m. (75 ^09 Montag den 8. November t Z8Z VKö»o gr.'aüf C-~ ■ UW Rheinlandstöchter. Roman von Clara Viebig. '(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Es ivar nicht das erste Mal, daß Nelda wie heut in der Kirche zu Manderscheid saß. Der Onkel legte ihrem Gehen dorthin nichts in den Weg. „Bin ja selber Katholik, mein Water und Mutter waren eifrig genug, 's ist nicht ihre Schuld, wenn der Joseph und ich, jeder so auf seine Weise modelt, 's ist was nm der Weihrauchluft, die wirkt auf die Jugend wie das Federweiß vom jungen Wein. Geh du mir, Kind, wenn dein protestantisches Gewissen sich nicht sträubt; sieh zu, was du findest! Nur durch eignes Probieren lernt man, wie gekocht sein muß!" Da saß nun Nelda in der Kirchenbänk. Heute war sie mit Wefa hier, die kniete jetzt drinnen im Beichtstuhl, 's war niemand sonst mehr da, alle waren sie nach und nach gegangen mit Schnäuzen und Scharren und Räuspern. Sie hätte jeden beneidet, jeden einzelnen. Wer doch auch seine Sünden so hintragen könnte vor das süß lächelnde Madonnenbild. Oder in dem braunen Beichtstuhl hinter dem grünen Gardinchen zum Ohr des Geistlichen flüstern und oann aufstehen und heimgehen frei von Qual, ohne Schuld! Langsam dämmerte die eiiigeschlossene Luft sie ein, verträumt glitten ihre Blicke die Wände entlang. Wie Sterne funkelten die Lichter am Altar, ein flimmernder Schleier wob sich von dort her, goldne Pünktchen tanzten im Halbdunkel; mit rotem geheimnisvollem Schimmer schaukelte die ewige Lampe — winkte sie nicht? Nickten nicht alle Heiligenbilder, neigten sich! nicht die Lilienstengel? Ging nicht ein himmlisches Säuseln durch das Kreuzgewölbe und lullte das aufgeregte Denken zur Ruh?! Sie wagte sich rächt zu rühren, wie gebannt saß sie still; Vergangenheit und Gegenwart verschwammen, nur ein süß traumhaftes Bewußtsein blieb, ein Mittelding zwischen Schlaf und Wachen. Nelda hätte sich nicht gewundert, wäre die Orgel von selbst erklungen, hätten Engelsstimmen vom Chor gesungen. Es war ihr, als müsse sie aufspringen, dort vor den Altar unter's Marienbild eilen, die Hände erheben und dann die Stirn zu den Fliesen neigen. Die Erhörung war gewiß. Ein heiliger Schauer lief ihr über den Rücken — da — ein Schritt! Der Sand des Steinbodens knirschte. Besä trat auf sie zu, das Gebetbuch mit dem darum geschlungnen Rosenkranz fest an die Brust gedrückt. Ein Abglanz himmlischer Seligkeit lag auf des Atädchens Zügen, so schien es Nelda; nie war ihr das bräunliche Gesicht mit den lustigen Augen und dem derben Mund edel vorgekommen. Fetzt deuchte sie's so. „Fertig," sagte Wefa. „Nu gehn mer!" Sie gingen. Wefa tunkte knixend in's Weihwasserbecken; Nelda tat ihr's verstohlen nach, sie zuckte zusammen, als der eigne nasse Finger die Stirn berührte. Nun standen sie draußen, lautlos glitt hinter ihnen die Kirchtür in's Schloß. War der Himmel der Erde näher? Myriaden von Sternen, groß und leuchtend, blitzten über der Gasse. Der Himmel schien nicht hochgewölbt; flach, sich auf Berge stützend, lag er über'm Dors. Man brauchte nur die Hand auszustrecken und zuzugreifen, da hatte man ihn. Nelda mochte nicht sprechen, jeder Laut dünkte ihr eine Entweihung; am liebsten wäre sie auf den Kirchenstufen nieder- gesunken — Laßt mich hier liegen, hier allein finde ich Ruh! — Aus dem Pförtchen der Sakristei trat der Kaplan; er trug die lange, schwarze Soutane und den breitkrämpigen Filzhut. Recht irdisch und wohlgenährt ging er an den Mädchen vorüber; Nelda sah nur sein weißes Haar ehrwürdig unter der-Krämpe flattern. Jetzt fiel der Sternenschein hell auf seine breiten Züge, die verschwommenen, gutmütigen Aeuglein richteten sich auf Befa. Diese knixte. Der geistliche Herr hielt an, ließ sich die Hand küssen unb strich dann dem Beichtkind über die gerötete Wange. Er schmunzelte. „Nun, du schlimme Sünderin, geh' heim, bet' fleißig!" Sie kicherte, haschte wieder nach seiner Hand und führt« sie mit einem Schelmenblick an die Lippen. „Nun ja, ja, ich weiß, du bist ein gutes Kind!" Er wendete den wohlgefälligen Blick nicht von ihr und lacht« gemütlich. „Hör', Besä, du verstehst dich ja am besten auf die Hühnerzucht im ganzen Dorf; wann sie wieder legen, krieg' ich die ersten Eier, gelt? Ich hab' schöne Bildchen dafür und ein geweihtes Zweiglein vom Altar der Hochheiligen zu Buchholz! Brauchst dem Burgemoister nix zu sagen, er" — Jetzt bemerkte der geistliche Herr erst Nelda; sie hatte zur Seite gestanden. Sein behagliches Lächeln verschwand, er hob würdevoll die fleischige Hand zum Gruß und schritt bann, die Soutane straff um das Bäuchlein ziehend, gemessen zur Pfarrwohnung hinüber. Nelda stand und sah im nach, bis der letzte Zipfel in Wind unb Dämmerung verflattert war. „E so en guter Herr," kicherte Befa, „e so kommod! Alle Tag' einen Rosenkranz, damit is't gut!" Sie machte einen kleinen Hopser vor innerem Vergnügen. „Kommen Se, Fräulein Nelda!" Sie griff vertraulich nach Neldas Arm, diese wehrte sie ab. „Geh' nur voran, ich komme nach !" Ohne Gruß mit einer raschen Wendung drehte sie sich ab und schritt die Gasse in's Dorf hinein. . Sie mochte noch nicht nach Hans. Eine unsichtbar« Hand hatte ihr einen Schlag in's Gesicht gegeben, als der geistliche Herr so schmunzelte und Befa in die Backe kniff. Und diese selbst, war sie dumm, leichtsinnig?! — Eine Ernüchterung war mit ungeheurer Schnelligkeit gekommen; KS8 in der kalten Winterlnst verlor sich der Weihrauchdunst. Sie hob die Auge,: zunr Himmel und faTfi', daß der doch hoch gewölbt über'm Dorf stand — hier wie anderswo, überall fern! Und die Sterne glitzernd, und kalt wie neugierige Augen. Sie zog die Kapuze tiefer in die Stirn. Was fragten die da oben nach Menschenleid, nach der Qual eines Mädchenherzens? — — „Mer muß nehmen, wat sich biet, is et net dän, daun is et dän, ech sein alleweil froh." Es war Wefas Stimme, die ihr das in's Ohr schrie, und doch war's wieder das eigene Herz, das die Worte rief. Ja, froh sein um jeden Preis! Nicht darben und sich zerquälen um das, was geschehen und nicht mehr zu ändern ist! Nelda erinnerte sich genau eines Gesprächs, das sie nrit Agnes Röder geführt, als diese noch Braut war. Ja, Durst hatte sie immer gehabt, aus der Quelle alles Lebens zu trinken, aber jetzt war der Durst ein anderer. Man hatte ihr den Becher an die Lippen geführt und dann weggerissen, als sie kaum die Zunge genetzt; eine brennende Eier war geblieben. Es war gleich, in welchem Gefäß der Trank jetzt gereicht ward — nur trinken, sich satt trinken und dahei vergessen! Sie strich die Hütten entlang wie ein Schatten. Rund um sie die Stille des Dorfes und des Abends. Dunkelheit. Aus den niederen Fenstern trüber Lichtschein, schwarz blickten die Berge herein. Ein Hund schlug an, verschlafen kläffte ein anderer Antwort. Sie dachte nicht an Vater und Mutter, die daheim im einsamen Haus an der Chaussee saßen, auch nicht an Xylander, den einzigen Freund — an diese drei zu denken war ihr peinlich; sie schämte sich dann jener Regung, die immer und immer unabweisbarer wiederkam. „leg' doch die ganze Schererei nieder!" „Was?!" Er stand, als hörte er nicht recht. „Was red'st du, Kind?" Er trat auf sie zu, drehte ihren Kopf zu sich herum, bog ihn mit der mächtigen Hand hintenüber und sah ihr durchdringend in die Augen. „Bist du so bis über die Ohren in dich selbst vertieft, daß du gar teilt Ang' mehr hast für das, was um dich ist? Guck' dir mal au, wie's hier oben aussieht! Die Welt sagt „armselig"; 's ist nicht unwahr auf den ersten Blick. Hier kann nur einer sitzen, der mit dem Herzen dabei ist. Meinst du, ich soll sie im Stich lassen, weil sie, wie ungezogne Kinder, nicht wissen, was sie wollen? Pfui, Nelda, darum die Flinte in's Korn schmeißen?" „Aber du klagst dgch, Onkel, warum tust du's denn?" „Ja" — er nickte und lächelte dabei — „das ist so die menschliche Natur! Man seufzt und beklagt sich, weil mau immer bewundert sein will wegen der eigenen Bor- trefflichkeit. Daß ich's hier aushalte! Zum Kuckuck noch emal, und ich möcht' doch nicht wo anders sein als hier oben!" Er schlug sich auf die breite Brust uud riß den Rock von einander, als lüfte er sie dem Eifelwind entgegen. „Heiho, meine Eifel!" Er lachte. „Was meinst du, Nelda, wie würd' ich mich ausuehmeu in: Frack oder in der Uniform zwischen den verdammten Zierbengels? Ich kann das nicht mehr. Ich will nicht sagen, daß die Menschen hier Engel find — o je! Die Gemüter sind roh, die Leidenschaften ungezügelt. Es geht ihnen wie den: Strunk auf den: Feld, sie wachsen ans, wie sie wollen; nur der Pfaff tut seine Weihrauchspritzer über den Acker hin. No, allzuviel macht das auch nicht. Sie beten schon, freilich! Aber sie haben noch 'was Unverfälschtes; mit dem Material ist's immer besser umgehn als mit dem künstlich präparierten. Hat ja auch eine Zeit gegeben, da hab' ich gemeint, ich kann's hier nicht aushalten; war noch zu sehr an den Dunstkreis vom Salon gewöhnt, an die Sporen und Lackstiesel. Aber ich sage dir" — schwer fiel seine Hand auf der Nichte Schulter — „lieg' du nur einmal so recht fest an der Brust der Natur, dann kriegst du andre Augen. Sie werden heller. Du sitzest auf einem hohen Berg — unter dir kribbelt und Wibbelt es, lauter Ameisen — du bist wie ein König! Wenn dein Rock auch vom alten Steffens nach der Mode von anno dazumal fchueideriert ist und deine Stiefelsohlen Nägel haben, du bist doch reich! Du hörst das Herz der Natur pochen und deins pocht dagegen. Man wird besser, man ist nicht mehr so kleinlich. Herr Gott, wenn ich so alle Tag die Berge anseh, und im Wald die Bäume und die Wasser rauschen hör', da sag' ich mir: o, du mein Schöpfer, wenn du mir Wurm so 'was Herrliches aufbebaut hast, wie darf ich da dem Mitwurm, der neben mir kriecht und nicht geringer ist als ich, was entziehen?! Ich muß ihm so viel gewähren, als ich irgend kann. Schockschwerenot nochmal, was bin ich für ein erbärmlicher Kerl! Beklag' mich gar zuweilen, raison- niere: „Bauerndickschädel, nicht mehr aushalten und so weiter!" Hab' ich mich wirklich beklagt, Nelda, sag' mal?" Er sah sie fragend mit einer Miene aufrichtiger Bekümmer- nis an. (Fortsetzung folgt.) schiller und dis deutschen UsmpsnifteK. Ein Zahlenbild zur 150. Wiederkehr des 10. November. Von Ernst Challier sei:., Gießen. In Nr. 15 vom Jahre 1908 der Neuen Musikzeitung habe ich unter der Bezeichnung „Von Leuten, die ihren Beruf verfehlt haben" uachgewiesen, daß 240 unserer bekanntesten Komponisten, bevor sie sich der Musik widmeten, einem anderen Beruf angehört hatten oder doch in der Vorbereitung zu diesem begriffen waren. Wenn das in der Musik, die so zahlreiche Bildungsstätten answeisen kann, nachweisbar ist, so muß 699 dies in viel höherem' Mähe bei der Dichtkunst der Fall sein» denn diese besitzt als Lehrmeister nur das Talent und das Genie. Auch Friedrich von Schiller, der, bevor er ehrsamer Feldmedikus geworden, noch Studiosus verschiedener Fakultäten war, kann ich, in demselben guten Sinne, wie ich diese Bezeichnung bei den schätzenswerten, oben angeführten Komponisten verstanden wissen möchte, diesen Leuten zuzählen. Ich habe mir nun nicht, die mir ganz fern liegende Aufgabe gestellt, mich weiter mit der Person des großen Dichters zu befassen, nur sein Verhältnis zur Musik interessiert mich an dieser Stelle und auch das nur in der Hauptsache durch Zahlen. Darum gehe ich auch, nach vorstehender kleinen Einleitung, sofort zu diesen über. Aus den lyrischen und dramatischen Gaben Schillers haben die Beflissenen der Schwesterkunst „Musik" 102 ausgewählt und diese bann mit 663 mehr oder weniger schönen Melodien und Harmonien versehen. Diese in sieben Klassen eingeteilt ergeben fiir das einstimmige Lied 403, für die Duette 14, Terzette 13, Frauen- und Kinderstimmen 38, Melodramen im Pst. 15. Von den 663 Gedichten sind: 34 1 mal komponiert 4 9 mal komponiert 15 2 tl 3 10 6 3 V u 3 11 II II 8 4 // il 1 12 y II 5 5 y 1 13 II 1 6 ff If 1 14 II 4 7 ff ff 1 15 II y 5 8 u tl 1 17 u Die Dithyrambe: Nimmer, das glaubt mir Der Jüngling am Bache: An der Quelle sah Der Fischerknabe: Es lächelt der See Die Hoffnung: Es reden und träumen An Emma: Weit in nebelgrauer Ferne Äln denFrühling: Willkommen schöner Jüngling An die Freude: Freude, schöner Götterfunken Des McidcbenS Klage: Der Eichmald brauset Die Sehnsucht: Ach aus dieses Tales Gründeir ist 19 mal komponiert 21 24 28 30 32 34 42 51 II II tl II II tl II u II ft Tie größte Zahl bei den einstimmigen Liedern hat die ^Sehnsucht" mit 48 zu verzeichnen; bei den Duetten ist es „Hektors Abschied" mit 8. Alle 13 Terzette sind nur einmal (von Schubert) komponiert; bei den Gemischten und Männerchören ist es „An die Freude" mit je 13 Vertonungen, die freilich nicht alle als Originalkompositionen zu bezeichnen sind und schließlich die Melodramen verteilen sich fast gleichmäßig. Aus der Gesamtzahl 663 müsset: nun aber unbedingt 19 zugunsten des Humors verwendete Dichtungen abgesondert werden, die mehr oder weniger textlich verstümmelt, verulkt wurden, zum Teil sogar dem höchsten und niedrigsten Blödsinn zugleich dienen müssen. Es sind dies zehn Männerchöre, darunter viermal „Der Taucher", sechs Gem. Chöre mit wieder zlveimal „Ter Taucher", dann drei Melodramen, die sich sämtlich an dem „Handschuh" vergriffen^ Dazu kämen bann noch drei Couplets, die freilich nicht als Dichtergaben Schillers rubriziert werden konnten, da sie fast lediglich aus Zitaten des Meisters zufamurengeflickt worden sind. Der Vollständigkeit halber wären bann noch einige Parodien in melodramatischer Form, von Rich. Thiele versündigt, hinzu- zufügen: Das Mädchen aus der Fremde, Ritter Toggenburg, Ter Handschuh und Der Taucher. Diese zweifelhaften Schätze stammen ausschließlich auS dem letzten Drittel des verflossenen Jahrhunderts unb wenn man für derartiges sich der jetzt grassierenden Lorbeerverteilung anschließen wollte, so müßte in erster Linie der Umdichter Schillers „Quidde" bedacht werden, der bescheiden sein Werk mit dem Titel versah: Der Hands ch u h von F. von Schiller, bedeutend verbessert von Quidde. Aber auch eine musikalische Untat aus dem Anfang des neun- zehnteir Jahrhunderts mutz hier an dieser Stelle erwähnt werden. Der Komponist Schodl hat ein „Liebesgeständnis", wie er sich selbst ausdrückt, eine Glosse nach Schiller komponiert. Ten vorher gegebenen Zahlen sind denn noch eine ganze Reihe von -Opern hinzuznfügen, die auf Grund von Schillers Dramen entstanden sind. In den meisten Fällen weichen diese textlich von der ursprünglichen Fassung nicht nur wesentlich ab, sondern es blieb bei vielen nur die Handlung, ost sogar lediglich der Grundgedanke bestehen. Nachhaltigen Erfolg dieser Opern, die zum größten Teil ans einer längst vor unserer Zeit liegenden Kunstcpoche stammen, hat wohl nur G. Rossinis „Wilhelm Tell" (1829) aufzuweisen. Außerdem sind noch — nach Hugo Riemanns Opern- handbuch, das ich als Quelle benutzte — vier weitere „Wilhelm Tells" zu nennen, darunter Herrn. Zopf (zirka 1870) und die erste Vertonung von M. Gretty (1791); dem schließen sich noch zwei Ballets an, zivei Musiken zum Schauspiel; die erste von B. A. Weber (1805), die andere von Carl Reinecke (1860) und aus beit letzten Jahren stammend eine Opernparodie von Th. Hartmann. Turandot hat vier Opern und eine Operette aufzuweisev. Hierbei wäre der einst so- erfolgreiche Liederkomponist C. G. Rerssiger (1835), zu nennen, die Operette hat K. F. Konrads (1866) zum Verfasser. Die Räuber sind mit vier zu notieren, Fresko mit zwei, Don Carlos mit vier, von denen die Kom- position von Verdi auch selbst in Deutschland noch hin und wieder zur Aufführung gelangt. Bon Demetrius, Schillers uw- vollendeter Tragödie, finden sich zwei vor, darunter Anion Dvorak, von W a l l e n st e i n Pier, Die Braut von Messina hat keme Oper aufznwetsen, dagegen drei Musiken zum Schauspiel, hierher wieder B.A. Weber. K a b a l e n n d L i e b e hat G. Verdi allem, als Linse Miller (1849) als Oper verwendet, dagegen haben dre beiden Wiener Komponisten Ad. Müller und Johs. Drechsler je eine Parodie daraus entstehen lassen. Am reichsten ist D i e Jungfrau v o n O r l e a n s bedacht worden, nicht weniger als acht Opern, die sich mehr oder weniger von schiller entfernen, find nachweisbar. Von bekannten Komponisten, luenn auch wieder zum Teil aus vergangener Zeit, sind zu nennen: I. Hoven (1817), N. Vacaj (1827), M. W. Balfe (183 <), G. Verdi (1845), P. Tschaikowsky (1881). Hierzu kommen noch vier Musiken mit lauter klangvollen Namen: B. A. Weber (cm 1806), Andr. Romberg (1810), L. Damrosch (1852), M. BruchA1859). Zählt man diesen 49 soeben aufgeführten Werken! den 102 vorher genannten Gedichten hinzu, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 151. @6 ist nun nicht zu verkennen, daß die heutige Generation, ioivett es sich um die Komponisten handelt, die Muse Schillers weniger beachtet, die verflossenen Jahrzehnte erläutern das auch ohne neiergehende Forschungen. Ein großer Teil unserer be- liebtesten Liederkomponisten des genannten Zeitpunktes ist ganz achtlos bei Schiller vorbeigegangen, darunter Fr. Abt, Rob. r an z, G. Go l t er m ann, F. G n m b e r t, H. Heiser, C- Hiller, F. Kücken, tz. M a r s ch ner, A u t R u bin - stein, Hugo Wolf, R. Wüerst. Bei Johs. Brahms findet man 2 Chorwerke, bei H. Esser 1 Lied, Ad. Jensen 1 Lied, Ed. Lassen 1 Lied, 1 Chorwerk, C. Loewe 2 Lieder, 2 Chorwerke, F. M c n d e l s s o h n - B a r thol d y 1 Lied, 1 Chorwerk, H. Proch 2 Lieder, C. G. Reissig er 3 Lieder, Rob. s ch u m a n n 3 Lieder, F. Sieber 3 Lieder, W. T a u b e r t 6 Lieder, 1 Duett, 2 Chorwerke, O. T ieh{eit 5 Lieder, H. Tr uhn 1 Lied. Aus letzter Zeit dürfen denn I. B r a m b a ch, M. B r u ch, Bung ar t - W a sem, Bruno Stein nnd namentlich Bernh. S ch o l tz nicht unerwähnt blcibcn, die zu grötzern Chorwerken dramatische Gedichte Schillers erwählten. Auch, Franz Curti, in dessen Nachlaß sich eine Musik zu „Semele" vorfand, muß hierbei genannt werden. Aus früheren Perioden finden sich wiederholt die Namen vor: I. B. Andre, I. A. Anschütz, M. Eberwein, F. Götzloff, C. Großheim, B. Klein, A. Methfessel, I. R. Zum stceg. Eine nennenswerte Zahl findet man aber nur bei F r z, Schubert mit 26 Liedern unb 13 Terzetten, sowie bei I. F. R e i ch a r d mit 46 Liedern. Ob nun von Reichard, einschließlich der Gruppe Andre bis Zumsteeg, Erfolgreiches herausznheben, wäre, entzieht sich meiner Kenntnis, dagegen ist mit ziemlicher Bestimmtheit zu behaupten, daß auch die vorher genannte Gruppe mit den Kompositionen der Schillerschen Texte hervorragend Gangbares nicht geschaffen haben. Selbst Schubert, dessen Siebet „Der Jüngling am Bache", „Des Mädchens Klage", „An Emma" zweifellos zu den bevorzugten gehören, kann man trotzdem nicht den begehrtesten dieses Komponisten zuzählen. Auch von den Gedichten, die zahlreiche Vertonungen erfuhren, ein ober das andere mit Bestimmtheit zu bezeichnen, das sich heute noch als „Sieb" besonderer Gunst zu erfreuen hat, wäre eine undankbare Aufgabe. Dafür sind denn aber 4 Texte zu nennen, deren Melodien in dem Munde aller leben, selbst derer, die die llrheberschafh Schillers daran gar nicht kennen. 1. W o hlanf Kameraden aufs P f e r d. Melodie von C. I. Zahn (1765/1830). 2. Mit d em Pfeil, dem Bogen. Melodie von B. A. Weber (1761/1820). 3. Ein freies Leben führen wir. Die Melodie ist eine Nachahmung von „Gaudeamus igitnr". 4. Freude, schöner Götterfunke n. Komponist gänzlich unbekannt. Dem Musikalischen ist dann noch Beethovens herrlicher Schlußchor ans der 9. Symphonie im Gedächtnis. Diese 4 zu Volksliedern erhobenen Melodien sind denn auch als Transskriptionen für Klaviere, so lange dd'se Form in Mode war, ziemlich häufig verwendet worden: Nlr. 1 achtmal, Nr. 2 zweiundzwanzigmal, Nr. 3 nnd 4 je dreimal. Von anderen Gedichten fand „Des Mädchens Klage" in der Schubert'schen Vertonung 21 Bearbeiter, „Der Jüngling am Bache" 3, hierbei lag aber nicht das Lied von Frz. Schubert, sondern das von tz. Proch zu Grunde. Mik nachhaltigem Erfolg wären den noch 4 Chorwerke hinzuzufügen. Die beiden ersten „Die Dithyrambe" von Jul. Rietz und „Der Fcstgcfaug an die Künstler ", von Felix Mendelssohn komponiert, dürften in keinem Archiv eines nennenswerten Mänuergesangverenis fehlen. Tie beiden andern, der bereits erwähnte Schlußchor aus der „9. Symphonie" von L. v. Beethoven, sowie „Nenie" von Johs. Brahms gehören zum eisernen Bestände größerer Chorvereimgungen. Zn allen Zeiten, namentlich an Gedenktagen, wie z. B. am 100. Todestage, 9. Mai 1905, sind zur Verherrlichung und zum Gedenken des Meisters Kompositionen erschienen. Das älteste dürfte ein Festspiel von F. Ad. Hiller sein „Schillers Mauen" (1812); jünger, aber ebenfalls älteren Datums sind die Orchesterwerke von G. M e y e r b e e r „Schiller-Marsch" und Franz Liszt „Die Ideale". Ohne die chronologische Ordnung weiter zu respektiere» und den Stoff restlos zu erschöpfen füge ich hinzu: Gemischte Chöre: C. Reinthal er „Hymne an Schiller", m. Orch., gleichzeitig für Männerchor, Frauenchor und Einst. Chor erschienen; G. Meyer beer „Schiller-Kantate" m. Orch., gleich- zertig für Männerchor. I. Reiter op. 70 „Hymne zur Gedenkfeier" m. Orch. H. Wagner op. 50 „Schiller-Hymne" m. Pfte. (Org. Harm.), gleichzeitig für Männerchor, als auch für Frauenchor. Männerchöre, außer den vorher geuaunten: I. Faißt op. 31 „Schiller-Kantate" m. Blechinstr. u. Pauken, L. Erk „Schiller- Hymnus", Ch. Braun „Schiller-Lied", H. Zöllner op. 86 „Zur Schillerfeier" m. Blasinstr. Schulchöre: Arth. Hey land „Goethe und Schiller", ein Schnlfestspiel, Fr. Kriegeskotten „Schillerfeier" für höhere Lehranstalten. Faßt niau die angeführten Zahlen und Angaben zusammen, so ergibt sich daraus, daß Schiller, vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet, gegen manchen reinen Lyriker zurücktretcn muß, daß man ihn aber trotzdem am 10. November bei der 150. Wiederkehr seines Geburtstages den Bevorzugten der Komponisten ernsterer Richtung zuzuzählen hat. Abdul tzamid im Exil. Als Siebenuudsechzigjährigen traf Abdul Hamid das Schicksal, der Macht, dem Reichtum und dem Luxus zu entsagen, die ihn, den einzigen Beherrscher aller Gläubigen, im Leben stets begleitet hatten. Fethy Bei, der die ersten Monate die Obhut über den Exsultan übernommen hatte und der jetzt als türkischer Militärattache nach Paris versetzt worden ist, erzählt eine Reihe charakteristischer Einzelheiten, die Mo Cullagü in einer englischen Zeitschrift zu einem fesselnden Aufsatz znsammenfügt. Der jähe Wechsel seiner Verhältnisse, der plötzliche Sturz von der Macht und dann die Gewißheit, daß sein Leben trotz allem nicht gefährdet ist, übten zunächst auf Abdul Hamid den günstigsten Einfluß aus. Die Umgebung wunderte sich, wie sehr der entthronte Herrscher von seiner nervösen Reizbarkeit sich befreite; er begann an den kleinen äußeren Dingen des Lebens Anteil zu nehmen; die kleinen Wechselfälle des Tages, die ihm vordem ewig gleichgültig geblieben waren, gewannen für ihn Bedeutung, Sinn und Farbe. Ällnrorgendlich verlangte er Nachrichten, rauchen» wandelte er durch den Garten, er erkundigte sich nach den Namen von Blumen, die er schon tausend Mal gesehen und nie beachtet hatte; ja bisweilen saß er gleich einem kleinen Gutsbesitzer auf irgend einem Baumstumpf und folgte interessiert den Verrichtungen des Gärtners. Seine Vorliebe für Tischlerarbeiten erwachte, er verlangte Geräte und begann eigenhändig Möbel zu entwerfen und seine Einrichtung zu vervollkommnen. Im Geplauder mit seinen beiden Söhnen, dem siebzehnjährigen Abdul Rahmin und dem kleinen vierjährigen Abeddiu, vergaß er seine Bitternisse. Anfangs keimten immer wieder Furcht und Mißtrauen in feiner Seele auf; allabendlich prüfte er selbst die Verschlüsse der Türen und Fenster, in nervösem Bangen belauschte er hinter Vorhängen seine Mitbewohner oder starrte, hinter Portiören verborgen, auf die Garteneinfahrt. Aber mit der Zeit schwanden diese Merkmale. Oft ließ er Fethy Bei zu sich bitten, verlangte neugierig Nachrichten über alles, was in der Welt vorging. Er begann Zeitungen zu lesen ; zum ersten Male kamen ihm die scharfen und heftigen Angriffe vor die Augen, die manche jungtürkischm Blätter gegen ihn richteten. So verstrichen die ersten Wochen; Abdul Hamid schien sich in seine neue Lebensweise zu finden. Aber dann kam der Rückschlag, die Wirkung des Neuartigen verblich, er wurde wieder nervös. Seine Unruhe äußerte sich im häufigen Umstellen der Möbel, er verlangte die Einrichtungen des türkischen Bades an Stelle des europäischen; die Einrichtung der Billa mißfiel ihm und anderes mehr. Um ihn zu zerstreuen, riet ihm sein erster Ennuch Muhsin« Bei, doch Memoiren zu schreiben und sich vor der Wett zu rechtfertigen. Abdul Hamid erwiderte, damit habe er bereits im Jildiz begonnen, er könne jedoch sein Werk nicht fortsctzen, da alle Papiere in Konstantinopel zurückgeblieben seien. Und nach einer Weile fügte er hinzu, daß künftige Historiker ihn rechtfertigen würden, wenn nicht die türkischen, dann die ausländischen. Als er erfuhr, daß die Regie> nng ihm eine JahreApension von 1000 Pfund— gegen 18 000 Mark — ausgesetzt habe, wurde er wütend ; seinem Bruder habe er 2000 Pfund bewilligt und dem Prinzen Reschad 15 000. „Das ist zu wenig", rief er, „denn alles hat man mir genommen, selbst meine Kleider." Ein neuer Wutanfall kam, als eine Anzahl Personen, darunter einige Frauen, nach denen er verlangt hatte, nicht eintrafen. „Ihr wollt mich durch Angst, Langeweile und Quälerei langsam töten. Ich bin hier schlecht untergebracht, die Zimmer sind kaum möbliert. Wenn ich etwas verlange, so verheißt Ihr mir Erfüllung, aber dann haltet Ihr nicht Euer Versprechen..." Aber mit der Zeit wichen diese erregten Aufwallungen. In den letzten Wochen ist er völlig apathisch geworden und eine müde Melancholie ist über ihn gekommen. Ein Hauptgrund dieser neurasthenischen Erschlaffung ist die Unmöglichkeit, ihm so viel künstliches Licht zu liefern, als er verlangt. In Jildiz Kiosk war er allnächtlich an den schimmernden Glanz von 4000 Gaslampen und 2000 elektrischen Glühlampen gewöhnt. Seine Vorliebe für diese übertriebene Beleuchtung ist zur Manie geworden; jetzt, wo die Zimmer nur mit einigen elektrischen Glühlampen erleuchtet sind, empfindet er seine neue Lage als furchtbares Unglück. Dazu ist noch die Schlaflosigkeit getreten; oft sitzt er die Nacht durch am offenen Fenster und starrt mit großen weiten Augen in die Richtung nach Konstantinopel. Bisweilen, wenn er allein in Sinnen versunken oasitzt, kaust er plötzlich in wildem Zorn mit der geballten Faust auf den Tisch schlagen, was er früher nie tat. Er schreit dabei: „Ratet! Olsun! Ratet Olsun!" (Fluch, Fluch!) Oft läßt er sich von Frauen die Karten legen und die Zukunft dcuteir, aber ehe sie fertig sind, springt er plötzlich auf und geht davon, bitter vor sich hin murmelnd: „Bachen Scheil" „Bachen Schei!" (Zwecklos, Zwecklos!) Wenn ihn Erschöpfungen und Uebermüdungen daun übermannen, fällt er in tiefen Schlaf, aus hem er jedoch plötzlich aufspringt. Durch die Zimmer eilt er dann, als ob Phantome ihn verfolgten. Er schläft auch nicht mehr anders als in voller- Kleidung auf einem langgestreckten Sessel. VöL'rM??ebtes. *• Der Erfolg der Stiefel. Bon der wetterwendischen Launenhaftigkeit des von Dichtern und Direktoren weidlich gefürchteten Theaterteufels erzählt „Mon Timancke" eine amüsante Anekdote, die sich in der Nähe von Moutsliinar auf dem Lande ereignete. Eine wandernde Schauspielertruppe gab im Genieiude- h-aus den „Tour de Nestes". Der Saal war gedrängt voll, alle Plätze ausverkanft, die Schauspieler in bester Laune; in einer übermütigen Aufwallung beschlossen die Mitwirkenden, der Aufführung einen besonderen Reiz zu verleihen. Wan' hatte ein Paar alte verbogene Stiefel, die man nun während der Bor-- stellnng fortwährend auf di« Bühne schleppte und wieder davan- trug. Ein jeder, der auftrat, brachte in der Hand die Stiefel', stellte sie gravitätisch auf den Boden . . . Ein jeder, der abging, nahm die Stiefel wieder mit.. Tas Publikmu amüsierte sich königlich, immer wieder klatschte man die Schauspieler hervor und'mit gutem Recht vergaß das fröhliche Künstlervolk auch nicht die Stiefel, die ein ehrliches Verdienst nm den Beifall hatten. Zwei Jahre verstreichen. Eine neue Wandertruppe kommt durch das Städtchen und ladet ein zur Vorstellung von „La Tour de Restes". Aber schon zu Beginn der Vorstellung geht eine seltsame Unruhe durchs Publikum. Sie steigert sich,. wird immer aufgeregter, nun ertönt auch eine Stimme, die voller Empörung ftagt: „Und die Stiefel?" DaS Murmeln wird hier zum Zischen, Pfeifen, zum Skandal, unter den wütenden Ptauchen des erregten Publikums müssen schließlich die Schauspieler die Fortsetzung des Spieles aufgeben. Während die Künstler apatisch und in traurigster Laune dem Stationsgebäude zustreben, begegnen sie dem Bürgermeister, der sich hoch emporreckt und den erforglvsen Komödianten energisch den Standpunkt klarmacht. „Meme Herren, so beginnt der Bürgermeister Korngerötet seiner Rede Fluß, „wenn' man keine Stiefel' hat, so tut man besser, im eigenen Heime zu bleiben, anstatt mtf Gastspiele zu ziehen und das Publikum enter kultivierten und aufgeklärten Stadt zu nasführen." * Eine mitleidige Seele. OrtsvorsteAr: „Nun erzählen Sie, wie kamen Sie dazu, gleich alle beide Nachtwächter so zu prügeln?" — Bauer: „Na, ich dachte mir, daß so viel Keile zu viel für den einen lvüre, er sah ein bißchen schwächlich aus!" Diamantr«itsel. .. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaaaeeef ffggm rrrrstttnyy derart einzutragen, daß die wagercchten Reihen folgendes bebeuten: 1. Einen Buchstaben. 2. Eigenschaftswort. 3. Nordische Göttin. 4. Deutschen Dichter. 5. Schädliches Tier. 6, Nebenfluß der Donau. 7, Einen Buchstaben. Die senkrechte nnb wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche. Auflösung in nächster Nummer r Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer r Sei hochbeseligt oder leide: Das Herz bedarf ein zweites Herz; Geteilte Freud' ist doppelt Freude, Geteilter Schmerz ist halber Schmerz! Tiedge. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Skeindruckerei, R. Lange, Gießen.