TjQfqH] bAKiiJpI (909 — Nr. 69 UM li» MLÄ ®ÄW S Spätinghof. Roman von K. v. d. Eide.L (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Einmal in jeder Woche ging Jan nach seiner Verheiratung wie früher ins Kantorhaus. Anfangs veranlaßte er Tine mehrmals, ihn zu begleiten. Frauke kam der jungen Frau mit großer Herzlichkeit entgegen. Es wäre ihr eine Freude gewesen, wenn sie Tine hätte bilden und belehren können: aber alle ihre Bemühungen scheiterten an Tines Zurückhaltung. Das Verhältnis zwischen Jan und Frauke war wieder in die ruhige Bahn der Freundschaft gelenkt. Sie hatten beide ihre Wünsche und Hoffnungen eingepackt. Sie waren ruhige, leidenschaftslose Naturen; so konnten sie einander jetzt als treue Freunde zur Seite stehen. Im Kantorhause hatte sich manches geändert. Die Kantorsleute waren gealtert, ihre Kinder waren groß geworden. Einige waren fortgezogen. Der Jüngste, den einst Frauke und Jan abwechselnd im Kinderwagen gefahren hatten, war ein schlanker, junger Mann geworden, der in Segeberg das Seminar besuchte. Nur Frauke war zu Hause geblieben. Es hieß eine Zeitlang, der neue Elementarlehrer, der ein hübscher, junger Mensch war, wäre der rechte Mann für Frauke. Ja, die Bäckersche, die alles immer noch besser wußte als andere Leute, behauptete, Frauke hätte ihm einen Korb gegeben. Tatsache war, daß der junge Lehrer sich eine junge Frau aus Husum holte, und daß Frauke Steffens unverheiratet blieb. Frauke führte schon seit langer Zeit den Hausstand und pflegte die Mutter. Diese ehemals so rüstige Frau, die sich jahrelang gequält und gesorgt hatte, die mit viel Mühe und Plage eine Schar Kinder großgezogen hatte und bei aller Arbeit frisch und munter geblieben war, kränkelte, seitdem ihr die Last der Arbeit abgenommen war. In gekrümmter Stellung hockte sie hinter dem Ofen, klagte über Magenschmerzeu und Frost, vertrug kein Essen und war stets in grämlicher Stimmung. „Ist zu End' die Not — kommt der Tod!" — Fraukes war kein leichtes. Trotzdem verblaßten ihre rosigen Wangen nicht, und das liebe Lächeln um Mund und Augenwinkel blieb dasselbe. Für Jan Thomsen blieb Frauke der Sonnenschein auf seinem Lebenswege. * Vier Jahre waren verflossen, seitdem Jan Tine geheiratet hatte, seitdem Frau Anndortjen auf Holzpantoffeln in Spätinghof eingezogen war. Vier Jahre hatten genügt, um aus der hageren, vergrämten Frau eilte hübsche, stattliche Persönlichkeit zu machen, die manchem Manne noch begehrenswert erschien. So kam einmal aus Anlaß eines Fohlenkaufes ein Bauer aus Ostrup bei Husum auf Spätinghof. Er war ein Krüppelbauer, d. h. ein Bauer, der sich mühsam durcharbeitete, dazu war er ein Witwer und hatte daheim eine ungeordnete Wirtschaft und vier kleine Kinder. Manches Mal war er früher auf Spätinghof gekommen und hatte nicht ohne Genugtuung gedacht: „Hier steht es beinahe noch schlimmer als bei dir zu Hause." Jetzt freute er sich über das schöne stattliche Aussehen des Hofes. Er sah, wie Anndortjen schaltete und waltete. Er merkte bald, daß die flinke, rundliche Frau mit den blanken, braunen Äugen die Seele des Hauses war, und ihre schmucke, saubere Person gefiel ihm sehr gut. Bald kam er öfters nach Spätinghof, und eines Tages überraschte Anndortjen ihre Tochter und ihren Schwiegersohn mit der Mitteilung, daß sie sich wieder verheiraten werde. „Ich kann eine gute Partie machen," sagte sie, „ich darf mir nicht selbst im Lichte stehen. Eigner Herd ist Goldes wert! Ihr werdet auch ohne mich fertig." Wenige Wochen später führte Hasche Hasch aus Ostrup sie heim. Als sie in dem kleinen Einspänner vom Hofe fuhr, wandte sie noch einmal ihr blühendes, lächelndes Gesicht nickend zurück. Tine stand in der Tür. Sie blickte dem Wagen nach, bis er in der Dorfstraße verschwunden war, dann blickte sie sich einen Augenblick verzweifelt, wie hilfesuchend um. Die Mutter hatte ihrem Herzen nie nahe gestanden. Sie hatten sich nie verstanden. Tine war immer ganz anders gewesen als die Mutter; aber piese war für sie doch ctit körperlicher Halt gewesen. Jetzt fühlte sie sich ganz verlassen. Jan merkte wohl, daß die junge Frau nicht glücklich war. Er schrieb es der Trennung von der Mutter zu. Ihr blasses Aussehen, ihre traurigen Augen machten ihm Sorge und griffen ihm ans Herz. Er fing an, sie zu liebkosen, wenn er zu ihr trat; er strich ihr übers Haar, streichelte! ihre bleichen Wangen, scherzte mit ihr. Da machte er die Entdeckung, daß sie bei seiner Berührung zusammenznckte, daß sie in seinen Armen erschauerte. Er wurde stutzig. Was war das? Sollte sie wirklich etwas wunderlich em Kopfe sein, wie die Leute munkelten? Tiefes Mitleid ergriff ihn; er beobachtete sie öfters, und je mehr er sich mit ihrer Person beschäftigte, desto mehr fiel ihm ihre Schönheit ins Auge. Er begriff, daß ein Mensch wie Jak sich in sie verlieben mußte, und Jan Thomsen hätte kein Mann sein müssen, wenn er ruhig und kaltblütig nur die Schönheit seines Weibes bewundert hätte. Jan ivar auch nicht mehr der schmächtige, energielose junge Mensch von ehedem. Er hatte sich im Laufe der Jahre sehr zu seinem Vorteil verändert. Er war stärker und männlicher geworden. Ein kräftiger Schnurrbart beschattete seine Lippen, seine Hautfarbe spielte ins Bräunliche. Seine will bloß Haben, Was sein ist. Das! Kind hat er schon nach sich gezogen, dann kommt die Frau daran, und dann" — „Was dann?" , , . Die Kühe r-i wegen der Kühe hat er kerne Ruhe irrt Grabe." Die Mnnerdeern schüttelte sich vor Grauen. „Oha, oha, so'n Geist! Wie sieht er denn aus?" „Ganz weiß; seine Augen sind wie zwei durchgeglühte Kohlen. In jeder Vollmondnacht konrmt er durchs Haus der wie Dbü XTT Wenn doch Schaue einmal käme!" dachte sie. „Wenn ich sie doch einmal sprechen könnte; sie würde mir alles sagen." Aber Schane kam nicht. Einmal belauschte Tine ein Gespräch der Dienstmädchen. Die Mädchen waren beim Wäschespülen und hatten rhr Kommen überhört. Einen Moinent stand Tine zaghaft an der Tür der Waschküche. Sie hatte eigentlich nichts zu tun hier, nein, gar nichts. Nur die eigene innere Unruhe hatte sie hinausgetrieben. Die Großdeern würde sie vielleicht wieder so feindselig ansehen, als wenn sie feige» wollte: „Kann man denn nicht einen Augenblick allein sein?" Die Mädchen hatten ausgehört zu spülen. Der Korb mit Wäsche stand mitten auf der Diele, die Mädchen hockten am Waschkessel; sie hatten ihre nackten Arme in die blauleinenen Küchenschürzen gewickelt und erzählten sich etwas. Tine stand wie angewurzelt. „Was?" sagte die Mnnerdeern (sie war noch nicht lange im Hause). „Umgehen tut es hier? Oha, oha!" „Ja, aber das geht uns nichts an, das geht bloß den Herrn an und die Fran. Er ist doch ermordet worden, der arme Jak." „Um Gottes willen, ein Mord? Wer — der Herr?" „Still, still. Die Frau war ja seine Maut; sie hat sich was davon in den Kops gesetzt. Darum ist sie so still." „Oha, oha! Ich bleib' hier nicht, bei Geistern habe ich mich nicht vermietet." „Sei doch nicht dösig, Deern, dir tut er ja nichts, er Der Kronprinz war bei seinem Aufenthalt m Wien Gegenstand der allgemeinen Aufmerfianikeft, obwohl er sich; man bemerkte, nicht viel in der OesteMlichkeU zeigte. . Feuilletonist der Wiener „Zeit" hat versucht, jetn Bild; wie es sich der flüchtigen, aber eindringlichen Betrachtung bot, sestzn- Der Kronprinz von Spanien, Tvii Carlos, jaminerte M seinem! ehrgeizigen Gemüt: „Dreinndzwanzig Jahre, und noch nichts für die Unsterblichkeit getan!" Der! Kronprinz von Preußen jammert nicht, sondern erfindet einen ManpchetteNMoptz Dafür sicht er auch kreuzfidel aus. Und ist fabelhaft elegant. IN Berlin sagt man: Tipp topp! oder: Tadellos! Kem W? ßischer Kronprinz ist vorher so elegant. gewesen. Nicht Wi^ Helm II., der den schneidigen Soldaten immer zu strvmm be- tonte, nicht Friedrich, dessen Vater', der zu vvllbartig «ls deutscher Recke einherging, um sich füv jene rnternatiouale Eleganz Hin; |ic niuujit vivi I zu eignen; auch nicht Wilhelm, den die Hofgesckftchte heute den Aber es dauerte gewöhnlich I mrosen nennt, der fteilich als Sohn der schonen Iiecklcnburgischcn ' —‘ - '*■- nr"r-14" 1 Königin Luise sehr schön, aber nicht elegant gewesen ist Man muß schon bis zu Friedrich, dem wirkliche Großen, zuriick, wenn man ein Beispiel will. Der mag in seiner äugend inanche Neigung zur Eleganz gehabt baben, hiM auch E leidenschast- licker Liebe an den Franzojen; die damals der! Welt die -Uioofl diftierien. Wer er! konnte sich nicht ausleben, wurde als Kronprinz zu kurz gehalten, als daß er jidji zu lange ^stueiderriechi- mrngeu Hütte erlauben können, und war spaten als Komg zu sparsam, zu groß und auch viel zu sehr; mit wichtigeren j-titgen beschäftigt. Dieser Krionpvmz aber kann sich ausleben Er hat, in Bonn, die NM den Hals geschlungene Ntzrkette kreiert, die jetzt so modern ist, hat die hohen -stelchinlegkragen gefordert, hat nachher iwch Niel für das WinterspvrtkostüM getan, und lanciert jetzt in der preußischen Armee jene schlanke, vornehin nachlässige Haltung, die man schon längst an unteren KavallerreoffizrerenI kennt, und die bald zu erreichen ist, wenn nfan aufhort, die alt- preußische Ladstockstrammheit für' die beste Haltung dcr Männlich^ leit zu erklären, uiibi wenn Man ferner aufhort, feine Schulter^ und seine Brust zu wattieren. -Dieser Kronprinz wird cs bewirken, daß in der preußischen Armee der Verbrauchs an Watts auf ein Miiiimum herabsinkt. „ Ein schlanker junger Mann, mit einem schmalen, laugen Gesicht und einem schmalen blonden Kopf. Das glatte Haar engsiich gescheitelt Die Stirn sparsam und- ausfallend- schräg. Und eine schmale, lange Nase, dünn wie ein schlanker Zeigefinger und spitz wie ein Bleistift, senkt sich zu dem blondem Bchtchen herab, stoßt ein wenig vor sich her in die Luft, so daß dieses Gesicht etuüs Schnupperndes erhält. Zwei grad-stehende, kleine Augen, die auS- schen, als antworteten sie auf seinen Ruf. Zwei aufmerfiame;- ncugierige, bereitwillige und muntere Augen. Dazu em schmaler, fast immer gespitzter Mund. Menschen, die sich beobachtet suhlen! und die auch mit ihrer Befangenheit kämpfen, ziehen die Lippen so zusammen, lecken sie Und spitzen ftc so. Dieses Antlitz, das so schmal ist, als habe- mau es dünn gepreßt, hat noch- den Widerschein der Kindheit an sich; einer wohlerzogenen, braven Kindheit. Und die Züge der Männlichkeit sfitd darauf erst in Bildung begriffen, schreiben sich erst noch fit ganz zarten L-mien aus i dieses Gesicht. Mit diesem offenen, parallelen Lauscherblick dM Augen, mit -diesem spitzen Mund und der spitzen Nase erinnert rne)«fl I Antlitz manchmal au hie aufmerksamst Munterkeit eines GM Schultern waren breit geworden, er ging aufrecht, und in seinem Wesen drückte sich zielbewußte Kraft aus Jan Thomsen und seine Frau waren ein schönes Paar, es mußte wunderlich zugehen, wenn zwischen ihnen nicht eine echte schöne Liebe erblühen würde. Wenn wir ein Kitld bekämen!" dachte Jan, UNZ bei diesem Gedanken wurste ihm warm ums Herz. Seine Blicke suchten liebevoll in Tines Augen zu lesen, cu .. — aber das junge Weib sah scheu an ihm vorbei; es entlief I ihm, ehe er noch die rechten Worte gefunden hatte. . . 1 I „Hast du ihn schon gesehen?" Nach dem Fortgänge der Mutter fühlte sich Tine noch „Freilich — aber ich bin das gewöhnt, auf jedem weniger als früher Herrin auf dem Hofe. Früher hatte ordentlichen Bauernhof spukt es. Ich zieh meme Decke über die Mutter das Regiment geführt, sie hatte angeordnet, die Ohren und sag leise das Vaterunser her. ausgegeben und aus alles ein Auge gehabt. Jetzt kamen Die beiden Mädchen schüttelten sich vor Grauen, sm die Leute zu Tine, und stiese wurde in peinlichste Verlegen- I kicherten und schrien leise auf und getrauten sich nicht ins heit versetzt, wenn die Btnnerdeern fragte, wie sie dieses I Haus zurück. Tine schlich mit bebenden Knien fort. und jenes machen sollte, oder wenn stte Außendeern den I Als die nächste Vollmondnacht kam, lag sie fast feie Kopf in die Tür steckte und rief: „Uns Frau, was kocheri ganze Nacht mit offenen Augen im Bett, und als dann! wir heute?" , , . plötzlich ein Zweig gegen das Fenster wehte und ein leichter Dann war es Tine, als müsse jetzt eine helle, scharfe I Schatten ans ihr Bett fiel, schrie fte laut aus Stimme, eine andere als die ihrige antworten, sie sah sich I Jan mochte wohl glauben, daß Tme schwerträume, ratlos um und sagte schließlich: „Das ist gleich — ich I E-x erwachte, horchte einen Augenblick auf und schlief dann weiß nicht — was ihr wollt." Tine hatte wohl arbeiten I ruhig weiter. gelernt, aber sie verstand nicht, etwas M leiten, andere! I Am andern Morgen ging sie im Hause umher wie eine ihrem Willen dienstbar zu machen. I wandelnde Leiche. Sie saß oft, die Hände in feem Schoß, ihre Blicke schweif- (Fortsetzung folgt.) len über die Spätings, und sie dachte: „Ach, wenn ich . ... stoch arbeiten dürfte wie feie da draußen." Manchmal kam I VCt OCUtfu)C MONprMZ. ihr wohl wieder die Lust, ein Liedchen zu summen, aber sie hielt gleich erschrocken inne; das schickte sich wohl sür eine Dienstdeern, aber nicht für eine Bauersfrau. Da die junge Frau keine Freundinnen hatte unfe am fcsgejen V-ignagm !-»d |o «-tzSing«- di- Tag->n. gypyg-ggfc ^«51» 3»w»: Grübeln und Sinnen. So lief das junge Wem im Haufe | «- ©rnntirm- von Spanien. Don Carlos, jamim umher, ohne ihre Rechte und Pflichten zu erkennen; es wußte nicht, an wen es sich halten sollte, und wurde immer unsicherer und ratloser. Die Dienstboten aber hoben ihre Köpfe hoch, wurden dreist und laut und, wirtschafteten, wie es ihnen gefiel. Tine wagte es nicht, ihnen etwas zu sagen, und Jan kümmerte sich nicht um die Hauswirtschaft. Die junge Frau war zu schüchtern, die Mädchen zu bitten, dieses oder jenes zu tun; sie machte viel lieber selbst, was andere vergaßen. Al"" nicht lange, dann nahm eines der Mädchen ihr die Arbeit aus der Hand und sagtet „Das kann ich doch machen, uns Frau." Ja, es kam vor, daß die Großdeern, wenn sie ihre Frau bei einer Arbeit traf, schalt: „Uns Frau kann einem doch feen Mund vergönnen!" Daun lächelte Tine verlegen, ging in die Wohnstube und griff zum Strickstrumpf oder zur Zeitung. Immer wieder aber, wenn sie allein war, sanken ihre Hände in den Schoß, und ihr Blick glitt träumend 275 — unbewußte Werkzeug. . . donnernd ihre Löcher, zerschmetterte fallen auf die Straße, Stand wirbelt weilen bis zur Perastraße in dichten lischen Soldaten sind prachtvoll. Sie Momentbilder vom Kampf um Konstantinopel entwirft Luigi Barzini, der bekannte italienische Korrespondent, im Corriere della sera. Am Freitag, nach dem Selamlük, schien in Konstantinopel alles Leben zu stocken. Die bangende Erwartung kommenden Unheils lag über der Stadt, leer und verödet waren die sonst belebten Straßen, die meisten Läden geschlossen. Dumpf hallten die Hufschläge der Kavalleriepatrouillen und Meldereiter an den Straßen- wänden wieder ; den ganzen'-Tag über stürmten Reiter vom Hildiz-Kiosk zum Kriegsministerium und wieder zurück. Als die Sonne uuterging, breitete sich die schwüle Ruhe ungewissen Bangens über die schlafende Stadt. „Morgens gegen sechs ließ mich das dumpfe Dröhnen der Geschütze aufspringen und zum Fenster eilen. Dort unten lag das goldene Horn; es war ein herrlicher, sonniger Morgen. In der Ferne sah ich aufsteigende zuckende kleine Wölkchen: Gewehrfeuer. Zorniger dröhnte der Lärm int Norden. Und inmitten des Tumultes lag stumm und unbeweglich die Stadt, wie gebannt vor' Schrecken. Niemand wagte die Häuser zu verlassen. Als ich hinauseilte, stieß ich auf die ersten Detachements der mazedonischen Truppen, die in kleinen Gruppen durch das Straßengewirr zu. den Hügeln von Pera hinaufzogen.. Schnell, ruhig und sicher waren ihre Bewegungen, und man merkte, daß sie nach einem genau ausgearbeiteten einheitlichen Plane handelten. Immer wilder dröhnte der Schlachtenlärm. Man glaubte, der Mdiz würde- angegriffen. Viel war erzählt worden, von den neuen Befestigungen, die in den letzten Tagen aufgeführt wurden, von den Berteidigungsbatterien und von einer. Garnison von 6000 Mann, die den Palast bis zum Aeußersten verteidigen solle. Aber als ich die große Perastraße. hinaufeilte, sah ich, daß der Kampfplatz viel näher lag. Am Ende der Perastraße, wo der Weg zum Bosporus hinunter abzweigt, lagen Gruppen rumelifcher Gendarmen im Feuer. Der Angriff galt der Taschkischla- und der Taxim-Kaserne. Vom Ende der Grande Rue sieht man die Kasernenbauten, in ihrer Mitte ein altes Militärhaus mit großen viereckigen Fenstern, von alten Bäumen beschattet. Rechts davon erhebt sich ein alter Karakal, eines jener Wachthänser, die an strategischen Stellen der Stadt errichtet sind. Die Kasernen und das Wachthaus wurden mit verzweifelter Hartnäckigkeit verteidigt. Ein wüster Lärm tobt hier. In die Mauern reißen Granaten h tc tz 5t s e> r, nl rt ,s c- t. -ä tf Ä fr ' Fenster klirren und auf und bringt bis- Wolkeu. Die rume- feuern wie auf denk und Kaltblütigkeit. U t 1! 11 e Exerzierplatz, mit der größten Ruhe Die ganze Nacht sind sie marschiert, aber sie scheinen nicht ermüdet. Kräftige sehnige Gestalten von slawischem Typus, mit dem ruhigen Phlegma des Slawen. In den Winkeln der Häuser haben sie ihre Stellung; den Gewehrlauf an die Wand gelehnt, schießen sie kniend oder stehend; zwischen jedem Schuh nehmen sie einige Züge aus der Zigarette, die sie in der Linken zwischen zwei Fingern halten. Wenn eine Kugel sitzt, zieht ein befriedigtes Lächeln über ihre Züge. Die Ruhe der Schützen überträgt sich auf die Bevölkerung. Neugierige schlendern herbei, um' zuzuschauen. Da plötzlich, in der Mitte der Straße, schreit ein junger Mann auf, die Hand fährt zum Kopfe; er taumelt zwei, drei Schritte, dreht sich um sich selbst und fällt schlaff und schwer zur Erde. Der erste Tote. Die Zuschauer begreifen: dies ist Ernst. Eine Panik droht auszubrechen. Alles flüchtet. Nur die rauchenden unb1 schießenden Rumelier bleiben am Platz. Um halb acht konzentriert eine Batterie ihr Feuer auf die Taxim-Kaserne. Die Haltung der Bevölkerung ist völlig umgewandelt. Seltsames Schauspiel: Die Leute, die gestern vor dem Ungewissen zitterten, verlieren heute, da der Kampf wütet, jede Furcht und jubeln den Truppen zu. Aus dem Wachtturm wird das Feuer langsamer. Eine weiße Fahne erscheint und schließlich kommen die Verteidiger Mann um Mann dahergeschritten. Sie halten das Gewehr hoch in der Luft, werden umringt, entwaffnet und setzen sich ruhig in der Nähe eines Marmorbrunnen auf die Erde. Ich frage einen: „Warum habt ihr euch verteidigt?" Eine ungewisse Geberde ist seine Antwort. Er weiß nichts; der Befehl hieß kämpfen, sie haben gekämpft, bis, die Munition zu Ende war und dann haben sie eben aufgehört. Die Tasch- kischla-Kaserne ist noch um 11 Uhr der Gegenstand eines wilden Feuergefechts. Ein mazedonischer Stabsoffizier, der, in der Uniform des gemeinen Soldaten, den Kampf beobachtet, hat plötzlich einen genialen Einfall: Er läßt einen Trompeter kommen. Im Laufschritt stürmt ein Baschi- Buzuk herbei; von der Wichtigkeit seiner Mission erfüllt setzt er fein Instrument an und hell klingt das Signal durch den Lärm. Im selben Augenblick kommt ein Schweigen. Noch ein Gewehrschuß, dann noch einer: Jetzt ist es still. Auch die Belagerten stellen das Feuer ein. Sie haben das Signal gehört, auch sie sind türkische Soldaten: Sie befolgen es. * Verhandlungen werden eingeleitet, wenige Minuten später übergibt sich auch die Taschkischla-Kaserne. In der ganzen Stadt herrscht jetzt eine Stille, die nach dem stundenlangen Dröhnen der Geschütze und Knattern der Gewehre fast unheimlich wirkt. Durch die Straßen schleppt mau Verwundete. Hier kommt mit langsamen Schritten ein hünenhafter Albanese daher, das Gesicht vom Blute' grausig entstellt. Er schreitet ruhig dahin und sucht einen Wundarzt. Von den Balkons starren die Einwohner herab und bereiten dem Verwundeten eine brausende Ovation. Aber der Koloß bleibt völlig gleichgültig. Ein reines Taschentuch wäre ihm vielleicht angenehmer. Der Widerstand der Meuterer war sinnlos. Sie hatten die Verzögerung der mazedonischen Aktion nicht benutzt, keine strategischen Stellungen besetzt, keine Befestigungen angelegt, sie hatten nichts getan. Sie verfügten über zahlreiche Geschütze, aber nicht über die genügende Munition, trotzdem die Mazedonier die Pulvermagazine erst am 22. besetzt hatten. Sie ließen sich in ihren Kasernen sangen, wie Tiere in einer Falle; sie schossen aus den Fenstern. Keine Offiziere führten den Befehl; es war ein Zufall, der sie auf diese Seite warf, ebensogut hätten sie mit dem Gegner gekämpft wie gegen ihn. Im blutigen Drama bildeten sie nur das el h It rti t, t ■t e »I fr >1 e vermischte». * Ein Besuch 'bei Bismarck. Im- „Neuen Wiener Journal" veröffentlicht der! Historiker Dr. Friedjung eine bisher unbekannte Episode aus Bismarcks Leben. Es war kurz nach- der Entlassung des Mt-Reichskanzlers, als Friedjung ihm! in Fried- richsruh einen Besuch machte. „Ich hatte," erzählt der Historiker, „an den Reichskanzler eine E-mpfe'Uung, die sehr wirksam wär und durch die ich sofort bei ihm! em geführt wurde. Ich icIoHte von ihm! gewisse Fragen aus! der Vorgeschichte des Krieges von 1866 beantwortet 'haben. Er hat mir erlaubt, etwa drei Viertelstunden Mit ihm in seinem; schönen Mrk in Friedirichsruh seA Hörnchens. Ein Hvhestzollerugeficht, wie was es heute aus den Zügen Wilhelm II. oder aus denen des ersten' Wilhelm kennen, ist es nicht. Aber wenn man dies Profil betrachtet, die spitze, nach vorwärts weisende Nase, das' knappe KiNN, das unter dünnen Lippen weit zurückfliegt, dann erscheint uns oft Menzels gezeichnete Silhouette vor unserm Gedächtnis: Friedrich der ^Tie Aehnlichkeit ist 'da. Heber Generationen hinweg wiederholt sich in diesem Jüngling die äußere Gestalt des königlichen Freundes Voltaires, des kühnsten und besten Mannes', der je! auf Preußens 'Thron gesessen, der kinderlos aus der Welt ging', und seine Physiognomie b'm nach ihm kommenden HoheuzollerN nicht anfgedrnckt hat. JU diesem späten Anverwandten aber ist die Aehnlichkeit mit dem Erlauchten. Es ist das schmale, lauschende Antlitz, das immer ein wenig schräg und ein! wenig! geduckt ist, -es' ist die schmalschültrige, schlanke, in ihrer Haltung em' wenig nachlässige -Gestalt. Nur den Augen fehlt baS strahlende helle Feuer, das aus Friedrich des Großen Augen loderte Ob diese Aehnlichkeit ein Omen, ob sie eine wirkliche Verheißung ist. . . wer kann es wissen? Vorläufig hat der Kronprinz nur einen Manschettenknopf erfunden. Und- die breite Oeffeutlich-keit hat nur ' erfahren, daß er es war, der seinem! Vater die Artikel gegen Eulenburg zu lesen gab, ferner, daß er in jenen ernsten Novembertagen, in denen sich Deutschland gegen das persönliche Regiment Wilhelms II. mit ungeahnter Heftigkeit auflehnte, zwischen dem Kaiser und deut Kanzler vermittelte-. Sonst weiß -mian nicht viel von ihm. König Eduard, der als Sohn der Willensstärken Viktoria abseits stehe'U und! sich ohne Regierungsehrgeiz zeigen Mußte, hat all die unverbrauchten Kräfte seiner Jugend- dem Vergnügen und! der Moide gewidmet. Hab es Mag nicht zu den leichten, Nicht zu den, bequemen Dingest gehören. Unter dem! lebhaften, befehlsfroheN, selbstbewußten Wil- helm II. Kronprinz zu sein. In jedem Kronprinzen, in dem stillsten wie in dem lautesten, kann man sich! täuschen. Die Kunst der Nachfolger liegt -ganz in ihrer Diskretion, in ihrem Takt, abseits zu stehen, int Schatten zu bleiben, ihr innerstes' Wesenj nicht erkennen zu lassen. Wie soll Man in diesem jungen Mann, der jetzt so hübsch! Bobsleigh' fährt und so elegante Kleider trägt, den künftigen Kaiser erkennen? Nichts erhoffen und auf alles gefaßt sein, ist eine gute Lebensregel. Man kann es auch mit den Nachfolgern so halten. Begleiter zu sein und an iW bte Von Mir beabuchtlaten Fragen! zu stellen, die er mir Mit einem großartigen Fluß der Rede beantwortete. Ich habe dieses Gespräch im Anhang mernes Werkes: „Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland" mitgeterlt — man kann aber unmöglich den ethischen Charakter wiedergeben, den die Erzählung zur Rechtfertigung seiner Politik trug. Den Höhepunkt jedoch erreichte die Szene, als der Fürst sich nach entern! dreiviertelstündigen Spazittgang auf eine Bank niederließ unb mich einlud, neben ihm Platz, zu nehmen, den Bericht über die Vergangenheit beendigte und auf die Gegenwart 'tote auf sein persönliches Geschick zu sprechen kam. Ev war iM März 1890 entlassen worden, und im Juli, als er mit mir sprach, wühlte itnb kochte noch die Erbitterung für die erlittene Unbill in seinem Innern. Aeußerlich puhig, aber offenbar in tiefer Erregung sprach er von dein Gegensatz des Alters, der sich zwischen dem jungen Kaiser und dem greisen Kanzler! herausgebildet hatte, ein Gegensatz, der nicht mehr zu überbrücken war. Dann fuhr er fort: „Ich lese in Meiner Zurückgezogenheit die Mramenj Schillers, und als ich! 'jüngst beim Schlafengehen die „Räuber" vvrnahm, kam ich an die ergreifende Stelle, ivo Franz den alten Moor ins Grab zurückschleudert mit den Worten: „Was, willst du denn etoig leben?" Und da stand mir mein eigenes Schicksal vor Augen." — Ich werde es wohl niemals' vermögen, den dramatischen Eindruck zu schildern, den das darauffolgende tiefe Schweigen des Fürsten, seine Versunkenheit in sich, und die Bewegung seiner Hand, Hervorrief, die mit dem Stocke Figuren in den Sand zeichnete. Eine lange Reihe von Sekunden verstrich so — ich wagte kaum zu atmen und hätte gefürchtet, die denk großen Kanzler schuldige Ehrerbietung zu verletzen, wenn ich die Stille durch eine Frage unterbrochen hätte. Ich erinnere mich aber, in meiner Ergriffenheit die Empfindung gehabt zu haben, daß ich niemals auf dem Theater ein ähnliches Bild gesehen, niemals eine gleich tiefe Erschütterung erlebt habe! Endlich riß sich der Fürst aus seiner Versunkenheit empor, strich die Figuren im Saud mit feinem Stock glatt und erhob sich. Sie tonnen sich denken, mit welchen Empfindungen ich, als er mich darauf zum Frühstück einlud, seinen Speisesaal betrat und an feiner Seite Platz nahm. Das Gespräch! bei Tische war sehr anregend, da sich damals sein Söhn Herbert, Lothar Bucher und der Jugendfreund Bismarcks Graf Kaysevlingk als Gäste in Friedrichsruh befanden. Doch nicht von den historischen und politischen Bemerkungen, die da fielen, Möchte ich Ihnen erzählen, sondern von einem! rein persönlichen und sehr bezeichnenden Zwischenfall, der sich in einem kurzen Gespräch zwischen dem Fürsten und seinem Sohne abspielte. Plötzlich fragte Bismarck ganz unvermittelt den Grafen Herbert: „Welchen Grund führte Oberpostrat F. an, aus dem er die Einladung nach Friedrichsruh nicht 'annahm?" In der Frage lag ein Tön. der Verachtung, aber auch des gekränkten Stolzes, der einem Blitzstrahl gleich das Verhältnis des Kanzlers zu dem offenbar von Furcht befallenen Beamten erhellte, der es nicht wagte, sich der gefallenen Größe zu nahen. Darauf Graf Herbert im selben leisen Fieber des Unwillens: „Ach — er hat Dienstgeschaste vorgeschützt!" Der Fürst aber sagte: „Das Telegramm möchte ich doch sehen" und Herbert, als ob es ihn verdröße, über die Sache überhaupt nur ein Wort zu verlieren, erwiderte: „Es liegt im Zimmer der Mutier." Wie sich nun der Fürst erhob, um das Telegramm einzusehen, mußte jedem Anwesenden der Gedanke auf der Seele brennen, daß hier ein Aki des Undankes und schmählicher Unterwerfung tmter die nach 'Bismarck herrschenden Gewalten vorliege. Bezeichnend aber tu,ar, daß der Fürst sich keinen Zwäng antat und sich! nicht scheute, von der ihm angetanen Beleidigung vor anderen! zu sprechen. Für ihn freilich konnte die Undankbarkeit des Mannes', der nicht gewagt hatte, feinem Rufe zu folgen, kein Makel fein, Nud er war zu groß, uM es nötig zu finden, über die ihm a,u- getane Beleidigung zu schweigelt ober feinen Unwillen darüber zu verbergen." * Die Menschliche Lebensdauer. Kürzlich feierte in Skillington bei Granthaur in England eine Frau ihren 105. Geburtstag. Daß solches Alter nicht so ungewöhnlich ist, wie man gemeinhin anzunehmen geneigt ist, beweist Dr. Th. im Bert. Tgbl., indem er schreibt: „Deut alten Hufeland und den Professoren Metfchnikvsf, Pflüger, Pel, Hamann verdanken wir sehr interessante Zusammenstellungen über uugewöhulich lange Lebensdauer bei Menschen, aus denen hier einiges besonders Charakteristisches mitgeteilt sei. Alt der Spitze dieser Langlebigen Marschiert St. M u n g o , der Stifter' des altehrwürdigen Bistums Glasgow, der 185 Jahre alt gelvorden fein soll. Ein gleiches Alter erreichte ein Mann namens Peter Zorsay, der von 1539 bis 17*24 gelebt hat. Ein englischer Bauer Thomas Par r e erreichte ein Lebensalter von 152 Jahren und besaß einen Sohn Von 127 Jahren. Außer durch fein langes Leben erlangte er eine gewisse Berühmtheit dadurch, daß seine Leiche von dem großen Anatom Harvey seziert wurde. Mit 101 Jahren wurde Thomas noch wegen. Sittlichkeitsvergehen zu Gefängnis verurteilt, und im Alter von 120 Jahren verehelichte er sich mit einer Witwe, die nach ihrer Angabe nie etwas von seinem hohen Alter gemerkt hätte. H. Jenkins, der 1670 in Uorkshire die Augen schloß, erreichte eine Lebensdauer von 169 Jahren. Kurz vor seinem Tode mußte er vor Gericht einen Vorgang bekunden, der sich 140 Jahre zurückdatierte. Der Chirurg Politman, ein Lothringer von Geburt, konnte in voller Frische seinen 140. Geburtstag feiern. Am Tage vor seinem Tode nahm er bei seiner Frau noch eine schwere Krebsoperation vor. Dabei wird v!vn ihm erzählt, daß er von feinem 25. Jahre an Tag für Tag betrunken gewesen sei. Einen gleich ungesnnden Lebenswandel führte auch der Chirurg E s p a g a o in der Garonne, der dafür nur 112 Jahre leben durfte. Auch Elisabeth Durienx, die das stattliche Alter von 140 Jahren erreichte, lebte durchaus nicht gesundheitsgemäß. Sagt man ihr doch einen täglichen Kaffeekonsmn von etioa 40 Tassen nach. Die nur wenig über 70 Zentimeter Messende Zwergin Elsbeth Walfon wurde 150 Jahre alt und Jakob Donald, eine Riese von annähernd 2pz Meter Länge, lebte 120 Jahre. Endlich Mag hier noch eine Angabe von Prof. Hermann Platz finden über eilten englischen Bauern, der, als er im Alter von 160 Jahren starb, eine Witwe mit zahlreichen Kindern hinterließ, von denen das älteste 103, das jüngste 9 Jahre zählte. *’ Durch Einbildung er fr o Men. Aus St. Petersi- burg wird berichtet: Ein merkwürdiger Fall, in dem eine starke Autosuggestion zur Todesursache geworden ist, hat sich in KvaA- nojansk ereignet. Ein Eisenbahnbeamter namens Michael Sta- ritzkh war damit beschäftigt, einen Güterwagen der transsibirischen Bahn zu reinigen. Während einer Arbeitspause schloß er die Tür und legte sich schlafen. Er erwachte jedoch erst mehrere Stunden später. Mit Entsetzen bemerkte er, daß die Tür des Wagens von außen fest verschlossen war und daß der Zug in Bewegung toiaM. Vergeblich versuchte Staritsky, sich bemerkbar zu machen: niemand hörte feine Ruse und fein Klopfen, und nun überkam den Einst gesperrten der furchtbare Gedanke, er könne erfrieren, «ehe der Zug zum Halten Hanfe. Als man zwei Stunden später in einer Station den Wagen öffnete, fanb man den Unglücklichen tot auf dem Boden liegend. Eine Reitze kurzer lakonischer Aufzeichnungen gaben ein Bild von den Gedanken und den entsetzlichen Augst- zuständen, die den Beamten bis zum letzten Augenblick erfüllt hatten. „Ich erfriere sehr schnell . . . Mein rechtes Bein ist völlig erstarrt . . . Nun auch mein linkes . . . Die Kälte kriecht weiter . . . Vielleicht meine letzten Worte . . . Jetzt erstarrt mein Herz, es kömmt das Ende." Die Temperatur in dem Wagen war mehrere Grad über Null, so daß der Tod unmöglich durch Kälte verursacht sein konnte. Es war lediglich die Angst, die feinens Tod herbeiführte, * Eine neue Zeitrechnung. „Wann war der Herr Weller das letztemal bei Euch?" — „O, vor nicht langer Zeit/ vor höchstens vier oder fünf Köchinnen." * Poetische Reminiszenz. Bauer: „Lustig fan fe, de klauen Schweinerln." — Bäuerin: „Fo, jo, wie unsereiner noch so jung war, war's halt ane schöne Zeit, de Jugendzeit!" Literarisches. — Das lite r ar isch e Echo. Halbmonatsschrift für Literaturfreunde (Herausgeber: Dr. Joses Ettlinger, Verlag: EgvN Fleischel n.C-o., Berlin 38.9). Das 2. Aprilheft ist soeben mrt folgendem Inhalt erschienen: Fritz Rose: Die Zeit ans der Buhne. Camill Hoffmann: Otokar Brezina. Karl Berger: Schüler- Schriften. Th. v. Scheffer, E. L. Schellenberg: Lyrische Ernte. Wilhelm Mießner: Abenteuer der Seele. Echo der Zeitungen und Zeitschriften. Echo des Auslandes (Französischer, ilaliemscher, russischer, holländischer Brief). Kurze Anzeigen. Nachrichten. Vorlesungs-Chronik (Sommersemester 1909). Zuschriften. Der Büchermarkt. ■ Arithmogriph. 1 2 3 4 2 3 ein Spiel. 2 3 9 10 4 asiatisches Reich. 3 6 9 10 8 deutscher Dichter. 4 6 8 9 1 8 ein Insekt. 5 10 10 4 Stadt in Westsalem 6 4 9 10 ein Fluß. 7 4 3 10 1 9 10 10 eine Krankheit. 8 9 1 8 10 nützliches Metall. 9 1 2 3 4 italienische Insel. 10 8 2 3 8 10 ein Fahrzeug. Die Anfangsbuchstaben der gefunbenen Wörter bezeichnen der Reihe nach, oon oben nach unten gelesen, ein berauschendes Getränk. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer: Arm Abend Dresden Baden Lea n Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gieße».