M9 MN! W M Ä »'S Rheinlandstöchter. Roman von Clara Vie big. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Hinter dein jungen Paar schloß sich die Tür des Xylan- derschen Hauses. Sie schritten über die einsame Chaussee. Sie gingen sehr langsam. Es war noch nicht spät, aber hier draußen alles wie ausgestorben. Ein lauer Windzug striche durch die Nacht, ein warm treibender Hauch war darin, der an Frühling mahnte. Schloß man hie Augen und ließ die Luft um die Schläfe fächeln, konnte man wähnen, die Büsche am Wege Zeigten schüchternes Grün; gleich würde Amselruf ertönen und Froschgeguarr aus dem Graben. Nelda fühlte Frühlingsahnung; sie sagte sich nicht: viel zu früh! Sie ließ die unbehandschuhten Hände von der milden Luft bestreichen, das leichte Kopftuch hing ihr halb im Nacken, den Regenmantel hatte sie nicht zugeknöpft. Sie sagte nichts; ihr Gesicht schimmerte weiß im Sternenlicht, die Lippen hielt sie lächelnd geöffnet. Sie sah so froh aus, so jung. Ihr Begleiter schaute sie von der Seite an; sie mußte wohl seinen Blick fühlen, denn sie drehte ihm auf einmal das volle Gesicht zu. „Nun, ist's nicht schön? Sind Sie froh? !" Er vermied ihren Blick und starrte auf seine Stiefel- spitzen nieder. „Ich verreise morgen!" Die Antwort war merkwürdig unvermittelt. „Sie verreisen? Ach, wohin denn?" „Zu meiner Mutter. Sie ist in Sinzdorf bei Bonn." „So — also nach Siuzdorf! Wohnt Ihre Frau Mutter da?" „Sie ist in der Irrenanstalt." „O mein Gott!" Es war Nelda herausgefahren mit einem tiefen Schrecken, ihr fröhliches Gesicht wurde plötzlich ernst. „Ja," sagte er eintönig, wie man eine gut gelernte Lektion hersagt. „Sie hat das Unglück, das über unsre Familie hereingebrochen ist, nicht ertragen. Ich setze voraus, gnädiges Fräulein, daß auch Ihnen nicht unbekannt ist, was sich die Spatzen auf den Dächern zupfeifen. Mein Pater war — es ist zu schrecklich für den Sohn, das harte Wort auszusprechen! — ein Ehrloser. Wissen Sie, was das heißt?! Er hat uns nichts hinterlassen als einen Namen, den zu tragen ein Fluch! ist. Die Menschen weisen mit Fingern auf diesen Namen, und wo sie's nicht tun — aus Mitleid ! — wenden sie sich Weg und zucken die Achseln Noch schlimmer! Meine Mutter hat es nicht ertragen, ihr Verstand ist darüber in die Brüche gegangen. Da sitzt sie in Sinzdorf und denkt, sie sei die Kaiserin von Deutschland, putzt sich und behängt ihren armen Leib mit Lappen Und hält den Kopf hoch, damit ja die Krone nicht herunter falle. Meine arme bescheidene Mutter! Sie lacht und lacht — die Wärterinnen tun ihr den Gefallen und reden sie „Majestät" an — sie ist dann sehr huldvoll und knixt und lacht und lacht und knixt —" „Hören Sie auf!" Nelda krampfte ihre Hand um die seine und zwang ihn so, still zu stehen. „Sagen Sie's nicht so eintönig, so furchtbar! Ich — ich kann es nicht hören!" Ihre Lippen zuckten. Er stöhnte tief. „Oh, das ist noch nicht das Schlimmste!" Er riß sich los von ihrer Hand und eilte beschleunigten Schrittes weiter, seine Stimme war nicht mehr tonlos, sondern leidenschaftlich erregt. „Sie ist tot für die Welt. Aber ich, ich muß darin leben! Zwischen Kameraden sein, deren Ehre keinen Fleck hat! Ich muß den Namen tragen, den —' Ich darf an nichts denken, was einen anderen glücklich macht. Karriere, Familie, Liebe, Brai'.t, Frau — — alles aus!" Seine Stimme sank, bis sie tonlos war ivie zu Anfang; es hatte ihn doch übermannt. Er hatte es ihr sagen wollen, schonungslos, aber ruhig; nun hatte er etwas heraufbeschworen, was ihn selbst aus der Fassung brachte, er war nicht mehr Herr über sich. Er fühlte, lute seine Stimme versagte und sein Herz pochte. Es flimmerte ihm vor den Blicken. Neldas Augen waren fest auf ihn gerichtet, groß und schwimmend; nun löste sich langsam eine Träne nach der andern unter ihren Wimpern. „Sie weinen —?! Fräulein Nelda!" Sie blieb stehen, er hielt ihre Hände; ein seltsames Wohlgefühl lief ihm durch die Glieder. „Armer — armer —!" Sie schluchzte laut. „Sie weinen um mich?!" Unwillkürlich flüsterte er. „Sie liebes gutes Mädchen, ich danke Ihnen! So kann ich doch sagen," setzte er noch leiser hinzu, „es hat auch einmal jemand um mich geweint!----Fräulein Nelda, weinen Sie wirklich um mich?" „Ja, um Sie!" Sie hob das tränenüberströmte Gesicht mit einem innigen Ausdruck zu ihm auf. „Sie tun mir so schrecklich leid! Wenn ich Ihnen doch helfen könnte! Ach, ich bin so traurig! Ich muß die ganze Nacht dran denken und noch viel, viel länger! Es ist zu schrecklich — Ihre arme Mutter — und Sie! O was gäb' ich drum, könnt ich Ihnen helfen!" „Fräulein Nelda!" Er konnte nicht anders, er mußte ihre Hände an die Lippen führen, eine nach der andern. Ihre Dränen taten ihm so wohl, wie der Regen einem verkümmerten Saatfeld. Freilich war's ihm, als sagte ihm die innere Stimmer d!ui hast deine Sache nicht gut gemacht; warum hast du ihr eigentlich all das erzählt? Nicht um ihre Dränen fließen zu machen und ihr dann die Hände zu küssen und auf der einsamen Chaussee still zu stehen und in überströmende Mädchenaugen zu blicken! Du wolltest doch sagen: geh weg! —s und du sagst: komm her!---- Rainer schreckte zusammen und lreß die Hande, des. — 626 Mädchens fahren, eine undeutliche Entschuldigung niur- nielnd. Er sah sich um. „Pardon, gnädiges Fräulein, wir sind zu weit gegangen! An Ihrem Hause sind wir längst vorbei, wir müssen nmkehren. „Ach so!" Sie lächelte ihn an, noch Tränen in den Wimpern. Sie schritten zurück, aber setzt rascher; sie sprachen auch nicht mehr miteinander, der Wind war ihnen nun entgegen und fächelte schärfer Neldas heißes Gesicht. Sie weinte nicht mehr, im Gegenteil, ein glücklicher erwartungsvoller Glanz lag auf ihren Zügen. „Gute Nacht," sagte sie lächelnd an der Haustür. „Gute nacht — auf Wiedersehn!" „Gute Nacht!" Er verbeugte sich tief, ohne ihre Hand zu nehmen, dann trat er zurück. Einen Augenblick hielt sie noch zögernd die Klinke — sie horchte auf seine sich entfernenden Schritte. Nun waren sie verklungen. „Auf Wiedersehen," murmelte Nelda, kaum die Lippen bewegend; dann schloß sie die Tür. Drinnen int Flur eine erbärmliche Beleuchtung. Auf der untersten Treppenstufe stand die kleine Küchenlampe, tief niedergeschraubt, und verbreitete einen durchdringenden Petroleumgeruch. Die Eltern schienen bereits zu Bett, ebenso die Magd. War's denn schon so spät?! Nelda nahm die Lampe und stieg die Treppe hinauf. Eben jetzt öffnete sich im ersten Stock die Schlafzimmertür, und Frau Tallmers kleines vergrämtes Gesicht mit dem spitzen Näschen unter der weißen Nachtmütze guckte heraus. „Nelda, bist dn's? Wir sind schon zu Bett gegangen, der Papa fühlte sich heut abend so schwach. Auch die Lena schläft, sie hat morgen die große Scheuerei. War's hübsch bei Lylanders? Was habt ihr gegessen? Hast du die Haustür auch zugeschlofsen?" „Es war sehr hübsch, Mama!" „Hast du die Haustür auch wirklich ordentlich zn- gemacht?" „Ja, ja!" „Und laß die Lampe nicht so lang mehr brennen, das Petroleum ist haarsträubend teuei’, dreißig Pfennig das Liier! Hörst du? Tu nicht, als ob wir's so könnten! Ach Gott ja, wenn dn — war sonst niemand bei Xylcmders, kein Bekannter von ihm?" „Gute Nacht, Mama!" Hastig stieg Nelda die zweite Treppe hinan; sie antwortete nicht mehr, ihr Herz klopfte. Oben in ihrem Giebelstübchen setzte sie die Lampe auf den kleinen Tisch am Bett und ließ sich schwer auf den Stuhl daneben fallen. Wie im Traum streifte sie das Kleid ab und zog die Nadeln aus deut Haar: lang und dicht fiel es ihr um die nackten Schultern. Zerstreut zog sie das Ende einer Strähne durch die Finger, ihre Augen starrten wie gebannt in den flimmernden Lichtkreis ‘bet kleinen Lampe. An was dachte sie? Sie wußte es selbst nicht. Es wogte in ihr auf und ab, es sprühte Tropfen und zog wirbelnde Kreise, wie Wasser, itt das man jäh einen Stein geworfen. So saß sie lange. Dann trat sie vor den Spiegel und blickte lange unbeweglich mit weitgeöffneten Augen hinein. „Bin ich das?" fragte sie langsam und laut, und eine glühende Blutwelle schoß ihr in die Wangen. Sie schloß die Augen halb und lächelte. „Ich glaube, er mag mich — ja, ja!" Sie nickte dem Bild int Spiegel zu. „Ja, du, ja!" Ein plötzliches Knistern in der Zimmerecke ließ sie zil- sammenfahren; zwischen Tapete und Mauer rieselte Mörtel herunter, aber sie erschrak. „Dummheit!" Mit einem Ruck schleuderte sie die Röcke von sich und sprang ins Bett. Ta saß sie halbanfgerichtet und flocht das lange Haar in einen Zopf für die Nacht; sie sah ans wie ein Kind mit der hängenden Flechte und den schlanken Armen. Sie verschränkte sie hinterm Kopf und lag dann regungslos ausgestreckt. Eine Stunde verging, die Lampe schwelte, der Docht begann zu verkohlen; mit großen verträumten Augen blickte sie aus einen Punkt. Die weiße Brust hob und senkte sich in kräftigen Atemzügen; es war Nelda unendlich wohl. Mit einem häßlich qualmenden Dunst erlosch die Lampe. Sie merkte es nicht. Sie lag mit offenen Augen im Dunklen; endlich wurden ihr die Lider schwer, ihre Gedanken verwirrten sich. „Ob er wohl — an — mich — denkt--armer - — — Sinzdorf — morgen — auf Wiedersehn — auf W--" Die Zunge gehorchte nicht mehr, der Traum kam und jagte bunte Bilderreihen vorüber. Und alles wob sich um1 eine Gestalt. VI. Leutnant von Ramer war in schlechter Laune ansge- wacht. Er hatte die Nacht wenig geschlafen — die materiellen Genüsse gestern bei Lylanders konnten unmöglich die Schuld tragen — erst gegen Morgen ivar eilte bleischwere Ruhe über ihn gekommen. Nun mußte er aufstehen, der Zug nach Sinzdorf ging um zehn. Unmutig fuhr er den Burschen an, der die Läden öffnete. „Der Herr Leitnant müssen nu ufstehn!" Der biedre Gottlieb Schmitz trappste mit knarrenden Stiefeln Über die Diele. „Et is schon h so spät!" „Ja, ja — trampeln Sie nicht so, Schmitz! Es ist gräßlich!" „Zn Befehl, Herr Leitnant!" Auf den Spitzen seiner ungeheuren Rindsledernen wie eine Sylphide schwebend, mühte sich der Biedere zur Tür hinaus. Er kannte beit Ton — ja, das war immer so, wenn der Herr Leutnant nach Sinzdorf machte! Da mußt er wohl en. Schatz haben, der untreu war! „Opla!" sagte Schmitz, als er in der Wohnstube das Spiritusflämmchen unter der Kaffeemaschine anzündete. „Gottlieb, mein Junge, ärger du dich uit, wann dein Leitnant schlechter Saun is; drück als en Ang' zu! Ke Wunder, er hat en untreuen Schatz! O Jesses!" Ein untreuer Schatz war für Gottlieb Schmitz das Furchtbarste auf. der Welt. Seit Hauptmann Xylcmders Settchen ihm nach achttägiger Bekanntschaft die Treue gebrochen und dem langen Flügelmann von der Kompagnie die frische Wurst von zuhause zugewendet, kannte er sich mit untreuen Schätzen aus. Er hätte jeder Weiblichkeit ab- geschworen. „So," — er blies die Flamme aus und tat einen derben Zug aus der Kaffeekanne — „heiß, awer gud! Nu kann er kommen! Ja, wann ich uit wär! En Mutter sorgt nit besser sor ihr Kind!" Ganz gerührt goß er noch einen Schwurr Wasser in die Kanne;"es reichte sonst nicht mehr für zwei Tassen. (Fortsetzung folgt.) Vsr hrmimL Jahren im heßeÄMde Von E r i ch F e 1 dha u S. Ins Land von gestern zurück führt eins von den wenigen Büchern, die trocken! und nüchtern bat Zeitgenossen erzählen, wie es einst um Deutschland stand. „Hübuer's Staats-, Zeitmigs- und Konversationslexikon" heißt das heute seltene Buch, bessert reicher Inhalt, trotz mangelnder Verkehrsgelegenheit sorgfältig znsnmmengrtragen, mehr zu erzählen weiß aus den Zeiten um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, als große Geschichts- werke vermögen. Ter oft weitschweifige, heute seltsam genug anmutener Text des dicken Bandes plaudert von^Deutschland und den .Einzelstaaten, wie das Reich in zehn „Kreise" eingetcikt war, die abermals aus Dutzenden verschiedenster Herrschaften zu saMMengesetzt, eine Landkarte ergaben, fleckenreicher als das Kleid eines Bettlers. Und ein armes Land war ja allerdings dieses Deutschland von 1798. Noch waren die Wirkungen der lernen Kriege nicht überwimdcit, noch tobten bedenklich scharfe konfessionelle Zwistigkeiten, die sich, sonderbar genug, in. den Zeiten des Lexikons deutlich wiederspiegeln. , J Was wir im Einzelnen ans den tausenden kleiner Artikel anführen wollen, um damit einen Vergleich mit dem „Heute zu ermöglichen, wird sich im allgemeinen auf das Gebiet des heutigen G r o ß h e r z a g t u m s Hesse n beschränken. Er» schreckend ist das Bild der Kleinstaaterei, wenn nur den Artikel „Oberrheinischer Kreis", zu dem. ja auch Hessen rechnete, nach- schlagen. Da heißt es n. n.: „Zn ihm gehören Hessen, die Wett er an, die Stifter Fulda, Worms, Speyer, Straßburg und Basel, der Johannitermeister, die gewesenen Reichst städte im Elsaß, das Westrei.ch, Lothringen, Savoyen, die rheinischen Prälaten, das Herzogtum Zweybrücken, die Grafschaften Sponheim, Saarbrücken, Falkenstein uub Leiningen, die Länder der Fürsten von Nassau, die Grafschaften Solms, Hanau, Isenburg, Sayn, Wied, Wittgenstein, Hatzfeld und Waldeck, und die Reichsstädte Frankfurt am Mahn, Friedberg, Speyer, Worms, Wetzlar und Gelliehausen." Fürwahr — ein buntes, fast wirres Bild! Uub dabei bedenke mgn, daß Hessen damals 627 koch "einen Einheitsbegriff bildete, wettn auch die späteren Spal- lungtit ans dem Artikel „Hessen"" schott erkenntkich sind. Er kantet: „Hessen, Landgraftschaft im oberrheinischen' Kreise, die gegen Morden an das. Stift Paderborn und das Herzogthüm Braunschweig, gegen Osten an das Eisfeld und Thüringen, gegen Süden an das fuldische Land und die Wetterau, und gegen1 Westen an Nassau, Wittgenstein und Waldeck grenzt."" Man sieht, welch weites Land sich damals noch in die Grenzen Hessens einschloß. Und man erkennt 'die Bedeutung umsomehr, wenn man von kleinsten Ländchen erzählen hört, etwa von Erbach oder Isenburg. Ta wird z. B. von Erbach berichtet: Erpach, Reichsgrafschaft auf dem Odenwalde1, hat auf 24 000 Einwohner usw. UfttM oder von Isenburg: Grafschaft in der .Wetterau, enthält 30—35 000 Menschen und ist meistens reformiert usw. Solche Staaten unterster Ordnung, kleiner wie das bescheidenste Kreisamt heute zu sein Pflegt, lagen noch innerhalb hessischer Grenzen. Ihre Grafen und Fürsten verfügten über die Macht, die allenfalls heute ein Kreisrat besitzt. — Schade, daß unsere Ouelle nichts über die Größe und Einwohnerzahl des alten Hessen zu sagen hat, der Vergleich ist so nicht durchzuführen. Sehen wir statt dessen zu, was wir noch über Landesbeschaffen- hcit des Staates aus dem alten Buch erfahren : „Es ist größten- theils ein bergisches und waldiges Land, hat aber auch angenehme Thäler, hin und wieder fruchtbare Aecker und gute Wiesen, in unterschiedlichen Gegenden guten Weinwuchs und beträchtliche Mineralien, auch heilsame Bäder und Gesundbrunnen."" — Tie Schilderung ist nicht eben erbaulich, Hessen verfügt zwar auch heute noch über reiche Wälder, will aber doch in zweiter Linie ein gutes Ackerbauland fein, das nicht nur „hin und wieder"" über fruchtbare Aecker verfügt. Allerdings verstehen wir die Sprache des Lexikons schon besser, wenn wir daran zurückdenken, daß gerade über Hessen die Kriegsfackel in den voranfgegangenen Jähr- zehutett oft genug schaurig flammte. Von Industrie und Gewerbe wird nichts erwähnt. Ta fich das Buch durch manche Feststellung als sehr verläßlich erwiesen hat, kann angenommen werden, daß in der Tat auf diesen Gebieten! damals in Hessen nichts belangreiches geleistet wurde. Eigentliche Industriegebiete gab es damals ja überhaupt kaum im Reiche. Der niederrheinische Bezirk lag in den Wehen des Werdens; einzig der sächsische hatte schon Klang. Hessen aber hat bis aus den heutigen Tag (von einigen Städten und ihrem Umland abgesehen) nicht den Anspruch auf industrielle Bedeutung erhoben. Umsomehr suchte es in den Städten die Wurzeln seiner" Kultur. Manches ehrwürdige Städtebild hat sich, wie wir wissen, bis heute erhalten, manches aus interessantem Städtewesen spiegelt sich in den Zeilen des alten Bandes, lieber Gieße n allerdings weiß das Buch nicht eben Piel zu berichten: „Wohlbefestigte Stadt und Amt in Oberhessen, nebst einem alten Schloß und einer lutherischen Universität, welche 1607 gestiftet worden. Sie gehört dem Landgrafen von Hessen-Tarmstadt und liegt 6 Meilen von Frankfurt. Man findet allda ein Zeughaus, ein ansehnliches Universitätskollegium, ein Pädagogium, ferner die fürstliche Tarin- städtische Regierung von Oberhessen und das Konsistorium mit einem Superintendenten. 1759 ward diese Stadt von französischen Truppen besetzt."" Tas ist alles! Nichts z. B. von Einwohnerzahl und Zahl der Häuser. Eins von beiden ist aber bei jeder halbwegs bedeutenden Stadt stets vermerkt. Tas Fehlen läßt auf den bescheidensten Umfang schließen. Wenigstens nach heutigem Begriffe! Tenn in diesen Tagen hatte selbst Tarmstadt „nur"" 3000 Einwohner. Aber die Zahl ist ja nicht immer! maßgebend, die Qualität muß mehr gelten. Aus der Umgegend der oberhessischen Hauptstadt verzeichnet das Lexikon getreulich alle einigermaßen namhaften Städtlein und Flecken, so Groß-Linden, Ällendorf, Staufenberg, Butzbach, ohne allerdings mehr als die geographische Orientierung zu geben. .Nur Grüningen macht eine Ausnahme, die für die damalige Zeit recht charakteristisch, ist: „Liegt in der Grafschaft Solms. Jetzt ganz fürstlich, da sonst die eine Hälfte stoll- bergisch war."" Aus dem weiteren Umlande Gießens ragte Ende des 18. Jahrhunderts vor allem die alte Reichsstadt Friedberg hervor, lieber sie wird erzählt: „Friedberg, evangelische stehe Reichsstadt. Hier ist das feste Bergschloß, oder die außer der Stadt belesene alte Burg zu besehen. Von denselben rührt die yan- erbschaftliche kaiserl. und des heil. röm. Reichs Burg Friedberg her. Die Glieder derselben heißen Burgmänner, und sind von giitcnt Adel. Kaiser Carl IV. verpfändete diese Stadt 1349 für 10 000 fl., welche Pfandschast in späteren Jahren "an die Burg von Friedberg iam, weswegen, die Stadt jedem neu erwählter« Burggrafen huldigen muß. Tie Einkünfte der Burg belaufen sich auf 20 Ö00 fl., wovon der Burggraf 6000 st. als Besoldung zieht. . . uswc"" Ein Geringes von Industrie verrät die Beschreibung von Büdingen: . . . „Hauptstadt in der Grafschaft Oberysmburg. Es ist hier ein Residenzschloß, an demselben steht das Waisenhaus, darinnen eine Zeugfabrik ist. Tas Seminarium oder die Freyschüle ist 1606 angelegt Nicht weit davon am Büdinger Walde findet man ein Salzwerk."" Lauterbach, „dem Frey- tzerrtt von Riedesel gehörig"", war sogar Handelsstadt: „Hier wird ein großer Handel mit (einen Garn und Tuch getrieben." Alsfeld wird nur ganz kurz erwähnt. Tue Landeshaüptstädt, auch damals bereits Sitz von Regierung ttnd Fürst war noch recht bescheiden und wenig vvn den anderen kleinen Städten und Residenzen verschieden. Es heißt in unserer Quelle: Tarmstadt landgräfl. heßische Residenzstadt, evangelisch-lutherischer Religion in der oberen Grasschaft Katzenellnbogen, zn Ende der Bergstraße. Merkwürdig sind die dreh verschiedenen Schloßgebäude, das Prächtige HauS des Land- ßraseiis Ludwig VIII. Das fürstliches Betzräbuißgcwölbe in den Schloßkirche usw. Außerhalb den Vorstädten steht aiich ein Waisenhaus. Man zählt über 9000 Einwohner."" Offenbach war zwar tto'ch ein Flecken, hatte aber schon die Anfänge seiner zukünftigen Industrie auszuweisen: Aus dem! dasigen (sic!) Schloß, residierten die 1718 ausgestorbenen Grafen von Wenburg-Offeiy- bach. Es ist hier eine , deutsch- und eine französisch-reformierte Kirche (Emigranten! Genau, wie in dem nahen Hanau. Ter Vers), auch eine lutherische, ingleichen eine Judenschule. Man findet auch da eine Porcellaiu- und andere Fabriken."" Mainz, die an Bewohnern reichst« Stadt des Großherzogtums, war (Silbe des 18. Jahrhunderts gleichfalls sehr bedeutend, wenn auch noch selbständiger Bischofssitz, also nicht zn Hessen zählend: „Sie ist alt, groß und volkreich (wieviel Einwohner wird nicht verraten; der Vers), aber die meisten Gassen sind eilige und wmklich. Unter den Häusern erblicket man hin und wieder auch ansehnliche Paliäste. Tie Festungswerke sind wichtig .... Tie Universität ist 1477 gestiftet, und 1746 mit neuen Privilegien, ingleichen mit einer schönen Bibliothek, botanischem Garten und anatomischem Theater versehen worden. Ter 1763 verstorbene Churfürst, Johattn Friedrich Carl, hat auch Maynz zu. einem beträchtlichen Handelsplatz machen lassen, wovon die Oster- und Augustmesse herrühren. Die Schiffsbrücke über den Rhein ist 2100 Schuhe läng."" (Folgen historische Taten.) Tie Beschreibung ist die längste, die von irgend einer Stadt des Heutigen Großherzogtums gegeben wird. Ihr nahe kommt nur noch diejenige von W o r m s, wo namentlich alle Luther- Erinnerungcn breiten Boden finden: „Sie ist zwar nach der französischen Verwüstung von 1689 wieder gut aufgebaut worden, es gießt aber noch manche wüste Plätze, oder höchstens Obst- und Weingärten, wo vormals Gebäude standen. Man rechnet gegenwärtig ohngefähr 700 Häuser und 6000 Einwohner. Ter Magistrat und viele Bürger sind evangelisch, und hat sie mit dem Bischof, welchem der Rath jährlich schwören muß, wegen ihrer Freiheiten öfters große Schwierigkeiten gehabt nsw."" Originell ist der Bericht über einen Brauch' in Alzey: „Tie Keßler und Kupferschmiede haben hier viele Vorrechte und kommen an einem" gewißen Tag aus Schwaben, Franken, Elsaß usw. zusammen, weiches des Kalt-Kupferschmiede-Handwerks Altzeyer Tag genennet wird."" (Also eine Art neuzeitlichen Kongresses!) Alle diese Städte und Orte haben in den kommenden 100 Jahren ein starkes, wenn auch keineswegs gleichmäßiges Wachstum erlebt. Eine aus der unmittelbaren Nähe Gießens aber, das heute preußische M etzInt, blieb stark zurück, zählte es doch damals weit über 8000 Einwohner. Heute muß diese Stadt von alter Reichsstadt- und Reichskämmergerichtsherrlichkeit zehren. — So wandeln sich die Zeiten und mit ihnen die Wohnsitze der Menschen in einer geschichtlich kürzen Zeitspanne. AZber öa§ gliegen. Von Hans Thoma. Künstler und Spiritisten haben von jeher viel über das Fliegen durch den Raum nachgedacht. Tie Aviatiker haben das Rätsel ans ihre Weise gelöst. Trotz aller scheinbaren Unterschiede handelt es sich bei allen um eine Ueberwindnng der Erdenschwere. Tie Propeller, die künstlerische Phantasie und die Fernwirkungen der Fakire sind Resultate ein und derselben mystischen Sehnsucht, Befreiung von der Schwerkraft. In seiner launig stillen Art plaudert Hans Thoma in der soeben erschienenen ersten Nummer des. neuen Jahrgangs von „lieber Land und Meer"" (Chefredakteur Dr. Rudolf Presber, Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) über das Fliegen der Menschen im Traum und im Leben: „Den Traum vom Fliegen haben alle die schon gehabt, die ich darüber gesprochen habe, sic alle wissen, was und wie das Fliegen ist. — Das Fliegen gehört zn den schönen Träumen, es kommt einem so natürlich vor, daß mau denkt, warum habe ich es nicht schon lange probiert — es ist ja so leicht — man braucht nur beide Füße zugleich in die Höhe lzu heben; —- msiit tättni so in einer fast sitzenden Stellung, die Beine nach vorne, durch den Raum schweben, auch! in stehender Stellung. — Doch am schönsten ist es aber, wenn man die Beine rückwärts streckt, wie es die Störche machen. Tie Hauptsache ist, die Füße von der Erde losmachen. Ich habe vom Fliegen schon so lebhaft geträumt, daß ich noch während des Aufwachens mir sagte: Jetzt kann ich es aber wirklich! — Natürlich lag ich aber, als meine sämtlichen Sinne erwachten, gleich darauf schwer in beit Federn. Ich möchte dieses Träumen gar nicht erzählen, wenn ich nicht wüßte, daß, andere Menschen diese Zustände auch kennen — und wenn nicht die Erfindung beS Luftschiffes und der Flugmaschine die Menschheit gegenwärtig wieder einmal recht stark bewegte. — Wir können jetzt fliegen! das klang aus allein Jubel heraus — nicht etwa Zeppelin kann fliegen. — Denn der Traum vom Fliegen, diese Seelenkraft, ist zu einer schöpferischen Geisteskraft geworden; — wie alles kühne Wagen ö28 imb Schaffen nur aus dem Wesen des Geistes entspringt — aus dem UnmateriÄlsten, das auch den kleinsten Atomen gegenüber noch „Nichts" ist — tob das vielleicht doch alles ist, da es bte Welt und toser aller Tun regiert. Doch dem sei ton, tote thM Molle — des Menschen Verstand hat es bis ätto Fliegen tn der Lust gebracht. — Daß ich jetzt gerade auf das Fliegen verfalle, das kommt wohl daher, daß ich mich in dtzst Bergen befinde und daß ich dieses int Anblick der Alpenwelt geschrieben habe ■— da erwacht gar leicht des.Fluggefühl auch ant Hellen Tage, und bte Phantasie mit ausschweifend — das Fluggefühl werd da sogar manchmal bis zu deut gesteigert, was man Schwindel nennt welchen ich als eine Art von Berauschung betrachte. Wenn man so hoch oben steht, unter M den Abgrund, in dem bte Nebel tot die Felsen brodeln, da zieht und reißt es von unten her ost ganz gewaltsam. Es ist, als ob man gleich freiwilltg hinunter Müsse, um der Sache ein Ende zu machen, stürzen und au den Felsen zertrümmern — so zieht man einer Seelenangst gar oft den Tod vor. Das ist Berauschung des Flnggefühls, und .ich denke, daß etwas vom Wesen der Berauschung im Gange des verwogenen Bergsteigers liegt, der, um diesen Rausch genießen zu können, sein Leben aufs Spiel setzt. Wenn die Sehnsucht nach, dem Fliegen nicht vom Ursprung an in der Menschenseele gelegen hätte, so wäre nie ein Luftschiff entstanden, das wollte ich beweisen, dabei stütze ich mich auf,das alte Bauernchruchlem: „Wenn's im Holz liegt, so gibt's Pfeifen." VeVMiseHtss. * Ein b ißchdst mehr Vertrauen zu den Mitmensch e n befürwortet Peter R o s e g g e r in seinem Heimgarten. Er erzählt da: „Ein Schleiserjunge meldet sich, an, so em hübsches schwarzlockiges Zigeunerbübel: Ob wir nichts zu schleifen hätten? „Na, komm her!" sagte ich und zog mein Taschenmesser heraus, ein Kapfenberger Messer mit feiner Perlmutterschale, ein liebes Andenken. Aber schon stumpf geworden. „Das kannst schleifen, doch wann bringst du Mirs wieder?" „Heute mittag/ „Gut. Aber daß du Mir nicht durchgehst damit, verstehst?" Mit feinen großen Augen schaUte mich der Junge vorwurfsvoll an, fast traurig. Und dachte ich mir: Woher hast du das Recht, ihn zu beleidigen? Gleich ihm einen so häßlichen Verdacht ins Gesicht schnellen? Mir tat er leid, aber er war schon davon. Eilig hatte ers, mit dem schönen Messer abzufahren. Es kam der Mittag, doch nicht mein. Junge mit dem Messer. Da Hub ich an: „Diese verdammten Zigeuner! Gedacht hab ich mirs ja gleich, aber Man ist immer zu vertrauensselig. Jetzt will ich 'im Dorfe Nachfragen, ob der Gauner nicht wo zu erwischen ist. Der soll Mich kennen fernen! Ausrotten soll inan diese Diebesbrut, diese vermaledeite!" Und was man im Zorn so halt hinausschreit. — Am Nachmittag kam der Junge mit dem Messer. Es war sorg- Wtig geschliffen, wie neu schaute es aus, und die Schuldigkeit war zehn Heller! — und meine Schuldigkeit? — Oft habe ich Mir schon vvrgenömmeu, das verfluchte Mißtrauen abzutuu. Bin id) denn so viel betrogen worden? Ich Persönlich habe wirklich wenig Unredlichkeit erfahren. Oder hätte ichs bloß nicht gemerkt? DanU ists wenigstens nicht empfindlich gewesen. Aber was mau sv hört von anderen! Und was man liest! Lauter schlechte Leute überall. Die Hälfte alles Tratsches, der täglich aus der Leute Mäuler sprudelt, handelt von der Schlechtigkeit der Welt. Zwei Drittel aller Zeitungsnachrichten erzählen von der Schlechtigkeit der Leute. Dann unsere neue Literatur, unsere Bühne! Ueberall Gesindel. Woher soll man da das Vertrauen nehmen? — Ich dachte doch, aus sich selber. Wie einer selber ist, so denkt er sich die anderen. Heißt es nicht ungefähr so? Nur ein wenig gröber. Man ist zwar sonst so, daß Man jeden für brav hält, sv lange man nicht das Gegenteil erfährt. Und doch kommt manchmal so ein dummer Rappel. Dem Zigeunerbübel habe ich natürlich ein bißchen Genugtuung in die kleine Hand gedrückt und habe zu ihm gesagt: „Tas war nur Spaß, heute morgen, daß du etwa das Messer nicht zurückbrächtest!" „Eiwo!" gab er , zur Antwort, „man muß ja zurückgeben, sonst wird man eingesperrt." *• Mit jemand deutsch reden. Deutsch und deutlich gehören ihrer Ableitung, also auch ihrem Begriffe itach, zu- Jtotiiiett. Deutsch bedeutet ursprünglich die Sprache (denn von dieser erscheint das Wort im 9. Jahrhundert zuerst gebraucht) des vstfränkischen Volkes (biot = Volk, davon diutisk, tiutsch, deutsch) im Gegensatz zum Latein, der Sprache der Kirche, der Geistlichen und Gelehrten, und damit auch, im Gegensätze zu der der West- frauken (der späteren Franzosen), die sich aus.der lateinischen entwickelt hatte und demzufolge auch als die höherstehende, feinere galt: kurzum die (niedere) Volkssprache. Der deutschredende Ost- franke, den man nun bald nach seiner Sprache den Deutschen nannte, verstand den romanischen westlichen Nachbar nicht. Die Predigt soll in Oststanken nicht in lateinischer, sondern in deutscher Sprache gehalten werden, befahl Karl der Große, und in den Straßburger Eiden vom Jahre 842 leistet der West fränkische Herrscher Karl der Kahle seinen Eid in deutscher Sprache, damit das, was er schwört, dem östlichen Volk da drüben verständlich, dem Inhalt nach deutlich sei. Leider zeigt sich nun schon in sehr früher Zeit die unglückliche Neigung (um nicht zu sagen Sucht) des Deutschen, das Fremde, das Weit Her ivar, höher zu schätzest als das Eigene, Was.„nicht weit her" war. Natürlich geschah das auch mit der Sprache. Fremde, romanische Worte drangen itt die ursprünglich teilte „Volkssprache". Höherstehende glaubtest feiner zu erscheinen in ihrer Ausdrucksweise, wenn sie für gewisse, in der Heimsprache etwas derb klingende Bezeichnungen die des' Westens einsetzten. Und ist es nicht unglücklicherweise noch heutt so? Wer ist es, der den Wortfremdlistgen die Dore unserer Sprache öffnet, der sie so freundlich einlädt, zu uns zu kommen, ja sich nicht eutblödet, sie mit Gewalt zu uns hereinzuziehen? Wer ist es, anders als gerade die geistig Hochstehenden, sie, denen hie Wahrung der Reinheit ihrer Muttersprache am meisten am Herzest liegen sollte, die zu ihren Hütern berufen sind? 'DeM Volke im allgemeinen waren die fremden Ausdrücke naturgemäß zunächst unverständlich, wer ihstt gegenüber deutlich werden wollte, mußte (und muß Noch heute) deutsch reden. So erhielt bemt, der Aus-i druck „mit jemand deutsch reden" den Sinn von „deutlich reden". Er hat ihn Noch heute, und auch der Nebensinn fehlt nicht, der dest dänischen Ausdruck unfeiner, derber erscheinen läßt als den fremden.. Deutlich und herb sind die beiden Begriffe, die wir heute für das „Deutschreden" einsetzen können. Von den zahlreichen Belegstellest nur wenige. In dem Fastnachtsspiele von Cvntz Zwergen (15. Jahrhundert) heißt es: „Du weißt es wohl, wenn ich dirs ja Teutsch sagen soll," und in Brants Narrenschiff (1494): „Ich sag dir tütsch, wie ich das mein." Ja, das Spiel des Hans Sachs vom Bösen Weib kennt sogar eine Steigerung, davon: „Wilt, das ichs teutscher (deutlicher) sagen sol?" meint die Magd ihrer Frau gegenüber. Wenn endlich Lessing int Jungen Gelehrten (II 2) sagt: „er ist deutsch genug, mir gerade ins Gesicht zu sagen . . .", so ist hier der Uebergang von der Sprache auf den Sprechenden vollzogen, lute wir ihn noch heute in der Bezeichnung haben: ein alter (leider alter!) Deutscher, d. h. in seinen Ausdrücken deutschdeutlicher, freilich auch unverkennbar etwas derber Mann. Dasselbe bedeutet ein alter deutscher Degenknopf, bei dem es heute nicht mehr darauf ankommt, ob er jemals beit KriegsmantÄ getragen habe oder nicht. Beachtenswert ist der Unterschied in der Rechtschreibung; es heißt: er spricht gut Deutsch (Hauptwort): aber: mit dem müßte einmal deutsch (Um- standswört) gesprochen werden. — Nebenbei: Wie der Germans sein „Deutsch reden", so hatte der Römer (Cicero, Phil. 7, 17) sein „Latine loqui", ebenfalls im Sinne von „deutlich reden". siteratrzr. — Cook und Pear y , N a'n sen und Hed i n. Vier Forschungsreisende, die ihr Leben tausendfältigen Gefahren ausgesetzt haben! Zwei, die sich nicht genug tust können, sich gegenseitig in der öffentlichen Meinung herabzusetzeu, bis die Langeweile ihres Zankes das berechtigte Interesse an ihren Leistungen ertötet. Die anderen zwei, vornehme Naturen, ernste wissenschaftliche Forscher, die Entsetzliches erlebt Und erduldet haben, aber es bescheiden und doch in so glühenden Farben schildern, daß sie fortreißen zur Bewunderung ihrer schlichten Größe, ihres Heldentums: echte Vertreter der Ideale des alten Europas gegenüber den Repräsentanten bramarbasierenden Paukeetums. Nansens klassisches Buch „In Nacht und Eis" kennt jedes Kind. Nun tritt ihm ebenbürtig zur Seite Sv en H edin mit seinem „Trans- hi 'm a l a j a". Die erste Lieferung liegt uns vor. Mitten hinein' in die Konflikte springt der Verfasser. Demütig erbittet er vost der englischen Regierung die Erlaubnis zur wissenschaftlichen Erforschung des höchsten Alpenlandes der Erde, aber das stolze Albiost versagt alles. Da greift er zur List. Wie er sie alle betrügt, die Regierungen von Indien und England, von Tibet und China, das muß man Nachlesen in der Erzählung dieses modernen viel- gewaudten Odysseus. Schon heute sehen wir: kein Maulheld im» kein einseitiger Wissenschaftler Und kein trockner Chronist spricht zu uns, sondern ein fröhliches Gemüt erzählt den spannendest RoMast feistes Lebens. Kreuzrätsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a aaaa, bbbbbb, cc ec, e eeeee, gg, iii, 11111 lf n n n, o, r r r r, s s, u n derart einzutragcn, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben! 1. Ort in Bayern. 2. Republik in Amerika. 3. Raum, welcher gesellschast- lichen Zwecken dient. Auflösung in nächster Nummer: —-- > Auflösung des Logogriphs in voriger Nuunnerr Bode, Mode. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».