Donnerstag den H. November 1909 — Nr. 173 w LI mjII W M bs$ L WM AZMWEL Rheinlandstöchter. Roman von Clara Biebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Wer rief da? Ach einer, der tot für sie sein mußte! Und warum Vefa? Sie hieß doch Nelda? Komisch! Vesa — Nelda — sie konnte nichts mehr unterscheiden, gar nichts verstehen; auch nicht hören, wie die Kirchuhr zwölf schlug mit dumpfen dicken Schlägen.--- War es schon Morgen? Ein rundwangiges bräunliches Gesicht beugte sich über sie, ein warmer Finger tüpfle auf ihren Arm. „Fräulein sind Se als wach?" Schlaftrunken richtete sich Nelda auf. Weiße getünchte Wände blickten sie an, zwei, drei grellbunte Heiligenbilder; unter dem handhohen Spiegelchen ein porzellanenes Weih- wasserbecken, ein paar geweihte Palmen dahinter. Dort hingen derbe Röcke, und da, über dem kleinen Tisch, eine Weiße Schürze und ein langes, buntes Band. Am Fenster Eisblumen, Heller Sonnenschein glitzerte darauf; die enge Kammer so fröhlich, und jetzt Kirchenglocken in nächster Nähe. Sie läuteten und läuteten. „Et is Sonntag, Fräulein, ich kommen schon aus der heiligen Meß!" Die Vesa sah hübsch aus; das Sonntagskleid saß ihr prall, der silberne Pfeil im dunkeln Haar blitzte. Die herbe und doch blendende Wintersonne warf einen ge- brochnen Strahl durch das beeiste Fenster, er lag gerade auf ihrer Stirn, die heiter war wie die eines- Kindes. Nelda streckte die Hand nach dem Mädchen aus. „Ich danke Ihnen, Vefa, Sie haben mir gestern geholfen!" „Sie, Sie? Och ne, Fräulein, Se können ruhig du for mich sagen, den Herr Bürgemeister sagt e so un alle timt ent auch. Jeß, bin ich vergnügt, nu f immer zwei Mädercher im Haus! Nu hau de Burschen zu Manderscheid de schwere Wahl — ha ha!" Sie wiegte sich lachend in den Hüften und tiickte Nelda vertraulich zu. „Gelten Se? Pas;en Se auf, Fräulein, hier werden Se ganz gesund! Geschlafen haben Se als wie en Ratz, zweimal waren ich hier drinn und hau mer Mein Sachen eraus geholt!" „Ach ja, es ist Ihre — deine Kammer! Wo hast du denn die Nacht geschlafen?" „No da drin, auf em Stuhl!" Sie wies nach der Wohnstube. „So gut wie im Bett!" Sie hatte recht, so sah nur jemand aus, der nicht eine Minute gesunden, traumlosen Schlafes entbehrt hatte. Plötzlich fiel es Nelda ein — „Mir war heut nacht, als hätt's an's Fenster geklopft, es rief auch jemand; du hast wohl nichts gehört?" „Ich?" Vefa drehte sich schnell auf dem Absatz um und K sich mit der Hand auf den Mund, um nicht laut zu i. „Ne, Fräulein. Aber nu stehn Se aus!" Sie ging aus der Kammer und kicherte in sich hineinr „Dat war an den falsche Adreß geraten. Eweil möchtest ich wissen, wen et war? Sicher den Heinrich!" * In dem kleinen Teinpelchen, dem Aussichtspunkt auf schroff vorspringendem Felsen, stand Nelda. Es schwindelte ihr, als sie hinunter blickte in die tiefe Schlucht zu ihren Fußen. Schnee, Schnee überall. Jenseits die rundrückigen Waldhöhen, auf bereit Kuppen der Himmel lastet. Unten in der Schlucht die beiden Burgruinen auf trotzigen Felskegeln; kaum eilte Stelle des grauen Mauerwerks zu sehen, alles weiß angeweht, jeder Vorsprung, jede Zinne besetzt mit einer fleckenlosen Schneehaube. Die beiden Bäche da unten, deren Wasserfall-ähnliches Geplätscher im Sommer weithin hörbar rauscht, jetzt ganz still; vereist hängen die lustigen Wellen zwischen beschneitem Gestein. Und auf jedem Tannenzweig eine Schneelast, an jeder Nadel ein diamantenes Etsperlchen; ein unbegrenztes Weiß, eine unbeschreibliche Reinheit. Neldas Augen flimmerten, mit einem zitternden Atemzug sah sie um sich und dann hinab in die tiefe Schlucht. Huh, wie steil, wie jäh! Wenn man hinunter sprang, ivar man tot — — —! Sie drückte die Augen zu; ihr war fast ängstlich zu Mut, die hehre Stille so groß! Ein Hauch der Gottheit schien über Berge und Schründe zu streichen, ein Hauch, der da flüstert: „Rühre mich nicht an, ich bin zu rein!" Sie schauerte und schlug fröstelnd den Mantelkragen höher, die kristallene Luft ging ihr durch Mark und Bein, Es war ihr, als starre sie ein großes Ange an, ernst, ohne mit der Wimper zu zucken, mit alles durchdringender Klarheit; ihr eignes Innere dagegen so wirr und dumpf wie die nnaufgeräumte Kammer armer Leute, in die ein hoher Herr tritt. Mit einem heißen Angstgefühl preßte sie Sie Hände in einander, die Natur tat ihr jetzt weh; diese Ruhe, diese Klarheit — herrlich! Und doch schmerzlich unerreichbar! Ein bittres Gefühl stieg in Nelda auf; sie fiammerte sich an die Brüstung des Tempelcheiis und spähte, sich überbeugend, hinab in den Talschlund und nach rechts und nach links. Was, wen suchte sie? Sie wußte es selbst nicht. So stand sie lange. Ein „Guten Tag" ließ sie zusammenfahren. „Hab' ich Sie erschreckt, Fräulein Nelda?" Heinrich Hommes stand da in hohen Stiefeln und Jagdjoppe, das Gewehr am Riemen Über der Schulter. Er schüttelte ihr kräftig die Hand; Nelda war groß, und doch überragte seine Gestalt sie bedeutend, sie mußte zu ihm aufblicken. Selten hatte sie eine so ebenmäßige Figur gesehen. „Ich komm von der Jagd!" „Und haben Sie was geschossen?" Er öffnete seinen Jagdranzen und warf ihr ein paar Vögel vor die Füße; mit geschlossenen Augen und gespreizten Flügeln lagen die hübschen Tiere im Schnee. Es waren 690 — Eichelhäher, die leuchtend blauen Flügelbinden von geronnenem Blut verklebt. „Aber warum, aber warum?" Nelda sagte es vorwurfsvoll, kauerte sich nieder und hob die toten Vögel aus ihren Schoß. „Was taten sie Ihnen?" Er lachte sorglos. „Och, Fräulein, das müssen Sie sich hier abgewöhnen! Wenn man keinen Has trifft, schießt Man eben so en paar Biester; brauchen kann man sie ja nett, aber sein Pläsier will man doch haben. Und dann, dem Viehzeug schad' et doch nix, die wissen ja nix vorher. Piff, pass, weg sind se! Wenn wir emal so absahren täten, könnten mir froh sein!" Sie ließ, die Vögel vom Schoß gleiten. „Sie haben eigentlich recht," sagte sie langsam. „Aber ich möchte doch nicht, daß Sie die Tiere nur zum Pläsier schießen." „No, denn uet!" Er sah sie gutmütig an. „Ich tu Ihnen ganz gern en Gefallen, Fräulein; wie Sie noch klein waren, hab' ich das auch schon getan. Gefällt es Ihnen wieder hier?" „Ich bin erst ein paar Tage da; der Onkel ist verändert, fast betrübt, verstimmt. Nicht gegen mich, o nein! Aber so im allgemeinen." „Ja — haha — der hat auch seinen Aerger! Sehn Sie, Fräulein Neida" — sie traten langsam den Rückweg an, er reichte ihr die Hand, um ihr über eine Schneewehe fortzuhelfen — „unser Herr Bürgermeister is eben für die Neuerungen, un die Leut hier net. Un dann mit der Kirch is das auch so en Sach! Den Herr Kaplan ärgert sich, daß unser Bürgermeister en Freigeist is, er geht viel zu selten zur Beicht un redt über die Prozessionen. So !var er ja aber immer, nur sind jetzt noch die andern Sachen; un bat is schlimm!" „Was für Sachen?" Nelda hörte mit großen Augen zu; erst waren ihre Gedanken abgeglitten, aber nun lauschte sie. „No" — der junge Mann nahm die Mütze ab und fuhr sich durch das krause Haar — „Sie kennen doch Meerfeld, Fräulein Nelda? Das ärmste Dorf in der Bürgermeisterei; mer sagt, in der ganzen Eifel. En elender Ort! Immer haben die Meerfelder geklagt und gejammert, se hätten keinen Acker und gar nix; toemt mir" das Maar net wär', das nahm den besten Platz im Tal weg un Fisch' wären auch net drein. Es wär' rein zum Malör da. Da hat denn uns' Bürgemeister eine Eingab' an die Regierung gemacht und vorgeschlagen, sie möchten das Meersolder Maar tiefer legen, damit Land gewönne!! würd'; das müßt ja sehr fruchtbar fein. Das hat natürlich mächtig viel Geld gekost', un de Regierung hat kein Lust gehabt. Aber der Bürgermeister hat net nachgelassen, immer wieder hat er geschrieben — no, un das versteht er! Er hat den Notstand so dringend geschildert und alles so ausgemalt, daß die Herren selbst gekommen sind und haben fich't angesehn. Sie haben auch alles so gefunden. Un Geld is bewilligt worden, massig; un nu fingen auch gleich die Arbeiten au. „Sie hätten den Bürgemeister nur seh'« sollen, Fräulein! Ich kam grad aus der Fremde, zwei Jahre sind et als her. Alle Tast war er in Meerfeld und hat uachgeguckt; das war ihm ganz egal, ob die Sonn' stach oder der Regen platschte. Manchmal hab' ich ihn stehn sehen, daß das Wasser ihm vom Rock drippte und der Wind ihm die grauen Haare bald vom Kopf riß. Er hat drauf bestanden, daß die Meerfelder Männer die meiste Arbeit taten, sie schippten und karrten Erde weg, da hatten se doch- Verdienst. Erst waren se e so froh! Aber die Arbeit ivar was ungesund, immer im Modder stehn un buddeln — se kriegten Fieber, un noch derzu stach das an. Typhus war schon früher in Meerfeld gewesen. Das halbe Dorf war krank. Nu würd' dal en Hauptspektakel! Die Männer wollten net mehr arbeiten, die Weiber rückten dem Bürgemeister auf den Hals un lamentierten; er ließ den Doktor kommen un hat den bezahlt, alles auf eigne Rechnung. Endlich war doch de Arbeit fertig. Im vorigen Sommer haben se zum erstenmal das Land bebaut. Der Bürgemeister hat gesagt, erst müßt es Wiese sein. Aber ne, sie singen gleich an mit Hafer un Gerste un Roggen un Kartoffeln, jeder was anders; un aus nix wurde was. Jesses, waren die Meerfelder falsch! All die Arbeit um»' sonst un nu c;ar nix, gar nix davor gewonnen! Sie dachten schon, sie säßen wie die Maus im Speck, un eweil müssen se doch hungern wie früher. Jetzt möchten se ihr Maar wiederhaben — „da hatten mer wenigstens Fisch", sagen sie! Die waren all krepiert von der Buddelei. Sie schimpfen auf den Bürgemeister; net bloß im geheimen, ich hab' selber gesehn, wie sie en Faust hinter ihm drein machen und die Kinder die Jung eraus strecken!" „Ist es möglich?" Nelda hatte bis dahin mit keinem Laut die Erzählung unterbrochen; jetzt legte sie ihre Hand- auf den Arm des jungen Mannes. „Mein armer Onkel!" Etwas von der alten Natur kam über sie, ihr matter Blick blitzte unwillig auf. „Die Esel! Ich würde über sie lachen!" „Och ne, das würden Sie net, Fräulein. Gehn Sa mal hin un gucken Se sich das Elend an! So was sticht an, die Manderscheider sind auch als ganz rappelig. Se flicken ihm auch am Zeug wo sie können. Un dann die andere Geschicht!" „Was denn noch?" In Neldas Wangen war ein ungeduldiges Rot gestiegen. „Das undankbare Volk. Was noch?" Der junge Mann sah sich scheu um, niemand in Sicht; nur der Himmel, der Schnee und sie beide. Jetzt, an der Biegung des Weges, tauchten plötzlich die Häuser des Dorfes auf. Er blieb stehen und wies mit dem Finger hin. „Die da brüt werden es Ihnen schon bald! klatschen, Fräulein Nelda; ich net! Ich sag nix Schlechtes von unfern1 Bürgemeister, un hör' ich't von einem" — seine Augen sprühten, er reckte die kräftige Gestalt und warf ben Kopf hintenüber — „dem schlag' ich alle Knochen im Leib kapnt!" Er kam Nelda noch einmal so groß vor. Sie reichte ihm die Hand. „Das ist nett von Ihnen, Herr Homines, daß Sie zu meinem Onkel halten! Ich tounbre mich, daß er gar nichts an uns geschrieben hat." „O das tut er net! Im Grund is er verliebt in seine Eifel wie einer in seinen Schatz. Liebesleut verstehn sich ja auch emal net. Sagen Sie nix, Fräulein Nelda, daß ich Ihnen was erzählt hab'! Sie werden es e so bald genug merken. Un nu adieu!" Er zog die Mütze und stellte sich stramm wie vor ben militärischen Vorgesetzten, „Sie sind nu als gleich zu Haus, ich muß noch auf die Oberburg, da hat der Förster Fuchsfallen, die wollen mer revidieren!" (Fortsetzung folgt.) Einiges über I. h. Merck. (1741—1791.) (Mit besonderer Berücksichtigung seiner Wohnhäuser.) Von Hermann Franz Oktav io (Darmstadt). (Schluß) Tie Frage, die gelöst schien, war bei genauerem Prüfen nur verwickelter geworden; alles weitere Suchen und Forschen meinerseits blieb erfolglos, bis ich an ganz anderer Stelle dem Ziele näher kam. Die Königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München besitzt unter ihren „V-ossi-ana" 39 Briefe von Matthias -Claudius, der 1776—1777 in TarmstädtischöN Diensten als Landkommissar angeste-llt war und in der „Neuert Vorstadt" wohnte, an I. H. Voß'); hier gab- nun Claudius' Brief vom 24. Mai 1776 (ungedruckt), übrigens ein beredtes Zeugnis für Mercks großzügiges Wollen, die Lösung; er schreibt aus Darmstadt an Voß: „Was wird- nun aus Ihnen werden? ist noch nichts aus Earlsruhe gekommen, oder sonst nichts int Gange? Wenn sonst nichts ist, so wolle ich Ihnen Vorschlägen mit Ernestine hieher zu kommen. Können Sie von einem Buchhändler 80—100 Luisd-or haben, desto besser, wenn aber auch das nicht, es ist hier so wohlfeil drucken, daß . Sie- gar keinen Begriff davon haben, und Merck, der im Verlagswesen ungewöhnlich bewendet ist, könnte Ihnen manchen guten Ratzt geben. Dazu kommt, daß l’/2 Stunden von hier in einem äußerst angenehmen Thal ein Dorf liegt, wo Merck ein Haus mit einem. Obst- und Wein- und Grasgarten ge- miethet hat und vielleicht kaufen will. In dem Hause will er Ihnen die oberste Etage unentgeltlich einräumen, und jährlich 200 Gulden geben. Dafür sollen Sie freilich übersetzen den Bogen zu 4 Dukaten gerechnet. Sie haben aber mit keinem! Buchhändler und keiner Ungewißheit zu kämpfen, sondern Merck steht Ihnen für die 200 Gulden, er verlangt dafür keinen Dank, weil er feinen Schaden dabeh hat. Ich versichere Sie das Tha und Haus gefällt mir so wohl, daß ich, wenn ich nicht die Leute die ntich hieher befördert haben beleidigte, fast geneigt wäre, mich irt das Thal hinzusetzen und ganz für mich zu seyn. Merck hat mir aufgetragen Ihnen dies zu schreiben, und Sie haben zu thuN und zu lassen, was Sie wollen." Das Dorf ist ohne! Zweifel ArheilgeN; Merck hatte das Landhaus Nur gemietet, zuerst, vielleicht schon Vom Jahre 1775 *) Der Direktion spreche ich für die giftige Ueberlassung dex Briefe meinen freundl. Dank auch an dieser Stelle aus. 891 Wn, Dori bent Prinzen Georg Wilhelm, der wähl meist, auf seinem Lustschloß in Brannshardt lebte, später von dem Schöffen von Loen (aus Frankfurt), der es seit deut Jahre 1784 besaß und. Nachher an Merck verkaufte. Auch Freiherr von Schenck bemerkte gelegentlich seiner zusammen fassenden Darstellung der strittigen Frage in den „Quartalblättern des Histor.Vereins für das Groß- herzogtum Hessen" (N. F. 1. Darmstadt 1899), der Schöffe von Loen habe das Gut verwalten lassen. Aecker hat Merck znmi größten Teile erst im Jahre 1790 gekauft; beim in den Flurbüchern sind die vorhergehenden Besitzer noch mit der Jahreszahl 1789 oder 1790 (erste Hälfte) verzeichnet. Auf jeden Fall steht fest, daß Merck seit dem Frühjahr 1776 in Arheilgen gewohnt hat. Nun zu dem andern Punkte der Frage: Mercks Druckerei. Von vornherein muß ich ausdrücklich betonen, daß es sich nirgends ausgesprochen findet, Merck selbst habe eine Druckerei besessen, jwtf) viel weniger wo, abgesehen von der Bemerkung Wagners (s. o.). Aus Goethes „Dichtung und Wahrheit" wissen wir, daß Merck den Druck des „Götz von' Berlichingen" besorgte, während Goethe das Papier beschaffte. Kein Wort davon, daß Merck das Werk in einer eigenen Druckerei habe brücken lassen. Es ist vielleicht von Wert, einige briefliche Aeußerungen Mercks über seine Verlagstätigkeit und mögliche Druckerei anzuführen. In einem Brief vom 25. Dezember 1772 (ungedruckt, in der Herzoglichen Autographensammlung auf Koburg) schreibt er an F. H. Jacobi: „Hier lege ich etwas bey aus meiner Verlagsfabrik; lesen, erkennen, genießen Sie!. (Das folgende ist vorsichtig ausgestrichen inid nur mit Mühe zu entziffern als:) Sovil kau ich Ihnen zum voraus sagen, daß ich zu keinem ebenso wenig der Vers, als zu....." Weiter heißt es in einem Briefe Mercks an I. G. Jacobi (1772): „Bald wollte .... ich Ihnen eine Annonce einer neuen Ausgabe von Shakefpear die ich unter Händen habe mitschiken, und was dergleichen mehr war. Ich wartete also, und könnte noch länger warten, denn es ist von allen diesen noch nichts fertig." Merck an Wieland (1. Februar 1773): „Hier leg ich Ihnen noch alletley Piecen bey, die ich zum Theil verlegt, coinponirt und edirt habe. Die Rhapsodie (s. u.) ist von mir nach Swift. Die Baukunst und der Pastorbrilef von Tr. Goethe in Frft." Aus diesen Stellungen geht unzweideutig hervor, daß sich Merck mit dem Verlag von Druckwerken abgegeben, keineswegs aber, daß er selbst eine Druckerei besessen hat. Nach dem Brief von Claudius an Boß: „Es ist hier so wohlfeil drucken" (s. o.) ist vielmehr anzunehmen, daß sich die Druckerei, einerlei ob sie Merck gehörte oder nicht, in Darmstadt befand. Da Merck vor dem Jahre 1775 nicht in Arheilgen wohnte, seine ausgedehnte Verlagstätigkeit sich besonders auf die Jahre 1772 und 1773 erstreckte, in denen er neben Goethes „Goetz von Ber- lichingen" noch folgende Werke zum Druck brachte: Goethe: Von deutscher Baukunst. D. M. Ervini o. Steinbach. 1773 (ohne Ort; bereits im November 1772 ausgegeben) — 16 S. 8°. Goethe: Brief des Pastors zu t T t an den neuen Pastor zu. t t 's. Aus dem Französischen. 1773 (ohne Ort) — 26 S. 8°. (Merck): Rhapsodie von! Johann Heinrich Reimhart dem Jüngern. 1773 (ohne Ort) — 16 S. 8°. Works vf Ossian; (Nachdruck der englischen Ausgabe mit einer von Goethe gezeichneten Titelvignette) — Band 1 und 2 ohne Ort und Jahr (vergl. darüber! „Zeitschrift für Bücherfreunde" 1908) — so halte ich es für vollkommen ausgeschlossen, daß Merck im Jahre 1773 in Arheilgen eine Druckerei, in der Goethes „Goetz von Berlichingen" gedruckt worden ist, besessen hat. Um es noch einmal zufaimuenzufassen, so steht fest, daß Merck seit dem Frühjahr 1776 in Arheilgen wohnte; wann er das Haus käuflich erworben hat, ist dagegen nicht mehr zu ermitteln. Keineswegs aber ist für Arheilgen die Hypothese von Mercks Druckerei zu halten. Mercks Häuser in Darmstadt. Nach Beantwortung der „Arheilger Frage" tritt nun eine nicht minder interessante,, noch ungelöste Frage an uns heran: Wo hat Merck in Darmstadt gewohnt? Welche • Häuser dürfest wir als Geburts- und Sterbehaus bezeichnen? Sein Geburtshaus ist nicht schwer zu finden; es ist das Haus Schiilerplatz Nr. 8 (Schuhhaus I. G. Jacob) ■— nach dem alten Flurbuch 'Haus Nr. 4 — in dem die Familie Merck bis zu dem Jahre 1819 die „Engelapotheke" führte. Hier hat Merck unter den Augen einer ihn zärtlich 'liebenden Mutter seine Jugendjahre verbracht; denn 1757 bezog er als sind, theol. die Universität Gießen und kehrte nach 'längeren Studien (auch in Erlangen) und Reisen (so nach der Schweiz als Reisebegleiter eines Herrn von Bibra) erst 1766 nach Hause zurück; verheiratet, ohne jede Anwartschaft auf eine Stelle in der Heimat, nur mit dem Namen eines kenntnisreichen Schriftstellers. Die Sorge für die Existenz seiner Familie zwäng ihn, so ungern er es auch tun litocbte, als Schreiber an der Fürstlichen Kanzlei von unten! astzusangen; doch schon 1767 zum Sekretär ernannt, würde ihm GN 30. November 1768 „ist Ansehung seiner uns angerühmten Geschicklichkeit, und ihm weiters beygelegten guten Zeugnissen"4) das Amt eines Kriegs-Cassiers bey dem Kriegs-Departement, von 1774 ab nut dem Titel „Kriegsrat" verbunden, übertragen n .„H", den ersten Jahren seines Aufenthaltes in Darmstadt wellte ihm fein Schwager, der Regierungsrat und Geh. Sekretär Hoffmann — dessen Gattin, Mercks Halbschwester Anna Regina, zwar schon feit 1759 tot war, — fein Haus Ecke Rheinstraßp und Loiusenplatz, in das 1819 die Mercksche „Engelapotheke" verlegt würde, zur Verfügung. Erst im Jähre 1773 kaufte Merck (nach dem Eintrag in dein Hauserverzeichms von 1772 — im Besitz des Gvoßherzogl. Haus- nnd Staatsarchivs) von der Frau Majorin von Hill ein Haus m der „dienen Vorstadt" Nr. 582 (vergl. den Weitzschen Plan von Darmstadt 1799) neben der „Traube", heute Luisenstraße Nr.. 8, das.er zu Anfang des Jahres 1774 bezog und im Sommer 1781 an den Geh. Tribunalrat Höpfner, der von Gießen nach Darmstadt berufen ioar, verkaufte; nicht wie Fuchs fälschlich an- nunrnt 1775. Denn itnterm 4. Mai 1781 bittet Höpfner, „3—4 Wochen in Gießen bleiben zu können, da das Haus noch nicht geräumt sehe, das er beziehen woll". — Abgesehen von AeckerN und Wiesen, bie fast ohne Ausnahme 1788/89 in anbern Besitz übergingen, erwarb Merck im Jahre 1780 einen Garten (von 464 alten Ruthen) „am Heilgen Kreuz Beim Brunnen rechter Hand", der heute zur „Roederschen Villa" eingezogen ist. Der Garten, den er von 1776 bis ,1780 besaß, ließ sich nicht sest- stellen, bit hier die ist jeder Beziehung lückenhaften Flurbücher völlig versagten3). Mercks Sterb eh a ü s. Ende Mai 1781 bezog Merck ein anderes Haus, und zwar nicht, wie man bisher ganz unbestimmt annahm, am Balkonplatz, sondern, wie aus bent Häuserverzeichnis (von 1785) her-- vorgeht, das Haus Nr. 106 (vergl. den Weiß'schen Stadtplän), bestehend aus Wohnhaus, Seitenbau rechts und links, Scheuer und Remise, und einer Hofreite von 70 alten Ruthen; heute ist es das Haus Magdalenenstr. dir. 21, Herrn Landwirt Hildebrand gehörig. Tas Haus ist mit allen Nebengebäuden bis heute noch fast genau so erhalten, wie es zu Mercks Zeiten gewesen ist; ursprünglich stieß der Garten an die Stadtmauer (nach bet Mauerstraße), bis dann 1840 und später Teile des Gartens ver- kanst wurden, so z. B. au das HauS Lautefchlägerstraße Nr. 5. Merck selbst hat das Haus bis zu seinem Tode bewohnt, wo es 1791 an den Steuerkommissär Eberhard verkauft wurde (vergl. Tarmst. Flurbuch 1824, Bd. 2, S. 877); im Jahre 1799 wurde es auf 6000 fl. eingeschätzt. Von Eberhards Erben ging es 1830 in den Besitz von Martin Büttinger und seiner Frau, geb. Köhler, über; von 1869 ab besaß es L. Simon, bis es schließlich im August 1873 die Familie Hildebrand käuflich erwarb, in deren Besitz es sich noch heute befindet. Ehe ich von der Frage nach Mercks Häusern Abschied nehme, muß ich erwähnen, daß sich Merck auch in der Schweiz angekauft hatte, wahrscheinlich im Jahre 1787 (vielleicht schon 1786); denn Herbst 1786 meldet er an Camper den reichen .Ertrag seiner Traubenlese in der Schweiz. Seiber ist es mir nicht gelungen, darüber aktenmäßige Feststellungen zu machen, trotz, der freundlichen Bemühungen von Seiten des Staatsarchivs, der Schweizer Landesbibliothek zu Bern' und des Stadtarchivs zu Rolle: ich muß mich daher darauf beschränken, als einzigen Beleg den Brief Mercks an Wieland vom 19. Februar 1788 (ungedruckt; im Besitz des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg4) anzuführen: „Ich wär vorigen Herbst wieder in' der Schweiz, u. habe nun' förml. in der Schweiz besiz genommen. An dem weitesten Busen des Genffer Sees Thonon gegenüber, u. Evian, u. Ripaille, besiz« ich ein Haus mit 7 Betten, das so meuHirt ist, daß ich nichts weiter mitzubringen habe, als meine Gabeln 2) Nach den Akten im Großh. Haus- und Stg,atsärchi'v. 3) Unterdrücken kann ich hier nicht bie Bemerkung, daß es sehr zü denken gibt, wenn eine Stadt wie Darmstadt keine vollständigen, zusammenhängenden Flurbücher besitzt. Das älteste, 1704 angelegt, in dem ein besonders kluger Schreiber von 1770 Sie Worte nicht verbeißen' konnte: „O ihr armen Flurbücher, wie seht ihr traurig aus!" reicht bis ungefähr 1775. Es folgen weitere zwei Flurbücher von" je 6 Bänden, bie bie Zeit von 1780 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts umfassen; beide sind Nnvöllständig, bei dem einen fehlt Band 1 (Häuscrverzeich-- nis), bei beut anderen zwei Bänbe (Häuserverz. u. Nieberfelb). Das nächste Flurbuch beginnt erst mit dem Iahte 1824. Ferner existiert noch ein Unabhängig von den Flurbüchern wohl um' 1785 angesangen.es Häuserverzeichnis (wahrscheinlich zu ©teuer» zwecken angelegt), das mit bent Haus Nr. 156 abbricht. Alles Suchen nach den fehlenden Büchern, selbst auf bent Speicher des Rathauses, war vergebens. — Ich will es nicht versäumen, an dieser Stelle Herrn Rechnungsrat Danb zu danken für seine freundlichen Bemühungen bei dieser Suche; ebenso Herrn Stadt- geomter Fleckenstein für die Erlaubnis, das vorhandene Material längere Wochen benutzen zu können, löte auch Herrn Buchhalter Zepp für bie liebenswürdige Förderung und Herrn Primaner H. von der Au (Arheilgen). r ») Ter Direktion spreche ich hiermit meinen ftcuiiMwUi Dästk aus für die gütige Uebcrlassmtg der Briefe. 692 und Löffeln. Jezo will ich mich auch MM Bürger in Rolle emkauffen, damit meine Kinder Schweizer Reckte genißen." Nur soviel kann ich zu diesem Brief erwähnen, daß Merck nach der Mitteilung des Stadtarchivs zu Rolle nicht dazu gekommen ist, sich das Bürgerrecht dieser Stadt zu erwerben; die Schläge des Sommers 1788 werden auch feine schönsten Hoffnungen für die Schweiz zunichte gemacht haben. Wenn meine Darlegungen dazu beitragen, das Andenken an Merck zu wecken, so ist meine vornehmste Absicht erfüllt. Nur wünsche ich, unsern Stadtvätern noch einen ergebenen Vorschlag vortragen zu dürfen. Sollte in einer Stadtverordnetensitzung wieder einmal eine gewisse Verlegenheit bestehen, wie man eine neue Straße innerhalb Darmstadts taufen oder vielleicht eine andere umtaufen könne, so wird es ein Akt gerechter Pietät sein, sich des Darmstädter Kriegsrates Johann Heinrich Merck zu erinnern! Es ist mehr lote bedauerlich, daß es 6i8f heute nicht geschehen ist, bald 120 Jahre nach 'dem Tode des Mannes, dessen strahlender Name Darmstadt immer einen Schein verklungener Größe leihen kann. Stolz müssen wir sein können auf diesen Herrn Kriegsrat mit der literarischen Feder Hinterm Ohr, wenn wir vor fernem Denkmal . . . Doch wohin verirrt sich meine Hoffnung! Nicht unterlassen möchte ich es, zum Schluß die Darmstädter Merck-Freunde — es wäre bedauerlich, wenn sich nicht viele als solche bekennen wollten! — anzuregen, wenigstens das Sterbehaus mit einer ehrenden Gedenktafel zu schmücken. Kommt es mir nur darauf an, den Anstoß zu geben zu einem Denkmal, das uns dankbare Verehrung zur Pflicht machen sollte, so bin ich gern bereit, auf ev. Veranlassung auch Noch ein übriges hierbei zu tun! wie San Francisco aus der Asche stieg. Große Festlichkeiten verherrlichen jetzt in ganz Amerika den glücklich vollendeten Wiederaufbau San Francisoos; glänzende Festzüge durchziehen die in herrlicherer Pracht neuerstandencn Straßen; ein Freudentaumel umfängt die Bewohner, die vor wenig mehr denn drei Jahren in eine nicht wieder gut zu machende Not, in hoffnungslose Verzweiflung gestürzt zu sein schienen. So grell intb überraschend sind die Kontraste zwischen diesem entsetzlichen 18. April 1906, der die mächtige Stadt in Trümmern begrub, rmd den nun anhebenden Jubeltagen, daß inan sich erst die heroische unermüdliche Arbeit dieser Zwischenzeit vergegenwärtigen muß, die das Neue „Frisco" zu einem stolzen Deirkinal des nie verzagenden, ewig schaffenden Menschengeistes macht. In einem englischen Blatt erzählt ein Korrespondent, der das rasche Empor- blühen in seinen einzelnen Stadien genau verfolgt hat, von dem tvNndersamcn Neuentstehen der „Phönix-Stadt". Wer kurz nach dem Unglück ureilenlang durch Ruinenhaufen, wirre Massen von Ziegeln, Stein und Stahl sich mühselig den Weg gesucht, der mußte glauben. Nun sei alles ans. Wie konnte man wagen, San Francisco auf derselben Stelle wieder aufzubaueu? Die Kalifornier selbst glaubten nicht daran. Oakland schien der Haupt- zufluchtsort, den man aus dieser rauchenden Hölle wählte; Geschäfte, die früher in der zerstörten Stadt gewesen, eröffneten hier prächtige Läden; vornehme Restaurants erschienen hier plötzlich tote durch einen Zauber. Aber bald war aller Zweifel gewichen: San Francisco' sollte sich wieder ans der Asche erheben, stolzer und herrlicher als zuvor. Eine Woche nach'der Zerstörung wurde bereits der Anfang gemacht; nach wenigen Tagen verkehrten schon wieder die Straßenbahnen und ein provisorischer Telephondienst wurde eingerichtet. Ein halbes Jahr später schien auf den 'ersten Blick zwar noch alles beim alten; da lagen noch immer in den Straßen Schutthaufen, die zerborstenen Stahlgerüste; ab und zu „ertranken" geradezu Personen in den; Schlamm und Schmutz an wichtigm Verkehrsadern. Aber wer näher zusah, bemerkte das Unaufhörliche Wirken und Walten riesiger Arbeitskräfte, wurde betäubt von deut furchtbaren Länn der stöhnenden und fauchenden Maschinen, von dem Gerassel'der hin und her eilenden Lastwagen, dem Gewimmel der gewaltigen Arbeiterscharen. Die Grundlage für ein neues San Francisco war schon geschaffen. lieber all wurden Pfähle eingerammt, denn die Stadt liegt ja zum großen Teil ans einem Boden, der erst dem Meere abgerungen wurde, und muß wie Venedig auf Pfählen gebaut werden. Dieser Teil hatte am meisten unter dem Erdbeben gelitten und die Aufführung der Fundamente für die großen Stahl- und Steiubauten nahm fast 'ebenso viel Zeit in -Anspruch wie der Bau selbst. Ungeheure Materialmengen mußten hcrbeigeschafft werden; niemals hatte matt so nötig Arbeiter gebraucht. Ein Emporschnellen der Löhne, -ein Aufblühen der verschiedensten Handelszweige war die Folge. Merarbeiter bekamen 320 Mk. die Woche, Maurer 240 Mk., besser ausgebildete Werklcute konnten die höchsten Forderungen stellen, 'ohne daß sie ihnen abgeschlagen wurden. Der Arbeiter fühlte sich als wohlhabender Mann; er trat danach auf im Wirtshaus und un Laden. Selten sind so viel kostbare Dinge in San Francisco verkauft worden, waren die Restaurants so überfüllt, tote tn diesen Monaten des ersten Feuereifers, in denen man die Wolkenkratzer aus dem Boden stampfen wollte. Natürlich folgten mtf diese Hochkonjunktur auch wieder Unterbrechungen; die Uüter- NLhmer machten sich durch UeberbieteN gegenseitig dw Arbeitet abspenstig; immer höhere Löhne wurden gezahlt und immer größere Forderungen erhoben, bis schließlich Streik auf Streik ausbrach und die Arbeit stockte. Die kaum zu einem Biertel erbaute Stadt schien als ein Monument des UebermNts und Größenwahns zurückzubleiben-. Aber auch.diese Schwierigkeiten ivurden überwunden; gesundere Verhältnisse traten wieder ein zwischen Unternehmern und Arbeitern; stetig und machtvoll stiegen nun die Mauerst höher und höher empor. Int Winter 1908 umrahmten die ganze Market-Street große Gebäude, die plötzlich da zu sein schienen wie Aladdins Palast. Die prächtigen Fassadeit strahlten in ihrem Schmuck, große Läden und Geschäfts lokale öffneten sich; int Jnnerst war aller moderner Luxus vorhanden, von der Porzellanwanne bis zum elektrischen Licht. Und auch sonst waren die Häuser wie Pilze empor geschossen. Auf den Ruinen des alten erhob sich ein schöneres neues Frisco. Was War z. B. aus dem schmutzigen verfallenen Chinesenviertel geworden? Solide Stahlbauten standet i nun da in luftigen, Hellen, reinlichen Straßen; die Fassaden leuchteten von blitzendem Glas und nur die exotischen Ornamente, die bunten Laternen und die geheimnisvoll abgeteilten Räume verrieten die Stätte der Opiumhöhlen und anderer Laster. Palastartige Rieseuhotels öffneten ihre Pforten und erglänzten in Glanz von Gold und Purpur, in der luxuriösen Ausstattung mit vi«l- farbigent Marmor, Alabaster und Mahagoni. Die Wiederaust- erstehung San Francisoos war in allen Einzelheiten so vollständig, daß mau sich von dem Gedanken nicht sreimachen konnte, hier sei ein Wunder geschehen. Der große Wan des berühmten ame- rikanischen Architekten Burnham, der aus Frisco das „Paris des Westens" hatte machen wollen, war freilich nicht ausgeführt worden. Die Stadt ward in der alten Form wieder ausgeführt, jedes Gebäude auf seinem alten Platze, nur größer, schöner und prächtiger. So entstand ein strahlendes Bild, das gerade durch den Vergleich mit der Bergaitgenheit seinen höchsten Zauber entfaltet. vermischtes. * Der M u f f. Er ist ein Liebling der Frauen, die ihm ihre Neigung, freilich erst seit kaum hundert Jahren, zuwenden. Vordem galt er als ein Gardcvobestück der Minner; selbst Offiziere schämten sich nicht, mit ihm Staat zu machen. Tas !var zu Paris, wo alle Mode geboren wird, und in den französischen Salons galt es- in den Tagen des jugendlichen Voltaire als besonders elegant, wenn die Kavaliere ihre Hände in riesigen Pelzröhrcst versteckten. Damen verschmähten damals seltsamerweise die schützende Hüll« eines Muffes und überließen dies Gerät dem stärkeren Geschlechte. Auf der Gasse sah man den Muff auch bei den Männern nicht, er war ausschließlich ein Paradestück des Salons, und die feinen Stutzer ließen sich von ihren Dienerst jene gewaltigen Gehäuse aus Bärenfell bis in die Besuchsstube nachtragen. Ein Schutz ftir die Hände gegen Frost und Wetter war der Muff damals also nicht, und als er int Laufe des 16. Jahrhunderts zu Paris erfunden wurde, dachte man kaum an de» nützlichen Dienst, dessen er fähig ist. Aber die Grönländer und Eskimos haben sich auf eigene Faust den Muff ersonnen und man weiß, daß die Jagdherren, die den Unbilden des Winters' int Walde trotzen müssen, längst vor den Pariser Modenarrest den Muff zu ihrem nützlichen Begleiter erkoren. In den bunten Tagen der Restauratioit sah man auf den Boulevards bereits die ersten Frauen Muffe tragen, und von da ab 'verzichten die Herren der Schöpfung auf dies Toilettenstück und überlassen es großmütig ihren schöneren Partnerinnen. Die Mode aber macht auch fernerhin den Muff zum Spielball ihrer Launen; bald von riesigem Umfang, wie in den Zeiten der Biedenmeier, bald kleinwinzig, daß kaum die zartesteit Händchen darin Raum finden, ist er ein klassischer Zeuge für den Watchel und ewigen Wechsel unseres „Geschmackes". Rösselsprung. Auflösung in nächster Nummer. und halten mel ich der best' will nur seid bestellt him laß hat wald er walten aufs bäch den und ler mein gott und chen auch lieben erd' lein fach' Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: N i ch t s ist h ö h e r zu schätzen, als d e r W e r t desTageS. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Veclag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießest.