My vsmerstag den 8. Juki ZAZ W M W Die Pflastermeisterin. Roman von A l f r e d B o ck. (Nachdruck verboten.) I. , Za, Meisterin, 's hat alles zwei Seiten auf der Welt. Gibst du das Geschäft dran, haft du deine Ruh' und kannst Strumpf' stricken und Unterkamisole für die ganze Verwandtschaft. Aber warum dann mit deinen Vierzig so'n Altweiberleben anfangen? Guck, ich hab' meine Sechzig auf dem Buckel und nrein schepp Bein dazu, lind nehm's in der Werkstatt mit meinen drei Gesellen auf. Nein, da red't mir keiner was vor. Das Heruntlungern macht vor der Zeit mürb imb bringt einen auf überzwerche Gedanken. Der Mensch muß was haben, tvas sein Blut durcheinander fegt. Hernach schmeckt das'Essen. Grad das Schanzen hält einen auf dem Dainin. Heut' nacht int Bett ist mir's durch bett Kopf gegangen. Dein Mann selig hat fortgemitßt. Ro, dein Schorttstein raucht noch. Freilich, eine Mannsperson gehört während hier herein. Und da sollst du keine Sperenzien machen, lieber die Liebesspaß' bist du doch hinaus. Da ist dein Obergesell, der Friedmar. Ein nüchterner Mann und nicht auf den Kopf gefallen. Und hat ein Äug' auf dein' Kram, als wär's sein eigen Gut. Den halt' dir warm, Meisterin. Sagt der dir auf, köunt's schief gehen mit dem Geschäft. Dann der Friedmar hat Zucht luud Ordnung unter deine Leut' gebracht. Das inacht gar nrchts aus, daß du ihm fünf oder sechs Jahr über bist. So'n Mensch guckt auch in die Höh' und will weiterkommen. Also, wann du klug bist, setzst du den hier als Meister ein !u>td hast ausgesorgt dein Lebtag. Du kannst's drehen und wenden wie du willst, 's ist das Gescheitste. Jetzt weißt du, wie ich tnich zu der Sach' stell! Ich muß an die Arbeit!" Nachbar Kipping hinkte geräuschvoll hinaus und ließ die Meisterin in schweren Gedanken zurück. Johanni waren's zwei Jahre, daß sie den Pflastermeister hinausgetragen hatten. Ein stämmiger, robuster Mann, dem man ein langes Leben zugetraut hätte. Drüben in Hainstadt waren ihm bei der öffentlichen Ausbietung die Pslafterarbeiten zuge- schlagen worden. Saß int „goldenen Kreuz" beim Straßenmeister und Kreisbauaufseher und trank seinen Schoppen. Auf einmal zuckt' er wie vom Blitz getroffen zusammen, fiel um und könnt' sich nicht mehr rühren. Wie sie ihn Keimbrachten, lallt er so vor sich hin, mit der Sprache war's vorbei, und drei Tage später war er ein stiller Mann. Die Meisterin war ganz vergeistert vor Schreck, so plötzlich war das Unglück über sie heremgebrochen. Aber dann mußt' sie sich doch aufraffen und überdeitken, wie's mit dem Ge- ichäft gehen sollt'. Die Pflasteret war ein eigen Gewerk. Sn der Stadt selbst gab's wenig zu schaffen. Draußen auf dem Land ivar der Meister den Submissionen uach- gegangen, hielt sich Gesellen und zog mit diesen auf die Arbeit. Da hatte er nicht den Herrn gespielt, die Hände in den Hosentaschen, sondern war mitten unter seinen Leuten gefesselt und hatte wacker zugegriffen mit Hamtner und Ramme. Bei großen Verdingungen war er wochenlang von Haus fortgeblieben. Wann er heimkam, bracht' er jedesmal einen gespickten Betitel mit. Nun war er. hin, mitten in seiner Mannes kraft. Was sollt' werden? Ein Frauenzimmer könnt' dem (Geschäft allein nicht Vorstehen. Der Meister hatte ein hübsches Sümmchen zusammenae- pflastert. Und überdies der Mietzins von zwei Stockwerken int eigenen Haus. Da war leine Not. Die Meisterin könnt' znsehen. Dazumal war Friedmar, der Obergesell, vor sie hingetreten: „Meisterin, ich hör', Ihr wollt uns aufkün- digen. Wann's erlaubt ist, möcht ich ntat darüber mit Euch sprechen. Bei uns Pflasterer heißt's, wann ein Stein sein ordentlich Bett hat und attgenetzt ist, der hält für die Ewigkeit. Ja, so ist's auch mit dem Geschäft. Wo der Grund gut ist und gehörig geschafft wird, bftt müßt's schon dick komnten, wann das aus den Fugett gehen sollt. Ich hab' gemeint, Ihr sollt das nicht so fortwerfen, was Ihr in dev Hand habt. Mit den Arbeitsleut' getrau' ich mir fertig zu werden, 's könnt sein, daß ich das Seil 'n bißchen strammer ««ziehen tät, ivte der Meister selig. No, und das Schriftliche, das habt Ihr ja als fort besorgt. Ich an Eurer Statt täi's mal probieren, ob's so weiter läuft." „Das wär' schon recht, Friedmar," versetzte die Meisterin, „aber wann matt sich abplagt, ivill man wissen für wen. Und ich bin allein und hab' kein Kind." „Ihr müßt anders rechnen," sagte Friedmar. „Wann Ihr die Setti’ jetzt wegfchickt und das Gewerk aufgebt, heißt das soviel, als Kapital fortgeschmissen. Ihr habt doch die Kundschaft im Kreis herum. So'n Geschäft hat sein' Wert. Ihr seid ja nicht festgebunden, wann's Euch nicht mehr paßt. Eh' man's meint, find't sich einer, der's Euch abnimmt, und Ihr steckt den Profit ein. Ueberlegt's Euch noch mal, Meisterin." Die Meisterin holte sich bei diesem und jenem Rats, Berufene und Unberufene gaben ihren Senf dazu. Am Ende dünkte ihr, daß keiner so vernüttftig gesprochen hatte, wie der Friedmar. Und sie ging auf seinen Plan ein, behielt die Zügel in der Hand und trieb das Pflastergeschäft als Witfrau fort. Der Obergesell war unermüdlich. Frühmorgens war er der erste am Platz und sah mit Luchsaugen darauf, daß jeglicher ein sauberes Stück Arbeit lieferte. Die alte Kundschaft stellte er zufrieden und warb neue an. Bei den Steinbruch- und Sandgrubettbesitzern kaufte er das beste Material, ohne mehr dafür als den Marktpreis zu bewilligen. Unversehens nahm das Geschäft einen lebhaften Aufschwung. Die Meisterin war froh, daß ihr die Führung der Geschäftsbücher — diese beschränkten sich auf ein Kassenbuch und ein Journal, worin die laufenden Geschäfte bet Zeit nach eingetragen, würben — über manche einsame Stunde ihres Wittums hinweghalf. Obgleich ihr die Geldgier ganz 418 fremd war, sah sie doch als Geschäftsinhaber!» mit Genug- tinuig ihren Besitz sich mehren und hörte mit Behagen die harten Taler tut Kasten klingen. Run hatten die Vettern niib Basen der Meisterin einen Pik auf den Obergesellen. Tiefer war ein ansehnlicher, reputierlicher Mensch, und die Witfrau >var noch nicht um die Ecke der Vierzig gebogen. Am Ende mochte sich zivischen den beiden etwas anspinnen, und ehe man sich, dessen versah, war man um ein fettes Erbe gebracht. Die Verwandtschaft zettelte jetzt ein förmliches Komplott gegen den Friedmar an und suchte ihu von dem Sockel herabzustiirzen, ans deu ihn das Vertrauen seiner Prinzipalin erhoben hatte. Der aber stand so fest, daß ihn der Gifthauch der gehässigen Sippe nicht wegblasen konnte. So verfiel man auf den Gedanken, die Meisterin >nit falscher Zärtlichkeit kirre zu machen. Tas sei ein großes Unrecht, daß eine Frau, die ihr Schäfchen im Trocknen habe, sich noch quäle, anstatt sich zu pflegen und in stiller Beschaulichkeit ihre Tage Au verbringen. Sie sollte das Gewerbe fahren und sich genug sein lassen, die Früchte zu genießen, die ihr seliger Mann eingeheimst. Die Meisterin schätzte hie bösen Redensarten nach ihrem wahren Wert. Als sie sich vor den zudringlichen Ohrenbläsern, die ihr das Haus einliefen, nicht mehr zu retten wußte, rief sie den Rachbar Nipping herbei, daß er ein kräftiges Wörtchen drein rede. Dieser pcklterte in seiner derben Art, die Meisterin solle der lausigen Verwandschaft ein Wippchen schlagen und den Obergesellen vom Fleck weg heiraten. Ja, das tvar leichter gesagt als getan. So was wollte verarbeitet und bedacht fein. Achtzehn Jahre hatte die Meisterin mit ihrem Mann gewirtschaf er. Der Pflastermeister war von heftiger Gemütsart und duldete keinen Widerspruch. Da hieß es, sich ducken, sollte es nicht zu Tätlichkeiten koininen. Freilich, wenn sein Zorn verraucht Ivar, könnt' man ihn um den Finger wickeln. Mit der Zeit hatte sie seine Schlvächen ausstudiert, und schließlich fehlte ihr etwas, wenn er nicht ein- ober zweimal in der Woche sein Donnerwetter losließ. Dann halt' es ihn getroffen. Und sie war ihn. übers Grab hinaus dankbar, daß er so gut vorgesorgt. Das war nichts, wenn man sich so den Bissen am Mund abspareu mußte. Dazu war sie nicht geschaffen. Jetzt riet ihr der Nachbar Kipping, sie sollt' zum zweiten Mal den Trauring wechseln. Ja, wenn man im voraus wüßte, was man eintauschte. Zwar anständig und manierlich war der Friedmar. Dem kain kein unlauter Wort aus dein Mund. Dazu war er ein Pfennigfuchser. Was er übrig hatte, trug er auf die Landschastskasse. Da konnte man sicher sein, der ließ nichts verkommen, lvenn er den Meisterhut aufsetzte. Und was Zutuliches hatte er au sich, daß man ihn gern um sich leiden mochte. Obacht, Meisterin, eh' du dir was einred'st. Weißt du dann, wo der Friedmar mit seinen zweiunddreißig hinaus will? „Alte Frau und junger Mann Haben nie nit gut getan." No, so schlimm war's noch nicht mit dem Alter. Unwillkürlich trat sie vor den Spiegel, der über der Kommode hing und ihr Brustbild zurückwarf. Wann man die Jahre so mit 'nem feuchten Lappen aus dem Gesicht wischen könnt'!' Tie Ras' war alleweil dieselbig' geblieben. Nur drum herum. Da 'ne Falt', dort 'ne Falt'. Freilich keine Ackerfurchen. Aber das Haar war no.ch blond und voll wie vor zwanzig Jahren. UeLerhaupt käm's doch drauf an, wie man sich in den Gliedern fühlte. Da Ivar noch alles forsch. Herrje, wann sie heut auf den Tanzboden gegangen wär', sie hält' mit der Jüngsten um die Wette gewälzt. Die Bespiegelung ihrer Person kam der Meisterin aus einmal so kurios vor, daß sie in ein herzhaftes Lachen ausbrach. Drunten schrillte die Hausglocke. Die Meisterin wandte sich rasch um und ihr Gesicht nahm wieder den gewohnten ernstbedächtigen Ausdruck an. Auf der Treppe knarrten schwere Tritte. Gleich darauf trat Friedmar, der Obergesell, herein; ein breitschulteriger, hochgewachsener Mann, einer von den kernhaften „Vogelsbergern", die alljährlich bei der Rekruteneinstellung in Hessen Aufsehen erregen. Er trug das rotblonde Haar kurz geschoren. Sein Gesicht zeigte das gesunde., Rotbran>- wie cs allen Menschen, die in der freien Lüft hantier... z» eigen ist. lieber seinen Lippen kräuselte sich ein kleiner blonder Schnurrbart. In seine-! hellgrauen Augen, deren Lider leicht gerötet waren, drückten sich Grobheit und Energie ans. Friedmar kam, mit der Meisterin abzurechnen, wie er allwöchentlich tat. Er zählte die großen und Heilten Münzen langsam hin. Die Meisterin buchte in ihr Kassenbuch die Einnahme und schrieb die Lohnausgabe ab. Das Geschäft war schnell beendet. Nun sprachen sie von, der Arbeit, die in der kommenden Woche zu beginnen war. In Dietkirchen, einem Flecken, der zwei Stunden von der Stadt entfernt hart tot der preußischen Grenze lag, waren der Kirchenplatz und die Hauptstraße zu pflastern. Das Material an Sand und Steinen war bereits angefahren. Nun stieg am Süd- ende der langgestreckten Ortschaft die Straße beträchtlich an. Der Gemeinderat hatte darum -- freilich erst nach dem abgeschlossenen Verding — die Forderung gestellt, es sollten für die bergan führende Wegstrecke nicht die großen Basaltwürfel, die bereits geschichtet waren, sondern kleinere Steine verwendet werden. Der Führwerksverkehr durch Dietkirchen war sehr bedeutend, und man befürchtete, daß die Hufe des-aufwärts schreitenden Zugviehs auf den gr .-ßcn glatten Steinflächen zu wenig Stützpunkte finden w. , n. Das war an sich richtig, aber die Ueberlegung der Gemeindeväter und ihrer Sachverständigen kam insofern zu spät, als ein Drittel! der großen Basaltwürfel nun überflüssig und das kleine Steinmäterial erst zu beschaffen war Da war guter Rat teuer. Mit der Gemeinde durfte man sich nicht überwerfen. Die Meisterin fürchtete Schwierigkeiten und Verluste. Aber Friedmar machte sich anheischig, die großen Steine, soweit man ihrer nicht bedurfte, an die einzelueit Hofreitenbesitzer in Dietkirchen zu verkaufen. Den morgigen Sonntag gedachte er in aller Frühe aufzubrechen und bei den benachbarten Bafaltbrücheu Nachfrage zu halten, ob man das Notwendige rasch liefern und der Meisterin aus der Verlegenheit helfen wolle. „Morgen am Sonntag?" fragte die Meisterin erstaunt. „Habt ihr dann nicht Kirmes; in Fischbach?" „Ja wohl." „lind da willst du nicht Heimmächen?" „Wann die Mutter noch leben tät', wär' ich hin, aber so —" „'s könnt' doch fein, daß du sonst da was hätt'st." „Von wegen der Mädercher? Nein, Meisterin, lind unter den Buben, die da herum hopsen, kommt man sich jetzt schon ganz talpig Dor.' (Fortsetzung folgt.) Die „Dräut". Hochzeitssitten und H o ch z e it s g ebr äu ch e im Vogelsberg. (Nachdr. verb.). Von Herrn a n n S t r a ck. (Bei unserem Preisausschreiben mit dem ersten Preise ausgezeichnet für die beste volkskundliche Arbeit.) I. Die Einladung zur Hochzeit. „Marieche, kehr a wink die Stowwe ean stell zwi Stenil boarat! Dösfe Owettd Hturnt is Goll (Got) ean er Bräujam, tut is off die „Braut" — (so wird im Twrfe die Hochzeit genannt) — z' loare." Mit diesen Worten wendet sich die Mutter, eine untersetzte kräftige Bauersfrau, Ende der 30er Jahre, an ihr zwölfjähriges Töchterchen, das soeben nach beendeter Abendmahlzeit vom Tische anfgestaitden. Es ist ein Sonntagabend int Winter. Die Mutter räumt bett Tisch ab, wischt mit der Schürze hier und dort noch über verschiedene Gegenstände, geht zum Ofen und legt ein paar Scheiter ins Feuer, zieht eine bessere Jacke an und bindet eine frischgewaschene Schürze vor, um das zu erwartende Brautpaar, von dem sie weiß, daß es heute abend die Einladungen zur Hochzeit Dornimmf, würdig zu empfangen. Der Vater ist Dom Tisch aufgestanden und holt feine Sonntagspfeife, eine lauge Pfefferrohrpfeife, Don der Wand — werktags raucht er nur eine kurze, handlichere Pfeife — stopft beit Kopf Doll Tabak, setzt bett Daumen ein paarmal fest daraus, zündet bett Tabak an und bringt mit ein paar kräftigen Zügen bie Pfeife in Brand. Dann setzt er sich wieder an den abgeräumten Tisch, über den die Hausfrau ein Fraitsentuch gebreitet, schmaucht behäbig seine Pfeife und wartet auf den Besuch, das Brautpaar. Das sechsjährige Karlchen, ein pausbäckiges Kerlchens must dieweil nach deut Fenster und will sehen, ob die Got Minna mit ihrem Bräutigam Heinrich bald kommen. Der GroßDater sitzt beim Ofen auf dein Holzkasten; die 'Großmutter ruht schon einige Jahre draußen auf dem Friedhof. „Alleweil komme se!" rnft's Kärtchen, und das Brautpaar tritt bald hernach in das Zimmer. Die Got Minna, die Braut, ist eine stattliche Erscheinung anfangs der zwanziger Jahre. Das dunkelblonde, volle Haar liegt, in dickem Zopf geflochten, kranzartig um den Kopf. Das runde, rotwangige Gesicht ziert ein nicht zu kleines Näschen; ein Grübchen im runden Kinn und ein schalkhafter Zug um den roten, kleinen Mund, aus dem zwei Reihen gesunder Zähne perlenartig hervorblitzen, geben dem Mädchen etwas Ge- winnendes, Einnehmendes, Anziehendes. Der Bräutigam Heinrich überragt in der Größe etwas die Braut. Das flotte, schwarze Schnurrbärtchen, das zu beiden Seiten der etwas hageren Wangen nach oben gedreht ist, die stramme Haltung t>erraten, daß der Bräutigam des Kaisers Rock getragen, daß er — tote man zu sagen pflegt — „gedient" hat. Seinen Gesichtszügen sieht man an, daß ihm die Einladungsgänge zur Hochzeit etwas sauer ankommen, insbesondere da auch Pfarrer und Lehrer besucht und geladen werden müssen. In der Kleidung des hübschen Brautpaars ist nichts Auffallendes zu bemerken. Die besondere, charakteristische Bauerntracht ist längst verschwunden. Modische Kleidung, modischer Putz ist an ihre Stelle getreten, so daß in der Sonntagskleidung, im Staat, der Unterschied der Stünde, wie er früher ersichtlich, vollständig verwischt ist. Nachdem das Brautpaar seine Einladung vorgebracht Und noch besonders betont hat, daß ja alle, auch der Großvater, zur Hochzeit kommen sollen, erhebt es sich von seinen Sitzen mit beit Worten: „M'r müsse eile, tn’r müsse toeirer gih; tn'r Huh 110ad) väil vör is." Die Got und der Petter versprechen mit ihren zwei Kindern, dem Mariechen und Karlchen, zu kommen. Nur der Großvater wehrt ab mit den Worten: „Ahns muß doach d'yam bleiwe; — m’r kann doach's Haus nitt on 'n Krabbe gehänke!" Nachdem das Brautpaar das Haus verlassen, sagt Katharine, so heißt die Bäuerin, zu ihrem Manne: „Konroad, ean dösser Woch' müsse m'r noach d'm Städtche; m'r müsse 0' „Braütgeschank" (das Hochzeitsgeschenk, das vor der Hochzeit überreicht wird) ho an; ich huh aach soft noach Allerlei z'käife, woas aich ean die Keanu nürig huh." „Ach," sagt Konrad, ,,D' kannst jo allahn hingih! Bon dem Käife, Maßt D', sei ich kah Freund." „Nahn, dou mußt mett," erklärt bestimmt Kathrine. „D' mußt doach ean naue Hont huh; mett beim ah le Döppe gih ich nitt mett d'r!" „No joa!" sagt Konrad etwas mißmutig, „domett d' Rouh host, ich will mett d'r gih." In der nun folgenden Woche begeben fich Kathrine und Konrad zu dem nächsten Städtchen, um das Hochzeitsgeschenk, den „Bräutgeschank", neben dem neuen Hut für den Konrad, Sträußchen und Kränzchen für die Kinder und verschiedenes andere zu kaufen. Eigentlich wollte die Kathrine ihrer Got Minna den Myrtenkranz als. Hochzeitsgeschenk kaufen. Da aber eine Freundin und Altersgenossin von Minna den Myrtenkranz, ihr versprochen, muß die Got davon abstehen. li. Die Vorbereitungen zur Hochzeit. Die letzte Woche vor der Hochzeit ist angebrochen. Im Hause der Braut'— sie bleibt im Hause als Erbin des stattlichen Bauernhofes — beginnen nun die Vorbereitungen zur Hochzeit. Man überzählt die eingeladenen Gäste und kommt auf die Zahl „achtzig". Da heißt es vorhergesorgt, herbeigeschafft und vorbereitet; denn auf einer Hochzeit darf es an nichts fehlen, und die Hochzeit dauert zwei Tage. Daneben muß der Armen 'und Kranken gedacht, und Kuchen muß fast in jedes Haus des Dorfes geschickt werden. Im Brauthause sind schon' vorher Schreiner, Weißbinder und Tapezierer an der Arbeit gewesen. Das Haus hat im Innern einen neuen Oelanstrich, frisch geweißte Decken, neue Tapeten an den Zimmerwanden bekommen. Nachdem die Handwerker ihre Arbeit vollendet, findet eine gründliche Scheuerung' des ganzen Hauses statt, die am ersten Tritt der Speichertreppe anhebt und an der letzten Stufe der Kellertreppe endigt. Insbesondere werden alle Haushaltungsgegenstände> alle Küchengeräte blitzblank gc- .rieben. Alles Geschirr spiegelt, ivenn der Sonnenschein daraus fällt. Ein fettes Schwein, das für die Hochzeit eigens ge- Ntästet, wird geschlachtet, ebenso ein Kalb. Tas erforderliche Rindfleisch liefert der Metzger. Nun hebt das Kucheubacken an, bei dem Got Kathrin neben der Hausfrau die Führung hat. Die nächsten Au- verwandten. helfen beim Küchenbacken, müssen doch ungefähr achtzig Kuchen gebacken werden. Da heißt es fleißig die Hände regen; denn der „Bräutkuchen" soll auch besonders „mürb" und „gout" sein. Das Kuchenbacken nimmt einen ganzen Tag in Anspruch. Bor dem Kuchenbacken ist bereits das „Zuckerwerk" her- gestellt worden. (Das Konfekt fehlt heute bei keiner größeren Bauernhochzeit, ebensowenig wie der Wein. Bor drei Jahrzehnten kamen Wein und Konfekt, Pudding und Torte noch nicht auf der bäuerlichen Hochzeit vor, heute stehen sie auf jeder größeren Hochzeitstafel der ländlichen Hochzeiten.) Das seidene Brautkleid, das das frühere einfache Tuchkleid bei den wohlhabenderen Bauersleuten verdrängt, ist inzwischen von der „Nähterin" im Brauthause angefertigt worden. Es sitzt tadellos, wie die Frauen und Freundinnen der Braut bestätigen, und verleiht der jugendfrischen Braut ein vornehmes Aussehen. Wohlgefällig beschaut die Braut ihr Spiegelbild in dem ihr vorgehaltenen Spiegel, Zufriedenheit und Glückseligkeit in den Zügen. Der Bräutigam füllt mit dem zukünftigen „Schwähr" (Schwiegervater) in der großen, geräumigen Wohnstube eilt Faß Wein in Flaschen ab. Mehrere Fäßchen Bier stehen im Hausgange. Umfangreiche Krüge, sogenannte „Plotz- krüge" bergen den Branntwein besserer Sorte, der auch bei einer Hochzeit nicht fehlen darf. In der Schlafkammer, die durch eine Holzwand, von der Wohnstube getrennt ist, werden die zwei Betten abgeschlagen, weil auch dieser Raum zum Äufnehmen von Hochzeitsgästen dienen muß. In der Küche hantieren die Hausfrau und die Köchin, die für die Hochzeit besonders bestellt ist. Hier werden die Braten für den morgenden Hochzeitstag zubereitet und gebraten ; denn am Hochzeitstage selbst ist dafür lveder Zeit noch Raum auf dem Küchenherd. vorhanden. Mittlerweile hat der männliche Teil Bänke, Stühle und Tische herbeigeschafft und sie in den Zimmern, in den men, darinnen die Hochzeit stattfindet, aufgestellr. Alles erwartet nun mit Spannung den kommenden Hochzeitstag, am meisten aber wohl Braut und Bräutigam. Die Mutter der Braut, in deren Herzen wahrer Christenglaube wurzelt, deren Wesen echte Frömmigkeit wiederstrahlt, greift vor dem Schlafengehen zum Gebetbuch, um das Glück ihrer Tochter dem Schutze des Allmächtigen zu empfehlen und den zur Hochzeit zu laden, der auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte. (Fortsetzung folgt.) Vas G!a§ im Altertum. Gleich der Keramik erstrecken sich die Anfänge der Glas- macherknnst bis in die ältesten Zeiten der Menschheitsgeschichte. Die Geschichte von der Erfindung des Glases durch die Phönizier, tote sie Plinius erzählt,' ist durch dis neueren Forschungen berichtigt worden. Schon früher waren die Aegypter, vielleicht durch einen Zufall, mit der Herstellungsweise von Was bekannt geworden, und erst von ihnen übernahmen die findigen Phönizier das Geheimnis. Schon im 16. Jahrhundert v. Ehr. sind die Aegypter soweit vorgeschritten, daß sie außerordentlich kunstvolle Glasarbeiten hervorbringen. Der Gebrauch von Glasöfen kam erst später im römischen Reiche in Aufnahme; vordem schmolz man die Glasmassen in Oeffnungen, die man in die Erde bohrte. Die berühmten Gemälde aus der Totenkammer von Beni-Hassan aus der zwölften Dynastie schienen anzudeuten, daß die alten Aegypter auch die Glasbläserei kannten. Allein die Forschung hat gezeigt, daß die auf diesen Bildern dargestellten Szenen sich auf die Metallindustrie beziehen; geblasenes Glas tritt selbst im Orient erst nach der Ptolemäischen Periode auf. Das Glas der Alten zeigte gewöhnlich eine bläuliche oder olivgrünliche Färbung, die ihre Ursache in dem Eisenoxyd der gebrauchten Kieselerde hat. Die alten Aegypter, so führt G. A. Hückel im Anschluß an Anton Kisas neue Forschungen in La Nature aus, pflegten die künstliche Färbung, die bis zum 420 — Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießew Logogriph. Ich war eine kleine schlesische Stadt, Die „g" im innersten Herzen getragen: Doch als es in „t" verwandelt sich hat, Da könnt sich kein Frommer mehr mit mir vertragen. Auflösung in nächster Nummer, Auflösung des AnthniogriphS in voriger Nummer: Mai — Alanen — Celle — Kain — Jli — Reu — Lama — Emma — Ael>: Mac Kinley. v-• - *.- -... vn v,l,tu,.lh Hier Iwtte auch ern ganz flüchtiger Uebersetzer merken müssen, daß, ^^glische control eine andere Bedeutung habe als Unsere „Kontrolle . Denn daß ein Arbeitgeber die Löhne seiner Arbeiter kontwllreren kann, versteht sich doch von selbst. Das wird Ech gar nrcht geleugnet, sondern es wird nur behauptet, daß die Arbeitgeber feinen Einfluss ans die Höhe der zu zahlenden! Lohne haben, weil diese von besonderen, durch die Regierung eingesetzten Ansschüssen bestimmt werden. Noch toller ist es, wenn in einem deutschen, aus dem Englischen übersetzten Zeitungs- verrcht über ein Eisenbahnunglück in Südafrika erzählt wird: ----- . „Der Zug wurde unkontrollierbar, während er ans einer steilen Zur Zeit ! Strecke dahinfuhr. Das soll heißen: Der Zugführer verlor ' - ' , I die Herrschaft über den Zug. zwanzig zu dremnddreißtg Zentimeter, und nach den jüngste» Entdeckungen von Flinders-Petrie in Haivara ist es sogar wahrscheinlich, daß bereits die alten Aeg.wtec ihre Portrats und Bilder unter Glasscheiben schützten. In der Architektur fand das Was jedenfalls schon früh Berwem dnng. Seit den Tagen Amenophis IV. (1400 v Ehr) pe- nutzten die Aegypter Glasstücke zur Ausschmückung von Wänden, sanken und Plafonds s die Spuren davon haben sich i>, Tel el Amarna gesunden. Und dieses Beispiel ivurde vom Orient «nfgenommen und später seit Sulla auch in Rom befolgt. Vskmifchtes. * KontL v i l e. Bei der Uebersetzung ans fremden Sprachen muß man. vorsichtig sein in der Berivendung von Ausdrücke die als Fremdwörter aus der betreffenden Sprache ins Deutsche Denn oft verknüpft sich 'mit einem solchen- Worte im Deutschen em anderer Sinn als in der Sprache, aus der esstamml. Das ist z. B. der Fall bei kontrollie ren und ((0 «trol le, das m Nebersetznugeu ans dem Englischen häufig fahch^ gebracht wird, ^ynt Englischen bedeutet to control soviel nne beherrschen, beeinflussen, ivährcnd es bei uns im Simie uachprüfeil, überwachen, beaufsichtigen gebraucht . * 5h< Marion bad. „Gnädige Frau sind schon so früh auf der Promenade ■* -— „Ja, ich gehe morgens gern ein Stündchen alkein spazieren!" * 3toeierlei A!uffassungen. Frau Lehmann (wirft die Zeitung beiseite): „So'n Blech! Da schreiben sie, daß iiü Sndseearchipel eine Frau ungefähr 20 Mark kostet. — Lehmann (ntlngi: Wieso Blech? Für 'ne gute Frau kann man doch! ruhig soviel ausgebcn. , * April. Klein Elschen (in das Boudoir ihrer Mutter tretend): „Mama, tm Kmderzimmer sitzt ein fremder Herr und rußt die Gouvernante ab." — Mutter (stürzt, um die sensationelle Mitteilung zu prüfen, davon): „Nicht möglich!" — Klein Elschen (lauft ihr nach und ruft frohlockend): „April, April! — 's ist la gar kein fremder Herr, 's ist ja der Papa!" zweiten nachchristlichen Jahrhundert die orientalische Glas. I geläufig. Seit den Ausgrabungen von Herculanum hat man industrie beherrscht, trotzdem kam man schon in früher in Bronze eingefaßte Fensterscheiben gefunden, und diese Zelt in Aegypten zu der Erfindung farbloser Gläser, die Entdeckungen sind immer häufiger geworden. In den Mu- Heute zwar undurchsichtig sind, aber zur Zeit ihrer Herstel- ^en von Neapel und Trier findet mau Fensterscheiben von lung mehr oder minder durchsichtig waren. Helles, farbloses | ^ßiy M vierzig, von dreißig zu sechzig und siebemtnd-i Glas war nur bei der Verwendung sehr reinen Sandes 1""""" ' '“'*"** *“““*'* .......*■ KP erzielen und dazu boten der Nil, der Belus und die Küsten Campaniens die glücklichsten Borbedingungen. In späterer Zeit findet man auch künstliche Entfärbungsmittel, und mit dem ersten Jahrhundert n. Ehr. hat das farblose kristallklare Glas die alten Farbgläser verdrängt.. Bon diesem Zeitpunkt aus lassen sich zwei Richtungen der Entwicklung der Glasmacherkunst verfolgen; die eine wendet sich im Wesentlichen der Herstellung von Buntglas, der Nachbildung^ von Edelsteinen zu, die andere sucht die Durchsichtigkeit zu fehlerloser Vollkommenheit zu erhöhen. Die farbigen alten Vasen, die vorher ihre Glanzzeit erlebten, sind an eine mehr oder minder einheitliche Farbenskala gebunden; die Alten, insbesondere die Aegypter, liebten vor allem die blaue Farbe, dann Smaragdgrün, ein vergoldetes Braun und einige wenige gelbe oder rote Farbtöne. Ursprünglich fand die altägyptische Glasmacherkunst ihr reichstes Arbeitsgebiet in der Herstellung von Amuletts, von Schmuckstücken und Nachahmungen von Edelsteinen. Die gefärbten undurchsichtigen Vasen tauchen erst im neuen Reiche auf. Zur Zeit der achtzehnten und neunzehnten DvKLstir steht dann der ägyptische Glasmacher auf der, ... ........ W6MW.lt0tl(lclr „curaumr Hohe seiner Kunst; die in den Gräbern aufgefundeuen I hurd. Obgleich schon oft darauf yingewiesen worden ist stößt man Masschmuckstücke und Geräte zeigen einen Reichtum der I Emer und immer wieder, namentlich in Zeitungen,'auf diesen Färbe und eine Fülle der Formenvariation, die den Manz I n v.er' r ■ Üwßman dann lesen: „Die großen industriellen! der alexandrinischen Schule und der syrischen Glasmacher- Kanadas befinden sich zum größten Teil unter Werkstätten vorausahnen lassen. Inzwischen hatten die Phö- Eta feL, amerikanische Kriegs- vizier die Kenntnisse der Aegypter sich angeeignet; von Papiermülue Kanadas^" " du grösste Sidon aus ergoß sich die Frucht phönizischer Geschicklichkeit trolle über die Angelegenheiten Irland^" Ju'^ineln Dmiw rasch über das gE Mittelmeerbecken. Die jüngsten For- bericht aus London heißt es: „Mit^iner japanAen Niederlassung schungen scheinen die Rolle der Phönizier tm Rahmen der I an ieder Station gibt diese Bahn (die Süd-uandschurci-BaM ägäischen Kultur heräbzusetzen; an sie aber muß man denken, I mit ihrer japanischen Staatszinsgaraiitis Japan die tatsächlich« wenn man die auf Cypern, Rhodos, Kreta und Mykenä auf- I KErolle über die Südmanschurei." In einem Aussatze über gefundenen alten Gläser überblickt. Die Kunst der Sidonier | terveichaltuisse Australiens wurde aus Melbourne be- gipselte vor allem in der Herstellung von kleinen Basen, demokra^n Käu^cr, b-r Kontrolle der Sozial- Balsamgefäßen und Behältern für würzige Essenzen; ihre I beitwqewer'ttchasten^ "di" Arkr^Er Ä