1 Bä Bf .WZ ZL ryuju W V M K^M ßZUW Z Die Pflastermeisterin. Ronran von Alfred Bock. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) 'Der Pfarrer, seit Jahren an die Ergießungen des pessimistischen Kantors gewöhnt, entließ diesen, ohne auf eine längere Unterhaltung einzugehen. Er wußte wohl, daß in dein Garten, zu dessen Hüter er bestellt war, mancherlei Unkraut aufschoß: Kraft seines Amtes dies auszuroden, hatte er niemals den ernstlichen Versuch gemacht. Soweit es sich nut seiner Stellung vereinbaren ließ, war er bemüht, sich alles Unangenehme fern zu halten. Die großen und kleinen Skandale, die sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit im Weichbild des Städtchens abspielten, drangen daher selten bis! zu der Höhe, auf der er sich behaglich eingerichtet hätte. Und dennoch! Heute fühlte er sich verstimmt, und er verhehlte sich nicht, daß ihm das Schicksal der Pflastermeisterin nahe ging. Unter den Frauen seiner Gemeinde galt sie ihm als Borbild weiblicher Tugend und Tüchtigkeit. Für seine Schützlinge, die Stadtarmen, hatte er stets ein williges Ohr bei ihr gefunden. Ihr vor allem -hätte er nach dein Verlust des ersten Mannes in zweiter Ehe ein ruhiges Glück gewünscht. Um so schmerzlicher berührte es ihn, sie jetzt so gemein betrogen zu wissen. Auch gestand er sich, daß er sich bei dem jungen Meister, den er für einen gediegenen, soliden Handwerker gehalten, gründlich verrechnet habe. Bielleicht war die Frau in ihrem Harm noch der Roheit des Mannes preisgegeben. Es war seine Pflicht, ihr zu Hilfe zu kommen und das Mittler- ämt zu übernehmen. In dieser Erwägung wurde er durch den Besuch Friedmars unterbrochen. Der Meister, verlegen die Mütze hin und her wendend, suchte nach- einem einleitenden Wort, seist Erscheinen bei dem geistlichen Herrn Zu erklären. Der Pfarrer, der seine Befangenheit bemerkte, redete ihn zuerst an: „Was führt Sie zu mir?" „Herr Pfarrer, ich bin diesen Morgen vor Gericht gewesen." „Und da?" „Hab' ich acht Tag' gekriegt." „Das ist mir mitgeteilt ivorden." „Da weiß der Herr Pfarrer am End' schon, wie's zu- gegangen ist?" „Allerdings." „Jetzt möcht' ich mit dem Herr Pfarrer sprechen, ob Nnr der Herr Pfarrer Rat schaffen könnt'." „Rat"— inwiefern?"' ,Kch möcht' loskommen." „Sie sind doch zu Recht verurteilt?" „Ei gewiß. So ist's nicht gemeint. Ich möcht' hält los von der Meisterin, meiner Frau." „Und da kommest Sie zu mir?" brauste der alte Herr auf. „Haben Sie denn keinen Funken Schamgefühl?" „Mit Verlaub, Herr Pfarrer," sagte Friedmar mit Fre.i- uiut, „nach meinem Sinn müßt' ich erschamen, wann ich das Mädchen int Stich ließ. Mein Leben hängt an derst Mädchen. Mer die Meisterin spricht, sie gäb mich nicht frei." 1 Der Pfarrer sprang von seinem Platz am Schreibtisch auf und nahm, die Hände auf dem Rücken, dicht vor Friedmar Stellung. „Und da soll ich wohl Ihre Frau zur Nachgiebigkeit bestimmen?" „Ich hätte mich nicht unterstanden, zum Herr Pfarrer zu kommen. Aber ich weiß, der Herr Pfarrer ist ein guttätiger Mann." Der alte Herr unterdrückte ein hartes Wort, das ihm auf der Zunge schwebte, durchmaß mit großen Schritten das Zimmer und blieb dann wieder vor Friedmar stehen. „Meister, ich muß es Ihnen sagen. Sie sind ein gottvergessener Mensch. Nicht genug, daß Sie sich mit dem Mädchen eingelassen und ihre Frau hintergaugen haben, jetzt wollen Sie sich hier aus dem Staub machen und drüben in Dietkirchen das Verhältnis fortsetzen. Das wollen Sie doch?" „Ich gedenk' das Mädchen zu heiraten, Herr Pfarrer." „Sie denken, hm! Es ist wirklich traurig, was Sie für einen Begriff von der Heiligkeit der Ehe haben. Da geht man so zusammen, meinen sie, und läuft.wieder auseinander, wie's einem gerade paßt. So weit sind wir, -Gott sei Dank, noch nicht. Und merken Sie sich das wohl. Menn sich Ihre Frau nicht von Ihnen trennen will, spricht Sie kein Gesetz Ihrer Pflicht gegen sie ledig, es sei denn der Tod." Der Pfarrer machte eine Pause, nahm eine Prise und fuhr darauf fort: „Wie konnten Sie sich so schwer versündigen? Und was mich ani meisten empört, ich entdecke keine Spur von Reue in Ihnen, nur Trotz, lasterhaften Trotz. Seh'n Sie denn nicht, daß Sie mit aller Macht in den Abgrund! treiben? Meister, ich als Ihr Seelsorger ermahne Sie: machen Sie sich von diesem sträflichen Verhältnis frei, fangen Sie ein neues Leben au. Das kann ihnen an der Seite einer so braven, verständigen Fran nicht schwer werden. Sie sind noch! jung, eines Tages werden Sie einsehen, was Sie an dieser Frau haben. Eines Tages werden Sie ihr Dank wissen, daß sie es war, die sich nicht von Ihnen losqesagt hat. Wahrlich, sie hätte allen Grund dazu. Meister, hören Sie auf die Stimme Ihres Pfarrers. Kehren Sie jetzt nach Hans zurück und richten Sie Ihr zukünftiges Leben °so ein, daß Ihre Frau vergessen und verzeihen kann." Während der würdige Herr mit aufrichtigem Bemühen auf Friedmar einzuwirken suchte, stand dieser kerzengerade und unbeweglich und verriet mit keiner Miene, lvas in ihm vorging. Nur als der Pfarrer ihm ankündigte, daß seine Ehe mit der Meisterin zu Recht bestehe, so lange 474 diese nicht in eine Trennung willige, zuckte er leicht zusammen und holte aus tiefer Brust Atem. Im Gefühl, seine Schuldigkeit getan zu haben, begab sich^ der Pfarrer an seinen Schreibtisch zurück. Friedmar verharrte wie angewurzelt, in Gedanken verloren, auf ein und demselben Fleck. „Wünschen Sie noch etwas?" fragte ihn der Pfarrer geschäftsmäßig. „Nein, Herr .Pfarrer!" raffte Friedmar sich auf. — Und nach der Türklinke greifend, sagte er traurig und tonlos: „Ich weiß jetzt Bescheid, Herr Pfarrer. Ich dank' auch. .Adjes, Herr Pfarrer!" X. Am andern Tage bereits meldete sich Friedmar zur Verbüßung seiner Strafe. Der Gefängnisverwalter, der ihn in seine Zelle führte, meinte wohlwollend: „No, die acht Tag' gehn auch herum. Und wann Ihne Ihr' Frau das Essen schickt — 's soll ja eigentlich nicht sein." „Die Meisterin schickt nichts," sagte Friedmar barsch. „Ich will gar keine Extrawurst gebraten haben. Ich nehm' die Kost, wie's kommt." Der Verwalter schloß ab. Friedmar hielt in dem kleinen viereckigen Ramn Umschau, der ihn für die nächsten acht Tage beherbergen sollte. Eine eiserne, an die Wand festgeschraubte Bettstelle inachte die ganze Einrichtung aus. Nicht einmal ein Schemel zum Nicd.rsitzen war vorhanden. Durch das kleine vergitterte Fenster sah man ein Stück des grauen winterlichen Himmels. Unmittelbar neben der Türe hing unter Glas und Rahmen ein Gedicht: „Wider den Alkohol", von einem „Menschenfreund", daneben waren die „allgemeinen Bestimmungen" für die Gefangenen angebracht. Friedmar las alles aufmerksam durch.. Dann streckte er sich auf den Boden hin, schob die Arme unter den Kopf und hing seinen Gedanken nach. Ohne Abschiedsgruß war er diesen Morgen von seiner Frau gegangen. Der Pfarrer hatte ihn zwar anfgefordert, reumütig vor sie hinzutreten, sie um Verzeihung zu bitten und sie zu versöhnen, er hatte aber keinen entgegenkommenden Schritt getan. Ein wilder Trotz hatte sich in ihm eingenistet. Er grollte auch dem Pfarrer. Der hatte ihn mit der Meisterin kopuliert. Ganz recht. Und jetzt, da er sich von ihr lossagen wollte, verweigerte er seinen Beistand nnd ließ ihn gründlich abfahren. Ja, zum Kuckuck, war denn der Pfarrer bloß zum Kopulieren da? Wenn er zwei getraut hatte, die nachher nicht zusammen gut taten, war's 'da nicht seine Schuldigkeit, die wieder ausernanderzubringcn? Und obendrein hatte der Pfarrer so gesprochen, als wenn er an die Meisterin angekoppelt wäre, so lang es ihr gefiel. Der Pfarrer kannte freilich das Gesetz. Darüber konnte man nicht hinaus. Es war zum Verrücktwerden! Und das alles Latte er sich selbst eingebrockt. Aus purer Hachigk'eit hatte tt die Meisterin geheiratet. Ihr Geld hatte ihm in die Augen gestochen. Der Hochmutsteufel war in ihn gefahren, daß, er sich eingebildet, er müßte partu als Meister herum- stolzieren. Jetzt würde er alles hingeben, wenn er auf und davon könnte. Er hätte sich schon durchgeschlagen, sich und die Lina. Er hatte alles so fein „aussimuliert". Und die Lina hatte dabei geholfen. Er wollte das Einhorn übernehmen und die Wirtschaft wieder auf den Damm bringen. Nebenher wollte er seinem Pflgstergeschäft uach- gehen. Wenn er nicht daheim war, versahen die Frauenzimmer das Haus. Man fand ein gutes Auskommen, dem Bürgermeister von Dietkirchen zum Tort. Ja. glatt ausgerechnet, aber falsch. Und mit der Planmacherei war's nichts. Wohin er lugte, kein Spältchen, durch das mau hinausschlupfen konnte. Just wie hier im Arresthaus. Ein tödlicher Haß gegen die Meisterin erfüllte ihn. Mit dem Instinkt des Naturburschen fühlte er, daß die alternde Frau kein Recht hatte, dazwischenzutreten, wo zwei junge, blühende Menschen sich zu vereinigen trachteten. In diesen? Allgenblick hätte er sie erwürgen können — mit kaltem Blut. Er sprang auf, die finsteren Gedanken von sich abzuschütteln, und wanderte in seiner Zelle auf und ab. Gut, toeiut ihn die Meisterin nicht losgab, stand ihm doch der Weg nach Dietkirchen offen.. Mochte der Pfarrer donnern, soviel er wollte, mochte die Meisterin Zeter und Mordio schreien, von seinem Mädchen würde er nicht lassen. Auf die Lina konn .' er bauen, die ließ sich nicht irr' mache?!, und wenn die Mutter sie „karniffelte", und das ganze Dorf sie verketzerte. Ein herzhaft Mädchen! Er kannte sie durch und durch. Der Gedanke an die Geliebte, die gemeinsam mit ihm den Kampf gegen seine Frau, gegen die Welt aufnehmen würde, flößte ihm neuen Mut ein. Er vermeinte, schon seist eine Ewigkeit, daß man ihn hier eingesperrt. Die Untätigkeit war ihm unerträglich. Er klingelte einen Aufseher herbei und bat um irgendwelche Arbeit. Der Beamte führte ihn in den von hohen Mauern umschlossenen Gefängnishof, wo ein halbes Dutzend Inhaftierter damit beschäftigt war, Knüppelholz zu spalten. Den Ankömmling musterte man mit frech-vertraulichen Blicken. Als der Aufseher sich auf einen Augenblick entfernt hatte, wandte sich ein baumlanger Kerl mit stechendem Blick an Friedmar: „No, Kreppler, Ivie kommst du unter die Kamrusche?"• Friedmar tat, als hörte er nichts und machte sich an die Arbeit. Es war eine sehr gemischte Gesellschaft, die sich hier zusammengefunden hatte. Der Riese, der in der - Gaunersprache über Friedmar seine Glossen machte, war ein berüchtigter Einbrecher. Zwei Gefangene, denen das Holzspalten wenig Freude zu machen schien, waren Wechselfälscher. Da war ferner ein „Killesgänger", der abends in den Ladengeschäften sein Diebeshandwerk trieb, ein Ge- ineinderechner, der eine große Summe unterschlagen, end- * lich ein Handlungsgehilfe, der seinen Prinzipal betrogen hätte. Mit Ausnahme des Gemeinderechners, der eine trüb- selige Miene zur Schau trug, waren alle guter Dinge. Die Strafe, die über sie verhängt war, drückte sie nicht. Sie schimpften über die scheußliche Suppe und das schimmlige Brot, das mau ihnen verabreichte, und sie zählten sich gegenseitig die Tage bis zu ihrer Freilassung vor. Für die Zukunft hatte jeglicher in der Besonderheit seiner Spitzbüberei sein Programm fix und fertig. Ein Eingeweihter, der dem „Rotwelsch" gelauscht, hätte keinen Augenblick darüber im Zweifel sein können, daß die sauberen Kumpane später ihr Gewerbe mit allem Raffinement fortzusetzen entschlossen waren. Ob zwar Friedmar von der leise geführten Unterhaltung nur wenig verstand, so fühlte er sich doch von der Rotte „Kochemcr", wie sie sich in ihrer Sprache nannten, heftig abgestoßen. Jetzt erst empfand er es als bitteres Unrecht, daß man ihn verurteilt, mit solchen Halunken unter einem Dach zu hausen. Was hatte er mit diesen verworfenen Menschen zu schaffen? Was hatte er überhaupt verbrochen? Er'hatte den Bürgermeister, das Geifermaul, am Kragen gepackt, weil er sein Mädchen nicht verlästern lassen wollte. Deshalb war er eingesteckt worden, denn das Gesetz schriebst so vor. Und an die Meisterin blieb er angeschirrt. Tas schrieb auch das Gesetz vor. Zum Donnerwetter! Ta tonnte man in der ehrlichsten Haut stecken und stieß überall mit der Nase an das verdammte Gesetz. Gab's denn keinen Ort auf der Welt, wo man sich frei bewegen konnte? Vielleicht überm Wasser in Amerika. Das war ein Plan. Das mußte er mit der Lina überlegen, die hatte „Kurahsch", die ging gleich mit. Jawohl, nur fort! Sie wollten sich schon ein Winkelchen suchen, wo sic niemand aufspürte, keine Meisterin, kein Pfarrer und kein Gesetz. — Gegen Abend wurde Friedmar wieder in seine Zelle abgeführt. Ter Aufseher schraubte die Bettstelle von der Wand und machte das Nachtlager zurecht. Friedmar legte sich nieder, aber der gewohnte gesunde Schlaf wollte sich nicht einstellen. Allerlei wirre Gedanken trieben ihm das Blut nach dem Kopf. Er duselte ein und fuhr wieder auf. Und unablässig sich hin und her wälzend verbrachte er in unruhigem Halbschlummer die Nacht. — — (Fortsetzung folgt.) Wunder und Zauder in der Pflanzenwelt. Daß jeder Krankheit ein Heilkraut gewachsen sei, könnte mail meinen, wenn man die Fülle der Mittel kennt, die die Pflanzenwelt für allerlei Gebresten darbietet; und wenn das Sprichwort sagt, daß gegen den Tod kein Kraut gewachsen sei, so hebt es durch diese Betonung hervor, daß gegen vielerlei, was vor denk Tode liegt, doch ein Kraut gewachsen ist. Betrachtet inan dige Tatsache, so erscheint sie geiviß als ein Wunder, ebenso wunderbar wie vieles andere, was wir noch nicht begreifen. Daß eiii Gift zur Heilung dient gegen anderes Gift, daß der Erdbod.u säfte und Kräfte assimiliert nach unsichtbarem Verfahren und schier gesetzlos neben einer Speisepflanze eine Giftpflanze wachse» laßt, das alles ist wunderbar genug. Kein Wunder also, daß der Mensch diese wunderbaren Dinge über die Maßen ausweitete und daß das Volk uni die Pflanzenwelt, namentlich die offizinclle, giftige, aber auch um andere Blumen, Sträucher und Bäinne eine» Sagenkranz flocht, der seit altershcr die üppigsten Blüten treibt. 1 ! i i ( i i !i < 1 i i i i । 1 l i i ( i r 8 11 d i h r d a t T s l r r s i l S t S, ii i £ 475 Ja tief in die Seele des Volkes, in seine Leiden und seine Sehnsucht kann man einen Blick tun, wenn man dieses interessant Gebiet einmal näher betrachtet. Sprechen wir nun von -Wunderpslanzen, so meinen luir nicht den „Wunderbaum", wie die Pslanzengattung Ricinus heißt, oder die „Wunderblume", die Gattung Mirabilis, die freilich beide ost von wunderbarer Wirkung sind, sondern von allen den Pflanzen ist die Rede, die zu Wundertaten und Zauberei tauglich sind — und ihrer ist eine recht große Zahl. So recht zur Belebung und Anrufung der Natur trieb die Menschen von jeher ihre Krankheit. In dieser Not wird Unsinn zu Sinn und Volksmedizin und Wunderglaube reichen sich die Hand. Da sind es vor allen Dingen die verschiedenen Bäume und Pflanzen, die geeignet und bereit sind, Krankheiten anzuziehen, das heißt sie beit Menschen abzunehmen, indem sie sie selber auf sich nehmen. Sehr iueit verbreitet ist der Glaube, daß man einen Kranken durch einen gespaltenen Baum ziehen sollte, damit er durch dieses Hausmittel gesund werde, nnd es hat sich eine wissenschaftliche Kontroverse darüber entsponnen, ob der Sinn dieser Maßnahme der ist, daß die Krankheit an den Baunr abgestreift wird, oder) ob cs sich etwa nm die symbolische Darstellung einer Wiedergeburt handelt. Mehr für die erstere Auffassung spricht die weitere Beobachtung, daß solches Uebertmgen der Krankheit auf Bäume unter Beschwörungsformeln vor sich geht, des Inhalts, daß der Dämon in den Baum oder Strauch gelsannt werden müsse. Marzell führt eine Reihe solcher Beschwörungsformeln an und nennt als besonders beliebte Uebertragungsobjekte Hollunder (Sambucus nigra), Wacholder, dann Fichte, Esche und Nußbaum. Stach Söhns verleiht der der Frau Holle geweihte Hollunder Schutz gegen Krankheit und böse Dämonen. Ter Landmann hängt Hollunder an die Stalltür, um Krankheiten des Viehs abzuwchren, in vielen anderen Gegenden — namentlich Thüringen und Tirol — pflanzt man den Hollunder gern bei Bauernhäusern. Unter einem Hol- kunderbusch hält sich der Schläfer vor Unfall, Schlangen, Hexen und giftigen Mücken sicher, wenn er Noch an Frau Holle glaubt. Der Wacholder aber, der Juniperus, hilft zu Frische und Lebensmut, und wer müde wird, soll unter dem Wacholder sich wiedest Kraft zuschlafen. Gegen jede Zauberei hilft er, und seine Beeren sind gegen allerlei Krankheit nützlich nnd selbst die Küchenwerk- zenge, die aus Wacholderholz gemacht sind, geben den Speisen diese Kraft. In Ostpreußen kommt man mit folgender Formel zur Fichte: „Ich komme zu dir, Ficht' Und klage dir meine neunundneunzigerlei Gicht! Ich klage sie nicht mir Sondern dir!" Der Wanderzigeuner fordert das Fieber auf: „Geh weg, Fieber! Geh weg, mein Schmerz! Geh weg in den Baum, Woher du gekommen bist! Tahin geh, du Fieber!" Ganz ähnlich sagt man in märkischen Gegenden zum Flieder, wenn man in der Nacht bei abnehmendem Mond um einen auf der Grenze stehenden Fliederbaum einen Faden bindet: „Guten Morgen, Herr Flieder, Ich bringe dir mein Fieber lind binde dich an Nun gehe ich in Gottes Namen davon." Ob solcher nächtlicher Spaziergang für den Kranken wirklich immer Genesung bringen soll, erscheint indessen mehr als zweifelhaft, und je häufiger man es tut, umso weniger dürfte man seine Krankheit los werden. Oft ist es auch nur noch der Name, das Wort, das — ohne materielle Mittel — zum heilkräftigen! Spruch erstarrt ist und personifiziert wird, wie man in Ostpreußen gegen Blutungen die Beschwörungsformel spricht: „Es gingen drei heilig«. Frau'n Des Morgens früh im Tan'n. Tic eine hieß Aloe, Die zweite hieß Blntvergeh', Die dritte Blutstillesteh!" Daß sich noch ebenso tote an diese harmlosen.die Legendes auch an die giftigen Pflanzen heften, bedarf kaum der Hervorhebung^ Da bei diesen sich Zauberei oft genug mit wirklicher medizinischer Bedeutung und Behandlung paart, brauchen wir ihrer hier an dieser Stelle, wo es die seltsamen Wege des Volkse glaubens zu zeigen gilt, nicht weiter zu gedenken, und könnest Tollkirschen wie Nachtschatten, Primel und Herbstzeitlose, Finger- W U- a. übergehen. Der Teufel und die Hexen haben ihr Spiel mit der Pflanzenwelt in breiter Ausdehnung, wie schon aus zahlreichen Namen hervorgeht: Hexebese, Hexenkraut, Teufelszwirn, Teufelsabbiß (Scabiosa succisnh und in gleicher Weise streiten sich die Engel und Maria um die Blumen: Engelblümchen, Himmelschlüssel, Marieuträncn (Orchis mascula), Marienkralit (unserer lieben Frauen Mantel) und anderes mehr. Die Zartheit dieser Legenden steht in gewissem Gegensatz, zu den älteren, echteren, derberen Pflanzeuwundern, die mit Liebe und Minne zn tun haben. Hier ist das zweite große Herrschaftsgebiet des Pflanzenzaubers, und so muß zunächst der Königin unter ihnen gedacht werden, der Alraune (Mandragora officinalis). Gehört sie auch zu den Solanccn, der Gattung, welcher auch Stechapfel, Bilsenkraut, Tollkirsche angehören, so hat sie in der Pflanzenmythologie doch von diesen' Geschwistern abweichende Wege eingeschlagen. Tie Alraunwurzeln machen hieb- und stichfest oder sie machen unsichtbar oder sie verschaffen dem, der sie trägt, Liebe. Aber eine solche wundertätige Alraunwurzel zu gewinnen, ist. nicht leicht und nicht ungefährlich.^ Natürlich muß es bei Nacht geschehen, wohl auch ilur am Freitag, unb ein schwarzer Hund muß mitgenommen werden. Ties um deswillen, weil die Pflanze, wenn sie aus der Erde gezogen wird, einen Schrei ausstößt, der jeden, der ihn hört, tötet. So muß man die Pflanze durch den Hund, den man mit dem Schwanz an sic anbindet, ausreißen lassen, selbst aber auf mehr als Hörweite sich' entfernen. Die Alraunwurzel nun sieht aus wie ein Wesen mit zwei Beinen (Alraunmännchen, Alruna -— die Allwissende); man tut ihr also ein Hemdchen aus lveißer oder roter Seide an, pflegt sie und verwahrt sic gut. Eine ganz ähnliche Vorschrift ist die, daß man, um sich bei Mädchen beliebt zu machen, die Wurzel der Ringelblume (Calendula officinalis) in einem violettseidenen Tüchlein Bei sich tragen soll, oder die Wurzel des Baldrian oder des Eberwurz. Aber auch Gegenmittel werden namhaft gemacht. „Sollte jemand vermuten, daß ihm die Liebe in einer Speise eingegeben sei, so nehme er Raute oder Mauerraute, Weintrauben und Theriak, lasse es mit einer Zwiebel braten und esse dann alles zufammen." Wie herrlich konnte man sich auch der Springwurzcl bedienen, die verschlossene Türen ausspringen läßt nnd so Wege bahnt, die sonst Etikette und Bewachung verschließen! Wie willkommen war der Farnsamen, der unsichtbar machen soll, wenn er am Johannistag abgestreist oder zufällig in die Schuhe gestreut sei! Wie gern bediente man sich der Mannstreu, tote sie Phaon, der Liebling der Sappho bei sich getragen hat, um sich bei beit Frauen beliebt zu machen. Und endlich, wie gern entsinnt sich der Volksglaube der schönen Sagen, die sich um den Mistelzweig winden, um auch heute noch des Segens teilhaftig zn werden, der von diesem Wunderzweig ausgehen soll, unter dessen Schutz sich die liebende Jugend ungescholten küssen darf, unter dessen Stich sich Baldur verblutete, um die Welt wieder neu zu ver- jüngen. Die Sagen, die sich an diese merkwürdige Parasitpflanze knüpfen, gehen demnach auf sehr alte Zeit zurück; deutschen und keltischen Völkern ist der Glaube an die Heiligkeit des Mistel- zweigcs gemeinsam, und schon Plinius berichtet uns, daß man dieses Gewächs vont Himmel gefallen wähnte und als ein göttliches Zeichen auf dem auserwählten Baume ansah. Um den Zweig zu schneiden, der alles heilt, Fruchtbarkeit verleiht und gegen alle Gifte hilft, muß der Priester kommen in weißem' Gewand, mit goldener Sichel, auf einem Wagen von weißen Stieren gezogen, die zuvor noch nie im Joch gegangen waren. Wahrlich, so seltsam unb unfruchtbar uns alle diese kindlichen Launen der Volksphantasie anmuten, so wenig praktischen Wert sie heute in unserem Zeitalter der Elektrizität, des Wirtschasts- kampfes und der sauren Arbeit haben, wie viel Poesie, wieviel sinnige Natnranpassnng und Naturliebe steckt doch in diesen abergläubischen Vorstellungen.! Ja erst dann, wenn man sie recht erkennt und nicht mehr an sie glaubt, erschließen sie sich dem vom Wahne nicht mehr Umfangenen als daS, was sie sind: Kindheitsträume aus Wunsch- und Wunderland, Bereicherung des nüchternen Pendels zwischen Geburt und Tod durch die Vor- ahnüug eine#. Fülle von Beziehungen, die die Wissenschaft erst später klärt oder durch Besseres ersetzt. Und so ist es nicht ohne Gewinn, sich in den Aberglauben anschauend zn versenken. Dr. A. E. Kranzößsche Lustschiffer über ihren Klug nach Berlin. Die belgischen und französischen Lustschisser, die in der vorigen Woche mit den Ballons „Ville de Bruxelles" und „Emulation bu Nord" in der Nähe von Berlin gelandet sind, veröffentlichen in der „Etoiie Beige" einen ausführlichen Bericht übe« ihre Weitfahrt. Herr Geerts, der Führer der „Bille dc Bruxelles", schreibt: „Lannoy, Passcleeg und ich waren um 7 Uhr 21 an Bord' der „Ville de Bruxelles" aufgestiegen und hatten uns bald Bis zu einer Höhe von. 300 Meter erhoben. Wir hatten Lei der Abfahrt 55 Säcke zu 12 Kg., im ganzen also 660 Kg. Ballast. Wir fuhren über Wychmael bei Löwen, dann südlich von Diest. Ein anderer Ballon, der höher war als wir, flog rascher: wir stiegen nun gleichfalls höher hinauf und hatten ihn bald eingeholt. Es war die „Emulation du Nord" unter der Führung des Herrn van Eslande. Wir verloren den Ballon erst ans dein Äuge, als die Nacht hereingebrochen mar, und nachdem wir uns durch elektrische Signale verständigt hatten. Wir überfliegen die Maas bei Maescyck, in einer Höhe von 500 oder 600 Meter. Westfalen, eine sehr industriereiche Provinz, macht auf uns den Eindruck einer riesigen Lichtermasse: der ganze Horizont schien in Flammen zn stehen. Ten Rhein überfliegen wir bei Düsseldorf um Mitternacht, in einer Höhe von 700 Meter. Es war nicht kalt, wir brauchten nicht einmal unsere Ucberzieher anzuziehen. Tas Industrieland ist überflogen, und wir schweben nun über schwarzen Feldern: ein Sprühregen kostete uns drei Sack Ballast. Während der ganzen Nacht geben wir acht bis zehn Sack ab. Uebersliegung der Weser um 5 Uhr morgens: unter uns liegt die Stadt Hildesheim, Wir sind 2000 Meter hoch, über einer Wolkenschicht, nnd sehen der Sonne ins Auge. Eine — 476 — halbe Stunde später aber hat sich darüber eine zweite Schicht gebildet und uns die Sonne verhüllt: wir müssen infolgedessen! wieder bis auf 300 Meter herabsteigen und 25 Kg. Ballast aus- werfen. Die Richtung ist bis jetzt ständig West-Süd-West nach Ostz-Rord-Ost gewesen. Gegen 8 Uhr zeigt sich die Sonne von neuem, und wir schnellen auf 3000 Meter empor. Um ein wenig zu schlafen, vertraue ich die Führung Passelecq an. Ich hatte aber kaum ein Viertelstündchen geschlummert, als ein heftiger Donnerschlag den Grafen von Lannoy imb mich aus dem Schlafe weckte. Wir waren 3400 Meter hoch, zwischen zwei Wolkenschichten, die sich im Süden verschmolzen: au dieser Berbindungs^ stclle war daS Unwetter aüsgebrochen. Da Donner nnd Sturm Miner näher kamen, beriet ich mit meinen Kameraden, was zu tun wäre. Wir flogen mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometer in der Stunde und hatten seit zwei Stunden die Richtung verloren: vielleicht flogen wir direkt auf das Meer zu. Der Ballon war von selbst im Abstieg begriffen, und wir liehen ihn ruhig fliegen. Der Abstieg wird immer schneller, und wir fliegen mit einer geradezu phantastischen Geschwindigkeit — 10 Meter in der Sekunde — durch die Sturmwolkenschicht. Um den jähen Absturz aufzuhalten, müssen wir so rasch als möglich 250 Kilogramm Ballast auswerfen. Die Sturmlvvlkenschicht tvar beinahe 3000 Meter dick. Nach eilten: Abstieg, der elf Minuten gedauert hat, sind wir nun in der Nähe der Erde, unter Sturm und Platzregen. Einige Minuten lang berührt das Schleppseil bett' Boden. Ich frage Passelecq, der von Beruf Elektriker ist, ob lvir in Gefahr sind, vom Blitz getroffen zu werden. Nach seiner Ansicht war jedoch die Gefahr, da unser Ballon eine Aluminium- Hülle hat, in bett höheren Luftregionen weit größer. Wir lanben hinter einem Wäldchen, wo unser Schleppseil von Berliner Schuljungen festgehalten wirb. Es ist 9 Ühr 2 Minuten. Die Sonne taucht wieder auf und wir lassen den Ballon trocknen. Da kommt bin neuer Platzregen! Der Ballon muß noch einmal getrocknet werden, nnd wir können erst atm 2 Uhr abreisen. Wir srüh- stücken und schenken unsere Schokolade und unfern Zuckervorrat den braven Jungen, die uns geholfen haben. Bon der Bevölkerung wurden wir wahrhaft herzlich ausgenommen. Wir waren in Buch bei Bernau, etwa 15 Kilometer nordöstlich von Berlin, Wäre nicht der Sturm gekommen, so wären wir wohl nach Rußland gelangt und hätten bei dem Winde, der an diesem Tage herrschte, leicht den Weitfahrtsrekord schlagen können." Die Herren Crombez und van Elslande, die sich an Bord der „Emulation du Nord" befanden, veröffentlichen uachstehenden Bericht: „Die vielen Zwischenfälle, die sich bei dem Aufstieg des Ballons ereigneten, ivaren keine gute .Vorbedeutung für unsere Fahrt. Als das Kommando: „Loslasfen!" ertönte, wehte ein scharfer Ostnordostwind. Wir erhoben uns sofort bis zu einer Höhe von 500 Metern und fuhren mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometern in der Stunde. Um 9 Uhr 35 Minuten flogen wir bei Maastricht über die Maas; um 10 Uhr 20 Minuten überflogen wir in der Nähe von Düsseldorf den Rhein. Hier war das Panorama geradezn feenhaft: die großen Industriestädte des Rheintales erschienen uns inmitten der sie umgebenden Dunkelheit ganz in Licht gebadet. Die „Ville de Bruxelles", die uns seit der Abfahrt begleitet hatte, ist so nahe, daß wir uns von einer Gondel zur andern verständigen können. Plötzlich aber verlieren wir diesen Ballon aus dem Auge. Es geht ein Platzregen nieder, und wir müssen 50 Kilogramm Ballast answerfen; wir steigen in- folgedessen über die Wolken hinaus und sehen Nun sechs Stunden Nichts mehr von der Erde. Es ist aber höchste Zeit, die Richtung des Ballons 'zu erkunden, denn wir sind vielleicht schon, ohne es zu ahnen, mitten auf der Ostsee. Wir steigen bis auf 150 Meter herab und schicken uns, da wir den Exerzierplptzl von Potsdam sehen, zur Landung an; auf dem Exerzierplatz übt Kavallerie, die uns vielleicht- Helsen wird. Wir beschließen! aber dann doch die Fahrt fortzusetzen, da wir fürchten, daß wir festgenommen werden könnten (!). Wir überfliegen bett Grünewald, die Potsdamer Seen und vollen dann unser Schleppseil auf. An einem Waldsaume sehen wir eine große Lichtung; wir gehen mit dem Ballon herunter; eine Reiterin und ein Reiter fragen uns auf Deutsch: „Wer sind Sie?" Wir geben durch Zeichen zu erkennen, daß wir nicht Deutsch verstehen. Die Dame spricht dann französisch mit uns und holt mit ihrem Begleiter aus der nächstgelegenen Ortschaft einen Wagen für unfern Ballon. Eine halbe Stunde später find wir in Berlin." Vermischtes. * Der erste Kriegsballon. Jetzt, da inan gerade den Z. I, unseren ersten „Reichslustkreuzer", dem praktischen Dienst an der Grenze übergibt, interessiert es vielleicht, an den ersten Ballon zu erinnern, der aktiv an einem Kampfe teilgenommen hat. Dies war der von dem französischen Physiker Coutelle konstruierte „Entr eprenant“, der äußerst wirksam die Operation des Generals Jourdan gegen die Oesterreicher während des ersten Koalitionskrieges in Belgien unterstützte. Nachdem sich Contelle bereits durch kleinere Rekognoszierungen hervorgetan, erwarb er sich unvergänglichen Ruhm in der Schlacht bei Flenrus (26. Juni 1794)/ in der zum größten Teil auf seine Erkundungen hin die Franzosen einen entscheidenden Sieg über die Oesterreichcr erfochten. Das energische Feuer, das der Feind auf den Ballon eröffnete, war völlig wirkungslos; Coutelle verfolgte von seiner hohen Warte aus die Entwicklung des Gefechts und signalisierte jede Veränderung in der feindlichen Stellung an General Jourdan. Die Verständigung geschah durch ein doppeltes Kabel, das an den Stricken, die den Ballon hielten — der „Entreprenant“ war natürlich ein Fesselballon, — befestigt war. Außerordentlich schwierig gestaltete sich aber-der Transport des Ballons, der mit der Armee doch gleichen Schritt halten mußte. Ihn jeweils an seinem neuen Bestimmungsort zu füllen, hä-lte zuviel Geld und vor allem Zeit beansprucht, deshalb mußte man den Ballon in der Luft mit- schleppeu. 20 Taue waren zu diesem Zwecke an: Mittelkreis des Ballonnetzes befestigt, deren Enden von Soldaten gehalten wurden, die rechts und links von der Landstraße marschierten um den Zug des übrigen Heeres nicht zu stören. Coutelle, der, nebenbei bemerkt, das erste reguläre Luftschiffcrkorps führte, nahm später auch an Napoleons Expedition nach Aegypten teil, wo er den Mamelucken mit seinem Ballon zwar einen heillosen Schrecken verursachte, im übrigeu aber wenig in Aktion trat, da Bonaparte merkwürdigerweise die niilitärische Verwendbarkeit des Ballons verkannte. * Löwen a l s Wohltäter der Menschheit. Die Besucher der Zoologischen Gärten, die die graziöse Antilope und btö. scherte Zebra in feinem Gehege beobachten, werben erstaunt feilt zu hören, baß biefe scheinbar so harmlosen Tiere von beit Farmern Afrikas mehr gefürchtet werben als bie Könige ber Wüste, bei bereu Gebrüll ber Neugierige unwillkürlich vom Gitter bes Löwenkäfigs zurückweicht. Der bekannte englische Afrikareisenbe David Garrick Longworth, ber soeben aus Ostafrika, wo er auch Roosevelt bei seinem Jagbzug traf, nach Englanb zurückgekehrt ist, gibt darüber interessante Aufschlüsse. „Tie Mederinetzelung von Löwen in Ost- afrika ist eine große Gefahr für die Ansiedler, denn der Löwe ist es, der bie Farmer von ihren gefährlichsten Feindeit befreit, von ber Antilope ttnb bent Zebra, bie in Herden über bie Pflanzungen herfallen intb bie mühevolle Arbeit bes Jahres zerstören. Ein gewöhnlicher Löwe, ber etwas auf sich hält, braucht burchschnittlich zwei Zebras oder Antilopen in ber Woche für standesgemäßen Unterhalt. In ber letzten Jagdzeit jedoch hat man 356 Löwen nur in ber Umgebung von Nairobi erlegt; bas bedeutet natürlich eine enorme Vermehrung ber Antilopen uttb Zebras, Man schmiedet! auch bereits Pläne, biefem liebel vorzubeugen. Voraussichtlich wird bereits im tommenben Jahr eilt neues Jagdgesetz erlassen, das jeden Jäger, ber Löwen schießen will, zwingt, vor der Erteilung ber Erlaubnis zwanzig Zebraschwänze vorzulegen." Longworth erzählt dann von seinem Zusammentreffen mit Roosevelt, beut das Jägerglück in Afrika anscheinend günstig ist. Roosevelt hat sogar eine Herde von 17 Giraffen gesichtet, eilt Anblick, den selbst alte Afrikareisende noch nicht genießen konnten. „Er erzählte mir, daß er vollauf zufrieden gewesen wäre, wenn er aus seiner Tour nur einen einzigen Löwen vor seinen Laus bekäme. Bereits in beit ersten fünf Jagdtageu aber konnte er brei erlegen. Er war über feilt Jagdglück begeistert wie ein Kiub ttnb brückte allen die Hand, Negern wie Weißen. Nun erwartet ihn noch eine Besonderheit, die alles übertrifft: die Erlegung des Löwen durch Speere, Das ist ein aufregender Kampf, der die Schauer eines Stierkampfes überbietet und der gewiß in Zukunft auch viele Europäer nach Ostasrika locken wird, wo man den Winter fo genußvoll verlebt wie kaum wo anders." Zitaten-Nätfel. Aus jedem der iolgeudeit Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Der Umgang mit Frauen ist bas Element guter Sitten. 2. Wenn du das große Spiel der Welt gesehen, So kehrst du reicher in dich selbst zurück. „ 3. Arbeit ist des Blttles Balsam, Arbeit ist der Tugend Quell. 4. Wer'früh erwirbt, lernt früh den hohen Wert Der holden Güter dieses Lebens schätzen. 5. Da? sieht schon besser aus! Man sieht doch wo ttnb wie. 6. Wen Golt niederschlägt, der richtet sich selbst nicht atü. 7. Ernst ist das Leben, heiter die Kunst. 8, Das Weib soll stehn an ihres Mannes Seite. Auflösung in nächster Nunnner. Auflösung des Kapselrätsels in voriger Nummer: Ein dl ch wohnt unter jedem D a ch. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckere'. N. Lang«, Gießen.