden Dritten lachend solche Erwägungen vor sich hertreibt. Noch haute lebt in Loudon ein angesehener alter Herr, dessen staatsmännische Begabung nur wenige persönliche Freunde beurteilen und würdigen können und der nie int öffentlichen Leben auftrat, weil seine Jungfernrede int Parlament mißglückte. Er ist das Opfer des Humors der Tinge. Als er damals zum erstenmal seinen Sitz im Uttterhanse einuahm, war er ein leidenschaftlicher Feuerkopf, den neue Ideen berauschten; als er seine lersto Rede hielt, riß ihn die Begeisterimg hin, immer wilder und lebhafter wurden feilte Bewegungen und seine Augen glühten. Aber er hatte eben Pech; das Pech, daß just auf der Bank vor ihm der Minister saß. Mit einer Geste des Armes schlug der Redner ' plötzlich wider besseres Wollen, dem Minister seinen hohen schwarzen Hut vom Schädel. Exzellenz machte ein erstauntes Gesicht, der Redner war über die Wirkung seiner Sprachkunst aufs höchste bestürzt; das Haus aber lachte von -oben bis unten und es dauerte lange, bis das neue Mitglied versuchen konnte, seine Jungfernrede fvrtzusetzen. Aber endlich war es so iveit und der junge Parla- Mentarier sprach weiter. Er spricht vier, fünf, sechs, sieben Sätze Mit gemessenem Nachdruck; dann aber packt ihn wieder die Leidenschaft für den Gegenstand, die erst schüchtern unterstreichenden Gesten werden wieder kühn und fortreißend. Mit wachsendem Behagen wartet das Haus nur auf einen Augenblick, und er sollte bald kommen: Zum zweitenmal trifft der Arm des Redners, in mäch- tigetrt Schwungs daherschweifend, den Hut des Minister-, der im weiten Bogen zur Erde rollt. Nun ist kein Halten mehr, das Haus jubelt vor Lachen, der Redner versucht vergebens weiter- zusprecheit; schließlich Muß er aufs Wort verzichten. Er hat nie wieder anders als komisch auf das Parlament wirken können, und wienn immer er wieder einmal einen Gegenversuch wagen wollte, empfing ihn ein so unbezwingliches Gelächter, daß er schließlich lallen Ehrgeiz begrub. Wie wunderlich ost winzige Nebensächlichkeiten die Dinge bestimmen, zeigt ein anderer Fall, der sich vor -einigen Jahren ereignete und den später sogar Chamberlain als lehrreiches Beispiel hervorhob. Es war ein großer Tag im Unter» Haus, alle Bänke gefüllt, überall spannungsvolle Erwartung; Endlich nimmt der Minister das Wort. Plötzlich werden alle im Hanse auf etwas aufmerksam, das sie im Augenblick heißer interessiert als alles andere. Wie das kam, ist nicht zu sagen, aber alle Blicke hefteten sich auf einen einzigen winzigen Punkt ütnb kein Mansch lauschte mehr den gewichtigen Erklärungen des Ministers. Was war geschehen? lieber den Steinslur des Hauses kroch irgend ein Käfer, eine Küchenschwabe oder dergleichen; er Machte plötzlich Halt, wie gebannt starrten nun alle auf diesen fremden Eindringling mitten auf dem Flur. Dann ereignete sich Mas, Neues: Mit ruhigen siegesbewußten Schritten steigt ein -ilttchted von seinem Platz zum Flur hinunter, er geht gerade auf den Käfer zu, und durch die atemlose Stille .hört man plötzlich, wie Mter der breiten -ohfe dieses ehrenwerten Mitglieds des armen Kasers Letbltchkeit kmtschend vernichtet war. Der Laut löst plötz- ilich alle aufgestapelte Spannung und Erwartung; eine Woge von Spott, Lachen tiittb Abscheu geht durch das Haus. Mer der Käfertöter läßt sich nicht anfechten: mit einem stolzen Lächeln sicheren Triumphes schreitet er langsamM Schrittes zur Ausgangstür. Was der Minister itrzwischen gesagt hatte, wußte keiner zu verraten; denn die g,anz,e Zeit über hatte, das gesamte HauS sein« AusMerksatnkeit und Anteilnahme einzig und allein der Küchenschwabe gewidmet. DiüGänsele6 er- Pastete. Ein eingehendes Shtbiunj der Pasteten ist nur dem Besitzer ■eintS guten Mageirs und einen vollen Börsts Möglich. Die Zahl der Pasteten ist ja Legion, zudem sind vidlo schwer verdaulich und vbeNdrein nicht billig. Es gibh Kostbarkeiten unter ihnen, von denen der gewöhnliche Sterblich« gar feit® Ahnung hat. Wer die französischen Fettlerchen-Pasteten oder die Lerchen-Pasteten Von Pithiviers -oder die Kraluliteisoogek- Pasteten voN Montölimar einmal gekostet hat, vergißt sie nimmer. Und eben dieselbe unvergeßliche Wirkung üben jene getrüsseltech Bekassinen-, Fasanen-, Rebhuhn-, Wachtet-, Schnepfen- und Hasen- pasteten auch die, möge» sie nun in Terrinen- «oder in Teigformen geboten werden, nach dein Gutachten selbst der feinsten Gourmets jedem Diner zur höchsten Zierde gereichen. Die Gänseleberpastete^ der ehrwürdigen Münsterstadt Straßburg aber bedeuten noch immer den Won aller Pasteten. Wenn die sechseckigen Terrinen, die mit dem Alt-Straßburger Porzellanmuster geschmückt sind, auf der' Täfel erscheinen, so hüpft in dec Regel jedes Herz, denn es ist bekannt, daß der aus Gäustlebern, Psrigordtrüffelu und anderen Ingredienzien bestehende Inhalt des reizvollen Gefäßes zu einet Harmonie geeint ist, die für viele an Feinheit der Harmonie einer Schöpfung Mozarts--oder Beethovens nicht nachsteht. Wie nun die Straßburger diese Vereinigung zustande bringen, was sie alles in die Harmonie hinembringen, woher sie diese höchsten Kemib- nisse gastronomischer Wissenschaft haben, ob ihnen die Universität dabei behilflich gewesen ist, oder -ob sie auf empirischem Wege bttwt gelangt sind, läßt sich schwer ermitteln. Tatsache ist, daß jede Firma bezüglich der Zubereitung der Gänseleber-Pasteten ihr. Geheimnis besitzt und es mit einem Schleier umgibt, den, wie jenett des Bildes zu Saks sürwitzig -zu heben, jedem unberufenen St-.'bb- lichen streng verwehrt ist. Zwar behauptet die selige Fran Davidis in ihrem berühmten Kochhuche, das echte Rezept der Zubereitung von einer Straßburger Dame erhalten z-n haben. Die Galanterie gebietet, dieses Rezept mit einein Anschein von Glauben hinzunehm-eü. Wir ersehen aus ihm, daß die halbierten und. Von den gelblichen Gallenspnren befreiten Gänselebern gewaschen werden, aber nicht mit Wasser, sondern nur mit Milch. Die Hälfte wird nun mit Trüffeln gespickt, die anderc Hälfte zusammen mit Schalotten, di« in Butter gedämpft sind, Trüffeln, Salz, Thymian', weißem Pfeffer, Muskatnuß und einigen Pfund abgekochtem Bauch,- speck zu einer feinen Farce verarbeitet, die sich bequem durch ein Sieb treiben läßt. Hernach wird eine Terrine mit dünnen Speck- scheibm ausgefegt. Auf die Speckscheiben folgt eine dünne Lage Farce, hierauf einige mit feinem Salz und weißem Pfeffer bs- streuto trüffierte Gänsefeberhälsten, dann wieder Farce, tviotpr Gäitseleber und so fort, bis die Terrine fo weit gefüllt ist, daß eine Lage Farce und eine Lage Speck Schluß machen können, di unmehr wird die Terrine mit dem Deckel geschlossen, am Raiche mit Papier verMbt und kn dein Ofen geschoben, wo die Pastete zwei StuirdeU langsam backen muß. Wahrhaftig, es ist eine so fette und Umständliche Prozedur, daß die Berechtigung der Straßburger, sich die Pastete« fett bezahlen zu lassen, unbestreitbar ist. * Prag < a in m äßig. „Sagt einmal, Huber, was ist denn da drinnen für ein Heidenlärm?" — „>O, die feiern alleweil dem Jockel fei' silberne Hochzeit, und da soll halt alles so hergeh'n wie vor.fünfundzwanzig Jahren — jetzt sind s' beim Ranfen." * Das Meistersöhitchen. Der kleine Fritz Hal bei Bekannten fein Ausgabenbuch liegen lassen. Man findet darin einen Zettel mit einer Anzahl Mädchennamen. Gefragt, was diese Namen zn bedeuten haben, antwortet er: „Die alle' muß ich noch verhauen," Zitaten-Rätsel. Aus jedem der iolgendeu Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1, Im Herzen kündet eS laut sich an: Ztt 'was Bestreut sind rott geboren. 2, Wer hastig über Steine rennt, Wird bald zu Falle kommen. 3. Tas Hetz und nicht die Meinung ehrt den Mann. 4, Wenn ihr das Leben gar zn ernsthaft nehmt, was ist beim brau ? 5. Das große Heer zog träge seine Bahn. 6. Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurkieke. 7. Gleich schenken? Das ist brav! Da wird er renissiren'l 8. Wer am Zoll sitzt, ohne reich zn werden, ist ein Pinsel. 8. Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: N u h r, U h v. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'fchen Universitäts-Birch- und Sieindrnckerei, R. Lange, Gießt».