<908 W Ketmutö von Lovlen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Jetzt war er es. der sie zurückhiclt, indem er ihr _ die schwere Hand auf die Schulter legte und sie so zwang, sitzen zu bleiben. „Ja, das ist alles — die eine Kleinigkeit nur, daß infolge deiner — Berufswahl die Mutter hinsiechte, der Vater vorzeitig alterte, Frieda ihrem Lebensglück entsagen mußte, weil Arnold nicht darüber hinweg kam, daß sie die Schwester einer Entlaufenen, einer Kvmödiantin geworden war. Von mir will ich nicht reden. Die Tatsache, daß ich noch Hauslehrer in Jarowitz bin, sagt genug. Ob du's gewollt hast oder nicht, das waren di« Folgen deiner Handlung." „Es ist nicht wahr!" — schrie sie heftig — „der Vater ist alt und kränklich geworden aus Gram über den Tod der Mutter, und sie starb an einer Krankheit... sie war immer zart." „Du weißt, wann sie gestorben — genau ein Vierteljahr, nachdem du uns verließest. Von dem Tage an, wo dies geschah, fand sie keine Ruhe mehr. Sie verzehrte sich in nie rastender Sorge und Sehnsucht. Wie sie so hinschwand — nun ja, der Arzt gab dem Zustand einen Namen körperlicher Krankheit — wir wußten, weshalb ihr Herz gebrochen war, und mir hat sie es gesagt an ihrem Todestage! Und so, während du einem stillen Traume nachjagtest und unserer nicht mehr gedachtest, trugen wir, ein jedes in seiner Art, die Last, die du uns aufgebürdet hattest." Sie ließ ihn sprechen, ohne ihn zu unterbrechen. Was er da so kurz vorbrachte, drang noch kaum in ihr Verständnis, aber es versetzte ihre Seele in Aufruhr und Empörung — ganz blinde Empörung, die noch nichts erwägt und Prüft, sondern sich instinktiv zur Wehr setzt, ohne zu fragen, ob sie mit Recht oder Unrecht aufgerührt wurde. So saß sie da, den Kopf zurückgeworfen, fast herausfordernd, den Blick starr auf sein «Gesicht geheftet, die Lippen geschürzt, daß die kleinen Zähne blinkten. Aber in iHv sprach eine furchtbare Stimme: Du hast das alles ja schon längst gewußt! — Indessen fuhr Becker fort: „Leugne nur nicht, daß du das alles selbst wußtest. Aber cs hat dein Herz nicht berührt und kaum Bedauern wachgerufen. Dor warst glücklich — alles andre blieb Nebensache." „Bist du jetzt zu Ende?" — fragte sie atemlos. „Zu Ende? Oh nein. Das, was ich gesagt, ist ja nur der Anfang. Es betraf uirs. Nun will ich von einem reden, dem ick ein besser Los gegönnt, denn er gezogen, von deinem Manu." Das Blut schoß ihr in die Wangen. „Laß ihn aus dem Spiel!" — sagte sie herrisch — „und sei dankbar, daß er nicht eben hier ist." „Gewiß bin ich dafür dankbar, denn er würde mich schweigen heißen — ich aber gedenke, ihm den einzigen Dienst zu erweisen, den ich ihm leisten kann, intern ich dich zum Verständnis dessen führe, tvas er getan — denn dieser Mann ist eines solchen Dienstes vielleicht mehr lvevt, als wir alle zusammen." Ihre trotzige Empörung wandelte sich in staunendes Auf- horchen. „Du? Du willst mir wohl gar Liebe zu meinem Gatten predigen?" — fragte sie ungläubig — „das wäre einfach — komisch!" „Ich werde wieder — entschuldige — weniger _ von dir als von ihm reden, den bu Tag für Tag begleitest in das Elend ter Lebensverödung, ohne — so macht' ich wetten — auch nur einmal zu fragen, was ihn jeder Schritt auf diesem Wege gekostet hat." „Hüte dich, je zwischen zwei Liebende zu treten, Bruder!" „Von eurer Liebe rede ich nicht, sondern von seinem Unglück. Dieses hast du wohl auch weder gewollt noch gewußt, ich gebe ieS zu, aber du bist doch die Ursache davon. Ich will dir gar keinen Vorwurf hiermit machen —- nur die Augen will ich dir öffnen, die tote Nächstenliebe wecken, damit du in dich gehest und aus seiner Zukunft machst, was sich iwch machen läßt, indem du ihm Verständnis und Mitgefühl entgegenbringff, und ihm hilfst das Leben zu tragen, das er um deinetwillen auf sich genommen hat." Sie bog sich vor, zog die Schultern herauf und stützte das Kinn in beide Hände. „Ich warte!" —■ sagte sie resigniert — „vielleicht tagt mir vor allem Verständnis für dich. Du redest Sanskrit." „Auch das weißt du im Grunde deines Herzens, was dein Rittmeister von Loyscu seine Heirat gekostet hat, und ihm mehr als mauchlem anderen, denn mehr als alle war er mit seinem Lcbensberuf verwachsen. Der war ihm das höchst« Glück. Noch vor einem Jahr war er ein Mann, der eine schöne, militärische Laufbahn vor sich hatte, mit Lust und Liebe Soldat, ein Mensch, den alle ehrten, liebten, umwarben, ein freier, glücklicher Mensch. Man sagte, er stehe im Begriff, sich zu verheiraten, und sein ganzes Wesen hatte ettvas Sieghaftes. Seine Schwestern liebten ihn und seine Kameraden schwärmten für ihn, die ganze Welt stand ihm offen. — Da, in einer dunklen Stunde, erfuhr er durch mich — hörst du? Durch mich! —- eine gewisse Schauspielerin Luise Becker sei meine Schwester. Sein Gewissen erwachte — er ging hin und heiratete Luise Becker. Die erste Folge dieses Schrittes wat, daß er den Abschied erhielt." „Bitte! Nahm ihn, mir zu liebe!" — „Hat er dir das so dargestellt?" — Sie biß die Zähne in die Lippe. Nein, sie hatte das so angenonmtcit, weil cs sic stolz machte, daß rr ihr dies Opfer gebracht hatte. „Du schweigst, also hast du es nur geglaubt, weil dir dies bequem war. Im Grunde weißt du so gut wie ich, daß der Offizier sich seine Frau nicht von den Brettern holen darf.. Du weißt cs, also belüge dich selbst nicht." Sie biß die Zähne zusammen: „Ich war natürlich eines solchen Opfers nach deiner Ansicht gar nicht wert!" — stieß sie 202 hervor — „aber er muß beim doch anders darüber gedacht haben." „Dein Wert ober Unwert ist Sache für sich. Ich erzähle jetzt von ihn». Er verlor also seinen Beruf, an bem er hing mit allen Fasern seines Lebens. Er verlor seine gesellschaftliche Stellung, er verlor seine Freunde. Es gab eine Zeit, da ward hier ringsum von nichts anderem gesprochen, und mir blieb es nicht erspart, mehr davon zn hören, als mir- lieb war. Der Mann, der meine Schwester geheiratet hatte, ward dadurch, daß er das getan, ein Ausgestoßener, man brach den Stab über ihn, man begriff nicht, wie ein Edelmann mit gesunden Sinnen so etwas habe tun können ... die Probiermamsell aus einem Mantelgeschäft. . . eine Handschuhvev- Uuferin . . . und wenn das Zischeln bis an mein Ohr drang, mußte ich schweigen, durfte ihn nicht rechtfertigen in seinem Tun, denn damit hatte ich meine Schwester preisgegeben! — Und so, seines Glückes und seiner Lebensfreudigkeit beraubt, verkannt, ein Geächteter und Berfehmter, geht er freiwillig in die Verbannung und einer ihn« inhaltlosen Zukunft entgegen, in welcher ihn, so lange er lebt, die Sehnsucht nach seinem Lebenselement verzehren wird. Dieser stolze Mensch bleibt inmitten seiner Marter stumm und klaglos —• das verrät Mir dein ganzes Wesen. Wer aber, dich ausgenommen, könnte ihm das, was er leiden muß, nicht nachfühlen? Sogar die Welt, die ihn verhöhnt, weiß das, was er hingegeben hat, nach rechtem Wert zu schätzen, seine Schwestern, die ihn aufgegeben haben, wissen genau, was er verloren hat und daß er elend ist bis in den Grund seiner Seele — — nur du, sein Weib, bist imstande, trotz alledem „wunschlos glücklich" zu sein. Nicht, daß du um all dies nicht wüßtest, aber es gleitet ein- drucksws an dir ab. Es ist fremdes Elend, und solches schmerzt nicht- Du verstehst nicht, daß er gefoltert ist — du siehst nicht, daß er leidet. Und deshalb sage ich dir: Gehe in dich und erkenne wie du bist, und daun versuche es, dich in die Seele deines Gatten zu versetzen und bitte Gott, daß er dir die wahre Buße schenke, also daß du fortan nicht dir, sondern deinem Manne lebest und ihm eine Gefährtin wirst, die ihn versteht und ihm hilft, die Last des verödeten Lebens zu tragen -—. denn um deinetwillen hat er es auf sich genommen! — Sv! — Du hast's gewollt, ich habe gesprochen und, gebe es Gott, nicht ganz vergeblich!" '—: Er stand auf und ging — diesmal hielt fie ihn nicht zurück. Ihr Blick folgte ihn« ganz geistesabwesmd, ihre Lippen bewegten sich, als spräche sie etwas, aber kein Laut ward hörbar und regungslos saß sie da, auf der von Frühlingsgrün Nmbuschten Bank, vor sich die Veilchenbesäte Wiese. Der Pfeil saß. Der ihn abschoß, hatte es trotz zelotischen Eifers gut ge- meint, seit ihm der Gedanke kam, er könne doch vielleicht ihre Seele retten und zur Erkenntnis ihres Egoismus bringen — aber so gut er auch die Schwester zu kennen nfeinte, er ahnte nicht, zu wem er gesprochen. Lange Zeit faß sie so, mehr und mehr in sich zusammen- sinkend. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander und pochten schmerzhaft an die Stirn. Plötzlich fuhr fie auf, sah sich wild un«, als begveife sie nicht, wie sie hierher gekommen, raffte ihr Kleid auf und raunte, als würde fie verfolgt, dem Pfarrhause zu, hier die Treppe und bann die zu ihrem Giebelzimmer sührende schmale Stiege hinauf. Oben stürzte sie ins Zimmer, stieß mit bebenden Händen ruckweise den Riegel vor und warf sich dann auf die Diele. IHv Körper krampfte sich zusammen tote in wütenden Schmerzen, sie zerrte den Saum ihres Kleides herbei und stopfte sich den weichen, dichten Stoff in den Mund, um den Aufschrei zu ersticken, der ohnedem tat nächsten Augenblick gellend durchs Haus gefahren wäre. So blieb sie liegen, eine zuckende, zusammengekrümmte Masse, halb bewußtlos. Es war der Paroxysmus-instinktiver Auflehnung gegen einen Ungeheuerlichen Angriff. Sie dachte gar nichts Mehr, sie fühlte nur noch. Ein Stein war von Feindeshand gegen sie geschleudert worden und mit beiden Händen wehrte fie ab, in ohnmächtiger Empörung. , Es dauerte lange, ehe sie sich aus diesem- Zustande heraus- sand — eine kleine, äußerliche Störung brachte sie plötzlich zur Besinnung. Es ward vorsichtig an der Türe geklingt, bann gepocht, Jülchens Stinime flüsterte fragend ihren Namen. D« keine Antwort erfolgte, entfernten sich des Kindes leichte Schritte. Luise war zu sich gekommen. Sie richtete sich auf und saß jetzt kauernd auf der Diele, dabei strich sie sich das zerzauste Haar aus der Stirn und schlug sich dann mit dem Handrücken dagegen, als müsse sie ihre Festigkeit prüfen: „Ich Muß denken," sagte sie, „denken!" — Die betäubten Gedanken erwachten denn auch und sprangen hervor, hurtig, in Ueberfülle, und gingen all dem nach, was der Ankläger ihr vorgeworfen hatte, und je mehr fie dachte und prüfte, desto mehr Bedeutung gewann ihr sein Wort: „Wie eine Motte koMmst du mir vor, die ums Licht flattert." — Seit Wochen war sie von einer übernatürlichen, magnetischen Gewalt dieser Aussprache eiltgegengerissen worden — und nun, da bereit Flammen über sie hingegangen waren, lag sie da, mit versengten Flügeln. Gefahr barg für sie die brüderliche Nähe — Todesgefahr. War es vielleicht grabe das, was sie so unheimlich gedrängt hatte, diese Nähe zu suchen? Jetzt, da seine zornige Stimme verhallt war und sein strafender Blick sie nicht mehr in Entrüstung versetzte, blieb ihr nur noch bas, was er gesagt hatte, und jeder einzelnen Tatsache dachte sie mit quälender Genauigkeit nach. War sie schuldlos am Tode der Mutter? Schuldlos am Herzenskummer der Schwester und an des Vaters gebeugter Gestalt? — Gewollt hatte sie das alles nicht — aber daß es so kommen könne, hatte sie sich in stumpfer Gleichgültigkeit selbst gesagt. Hatte sie die Ihren jemals wirklich geliebt? — Nie. Es war schon so, wie er gesagt: Das „Ich" war ihre Welt gewesen. Mit einem Sprung waren dann ihre Gedanken in der Gegenwart: Loysen, ihr Liebster, ihr Gatte — dessen Leben sie zerstört hatte! — Ein Schauder überrieselte sie, als striche durch offene Fenster eisige Zugluft über sie her. Mühsam, aber ganz mechanisch richtete sie sich auf und schloß das Fenster, — doch die Luft, welche an ihrer Wange hinfächelte, war lau und duftete nach frischem Gras und Birkenlaub. Wie sie stand, die Arme herab- häugend, den Kvpf gesenkt, blieb sie stehen und sann und sann. Es ist alles so, wie er gesagt hat. Genau so. (?r, der Ankläger, hat nichts übertrieben und nichts weggelassen. Sie ist die Ursache gewesen, daß das Leben des Mannes, den fie liebt, aus seiner Bahn gerissen wurde. Mag man sagen: Er trug ja gleiche Schuld — ober mag man hervorheben, daß er freiwillig opferte, was sie nicht erheischte — das Resultat bleibt dasselbe. Er ist ein Enterbter des Glückes durch sie. Sie war der Stein auf seinem Wege gewesen, über den er gestürzt, und jetzt ist er elend fürs Leben. Fast gierig suchte sie in ihrem Gedächtnis alles hervor, was dies bestätigte, einzelne Aeußerungen, sein elendes Aussehen, die müde Resignation, die er mit in die Ehe genommen hatte. Hatte sie die große Veränderung an ihm nie be »merkt? Natürlich- hatte sie dieselbe wahrgenommen und auch durchaus nicht falsch gedeutet. Es war natürlich, daß ein Mann, der seinen Beruf hingibt, und um seiner Heirat willen mit der Familie bricht, niedergeschlagen war — doch, es blieb deswegen ihr Stolz, daß er ihr so viel geopfert hatte, und fie nahm es hin als etwas Selbstverständliches. Und was nun eigentlich? — Was soll sie tun? Was kann sie habet tun? — Nichts. Denn jenes Mitfühlen und jenes frauenhafte, liebende Verständnis, von dem der Ankläger gesprochen, machen ihn weder los noch ledig und befreien ihn nicht von der Last des Lebens. Sie kann ihm absolut nicht helfen. Was geschehen ist, ist geschehen, es kann sich erträglicher gestalten als man denkt, aber Helmuth von Loysen bleibt in seinen Kletten. Ihr erschien es plötzlich, als sei sie in einem Kreise ein» geschlossen, aus welchem sie umsonst zu entrinnen suchte — ihre eilenden Gedanken liefen in einem Ring, der keinen Ausweg bot Keine Rettung, sie Müht fich vergeblich, beängstigt, verzweifelt, denn sie selbst ist ihres Gefängnisses Mauer, lieber sich kommt sie nicht hinweg. Gute Vorsätze, Reue und Buße würden nichts Helsen, so lange fie an seiner Seite bleibt. Nicht ihre Selbstsucht ober ihre Verblendung machen ihn unglücklich, sondern ihre Existenz. Weil sie ist, ist dies alles. Und wenn sie sich jetzt in einen Engel der Güte verwandelte, was würde es ihm helfen ? Nichts! Es gibt ihm tveder seine Lebensstellung noch seine Freude zurück. Das sah sie so furchtbar klar, und damit luanhten sich alle ihre Gedanken in an stürmen der Verzweiflung gegen das eigene Ich. (Fortsetzung folgt.) Auf der Fahrt nach Dsrüsch-Md-Mft-AMa. Von Stadtbaunreister B r a u b a ch. (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl."). IV.*) Nach kurzer Fahrt erreichten wir die Wanderdünen, das Schmerzenskind der Bahnverwaltung. Es fiub ziemlich hohe Saud- Hügel, die infolge der oft herrschenden Winde stetig ihre Lage *) Dieser Brief ist datiert vom 27. Jan. und ging uns bereits vor einigen Wochen zn, konnte aber aus technischen Gründen nicht früher zum Abdruck gebracht werden. Herr Stadt- 203 und auch die Verpflegung gegen Ersatz der Kosten gestellt. Sc^n in Aus wurden uns für unsere persönliche Bedienung drer Barnbusen und zwar Hererojungcn mit den schönen Namen Petrus, Wilhelm und Isaak überwiesen. Waren Petrus und Wilhelm zwei kleine fire Kerlchen, so wies Isaak eine beträchtliche Korperlange und eine Tollpatschigkeit auf, die unwillkürlich an einen jungen &unö erinnerte. Petrus und Wilhelm haben sich spater gut bewährt, während der lange Isaak eines Tages auf polmsm Abschied nahm. Die Tage in Aus vergingen uns wie tm Fluge, -jd) [teilte noch drei Weiße, einen Oberkonduktor, der für die Arbeiter, den Proviant und die Tiere zu sorgen hat, einen Koch und einen Meßgehilfen für die Expedition an. Am 7. November, morgens 6 Uhr, verließen nur mit uusmm Personal und Gepäck das unvergeßliche Aus.. Wieder war der Salonwagen bereit und wir fuhren diesmal '«Begleitung des Eiseribahn-Kommissars und einiger anderer bekannter Hörern Auch das vierte Mitglied der Expedition, der Lanoesgeologe, den wir bereits in Lüderitzbucht kennen gelernt hatten, war in Au^ Mit unS zusammengetroffen und begleitete uns jetzt. Station Kuibis machten wir mit dem Wasserwagen auf besonderem Gleise nach der etwa 3 Kilometer entlehnten Masserstatwn einen siecher. Die Wasferstation liegt in einem schonen buichbestandeiwn Taji>, das einen erfrischenden Eindrucr auf die Besucher nicht. Der Landesgeologe und Vorstand der Bo^kolonne ,,Sud , ein sehr rühriger Manu, hat dort einen großen Wchserbehaltn erbaut, aus dem die Bahn das Lebenselement für ihre Loiomotiven entnimmt. Die Bohrkolonne „Süd" erhält zurzeit tn diesem ~ate, in dem auch ein von Lüderitz gepflanzter Feigenbaumsteht, ihr Standguartier. Die dazu erforderlichen Bauten sahen wir nahezu vollendet. Sind erst die Gartenmilagen und Anpflanzungen etwas gediehen, so muß es dort ein cdAlifchE-^HE fein, fern ab von dem Hasten und Treiben der Menschheit. (Schluß folgt.) ’ Gemäß einem mit der Bauleitung getroffenen Abkommen erhielten wir von dieser die Arbeiter zu unserem Unternehmen bäunieister Braubach hat inzwischen bereits Siidwestasrika,belassen und wird schon am 1. n. Mts. seine Gießener aait i )- Tätigkeit wieder beginnen. *'• Wechseln, dabei Gleise und Schutzbautcn verschüttend. Man Hat : die verschiedensten Anstrengungen. gemacht, dieses Nebels Herr »II werden Zuerst wollte man. die Dmien,trecke mit Wellblech- tunneln durchfahren. Diese Tunnel kamen jedoch nicht zur Ber- wendung undfristen jetzt ihr Dasein als Lagerschuppen m Luderitz- bucht und Aus, wo einige der Tunnelstucke aufgestellt und, em den Stirnwändeii geschlossen, recht geräumige fallen abgeben. Auch mit Schutzmauern und Saiidjangeii sucht man das Gleis freizuhalten. In neuerer Zeit werden Versuche. gemacht, die Wairderdüueu mittels Anpflanzung festzulegen, was jedoch in beK wasserlosen Gegend seine Schwierigkeit hat. Wünschen mochte ick der Bahnverwaltung, daß es ihr bald gelingt, die schwierige M ikoobe zu lösen Das Freischaufeln der Gleise, wie es eoen üb ich ^ist^ erfordert eine Masse Arbeitskräfte. Auch bei unserer D'nchfahrt waren verschiedene Arbeitertrupps zu sehen, die mit der Reinhaltung des Schienenweges beschäftigt waren. Weiter ging die Fahrt in die fast gänzlich wasserlose «andwuste, die Namib, die in einer Breite von etwa 100 Kilometer dem eigentlichen Lande vorgelagert ist. Unser Wagen lief am Schluß des Zuges, so daß man von der Plattform das Gelände übersehen konnte. Zwei uns befreundete Offiziere, die mit uns snhreii, erklärten nuS ■ alles. Bald wurde es sehr heiß, imd die auf dem Sande flimmernde Sonne machte die Augen fchmerzen, so daß wir unsere Schutzbrillen hervorholten. Nach einiger Zeit gewöhnt sich das Auge allerdings an den Sonnenglauz, so daß wir später der Brille nicht mehr bedurften. Sieht man langer in die Ferne, so glaubt man öfters große Wasserfläche, einladende Seen und schöne Gestade zu scheu; beim Naherkommen aber entschwinden diese Gebilde, Lnstspiegelungen — Fata morgana. Wie Manchem sind sie schon zur Qual geworden. Die Fahr dura, d e Wüste mit Ochsenwagen, wie sie vor der Erbauung der Bahn üblich war muß sehr schwierig und wemg angenehm gewesen sein, denn überall am alten Bayweg, den man des vftern von der Bahn aus sehen kann, liegen die Skelette gefallener verdursteter OÄ'en und sonstiger Tiere, em trostloser Anblick, so recht zu der Oede der Wüste passend. In der Ferne iahen wir vsr- schiedene Höhenzüge, die in der Sonne ganz wunderbar prächtig Und eigenartige Färbungen zeigten. Wir Passierten di Stationen Graßplatz, Rotkuppe, TschaukaibuichGarub. Brunnen tinp nirgends vorhanden, so daß die Maschine ihr Rüper au, Behältern entnehmen muß, die mit dem flüssigen Element von Lüderitzbucht und Aus her mittels besonderer Wasserzuge versorgt werden D e Stationen haben nette kleine Häuschen, die emsam im Gelände lstgeu, und auf denen die Statwnsbeamten wohl kaum über allzu abwechslungsreiches Leben zu kl^en Haben. Bohrungen nach Wasser in der Wüste, wie sie im Gange cknd, haben bis jetzt das erhoffte Resultat Nicht gebra^; auch die Wünschelrute, die im ganzen Lande eine große Rotte fpieii, hat hier meines Wissens keine Erfolge aufzuweisen. Nach -juS' faae der Geologen wird es auch mit dem Wasserfinden rn dieser .„k (rhfprht bestellt fein. Man zeigte uns noch den T.ger- be'M drastisch auch der „Dicke Wilhelm" genannt, und die ^uras- berg'e ein schänbar noch recht gefährlick^s Gebietz Soll doch in letzter Reit dort ein heimkehrender warmer Buschleute bei seinem in Brand gesteckten Hause überrascht und bei dem sich entwickelnden Gefechte sieben Spitzbuben erschossen haben. Bei Kilometer 100 sahen wir den ersten Baum, em elendes verkrüppeltes liehe kleine Niederlassung mit etwas REschMck und genugmdem irr reeßt feböuet Soge. Die fTÜijcic SJfoutiirftcittort muvii Ravwea ist aufgegeben, die Magazine und Depots sind nach Aus verlegt-auch ist hstr der Sitz des Reichseisenbahn-Kom- misfars und'der Bauleitung der Lüdentzbuchtbahn, die tion her altbewährten Firma Lenz u. Co, Berlin, erbaut und zurzeit auch betrieben wird. v, , Rn Ans warteten unserer ein Paar ruhige und gemütliche Tage Jin Heim des Reichseisenbahn-Kommissars fanden wir liebevolle Aufnahme. Die Herren der Bauleitung und insbesonoere den Oberingenieur und Chef des ganzen Betriebes lernten mir in her kurzen Zeit als außerordentlich liebenswürdig kennen und schätzen Trotz der vielen Arbeit, die ein derartiger Großbetrieb macht fanden wir stets freundliches Entgegenkommen und tatkräftige T Unterstützung, die uns unsere fujg"be wesmUioj erleichtert und Nils kostbaren Zeitgewinn verschafstlat DieTasel runde im Hotel Germama, zu der auch die Offtzieregehvrten, war sehr gemütlich, so daß wir unsim dem schonen Ai^ wohl und heimisch fühlten. Unangenehm srnd nur tue vielen Fliegen, die die Menschen mit einer Hartnäckigkeit quälen, tote ich sie bis Bauer?) — „B a u e r", es gibt kein schöneres und stolzeres Wort in unserem Deutsch, als dieses, das den, der es führt, dem Ausüber einer der höchsten Menschentätigkeiten nach altem Sprachgeist an die Seite stellt, denn wer „baut", ist ja fast noch mehr, als wer etwas „kann", also nach dem griechischen Wirtslune der Poet. Aber viele Bauern nennen sich nttt einem helleniscymi Wort „Oekonomlen". Immerhin find Fremdwörter eine gefährliche Sache; oixovoiio; heißt: „Hausverivalter" und hat tuet er. eigen Uch bäuerlichen Tätigkeit.überhaupt nichts zu tun. Es gibt s^n ganze Landstriche, in denen er sich Mer dnrchlveg mit vcm abgeschlissenen städtischen Ausdruck anzieht, nm ^u beiligen, daß ihm Stolz und Würdegesühl zum Teufel geht. So i,tS ertrei> Uch, daß neulich ein bayerischer Beamter Mie Leute öffentlich auf den Unfug hingewiesen hat. „Der Bäcker backt da^, Brot und heißt deshalb Bäcker, der Müller mahlt das Getreide nnd heißt Müller, dar Schuster heißt so, weil er Schuhe macht, der Lchreiner, roeil er Schreine, Schränke usw. verfertigt. Das ist vernünftig und recht. '^Derjenige aber, dessen Arbeit so wichtig für die Mensch- ljeit ist, weil er das Feld bebaut und die Früchte des Feldes für sich und seine Nebenmenschen einheimst, will nicht f&aucr heißen, sondern Oekonom. Mich freut, jeder, der sich Bauer nennt, und er darf überzeugt sein, daß bei den dem bäuerlichen Beruf nicht angehörigen Ständen der Titel „Bauer" mehr Ansehen genießt als die anderen beliebten neumodischen Benamsungen. Wie auf dem Lande die alte, schöne Bauweise erhalten und gepflegt werden soll, so soll man auch dem Namen „Bauer" die Ehre lassen und keine neumodischen hohlen Titel einführen. Die Herren Bn^w- meister ersuche ich, von dieser wohlgemeinten Anregung ihre Mt^ Bürger geeignet zu verständigen." Sv schreibt ba§ Kaufbeuren in einer Bekanntmachung, tn der sich, auch noch gegen die nichtssagenden Titulaturen „Wirtschafter und „Gutsbesitzer" wendet. „Wirtschafter ist ein jeder, und wenn er ein noch so kleines Besitztum ober Hauswesen hat. Und ist vieUeicht „Besitzer" eines Gutes zu sein, besser oder ehrerwvller, ab Skmer zu fein? Ein Gütler ist auch Besitzer eines Gutes, undes ist dock toahrltoftia viel nichtssagender, etwas bloß zu oesltzen, als etwas' zu hin." Bravo! Wir wünschen, daß die Berussgenossen dieses bayer. Beamten toeitum im, deutschen Laiü>e mtthulfen, den deutschen Bauern vor dun Gespött zu^ bewahren, dem er sich durch die „Oekonomen"-Mbernheit aussetzt. *Y Aus dem 12. Heft des „Kunstwarts" (Verlag Georg D. W. Callivey, München, Mk. 4.— im Quartal). Ver?ml?e im Bezüge auf den Preis noch teurer sein werden, als die 1000 .Zigarren, die der König vor zwei Jahren in -E^rka anfertigen lief;, und die ihm damals mehr als 15 000 Mark kosteten. Die 500 Zigarren werden direkt von Havanna nach England geschickt, so daß sie zu den Osterfeiertagen frisch emtreffen; die königliche Schatulle wird dafür nicht weniger als 8000 Mk. zu bezahlen haben, so daß die Einzelzigarre nicht weniger als 16 Mk. kostet. „Das ist durchaus kein übertriebener Preis, wenn man die Kosten des Fabrikanten in Rechnung setzt", so äußerte sich dazu ein amerikanischer Fachmann. „Wenn König Eduard für 1000 Zigarren auch 15 000 Mk. bezahlt hat, so ist der Gewinn des Lieferanten dabei doch ein außerordentlich geringer getoefen. Denn der Fabrikant hat natürlich auch den Ehrgeiz, den König königlich zu bedienen und scheut dabei keine I Kosten. Die Zigarren waren 8 Zoll lang und an dem dicksten I mittetaett Teile von einem Zoll Durchmesser. Sie werden aus I dem köstlichsten Vuelta Abaja-Tabak angefertigt und natürlich I kommen nur erlesen schöne Blätter zur Verarbeitung. Jedes Blatt geht durch die Hände öojt zwei Kennern, die die Tausende von Blättern Stück um Stück genau prüfen, nicht allein auf die Qualität, sondern auch auf die Farbe, auf Format und ob sie frei sind von größeren Rippen." Im täglichen Leben gibt König Eduard übrigens der Zigarette den Vorzug, deren er täglich erne erkleckliche Mrzahl verraucht. Aber immerhin ist er nicht em so starker Raucher, wie der verstorbene König Carlos von Portugal es war, der unter den gekrönten Häuptern wohl, den Rekord hielt und fast nie ohne eine Zigarre oder Zigarette zu sehen war. Arsenikvergiftung. Während im Mittelalter, das Arsenik zu den bevorzugten Mitteln der Giftmorde gehörte, weil es schwer oder gar nicht im Körper des Opfers nachgewiesen werden konnte, ist es dank dem Fortschritt I der Chemie heute schon in kleinen Spuren sicher auffindbar, so ! daß bei entern solchen Fall die Todesursache nicht verborgen bleiben kann. Auch über die Physiologie der Arsenikvergiftung sind ausgiebige Forschungen gemacht worden, die über die Wirkung des Giftes.. Klarheit verschafft haben. Immerhin hat Dr. Barthe noch einen neuen wichtigen Beitrag dazu liefern können, indem mr „Bulletin der Gesellschaft für Pharmazie" in Bordeaux dre, Ergebnis,e von Experimenten veröffentlicht hat, in denen die Verteilung des Giftes im Körper nach der Aufnahme tödlicher Mengen ermitteln wollte. Im Fall einer akuten Vergiftung dura, arsemge Säure, bei dem der Tod zehn Stunden nach Anf- nahme des Giftes erfolgt war, stellte Dr. Bartbe durch genaue Untersuchung der einzelnen Körperteile fest, welche Mengen von -“Wit m den verschiedenen Organen enthalten waren. Es ergab Vans ,e Kilogramm des Gewichts auf den Magen « Milligram Arsemk entfielen, auf die Därme 750, auf hi? sYrPer on3, acuLb ™ Blut 142, auf die Lungen 133, auf die Nieren 27, auf die Muskeln 16 und auf das Gehirn 2 Milli- daü"«e wesentliche Bedeutung dieser Zahlen beruht darin, zeigen, wie die Nervenzentren von dem Gifte fast völlig auf fc nh SWer Umstand ist auch von aiidercu Forschern r» s s111^ "ÄAer Untersuchungen hervorgehoben worden, wäh- vertreten R Skolosubow im Gegenteil die Ansicht Brfnnhpra ftnrf bei der Arsenikvergiftung gerade die Nerven i vefonders stark angegriffen werden. - Der Frauen Schmuck. Sonelt. (Nachdr. verb.) Schmückt Glich, Ihr Fraueii, die Ihr begütert seid! Doch dann erst glänzet in dem neuen Wagen, Wenn er znm Dach der Armen Euch getragen, Und Perlen fnuft, wenn Ihr gestillt ein Leid! Von Edelsteinen kauft Ench ein Geschmeid', Doch kaufet auch der Dichter gold'ne Sagen, Die Abglanz sind von Paradiefestagen, Und liebt Genüsse für die Ewigkeit! Es überladen sich mit Flitterstaat Die Dummen nur, die Häßlichen und Alien, Sich Reiz erlügend durch gekaufte Ware; Doch nicht Demanten, Perlen noch Brokat Bedarf, die ihrer Seele Schmuck erhalten Und eine frische Rose trägt im Haare. I o h a n >i e s F a st e n r a t h f. Aphorismen. Wer von den Menschen immer Dankbarkeit erhofft, der erwartet Tränen aus den Angen einer Leiche. * Tas beste Löschpapier für die Tränen der Armut sind Banknoten. t Eine Frau mag noch so eifersüchtig sein, im geheimen bildet sie sich doch was darauf ein, daß auch eine andere ihren Mann lieb hat. (Aus den Blättern für Sporthumor.) Bilderrätsel herannahen, und ihr Mann begab sich eiligst nach der Stadt, I Skt-nntnn nm den Avzt herbeizuholen. Der Jüitger Aeskulaps erschien I -— Ms Erscheinen eine? * s . .. auch nnd untersuchte die Kranke, erklärte aber, daß er erst ! Freuden begrüßt werden d^? mit dann der Patientin die ärztliche Assistenz würde zuteil werden | Her zum Menschen ein $UfsL»fua Ont Ur* laffen, wenn er sein Honorar, in Höhe von vierzig Mark i und Entwicklunasaeickickte' *ur Abstammungs- itncf} unserem Gelde, erhalten habe. Darob große Bestürzung i erläutert von Dr Konrad ßinentiwJ • ' öusammengestellt und in der Familie des Bauern, weil sich eine so große Summe I Verlaas-Anstalt in (Shiitom-f- ’ r'r, •m' ^eutscheir Geldes nicht im Hause befand. Mau bat und bettelte, man I ™ beginnt. Das Werk, versuchte den Doktor zu einem geringeren Honorar umzustimmen, I durch fein reiches vottend-e r44'4 vorliegeu, verspricht aber alle Versuche waren vergeblich. Der Arzt hatte im Ne- J? rinem SnStM beiizimmer seinen Mantel abgelegt, saß neben dem Bette der ! stündlichen Text begleitet ivirtf für We'«u* Bäuerin und verharrte unbarmherzig bei seiner Forderung. Als ! bildeten eine höchst schäk»nsnici-e> 4TCtJe Ge-> allcs nichts half, und die Zeit drängte, entfernte sich der Natur- Vauer plötzlich aus der Wohnung. Nach einer knappen halben | ersten Lieferungen werden wir noch Stunde erschien er freudestrahlend wieder und übergab dem zurückkomn en * ausführlicher auf das Werk Arzte die vierzig Mark. Jetzt trat die Kunst des Doktors in I ' ------------ Tätigkeit, und die Geburt .sing gut und glatt vonstatten. Da- I hie rauf wollte sich der Arzt entfernen und seinen Mantel wie- I — ®in («r n s, P ? c<‘ „ 4 r„ o „ rem« schwarze und farbige Muster legen Zeugnis ab von der Verwendbarkeit der weiblichen Handarbeit für jeden Hausstand. Dcr Preis von 25 Pfennigen für jede der 26 Lieferungen nwQit es den Damen leicht, dieses im Verlage von W. Vobach u. Co., Leipzig, erscheinende Werk sich anznschaffen. Redaktion: P. W i ttko. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.