gJ®kJp^SSä'K iggg w® Spätinghof. Roman von K. v. d. Eide V. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) An einem Nachmittage im Februar hatte Jan eine große Freude. Da sah er am Wege eine gebückte Gestalt Vorbeigehen, auf einen Knotenstock gestützt, einen Kiepkorb auf dem Rücken. Mit einem Satz war er neben ihr. „Ode! Nasche!" rief er. Schaue Sönksen blieb stehen. „Jung, Jan, bist du es wirklich?" „Was machen sie zu Hause?" fragte Jan. Für ihn war das „Zuhause" noch immer in Ramstedt. „Alles gut zuwege." „Was macht Niels?" „Der geht zu Ostern bei den Bauern als Hofjunge. — . Wo ist denn Jak?" „Jak bosselt mit den anderil Jungens." „Na ja, der muß ja immer was um die Hand haben." Jan hatte noch eine Frage auf dem Herzen. „Was macht Tine, ist sie noch immer so?" „Ja, Tine ist 'ne kleine stille Deern, aber sie wächst." „Willst du nach Spätinghof, Schaue?" „I bewahre, da hab' ich nichts verloren. Ich will nach Bäkhof, da kaufen sie inir immer 'nen ganzen Berg ab. Aber sag mal, mein Jung, hast du deine Tante schon mal beim Hexen belauert? Sie soll ja hexen tonnen!" „Weilt." Er war ganz erschrocken. „Na, denn laß dich man nicht behexen. Wenn sie mal das Vaterunser von hinten aufäugt, danu mach dir heimlich eilt Kreuz auf die Brust. Und dann darfst du nicht so oft ja sagen. Hörst du, mein Jung?" „Ich antworte immer ja, wenn sie was zu mir sagt." „Was 'n Leichtsinn!" tadelte Schane. „Nimm dich doch bloß in acht. Das sieht mau ihr doch schon an den bösen Augen an, daß sie 'ne Hexe ist." „Ich — ich dachte" — stotterte Jan. „Jung, du kannst dir das Denken wohl noch immer nicht abgewöhnen. Denken taugt nicht, mein Jung. Nun adjüs." „Adjüs, Nasche. Grüß Niels und Tine und die andern." Lange stand Jan und sah der Davonhumpelnden nach. Es war ihm, als müsse er sich an die Alte festklammern, als müsse er hinter ihr herlanfen. Er ging aber nicht von der Stelle. \ Jak kam von it>cr Straße her. „Wer war das?" fragte er. „Schane, Seifenschaue!" „Schane!" rief Jak laut. „Schane, hast du nicht was für mich?" Die Alte hörte ihn nicht mehr. Jan dachte über Schaites Worte nach. „Es wäre doch schön," dachte er, „wenn man hexen könnte. Wie oft sagte nicht die Mutter früher, wenn wir fragten, ob dieses oder jenes fertig sei: Junge, ich kann doch nicht hexen." Beim Abendbrot fragte Jan unvermittelt: „Tante, kannst du hexen?" Die Tante wurde, was selten geschah, dunkelrot im Gesicht; ihre Angen rollten. Sie. kämpfte sichtlich mit einem Wutausbruch. Da lachte Jak laut auf und rief: „Was istz Jan doch für eine Röddelmütze." Die Tante fand nun auch Worte. „Ja, er rappelt sich was zurecht," sagte sie. „Wenn ich hexen könnte, würde ich mir gleich einen Sack voll Zwanzigmarkstücke hexen." Dies leuchtete Jan ein. Nein, die Tante war sicher keine Hexe. 4. Der Frühling hielt seinen Einzug in die Marsch. Die Lerchen zwitscherten in den Lüften, und auf den Fennen erschienen die ersten weißrosa Gänseblümchen. In des Kantors Garten standen die Obstbäume in Blütenpracht. Kantors Franke fuhr ihr jüngstes Brüderchen in einem braunen Korbwagen mit blauen Gardinen spazieren. Sie fuhr bis Gorg Bäckers Gartenpforte und wieder zurück bis zum Schulhaus. Fraukes hübsches Gesichtchen schaute sehr ernsthaft drein; sie nahm es sehr genau mit der ihr auferlegten kleinen Pflicht. Sie schaute nicht rechts, nicht links, nur immer auf die verblaßten blauen Gardinen vor sich. Bon Zeit zu Zeit lüftete sie die Vorhänge vorsichtig ein wenig und lugte hinein; ihre Blicke wurden zärtlich, wenn sie das zarte Köpfchen und das geballte Fäustchen betrachtete. An Gorg Bäckers weißgrauem Staket lehnte ein blasser, schmächtiger Knabe in zerrissener Jacke. Seine Augen verfolgten sehnsüchtig den Wagen. Es war Jan Thomson vom Spätinghof. Seit dem ersten Tage, da Franke ihm in der Schule freundlich zugenickt hatte, verehrte und bewunderte er sie. Manches Mal nach jenem Tage hatte sie ihn durch einen freundlichen ölick aufgemuntert. Trotzdem wagte es Jan nicht, sie anzu- reden, so oft er es sich auch vorgenommen hatte. Sie sah immer so rosig und sauber aus und trug das Helle Köpfchen jo hoch, daß ihm der Unterschied.zwischen ihr und sich selbst nur noch deutlicher erschien. Hatte er Kber gerade mal Mut gefaßt und eine passende Anrede gefunden, dann stand sic entweder von ihren Freundinnen umgeben oder sie flog im nächsten Augenblick über den großen Spielplatz, daß das blonde Kraushaar flatterte. Dreimal war Frauke jetzt schon mit ihrem Kinderwagen an ihm vorbeigefahren. Jedesmal hatte sie an Gorg Sackers Gartenpforte stillgehalten und mit ehrwürdigem iindermuhmengesicht an den blauen Gardinen genestelt, jedesmal hatte Jan sprechen wollen, und immer wieder var ihm die Kehle Ivie zugeschnürt gewesen. Jetzt hielt sie am Schulhaus . . . jetzt ging sie hinein . . . nein, sie 210 kam noch einmal zurück. Jans Herz klopfte. Freundlich verwundert blickte sie ihn oit, als wollte sie sagen: „Was stehst die da immer auf einem Fleck?" „Na, Jan," sagte sie lächelnd. Jan trat einen Schritt vor. „Dars ich ihr mal ’n büßchen sehn?" bat er. Er sprach Hochdeutsch, und seine Stimme zitterte. In Frankes Herzen kämpfte das Mitleid mit dem Pflichtgefühl. „Kleine Kinder darf man nicht so viel besehen/' sagte sie altklug, „dann werden sie nicht groß. Aber einen Augenblick kannst bn mal reingucken." Sie schob die Gardinen eine Handbreit auseinander, und Jan blickte hindurch. Mit glänzenden Augen sah er dann ans. „Ach, wie ist sie n üblich!" „Das ist doch ein Bruder," belehrte Frauke. Jan wurde rot. „Ich möchte auch gern 'nen kleinen Bruder haben, aber noch lieber 'ne Schwester." „Dann mußt du den lieben Gott bitten," sagte Frauke, „der sagt dann dem Storch Bescheid." Es siel Jan schwer auf die Seele, daß er, seitdem er auf Spätinghof war, das Beten unterlassen hatte. Früher hatte, die Mutter abends mit ihnen gebetet, ehe sie ihnen den Gutenachtkuß gab. Wie wohl ivar ihm dann immer ums Herz gewesen, wie sorglos war er eingeschlafen im Vertrauen auf Gottes Schutz. Von diesem Tage an betete Jan wieder an jedem Abend vor dem Schlafengehen mit Inbrunst sein Vaterunser; aber er betete leise, damit Jak er nicht hörte, Seitdem traf er Frauke öfters, wenn sie ihr Brüderchen spazieren fuhr. „Laß mich ihn doch mal 'n büßchen fahren!" bat er einmal. Franke ließ ihn gewähren. „Aber nicht umkippen!" warnte sie. Jan fuhr gauz sachte, ganz vorsichtig über das holprige Pflaster Er ging auf den Zehen dabei und hielt den Atem an. Als der Kleine sich halb anfrichtete und ihn mit seinen blanken Aeuglein neugierig ansah, ivar Jan glücksel g. „Er mag das gern haben, wenn ich ihn sahr', er kennt mich all," flüsterte er Frauke zu. Ms er nach Hause ging, stand Jak an der Ecke. „Du bist wohl Kinderdeern beim Kantor geworden?" höhnte er. Jan antivortete nicht. Er lief davon und tat, als hörte er es nicht. Er war in seinem Herzen viel zu froh und glücklich, um mit dem Bruder böse zu sein. Es vergingen aber doch mehrere Tage, ehe er es wieder ivagte, sich an Fraukes Kinderwagen sehen zu lassen. Franke nickte ihm schon von weitem zu wie einem guten alten Bekannten. „So," sagte sie, und diesmal klang ihre Stimme ein bißchen energisch, „jetzt fahr du ihn man ein bißchen, und dann zieh deine Jacke aus; ich will dir den Ellbogen zn- nähen, Nähnadel und Zwirn hab' ich mitgebracht." Flink willfahrte ihr Jan, und bald saß sie auf der Tür schwelle des Kantorhauses und nähte eifrig, während Jan den Wagen schob. Frauke gab sich große Mühe. Zwei kleine Fältchen erschienen während des. Nähens über, .ihrer Nase. Endlich war die Jacke heil. Es lvar gerade kein Meisterwerk der Schneiderkunst, das die kleine Frauke zustande gebracht hatte; in Jans Augen aber tvar es wunderschön gemacht. Er wußte gar nicht, wie er feiner Dankbarkeit Ausdruck verleihen sollte. Das Glück machte ihn redselig. „In Ramstedt war auch ein kleines Mädchen wie du," plauderte er, „sie hatte bräune Augen, so braun wie die reifen Kastanien, und ihr Haar war schwarz Ivie Torfsoden. Ich mag viel lieber helle Haare leiden und blaue Augen." Und sein Blick hing bewundernd an Fraukes hellem Haar. Frauke hörte ihn lächelnd an. „War sie nett?" fragte sie. „Ja, nett war sie. Sie weinte bloß immer gleich, wenn einer sie antippte. Sie war so schnaksch." Frauke sah nachdenklich geradeaus. Dann wandte sie Yen Kopf. „Di»," sagte sie vertraulich, „deinen Bruder Jakob mag ich gar nicht leiden." „Warum nicht?" „st r ist so groß und — so stark," sagte Frauke. Jan dachte an diesem Abend, als er im Bette lag, lMge über seine kleine Freundin nach. „Es ist doch merkwürdig, wie sie einem alles vom! Munde abliest," dachte er, „auch was inan gar nicht mal ausspricht. Warum sie Jak wohl nicht leiden mag. Ich glaube, mich möchte sie doch leiden, wenn ich auch so groß und stark wie Jak wäre. Wenn sie nun wüßte, wie böse Jak ist, dann möchte sie ihn noch weniger leiden. Sie ahnt es gewiß. Sie ist ja so klug. Warum ist sie so nett gegen mich?" Sie hat Mitleid mit mir. Sie hat gewiß ein gutes Herz; Frauke Steffens ist die beste von allen!" so schloß sein Gedankengang ab. Im Sommer, wenn bunte Rinder die flachen Fennen belebten, wenn das Schilf in den Gräben braune Wedel trieb, dann hatte die Marsch ihre Glanzperiode. Die Sonne strahlte am wolkenlosen Himmel, und von der Seeseite her wehte ein leises erfrischendes Lüftchen. Frauke ging, ihr Brüderchen auf dem Arm, zwei größere Geschwister an der Hand, in die Kantorfenne. Dort lagerten sie sich ins lange Gras itttb pflückten weiße Kleeblnmen,, die Frauke zu kleinen Kränzen wand. Jan war auch dabei. Seitdem Frauke allerlei über Spätinghof und die alte Trienlieschen. gehört hatte, nahm sie sich Jans fürsorglich an. Jan hatte aus dem Graben Binsen geholt, nun saßen sie nebeneinander und flochten hohe spitze Hüte. Die Kleinen zogen die grünen Schalen von den Binsen ab, daß nur das weiße Mark zurückblieb, und redeten einander ein, man könne es essen. Fraukes klare Augen schweiften in die Ferne. „Ist es jetzt nicht schön in der Marsch?" fragte sie. „Ja," stimmte Jan bei, „auf unseren Spätings ist das Gras so hoch; da kann man sich reinducken, daß einen kein Mensch sieht. Aber auf der Geest ist es noch viel schöner. Dort gibt es Berge und einen Wald mit Bäumen und; Hecken. Und Beeren wachsen, wo auch kein Garten ist; man kann sie sogar essen. Dort wachsen sogar an der Wegeslante Blumen." „Ja, so etwas gibt es hier nicht," gab Frauke zu, „aber wir können dafür viel weiter sehen, und wenn inan ruft, schallt es über das ganze Land. Sieh, 'man kann in der Ferne den Eisenbahnzug fahren seheit. Man kann den Kirchturm von Husum und von allen Dörfern ringsherum sehen. Und ganz hinten, wo das Land, aushört und der Himmel anfängt, da ist das Meer." „Was für ein Meer?" „Die Nordsee." „Ich sehe sie nicht." Jan war aufgestanden und spähte eifrig atzs. „Sie ist aber da." Fraitke war aitch anfgestanden. Sie hatte die Binsen ins Gras gleiten Ia|feit; den einen Arm um Jans Schulter gelegt, wies sie mit dem anderen geradeaus. „Siehst dü das kleine Duttkle, das sich vom Hammel abhebt? Wie ein Tüchleir», das zum Trocknen in der Luft hänat, sieht es aus. Das ist ein Segel." Jan begriff. „Bon einen» Schiff? Ach, das ist es!" „Ja, und das Schiff fährt auf der Nordsee. Das ist das Meer!" Jan sah und glaubte. Andächtig ward es ihm tuns Herz; als ob ihm jemand gesagt hätte: „Siehst du den Himmc»,? Dort ist Gott!" lFortsetzuiig folgt.) wie Ostdeutschland und Oesterreich deutsch wurden. Bon Prof. Dr. R a ch f a h l. Deutschland, als ein ethnographisch zusammenhängendes Ganzes betrachtet, d. h. jetzt im Wesentlichen das Deutsche Reich und Oesterreich, setzt sich aus zwei ihrem Ursprünge zufolge ganz verschiedenartigen Bestandteilen zusammen. Wenn mm» auf der Karte eine Linie zieht etwa von der Kieler Bucht bis zur Spitze, des adriatischen Meeres, so zerlegt mau Deutschland in zwei Hälften, Nur die westdeutsche davon ist altdeutsches Siedlungsgebiet; hier saßen germanische Stämme in ununterbrochener Folge, von der Zeit ches. Cäsar und Tacitus bis aus unsere Tage. Richt so ans der östlichen Hüfte. Wohl sah auch, hier in den Gegenden, von der Ostsee bis etwa zur Donau die Urzeit.Germanen, beschäftigt mit Krieg, Jagd, Viehzucht und primitivem Ackerbau. Aber der Sturm der Völkerwanderung riß sie hinweg von hier; sw hofften ein besseres Unterkommen innerhalb der Grenzen des Römischen Reiches zu finden. In das von ihnen verlassene Mebtet rückten ihre östlichei» Nachbarn, die Slaven, ein. Ter Raum . den die Slaven jetzt einnahmen, war ein ungeheurem sie erstreckten sich von der Ostsee bis zum Adriatischen und Schwarzen Meer und jenseits der unteren Donau bis zum Balkan-Gebirge, 211 nur stellenweise faßen andere, BMe>-, Hasten zwischen ihnen, ■— so an der Ostsee die staminverwnndten sog. LitiwSlaven, nämlich die Pruzzen, Letten und Littanex; weiterhin Völker finnischer, mongolischer und kartarischer Masse, so im Tonaugebiet die Hunnen, Waren und Magyaren. Tie Slaven zerfielen tu drei große Gruppen: Tie Ostslaven, fälschlich Russen genannt— dieser Name bezieht sich eigentlich ans ein normannisches Erobcrer- uitb .Herrenvolk, lvarägische Wickinger, die sich bei den Ostslavcn niederließen und hier ein großes Staatswesen gründeten, eben nach ihnen Rußland genannt, die Südslaven in den Alpen- und Balkanländcrn; die Westslaven, nämlich Polen, Tschechen u.WertdeN. So stand es bis zn den Beiten Karls des Großen: da setzte eine rückläufige Bewegung der Germanen nach Osten ein. Durch Karl den Großen wurden die letzteit noch ganz oder teilweise selbständigen innerdeutschen Stämme, die Sachsen und Bayern, dem fränkischen Reiche vollkommen einverleibt; dadurch wurden die Slaven und auch zugleich die Avaren die unmittelbaren Nachbarn des fränkischen Reiches. Mit diesem Momente Hub an ein tiefgehender Gegensatz zwischen Germanen und Slaven, eine erbitterte Feindschaft, ein Kampf auf Tod und Leben. Zwischen zwei Völkern von verschiedener Rasse und Kulturhöhe wird selten Eintracht und Frieden ans die Dauer bestehen. Bei der niederen Rasse ist das Recht, der völkerrechtliche Schutz des Fremden, noch nicht so ausgebildet, daß nicht die höhere allzuoft guten Gründ zu Beschwerden hätte; die höhere hinwiederum wird sich gemäß, den der Menschheit nun einmal eingewurzelten egoistischen Trieben versucht fühlen, sich die niedere dienstbar zn machen, gemäß ihrer eigenen lleberlegenheit aus der niederen mit leichter Mühe Vorteile zu gewinnen. Tie Weltgeschichte liefert dafür tausend Beispiele; ich erinnere nur an das Auftreten der Arier in beit Ebnen des, Indus uni» Ganges, an die Eroberung Galliens durch Cäsar, an die Kämpse zwischen Weißen und. Indianern in' Amerika u. a. m. Ter Uirterschied zwischen Germanen und Slaven in der Külturhöhe kam nun noch in einem ganz bestimmten Punkte zu besonderem Ausdruck- Wohl war es zunächst Streben nach 'Sicherung und 'Erweiterung der Grenzen, das die Herrscher des .Frankenreiches zn unablässigen'Kriegen im Osten des deutschen Landes bewog; der tiefere Grund aber lag in der durch die Krönung Karlö des Großen im Jahre 800 besiegelten Verschmelzung der religiösen und vvlitischen Ideen, die das Abendland beherrschten, in deut Charakter des Kaisertums als einer die ganze Menschheit zu. umfassen trachtenden Universalmonarchie, welche getragen war von den Ideen des Christentums. Pflicht der Kaiser ivar es, die christliche Lehre immer weiter zn verbreiten; ihr Lohn ward dafür die oberste Herrschaft über die neu bekehrten Gebiete. Selten nahmen dir Slaven das Evangelium an, ohne durch Stieg und Sieg gebeugt zit sein; denk Kreuze der Glanbens- boten gingen voran das Schwert der Fürsten, der geistlichen Unterwerfung unter Rom die weltliche Untertänigkeit unter Kaiser und Reich. Den gesamten breiten Gürtel von der Ostsee bis südlich von den.Alpen dem Kutturkreise der abendländischen Christenheit einzufügen, indem die hier sitzenden slavifchen Fürsten und Völker teils zu gutwilliger Unterordnung bewogen, teils im Falle des Widerstands durch die Gewalt der Waffen unterjocht oder selbst ausgerottet wurden, ■ das war fortan eines der vornehmsten politischen Ideale der sräukisch-deutschen Könige und Kaiser. Mit Karl dem Großen setzte, wie gesagt, dieses Streben ein. Am schnellsten gelangte man zum Ziele int Südosten. Schon zum Ende des ersten Jahrtausends konnten die Länder von der Donau bis zum Adriatischen Meere als ein unantastbares Besitztum des deutschen Volkes angesehen werden.. Deutsche Fürstenhäuser gründeten sich hier dauernde Herrschaften; so die; Herzöge von Kärntheu und Kraiu, die Markgrafen von Oesterreich und Steier. Deutsche Bauern wanderten hier allmählich, ein, und es entstanden kompakte deutsche Sprachgebiete, vor allem in der awarischen Mark, deren bisherige Bewohner vertilgt wurden.; so entstand die Marfgrafschaft, das spätere Herzogtum'Oesterreich. Viel.schwieriger war der Komps weiter im Norden. Böhmen wurde zwar christianisiert, aber seine Verbindung mit dem Reiche blieb eine sehr lose. Noch schlimmer stand es mit den, Wenden int Nordosten. Wohl gelangte auch hier unter kräftigen Kaisern, wie unter Karl dem Großen und Otto dem Großen, der Namen des Reiches vorübergehend zur Geltung ; manche Stämme wurden.tributpflichtig gemacht; aber immer wieder warfen die Wenden das verhaßte Doppcljvch des Christentums und des Reiches ab. Jahrhundertelang blieben die Elbe und Saale und eigentlich auch der Böhmer wald die Grenze der feindlichen Rassen. Erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts änderte sich das Schauspiel, und mit • überraschender ■■ Schnetttgkeit wurden jetzt gewaltige Gebiete des Ostens dem Deutschen Reiche und deut Volke gewonnen. Nicht , dem Kaiser wat es zu. danken, — der fügte in Italien dem Trugbilde einer Weltherrschaft nach,. - sondern" zwei deutschen Fürsten, Heinrich dein Löwen und Albrecht dem Bäten. Doch, wollen wir bei dieser Gelegenheit auch einen Vasallen Heinrichs erwähnen, beit tapferen Grafen Adolf von Holstein; er trieb in Ostholstein die Reste der Abodriten zn Paaren und gründete biet 1143 die erste deutsche Stadt, Lübeck, später mächtig und berühmt als Vorort der Hanse. Heinrich der Löwe niiterwars die bisher .heidnischen Slavenfürsten von Mcklenburg, Pommern und Rügen; Albrecht der Bär begann, Von der westelbischen Altmark ausgehend- die. Erwerbung der Mark Brau ei;«v