Donnerstag den so. Januar m.zr M8 V Kelmuth von Lovlen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) ■ (Fortsetzung.) Es gehörte auch zu ihren Eigentümlichkeiten, baß sie sich nie auf die Jugendliche, spielte. Es genügte ihr, daß sie schön war. Damit blieb sie selbstverständlich jung genug. Sie hatte sich schon mit siebzehn Jahren langsam bewegt und würdevoll gesprochen, also war sie sich auch darin gleich geblieben. Ihr Lebtag hatte sie sich immer für irgend jemand „interessiert", hatte die Möglichkeit einer Heirat ruhig hin und her erwogen und zum Schluß ihren Freundinnen ernstlich mitgeteilt, daß sie sich nicht entschließen könne, „ihn" zu heiraten. So war sie stets angenehm beschäftigt, und bemerkte es nicht, daß ihre Verehrer sich selten in Freier wandelten. Loysen setzte sich neben sie, sagte ihr soviel Artigkeiten, wie soviel Schönheit nur verlangen konnte, und als nachher ein „Tänzchen"" ,g emacht wurde, eröffnete er mit ihr den Reigen und wahrhaftig, sie tanzte auch noch gerade so wundervoll wie damals — ein Wiegen, ein Gleiten, ein rhythmisches Schweben ... cs war einfach genußvoll, mit Fräulein von Valois zu tanzen. Tann forderte er der Reihe nach die jungen Mädchen auf, mit Jutta von Prancken anfangend, die selig war, mit einem Mrassieroffizicr zu tanzen und dies unverhohlen zur Schau trug. Aber während der ganzen Zeit kam jener suchende erwartungs- vvlle Ausdruck nicht aus seinen Augen. Ging eine Tür, so sah er sich um, und sprachen die jungen Mädchen zusammen, so horchte er hin. Ter Kinder wegen dauerte Essen und Tanz nur bis neun Uhr. Tie waren indessen unter Aussicht einiger Gouvernanten und eines ebenfalls mitgebrachten Hauslehrers in einem Nebensaal mit Spicken beschäftigt. .Hin und wieder ging eine der Mantas hinein, nm zu sehen, ob ihre Lieblinge sich durch besondere Ungezogenheit auszeichneten, oder etwa zurückgesetzt würden. Auf der Rtickfahrt ging es lebhaft zu in dem Wagen. Tie Kinder hatten unglaublich viel zu erzählen, die Rietelschen Jungens hätten einen neuen Hauslehrer, der sei aber streng, und Landrats Frieda habe sich mit Lilly geprügelt und der Otto Prancken wolle partout auch ins Kvrps. Erst als der Wagen durch den Bardesser Park fuhr und die Laternen helle Streiflichter über die dunklen grünen Laubmauern rechts und links warfen, sagte Loysen: „Die Rothaider sieht umn natürlich nirgends." „Nein. Hattest du das erwartet?" — frug Marie Anne schnell. „Ich weiß es selbst nicht ... es ist nur so merkwürdig, wenn ein Haus so völlig fehlt, ich meine nicht nur unvertreten bleibt, sondern auch nie gekannt wird; nicht ein einzigesmal fiel der Name." „Ja eben »veil sie so abgeschieden leben." „Auch Fran von Dahlen macht sich nie auf, um wie Ada Valois' Tante, die Chaperoneuse zu spielen?" „Ach die gute Dahlen! Nein, weißt du, das sähe der nicht ähnlich! — Kinder, wir sind ja angekommen." X. Au« nächsten Tage, nachmittags, ritt Loysen nach Rothaide, Marie Anne hatte recht gehabt, wenn sie behauptete, er trüge so etlvas wie eine stille Neigung im Herzen. Es war vielleicht mehr ein Ziel, ein Lebensplan, dem er ganz ruhig und leidenschaftslos entgegen ging — es ivar ein Name, der wie ein Heller Stern über allem stand und leuchtete, woran das Leben ihn schon vorüber geführt. Wenn er seit seinen ersten Leutnantstagen daran dachte, toet wohl einst seine Frau werden würde, so stellte sich immer, mMfncht und ungerufen die Antwort ein: Edeltraut von der Haide. Das Sonderbar« dabei war, daß er sie kann« kannte, und eigentlich nie einen besonders günstigen Eindruck von ihr be murin eit hatte. Aber sie war Wilhelms Schwester, man hätte fast sagen können, Tochter, denn er hatte sie erzogen. Tas genügte. Außerdem sah sie gerade so aus, wie er sich schon als Knabe seine künftige Frau geträumt hatte. Der Gedanke, daß sie ihm bestimmt, hatte sich allmählich mit seinem Leben verwoben, war ihm manchmal süß, manchmal lästig, wie eine vorwurfsvolle Mahnung, je nachdem ihn andere Frauen fesselten, verließ ihn aber nie auf lange. Schon vor zehn Jahren, als er ein blutjunger Leutnant und sie ein Kind irl.tr, batte er mit Wilhelm darüber gesprochen, daß es für ihn nur eine Frau gäbe — Wilhelms Schwester. Bon da ab hatte er sich als Wilhelms Schwager gefühlt und sich gesagt, daß er so leben wolle, als wäre Wilhelms Schwester bereits seine Braut. Er war :toch sehr jung und sehr ideal veranlagt, und wenn in späteren Jahren seine Besuche in Rothaide immer seltener wurden und in den letzten Jahren ganz aufhörten, so war der Grund gewiß nicht darin zu suchen, daß seine Freundschaft erkaltete, und feilt Zukunftsbild eine andere Gestalt angenommen Hütt«, sondern darin, daß ihn eine gewisse, schuldbewußte Scheu davon abhielt, feinem Freunde unter die sonnenhellen Augen zu treten. Vielleicht war er sich selber darüber nicht ganz klar geworden, aber tatsächlich wäre es ihm« unmöglich gelvefcn, und wie eine Beleidigung seiner künftigen Frau erschienen, als Bewerber aufzutreten, so lange seine Phantasie von andern Bildern erfüllt war. So kam es, daß er sich ihrer erinnerte als eines langen, noch etwas linkischen Mädchens in fnßfreien Kleidern, mit hastigen, und wie ihm schien, stets von ihm fortstrebenden Beivegnugen, verschwindend, so wie er kam und blutrot erglühend, wenn eti beim Gruß ihre Hand fest hielt und scherzende Fragen stellte. Ihre Schüchternheit erklärt« er sich durch das einsame Leben, ive(d"je§ sie führte, und ihr tiefes Erröten konnte ihm ja nur schmeichelhaft fein. Tu großes Kind, dachte er, die Zeit wird schon kommen, wo du mir nicht ntehr davonläusst! — Ties« Zeit sollte jetzt kommen. Helmuth Loysen wollte heiraten. Wie cs sein Vater gemacht hatte, der afä junger Rittmeister die Mutter heimgeführt hatte, gerabe solch ein Wesen wie Edeltraut von der Haide zu iverden versprach. Schon das wäre ein Grund gewesen, weshalb sie seine Frau werden mußte. Seim Fran! — Etwas Stolzes und Hohes lag für ihn in — 66 dem Wort, etwas, das er gar nicht zart und lieb genug ansfassen Kumte. Mit solchen Gedanken ritt er landeinwärts und dog von der nach Jarowitz führenden Chaussee in eine blühende Kirschenallee — ein wonniger Anblick, der ihm wie ein verheißungvoller Willkomm entgegen leuchtete. Der Rappe trabte scharf zu. Ec war heute wieder ganz im Gleichgewicht und sein Reiter wiegte sich behaglich im Sattel, doch gehörte seine Aufmerksamkeit heute ausnahmsweise nicht völlig dem Pferde. Diese Gedanken, sowie, der wiedererkennende Rundblick über Felder und Wiesen nahmen ihn in Anspruch. Hier kam endlich dcr weiße Grenzstein von Rothaide. War es Einbildung oder wurde der Weg wirklich plötzlich besser, war cs Phantasie oder boten die Felder wirklich einen ganz besonders fruchtbaren Anblick? Nein, cs war wirklich an deut. Mit nicht ganz uu- knndigem Auge übersah er die Flächen. Rothaide Ivar ein liebevoll gepflegter Besitz. Es freute ihn, Recknitz' Mitteilung so bestätigt zu seheir. Aus früherer Zeit konnte er sich erinnern, daß es hier nicht so gestanden hatte, daß die Nachbarn mit mitleidigem Achselzucken „dem arnren Haide und seinem Wirtschaften" gesprochen hatten. Er solle doch verpachten, meinten einige und Recknitz hatte es ihm direkt geraten. Er solle Geld aufnehmen, sagten andere, der Boden sei erstklassig, aber vernachlässigt, und cs fehle an Betriebskapital. Bor allen Dingen fehlte es an einen» Herrn, der überall selbst sein kann, und das' wird der lahme Wilhelm nie können. Tenn Wilhelm von der Haide war lahm. Lohsen kannte ihn gär nicht anders wie an Krücken gehend und periodeuweise von den entsetzlichsten Nervenschmerzen gefoltert. Ein tzüftlciden war es, das aus seiner frühesten Kindheit datierte, lind dieser gc- bundene, meist aus Zimmer gefesselte Meusch, war frühzeitig in den Besitz des väterlichen Gutes gekommen und hatte damit eine Arbeitslast auf sich genommen, der er trotz aller Energie nicht gewachsen war. Wie Lohseu hatte er seine Eltern schon als Kind verloren, und das bildete den ersten Anlaß zur Freundschaft, bei welcher der Altersunterschied — Wilhelm war fast fünf Jahre älter als der Rittmeister — kein Hindernis bot. Während er das alles wieder durchdachte, bemerkte er doch, was rechts und links, vom Wege lag. Lichtgrüne und braune Ackerflächen, sauber bearbeitet und von schnurgeraden, sich in der Ferne verjüngenden Furchen überzogen. Tie Wiesen, und Rothaide war reich an Wiesen, durchschnitten kleine Kanäle, in denen das Wasser glitzernd hinfloß. Wie lange hin, nnd der Wind läuft, eine mattblinkende Straße hinterlassend, über üppig hohes Gras und tiefgrüne Kornfelder. Der Kirchturm von Rothaide war das Wahrzeichen der Gegend. Tie kleine Kirche stand auf einem Hügel, Dorf und Hof zogen sich von ihr abwärts in die Talmulde herab. Tas erste zarte Grün knospender Sträucher und weißstämmiger Birkenbäume und die silberweise Schönheit blühender Schlehen und Birnbäume umzog all die Häuser und Scheunen. Eine Pappelallee führte mitten durchs Torf auf den Herrnhof zu, der ein fast geschlossenes Viereck bildete, in welches ein breiter, gepflasterter Torweg den Eintritt ermöglichte. Ties Gewölbe warf das Echo der fest aufklappenden Pferdehufe zurück, und der Ausgang gab einen guten Rahmen ab für das gerade gegenüberstehende Herrenhaus, welches anspruchslos, nur durch ein paar, von einem niederen Eisengitter umzogene alte Platanen abgesondert, mitten im weiten Ring der Wirtschaftsgebäude stand. Es war ein ziemlich hohes Haus, gelblich mit weißen Feustcrnmfassuugeu, freundlich, hier und da mit Klematis und Glyzinien bewachsen. Es hatte blankschinimcrnde Fenster, die alle, wie helle, wachsame Augen, in den Hof herabsahen, auf welchem eben Vesperruhe herrschte. Rechts und links von» Wohuhaujc befanden sich zwei in den Garten führende Gittertore. Lohsen stieg am Pscrdcstall ab nnd srüg hier einen jungen Burschen, der/ihm vertrauenerweckend genug aussah, ob er ihm das Pferd halten wolle. Er wußte, daß die 'Haides teils ans Sparsamkeit, teils aus Mangel an Verwendung keine Luxus- pserde hielten, also auch keinen eigentlichen Kutscher hatten, wohl aber einen alten Diener, und diesen» wollte cr das unruhige Tier nicht übergeben. Ter fam auch schon aus dem Hause, so schnell ihn seine etwas wackligen Beine trugen, erkannte die Uniform, und damit den Besitzer derselben, grüßte mit respektvoller Vertraulichkeit und sagte, der Herr sei im Garten. Nun wußte Lohsen schon Bescheid, er wollte Wilhelm überraschen und bat, nicht gemeldet zu werden. Mit schnellen Schritten ging cr durch das Gittertor in den Graten. Auch hier war alles unverändert. Zwischen Bosquets von Flieder, Teestaude und Jasmin wand sich der Weg hin. Der Garten war nicht allzu groß und ans der Rückseite schloß sich eine Wiese an, die zum Kirchberge hinauf reichte. Zwischen Erlen nnd Birken, welche diesen Hang nmsäumten, stieg der Kirchturm enipor, das bescheidene, aber überaus anmutcnde Landschaftsbildchen abschließend. Mitten im Garten, dem Wo hu hause die offene Seite zu- kehrend, stand eine aus braungebeiztem Holz gezimmerte Halle oder Kolonnade, wie ein nach Süden offenes großes, helles Gemach. Das hatte Wilhelms Vater einst für den lahmen Knaben bauen lassen, der soviel wie möglich im Freien leben und kräftigende Waldluft atmen sollte. Um letztere wenigstens andeutungsweise herzustellen, wurden rings um die Halle, im Bogen umgreifend, Tannen und Fichten gepflanzt, denen die Sonne bald einen wohltätigen Harzgeruch entlockte. Diese damalige Pflanzung überragte jetzt bereits mit schlanken Wipfeln das Dach der Halle, und wo die Stämme sich infolge Platz- mangels unten ausgeästet hatten, war eine junge, leuchtend grüne Nachpslanzung gemacht, welche sich rechts und links weit verschob. Im Schutze dieser grünen, stachligen Mauer stehend, konnte Lohsen ungesehen in die Halle blicken. Sie war mit Bildern, Tischen, Stühlen, Schränkchen und Polsterbänken eingerichtet wie ein Zimmer. Bon der Decke hingen Ampeln mit blühenden Schlinggewächsen und bunte zierliche Vogelkäfige mit zivitschcrnden Insassen. Auf zwei langen Wandbrettern stair- den blühende Blumen, dazwischen hing eine Schwarzwälder Uhr mit kunstvoll geschnitztem Gehäuse. Originell war auch die Idee, über die Blumenbretter Alpenlandschasten zu malen, die in Fensterrahmen gefaßt waren und mit Glas und Fensterkreuzen überdeckt waren, so daß der unbefangene Ankömmling meinen konnte, in eine sonnenreiche Berggegend zu blicken. In der Mitte der Halle stand ein langer, schmaler, mit Büchern und Schreibgeräte bedeckter Tisch und daneben eine Ruhebank, über welche eine dicke, buntgestreifte Decke gebreitet war. Auf diesem Streckstnhl, halbliegend, saß Wilhelm von der Haide und las. Er war ein Mann gegen Mitte der Dreißig, sah aber jünger nnd fast blühend ans. Sein dichtes Haar, sowie der kurzgehaltene Bollbart waren glänzend hellblond und ganz krauch sein Gesicht edel geschnitten, fein und ungemein ausdrucksvoll, die Farbe schnell wechselnd von fast mädchenhaft rosiger Frisch« zu durchsichtiger Blässe. Tie Hände verrieten jahrelanges Siechtum, aber die Gestalt war kräftig nnd hoch. Er hatte tiefblaue Augen, aus denen eine große Freundlichkeit und Heiterkeit leuchteten. Nach Wilhelms Augen hatte sich Lohsen ost förmlich gesehnt nnd gerade dann am schmerzlichsten, wenn er sich am unfähigsten fühlte, diesem klaren, warmen Blick stand zu halten. (Fortsetzung folgt.) Die deutsche Kunst und der deutsche Verein für Kunstwissenschaft. (Originalartikel des Gieß. Anz.) (Nachdruck verboten.) Unser Fürst und unser Land sind in zwei wichtigen Fragen, die die moderne Kulturwelt und das deutsche Volk im besonderen bewegen, bahnbrechend v or an ge g a n g e n. —■ Tie Förderung der frisch erblühenden neuzeitlichen nationalen deutschen Kunst und ihrer Anwendung auf unser ganzes Leben Klar die erste Frage; die Darmstädter Ausstellung von 1901 war ein Markstein auf dem Wege zu ihrer Lösung und int besten Sinne des Wortes eilt „Dokument deutscher Kunst" der Neuzeit. Die Fürsorge für die Dokumente deutscher Kunst der Vergangenheit war die zweite Frage: Tas hessische Dcnkmalschutzgesetz ist ihre erste gesetzliche Lösung in Deutschland. Adelbert Matthäi, so manchem in Gießen durch seine geistvollen Vorträge über mittelalterliche Kunst noch in guter Erinnerung, hat im Jahrgang 1908 des Kalenders „Hessen-Kunst" aufgezeigt, welch bedeutende Kulturaufgabe unser Hessen innerhalb des großen deutschen Staatenverbandes zu erfüllen hat. In de» eben berührten Fragen haben Fürst und Volk ick Hessen diese Kulturaufgabe, wir dürfen cs stolz sagen, glänzend gelöst: Die Hessische neue Knust "hat ihren Platz an der Sonne erobert; sic wird durch des Großherzogs Werkstätten frisch erhalten, die in» Gegensatz zum toten Akademicbetricb des 19. Jahrhunderts ihre Schüler in das Handwerk her Kunst und damit in die lebendige Kunst selber einführen. Ebenso ist alle große Knust früherer Zeit entstanden. Der Denkmalschutz sorgt bei uns auch für das ileiiifte Denkmal liebevoll. Der Aufzeichnung und Erforschung unserer Kunstdeukmäler ist'durch-Bestellung eines neuen Leiters und frischer Kräfte an Mitarbeitern neues Leben zugeführt. Viele Vereine bemühen sich, neue nnd alte Kunst ins Lcbcn zu tragen.... Alle diese Aufgaben nun auf breitester Basis und für uns« r ganzes deutsches Vaterland zu lösen, hat sich der deutsche Verein f ü r Ku n stw i s s e n s cha f t zum Ziele gesetzt. Er bezweckt, wie es in dem Statutcnentwnrf heißt „die Förderung kunstgeschichtlichen Wissens' und die Hebung künstlerischen 67 Lebens in Deutschland", lind im besonderen ist in den Statuten der Nachdruck auf die Erforschung und Fruchtbarmachung unserer nationalen Kunstgeschichte gelegt. Das tut uns Deutschen — leider — noch bitter not. Tie so ost beklagte nationale Unselbständigkeit der Deutschen', die Vergötterung alles Fremden unter Mißachtung des Eigenen hat- sich bisher auch auf dem Gebiete der Kunstforschung gezeigt. Es ist immer noch wahr, was unser großer Kunstpädagoge Alfred Lichtwark vor Jahren als Einleitung seines Buches „Palasch fenster und Flügeltür" schrieb: „In Deutschland ist das Antlitz der künUerischen Bildung immer noch nach Athen und Rom oder nach London und Paris gerichtet. Tort sind wir zu Hause, dort wissen wir genau Bescheid, dort holen lvir uns die Maße, mit denen wir das Unsere miß- messen, und die Meinungen, aus denen wir das Unsere mifk verstehen. Tie Beschäftigung mit deutschen Dingen ist um so weniger beliebt, je näher sie liegen und je wichtiger sie deshalb eigentlich sind. Tas weitsichtig gewordene deutsche Auge weilt am liebsten am fernsten Horizont, und gern streift die Phantasie noch darüber hinaus. An einer Zeitungsnotiz über Ausgrabungen in Chaldäa berauschen sich Millionen deutscher Zeitungsleser. Aber das regt niemand ans, daß überall in Deutschland gerade in unseren Tagen eine köstliche heimische Baulvcise zu Grunde geht, die für unsere künstlerische Zukunft wichtiger ist, als alles, was unter den Trümmern Ninive's verborgen liegt." So Lichtwark; und der deutsche Wohnhausbau ist's, auf den er im letzten Satze anschelt. Wir deutschen Kunsthistoriker müssen uns heute zu unserer Schande gestehen: „Es gibt kc ine de u tsche Knn st gges chi ch te ! Jeder Dozent, der einmal über deutsche Kunst gelesen hat, weiß, daß es an brauchbaren Vorarbeiten fast völlig fehlt, jeder Kuustgelehrte, überhaupt, der nicht bloß Kirchturmpolitik treibt, sondern auch einmal über größere Zusammenhänge in der deutschen Kunst nachgedacht hat, merkt, daß in der Literatur noch nicht einmal Klarheit über Perioden und Blütezeiten unserer Kunst herrscht. Ja wir haben, wie .Bode mit Recht in der „Internationalen Wochenschrift" bemerkte, nicht einmal den heutigen Standpunkt der Forschung zusammenfassende Biographien von Dürer und Holbein. Tas außerordentlich tiefe und feinsinnige Buch von Wölfflin über Türer ist eine Reihe subjektiver Studien, sein, weil Wölfflin ein feinfühliger Mensch ist, aber kein Handbuch, auch an sich nicht ungefährlich subjektiv und feinem' An- süngcr in die Hand zu geben. Es ist immer noch von einem einseitig italistischeu. Standpunkt aus geschrieben, von dem aus fremde Maßstäbe an die Werke einer anderen Rasse gelegt werden. Wohl fühlt Wölfflin, daß das Schwanken Dürers zwischen eigenen^ und fremdem Ideal viel Kraft verbrauchte und seiner Kunst schädlich war, aber im Grunde erscheint ihm doch die Hingabe Dürers an die Fremde als Gesundungsprozeß. Dabei ist das der Anfang zum Verfall der deutschen Kunst. Merkwürdig, daß dieses bei Künstlern, die uns, wenn auch stainmverwandten Volkes, doch nicht ganz fo' nahe stehen, wie Türer, ohne weiteres zugegeben wird: Tie niederländischen Romfahrer und Romanisten wie Mabuse, Lambert Lombard u. a. werden in fast allen Kunstgeschichten wegen ihres Abfalls vom Heimatwesen heftig getadelt, als ob hier etwas anderes vorliege wie in gewissen Fällen bei Dürer. Der ist nicht in seinen italisierenden Gemälden, sondern in seiner Griffelkunst fürs deutsche Haus, der Apokalypse, bem Marienleben, dem Hieronymus im Gehaus unser größter Griffel kü n st le r. Dürer und Holbein, die Bode nennt, sind nun die geläufigsten Namen der deutschen Kunstgeschichte; ja cs wird viele sog- Gebildete geben, deren Namenskenntnis deutscher Künstler damit erschöpft ist. Jedoch so sehr viel besser stehts bei den Kunst- gelehrten auch nicht. Was wissen wir von deutscher Plastik? Was von der Kunst des ,17. Jahrhunderts? Die fälschende klassizistische Konvention in der Kunsthistorie, die in ihren Ursprüngen über das 19. Jahrhundert, über Sandrart, van Mander bis auf Vasari zurückgeht, auf die Lichtwark in jenen Ein-- gmrgsworten anspielt, hat auch verschuldet, daß mancher große Künstler durch Jahrhunderte in Vergessenheit gerier; so der größte deutsche Mal e r Mathias Grünewald, der den Jsenheimer Altar (in Colmar) schuf, das getvaltigste Werk deutscher Malerei, das mißfiel und verscholl, weil es nicht italienisch „schön" war. Und so wird noch mancher andere Meister aus deut Staube der Vergessenheit herauszuhvlen sein. — Der lebenstrotzende Stil der eigentlichen deutschen Gotik des 15, Jahrhunderts, der sogenannten Spätgotik, galt für schlecht, weil er mit dem Maßstabe der französischen sogenannten. .Hochgotik gemessen wurde; der deutsche Barock des 17. Jahrhunderts war schlecht, weil er nicht aussah, wie die italienische Hochrenaissance. Von der urtümlichsten deutschen Bauweise, dem Holzbau, wissen wir noch außerordentlich wenig. Genug von dem, was für die Kenntnis unserer künstlerischen Vergangenheit noch zu leisten ist. Schon das Wenige aber Große, das ich berührte, muß ja jeden Gebildeten mit Schrecken erfüllen über die schwere nationale Schuld, die hier auf uns liegt. Es gilt, alle Kräfte anznspannen, sie abzntragen. Bon unten herauf muß mit der Bildung künstlerischen Sinnes angefangen werden. In die Schulen muß die Kunst einziehen. Nicht als. öde Geschichtszahlenpaukerei, sondern als belebendes Element für allen Unterricht. Der blasse bebrillte linkische Schul- innge des 19. Jahrhunderts war lange genug der herrschende Typ in unseren Schulen deren einseitig öder Begriffs- und Grarn- matikdrill ihn geradezu des Gebrauchs seiner Sinne beraubte Er lvußte, daß ut mit dem Konjunktiv steht, er wußte aber nirgends m der Welt Bescheid, in seiner Heimat nicht und auch in Rom und Griechenland nicht, denn ihm fehlte die Anschan- un g. Wie kann nun diese Ausbildung des edelsten Organes — „o eine edle Himmelsgabe ist das Licht des Auges" — besser und schöner bewirkt werden, als diirch die Anleitung zur Betrachtung von Werken alter und neuer Kunst? Dazu gehört freilich, das; ^..Lehrer, die diesen Unterricht erteilen wollen, eine svrg- Wige Ausbildung erfahren, am besten durch die Fachleute der Hochschulen und Museen. Ausflüge rind Vorträge zur Betrachtung alter und neuer Kunstiverke der Heiurat müßten veranstaltet werden und diese für alle Kreise, auch den Arbeiter. Dann würde so mancher, der jetzt auf dem Sommersonntagsausflua nach kurzem Natnrbuminel fein Geld versäuft, an der Heimat und werd' ^n‘ne''e gewinnen und länger draußen festgehalten Damit komme ich auf die Hauptsache: die Rolle, die die Betrachtung guter Kunst in der Veredelung unserer Kultur zu spielen hat: Alle Kreise müssen wir Hinweisen auf den Geist guter alter und guter neuer Kunst: Ten Geist der Wahr - heit. Tas tritt am besten in der Baukunst zutage: Schön ist auch eui einfaches Arbeiterhaus, wenn es zwcckentsprecheiid und behaglich ist; schlecht ist die mit Gußornament in der Schau- «te überladene Mietskaserne, lstiiter deren lügnerischer Außen- sette sich schlechte Wohnungen bergen. Gut ist für uns das in unserem Klima und an unseren Zwecken laugsaui entwickelte Bauernhaus und Bürgerhaus, schlecht der auf u n s e r e n B o d e n v e r - pflanzte italienische Palast, unter dessen flachem Dach die wirkt'" nUni' ^on umner dieser Palast in seiner Heimat Ich Hoffe, diese Worte der Einleitung werden genügen, zu 6emeifen, daß der deutsche Verein für Kunstwissenschaft, der alles dieses auf seine Fahne geschrieben hat, eine No twe ndi g keit ist. Indem ich den Wunsch ausspreche, daß vor allem der Hesse, der unter Deutschlands Völkern, wie ich eingangs zeigte besonders dazu berufen ist, durch Beitritt zuM Verein zur Losung dieser für die Gesundung unserer Volksseele nn- geheuer wichtigen Frage beitragen möge, lasse ich den kurz und klar gefaßten ersten Absatz der Statuten über die Ziele des Vereins für sich selber reden: Der deutsche Verein für Kunstwissenschaft bezweckt die För- derung kuiistgeschrchtlichen Wissens und die Hebung künstlerischen Lebens ut Deutschland. Insbesondere setzt er sich zur Aufgabe: _ 1'. cm illustriertes kunstwissenschaftliches Jahrbuch mit literarischem Jahresbericht hernuszugeben, ,2. die Herausgabe von Kunsthandbüchern und phvtogra- phtschem Ansckanmtgsinaterial sowie von sonstigen kUnstwissen- schaftlichen Arbeiten zu fördern, . ?• die vollständige Verzeichnung und Publikation aller deutschen Kunstdeukmäler (Monuincnta artis Germaniae) auf Grund der vorhandenen Vorarbeiten herbeizuführen, 4. kunstwissenschaftliche Anstalten und Verbindungen an geeigneten Plätzen des In- und Auslandes herzustellen und zu unterhalten, m 5.. dafür einzutreten, daß für Vertreter der neueren Kunst Reisestipeiidicii eingerichtet werden, , , 6. das allgemeine Interesse und Verständnis für Kunst zu beleben, tnbem dahin gewirkt wird, daß . , den Universitäten und andern Hochschulen für ausgiebige Berücksichtigung der Kunstwissenschaft gesorgt wird, b) ^'ch m den Schulen, namentlich in den höheren Lehranstalten (Mittelschulen), der kunstwissenschaftliche Unterricht in geeigneter Weise im Anschluß an Gefchichts- und Zeichenunterricht und durch Veranstaltung kunstwissenschaftlicher Vorträge gepflegt wird, c) die kunstgeschichtlichen Apparate an Hochschulen und höheren Lehranstalten (Mittelschulen) zureichende Ausstattung erfahren, d) angehenden Oberlehrern und Oberlehrerinnen die Möglichkeit geschaffen wird, sich in der Fachprüfring eine Lehrbefähigung der Kuiistwissenschaft zu erwerben, e) die Kunstwissenschaft auch in dem der allgemeinen Bil- düng gewidmeten Teile der Prüfung der Oberlehrer und Oberlehrerinnen angemessen berücksichtigt wird, f) kunstwissenschaftliche Fortbildungskurse für Oberlehrer und' Oberlehrerinnen eingerichtet werden, g) auch bei allen Fortbildungseinrichtungen aus die Förderung kunstwissenschaftlichen Verständnisses durch geeignete Kurse besonderer Wert gelegt und h) durch kunstwissenschaftliche Vorträge und Demonstrationen verschiedenster Art auf immer weitere Kreise des Volkes eingewirkt wird. Tr. Christian R ä u ch, Privatdozent der Kunstgeschichte — 68 o * Was et Item bei Gefängnisstudien passieren kann. Benjamin Braznell, ein junger Pittsburger, der m der Wahl seiner Eltern äußerst vorsichtig gewesen war, erhielt eines Tages Besuch timt einem Freunde. Da sich dteser sehr für Gefängniseinrichtungeu interessierte, beschloßen dre beiden jungen Leute, den Polizeichef aufzusuchen, und diesen zu bttten, das Gefängnis besichtigen zu dürfen. • Sie erhielten ihren erbetenen Passierschein und zu ihrer Beglettung wurde em alter, biederer Polizeidiener herbeigerufeu. A-er Brave hatte aber ferne Aufgabe falsch verstanden. Er brachte seine beiden Schützlinge ruhig in einen Raum für Untersuchungsgefangene und forderte ihnen hier ihre Papiere und Wertsachen ab. Trotz allen Protestes der beiden jungen Leute bestand der Poltzeldtener auf seiner Forderung. Zu seinem großen Erstaunen entnahm der eine Arrestant seiner Tasche einige Tauseuddollarnoten und der andere eine noch größere Sumine. Als schließlich ailch die wertvollen Ringe und Ketten übergeben worden waren, trug der Polizeidiener ein kleines Vermögen in seiner Ttenstmutzc mit fort. Vorschriftsmäßig begab er sich mit seiner Beute zu seinen» Chef, nicht ohne vorher die Tür hinter den beiden Gefangenen' sicher verschlossen zu haben. Ter Polizeichef wußte anfangs gar nicht, worum es sich eigentlich handelte. Schließe lief) sielen ihm aber seine beiden Besucher tvieder em, und so klärte sich schnell das Mißverständnis auf. Ec begab ,lch schleunigst in die Zelle zu den beiden „Arrestanten", die sich jedoch über den Zwischenfall königlich amüsierten und ihrer Freude darüber Ausdruck gaben, das Gefängniswesen so „praktisch" tarnen gelernt zu haben. Ter arme Polizeidiener stotterte eine Entschuldigung nach der andern, jedoch die beiden „Gefangenen" entschädigten ihn schon int voraus reichlich für die zu erwartende „Nase". * Die Mode von heute. Die Vorliebe für ein reiches Dekor der Röcke kommt in dieser Saison hauptsächlich den Hauskleidern zugute, die mit Rüschen, Volants und Spitzen verschwenderisch ausgestattet werden. Die Pariserin empfindet einen pikanten Reiz darin, gerade im einfachen Kostüm, in dem sie sich zwischen ihren vier Wänden zwanglos bewegt, das Fron-Fron knisternder Seide und rauschender Spitzen um ihre Gestalt klingen zu lassen. Die Röcke der Promenadentoiletten erhalten wieder ihre besondere Note durch den kurzen glatten Fall und die elegante Betonung reiner Linien. Merkwürdige und absonderliche Farben finden sich in den neuen Musen, die bald in einem leuchtenden Blau glänzen, bald eine Aprikosenfarbe, ein starkes Rosa oder Violett zeigen. Der Halsabschluß der Bluse wird durch einen schmalen Hermelinkragen, der reich mit Spitzen besetz ist, - in höchst apartter Form gestaltet. Der beliebteste Stoffzusammenklang der diesjährigen Mode ist die Harmonie von Tuch und Sammet, die am Tuchrock in der Garnierung mit breiten Velvetstreifen, in der langen Sammetjacke durch den Besatz mit Stofftressen zum Ausdruck kommt. Ein großer schwarzer Hut, von seidenen Schleifen und samtenem Band in reichster Garnierung überdeckt, gibt den kapriziösen Abschluß der mondänen Toilette. Als spezifischer Winterhut erscheint eine mit Pelz besetzte breite Toque. Der Kopf ist von schwarzer Seide und der Rand von Hermelin, das Ganze bekrönt von einer iveißen Aigrette oder einer lang herabfallenden Feder. * N e b e n s a ch e. Arzt: „Warum haben Sie dem Blann gesagt, er soll wiederkommen? Der ist doch magenleidend, und ich bin Spezialist für Leberkrankheiten!" — Diener (pfiffig): „Ach, den werden wir schon 'rumkriegen, Herr Doktor!" — „M enschheitsziel e." Tie Verlagsbuchhandlung von Otto Wigand in Leipzig war in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von außerordentlicher Betriebsamkeit. Der Begründer, ein Deutsch-Ungar, bemühte sich besonders um das Allgemeinwohl der arbeitenden Klassen. Er war das Haupt einer politischen Fraktion und um ihn scharte sich ein großer Kreis von . jungen Freidenkern. Er publizierte die philosophischen Schriften Ludwig Feuerbachs. Ruges berühmte Jahrbücher erschienen in seinem Verlage und erwachten, nachdem sie als solche unterdrückt waren, als „Epigonen" wieder. „Wigands Vierteljahrsschrift" zählte zu Mitarbeitern Hermann Hettner, R. E. Prutz, Rud. Gottschall, Wilhelm Jordan u. a. und entsprach etwa dem heutigen Range der „Neuen Rundschau". Besonderes Wohlwollen und Vertrauen brachte er dem jugendlichen Wilh. Jordan entgegen, dessen Talent und Arbeitskraft er erkannte. Er kaufte ihm im Leipziger Vororte Lindeuau ein eigenes Häuschen, um ihn an Leipzig zu fesseln, und veranlaßte ihn zur Begründung und Herausgabe einer die Naturwissenschaften popularisierenden Zeitschrift unter dem Titel „Die begriffene Welt", die int „Prometheus" heute ihr neuzeitliches Gegenstück sieht. Mit Wigands Tode verlor dieser vortreffliche Verlag seine Bedeutung. Neuerdings jedoch scheint er sich seiner großen Traditionen tvieder zu erinnern. Seit kurzem erscheint bei Otto Wigand, jetzt „G. m. b. H.", eine ausgezeichnete Zeitschrift unter dem Titel „Menschheitsziele", eine „Monatsrundschau für wissenschaftlich begründete Weltanschauung und Gesellschaftsreform". Tie „Menschheitsziele" entsprechen einem in den Kreisen der freigcsinnten Gebildeten vielfach gefühlten Bedürfnisse, denn es fehlte bisher ein Organ, das, auf dem Boden der modernen Wissenschaft stehend, sich den Ausbau der neuen Wirklichkeitsideale zu einer Geist und Gemüt befriedigenden positiven G es am twelta n sch a n- itng zum Ziele setzt und dabei auch der Poesie die ihr gebührende Stellung einräumt. Die „Menschheitsziele" wollen dem Seien Gedanken in all seinen verschiedenen Manifestationen als rgan dienen. Sie wollen über alle wichtigeren Vorgänge und Neuerscheinungen aus dem Gebiet des Monismus und Positivismus, des Freidenkerin ms, der freireligiösen Bewegung und ethischen Kultur, wie auch der freieren Richtungen innerhalb der heute noch bestehenden Kirchengemeinschaften berichten. Außerdem lenken sie ihr Augenmerk auf den Ausbau der Soziologie unter biologischen Gesicht s - p unkt en und zwar besonders auf deren praktische Seite. Sie reden einer „Ordnung und Fortschritt" harmonisch verbindenden Sozialrcform das Wort und verfolgen die Bodcnbesitzre- form und die Frauenfrage. Jedes Heft soll die Lebensskizze einer für die Geistesbefreiung der Menschheit wichtigen Persönlichkeit enthalten. Der Hauptzweck der „Menschheitsziele" ist, einem frei gesinnten Leserkreis für Stunden der Weihe und Erholung eine seelenstärkende Erbauung, sruchtbringende Belehrung und geistvolle Unterhaltung zu bieten. Die uns vorliegende „Ludwig Feuerbach-Nummer" enthält u. a. folgende Aufsätze: Ludwig Feuerbach, von Prof. Tr. F. Jodl in Wien: Meine persönlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zu Ludwig Feuerbach und zu seiner Philosophie, von Albrecht Rau; Unveröffentlichte Briefe Ludwig Feuerbachs an seine Brüder Anselm und Fritz; Zur Frage eines Feuerbachdenkmals; Mission, von Tr. Thassilo von Scheffer; Volkswirtschaft als Unterrichtsgegenstand, von Tr. Heinrich Pudor; Zur Ethisierung der Ehe, von Leopold Kätscher; Abgründe der Kindesnatur, von Rosika Schwimmer; Farbe und Farbensinn, von Dr. Alberts; Darwins Hinterlassenschaft, von Rud. Oehler. Herausgeber ist Prof. Dr. Molenaar in Nürnberg, der Preis der Zeitschrift jährlich 6 Mk. — Kiesewetter-Rayhrer, Kleines Fremdwörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der in der heutigen deutschen Sprache gebrauchten Fremdwörter, Redensarten, Vornamen und Abkürzungen, auf Grund der 8. Auflage von Kiesewetters Taschenfremdwörterbuch neu bearbeitet von Professor Dr. E. Rayhrer, Verlag von Carl Flemming, A.--G. Berlin Wc 35, Preis gebunden 2.50 Mk. — Prüfendes Nachschlagen in dem schmucken Bändchen zeigt, daß das Taschenfremdwörterbuch reichhaltig und zuverlässig ist in seinen Angaben. In der neuen Bearbeitung ist sehr viel Neues ausgenommen worden. Namentlich das Gebiet der Technik hat eilte eingehende Berücksichtigung erfahren. Sorgfalt ist den sprachlichen und" sachlichen Erklärungen gewidmet, die so kurz als möglich gehalten find. Aussprache-Bezeichnungen und ein Verzeichnis der Abkürzungen ermöglichen die Verwendbarkeit dieses Taschenfremdwörterbuches. _______ Goldene Worte. Sag nicht vom Leben, das; ein Glück es sei, Doch auch kein Unglück, oder eine Last. Wenn du das sagst, bist du in dir nicht frei Und weißt noch nicht, ivas du am Leben hast. Das Leben, das in Wahrheit so zu nennen, Ist eine Arbeit, die dir ausgegeben: Als solche wag, es freudig zu ertennen, Um dich zum Meister würdig zu erheben. I. Hammer. Tie Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben. E. M. Arndt. Rätsel. Das erste rufst du dem Verschwender zu. Und um das zweite zu erhalten, Mußt flugs du eine Orgel svalten. Das Ganze issest, gern auch du. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Berlin. Redaktion: N. Witlko. — Rotationsdruck und Verlaa der B r üb l'leben UniversitätS-Buch- und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen.