Donnerstag den 5. Juni M9 Sa. m N‘V'£-fÄ Spätinghof. Roman von K. v. d- EideU? (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 17. lieber Spätinghof brannte die Augustsonne. Es war Erntezeit. Ein Wagen voll duftenden Heues nach dem andern kam langsam die Trift heraus zur Einfahrt hinein. Wenn dann ein halbes Dutzend Fuder hineingeschafft und «auf den Boden verstaut waren, kamen Knechte, Mägde und Arbeitsleute heruuter, setzten sich um beit langen Tisch auf der Vorderdiele und taten sich an Schwarzbrot, Speck und Käse eine Güte. Hierzu gab es Kaffee mit gutem Rahm, und die Schnapsflasche ging von Hand zu Hand. Soeben waren die Leute wieder hinausgegangen, um anzujpannen; nur der Hausherr gönnte sich noch einen Augenblick der Ruhe. Er aß noch an seinem Butterbrot. Er konnte nicht so rasch schlingen wie die Leute. Inzwischen trat er auch einmal ans Dielenfenster und sah nach dem westlichen Himmel, wo drohende Gewitterwolken aufstiegen. Frauke Steffens war in der ihr eigenen Ruhe damit beschäftigt, den Tisch aufzuräumen. Sie sah ernst aus, wie es in den letzten Jahren fast immer der Fall war. Ein strenger Zug lagerte um ihren Mund, aber ihre Augen blickten klar, sie trug den Kopf frei und stolz. „Es wird Zeit, es wird die höchste Zeit, daß das Heu hereinkommt," sagte Jan, als er vom Fenster zurückkehrte. „Wenn es erst eine Regenzeit gibt, dann ist von den Spätiugs nichts mehr zu holen; dann rottet das Heu." Frauke nickte. „Ja, es liegt Gewitter in der Luft." Sie sprachen ernst und vernünftig miteinander, wie ein altes Jubelpaar. Kein Ton von der früheren Schelmerei, keine Spur von Zärtlichkeit klang aus ihren Worten. Jan stand schon wieder am Fenster. Er sah nicht mehr nach den Wolken, er lugte scharf über den .Hof. „Wer kommt da? Ist es Nachbar Nissen? Nein, es ist Pe Harm, sein Knecht, oder? . . . Nanu, ich muß ihn doch kennen! Wahrhaftig, es ist Niels Sönksen aus Ramstedt; ich habe ihu lange nicht gesehen." Niels Sönksen trat ein. Frauke blickte flüchtig auf. Als sie sah, daß es ein einfacher Mann war, kümmerte sie sich nicht weiter um ihn. Er hatte jedenfalls irgend ein geringfügiges Anliegen. Wenn er nur den Bauern nicht allzulange von seiner Arbeit abhielt. „Du kennst mich wohl nicht mehr, Jan Thomsen?" fragte Niels etwas verlegen. „Doch, doch, Niels, ich kannte dich gleich, als du über die Werfte kamst. Du siehst noch, ebenso aus wie früher!" „Na, ein bißchen älter bin ich geworden, Jan. Dein Hof rst aber fein iiststaude,.Jan." Jan lächelte. „Du kannst helfen; wir sind beim Heu- fahren." „Ja, wenn das so leicht wäre." Stiels drehte seine Mutze, er wußte nicht, wie er seine Botschaft auf eine gute Art anbringen sollte. Jan nötigte ihn zum Sitzen. „Frauke, schenk' doch mal 'nen Schnaps ein. Lang' bei, Niels, da ist Brot und hier Kümmelkäse. Genier' dich nicht. Wir haben als Jungens doch manches liebe Mal von einem Butterbrot abgebissen." Niels zögerte noch. Frauke schob ihm schweigend Butter und Käse zu. „Na ja," meinte Niels, „ich habe ja eine gute Tour hinter mir. Zuerst zwei Stunden mit der Post bis Heide, dann die Bahnfahrt bis Husum und nun noch eine Stunde bis hierher. ES ist eine ordentliche Reise." „So bist du noch in Dithmarschen?" fragte Jan, während er sich die Pfeife stopfte. „Ja, da bin ich noch immer." Der Knecht erschien in der Stalltür. „Bauer, wir fahren gleich los." „Gut, ich komme gleich," rief Jau. „Na, dann hattest du wohl hier in der Gegend zu tun?'" fragte Jan weiter, um endlich zum Ziel zu kommen. „Ja, 'ich wollte doch mal sehen, wie es dir geht." „So, na iß man. Trink' noch einen Schnaps, ich muß wieder 'raus nach dem Heu." „Ja." Niels konnte nicht essen; wenn er nur erst die Bestellung vom Herzen los wäre. „Ich'hätte auch noch was zu bestellen." „Na, denn man los." „Hm ja." Niels wand sich schier vor Verlegenheit. „Ich meine, hast du mal wieder was von Tine gehört?" „Tine!" Es klang wie ein Schrei von zwei Menschen ausgestoßen. Jan sah Niels starr an, und neben ihm stand plötzlich Frauke Steffens, Frauke, mit bleichem Antlitz mtb. zuckenden Lippen. Und Franke Steffens, die Ruhige, Stolze, hatte ihre Haltung verloren und sank wie gebrochen auf eilten Stuhl. „Was macht Tine? Was weißt du von ihr?" Jan sprach es mit heiserer Stimme. Niels zog umständlich sein rotbaumwolleues Taschentuch .hervor und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Niels, rede doch, wo ist Tine?" „Wo ist sie?" flüsterte Frauke, und ihr Blick flog nach der Tür. „Sie wohnt in Hellingstedt bei Uhrmacher Petersen feine Schwester." „So ist sie wieder zurück von Amerika?" „Sie ist gar nicht hingekommen. Unterwegs ist ihr wohl schon ihr bißchen Mut vergangen." „Leidet sie Not? Sage mir alles, Niels." „Ach nein, Not haben sie nicht gelitten, ihre Tochter verdient auch." '/Sie sieht dir aufs Haar ähnlich, Jan." 338 Bau stützte den Kopf in die Hand, wie jemand, der Kopfschmerzen hat oder schwer nachdenkt. „Meine Tochter," murmelte er. In der Stalltür erschien wieder der Knecht. „Uns' Herr" . . . „Fahrt man allein los. Aber ladet nicht zn voll," rief der Bauer, dann wandte er sich an Mels. „Wie heißt meine Tochter?" „Janne." „Janne." Ein schmerzliches Lächeln zuckte um Jans Mund. Frauke faß noch immer bleich und starr. „Tine hat Sie hergeschickt?" fragte sie. „Ja, Tine hat mich geschickt. Sie möchte Jan gern noch mal sehen." „Hole sie, Jan," murmelte das blasse Weib fast unhörbar, „sie hat ältere Rechte." „Warum kam sie denn nicht?" fragte Jan. „Mein Haus stand ihr immer offen." „Sie hat die Schwindsucht. Sie wird es wohl nicht lange mehr machen. Der Doktor sagte, sie würde den September nicht mehr erleben." Jan war blaß geworden. Stumm, aufs tiefste erschüttert, .sah er vor sich nieder. Frauke rannen die Tränen, eine nach der anderen, über die Wangen, und sie vergaß, sie abzutrocknen. „Hat sie da schon immer gewohnt in Hellingstedt?" fragte Jan. „Nein, sie ist die meiste Zeit in Hamburg gewesen." Jan seufzte tief auf. „So nahe, so nahe, und ich ahnte es nicht." Eine Pause entstand. Alle drei sahen still und bedrückt vor sich hin. Das Rollen des Wagens die Trift entlang lvar längst verklungen. Niels unterbrach das Schweigen. „Sie wartet auf dich, Jan." . komme!" rief Jan und sprang auf. Da flog sein Blick zum Fenster. „Was mache ich bloß," sagte er verzweifelt, „das Heu steht noch alles vor dem Einfahren. Die Leute sind auf der Fenne. Wenn es ein Gewitter gibt, ist meine ganze Ernte hin." Frauke Steffens hob ihre tränenfeuchten Wimpern. Ihre alte Energie kehrte zurück. „Du kannst nicht fahren heute," sagte sie, „die Leute betrinken sich; ohne Herr ist kein Verlaß aus sie." „Wer wenn Tine sterben sollte, ohne daß ich sie wieder- gesehen hätte, ich könnte meines Lebens nie wieder froh ..werden." . „Heute und morgen wird sie wohl noch nicht sterben," meinte Niels, „es geht langsam bergab mit ihr." „Dann fahre ich mit Niels," schlug Frauke vor. „Ich schreibe dir dann gleich, wie es steht, und wenn es not tut, telegraphiere ich. Mich könnt ihr hier entbehren. Die Außendeern kann schon mal einen Mehlbeutel oder Rauchfleisch mit Senfsauce kochen. Sollte sie nicht allein fertig werden, kann sie die Waschstina zuhilfenehmen." „Ja, das geht," meinte Niels.. Jan sah ihr dankbar in die Augen. „Ja, Frauke, reise in Gottes Namen, du wirst schon das Nichtige treffen." „Nun gut," sagte Franke, „ich will mich zurechtmachen und für das Essen sorgen; nach dem Mittag gehen wir." * Frauke Steffens trat an Tine Thomsens Krankenlager. Wenn sie nicht gewußt hätte, daß es Ttne wäre, die dort auf dem sauberen, rot- und ioeißkarierten Kissen lag, sie hätte sie nicht wiedererkannt. Entsetzlich bleich sah Tine Uns, ihr Haar war silberfarbig geworden, nur. ihre Augen waren groß und leuchtend wie immer. Leise setzte sich Frauke auf die Bettkante. Sie strich ihr das Kissen glatt, sie beugte sich tief über sie, sobald die Kranke nur ein wenig die Lippen öffnete. Sie konnte beit stolzen Nacken so tief beugen. Sie konnte die Helle Stimme zu einem so sanften Tone dämpfen. Ihre klaren, Hellen Augen konnten so sanft und liebevoll blicken. Merkwürdig, Tine empfand nicht ntehr die Scheu vor ryr, die sie einst vor dem stolzen, klugen Mädchen gehabt hatte Es war ihr, als wäre einx liebe, alte Freundin zu ihr gekoinmen. Die beiden verstanden sich so gut, als hätten nie viele Jähre, viele Meilen und viel Leid zwischen Hnen gelegen. „Das ist meine Mutter," sagte Tüte und deutete auf Lrese, die alle Augenblicke mit einer Kumme Suppe, einer Tasse Haferschleim oder einem weichgekochten Ei hereinkam und Tine am liebsten totgefüttert hätte. Franke verstand was das heißen sollte: ineine Mutter. Nach, der wirklichen Mutter fühlte sie kein Verlangen. Als Janne ins Stornier trat, sah Frauke sofort an der Ähnlichkeit mit Jan, wen sie vor sich hatte. „Sie sieht dir ähnlich, nicht wahr?" fragte Tine. Da empfand Frauke, wie hoch sie in den Augen der totkranken Frau stand, dieser Frau, die allein berufen war, sie zu richten. Ein Gefühl der Scham, wie sie es nie empfunden, beschlich sie. Als sie aber noch immer Tines fragende Augen auf sich gerichtet sah, sprach sie: „Ja, sie sieht mir ähnlich; sie ist bloß noch viel hübscher als ich." „Sie hat einen Bräutigam, Mars Harbek von Harbeks- hof," sagte Tine, und sie winkte Janne mit den Augen, daß sie etwas von ihm erzähle. Janne erzählte stockend mit heißen Wangen, und die Mutter hörte mit seligem Lächeln zu. „Ich muß aber noch ein Jähr die Milchwirtschaft lernen," sagte Janne wichtig, „eher gibt es seine Mutter nicht zu." „Dann kannst du mit mir nach Spätinghof kommen; ich will dir alles schön zeigen." In Tines Antlitz gruben, sich Angstfalten. „Nein, nein," flüsterte sie, „nicht nach der Marsch, da ist es so kält." Frauke sah sie an und begriff, daß sie nicht die äußer- liche Kälte meinte, sondern die innerliche, die von den Herzen der Menschen ausströmte. Sie begriff es, weil sic selber seit Jahren unter dieser Kälte litt. Aber bei ihr war es dennoch etwas anderes: die Marsch war ihre Heimat. Sie konnte sich nicht von ihr trennen. „Ja," sagte sie. „Mit der Marsch geht es einem wie mit einem stillen, wortkargen Menschen; man muß sie erst ganz genau kennen lernen, wenn man sie liebgeivinnen soll." „Wann kommt Jan?" fragte die Kranke. „Morgeu,oder übermorgen, er kommt ganz, bestimmt." (Fortsetzung folgt.) Der Heid. Von Wilhelm Holzanter Der Ochsenwirt zu Schafbach hatte ein Preiskegeln ausgeschrieben. „Erster Preis: eine goldene Uhr, zweiter Preis: ein Negulateur, dritter Preis: ein Revolver." Er hatte damit die ganze Gegend in Aufruhr gebracht. SÄ hohe Preise, das war ja unerhört! Allerdings war auch der Einsatz ziemlich hoch. Aber bas war ja natürlich. Ter Ochsenwirt lachte sich ins Fäustchen. . Er hatte es gut gemacht diesmal. Tie ganze Woche !var sein Lokal jeden Abend gestopft voll. Jeder wollte die Preise sehen. Es war ja nicht zu glauben, so hohe Preise! Und erst am Sonntag! Ta war's ein Geschäft! Von Latzcnbach kamen sic, von Werden, von Bellen- bach, von Sundsbach, ja von Hatzbach, ganz drüben hinterm Gebirge, und von Weilau und Buchenau, ganz drunten im Tal, fünf, sechs Stunden Wegs. Er hatte es dem Sternwirt zum Aerger getan. Darüber konnte der nicht. Es war für die Pfingstmufik, die der ihm abgespannt hatte. „Dem hewwe mer entöl — ha, ha, ha! — E Schoppe noch, Hannes? — int Sie auch noch an. Herr Nochbcr? — Na — un sein Se de Sunndag auch bebet? — Tiie schön guldenigl Uhr! — Ts gucke Se nor emol! — - — — Prost! Sekütmms Ihne!" Es war erst Mittwoch heut, aber der Ochsenwirt animierte schon tüchtig. Er war ein Geschäftsmann. „Wann mer Wert es, mich mer Wert sein!" war sein Wort. Und darin lag ihm alte Klugheit und Geschicklichkeit, alle List nnd Verschmitztheit als Recht und Sinn des Lebens. Eins war dumm, daß ihm jetzt grad — es war am Donnerstag nachmittag — seine „Alte" ins Kindbett kommen mußt?. — Wer, Deiwel, sollte die Arbeit all schassen aM Sonntag! Ta hieß es Beine machen, — unter Umständen auch Fäuste, Vor allen Tingen aber: Hand zn und Angen auf? Aber der Peter Knoll war ein Geschäftsmann. „Wann mer Wert ss, muß mer Wert sein!" • i _ Er ließ ausschellen und ins „Kreisblättchen" setzen, daß das Kegeln auf den Sonntag darauf verschoben sei — „auf Wunsch vieler Kegler aus Schafbach und Umgegend" — und daß die Preise im großen Saal „zum Ochsen" ausgestellt blieben. Das gab Aerger. Tas vermehrte aber auch die Hitze. Jeder war letzt ungeduldig. Ter Ochsenwirt wußte das, er verstand fein Geschäft. Er kannte aber auch seine Leute. Jeder hatte ja ut Gedanken schon die goldene Uhr in der Tasche — oder den 339 Regulateur an der Wand — oder wenigstens knallte er schon init dem Revolver. Ter Ochsenwirt hatte so noch einmal am Sonntag ein vollbesetztes Lokal und das Haus „tiolt Disput", wobei er tapfer ausschenken konnte. Er hatte „feinen Schnitt" bereits gemacht. „Ja, das Geschäft muss man verstehen!" Er hatte beinahe die Preise schon wieder verdient. Tenn wieder waren sie gekommen, von Latzenbach und Werden, von Bellenbach und Sundsbach, ja von Hatzbach, von Werlau und Buchenau sogar. Es war ja „was Unerhörtes", kaum zu glauben. So hohe Preise! Man hatte „das Kreisblättchen" dreimal durchstudiert und jedem! Schellen genau zugehört, ob es nicht wieder eine Verschiebung gegeben habe. Keiner hatte was davon gelesen, ausgeschellt Unir'S auch nicht worden. Tas Preiskegeln fand also statt. „Sonntag nachmittag von 3 Uhr ab." Schon am Sonntagmorgen giug's beim Ochsenwirt hoch her. „Ich wett' en Humpe" —. „ich e Fäßche" — „der krickt die Uhr — der krickt se!" i „Halt die Meiler!" sagte der Schusteranton. „De Hann- philipp von Garnbach hot uoch all die Preiskegele rundherum gewänne, der krickt nach die Uhr diesmal — do will ich eich mein Kopp verwette. Un ich were den Regulateur krieje, daß er meiner Fraa als die Stunne schläigt, wann ich owends hocke bleib" — fügte er hinzu. Es war noch kein rechter Witz, wie sie der Schusteranton sonst machte, aber er hatte auch noch nicht „■unnerm! Dach". Schlag drei Uhr warf dann Peter Knoll eine Kugel in die Vollen. Tamit eröffnete er das Preiskegeln. Und dann begann die Reihe. Auf jeden Einsatz drei Kugeln, die erste in die Vollen. Ter Polizeidiener nnd der Lehrer führten die Liste. Die waren unparteiisch. Anfangs giug's' still her. Nur bei einem guten' Wurf ein kurzes Hal loh. Tann ruhig die Reihe weiter. Der Lehrer rief die Namen und bestimmte! die Kugeln, der Polizeidiener rief die Würfe. Gegen vier Uhr kamen die Burschen aus Buchenau. Sie kamen alle auf einmal, während sich die Gäste aus den anderen Ortschaften vereinzelt, zu zweien oder dreien, eingefunden hatten. Bei den Buchenauern war der „Jean". Der genoß ein ganz besonderes Ansehen. Der Jean würde in der Gegend mir mit seinem Vornamen genannt. Höchstens hieß er auch noch „der Herr Ober"', Er war nicht in der Gegend geboren, er war ein Rheinhesse. Er war nut dein Grafen „herüber" gekommen, als dieser vom Militär kam. Er war sein Bursche gewesen — bei der Artillerie hatten sie gedient — und der Jean hatte deut Grafen gefallen. Und der Jean war auch gerne mit ihm gegangen. Während des Manövers hatte er mal im Odenwald gelegen, und da hatte es ihm gefallen: der Wald, die Berge! Seit ztvei Jahren etwa war er nun der Oberknecht auf dem Gute des Grafen. So hatte er sich in die Höhe geschafft. Und er war auch ganz der Kerl dazus. Schöner war keiner weit und breit. Und keiner stolzer. Und gut Ivar er. Er sorgte für seine Knechte; was sie ihm! klagten, vertrat er beim Grafen. Und er forderte auch nicht zu viel von ihnen, keine Arbeit, die er nicht selbst tat. Er tat allen voraus. Er hatte die schönsten Pferde. Die Schimmel hatte er sich genommen. Und iuie_ sauber waren sie immer, wie glänzten sie. Er tat alles selbst, er lies; Wü nichts tun, so leicht er das! gekonnt hätte. — Der Jean hielt sich stramm. Man mußte ihn fahren sehen, um: ihn zu bewundern. Er stand immer auf seinem Wagen. Und man mußte den Jean gehen sehen, um zu wissen, daß er ein „Anderer" war. Er hatte nicht den schweren, tappenden Gang der Gebirgler, er schritt rasch, gerade, kerzengerade mit gehobener Brust. Er stieß nie an, er stolperte nie. In seinem Tritt war Tempo. Aber auch Krast und noch Mehr Selbstbewußtsein lag darin. Ter Gutsverwalter, in seinem besten Staat, sah neben dem Jean wie ein gewöhnlicher Knecht aus. Der Jean hätte der Graf selbst fein können. Er hatte Augen, die förmlich glühten, die alles festhielten, die alles lenkten. Wenn er über den • Hof schritt, entging ihm nichts, wenn er über die Straße ging, war's, als ginge er allein. Er war kein Diener und kein Ducker. Ter Jean war ein Herr. » Er war Knecht, aber wem siel das ein! Niemand dachte daran. Er war's am Gesindetisch — und da saß er oben! —> sonst war er's nie. Er war der „Ober". Unser „Ober" sagten die Kiiechte und die Mägde — „der Gutsober" hieß er in Buchenau. ~te Mägde waren sämtlich in ihn verschossen, die Mädchen von Buchenau träumten von ihm. Er hätte sie billig wie Wecken haben können, die armen wie die reichen. Er wollte keine. Er hatte keiner Magd noch einen verlangenden Blick zngeworsen, wie er sie auch schon gesehen hatte. Und nichts hatte bei ihm verfangen, wie's auch Manche schon angelegt hatte. Kein Mädchen von Buchenau konnte sich seiner Gunst rühmen, er sah jede so stolz und unbefangen: mit seinen scharfen Augen an, als seien sie alle gleich schön, oder gleich häßlich. Mle waren sie ih'ist gleichgültig. Man sagte darum, er habe einen Schätz' „überm Rhein", dem fei er treu. Außerdem — man mußte den Jean noch am Sonntag sehen, wenn er im Wirtshaus war. Da war er vornehm. Da rüpelte er nicht, da schrie er nichts Er saß vor seinem Bier und hörtü zu, gerade als gehöre er nicht zu den Sentern, als fei er nur zufällig unter sie geraten und suche auf gute Art mit ihnen aus- zukommen. Als sei er andere Gesellschaft gewöhnt. Und wick- sich, der Schullehrer setzte sich zu ihm, der Bahuassisteut und der Postassisteut, der Gutsverwalter und der Eenuindeschreiber. Er war ihnen der „Ober", und man brauchte sich nicht zu schämen mit ihm. Er sprach, was er verstand, und was er nicht verstand, redete er nicht. Hatte er sich aber eine Meinung gebildet, vertrat er sie mit Wärmes So jüngst, als die Hubuerslies mit ihrem Kind in den Grasenteich gegangen war. Alle verurteilten sie — wegen des Kindes und wegen des Selbstmordes. Ter Jean allein tat's nicht. Er sprach für sie — er entschuldigte nicht, er erklärte nur. „Leid ist mir für die arme Lies, was soll ich sie verdammen! Tas Kind — ich kauu's schon verstehen, wie das Mädel vertraute und fiel. Sie hat den Franz wohl gern! gehabt und das kann was heißen bei einem jungen, feurigen! Ding — und daß sie, wie alles so auSging und zu Ende ging, verzweifelte, — ich kaun's schon verstehen. Ta sind die Mensche« alle so gut und haben nie einen Fehler gemacht und Wersen darauf, als ob sie dazu bestellt seien. Aber helfen, helfen! —- gibt’» nicht. Tie Menschen haben da immer Mitschuld, und ein gut Teil, gerade die „guten", die das Maul so voll nehmen, und die „strengen", die so harte Augen, so verächtliche Blicke haben. Weh tun — wer nicht weiß, was weh tun heißt, der soll da nicht richten, das ist meine Meinung", schloß er. Und er war sogar ein wenig hitzig dabei geworden, ganz gegen feine Art. Und als der Schullehrer und der Gemeindeschreiber abends! noch ein Stück zusammen gingen atif dem gleichen Heimweg, da meinte der Lehrer: „Was der „Herr Ober" da gesagt hat — es ging an mich. Tas steht nicht im Katechismus — das kommt ans dem Herzen. Ter muß schon was erlebt haben, der „Herr Ober". Mir ist das heut abend einHefalleu, so was kann Man nur erleben. Ter trägt was in sich herum, kommt's mir jetzt vor. Aber ich hab Respekt. Ich hab Respekt." Manche sagten, der Jean fei selbst ein Grafensohn. Andere,' aber behaupteten — und das waren ein paar, die mit ihm beim Militär waren — er sei das uneheliche Kind einer Schauspielerin. Man erzählte sich das im ganzen Torf. Aber es schadete dorn Jean nicht. Er war einer von den Menschen, die nteilt nicht nach Stellung, nach Herkunft und Anhang beurteilt, die man als sch selbst nimmt und nach dem Werte schätzt, der in ihrem Benehmen, ihrem Tun, ihren Leistungen, ihrer Art, eben in ihrer Persönlichkeit in die Erscheinung tritt. Tarnt Ivar er ein Glücklicher. Was aber seine Herknnst anbetrifft, so war er wirklich der Sohn einer Schauspielerin, in wilder Ehe geboren, als seine Mutten die „Direktriee" einer Schmiere war. Und er hatte ein Schicksal, er hatte „was erlebt". Als Kind hatte er schon auf der Bühne: gestanden. Als Kind schon hatte er gehungert, hatte er stehlen! müssen, und ost war gerade er's gewesen, den man geschickt benutzt: hatte, die vielen Gläubiger, die's an jedem Orte rasch gab, tötet ihr Karren hielt, hinters Licht zu sühreu. Und welches Leben halte gerade er gehabt bei dem Vater, dem „Direktor". Manchmal sielen ihm die hübschen Titel ein, die ihm' der Vater beigelegt hatte. Tann knirschte er. Aber weinen Hütt' er mögen, wenn et an all die Gemeinheiten und Lüderlich- f eiten dachte, die er hatte au sehen müssen. Wozu hatte diö 9iot nur seine Mutter ost gezwungen! Er schämte sich heute noch. Eine Blutwelle stieg ihm jedesmal heiß ins Gesicht. Da hatte eo Verachtung und — Verzeihung gelernt. Tenn er hatte sie in Berzweislung gesehen, wildfeindlich gegen sich selbst, erstickend vor Ekel — vor Haß und Scham. Da hatte er daZ Mitleid gelernt. Früh war er reif geworden. Tas Schicksal hatte, ihn in diä Lehre genommen. Es hatte ihm die Jugend vergiftet, denn es hatte seinen Kinderaugen das Leben gezeigt, in seiner Härte und seinem Schmutz, in seinen Abgründen, Lockungen und Falsch-- heiten. Da ward er in sich selbst zurückgeschreckt. Er fühlte sich als Gegner zum Leben, zu all seinen Reizen und Genüssen. Sein! Wille ward so geweckt. Dem Leben einen besseren Wert! schrie's in ihm. Er hielt sich allein. Er war errtst. Er ward sroh im Freie«, befreit und gesund in der Natur draußen, wenn er im Grase lag, wenn er die Straße hinwanderte, wenn er die Vögel singeir hörte, die Blumen blühen sah und die Bäume Früchte tragen. Ten Bauer liebte er, der den Acker bestellte, und er hätte einen Tag» lang zusehen können, wie sein Pflug durch den Boden schnitt. So hatte ihn fein Schicksal geformt. Gering war er, aber so jung er noch war, er hatte sich nicht tzerabziehen lassen. Er hatte einen Stolz in sich und eine starkes Sicherheit. Und das wußte er: Klagen und Sehnen konntest ihmj nicht helfen, es galt eine Tat. Er war fiebenzehu geworden, und eines Tag s wüßte er, waS et tun müßte. Eine ekelhafte Szene zu Hause hatte ihn zum Entschluß gebrächt. Ganz plötzlich war’s ihm eingefallen: er wollte ein Bauer Werden. Morgen wollte feine Gesellschaft weiter» ziehen. Am Abend ging er. Ohne 'Abschied, gleichsam ein Wankend» 340 Redaktion: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießer». seine Abberufung zu bitten. In einer Dezeinbernacht nahm der Oberst in einem kleinen Blockhaus am Rande des Lagers Quartier, um 'ben unsichtbaren Feind zu erwarten. Und er kam. „Ich hörte das Brechen von Zweigen, das Rauschen der Schlingpflanzen in nächster Nähe und ich hatte das Gefühl, daß die Bestie mich umkreiste. Ich sah nichts, aber ich hörte das Geräusch im Walde, bald hier, bald dort. Nur >ver in ähnlicher Lage tvar, kennt diese verzweifelte Nervenanspannung, wenn man einen todbringenden Feind in nächster Nähe weiß und ihn doch nicht sehen kann. Plötzlich ivar es mir, als gewahrte ich einige Meter von mit zwei blinkende Punkte, und dann sah ich dunkle, sich bewegende Formen. War es eine Halluzination? War es Wirklichkeit? ... Ich legte den Karabiner au und zog den Drücker . . . Ein furchtbares Gebrüll antwortete. Es war der Löwe! Der Boden zitterte unter den wilden Sprüngen und dem heiseren Brüllen, das sich immer mehr entfernte und schließlich verstummte. Im nahen Kamp ertönten Freudenschreie und wuchsen zu jubelndem Triumph. Aber erst am Morgen wagte man sich zu nähern. Die Bestie war tot. Die Kugel war durch die linke Schulter eingedrungen. Der Löwe hatte eine Länge von 3'/2 Metern und zehn Arbeiter waren nötig, ihn zu tragen. Ans dem prächtigen Fell sah man noch die Spuren der Verletzungen, die unser Stacheldraht ihm beigebracht hatte, wenn er nachts die Umzäunung durchschlich." Vier Tage später wurde auch die Löwin, fast an der gleichen Stelle, erlegt. Es war ein heißer Kampf; erst nach sechs Kugeln wich das-Leben aus ihrem machtvollen Körper, vermischtes. ' V i k t o r H u g o b e i m K o r r e k t u r l e s e n. Gustav Simon erzählt in der „Revue", in welcher gründlichen Weise Viktor Hugo den Roman „Les Miserables", den er stir 300,000 Fr. an die belgischen Verleger Lacroix und Verboekhovcn verknust hatte, für den Druck vorbereitete. Die Bücher sollten gleichzeitig in Paris und in Brüssel veröffentlicht werden, und Hugo ivollte die Korrekturen selbst lesen. Lacroix hätte ihm gern die undankbare Aufgabe erspart, aber der Dichter ließ nicht mit sich reden, und so geschah es, daß die Bürstenabzüge den Weg von Brüssel nach Guerusp, wo Hugo als Verbannter lebte, oft zwei- oder dreimal zurücklegen mußten. Nicht selten verlangte der Dichter wegen eines einzigen fortgelassenen Kommas einen neuen Probeabzug. Auf die berufsmäßigen Korrektoren war er nicht gut zu sprechen. „So oft vor einein „et" em Komma steht", sagt er. „streicht der Korrektor es fort; der gute Manu weiß eben nicht, daß oft auch vor einem Bindewort ein Komina stehen muß." Ein anderutal griff er die Grammatiker am „Statt „bvets (Kornblumen), schrieb er, „muß es „blenetS" heißen. Mail kuminre sich nicht um Wörterbücher, denn diese sind nur für Esel da * Er braucht nicht kommen. Allenthalben greift eine sprachliche Neuerung immer mehr um sich, der man entgegcntreten sollte. Nach alter, guter Regel wird „brauchen" nicht wie „durien^ müssen, können, sollen" ufiv. mit der bloßen Nennform ohne „zu verbunben, unb bnit cilio nicht heißen: er drnucht nicht t'onnnen, er braucht sich nicht scheiten usw., wie man jetzt so häufig liest tlnS hört Diesen Mißbrauch inacht auch nicht der Umstand zu einem entschuldbareii Brauche, daß er sich schon in Romane einnistet, wo man z. B. lesen tarnt: „Ich brauche doch nicht Gerhard sagen, ich sage Gerti." Das Gefühl, daß es unstatthaft ist, das „zu" auszulassen, hat wohl auch der Verfasser folgendes Satzes gehabt: „Sie braiicht nicht einmal selber ihr Zimmer aufräumen und weder das Bett der Herrin noch ihr eigenes zu machen." Allein „machen" hier zu sagen, ohne „zu", das schien selbst dem doch zu gewagt zu Hingen, der eS bei „atlfräumen" ohne Bedenken weglteß. Jedenfalls sollte diese Weglassung des „zu" bei „brauchen" m der Schriftsprache nur da geduldet werden, wo man sie schon seit alters um des Wohllauts willen kennt, näntlich da, ivo „brauchen" selbst mit „zu" verbundeii ist, z. B. „Ohne eine Entdeckmtg befürchten zu brauchen." Int übrigen tst es aber besser, das „zu" 51t fetzen; denn „Was ich tticht tim brauche" tt. ä. ist zwar angeglichen an „Was ich nicht tun darf, soll usw.", aber es macht doch den Eindruck der Nachlässigkeit, des Sichgehenlassens, und das sollte in der Schrist- spräche vermiedett werden. werden fürchtend. Und er sand auch eine Stelle und blieb, bis er „einrücken" mußte. ,, . So war er frei geworden. Er arbeitete mit Pflug und Hacke, unermüdlich, und atmete auf. Er befreite sich. , , , _ A Manchmal zerrte es ja in ihm, so gering zu sein und unbeachtet. Aber er sprach sich Mut und Hoffnung zu. Geduld und Ausdauer, sagte er sich. Er lvürdc schon „hinaus" kommen. Langsam tn sich — und dann auch vor den Menschen. . Und er hatte ja auch ein wenig Glück dabei. Wenigstens war s ein Glück zu nennen, daß er an den Grafen gekommen lvar. (Fortsetzung folgt.) Die Löwenplage in Uganda. Bon den Gefahren des löwenreichen Landes, das Roosevelt auf seiner Jagdexpedition jetzt durchqueren wird, gibt Stephane Lanzanne im „Matin" eine lebendige Schilderung. Er stützt sich dabei aus den Bericht des leitenden Ingenieurs am Bau der Ugaudabahn Colonel Patterson, der seinerzeit die Leitung der Arbeiten übernahm, als die Fortsetzung des Baues ins Stocken geriet, weil die Löwen unter den Bahnarbeitern furchtbare Ver- heerungen anrichteten. Aus der Reise zu seinem neuen Arbeitsfelde traf Colonel Patterson am Fuße des Kilimandscharo euten heimkehrenden Kollegen. „Wie stehts mit den Arbeiten?" „Schlecht." „Warum?" „Weil die Löwen sich dem Bahnbau entgegenstellen." Patterson lächelte überlegen und mtglättbig. Aber als er in Tsapo, dem Endpunkt des Schienenstranges, eintraf, verlor er sein Lächeln. Die Arbeiterschaft war in unbeschreiblicher Aufregung; überall Schrecken, überall Furcht und Entsetzen. Schweigend führte man den neuen Ingenieur in den Busch. Auf einer kleinen Lichtung war der trockene Boden blut- gefärbt. Unb von bem roten Grunde hoben sich bleiche Knochenreste ab. Einige Schritte weiter, am Rande der Lichtung, lag ein fast völlig intakter Menschenkopf. Die Augen waren weit geöffnet, das Grauen schien noch in ihnen zu wohnen und die Lippen waren noch verzerrt von einem letzten gellenden Todesschrei. Noch träufelten ans den zerrissenen Adern am Halsstumpfe einige letzte Tropfen dicken schwarzen Blutes. Die Kulis erzählten dann die Tragödie. Am Abend vorher hakte der Löwe fein Opfer aus dem Kamp geholt unb hierhin geschleppt. Nur einen Schrei hatte man gehört, einen Todesschrei, und dann das knirschende Brechen von Knochen. Niemand wagte sich in bas Gebüsch. Der Getötete war bas siebzehnte Opfer im Laufe von vierzehn Tagen. Der neue Ingenieur versuchte die Arbeiter zu beruhigen. Der Kamp warb mit hohen Pallisaden umzäunt, Drahtnetze gezogen und allnächtlich mit dem Anfglimmen der Lagerfeuer ertönten weithin hallend die dumpfen Schläge des Gongs. Rings um bas Lager aber patrouillierten bewaffnete Wächter. Zwei Tage später holte ber Löwe einen der Wächter. Unhörbar war er herangeschlichen, bas unglückliche Opfer hatte keine Zeit, von seinen Waffen Gebrauch zu machen. Man fanb .ihn einige hundert Meter vom Kamp, nur noch ein Haufen von Knochenresten, unter ihnen die Hanb, die noch krampfhaft ben Revolver umspannte. Noch grauenvoller war bas Enbe eines armen Wasserträgers. Er hatte im Zelte geschlafen, den Kopf in ber Mitte des Zeltes, die Füße gegen ben Rand zu. Mit bem Dunkel kam ber Löwe. Er umstrich das Zelt, er suchte einen Eingang, aber alles war sorgsam verbarrikadiert. Da packt die Bestie den Fuß des Schläfers, ber ben Zeltrand streift, ein Ruck, der Schläfer erwacht und ein markerschütterndes Schmerzensgeheul klingt durch die Nacht. Mit den Händen hat der Wasserträger die Stützen des Zeltes ergriffen. Der Löwe zerrt, er sieht, baß er sein Opfer nicht sofort znm Schiveigen bringt, unb nun entsteht ein kurzer, gräßlicher Kampf. In ben Schenkeln bes Unglücklichen wühlen die Tatzen des Raubtieres, Sehnen werden zerrissen, brechende Knochen knirschen: nach wenigen Sekunden hat der Löwe bas Bein vom Rumpfe gerissen und schleppt es in die Dunkelheit. Einige Stunden später ist ber Wasserträger eine Leiche. Es war das siebennnbzwanzigste Opfer des Löwen. Umsonst versuchte Colonel Patterson, das blutgierige Raubtier zu überlisten, das 500 Menschen hinderte, ihr Werk fortzusetzen. Man konstruierte große Fangeisen, nachts wurden blökende Schafe gefesselt, an ben Raub bes Gebüsches gebracht, aber der Löwe verschmähte die Köder. Tagaus, tagein holte er sich sein Opfer unter ben Arbeitern, bie an ber Strecke beschäftigt waren. Nach zwei Monaten waren vierzig Menschen bem Raubtier zum Opfer gefallen. Die Arbeiter weigerten sich, am Platze zu bleiben. Schon hatten zweihunbert von ihnen einen Zug aufgehalten und den Maschinisten gezwungen, sie aus dem Bereiche des Löwen zu bringen. Die indischen Kulis verlangten ihre Heimsendung. Das tvar der Generalstreik, und Patterson war im Begriff, um Ergänzuttgsrätsel. , b’ m.. .Le., M.. .e.sch .n. Ti.r; . u. . i.. § . a. [. f. l.. n: M..l.i. in.. d..l Auslösung in nächster Nummer: Auflösung bes Rösselsprungs in voriger Nummer: Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden, Es blüht das fernste, tiefste Tal: Nun, armes Herz, vergiß die Qual! Nun muß sich alles, alles wenden. L. Uhland.