Samstag den Mai WW Lied fahrender Schüler. Nun kam nach langer Winterhast Der Frühling endlich wieder, Mit neuer Lust und neuer Kraft, Mit Maienduft und Flieder. Jetzt laßt die strenge Arbeit ruhn, Die Stiefel neu besohlen! Der Teufel mag die Bücher nun Und die Magister holen! Hell sprüht und blüht der junge Mair Feinslieb, wir müssen wandern! Zu Tausch und Tanz und Tändelei Verschreib dir einen andern. Mit sorgenledigem Gemüt Gehts jetzt in Welt und Weiten, Wo Sonnenglast und Lust und Lied Uns maienfroh begleiten. Frischauf, der Maibaum schwankt im Wind, Was wollt ihr länger zaudern! Viel schöner ists, bei schönem Kind Ein Stündchen zu verplaudern, Als hier in dumpfer Stubenluft Allmählich zu vertrauern, Und nur umweht von Tintenduft In Weisheit zu verbauern. Noch sind wir jung, noch lacht der Mai Uns allen aus den Augen, Da will der Weisheit Tyrannei Dem Leben wenig taugen. Uns küinmert weder Geld noch Gut, Nur junger Lenz und Leben, Die uns zu keckem Wagemut, Zu Lust und Lieb gegeben. Die Wälder sind voll Kling und Klang, Die Wolken selber tanzen, Die Mädel schauen sreudcbang Aus allen Heckenschranzen. Nun frisch die Mütze von der Wand, Verfehmt sei alles Streben, Den Wanderstecken in die Hand Und keck hinaus ins Leben! x Karl Neurath. Spätinghof. Roman von K. v. d. E i d e r. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 10. Mehrere Jahre waren verflossen, seitdem Aundortjen Klasen in Spätinghof eingezogen war. In Holzpantoffeln und Umschlagetnch war sie über die Schwelle getreten. Ms Bild einer armen, verkiiinmerten Witfrau, aber eine kurze Zeit genügte, um dies Bild zu verwandeln. Wer die Frau jetzt Sonntags morgens in die Kirche gehen sah, im schwarzen Umhang, mit Kapotthut, Jltiskragen und großer Muffe, der hätte die arme Frau aus her Ramstedter Deichkate nicht wiedererkannt. Auch im übrigen hatte sie sich vorteilhaft verändert!. Ihre Gestalt war behäbig, ihre Wangen waren voll und rosig geworden. Man sah ihr die guten Tage an; sie repräsentierte den Wohlstand auf Spätinghof. In dieser Beziehung hatte ihr Jan vieles zu danken. Sie ivar die Seele des Hofes. Sehr rasch hatte sie sich in die Rolle der Herrin gefunden, die sie gewiß oft in Gedanken geübt hatte. Spätinghof erhielt bald ein freundlicheres Aussehen. Weiße Gardinen, Töpfe mit blühenden Blumen zierten d.ie Stubenfenster. Die Wände wurden mit hellen Tapeten tapeziert, die Dielen geseift und geölt. Auf den Tisch, den zu Mamsells Zeiten ein braunes Wachstuch bedeckte, legte Anndortjen eine bunte wollene Decke und breitete eine schneeweiße Serviette darüber. Sofa und Kommode putzte sie mit gehäkelten Deckchen aus. So wurde Anndortjen der gute freundliche Geist des finsteren alten Hauses. Aber sie rastete nicht. Sie sorgte dafür, daß nach der Hochzeit Knecht und Dienstdeern gemietet' wurden. Auf ihren Rat 'wurde die Zahl der Kühe verdoppelt, llner- müdlich war sie tätig beim Melken, Suttern und Käse- machen. Jetzt fühlte sie sich in ihrem Elenrente. Sie ließ' es sich auch nicht nehmen, am Markttage mit Jan nach Husum zu fahren, um Butter und Käse zu verkaufen. Dies war sogar ihr Hauptvergnügen. Wenn sie nach stundenlangem Stehen auf dem Wochenmarkt sich bei Krischan Kopmann an heißem Kaffee und Groben erquickte und sich mit den anderen Bauersfrauen über Kälber und Butterpreise und auch wohl mal über das Detter unterhielt — das war Anndortjens schönste Stunde. Tine überließ der Mutter gern das Regiment im Hause. Sie war in ihrer schmiegsamen, scheuen Art .mehr zum Dienen geschaffen. Die junge Fran hatte noch nichts von ihrer Schönheit eingebüßt: im Gegenteil, ihre Züge hatten sich verfeinert, ihre Augen blickten noch seelenvoller als früher. Aber fröhlicher war sie nicht geworben. 270 ähnlich dachten auch die Leute un Dorfe. „Der Vater hat das Kind nach sich gezogen, hieß es. Tine verfiel mehr und mehr ins Grübeln. Dies war ein Erbteil ihres Vaters, der auch den Fehler besessen hatte, mehr zu denken und zu grübeln, als ihm gut war. Tines Schul- und Weltbildung war aber eine viel zu mangelhafte, als daß ihr das Denken Klarheit gebracht hätte, im Gegenteil, es verwirrte sie, machte sie schwermütig und unsicher. , „ ■ ■ . . In mancher Stunde, wenn Spätinghof in tiefem Frieden lag, floh der Schlaf von ihr, und wenn sie dann morgens aufstand, zeugten dunkle Ränder unter ihren Augen von stillen inneren Qualen. Noch einen anderen Fehler ihres Vaters besaß sie: sie las gern und viel. Leider bestand das ihr gebotene Lesematerial meist aus minderwertigen Schauerromanen, die ihrer aufgeregten Phantasie nur noch mehr Nahrung gaben. Wenn sie etwas besonders Fesselndes gelesen hatte, stellte sie Vergleiche an mit sich und Jan und den Personen geschlossen hatte. „Ein Herzschlag," hatte Doktor Michelsen gesagt. „Die Milch ist schuld; sie ist zu gut." . _ Ein Herzschlag? War nicht Jak auch an einem Herzschlag gestorben? Sollte ein Kind an Milch, an reiner, guter Milch sterben können? Solche Gedanken bewegten das Herz, des jungen Weibes, ähnlich dachten auch die Leute im Dorfe. Warum ging er seiner Frau aus dem Wege? Sie war doch seine Frau! lieber solche Fragen zerbrach sich Tine beit Kops. Im Anfang ihrer Ehe hatte sie um Jans Liebe geworben, Wochen-, monatelang. Sie hatte geworben mit jedem Blick, jedem Wort, jeder Handreichung, so wie ein treuer Hund, wie ein Sklave um die Gunst seines Herrn wirbt. , „ , Jan hatte die kleinen Zeichen nicht bemerkt und nicht beachtet. Er hatte getan, was er für seine Pflicht hielt: er hatte dem eigenen Glücke entsagt, um ein unglückliches Weib zu retten. Seitdem ging er still und in sich gekehrt seiner Beschäftigung nach. Erst später dämmerte ihm das Gefühl, daß auch Tine der Liebe bedürfe. Er begann sich nach ihr umzusehen, aber da hatte sich die scheue Seele des jungen Weibes schon wieder in sich selbst zurückgezogen. Nach dem Tode des Kindes gab sich Jan wirklich Muhe, mit Tine freundlich und sanft zu verkehren; sie empfand es wohl, aber es war nicht das, was sie ersehnte: es war keine Liebe. ,, „Weshalb ist er so freundlich gegen mich?" dachte sie. „Jak hat mich geschlagen und gescholten; aber er liebte mich. Mir wurde heiß und kalt in seinen An is tuciE Sliebc !/z Tine fing an, Jan zu beobachten. Aus jedem Zufallswort, aus jeder Miene glaubte sie etwas zu lesen. Sie bewahrte aber alles, was sie dachte und fühlte, in ihrer Brust; die schwatzhafte Mutter durfte davon nichts ahnen. Frau Anndortjen ahnte auch tatsächlich nichts von m Seelenzustande ihrer Tochter. Sie schalt diese wohl ost wegen ihres sonderbaren Wesens. Hinterher jedoch entschuldigte sie die Tochter: „Sie hat zuviel durchgemacht. Sie hat böse Tage gesehen; das ist ihr aus den Kopf geschlagen " Im übrigen suchte die kluge Frau das Leben auf Spä- I tinghof nach ihren Wünschen und Neigungen umzugestalten. Freilich, mit der Geselligkeit haperte es; in der Marsch waren die Leute exklusiver als auf der Geest. Die Bauersfrauen hatten sich von vornherein von Tine zurückgezogen. Sie war ein ehemaliges Dienstmädchen, dazu von der Geest; das genügte» um den näheren Verkehr mit ihr anszn- schließen. Von den Nachbarn kam wohl hin und wieder mal einer rum Schnacken; die Männer nahmen es in Sachen des Standesunterschiedes nicht so genau. Klaas Nissen von Bäkhof kam saft alle Tage auf Spätinghof; seine Tochter Liete aber rümpfte die Nase, wenn sie an der Trift vorbei- Stlt9qiitoei(en lud Anndortjen die Kantorsche, die Bäckersche | und die Krüger sehe zu einer Tasse Kaffee und Backwerc ein; | Anndortjen war nicht wählerisch. Wenn mal einer aus dem Dorfe kam, ein Handwerker mit einer Rechnung oder ein Nachbar, der um einen gute» Rat verlegen war ober j sich etwas leihen wollte, dann wurde ein Glas Grog ge- | macht, die Karten kamen auf den Tisch, und eine Partie Sechsundsechzig verkürzte die Zeit. Mit ihrer Milchkundschaft stand sich Anndortjen vorzüglich. Das Geschäft blühte unter ihren Händen. Dio I Weiber kamen auch am liebsten zu ihr. Wenn He,sterische anhub: „Ach, Frau Klasen, was Sie for 'ne seine Muff haben! Ich sage zu Nasche, die ist noch größer als der Frau Lehnsmann ihre" — dann war sie sicher, Aiindortjen I gab noch einen tüchtigen Guß über das Maß hinaus. Lehm- becksche beeilte sich dann, hinzuzufügen: „Solche seine Sachen als Frau Nachbarn hat so leicht keiner in Witzwort. ■ Und Anndortjen lächelte gerührt und. ließ das übe« den Topf gehaltene Maß ordentlich überlaufen. I Nach Tines Verheiratung war auch Schaue Sönksen eiw» ! mal auf Spätinghof gewesen. Anndortjen freute sich aufrichtig über den Besuch der j alten Freundin. Sie nötigte Schane in die Wohnstube, I kochte einen seinen Extrakafsee und stellte einen gehausten I Teller Kuchen auf den Tisch. Nach dem Kaffee zeigte sie «Schaue Keller und Küche. Sie führte die Alte m den | Stall; sie öffnete Schränke und Schubfächer. Ja, Jte schäm | nicht übel Lust zu haben, die alte Frau die Bodentreppe | hinaufzuschleppen. Dabei versicherte sie einmal über oas. I andere, sie sei gar nicht stolz geworden. I „Ist auch nicht vonnöten," meinte Schaue trocken. Als wenige Monate nach der Hochzeit ein schwarz- i haariges Knäblem zur Welt kam, da schien es, ob chr ei» neues Leben aufginge. Eine inut erliche Geschäftigkeit kam über sie. Mit größter Sorgfalt pflegtefie ba^ Jhnb | und als sie nach kurzer Zeit nicht mehr imstande war, es in nähren, machte sie ihm selbst das Fläschchen zurecht. Sie besorgte selbst alle kleinen Handreichungen, die dazu gehörten: sie spülte die Flaschen, bürstete die Gummi- sauqer, kochte die Milch, mischte und wärmte sie und hielt die Flasche so lange in der Hand, bis das Kind fie leer» getrunken hatte. Tag und Nacht sorgte sie sich um da^> kleine Wesen. Gert, so wurde der Knabe genannt, gedieh unter der sorgsamen Pflege. Schon begann er zu lachen, zu strampeln und niedlich zu werden, so daß selbst ^an anfinsg, sich für das Kind zu interessieren; da trat etwas Unvorhergesehenes ein und vernichtete das junge Leben. Die Kühe waren von jeher das Schicksal auf Spätinghof gewesen; nm die Kühe drehte sich alles, von ihnen hing der Wohlstand, Leben und Sterben ab*. Wie alljährlich im Mai wurden die Kühe hinaus auf die Fenne getrieben. Das frische, duftende Spätmggras mundete ihnen vortrefflich, nachdem sie int Winter nur Heu und Schrot gefressen hatten. Die Milch, die jetzt in die Küche kam, war cremegelb und besaß das Aroma des Maiengrases. Sie war fett und köstlich, aber sie wurde dem Säugling zum Verderben. Das Kind trank fein Fläschchen wie immer vor dem Einschlafen leer. Es schlief auch ruhig ein und schrie wahrend der Nacht nicht ein einziges Mal. Als die Mutter es aber am nächsten Morgen aufnehmen wollte, da lag e» bleich und starr in feiner Wiege; es war tot. Durch die veränderte fette Milch waren Krämpfe hervorgeruftn worden; ein Herzschlag hatte dem jungen Leben ein Ende gemacht, als noch die Mutter in ihr«- Bette nebenan in tiefem Schlummer lag. Entsetzlich schwer ward es Tine, , 4 in den Plötzlichen Tod ihres Lieblings zu finden. Sie konnte es nicht fassen, daß das Kind, das sie noch am Tage vorher mit ^aks dunklen Angen angeblickt gatte, nun die Augen für immer des Romans. „ Immer anfs neue verfiel sie ins Grübeln. "Warum nur Jan immer fo gleichmäßig ruhig und freundlich blieb, fragte sie sich. Er trauerte nicht um den Tod des Kmdes; er nahm das Ereignis hin als etwas, das kommen mußte. Er hatte das Kind nie geliebt. Er liebte auch feine Frau nicht. „ , , Warum hatte er fie denn geheiratet? Weshalb hatte er nicht Franke Steffens geheiratet, das frische, blonde Mädchen, nach der er sich Sonntags in der Kirche die Augen ausguckte? War er es dem Bruder schuldig gewesen, die verlassene Brant zu heiraten? Fürchtete er, daß sie ihn anklagen würde? 271 Anndortjen konnte sich's nicht versagen, ein bißchen fuhr' sie fort, „ich kann solche stolzen Leute nicht leiden, die sich Gott weiß was dünken und nachher keinen mehr angucken, wenn sie reich werden. Ich bm gar urcht stolz, und ich kann es mir doch ebensogut leisten als die andern. Mein neues Kleid hat drei Mark das Meter gekostet und ist in Husum bei Fräulein Hensen gemacht. Mein Pelzwerk ist echt Iltis, und die Uhr ist vom Uhrmacher Reimers, der kann bezeugen, daß ste rein Gold ist. Aber darum bin ich doch nicht stolz. Ich kann stolze Leute nicht mtS^Unb ich kann keine Leute ausstehen, die so braschen," (prahlen) entgegnete Schane. . Nachdem die alten Freundinnen sich tn dieser versteckten Weise ihre Meinungen gesagt hatten, schieden sie scheinbar in bestem Einvernehmen. Zum Kartenlegen war Schane aber zu Tines Leidwesen an dem Tage nicht gekommen. Sie wiederholte ihren Besuch auch nicht, trotzdem Anndortjen sie öfters durch die Stutensrau einladen ließ. „Laß die Altsche wegbleiben," sagte sie endlich. „Wir brauchen ihr Wahrsagen nicht mehr, wir haben es ja gut." Tine freilich dachte anders. Sie hätte sich gar zu gern mal wieder aus den bunten Bildern ihr Schicksal herauslesen lassen. Schanes Worte: „Den du kriegst, den behältst du nicht," ließen ihr keine Ruhe. Warum sollte sie Jan nicht behalten? Was für furchtbare Dinge würden noch geschehen? Sie konnte sich nicht ruhig ihres Lebens freuen, ste mußte zu oft an die Zukunft denken, die in unergründliches, tiefes Dunkel gehüllt schien. „ . , . * ™ .. _ Jan ahnte nichts von dem Seelenzustande fernes Werbes. Wohl fiel ihm manchmal ihr sonderbares Wesen aus, aber er war nicht klug genug, um es zu ergründen. (Fortsetzung folgt.) Walpurgisnacht. Volkstümliches zum 1. Mai. Von O. Schell-Elberfeld. „Es trägt der Besen, trägt der Stock, Die Gabel trägt, es trägt der Bock; Wer heute sich nicht heben kann, Ist ewig ein verlorner Mann." Mit diesen Worten aus Goethes Faust ist die Walpurgisnacht Nach dem Glauben des Volkes in aller Kürze gekennzeichnet. Mannigfach sind die Gebräuche, die sich mit dem 1 Mar verknüpfen, dem Tag der Waldburg oder Walpurgts, der Gehilfin von Windfried-Bonisazius, die erst in Heidenhein bet Eichstätt in Bayern, dann ini Eichstätt selbst beigesetzt wurde. Greifen nur zunächst einige von diesen alten Bräuchen aus den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes heraus. Schon Prätorius bemerkt: „Bor allen anderen haben sie zum öfteren anderswo besondere Zweige, so matt bei uns Wolburgs may nennet, von einem Baum oder Staude, der sonsten viel rothe Beerlein träubleinweise traget, und desseit Blätter klein sino, sonsten sorbus torminalis, Eberesche, Vogelber." Prätorius deutet damit einen abergläubischen Gebrauch, der vordenr (vielleicht vereinzelt auch noch) in Westfalen am 1. Mai, am Walpurgistag mit dem Walpurgismai geübt wurde und den man kurzweg das Kalvcrguoken nennt. Durch diesen soll, unter dem Hersagen eines gewissen Reims (fast in Zauberform), dem Vieh! Fruchtbarkeit übermittelt werden. Der 'berühmte Erlaß des großen Kurfürsten voii Brandenburg (1669) 'bezieht sich mit folgen beul Worten auf diesen Gebrauch: „Auf Maitag das Vieh gequicket lind die Quickruten an die Türen und Hecke des Hofes ausgestecket." Im B r a n n s chw e i g i s ch e n trieb man früher am 1. Mar die Kühe auf die Weide und zwar geschah das dürcy Mädchen, die eine mit Bändern geschmückte Peitsche trugen. Auf der Weide vder dem Anger nahm der Dorshirte das Vieh in Empfang. Das letzte Mädchen wurde arg verspottet.- Die Mädchen tanzten dann nut deut Hirten umher, warfen ihn übermütig zu Boden tutb jedes suchte von den in den Boden gesteckten Peitschen die längste zu erhalten, da ihr Flachs dann auch ani längsten wurde: In Ermland bindet.der Gemeindehirte am 1, Mai den Milchkühen Kletteir zwischen die Hörner, damit ihnen nicht die Milch'in die Hörner schießt. Im fränkischen Jura ist der Austrieb des Viehs am 1. Mai ein Tag der allgemeineit Volks- sreude, der mit einem Biergelage auf dem Anger begangen wird, früher aber am Abend int Wirtshaus mit Tanz, Essen und Trinken („Kuhschwanz") gefeiert wurde. Einen Tanz („Hurt- tanz") kennt man am 1. Mai auch in der Oberpfalz- und in Niederbayern. „Die Hirten der einzelnen thüringischen Gegenden pflegten einige Zeit nach dem Austrieb, am Sonntag vor Pfingsteit, an bestimmten Stätten, z. B. an der „Tanzbuche" oberhalb Friedrichrodas, zusammenzukommen; während die Herden in einiger Entfernung weideten, bereiteten die Frauen das Essen; mit Beratungen über gemeinsame Angelegenheiten, Essen und Trinken, Musizieren und Tanzen vergingen die Stunden," so erzählen Kück-Sohurey in ihren Festen und Spielen des deutschen Landvolkes. In einigen Gegenden Böhmens hat sich, ein ähnlicher Gebrauch erhalten wie der oben von Westfalen mitgeteilte; der Hirte segnet die Tiere und besprengt sie aus einem Weihwasser- Töpfchen, das er nach dem Gebrauch aufs Geratewohl unter die Tiere wirft. Die Besitzerin des getroffenen Stückes Vieh gibt ihm eine besondere Belohnung. Im Sieger lande werden die Kühe mit Glocken bedacht, wie in den Alpen. Tie Hörner werden den Tiereit vor beut Austrieb abgestumpft, um gegenseitige Verletzungen zu verhüten. Eilt Geschenk in Form von Eiern erhält der Hirte für diese Bemühung. Ferner legt der Hirte beim ersten Austrieb gerne seinen Sonntagsstaat an. Den Uebergang von den bisher angedeuteten' Hirtengebräuchen am Walpurgistag zu den Hexenfahrten in der Walpurgisnacht vermittelt eine von Kuhn mitgeteilte Sage. In derselben wird etni Maitagshorn erwähnt, dessen sich die Hexen in der Walpurgts- nacht bedienen. Aber der Knecht eines benachbarten Gutsbesitzers entwandte den Hexen das Horn und lieferte es seinem Herrn aus. Die Hexen gaben sich nun alle erdenkliche Mühe, wieder in' den Besitz des Hornes zu gelangen. Am nächsten Tage ließ sich ein vornehmer Herr bei dem Gutsbesitzer melden und versprach ihnt, eine Besitzungen mit einer sieben Fuß hohen Mauer zu umgeben, wenn er das Horn zurückgeben werde, andernfalls würde sein Gehöft dreimal nacheinander abbrenneN, gerade dann, wenn er sich am reichsten dünke. Der Besitzer gab das Horn nicht zurück und das angekündigte Unheil trat ein; doch ließ der König die Gebäude wieder aufführen. Das Horn schickte man durch das ganze Land, um zu erfahren, woher es stamme, doch alle Mühe war vergeblich. Tie naheliegende Frage, weshalb der Volksglaube die wüsten Orgien der Hexen in die Nacht vor; den 1. Mai, in die Walpurgisnacht verlegte, ist zunächst mit dem Hinweis zu beantworten, daß dann noch mancher Berggipfel mit Schnee bedeckt ist, bm die Hexen weglanzen müssen. Berggipfel sind durchweg bte Tanzplätze der Hexen in der Walpurgisnacht. Wir sagen mit gutem Vorbedacht „Tanzplätze", denn nicht nur der Blocksberg im Harz ist hier anzusühreu, sondern viele andere Hexen- ober Blocksberge in ganz Deutschland, wie schon I. Grimm nachgewiesen hat. Das weitschichtige Kapitel vom Hexenglauben, Hexentanz nsw. kann hier nur so weit es notwenig ist, gestreift werden. „Daß stch bte Hexen mit dem Teufel verbiuben und vermischen", schretbt K. Simrock, „unb zu Walpurgis diejenige unter ihnen, au welcher der Teufel vorzügliches Gefallen hat, zur Hexenkönigin erwählt wird, hängt wohl mit dem Hochzeitsfeste Wnotans unb Frouvas zusammen, bas um biefe Zeit, ber wonnigsten des Jahres, begangen wird. An die bei dieser Hochzeit geschlungenen Festtanze knüpft wohl auch der Volksglaube an, wonach die Hexen in der Walpurgisnacht den Schnee vom Blocksberge wegtanzen sollen." Krauß aber hat -in seiner: Neu-Ansgäbe von Dulaure (Des Divinites gmwratrices) den Urfprung des Hexensabbaths weit tiefer erfaßt und sieht in ihm die letzte Form eines geradezu international zu nennenden Kults int westlichen Europa, bei dem man die Possen der großen und kleinen römischen Orgien in allen Einzelheiten nachahmte. Der Hexensabbat scheint der altdeutschen, Mythologie nicht angehört zu haben. Uralte Kultreste haben sich, wenigstens in Deutschland, an weitverbreitete Hirtengebräuche angeknüpft, die in ihrer Ausfahrt (Austrieb des BiehS), durch bte Jahreszeit (Frühjahr) fest bestimmt waren. Ein bnttes Element, das wir deutlich in dem Treiben ber Walpurgisnacht erkennen, ist ber mittelalterliche Teufelsglaube. Es bleiben noch bie Vorsichtsmaßregeln gegen bte Hexen und* ihr Treiben in der Walpurgisnacht zu erwähnm. Wer in der Walpurgisnacht den Tanz der Hexen belauschen will, muß sich unter eine Egge stellen, deren Ziitken nach oben gerichtet sind (Westfalen). Allgemein herrschend ist der Gebrauch, in der Walpurgisnacht die Türen, vor allen Dingen die Stalltüren, mit drei Kreuzen zu versehen, damit die Hexen einem nichts anhaben und dem Vieh nicht das Gedeihen nehmen können (Mark Brandenburg). In der Neumark b^eichnen die Kinder ihre Schuhspitzen mit drei Kreuzen; wer das unterläßt, bekommt ein Kreuz auf den Rücken gemalt. In der Zauche nagelt man Zweige von Kreuzdorn auf die Krippen, Futtertröge und Schwellen der Biehställe. In anderen Teilen ber Provinz Brandenburg säet man in der Walpurgisnacht Gurken und Kürbisse, in dem Glauben, dieselben gingen so schnell auf, wie die Hexen den Blocksberg hinaufreitrn. Am WalMrgisabend pflegt man in Mittelfchlesiest hin und wieder Raumstücke und Besen kreuzweise vor die Stall- tiiren zu legen, um die Hexen abzuhalten. Bon besonderem Interesse ist eine Nachricht aus dem Riefengebirge, der zufolge dort die hl. Walpurgis von wilden Geistern versolgt wird: Einem Bauern begegnete sie einst int Walde mit feurigen Schuhen, langen, wallenden Haaren, eine goldene Krone auf dem Haupte und in bett Händen einen dreieckigen Spiegel Und eine Spindel, verfolgt von einem Trupp Reiter auf weißen' Rossen. Ten Grundton dieser Sage bilden die wesentlichsten Züge der Sage vom wilden Jäger; Walpurgis lieh wohl nur den Namen, während wir erst in zweiter Linie den Hexenritt der Walpurgisnacht zn erkennen vermögen. Ms letzte Konsequenz — 272 des Glaubens an den Hexenntt in der Walpurgrsnacht erscheint die in Weimar und Ettersburg übliche Gepflogenheit, am, Abend vor Walpurgis die Heu- und Mistgabeln, fatote die Reisigbesen zu verstecken, damit sie nicht von den Hexen gestohlen und zum Ritt auf den Blocksberg benutzt würden, ^n den stallen richtet man die Besen mit den Stielen nach unten und setzt ne neben die Tür, um dadurch den Hexen den Eingang zu verwehren. Die Schüsse, die man in manchen Gebirgsgegenden Sachsens, aber auch in einigen Gegenden des Tieflandes in der Walpurgisnacht vernimmt, haben nun den Zweck, die Hexen zii vertreiben. Auch die Walpurgisfeuer werden angefacht, um den Unholden zu wehren. Der 1. Mai als Sehenswürdigkeit, / Wie es Engländer möglich machen, sogar bte „M a i s et er geivisserniaßeii als gejchäitliche Transaktion zu veriverten tind den 1. Mai als eine Sehenswürdigkeit allerersten Ranges hinzustetten, davon weiß Element Ballte l >m Pariser „Matlli ein Niedliches Geschichtchen zu erzählen. c ., ,. . . „In einem Blatte von Manchester fand lch dieser Lage iolgeiide nlerkwttrdige Anzeige: R e i s e g e s e l l s eh a , t X. . . and Sons Großartiger Ausflug nach Paris aus Anlaß der gräßlichen Ausstände am 1. M a t. Preis 125 Francs (Reise, Hotel, $8eigen und Trinkgelder mit einbegriffen). Unsere Reisenden werden in Paris Großartige T u m ulte sehen. Einschreiten der Polizei und d e r T r u p p e n. Imposante Aiiizüge. B erh a f ttin g e>i in Masse. P l ü n d e r li n g e n von Warenhäuser n. Besuch der Krankenhäuser. Die Gesellschaft empfiehlt diese Reise ganz besonders, weil sie die größten Sensationen verspricht. Avis. Für einen Schilling v e r s i ch e rt man sich gegen j e d e s R i s i k o. Ein wenig überrascht von dieser Ankülidigiing begab ich mich z>i deni Direktor der Pariser Filiale der Gesellschaft und bemerkte etwas schüchtern: „Wenn nun aber der 1. Mai ruhig verlaiist, wenn es weder Aufruhr noch großartige Aufzüge gibt . . ." Da lachte der Herr Direktor und entgegnete: „Atem Herr, ete haben den Schlußsatz unserer Ankündigilng übersehe». Dort heißt es ausdrücklich: Für etwaige Aenderungen des Programmes übernimmt die Gesellschaft keine Verantwortling!" vermochte». *' N e u e F a r b e n i n d e r M o d c. Ein geistvoller Künstle« hat einntal die Mode die Kunst genannt, die nicht nut Farben, sondern „mit Stoffen malt". Und er hat damit das Gemeinsame von Malerei und Mode gekennzeichnet, 'daß sie nämlich beide ihren eigentümlichsten Reiz durch die farbige Wirkung erhalten Die Kunst der Kleidung ist freilich rioch ,pater als bte Kunst der Palette zu einer rein farbigen Wirkung gekommen; sie war itoch viel länger in dem Hervorkehren von Form und Linie befangen und erst mit dem Aufblühen des „Impressionismus ist auch dcr Sinn für die rein farbige Schönheit im Aufputz eines Kleides oder eines Hutes durchgedrungen. Heute arbeitet auch du Mode Mit einer „Fleckentechnik", indem sw farbige Werte unvermittelt nebeneinander fetzt und mit einer Fernwlrkung ^rs Kleides rechnet, oder sie gefällt sich in einer vorsorglichen Kunst des Abstimmeiw und Ausgleichens der Töne, so daß alle Schattierungen der Farbe durchlaufen werden und in feinsten Abstimmungen alles zusammen- gestellt wird. Es Mag mit der Vorliebe für den Stil des Empire zusammengehangen haben, daß. man in den letzten .pahren dreifach verblaßte und gebrochene Farben bevorzugte, ^n der antikisierenden Zeitspanne um die Wende des achtzehnten nnd neunzehnten Jahrhunderts waren ja eigentlich zum ersten Mal m der Mode unentschiedene Töne eingeführt worden, nachdem schon im Rototo das starke Farbengefühl früherer Zeiten ut rosa und grauen Tönen gedämpft worden war. Damals kamen allerlei gedampfte Farben auf, das dunkelrötliche Braun, das matt,chwarzliche Blau, das durchsichtigblasse Flaschengrün; daran schlossen sich in der Biedermeierzeit .zahllose Nuancen des Graus, bte ins Rötliche, Blaue ititb Violette spielten. Ein solches Zerstören der vollen starken Töne zugunsten unsicher schwankender Farbenspiele und gedämpfter Akkorde machte sich in unseren letzten Moden, bte auf Rokoko, Empire und Biedermeier, auf lauter koloristisch zarte und müde Stile, zurückgriffen, deutlich bemerkbar. Nun stnnmt die Mode wieder eine volle Fanfare der Töne an und als et» neues Merkmal kraftvollen Farbensühlens in ihr erscheinen grelle Farben, an die sich bas Auge langsam wieder anpassen muß. <20 erscheint uns in ben neuesten Hüten unb Stoffen manches wohl knallig und grell, bas eine spätere Zeit, beten Augen an diese gesättigte Farbenfreube in ber Toilette gewöhnt sind, als selvst- verstänblich hinnehmen ivirb. Da sich jeboch kein llmsturz plötzlich unb ohne Uebergänge vollziehen kann, bestehen in der »eiten Palette, die die Mode für diese Saison zusammengestellt hat, blassere Tone immer noch fort. So wirb sich nicht jede Dame mit beit starken Tönen von Rubinrot und Smaragdgrün' befreunden können, die als Lieblingsfarben dieses Frühlings auftreten. Dunkles Haar und lebhafter Teint werden durch einen solch kräftigen Rahmen außerordentlich gehoben, aber die Blonden und Blassen werben lieber zu ben rosa Farben greifen, bte von ben lichtesten bis zu ben bunteUten Schattierungen getragen werden. Noch kühner unb Mit noch mehr Vorsicht zu verwenben sinb bas Jnbigoblau, das schrille „Veronese-Grün", das Korallenrot und das säst brennende Orange. Es erfordert den sicheren und fein abwagenden Geschmack einer Künstlerin, nm solche fremden Farbentöne mit der Hautfarbe in Einklang zu bringen unb sie geschickt zn bombten. Die beliebten Garnituren von Straß unb Perlen, bte man vielfach sieht können bazu verwendet werben; auch bte leichten, lichten Fichus, bte Hals unb Büste umfließen, bürten einen neuen Ton in die Wirkung des Kleides bringen und wirken auch farbig reizvoll mit ihren Gold-, Silber- unb Perlenfranzen. Zur Belebung bes ganzen „Farbenorchesters" bienen dann all die Arten bes leuchtenden Grüns, des Gelbs vom sanften Goldklang bis zur Zitronen- farbe, die violetten Töne, die in beit neuesten Stossen wieberkelften. Neben ihnen steht 'braun unb grau. Noch starker als ut ben Kleibern macht sich bte Farbenfreube in ben Hüten bemerkbar. Hier sieht man hauptsächlich starke lila Farben, Sträuße von Anemonen/ Parmaveilcheit und großen Stiefmütterchen, bereit dunkles Violett bis zuM Schwarz geht. Im Strotz fallen Farben auf wie Ultblan und Altrot und die Samtbänder übertrumpfen diese Farben noch in starken Kontrasten. Eine bunte, Auge und Herz erregende Pracht entsteht so, deren Farbigkeit nur schwer zu bändigen ilt. Der Frühling naht Mit Prangen, aber noch prangender naht die Frühlingsmode mit ihren neuen Farben. * Sehr richtig. Fran Biermund begleitet vorsichtigerweise ihren trunkfesten Mann beständig zum Abendschoppen, lieber hält auch sie tapfer ans, als daß sie den allzu Gambrinusftohen allein ließe. Einmal fällt ihr die Sitzung aber gar zu schwer, besonders, da es am Abend vorher auch reichlich „früh geworben war, unb so mahnt sie beim gegen Val2: —Mann, nun mach Schluß, wir sind heute auch erst früh um eins nach Hause gekommen !" — „Aber Miezekcn," erklärte ihr Gatte, „gerade deshalb müssen Wir schon noch ein Weilchen bleibe», cs Ware ia ein Skandal, wenn wir an einem Tage zweimal ans ber Kneipe nach Hause kämen!" , _ . , * Gipfel der Bequemlichkeit. Junger Geck (zum an beim): „Was seh' ich, Tu drehst Dir die Zigaretten selbst? — „Jcu ber Arzt hat mir Bewegung verordnet * ßiuter Rat. Fremder (am Stammtisch Platz nehmend): „Die Herren gestatten? Mein Name ist Schwarz !" — Stammgast „Schwarz? Da Müssen Sie 'n halt waschen lassen. Literatur. — Wilhelm Leibl. Ans seinem Lebenswerk. Eine Kiinstgabe. 14 Blätter, Umschlag von Prof. I. V. Eisiarz und Mit einer Einleitung von Otto Gebhardt. _ Gine neue Kunstgab ber Freien Lehrervereinigung zu Berlin ist int Skrtag uon Krfiinlr Maini erschienen, die eine Auswahl aus dem Leben.'- werke des großen Malers in der Absicht bringt, diesen Künstler aurfi den weiteren kunstliebenden Kreisen unseres ^Vaterlandes bekannt zu machen. Ans den Werken Wilhelm Leibls tritt 111m eine starke und aufrechte Persönlichkeit entgegen; Liebe zum Wahrhaften eine lebendige Freude ant Ursprünglichen, wie eine fthiei unendliche Hingabe an den jeweiligen Gegenstand der Darstellung 'kennzeichnen sein Schaffen. Das Heft enthalt in Lwppelton- Knnstdruck: Selbstbildnis, Die Torfpolitiker, Birkhahniagcr, Bauernmädchen, Frhv. v. Perfall als Jäger, Dachauer Baiierlniun, In der Küche, Wildschützen, Tischgesellschaft, Dame 'n schwarz, IM Atelier, Pariserin, Bauernmädchen bet der Arbeit unb Baueru- jäger. Diamanträtsel. I» die Felder nebensteheiider ____ Figur sind die Buchstabe» a a a • abbdddddeeeeelm . —--, n n n n r r s derart eiuzutragen, ® I daß die wagerechte» Reihen 1—---s— folgendes bedeute» : 1 • ! 1. Eine» Buchstaben. .iaia ö A|a I 2. Teil des meiifchl. Körpers. ' ! 9 \ 9 9 9 । “_^-l 3. Eine Tageszeit. I 1 9 I 4. Deutsche Residenzstabt. 1—,---------------- 5. Ei» Laub. . . I • I 6. Biblischen Namen. --- 7. Eiile» Buchstaben. Die senkrechte u»b ivagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche. Auflösung in nächster Nummerr J ---- M Auflösung des Homonyms in voriger Nummer: Der Regen. Redaktion: K. Neurath. - Rotcitionsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».