DsrmerMg dm Zebruar M. 20 M9 u Mjr H F WWWMZsW V .swasgf lS@Efcmwiwm fei NÄ PR I EtRasWM-W-. WMMWM Auf Liebespfaden. Non MU trott H. E tz v h a r b t. 'Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Sie erschien ihm heut sehr reijeud tu dem duftigen weiften Kleidchen, aus dessen herzförmigem Ausschnitt ihr Hals ein wenig sttager, aber von der glatten, rosigen .Haut gesunder Fugend über-- spannt, im Nacken von goldbraunen Härchen,umkraust, hervorstieg. Welch bezaubernde Kindlichkeit und Anmut sie umfloft! Er dachte an ihre Karte mit dem rührenden: Ich freu mich so!, und eilte grafte Zärtlichkeit mischte sich in die Erregung seines Blutes und sprach aus seiner Stimmt, als er sagte: „Ich danke Ihnen auch für den Mvrgeugruft, Fräulein Helene." „Oh!" Sie wurde glichendrot und wich seinem Blicke ans. -„Ich — es war ein Scherz —" Er half ihrer Verlegenheit, die sie vergeblich nach einer Ent- fchuldigung für ihr Tun sucheir lieft. „Ich dachte, es träte Ihr Ernst, daft Sie sich auf heut freuten." Sei» vorwurfsvoller Tost veranlaftte sie, ihm rasch ihr heißes Gesichtchen zuzmvenden. Seine Augen, den ihren begegnend, hielten sie gebannt. Ein Merkliches Sittern überlief sie, „Haben C t sich gefreut, FriinleiN Helene? Ja oder nein ?" „Ja!" hauchte das Mädchen. Nun sah sie ihnr freiwillig voll ins Gesicht, und dabei breitete sich plötzlich wieder jene fast überirdische Seligkeit über ihre Züge, die ihm am Tage vorher ein fast unbehagliches Empfinden bereitet hatte. Heut durchramr ihn ei» Rieseln des Glücks. Wie geblendet bett Blick senkend, sagte er mit bedeckter Stimme: „Wir haben ja beide lange genug auf diese Freude iuarten »missen, nicht wahr?_ Deshalb dürfen wir sie uns jetzt auch ohne Scheu eingestehen. Es ist nur sehr traurig, daß die Gelegenheit, ittte zu sprechen, eine so beschränkte ist." „Sehr traurig!" wiederholte sie; dann, nach einer kleinen Muse, setzte sie hinzu: „Mer es ist doch schön, daft wir uns tveuigstens kennen gelernt haben. Der Zufall spielt doch oft ivunderbar." „Ja, besonders wenn man ihm zu Hilft kommt!" lachte der junge Offizier mit schalkhaft blitzenden Augen. „Denken Sie vielleicht, ich habe mich aus Gesundheitsrücksichten mit meinem schlimmen Knie in die schattige, kühle Grotte gesetzt. Mir sagte eine innere Stimme, daft Sie vom Tennisplatz aus eine Exkursion in die Anlagen hinauf unternehmen würden und daft Sie zu diesem Zweck an meinem Wachtposten vorbei muftten." Ihr machte es sichtlich gwfte Freude, daft er ihr seinen Feld- zngsplan Volk gestern verraten, obgleich sie als Antwort nur ein kurzes, verlegenes Anflachen hatte. Soeben traten sie ans dem schattigen Laubgang aus einen freien Felsenvorsprung, der eilten weiten Blick in die sonnen- Überstrahlte Ebene gestaltete. GrüMnde Felder, so weit das Auge reichte, nur zuweilen von dem satteir Gelb blühenden Rapses unterbvocheik. Die letzten Ausläufer des Städtchens lagen tiS rotbedachten Häuschen zu ihren Füften: ein Eisenbahnzug schlängelte sich soeben zwischen den blühenden Vorgärten hindurch uu8 verhüllte sie mit iveiye.it Rauchwolken. Die Augen des jungen Mädchens ruhten lächelnd auf'deck dahinrollenden Wagen. „Tu, Lisbeth!" rief sie zu der Freundin hinüber, die eben int Begriff stand, sich mit Leutnant Espach auf die ctue der zuni Genieften der Aussicht hier aufgestellten Bänke zu setzen, „dort unten geht wieder einmal ein Zug ohne uns in die Welt hinaus." Tie blonde Lisbeth machte eine geringschätzige Handbewegung. Sie sah sehr animiert aus. „Last ihn fahren dahin!" meinte sie pathetisch und, beide Herren mit einem te fetten Blick streifend, fügte sie ein zweites Zitat an das erste: „Warum in die Ferne streifen, wenn das Gute liegt so nah!" „Sitzt so nah, wollten Sie doch sagen, mein gnädiges' FrLck-i lein!" fiel Espach ernsthaft ein, „oder befehlen Sie, daft ich mich Ihnen zu Füften lege?" Sie lehnte sich zurück und blinzelte ihn unter halbgesenkteck Lidern an. „Noch nicht! Ich will mir diesen. Befehl Vorbehalten, biÄ ich Ihnen zum miiidestetc ein weiches Kissen unterbreiten kamt, Es wäre grausam. Sie den härtest Stein fühlen zu lassen, und' grausam bin ich gar nicht." Er neigte sich ein wenig zu ihr. „Aber eine gefährliche, kleine, blonde Katze sind Sie." Ihre grünen Augen sahen mit einem kalten Glanz ans seist Gesicht nieder. „Kann schon sein. Hüten Sie sich' Zuerst hab ich iwch SmW Pfötchen, aber eines Tages zeige ich dann die spitzen Kralleit, flüsterte sie, grausam lächelnd, „und dann kratze ich Ihnen die Augen aus." „Denkest Sie, daft ich Sie mal so erzürnen könnte, FrÄte teilt Lisbeth? Wenn ich aber immer ganz artig und nett bin?" Sie zog die Augenbrauen, die, ein wenig dunkler gefärbt^ ihrer Blondheit das Nüchterne nahmen, nachdenklich in die Höhe, „Nun, dann gibt's natürlich nur die Samtpfötchen!" sagtif sie lachend, und plötzlich streifte eine kleine, welche Hand flüchtig über seine braune Wange. So schnell es geschehen, er hatte sie doch erhascht und drückte einen Kn ft darauf, konstatierend, daft es ein reizendes „Sanfte Pfötchen" war, rosig und glatt mit gepflegten Nägeln. Sie befreite sich rasch, plötzlich in ihre kühle, ruhige Art zurückfallend. Flüchtig glittest ihre Augen zu dem anderen Paare Hinüber. Aber das war vollauf mit sich selbst beschäftigt. Helene hatte auf erste Frage HassiugeuS, die ihre Bemerkung über den Zug veranlass, zugestanden, daft sie sich schon oft mit Fluchtgedankest beschäftigt hätten, wie es schien, mehr aus M>est- teurerliist, als weil es ihnen bei Fräulein Moller schlecht erging. „Bloss lim'S Geld handelte es sich immer," erzählte sie zu-, traulich, „wir kriegen beide nicht viel ist die Hände, LiSeM 78 HassirlgeNs Blick ruhte unvcrlvandt auf dem jetzt tiefgcsenktcck nicht mehr — ich möchte am liebsten —" Sie vollendete reicht, aber ihre stcahlcndcn Augen siegelten ünberhüllt ihr ganzes zärtliches Fühlen wieder. Ein schwindel . erfaßte ihn, in dem alles vernünftige Ueberlegen unterging. Wer wollte ihn deswegen verdammen? Er war jung, und er hatte sie lieb, die kleine, süße Helens mit den schwärmerischen und zärtlichen Kinderaugen, die noch nicht lügen und betrügen konnten, tn'it den roten, unschuldigen Lippen, die sich unbewußt nach dem: ersten Liebeskuß sehnten ■— er wußte in denk Moment ganz genau, daß er es sein würde, der dies Sehnen erfüllen durste. Em verlegenes Schweigen breitete seine lähmenden Flügel über sie aus. Bon der Bank drüben klangen die flüsternden Stimmen der beiden Müderen'. Im jungen Buchenlaub spielte der Würd', es klang wie leises, geheimnisvolles Murmeln, von zwitschernden Vogel- lapten Merbrochen. einziger Sohn. . MS er es HassingeU! lachend erzählte, wöbet er nm ww immer, wenn, er gut gelaunt war, wiederholt an der krästrgen, wvhlgebildeten Nase zog, furchte dieser seine Stirn noch etwas mehr wie.sonst und bemerkte: „ „Ich sehe schon, Sie werden diese blonde „emzrge wochter heiraten, und die' kleiirc Heleue wird mit ihren sechs- Geschwistern, ohne .daß ich ihr helfen,' kann, sitzen bleiben." Aber diese Vermutung, zu der Espach Nur amlisiert bemerkte. „Man soll nichts Vorreden," verdarb heut noch nicht Hastmgens Stimmung, über der, ihm selber noch kaum bewußt, der rostg Schleier jener Liebe lag, die man! so poetisch und- so voll^köstlecher Reize nur einmal, wenn das Herz jung ist und trotz aller wen uunft doch jung s-iWk, durchlebt und durchlcidct. Forts, folgt.) Mädchenkopse. Sie fühlte es und sprang Plötzlich hastig aus. „Wir müssen gehen, Lisbeth, ehe unser langes Ausbretbcst auskällt," rief iie zu der Freundin! hinüber, und als Hassingert eilt bedauerndes „Ach, wie schade!" ausstieß, irrte ihr Blick schon und Wichtig zu ihm hin, und die Glut ihrer Mangen vertreste sich. Aber auch die blonde Lisbeth war ganz der Meinung ihrer Freundin, daß es Zeit sei, zürn Tennisplatz^zurnckznkehren. Es wäre gar schöner, wenn man die strenge Tugendwachterm, oie Werk, gleich beim erstenmal mißtrauisch machen wurde, dann wäre''die Karre gleich von Anfang an verfahren. Denn davon waren alle vier Beteiligten beim Abschied tref durchdrungen, daß man sich bei schönem Wetter recht oft „zufällig im schönen Buchenwald des Heckelberges treffen mußte, dieser Zuversicht trennte man sich. , . T-ie beiden Offiziere gingen zum Essen ruS Kafmo, beide sehr animierter Stimmung. Es war doch etwas Eigenes, ivelchen Zauver ein paar solch leuchtende Mädchenaugen auszuflromcn vermochten. Clvack batte sich, wie er lachend behauptete, lange nicht >» gilt amüsiert als heut mit dem blonden Backfisch. Lisbeths seiw sanr reise, sich schon ihrer Weibesmacht bewußte Art, in der ste in einem Augenblick keck war, um im nächsten schon in kahle Zu- rückhaltnng zil falleii, hatte ihn überrascht und zog ihn an. Er liebte die kleinen' Gänschen uiit dem schüchternen Augeli- ausschlag, aus denen' ui-n» urühsanr banale Aeußerungcn ihre^ Geistes herausziehen mußte, durchaus nicht, er memtc, das wurden viel unbequemere Frauen als solche von sicherem, selbstbewußterst Wesen, die klug deck Wann 511 beherrschen wissen, ohne daß er i etwas davon merkt. t. , «... Er gehörte zu den Männern, die ehrlich zugeorn, das. dm Eigenschaften der Frau günstig, ja veredelnd auf den .Aannem- wirken können, und daß der Rat einer verständigen Frau ost nicht hoch genug einzuschätzen ist. . , , An seinen Eltern hatte er das beste Beispiel dafür gehabt. Wie viel Unheil hätte der Jähzorn! semes an sich giitmueigen Vaters gestiftet, hätte die Mutter nicht klug und ruhig verstanden, I ihn unmerklich auf den'Weg ruhiger Neberlegung zu leiten. W,e hatte ihr feiner HerzeWtakt, vereint mit einem energtschcn, NÄ- bewußten Handeln zn vermitteln und schon begangen^ Unrecht gut zn machen, verstanden, ohne daß bcr den Leuten ras Ansehen i des Gutsherrn gelitten hätte. r,iGA<1# Vielleicht war sie manchmal ein biMcn kichl, cm brsMi zu Überlegt in ihrem Tun', aber Leidenschaft sowohl als ^entr- uwntatität verwirren die Sinne und blenden die Augen, I über einen großen Hausstand wachen müssen. f( Deshalb liebte er die Augen ferner Mutter, diese tlareu, grauen, gütigen Augen, denen man ansah, daß ste "ochvvr niemandem hatten den Blick zu senken brauchen. Und er hatte j e§ stets besonders beschämend empfirnden, wenn er vor dc^cit I Mgcil die seinen schuldbetvußt hatte Niederschlagen muiscn. I Bei des Vaters Donnerwetter war ihm lange nicht so nn- | behaglich gewesen, der hatte überhaupt den Einzigen nach itrasten -verwöhnt und ihn Offizier werden lassen, worm dre Mutter, dm lieber gesehen, daß er Jura studiert oder eine Landwrrtschaftslchnle | besucht Ijlättc, sich nur schwer hatte finden können. Einmal müßte er ja doch das Gut übernehmen, meinte src, und da fehlten tunt | dann alle Borkenntnisse für seinen Berns. Sie wurde überstimmt durch den Hinweis auf ine ckrüsng-. \ leit ihres erst 50 jährigen Gatten, der noch gar kerne Lust habe^ S «ch an.fs Altenteil zn setzen' niid ans dre Möglichkeit, daß oc. 1 Sohn, sobald der Vater arbeitsmüde werde, sich immer Mm I unter dessen Leitung in seine Pflichten cinarbeiten kömre. Es war übrigens ein! drolliger Zufall, daß Lisbeth ^cwiser I auch eine Gutsbesitzerstochtcr war, und zwar stammte sie aus den | Rheinlanden, .nährend seine Heimat in. der Mark äag. I Auch lvar sie ebenso die -verwöhnte, einzige Tochter ivie er Md ich, cs reicht kaum für die Schokolade, die mr verfuttern, und wenn wir mit dem Ausreißen nicht eine Ketnk Vergnügungsreise verbinde» können, dann macht keinen Spaß. „Ich dachte. Sie hätten Heinnmh! Sie wollten gern nach Haus," ivimberfc sich der junge Offizier. , Tic Bemerkung setzte sie in Verlegenheit, sie stocherte mit I Drein Sonnenschirm zwischen den Ritzen des steinigen Bod-ci.s I und hielt die Augen darauf geheftet. _ ,AH, ju Haus!" mernte sie gedehnt, „v-o besonder schon | ist's'bei uns zn Harrs nicht. Sie müssen wissen, ich bin ans | Bannen, aus dem verräucherten, schmutzigen Barmen, mein ^anr | bat auch eine Fabrik da, eine Fabrik für Eis«,waren, rmd »mr I wohnen! dicht dabei und sehen nichts als rußgeschwärzte^Arbeiter I 'und hören den ganzen Tag das Pochen und Hammerm und schlucken I den häßlichen Qualm —", sic verzog das hübsche Gesicht zu eimm Ausdruck des Ekels, „pfui, mir wird ganz übel, wenn ich bloß daran denke." „ .. , ... .. o .. j Jh.r Blick hob sich tiud schwerste, aufleiichtend über d.e ^.aud^ | schast.' „Da ist es hier schon schöner, viel schöner." I „Aber Sie haben doch gewiß liebe Eltern!" fiel er warm I ein, "„und vielleicht auch Geschwister." 0. j Ein humoristisches Lächeln zuckte um ihre Frischen Lippen. „Bon letztereir' eine ganze Menge, sechs- Strick, noch drei I Schwestern und drei Brüder." ... . „ I D Gott'" entfuhr eS ihnr rrnwillkrrrlrch erschrocken, und zur I selben Sekunde durchzuckte ihn auch der Gedanke, daß er recht gehabt, als er im „Fischkasten" Fräulein Möllers kernen Gvld- \hn vier Töchter mit einer Mitgift auszustatten, wie er, Hans I Has sing en, sic bei seiner Frau brauchte, dazu hätte der gute Herr i Falk Millionär feilt müssen. Und das «mr er ganz sicher urcht. I Sic können sich wohl denken," fuhr seine junge Nachbarin | fort,' „daß Mutter sich bei so vielen Kindern nicht viel um uns Mmmern kann, sie ist immer abgehetzt und müde, immer rn Eile, wir Mädchen würden! sie ja gern unterstützen, aber sw ist so eigen, nichts kann man ihr recht machen — auch mit den Dienst- | bvten gibt's immer Zank unb Aerger, und wenn der Vater ab- gcarbeitct aus der Fabrik kommt und die ewigen Klagen anhören muß, kamt maii's ihm auch nicht verdenken, daß er verdrießlich | ist und uns Kinder nicht weiter beachtet. Aber glauben Sie : Nicht," fuhr sie eifrig fort, „daß die Eltern nicht gut zu uns wären — Vater arbeitet ja doch nur so rastlos von früh bis spät, damit wir Kinder nichts entbehren, und Mutter hat doch ^eigentlich ein elendes Leben wegen uns, wie gut könnte fies haben, wenn wir nur zn Dreien wären, oh, manchmal saßt Mich so ein grenzenloses' Mitleid für sie, der heiße Wunsch, ihr cur besseres Leben zn verschaffen!. Ich denke oft darüber nach, was ich tun könnte, sie so recht zn erfreuen -- wenn ich ein Talent! gehabt hätte, womit man unmenschlich viel Geld verdienen kann " Ein halb amüsiertes, halb schmerzliches Lächeln irrte um Hassingens Mund. Geld! Initiier derselbe verzweifelte Schrei! Die einzige Hoffnung und Rettung aus des Lebens R-ot. Auch gier. Arme, kleine Helene! Noch dachte sic nicht daran, daß auch die Liebe, die jetzt ihren -Zauberschleier über die Alltäglichkeit spann, einst mit diesem Aufschrei vor verschlossener Pforte stehen und traurig davonschleichen würde, um am Wege zu sterben. Ihm Ivars wieder, als müsse er sic warnen. „Vielleicht kommt es ganz ohne Ihr Zutun, daß Sie Ihren Eitern beiden' noch einmal eine große Fr-ende bereiten können, jober bis dahin würde ich wenigstens alles vermeiden, was sic betrüben könnte." Harte sic ihn verstanden? Er musterte verstohlen ihr liebliches, geneigtes Gesichtchen. Sic schien einen Moment uachzu- denkeN, dann sagte sie, ihn fragend ansehend: „Sie meinen das Ausreißen? Ach, das will ich ja jetzt gar 79 Tagebuchblatter aus St. Msr'rtz. Bon Tr. Alexander Dillmaün (München).*) Soeben hat mich der Concierge des Grand-Hotels mit einem „gewinnenden" Lächeln ans beut Omnibus geladen. Der Ches de la reception bedauert bereits. Das Riesen« Kote! ist komplett. Gott sei Dank fühlte wenigstens der .Direktor ein menschliches Rühren und verfrachtete mich per Lift in ein niedliches Zimmerchen. Mindstens im siebenten Stock. Ich taue langsam ans. — Wie neckisch dm Dachbalken, die an der Decke meines Zimmers entlang laufen, im Jugendstil garniert sind! Ich sag's ja, es geht nichts über den Stil eines grossen Schweizer Hotels. Ich werde jetzt mein Bärenhäuter-Pelzkostüm ausziehen und mich zum abendlichen Diner in den Frack werfen, tote es sich hier für einen wohlerzogenen jungen Mann geziemt. Mir ahnt etwas von märchenhaften Toiletten, Doucet- Hüten, Perl- und Brillautbändcrn auf schneeigen Schultern '..... Dem Lift entsteigen soeben zwei Amerikanerinnen mit fabelhafter, teilweise sogar echter Julvelengarnierung. ileberdies duftet der Lrftjnnge wie ein Moschusbock. Wir werden ja sehen — und riechen. Also runter mit den Bergstieweln! .... Ich habe den Amerikanerinnen bitter Unrecht getan und ziehe auch den „Moschushock" mit dein Ausdrucke lebhaften Bedauerns zurück. Mit Ausnahme der beiden Mv- schusdamen hat hier keine einzige Amerikanerin Parfum. Ich habe eigens aufgepaßt. Aber Toiletten gibt's! Man glaubt im Ritz-Hotel tun Place Vendome zu sitzen. Hüte wie Wagenräder) Pailletten rascheln nm schlanke, sportlich sehnige Formen, Goldschuhe leuchten aus einem rosigen Fron-Fron, köstliche alte Brüsseler Spitzen tanzen um rauschende Gewänder. Schöne.Frauen lassen ihre Augen spielen Und blitzen. Tont Paris ist zur Stelle. Ich habe viel vom Luxus des winterlichen St. Moritz gehört. Aber jede Erwartung ist übertroffen. Das St. Moritzer Publikum, im Sommer etwas gemischt, ist im Winter eine einzige große exklusive Gesellschaft. International und doch Tip-Top. Das sind ja zwei Begriffe, ik sich zu widersprechen scheinen. Siehe Monte-Carlo. AberMtfächlich, von dem internationalen Hochstaplertunr der französischen Riviera hat St. Moritz so gut wie nichts. Es ist für ein paar Monate eilte Welt für sich. Eine Welt des Sports und der Eleganz. Eine Er- Urnerung aus der Kinderzeit steigt auf, das Märlein vom Eiskönig, von seinem gleißenden Hofstaat inmitten all der schweigenden Winterpracht. Es hat ja sehr viel für sich, da in einer wundervollen durchwärmten Hal zu sitzen und sj.ch tat Club-chair zu dehnen, während der Sekt im Glase perlt — und dabei draußen, wenige Meter vorn Hotel! 'entfernt, den Volten Zauber des Engadins im Hochwinter zu wissen. Die Hal des Grand-Hotels. ist übrigens ein Kapitel für fich. Sie mag in der Kühnheit und der Eleganz ihres Baues einen Architekten entzücken. Sie geht in ihrer ganzen Breitseite unmittelbar gegen den St. Moritzer See hinaus, der lief unten im verschneiten Grunde liegt. Während man den Mokka schlürft, sieht mau dem Curliug- oder Hockey-Spiel zu, beguckt sich die wimmelnden Schlittschuhläufer auf den verschiedenen Ice-Rinks, freut sich, wenn drüben bei der Meierei die Schiläufer den Steilhügel Herunterschweben, und lacht, wenn sie durcheinander purzeln. Und abends, wenn das „verteilte" Licht durch die klotzigen Glasbalken der Decke strahlt und das Hotel« orchester spielt, da sitzt und plaudert sich's so gemütlich an den kleinen Tischchen, daß die Zeit zum Zubettgehen, früher da ist, als man ahnt. * 23. Februar. Heute vormittag war ich droben an der Eresta-Run und habe mir die Helden des St. M. C., des St. Moritzer Selbstmörder-Clubs, Pardon des St. Btoritzcr Cresta-Clubs, in voller Tätigkeit beguckt. Wenn ich ein Arzt wäre, möchte ich Chirurgus in St. Moritz werden. Es kann gar nichts Einträglicheres geben. Die schweren Eisen schlitten, ans dies st chdie Cresta-Fahrer mit dem Bauch werfen, und mit denen sie wie geölte Blitze nach Celerina hiimuterschießen, sind ganz gewiß „gefährliche Werkzeuge" im Sinne des Strafgesetzes. Wenn diese Schlitten den Crcsta-Rcnncru die ♦) Aus der Münchener Zeitschrift „Natur und Kunst" (früher ,,Datsche Alpenzeitung"). Verlag Gnflpv Lammers', MMiHen. Nieren heraus- oder die Rippen hineinstoßen, so wundert ich kein vernünftiger. Mensch in St. Moritz darüber. So ür gibt es freilich manchen prächtigen Schnapsbecher und ilberne Ehreuyiimpen zu gewinnen, tvie sie im Vestibül des Riesenhotels lockend ausgestellt sind. Die Cresta ist die Roulette von St. Moritz. In Monte-Carlo setzt man das Geld, hier das Leben. All-Heil! An der dritten „jnnction" habe ich einen Gemütsmenschen kennen gelernt. Einen Photographen. Er steht unmittelbar unter der Mauer der großen Eiskurve, und zwar au ihrer Außenseite, so daß er von der ganzen Bahn und dcn Cresta-Renneru gar nichts scheu kann. Was der Mann da photographiert? Er wartet, bis ein Fahrer die Kurve falsch berechnet und samt seinem Eisenschlitten hoch im Bogen aus der Kurve herausfliegt. Diese „Flugans- nahme" ist ein famoser Kalkül, lieberlebt der Cresta-Fahrer den fürchterlichen Sturz, so bestellt er sich ganz gewiß Bilder, schon um zu beweisen, daß er ohne Wright und Zeppelin das Fliegen gelernt hat. Ueberlebt er den Sturz nicht, so bestellen die Hinterbliebenen gewiß noch mehr Bilder dieser „letzten.Aufnahme". Gut-Licht! 26. Febrar. Eine famose Einrichtung, der „Eis-Lift". Eine St. Moritzer Spezialität. Droben in meinem Zimmer im neunten Stock — es hat sich herausgestellt, daß ich! bei meiner An- kunftshimmelsahrt mit deut List die Stockwerkshöhe doch falsch taxiert hatte —, also droben int neunten Stock ziehe ich meine Schlittschuhs au, klingle dem Lift und fahre durch das Vestibül in den Keller hinunter. Ich steige aus und stehe nach wenigen Schritten direkt ans dem Ice-Rink des Grand-Hotels, einer spiegelglatten Eisbahn. In jedem Hotel wird ein Reklame-Prinz und ein Reklame-Millionär gezeigt. Unser Reklamemann ist zurzeit ein junger, 20 jähriger, bleicher Mexikaner mit angeblich fabelhaften Reichtümern. Er ist hier mit vielen Freunden und der Dante seines Herzens, die er sich eigens aus Paris mitgebracht hat. Die Hut- und Toilettenkosfer seiner Freundin verbauen einen Teil des Ganges int zweiten Stock. Ter Mexikaner darf im Tage 4000 Mark brauchen, hat draußen in Chur ein paar Automobile stehen, denen bekanntlich das Engadin verschlossen ist; er streut märchenhafte Trinkgelder um sich. Die Liftboys fallen vor ihm auf den Bauch; der junge Mann suchte int Bobsleigh- und Crcsio spurt noch einen letzten Nervenkitzel. Eigentlich tut er mir leid. Und doch: wenn man seine Freunde hört, ist Prinz Orlofsky aus der Fledermaus gegen dcn Mexikaner einfach ein Waisenknabe. Jedenfalls ist der Junge eine „Type"' von St. Moritz, luie sie hier zu Hunderten herumlausen. St. Moritz hat in seiner Kombination des raffiniertesten Sports mit dem raffiniertesten Luxus in Europa keinen Rivalen. Erst mit Ende der Saison, wenn der Märzwind von der Bernina niederfegt, erbleicht langsam die Königin des Engadins. Der Süden entführt ihr einen nach dem anderen von ihren Verehrern, bte Teufelskirche in Monte- Carlo gleißt und lockt. Schlitten auf Schlitten führt die Globetrotter über den einsamen Malojapaß hinunter ins sonnige Italien und an die französische Riviera — —. zu neuen „Taten!" Sas Uaiser-MilMt-Dors in Palermo. Dein Berner „Bund" wird von feinem Berichterstatter iit Palermo unter dem 22. Januar folgender hübsche Brief ge-- schrieben: „Deutschland hoch!" heißt cs in der heutigen Nummer der „Ora", und „Deutschland og!" wiederholt getreulich die ganze Stadt. Tie Dentschen sind gekommen und haben die Palermitaner in Bewunderung und aufrichtige Dankbarkeit versetzt. Bor zivei Tagen sind unter dem Kanonendonner der alten Hafenfestung ein Schulschiff und eilt sauberer Llohddampfer eingelansen und haben eine Menge unscheinbare Gegenstände: Balken, Pfähle, Bretter, Röhren, Fensterscheiben und Hausgeräte ans Land gesetzt. Gleich wurde alles zur Piazza dell' Jndipendenza, außerhalb der Porta Nuova gebracht, wo die rotbackigen, blonden Schiffsjunge« sich rüstig an die Arbeit machten. Und siehe da — innerhalb 24 Stunden ist ein sauberes Dörfchen von sechs schmucken, geräumigen Holzhänschen entstanden, die an Einrichtung und Wohnlichkeit jedes sizilianische Haus übertreffen. Hellgrau angestrichen, mit glänzenden Scheiben und lustigen grünen Fensterladen, stehen sic nun fix und fertig da. Ja, sogar die Kocheinrichtung ist vollständig vorhanden: richtige Feuerherde mit Kaminen, über die die Sizilianer staunend die albernsten Fragen stellen, denn sie waren bis. jetzt gewohnt, mir aus Kohlenheckeu zu kochen. wobei sie fortwährend das Feuer „Eschern" mflfiU. unb Jo Sn Kaminherd ist fite sie etwas ganz NsneS- Mer nicht allein die sauberen Häuschen, die nun als Wohnungen für die in den Archen nntergebrachten Me>smesen d«nen sollen, setzen sie in Erstaunen, sondern vor allem die Art und Wei.se, rote fte entstanden sind. Das ging alles so ruhig und zielbewußt, mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu, so ohtie ledes Streiten und Raten und Schreien, daß die Sizilianer nicht umhin Ernten, hie Ileberlegenheit der „dummen Michel anziierieniteit. „Diese Ruhe", schreibt die „Ora", „ist das Merkmal der höher stehenoen Völker Wo es bei uns am meisten fehlt, das haben uns die Deutschen gezeigt. Nun begreifen wir nut einem Male, Wie eS möglich ist, daß jene Nation die schwierigsten Ausgaben nut solcher Leichtigkeit löst, während tote immer hinten nach hinken In der Tat hat das Werk der Marinesoldaten, besser als die — teilweise ungerechte — Kritik der deutschen Journalisten, dem Volke gezeigt, wo es bei der Hilfeleistung nt Messina gesthlt hat. Zuerst waren es die Russeii gewesen, die mit ihrem iuhigen Rettungswerk die italienische Marine ut den Schatten stellten, dieselben Russen, über deren Flotte man nach der schlacht bei Tsuschima spöttisch die Achseln zuckte^ lind nun smd die DeutMn die Helden des Tages, dieselben, über bereit Plumpheit der gewandte, elegante Sizilianer iioch tags zuvor ut em heiteres Gte* InCfig§"ist^etwäs Großes um die selbstlose, jede Schranke von Nationalität und Glauben überspringende Hilfe. Wie dankbar Man sie begrüßt, diese rüstigen Jungen,_ wenn sie abends, ein heimisches Lied singend, von ihrer Aroete zurückkehren und rn Wohlgeordneten Reihen im Taktschrrtt durch die bewegten Straßen marschieren! Wie viel besser denkt man letzt auch über das deutsche Volk als noch vor wenigen Tagen, da man nur seine Haudlimgi.'-- gehitfen und Journalisten kannte. ' Ja, diese Journalisten haben nicht den besten Eindruck hmter- lassen. Die Pflichtgetreuen unter ihnen, die aus den Itugutckö- stätteii iniit den Photographen um die Wette auf sensationelle Szenen Jagd Machten. (wobei manch einer bei dem schlechten Wetter mehr als nur den Schnupfen mag aufgelesen haben), diese mutigen Opfer des Berufes hat man freilich weniger temten gelernt, als vielmehr jene ganz Schlauen, die hübsch im Trockenenblieben, an Vahil- Höfen «und in Speisehäusern die Flüchtigen mit Ausl ragen belästigten und auf diese Weise in der Nähe von Post und Telegraph und Mit tvohl ansgeruhten Gliedern und befriedigtem Magen, viel mehr Erfolg hatten als ihre armen Kollegen tn den verschütteten Städten. Diese Herren begnügten sich dann aber n.och nicht damit, daß sie ihrer Heimat mit strafenden Artikeln answarteten, sondern sie boten auch hierfür, ohne die Verhältnis)e naher zu kennen, eine alles vernichtende Kritik. „Diese Sizilianer, hörte man sie immer wieder sagen, „diese Barbaren! diese Halbasrikaner. — mit denen ist doch gar nichts anzufangen' nsw. Doch all dies ist ja nun glücklich vergeßen, und man gedenkt jetzt nur noch der fröhlichen Erbauer des schmucken Kaiser Wilhelm-Dorfes. VevM^chtss. * Die kunstbegeisterten Damen. Der Bvssischen Zeitung wird geschrieben: Es ist eitel Verleumdung, daß die eleganten Damen mir darum den Konzertsaal betreten, um ihre modernen Hüte, ihre Kleider, ihre prachtvollen Ariubauder und Brnstspangen und — last not least den Reiz ihrer Anmut vor den staunenden Blicken ihrer Bewunderer und den neidischen Äugen ihrer minder glücklichen Konkurrentinnen zu enttalten. Im Gegenteil — die Damen beehren die Orte, an denen man bett Musen huldigt, nicht nur mit ihrer Gegenwart, um sich zu zeigen, auch nicht, weil es „so Mode ist", auch nicht, um sich die Zett zu vertreiben, sondern getrieben von dem Interesse, das eine innige Kunstbegeisternng erzeugt. Und wenn, tote man es häufig beobachtet, Damen während eines Konzertes sich mit nlehr oder weniger gedämpfter Stimme miteinnnber unterhalten, fo ist es gewi» nur der Gegenstand deS Stückes, ihre Begeisterung über die schöne Musik und die Wiedergabe der Komponistengedauken und Aehn- liches, worüber sie ihre Meinungen austauscheii. So ioar es offenbar auch vor einiger Zeit der Fall mit zwei Damen, die eifrig miteinander tuschelten, während die Töne einer Sinfonie immer gewaltiger anschwollen. Die beiden wurden allgemach eifriger, was ja mit der wachsenden Wirkung des Musikstückes in Einklang zu bringen war, und die Stimmen wurden etwas weniger gedämpft, so daß man, als das Forte des Konzertes plötzlich in ein Piano überging, noch deutlich die Worte zu hören bekam!: ,,. . . und meiner ißt sie gern mit Zwiebeln". , * Französische Frauen gegen das Korsett. Die Vorkämpferinnen der deutschen Reformkleidnng empfinden große Genugtuung. Aus Paris, der Geburtsstätte aller neuen Franen- moden, kommt die Nachricht, daß sich eine Liga gebildet hat zum Kampf fite die natürliche Schönheit der Frau, gegen die Brr- stüimnelmig des Körpers durch das Korsett. Ihr Sitz ist 4 Place Armand Carrel. Nach einer Mitteilung des „Zentralbl. des' Bundes deutscher Franenvereine" hat die Sigite des Mdres de Familie eine Broschüre herausgegeben, in der an Hand von Abbildungen die schädlichen Wirkmigeit des Korsetts geschildert Wer* den, hat sie ferner eine Eingabe an die medizinische Fakultät der! Universität Paris gemacht. Vor einigen Jahren nämlich haben! Fabrikanten des damals neuen Corset droit (gerade Linie) die Gelehrteti dieser Fakultät veranlaßt, ein Gutachten über diese Art von Korsett abzugeben. Die Herren haben geprüft, ohne freilich selbst das Corset droit einige Zeit zu tragen, und sind zu denk Schluß gekommen, es sei als weniger schädlich zu betrachte». Wie die früheren Korsettformen, da cs die Verdauungstätigkeitj Weniger beeinträchtige. Dieses Urteil hat nun die verhängnisvolls. Folge gehabt, daß jedes derartige neue Modell mit „gerader Linie",- mag es fönst auch feder iwrmalen Körperform entgegeuarbeiten, als: reeommande par la Faeulte oder par l'Aeademie bekannt gemacht! und verkamt wirb. Die Liga verweist zwar das Korsett, ist aber doch noch der Ansicht, daß Brust und Leib der Fran stützbedürsti'A seien und empfiehlt eine bestimmte Art von Brusthaltern. SiL betont ganz besonders auch die Notivendigkeit, daß die Schnesder- innen den natürlichen Körper kennen lernen, und daß die Schneiderpuppen in normalen Gestalten fabrikmäßig hergestellt roerbeit müssen. , „ . * „Ich wollte, ich Wäre ans der Schule . Seinen- Gefühlen mit erfrischender Offenherzigkeit Ausdruck gegeben zu haben, das Verdienst müssen Wir einem Hamburger Volksschülep (Zweiter in der ersten Klasse) zuerkennen, dem von seinem Lehrer das obige Thema zu einem freien Aufsatz gegeben worben toar4 Der Aufsatz, der den Hamb. Nachr. int Original Vorgelegen hat- Wird manchem Leser wie ein Glockenklang aus der eigenen Erinnerung wirken. Hier ist er ganz unverändert: „Wenn doch nur erst Ostern wäre, damit ich nicht mehr zur Schule müßte! Es ist gar nicht zu sagen, wie schrecklich es in' der Schule von Tag zu Tag Wird. Jeden Abend muß ich wenigstens 2 Stunden bei meinen Schularbeiten sitzen. lute 7 Uhr kamt ich aber immer erst anfattgen. Dazwifchen toinmt das ' Abendbrot. Auf diese Weise muß ich jeden Abend bis y210 Uhr sitzen. Ja, ich muß sogar manchmal 3 Stunden zu meinen Arbeiten gebrauchen. DaS war gestern der Fall. Dazte kam noch, daß ich erst um ’/ä8 Uhr anfangen konnte Als ich zu Bett kam, war es bereits W- Das kann ich den Schulz arbeiten verdaiiken, daß ich höchstens 7 bis 9 Stunden Schlag habe. Jeden Morgen, wenn ich zur schule muß, habe, ich den Wunsch, von der Schule wegzubleibeu. In der Schule selbst ist es noch viel schlimmer als daheim. Ich muß mtbedinat bete Befehlen meines Lehrers folgen. Dann verlangt der Lehrer das Gelernte Wort fite Wort. (!) Die Arbeiten müssen Haar- nita, Druckstrich aufweisen. In den Stunden soll stets aufgepaßt werben, Dieses fällt mir in der Grammctzik- und Engltfchstitnde »ehr schwer. Die andern Stunden mag ich mehr oder weniger gern! haben. Die besten Stunden sind für mich NaUirlehre, Geometrie, Geographie, Geschichte, Literatur und Zeichnen. Wied den Geboten des Lehrers zuwidergehandelt, io gust es meistens eine schmerzhafte Strafe. Mein jetziger Lehrer ist viel strenger als mein voriger. Bei ineiiteut vorigen Lehrer war eS eine Freude, zur Schule zu gehen: jetzt ist es eilte forinlick-e Strast geworden. (! !) Wenn mein Lehrer ichlechtcr Laune ist, so schmipft er, als wenn das Domterwetter vom .Himmel regnet. (!) Beust Schimpfen wird er dann ganz rot, während er sonst blaß aussteht. Diese fürchterlichen Tage belaufen sich noch auf 70. Ich hoffe, daß sie schnell Herumlaufen: Dann wird es eine ganz andere Zeit werben. Ich werbe als Bote gehen. Gleich zuerst verdiene ich schon ganz gut. Bon diesem Lohn kann tch meinen Eltern fünf! Sechstel abgebeu. Es wirb nachher eine richtige Freude ,em, Später werde ick Schreiber. In diesem Beriise gibt es noch viel mebr Geld. Deswegen kamt ich dann auch Vergnügen mttmachen.. Das übrige Geld bringe ich dann auf die Sparkasse. ES ist immer im Falle der Not zu gebrauchen. Wenn doch nur erst diese schöne Zeit wäre; denn in dieser entsetzlichen Plage Weiter zu leben, habe ich keine Lust." Der Einsender, der im Wahren «teilte de» Worte» „betrmfene Lehrer, hat den Aufsatz mit 1—2 zensiert; der Lehrer ist alfol besser als sein Ruf. . . ... ... . * Tempo. „Papa, was iS eigentlich schneller, ritt Renn- pserd ober eine Brieftaube?" — „Ich mein, zu Fuß, e Pferd. Geographisches Verschrehrätsel. Böhme» Nebensiehenbe Namen follen derart tucker- Harz einander geschoben werben, daß eine Buchstabeif reihe, von oben nach unten gelesen, den Namen Ser»’0* eines viel besuchten Aussichtspunktes in bet Sachs. Nizza Schweiz ergibt. Auflösung in nächster Nummer: Auflösung des Rösselsprungs in voriger Numtnerr Ach, ein Tor nur kann Von heut' auf morgen feine Rechnung machen. Das Morgenrot gehört dir aber nicht, Bis diesen Tag du gtiicklich überstanden. Sophokles. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'fchen NmversttätS-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.