Montag den ßebruar PhoioRr- auf ?;.,h.noii.'.Gug,jss"en MKWM Auf Liebespfaden. Roman von £>. E h rhard t, » 'Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Der Änkömmlüng, eine mUtelgwße, kräftige Gestakt mit einem t'iiitbcit, sehr farblosen Gesicht und pechschwarzem Haupt- und Barthaar, schnallte bereits, beit’ Uebervock öffnend, den Säbel ab, hängte ihn an die Garderobenhaken neben der Tür und legte Mühe und Handschuhe auf den grossen Diplomatenschreibtisch, der den Pfeiler zwischen den beiden Fenstern einnahm. Er Ivar noch nicht lange beim Regiment, hatte sich aber in Hasfingens Krankentagen so kameradschaftlich teilnehmend bewiesen, daß dieser vertrauter mit ihm geworden war, als es vielleicht in gesunden Tageil geschehen wäre. „Nun bin ich aber neugierig, Kamerad, wieso ich der Ehre Ihres häufigen Gedenkens teilhaftig wurde," sagte er, seinen «gewohnten Platz in der Ecke de» altmodischen, aber bequemen, roten Ripssofas einnehmend, „schießen Sie los!" Hassingen gab seinem Liegestuhl einen kleinen Ruck, mit dem Kameraden besser ins Gesicht -sehen zu können. Es war ihm ganz lieb, daß er dadurch den Fenstern nut ihrem grellen Licht den Rücken znkehrte, denn er hatte das Pech, Lei der geringsten Kleitiigkeit, die ihm Anlaß zu einer leichten Verlegenheit gab, zu erröten, und da? gab oft mehr, als ihm lieb war Veranlassung zu Neckereien. „Mögen Sie eine Zigarre, Espach? Dann langen Sie sich Von dem Tischchen neben Ihnen die Kiste rüber." Der. Gefragte wehrte ab. „Nee! Zünde mir mit Ihrer Erlaubnis lieber eine Zigarette an." Er holte eilt silbernes Etui aus dem Ueberrock, und bald kräuselten sich die bläulichen Rauchwolkchen duftend gegen die schon stark gebräunte. Zinmterdccke. Auch .Hassingen hatte aus einer einfachen Juchteutasche eine Zigarre genommen, die letzte, die von der uwrgendlichen Füllung Noch geblieben. Er war ein starker Rancher, aber Zigaretten hatte er sich Vicht erst angewöhut. Die kamen ihm zu teuer. Er lehnte sich, die brennende Zigarre in der Rechten, tvieder bequem zurück und erzählte mit der heiteren Miene, die er seit Espachs Eintritt zur Schau trug, sein kleines Abenteuer vom Nachmittag. ~. Während er sprach, überrieselte ihn tvieder der prickelnde Schauer, der angenehme Nervenreiz, wie in der Nähe des verliebten kleinen Mädchens. ! . „Das Drolligste bei der Sache ist, daß ich weder von der einen noch «von der anderen mehr als den Vornamen weiß!" schloß er seinen Bericht, „das fällt mir eigentlich erst jetzt ein." Walter Espachs dunkle Augen blitzten unternehmend. „Ist ja total Wurscht, wie die süßen Dinger heißen, Haupt- sMe, sie bringest, ein bißchen Leben in die Bude; das heißt, einen kleinen Spaß für zwei schneidige Leutnants von Seimw Majestät Infanterie-Regiment 1085, die verurteilt sind, in einer spießigen, klatschsüchtigen Stadt zu vegetieren." „Ja, Kamerad, das ist aber gerade der heikle Punkt bei dem „kleinen Spaß"." Hassingen richtete sich lebhaft empor und stützte den Arm auf die Sofaecke neben seinem Stuhl. „Die lieben Spießer werden wohl bald Lunte riechen, wenn wir Beiden da anbändeln sollten — dann gehts den kleinen Mädchen an den! Kragen — so sehr es niich lockt, eben jetzt war ich ganz Feuer und Flamme für so ein Techtelmechtel mit der süßen Helene —• aber plötzlich ist da eine Stimme, die mich warnt — das Mädel täte mir leid," Ec war rot geworben, und die Falte auf seiner Stirn vertiefte sich. Ter Andere schlug die Beine übereinander, tat einen nach- denklichen Zug aus seiner Zigarette und bemerkte dann, den Ringeln aus seinem Munde nachsehend: „Ich glaube. Sie haben zu viel Gemüt, Hassingen." Ter blickte einen Moment starr auf das in rotem Kreuzstich ausgeführte Greifenmuster der Tischdecke. „Zu viel Gemüt?" wiederholte er. „Ich denke nicht, daß ich das habe. Wenn ja, dann will ichs jedenfalls nicht wahr haben,, dann unterdrück ichs mit Gewalt. Ich kränke oft Menschen, die mir nahe stehen, mit einer gewissen Gefühlsrohheit. Es liegt liegt vielleicht nicht in meinem Charakter, aber ganz bestimmt an der Erziehung int Korps. Sie stahlt fürs Leben, sie weckt das Selbstbewußtsein und erzieht zur Selbständigkeit, aber die Gefühlsseite des Taseins wird nicht, weiter entwickelt. Nie vergeß ich das Hohugelächter der älteren Kameraden, als ich in den ersten Tagen, vom H.imweh überwä tigt, die Tränen nicht mehr jurückhaiten konnte. Ich haoe nie mehr geweint, auch dann nicht, wenn ich nach den Ferien von Hause abreiste und niemand von den Kameraden meine Tränen gesehen hätte. Mir sind seitdem auch Tränen bei anderen Menschen furchtbar peinlich, um nicht zu sagen unangenehm. Ich hab immer das Gefühl, ich kamt da nicht, mit, und das macht mich nur noch kälter." „Na, Rührszenen sind gerade auch nicht mein Schwarm, aber direkt peinlich —? kommt darauf an. Wenn so einem kleinen Mädel die Tränen über die rosigen Wangen kollern, dann küsse, ich sie ganz gern weg und bin auch pflichtschuldig gerührt, Wenns etwa Abschicdsträneu sind. Trotzdem möchte ich behaupten, daß Ihnen innerlich solch eine Sache näher geht wie mir. Und toenn Sie etwa fürchten, Hassingen, daß Sie mal bei so einer Liebesgeschichte nach irgend einer Richtung hin scheitern könnten, dann lieber Hand weg, dann versuch ich morgen allein mein Heil." Ter Nachsatz nahm den ernst gesprochenen Worten seine Wirkung. Hassingen lachte amüsiert. „Tas könnte Ihnen so passen, alter Freund. Nee, daö gibts einfach nicht." „Na, also! Wozu die Skrupel? Wir brauchen die Sache ja nicht zu forcieren — schließlich können wir die Mädels ja iik allen Ehren zum Traualtar führen, ist doch gar nicht aus> geschlossen." ?0 „Ja, wem« sie sehr viel Geld Hatte!" meinte der Jüngere halb für sich- . ... „ , „ . Es klang wie ein schwermütiger Seufzer, feine Heute Pause entstand. An free Lauswand drüben war der Sonnen,chetir erloschen, im Zimmer webte, durch den Tabaksqualm verstärkt, schon eine leichte Dämmerung. Das ist die Stunde des Tages, da die grauen Gespenster des Lebens die grösste Macht haben über ein Mcnschenherz. Wesenlos schleichen sie heran, aber ihre Sprache ist laut und ihr Blick durchbohrend. „Wie gut Sie es doch haben, Espach!" begann Hassingeu, den Kops in die Hand stützend und während des Sprechens kleine Züge ans seinem Zigarrenrest rauchend. „Sie brauchen nicht stets auf der Hut zu sein mit Ihren Gefühlen, Sie können so ganz frei wählen — gefällt Ihnen mal ein Mädchen wirklich so gut, dass Sic meinen, es sei für Ihr Glück nötig, dann brauchen Sie nicht die grässtiche Frage zu tun: Hat sie Geld? Hat sie sebr viel Geld? Denn für mich must sie, sehr viel haben — meine ganze Familie klammert sich ja an diese Hoffnung — glauben Sie, das hängt mir manchmal wie ein Bleigewicht an den Füßen — eine ordentliche Angst ist dann in mir: Wirst du denn auch so ein Mädchen finden? Denn ohne Liebe? Nein. Nicht ans Sentimentalität, ich bin wirklich kolossal kühl in diesem Punkte, sondern ans Ehrgefühl. Ich möchte meiner einstigen Frau nicht gegenüber stehen mit dem Bewußtjen, sie nur des Geldes wegen geheiratet zu haben — nm ihret- und nm meinetwillen nicht. Können Sie das verstehen, Espach?" Ter Aeltere warf den glimmenden Rest seiner vierten Zigarette Mit einer nachlässigen Bewegung auf die bronzene Aschenschale vor sich. 1 „So ganz und gar nicht, lieber Hassingeu. Was wollen Sie? Sv eilt reiches Mädel, das sich partout einen hübschen, flotten Offizier einbildet, sich dazu noch sterblich in ihn verliebt, warum !vollen Sie so 'n Mädel nicht glücklich machen? Im übrigen ist Liebe sehr oft Einbildung, und wenn man nicht gerade auf ein Scheusal hereinfüllt, nimmt man mit ein bißchen gutem Willen die ungeliebte Finn schließlich ganz gern in die Arme. Na, Und gehts gar nicht — dann gibts genug andere, die es, ich Möchte sagen, leider, viel besser verstehen, uns zu beglücken, als unsere sogannten anständigen Frauen." Die Dämmerung verschleierte den weichen, fast sehnsüchtigen Zug um Hassingens volle Lippen. Aber seine Stimme klang bewegt, als er leise sagte: „Möglich dast Sie recht haben, Espach. Sie wissen ja um znein Verhältnis zu dem Heinen Bürgermädchen in G. — Es war geradezu eine ideale Zeit dieses Jahr — war ein Jammer, daß ich dort fort mußte — cs ging mir wahrhaftig damals höllisch an die Nieren — und noch jetzt manchmal —" Er vollendete nicht, sondern versank in nachdenkliches Schweigen. Espach klopfte ihm nachdrücklich auf die Schulter. „Und der Mensch will behaupten, daß er kein Gemüt hatl" „Nur anfallweise, Espach — beim Atisentandergehen war ich kolossal vernünftig damals — sie tröstete sich wie alle Frauen damit, daß sie mich noch behalten würde, indem B. ja nicht aus der Welt läge — aber schließlich war fies, die mir eines Tages den ßlbschiedsbrief schrieb — es ist mir trotzdem eine sehr liebe Erinnerung — ich möchte wohl wissen, lvas aus ihr geworden —“ „Ach was!" meinte der Aeltere a'us seiner Sofaecke heraus, ^lassen Sie die Toten ruhen, die Lebenden haben das Recht. Ich finde, wir sind von Ihrem heiteren, kleinen Abenteuer in ein verflucht ernsthaftes Gespräch hineingeraten. Bin sonst mehr fürs Fidele, die Sorgen kommen ungerufen, und Sie, lieber Hafsingen, sollten wirklich wieder anfangen, Ihr Leben zu genießen, sind ja jetzt glücklich über den Berg. In spätestens 14 Tagen können Sie wieder Dienst tun, Habs selbst gehört, wie der Oberstabsarzt es dem Major sagte — die kleine Schwäche wird bei tägliche« ,Gehübungen rasch beseitigt fein, sagte er." Der Andere fuhr wie elektrisiert empor. „Espach, Mensch! Und das sagen Sie mir jetzt erst? Das freut mich ja kolossal. Gott, nur wieder gesund sein und die Uniform anziehen dürfen — selbst auf die dämlichen Rekrnteu- gesichter sren sich mich." „Warum nicht noch gleich auf Ihren Hauptmann?" „Na, der wird froh sein, mich wieder zu haben, und sonst — ich hab ein hartes Fell und bin unter Umständen schwerhörig — sein Hitzkopf bin ich auch nicht — über kleine Balgereien geht es zwischen uns nicht hinaus." Der junge Offizier Ivar ganz aitfgeregt vor Freude. Er liebte MuM Beruf, er fühlte sich glücklich und befriedigt darin trotz aller pekuniären Kämpfe, er war wie ein Gefangener, dem man Md Freiheit verkündet. Ms der ältere Kamerad bald darauf ging, um im Kasinv eilte Maibowle zu trinken, ließ er den Patienten in neu erwachtem! Lebensmut zurück. Selbst die Tatsache, daß Stadthagen mit ganz unglücklichem! Gesicht die Lampe brachte und zugleich an der Hand eines leere« Portemonnaies und einer mit seltsamen Hieroglyphen bedeckte« Schiefertafel bewies, daß sämtliche Gelder wieder einmal verausgabt seien und zum Abendbrot außer Brot und Butter nichts Eßbares vorhanden wäre, vermochte seine gute Laune nicht z« trüben. „Brot und Butter tut's auch, Stadthagen'; Sie können mir nur noch eine Tasse Tee dazu brauen — ich bin ja wieder gesund," sagte er, das ganze, sympathische Gesicht wie durchleuchtet von innerer Befriedigung, die Arme dehnend, als müsse er seine Kräfte neu erproben. Bella nahm das als eine Aufforderung, sich auch ihrerseits zu äußern, und umsprang bellend bald ihren Herrn, bald den jetzt vergnügt grinsenden Burschen, bis Hassingeu ihr lachend Ruhe gebot. (Fortsetzung folgt.) Wie ich Las erstemal über den Tauern kam. Humoreske aus dem obersteirischen Volksleben. Von Josef Steiner-Wischenbart. Neber den Tauern fahren, heißt im Pülstaler Volke so viel, als den heiligen Ulrich anrufen. Nachdem auch dieser Ausdruck nicht überall landläufig ist, so muß ich schon heraus mit der Geschichte, löie ich das erstemal über den Tauern fuhr und dennoch den heiligen Ulrich nicht anrief, weil — er wo anders zu tun hatte. Zur Zeit, als ich noch ein ganz kleiner Knirps wav und hoch droben auf dem Habringberge in lederner Hoss die Baumwipfel besuchte, uni die Geiernester ausznnehmen, und von dort ans einen großartigen Ueberblick über das Mnrtal von Scheifliug bis Knittelfeld und über das ganze Pölstal und auf den romantischen Rottenmanner Tauern! hatte, saß ich manchmal ruhig und dennoch gespannt aus dem Fußschemel meiner Taute, der „Moiz", iueitit sie das eckige „Kiudergedicht" mir und meiner Ziehschwester, der viel braveren „Ortsbanern-Luisl", vordeilamierte: „Bauer, du, steh' früh auf! Treib' ma Ochs'n und Küha aus, Treib' ma's übern Tauern, Kemm' man za an Bauern. Dem Bauern geb' man a Ml ha, D' Kuba gibt uns Milch, D' Milch gibt uns Nahm, D' Rahm gibt uns Butter, D' Butter gib ich 'n Kaisa, Der Kaisa gibt uns Roß und Kog'lwog'n, Daß ma olli kinnan in d'n Himm'l fvh(r)n." „Bua, das wär' lustig! Zuerst über den Tauern und! dann in den Himmel." Und die Augen der Kinder leuchteten. Hatten schon die majestätischen Berge in mir oft diö Sehnsucht wachgerufen, einmal diese Alpen zu besuchen, so kann man sich meine unbegrenzte Freude denken, als ich — neun Jahre alt — vom Großvater die Erlaubnis erhielt, über den Tauern zu gehen. Diese Erlaubnis kam ganz unerwartet. Mein Großvater, ein vermögender Bauer im Zugtal, weitum bekannt als der „Freitagvater", hatte immer schöne Ochsen und diese waren sein Stolz, seine Freude, sein Leben, sein Vermögen. Nicht ungern kamen die „Oesterreicher^ (Viehhändler) zu ihm. , , _ Aber der Handel ging meist langsam, denn mein Großvater ließ nicht gern einen Gulden nach und die Viehhändler waren trocken wie das fuchsrote Leder ihrer bauchigen Brieftasche. Aber dann, — wenn der Handel abgeschlossen war und lautes Patschen und Klatschen verriet, daß soeben etwas rechtskräftig geworden war, dann — begann mein Herz im Leibe zu hüpfen, denn ich durfte regelmäßig bemr „Ochsenstellen" nach Möderbruck den Großvater begleiten. Es war nämlich Sitte, daß jeder Bauer selbst das gekaufte Vieh zu einem bestimmten Gasthaus, meist in Möderbruck (an der Taueimstraße), in einigen Tagen zu „stellen" hatte, wo es der Händler übernahm nnd den Rest des Mus Schillings auszahlte. Auf ein paar Liter Wein und dem obligaten „Bratl" durfte es dem Viehhändler dort nicht tW kommen. 71 Diesmal war es der Händler Heißmann aus der Gegend von „Kirdorfs" (Kirchdorf), der meinem Großvater ein Paar schöne Murbodener abkaufte, die am nächsten Montag bis zum Gasthofe „Lackwirt" in Möderbruck zu stellen waren. Es war im Herbst und der Hafer war schon im Stadel. Das ist die beste Zeit zum „Ochsenstellen". Bald waren wir, der Großvater und ich, mit den Ochsen „bei der Straße", denn wißt, des Großvaters Haus stand auf einem bewaldeten Berge 1400 Meter ich er dem Meere und 500 Meter über der Straße des Tales. Die Oechslein waren nur lose mit einem „Prügel-Joche" aneinander gebunden und benahmen sich bei der Abreise sehr würdig und anständig. Ich hatte das wichtige Amt eines Antreibers und immer wieder schrie ich: „Hüa! Hüa, Homel! Hüa, Bam- Liaz!*) Hüa, Bam!" Mit der Peitsche durste man nicht antreiben, denn die Ochsen mußten ohne „Striche" sein, Ivie ein Ei sauber, voll, nicht schwitzig. Als wir zum Lackwirt kamen, waren schon Bauern und — Ochsen genug da. Man braucht nicht überall der erste zu sein. Würdig durchschritt der Biehhändler, ein kleines, lustiges Männchen, die Reihen, musterte mit Kennerblick die gekauften Ochsen, schnitt wohl hier und da mit der kleinen Schere sein „H" auf dem Rücken der Rinder in die Haare ein, bekritelte dort und da die langen Klauen, weil das Vieh nicht leicht gehen könne und auch die langen Cchweifbüscheln, ivelche gewöhnlich die Vichtreiber (meist blutarme Strolche) sogleich qbschnitten und verkauften. Auch Materialisten! Aber auch die Bauern unter sich waren in lebhaftem Verkehr. Es galt ja, wieder jüngere Ochsen anzukausen, um sie für den „Oesterreicher" heranzuzückten. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man alles Getier im ganzen Bezirk, wie es aussah und tote teuer der Bauer damit war. Also gab es auch diesmal beim Lackwirt viel Gespräch um die Ochsen. Der Viehhändler zahlte protzig aus: die Bauern steckten nachdenkend die volle Brieftasche ein: der Wirt eilte geschäftig mit der Literflasche hin und her: in der Küche prasselte das „Bratl". Nicht selten ging da Mancher später heim und zählte an den großen Westeu- knvpfen: „Bin i's?" — „Bin i's uet?" - Bin i's?" (drinnen tm Straßengraben). Der Steiner tut Zeiringgräben sang wohl auch manchmal: „Gams und die Reh, Holadie, Kernen schöa he — zum Stoaner in Grob'n, v Und a schea's Weib — lusti valeib Und scheane Ochs'n — düs muaß ma yab'n." 1 (Jodler.) Der Händler trieb seine 30—40 Ochsen noch am selben Abend vont Lackwirt weiter. Heute hatte er noch Honentauern als Reiseziel. Aber cs fehlten ihnt Treiber und jo. chU'w er: „Wer gibt seinen Buam mit bis am Tauern? Otn Gmden! — Uud's Jaus'n! — Und's übernachten! — ,i! — Die Peitsch'« selber mitbringa!" Ich schaute den Großvater leicht an: Tas wäre die schönste Gelegen- hett, einmal aus den Tauern zu kommen und dabei einen Gulden zu verdteneik. „Aber du bist noch z' schwach." Hoheu- ?ouern ist fünf stunden von Möderbruck entfernt. „Du blst «och a kloaner Knäufl (Knirps) und kannst nix dcr- «Äi*' ^( caundl'n heißt das unbeholfene Gehen der Kinder.) „seind dir halt d' Maß immer z' kurz." So ntrlc t($ 6Iiätc rotbeschämt zu meinen kurzen men hinab, Ich war, tote gesagt, neun Jahre alt. Ich ttseV ^ut und in der nächsten Viertelstunde ging ich schock Ochsen einher und schwang gar den larchenen Peitschenstecken. Es ging famos, die etn übermütiges Oechslein hinaus tu me Jaoutßcfu, die noch tut späteren Herbst „epps" für KwEv oufzuweisen haben. T^er Staub legte sich an die hrr ^nbr^ ^’!ne >Each buchstäblich und zeitweilig brachte hintZ be /„n^' E ^6'" bald vor der Karawane, bald yiutc-L ihr fuhr, ans den au der Straste stebendeu Gasthäusern perlenden Wein. „Trink, Sepper?' — ^aße b nan , ^gestärkt ging es die Iauern- praße hinan. Das Vieh wurde milder, aber auch der Sepperl. ?^Aie eines Ochsenpaares, r,B. der rechte ZL..b,es Bau," her linfe Lia^/AehnliF auch ämU , „Stivn-Heiß". Die Ochsen hören arif diese Benn „Kurz in Vordertauern" stand eine imposante Ka- pelle. Dort war auch das Altar! schön. Ich sprang hinein um auch ein toenig zu sitzen und auszuruhen. Ich wein nicht, tote viele Minuten ich da drinnen saß — —. Ich bin nach lautem Herumschreien des Händlers in der Kapelle — erwacht, war aber nicht mehr fähig, den Ochsentreiber zu spielen. Die jungen Btuskeln waren nach diesem zweistündigen Marsche zu viel ermüdet; der Wein hatte das kleine Hirn gelähnit. Der Ochsenhändler dingte gleich beim Bauern eineu Knecht als Treiber und nahm mich in seinem Wagerl nach St. Johann mit, wo ich beim „Seppwirt" mich erholen könnte. Er war mit meinem Großvater gut Freund und die Mühe, die er mit mir hatte, machte ihm nur Spaß. Dabei hatte er selbst schon einen respektablen Kirchtagrausch. Bald waren wir in St. Johann niid die Pforte des „Sepp- wtrtes" öffnete sich gastsreuudlich. Meine Augen wurden hier bald wieder Heller und die Füße bekamen wieder Kraft. Der „Seppwirt" brachte einen saftigen Rostbraten, der mit zwei Semmeln tu meinen Magen verschwand und in einem unbewachten Augenblick verschwand ich nun im Dorfe mit einem neuen, jungen Freunde auf einem Zwetschkenbaum. Der Abeud nahte und das Vieh sollte noch nach Hohen- tauern. Der Viehhändler bestellte für mich in St. Johann „Nachthiabi" (Nachtherberge), aber ich blieb nicht und hielt wieder als Treiber bis Hohentauern tapfer mit, wo wir spät nachts eintrafen und die Ochsen in einer umzäunten Wiese übernachten ließen. Ich hatte meinen Gulden ehrlich verdient und schrecklich müde legte ich mich beim Tauernwirt, wo die hohen Fichten aus dem Dache der Hausschmieds jedermanns Bewimderung erregen, zu Bette. Der Biehhändler war noch nicht da, beim er hatte in St. Johann noch „Geschäftliches" abzuwickeln. O, du heiliger süßer Schlaf eines neunjährigen Knaben! Es muß nm Mitternacht gewesen sein. — Ich öffnete die Augen und sah — o Schrecken — mich in den Armen der zuckersüßen Kellnerin im hellbeleuchteten Gast- zimmer vor einer großen Gesellschaft lachender Männer. Wie um den Hals der Mutter, hatte ich im Schlafe dis .Haud nm den Hals der .Kellnerin gelegt und sie hatte sorgsam eilt Leintuch um mich gehüllt. Und das kam so: Als der stets lustige Viehhändler Heißmauii von St. Johann nach Hohentauern kam und dort seinen Wagen verabschiedete, fiel ihm ein, daß ich damit nach Hause zurückfahren könnte und der gute Fuhrmann war gerne bereit, mich mitzu- nehmen. „Schlafen kann der Bua ja während der Fahrt." Der Biehhändler beauftragte die Kellnerin, mich zu wecken, diese kehrte aber mit der Erklärung zurück: „I kann den Buam nit derweck'n. Er hat ein' Schlaf tote a. Huus." „Tragt's ihn owa!" befahl der Heißmami uud die Kellnerin ging auf den Scherz ein. Ich war wie aus Butterteig, noch immer schlaftrunkett und so trug sie mich Zum allgemeinen Gaudium, in Leinen gehüllt, hinab in die große Gaststube, wo ich endlich erwachte. Die erschreckliche Lage, in der ich mich befand, machte mtch rasch munter. Bald stak ich in Jacke, Hose und Brustfleck und nun ging's zurück in stockfinsterer Nacht aus der Tauerustraße, nachdem ich früher dem Heißmann die Hand aekußt hatte. Auf die Kellnerin, die Lisi, habe ich beim Wschiednehmen vergessen. r . Es ändert sich alles auf der Welt und so geschah es bet oer Rückfahrt, daß ich frisch und munter war,"die Alpen Jl!.. stLrvenbcsäeter Nacht beguckte und breitspurig auf dem Wägelchen über den Tauern fuhr, daß aber mein Kutscher, betäubt vom früher allzu viel genofieuen Alkohol, auf dem Bocke etnschlies. Ich übersah es wirklich, wie es kam. Aus einmal hob sich das Wägelchen rechts gewaltig hoch, ich hatte noch Zeit, links abzuspringen, das müde Pferd blieb geduldig stehen, mein Kutscher lag jedoch neben dem Schot- terhaufen, aus den er im Schlafe gefahren war. Jetzt wußte ich den Herrn spielen. Ich schrie gewaltig um Hilfe uud hielt krampfhaft an dem Leitriemen, dantit das Pferd Ml stände. Der , Kutscher rief den heiligen Ulrich an. „Verd . . . t, schrie er, endlich aufspringend, „jetzt bin ich nochmal über den Tauern gefahren", warf das Wägelchen wieder empor, wie es normal gebaut war, „hü Bräunl!"- und fort ging es ins Pölstal heraus. Als es dämmerte, kam ich heim und erzählte lebhaft, wie ich das erstemal über den Tauern kam. 72 Redaktion: E. Änderson, — RoratwnZdruÄ und Verlag der Brliüt'schen UntversttätS-Bitch- und Steindruckerei, R. Lange, Dieben. Die Könige und die Karikatur. .: der Zeichner, der auch vor den gekrönten .Häuptern nicht halt macht, findet bei den Verspotteten selbst Nicht selten das beste Publikum. Grand-Eartcrct, der große Sammler and Historiker der Karikatur — so lesen wir im Gaulois — veröffentlicht soeben cm neues Werk, das den Karikaturen ans Wilhelin II. gewidmet ist, und das erinnert daran, daß Saran d'Ache vor etwa zehn Jalnen teil Kaiser mit einem Wlerkops und großen emporgcdrehten Schnurr- bartspitzen karikierte. Weit entfernt, sich darüber 'M argem, sand Wilhelm II. das sehr amüsant und ließ sich ,ogar das Journal in dem die Karikaturen veröffentlicht tvareil, ans die Jagd nam- schicken. . . In viel unehrerbietigcrer Wei,e als heute haben Karikaturisten früherer Zeit das Aussehen der Herrscher zur..Zielscheibe ihres Spottes genommen. Besonders die irauzv,!,chen Könige des ueunzehnteu Jahrhunderts haben darunter zu leiden gehabt. Mait amüsierte sich über die Dicke Ludwigs XVII. utp über seine Wadenstrümpsc, verlachte die spindeldürre Figur Karls X., seine mageren Stöckelbeine, sein langgezogenes Profil. Unter Louis-Philippe wurde die Karikatur ein meitig geistreicher, ■ in dem Phillippon den Kops des Königs in Gestalt einer Brrne darstellte. Als er sich daraufhiii vor Gericht wegen Beleidigung des Herrschers zu verantworten hatte, beschränkte er seine Berteidw gnilg darauf, iben Richtern zunächst ein von ihm verfertigtes Portrat des Königs zu zeigen. „Ist dies Porträt ähnlich, meine -Herren -' „Durchaus, ausgezeichnet getroffen. „Und dies zweite Portrat, vermischtes» * -ofni- i l sche rznndWissens cha f t IN der Straßburger Post lesen wir: Es ist nicht selten, daß bedeutsame Erfrirdungen durch nebensächliche oder zufällige Beobachtungen veranlaßt, wurden oder daß eine und dieselbe Erfindnug völlig unabhängig an Sei SSenen ©tetlen das Licht der Welt erblickte. Ein ebenso sonderbarer tvie bemerkeiiswerter Zufall hat eine wichtige neu- Zeitliche Erfindung, die des Quecksilber-Hohlspiegels für Fernrohr^, tu Verbindung mit einem Aprilscherz-Jmiilleton gebracht, das in der Stmßberger Post am 1 April 1897 erschien. ErsahrungS- aemäß sind die Glaslinsen und GlaS,piegel für Fernrohre außerordentlich schwer herzustellen und sehr kostspielig. Dem amerikanischen Astronomen Professor Wood ist es uu)r neueMugs gelungen, ein eigenartiges Mittel zu finden, um diese -Schwierigkeiten z umgehen, lieber seine Erfindung heißt cs in enter illustrierten -witnbri.it die eilt Bild des Professors während de» Expelinien- fiereus bringt: "Wood gießt in eine Schale Quecksilber hinein und versetzt sie durch. einey^danebenstehmdG so entsteht ein Hohlstet und der in aswo- cines Schnurlaufes in rasche Umdrehungeir Quecksilber am Rande , in die Höhe.steigt, spiegel, dessen Herstellung fast gar Nichts kos uomischen Fernrohren. gute Dienste zu leisten vermag. e®. bet- mögen in der Technik ost die euifachsten Mittel große, und kostspielige Schwierigkeiten zu beheben! Das erwähnt-. FeiilllJon aus dem Jahre 1897 führt den Titel „Einige Worte über.ine Retrospektivphotographie" und beschreibt die natnrimsstnschafillch. Entstehung einer vielbewunderten Photographie, Troglobyten tmr- stellenb. In der Manier Jules Bernes, der mit feinen phaiitastisch- tvifsenschaftlichen Schilderungen ja ebenfalls Anregung zu mancherlei Erfindungen gegeben haben soll, schildert deiu Verfasier icina retrospektiven Künste. „Das Verfahren/ heißt es, --beruht, ganz einfach auf dem Photographieren der von dm StWiien reflektierten Lichtstrahlen. Bekaniitlich braucht das Licht eine bestimmte Zeit, nm sich fortzupflanzen: allerdings ges^ schwindigkeit von 42 000 Merlen in der Sei....... ..... chm die von der Erde ausgehenden Strahlen Hunderte, ja 4-miMtb. von Jahren, um bis zu manchen Sternen zu gelangen.. Sobaw Vvü mit nefigen Holzschuhen und mib struppigeni Bart, hinter dem das kupferrote Gesicht, freundlich ^^"^Berlioz' Liebe. Der verstorbene.Komponist Neuer war ein leibeiischaftlicher Bewunderer M erzählte gern Geschichten, die er von dein Meister im Laufe ihres Verkehrs gehört hatte. Einstmals erzählte ihm der Komponist der -------------------- { „Trojaner" von seiner Liebe zn einer rnsnsthen Dame, die ihn fchieht dies mit einer Ge- I luä(>rcnb seines Llusenthaltes in St. Petersburg ergrifren imtte c Sekunde. Trotzdein brau- il6(e Olga . . . Ich liebte sie leidensckmftlich . . . Endlich I nach langem Widerstreben hatte sie mir ein ^^dezvous zugestauRn.- von Zayren, um vis zu immujen -o-uimu öu sn»«»,«. I hatte mir erlaubt, mich it'nr sieben llhr morgei v . - es nun gelingt, einen Stern ausfindig.®u machm, desseil Ober- Brücke der Newa einzufinden, über die sie ko'nmen wurR. Nu» fläche glatt genug ist, um die von der Erde auf ihn aesaudten I halb sieben ivar ich.da: es war furchtbar kalt, sie kam um ach, Strahlen vollständig Tiirückzusenden, ist es auch möglich, mrt nit mir vorbei inu- sagte ,nilt ihrer reizenden W«-?w Hilfe von hinreichenden Vergrößerungen die auf der Erdoberfläche Stimme: „Sind Sie es, Hektor? ,,^a, Olga . . . „Und dani . sich abspielcnden Ereignisse ivie in entern Spiegel zu erblicken. I {ragte Reher gespannt, „Und ivm> dann? erwiderte -ex!u$ Dadurch aber, daß die Lichtstrahlen, wie bekannt, Jahrhunderte I geärgert, „was wollen Sie beim noch mehr i brauchen, um diesen Weg znrückzulegen, wird nicht das spiegel- I * § Räuber boot. Aus Stockholm wird uns gemeldet: bild der Ereignisse der Gegenwart, sondern dasiemge der Vor- I I)£tt in Petersburg einem Korrespondenten des „Stan- gänge längst vergangener Zeiten auf die Erde ziiriickgeworfe . I /■ magische Kraft auf all seinen gefährlichen Auf diese ebenso einfache ivie natürliche Weise ivar es eben auch wrt ei aW, weiyc »wm {n bcm cv die gelungen, die Troglodyten zn photographieren: Da der Erfinder I Reipn ihn vor nllem fchützte. w. w n ruaebictes zu- der Retwspektivphotographie sich anfangs über mangelhafte-scharfe, 1 Reise durch den volksreicheu Teil des Biahiitaputragepicti- z nitgenügenbe Größe und Lichtstärke seiner Bilder zu beklagen hatte, rücklegte. Die Eingeborenen hatten bw bahnt noch nte «n^ Boot heißt es in dem Scherzartikel dann wörtlich weiter: „Die,en Uebel- I gesch-n unb konnten sich nicht erklären, luie J>tefer JSrembe bic stand zu überwinden, gelang dem Erfinder erst, nachdem er alle I ™ >•<— «o-«— .«.<>»-,> v>ne hielten ihn de-,- bis jetzt angewandten Systeme der astroiiomischen Fernrohre verworfen und eine von ihm erfundene neue Spiegelkonstruktwu angewandt hatte. Dieser Spiegel besteht ans einem schmiedeeisernen tcllerartigcn Behälter von 6,5 Meter Durchmesser : derselbe ist mit Quecksilber -gefüllt und rotiert auf einer .ficlnr geführten