Mittwoch den 29. Januar til W «ST MW EW WMH |W X ■A Kelrnuil) von Loylm. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Habt ihr end) nun darüber geeinigt?" — fragte er. „Nein, gar nicht!" — sagte Marie Anne lebhaft, „nur darin sind wir einig, daß dies Schmerzensgeld, welches uns der Wirtschaftsärger erpreßt hat, nicht für profane Zwecke ausgegeben werden soll." „Onkel Helmnth" — bettelte Lilly, „sage du cs, daß die Eltern uns dafür ein Gartenhäuschen mit einer wirklichen Küche und Milchkammer bauen sollen." „Ihr habt doch eben gehört, daß es höheren Idealen geopfert werden soll," beschwichtigte der Onkcst „Ja, da sage mal was!" -r- ermahnte Necknitz. „Ja, was denn gleich? — Als ich Wilhelm mal von der Existenz dieser famosen Sparbüchse erzählte — vor Jahren — sagte der gute Mensch: kauft doch dafür mal einen afrikanischen Sklaven los." „Ganz wie Haide!" — sagte Marie Anne kopfschüttelnd. Recknitz aber wandte sich zu den Kindern: „Ja, was meint ihr denn? Was würdet ihr zu so einem kleinen schwarzen Racker sagen?" — Maßlose Aufregung bemächtigte sich der Jugend. Lilly war kaum noch auf ihrem Sitz zu erhalten und verschluckte sich, als sie atemlos ihre Ansicht hervorsprudeln wollte, Heinzi schlittete sich seinen Teller mit Braten und Sauce auf die Kniee. Er stotterte entsetzlich, lucnn er aufgeregt war: „I— i—i—Willi—Willi— so einen — Schwarzen." „Ja, du Papa, das ist eine gute Idee!" — rief Helmi, der älteste, Loysens Pate. „Aber einen ganz kleine::" — schrie Lilly mit ihrem gellendsten Sopran, „ich nähe ihm dann einen feuerroten Rock und blaue Höschen, und er darf frei herumlausen, nicht?" — Tie Gouvernante räusperte sich und erinnerte daran, daß es sich nicht um einen Assen, sondern um einen Menschen, „mit einer Seele" handle, eine Mitteilung, welche gewissermaßen einen Tümpfcr auf die Freude setzte. „Onkel Helnmth," begann die unermüdliche Lilly wieder, „du wirst ihn besorgen, nicht?" — „Menschen „besorgt" man nicht, nur Affen oder Zigarren," sagte Lvysen mit einem lustigen Augenblinzeln nach der Gouvernante. „Aber du verschreibst ihn," drängte Lilly. „Aber Schatz, der Unglücksrabe soll doch losgekauft und nicht gekauft werden. Begriffsverwirrung!" Die Gouvernante nickte Beifall, Lilly hängte den Kopf. „Wir möchten ihn aber doch gern sehen, das könntest du doch wenigstens —" „Absolut nicht." „Was kostet ein Mensch?" — begann sie von neuem. „Nun bitte ich mir aber Ruhe aus," donnerte Recknitz. Nach den: Essen war es ein für allemal ausgemacht, daß der Baler Mittagsruhe hielt und die Kinder unterdessen mit der Gouvernante spazieren gingen. Also saßen die Geschwister im behaglichen Salon der Hausfrau und hatten ein intimeres Gespräch. Marie Anne war tvirklich glücklich, den Bruder hier zu haben und dazu erfüllt von echt frauenhafter Neugier. Sie ahnte, daß er mit diesem längst ver-, sprochenen und wieder Vorschvbenen Besuch noch eine andere Absicht verband. Natürlich keine unzarte, verfrühte Frage — aber so ein wenig sondieren konnte man schon, wobei man wie die Katze um den heißen Brei ging. Er saß da, schlank und, mie sie mit Stolz seststelltc, unendlich vornehm aussehend, und rauchte die ihm auf genötigte Zigarre, und sie nähte an einem Kleidchen für die Kleine, welche zu ihren Füßen auf dem Teppich mit einem Wollschaf spielte. „Arme Anne Marie," sagte sie mütterlich — „ihr Leben ist doch so öde, so unbefriedigt, wenn sie nur wenigstens ein Kind hätte! Sie läßt sich's ja nie anmerken, aber wie kann Ermunds Frau glücklich sein! Wenn ich dächte, daß das mein Mann wäre! Schrecklich. Liebster Bruder, ich wünsche dir mal von Herzen solch ein Familienleben, wie wir es genießen dürfen." „Das wünsche ich mir auch," sagte Lohsen freundlich. — „Tn hast Kinder gern?" „Riesig gern." „Konrad muß der Pate deines ersten Sohnes sein!" „Selbstverständlich. Willst du das erste Mädel übernehmen?" — er lachte, „ich glaube, ich habe Talent zum Familienvater." „Da fällt mir ein" — sagte die Gute (sie hatte die ganze Zeit daran gedacht), „daß morgen Empfangstag in Lobwitz bei Pranckcns ist. Tas geht so Reih um, weißt du. Bei uns ist es der zweite und sechzehnte jeden Monats. Tn kommst doch mit hin? In Lobwitz findet man sicher die ganze Nachbarschaft und da kannst du Bekanntschaften erneuern und anknüpfen." „Kann ich denn, ohne vorherigen Kartenabwurf?" — „Ach, wir sind nicht zeremviriell, natürlich kannst du. Es wird ’ dir Spaß machen . .. und junge hübsche Mädchen haben wir jetzt im Ueberfluß. Tie Wessendorfs aus Dalitzsch werden da feilt, die Töchter sind allerliebst, dann Oberamtmmius aus Jarvwitz, dann natürlich die Ellenheims, das sind dir übrigens ziemlich unangenehme Parvenus. Er sieht jüdisch ans und die Frau und die Töchter tragen unglaublich viel Schmuck. Und Hochwerth in diesen Händen —" „Nebenbei bemerkt, Mieze, wie blieb das damals mit der Rüstung unseres Ahnherrn?" „Ja, da hat sich Recknitz alle Mühe gegeben, aber die ist dem Ellcnheim nicht feil. Eine echte, nicht imitierte, Ritterrüstung, in welcher innerlich wirklich Blut klebt — das ist ja unersetzlich in feinem Ahnensaal." „Ich ärgere mich, daß Graf Trauen verkaufte. Solange er Hochwcrth besaß, dachte ich gern daran." „Ja, Trauen brauchte Geld. Zwei Töchter ivaren -auszu- statten und dazu der Sohn bei den Gardehusaren kostet ihm auch viel. Er wird vielleicht in Lob mit fein, immer noch ein eleganter alter Herr. Die kleine Henny ist eine leidenschaftliche Sport? — 62 freunbin. Tann wirst tm auch Aba Valois sehen mit ihrrr Ehrentante." , „Was? Das schöne Fräulein von Valois? Ist sw immer iwch so verblüffend schön? Himmel, was war ich als Kadett und Fähnrich in die verliebt!" — „Wer Idar denn hier als Schüler nicht verliebt in sie?" „Weshalb heiratet sie denn nicht?" — „Vielleicht trägt sie eine stille Liebe für dich im Herzen," scherzte die Schwester. „Sollte sie wirklich einen so guten Geschmack haben?" fuhr er ebenso fort, „übrigens tut sie mir leib. Es ist doch schade, wenn ein so schönes Mädchen in solch einem Nest wie Braunstadt verblüht, weil sie nicht die Mittel hat, in der Welt eine Rolle zu spielen." „Tie verblüht nie, sei ruhig. Sag mal, hast du denn die frühere Besitzerin von Jarowitz, Frau von Wahvendorf und ihre Töchter nie in Berlin gesehen." „Nie. Tie Damen sollen ganz der Wohltätigkeit leben. Weiht du, es sind Verwandte von meinem Kameraden Schnadelvitz." Nun steuerte sie ihr Schifflein kühn dem Ziel entgegen. „Ich glaube, die Wahrendorfs unterhalten nur noch mit Rothaide Beziehungen, das waren ja ihre nächsten Nachbarn — ein Spaziergang von Jarowitz nach Rothaide." „Ja," sagte er, ganz unbefangen, aber mit einer gewissen freudigen Erregung, „eigentlich wollte ich morgen früh nach Rot- Haide reiten — es kommt drauf an, wie mein Rappe die Reise ausgehalten hat, ich erwarte ihn jede Stunde. Ter Satan ist ja von Eisen, aber er hat noch nie eine solche Eisenbahnfahrt gemacht. Ich bin nur neugierig, was Recknitz zu dem Kerl sagen wird!" Und damit glitt die Unterhaltung unvernierkt in Regiments- interessen über. Erst gegen Abend traf der Bursche mit dem Lieblingsgaul seines Rittmeisters ein. Der schmucke Kürassier und das vor Aufregung zitternde Pferd erregten einen förmlichen Auflauf im Hof. Knechte und Mägde traten in die Stalltüren, die Mamsell lugte um die Ecke, der Kutscher kam Herbeigelanfen, während Recknitz und Lohsen um den Rappen herum gingen und ihn prüfend in Augenschein nahmen und die Ordonanz Rapport Über die Reise abstattete. Tie Kadetten waren glückselig in der Aussicht, mit dem Onkel zu reiten, und wurden deswegen von Lillh verhöhnt, welche die Fähigkeiten des alten Pont) stark in Zweifel zog. Lohsen betrachtete mit gerunzelten Brauen eine kleine Verletzung, welche Fra Diabolo sich im Bahnwagen zugezogen hatte Und als der Rappe in den Stall gebracht, jedes Futter verschmähte, gab er seine Absicht, morgen früh nach Rothaide zu reiten, auf. An« Wend unternahm döe Familie einen Spaziergang auf die Felder, der Stand der Felder wurde geprüft und unter einer alten Linde Platz genommen, welche einen grasbewachsenen kleinen Hügel krönte und von einer mit Moos und grauen Flechten überwucherten Steinbank umschlossen ward. Gegen den gelben, östlichen Abendhimmel hoben sich am Horizont die Türme von Braunstadt ab. Im Süden zog sich ein blau-grün schimmernder Höhenzug hin, welcher der sonst waldarmen Gegend keinen geringen Reiz verlieh. Tort lag Hochwerth, der einstige Familiensitz der Lohsens. Am nächsten Nachmittag fuhr Marie Anne mit dem Rittmeister und den drei ältesten Kindern nach Lobwitz. Tie Kinder mitzubringen war Sitte bei diesen nachbarlichen Empfangs- lagen. Lobwitz, der Freiherrlich v. Pranckensche Familiensitz, galt nächst Hochwerth und Bardes für das schönste Gut der Umgegend. Vor dem Schloss . lag ein von Schwänen belebter Teich und rinsuncher schön gehaltene Gartenanlagen, die im ersten Frühi- lingsschmuck prangten. Ein Teil der Jugend hatte Tennis gespielt, aber ein kalter Frühlingsregen hatte alle in die Salons getrieben. Ter junge Rittmeister wurde mit ganz ausserordentlicher Liebenswürdigkeit begrüßt. Mütter hoben ihre Lorgnons an die Augen und ließen sie tiefbefriedigt wieder sinken, junge Männer, sofern der Ostermrlnub welche herbeigeführt hatte, drängten fid), heran, die jungen Mädchen entfalteten ihre Liebenswürdigkeit." Dieser scharmante Rittmeister, der sich in so guten Vermögens- verhältmssen befand, daß er jeden Augenblick heiraten konnte, gehörte doch nicht zu den Alltäglichkeiten, — von seiner immer einnehmenden Persönlichkeit gar nicht zu reden. „Es ist ein reizender Mensch," sagte die Hausfrau int Flüsterton zu ihrer Nachbarin. „Wirklich! So schick, nein, rassig. Tiese Lohsens haben alle so was Apartes." „Liebste Baronin, das wäre so ein Mann für Ihre Jutta!" „Pst! Ilm Himmels willen!" Lohsen seinerseits ging zwischen all den Menschen hin mit einem suchenden, erwartungsvollen Blick. Es war alles da, was ihm Anne Marie genannt hatte, die Vessendorfs mit ihren naiv-lustigen Backfischen und die Ellenheims in aufdringlicher Eleganz, und der alte Graf Trauen, der sich seinen weißen! Schnurrbart schwarz färbte und trotzdem aussah wie der Groß-. Vater seiner kecken, munteren Tochter, welche Zigaretten rauchte und Billard spielte. Tann die Rietelns aus Jarowitz und die schöne Ada Valois aus Braunstadt. Sie war wirklich frappant schön, dunkel wie eine Spanierin, tadellos gewachsen, tadelloses Profil. Wie damals, a(8: er fie in seiner Knabenzeit angeschwärmt hatte, trug sie ein schwarzes Sammetkleid, glänzende Lackschuhe, lange lichtgraue Handschuhe! bis zu den halblangen, spitzenbesetzten Aermeln. Wie damals posierte sie ein wenig, sah unendlich stolz und unnahbar und dabei gar vielsagend aus und wie damals war sie von jugendlichen Verehrern umgeben, die um den Platz an ihrer Seite stritten.. Wie damals trug sie -einen aufgeschlagenen schwarzen Federhut, der gut zu ihrem schmalen, klassischen Gesicht paßte, und wie damals hob sie langsam die Lider und aus ihren schwarzen Sammetaugen glitt der Blick bedeutungsvoll zu dem Rittmeister empor, der, sich verneigend, vor ihr stand. „Ich bin beauftragt, dem gnädigen Fräulein Grüße meiner Schwester Marie Anne zu bringen," sagte er verbindlich. Sie neigte dankeiDi idM schöne Haupt. „Oh," sagte sie mit ihrer tiefen, weichen Stimme. „Tenkt Anne noch an mich? Wie lange ist es her, daß wir zusammen jung waren!" (Fortsetzung folgt.) Auf der Fahrt nach Deutsch-Sild-Mst-AMa.*) Bon Stadtbaumeister B r a u b a ch. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) III. Nun hieß es Abschied nehmen Von den während der langen Fahrt liebgewonnenen Swakopmund-Passagieren, kam doch die afrikanische Küste in Sicht und eilten wir der Reede von Swa- kopmund zu. Am Sonntag dem 27. Oktober abends gegen 8 Uhr trafen wir vor Swakopmund ein. Am andern Morgen ertönte ein scharfer Koimnandoruf durch die Gänge und gleich darauf ein eifriges Pochen an den Kabinentüren der für Swakopmund bestimmten Passagiere. Mein Reisegefährte und ich gingen gleichfalls an Teck, um uns das interessante Aus- booten der Passagiere und des Gepäcks anzusehen. Der Eindruck, den das in der Morgensonne daliegende Swakopmund auf uns machte, war kein ungünstiger, obwohl das freundliche Städtchen von recht trostlos ansfehenden Sanddünen ringsum eingeschlossen ist. Querab von unserem Dampfer war am Horizont das Wrack der gestrandeten „Gertrud Woermann" sichtbar, ein Zeichen, daß nicht alle Seereisen so harmlos wie die unsere verlaufen. Vom Lazarett an Land wehte die Flagge halbmast; ein Soldat sei gestorben, hörten wir. Wer mag es gewesen sein, den sie da einbetten in den heißen Dünensand, um auszuruhen von seinem Wirken und Kämpfen für Kaiser und Reich? Doch nicht lange hielten die entfielt Gedanken vor. Bald sahen wir die ersten Boote mit Besuchern, vom Lande abstoßen. Deutsche Flaggen grüßten von beit Gebäuden und deutsche Laute warm es, die uns die Besucher schon aus- den Boten zuriefen, wahrlich ein anheimelndes Gefühl nach der langen Seefahrt. An Bord entwickelte sich mm ein reges Leben. Die Mannschaft war klar bei bett Winden, um Passagiere und Gepäck in die von kleinen Dampfern geschleppten Leichterboote hinabzulassett. Das Ausbooten in Swakopmund ist der hohen Dünung wegen sehr schwierig und schon mancher ist dabei gehörig naß geworden. Ein Herangehen der Dampfer an den Molenkopf ist unmöglich, ebenso *) Wir veröffentlichen im Vorstehenden den dritten asrikaw Reisebrief des Gießener Stadtbaumeisters und heben ans dem uns am 20. Januar zugegangen en, vom 23. Dezember aus Nanti datierten Begleitschreiben noch folgendes heraus: „Wir aber haben hier zurzeit durchgängig über Mittag 45 Grad Celsius im Schatten, so daß es schwer hält, sich in die Weihnachtszeit hineinzudenken. Ich habe anfangs "Oktober die letzte europäische Zeitung gelesen, überhaupt seit wir hier so abseits vom Wege liegen, kaum etwas von der Außenwelt gehört. Wenn Sie diese Zeilen erhalten, ist Weihnacht und Neujahr längst vorüber. Trotzdem möchte ich nicht versäumen, Ihnen und allen Gießener Freunden und Bekannten auch noch nachträglich meine besten Wünsche zu senden." — 63 e t >r t r kt n ö e Straßen! und Abfuhr gesorgt, so daß es sich ganz gut btt leben läßt. Das Klima ist bekömmlich, nur wehen oft recht unangenehme Seewinde. Hauptsächlich fehlt es in Lüderitzbucht an gutem Wasser, doch haben sich auch hier die Verhältnisse gebessert. Während früher englische Dampfer von Kapstadt Wasser zu horrenden Preisen ■ brachten, wandelt jetzt eine staatliche und eine bahnamtliche Kondensatoranlage Seewasser in das nötige Frischwasser um. In dieser Beziehung hat sich also Lüderitzbucht von englischer Hilfe freigemacht. Sur Verpflegung waren wir durch den Rcichseisenbahnkommissar, der sich unserer ganz besonders annahm, in die Beamtennicsse empfohlen worden. Die unverheirateten Beamten, u. a. der Postdirektor, der Bezirksamt- mann, der Bezirksrichter, der Regierungs-Tierarzt, führen gemeinschaftliche Wirtschaft und haben als Messe ein kleines Well- blechhäuschcn gemietet. Wir fühlten uns int Kreise der Herren sehr ivohl utib waren für die Aufnahme in der Messe recht dankbar. Der Verpflegungssatz ohne Getränke betrug für uns pro Mann und Tag 8 Mk., ein weiteres Zeichen, daß auch bei Berechnung der Selbstkosten, wie es in der Messe üblich, Lüderitzbucht gerade nicht als billig gelten kann. Im Innern sollten wir später noch ganz andere Preise kennen lernen., Einen recht angenehmen Abend verbrachten wir auch auf Einladung eines Herrn im Offizierskasino. Die Gastfreundschaft findet man in Südwestafrika in ausgedehntem Maße und es ist an der Tagesordnung, sich gegenseitig in die Messen oder Kasinos einzuladen. Die Herren vom Militär liehen uns eines Morgens Pferde uub begleiteten uns auf einem Ritt tu die Umgegend von Lüderitzbucht. Herrlich war dieser Morgenritt. Weit aus blickte das Auge über die tiefblaue See, die ein fast stets wolkenloser Himmel überspannt. Am Horizonte sahen wir die Ausläufer der Bucht und vor uns lag langgestreckt die Haifischinsel, auf der sich das Lazarett befindet und wo seinerzeit die Kriegsgefangenen nntergebracht waren. Aus dem Friedhof, den !vir besuchten, steht ein Gedenkstein an die Besitzergremmg des Landes durch Lüderitz. Weiter gin.gs tu sausendem Galopp nach dem Burenkamp, wo noch ein Teil gefangener Herero lag/ nach dem Proviantlager des Militärs uub zurück nach Lüderitz- bncht. Schmerzten auch die Glieder etwas ob des ustgewohnten Reitens, war ich doch seit meiner Rückkehr aus Rumänien kaum noch geritten, so wurde dies doch ausgewogen durch das Gesehene, das uns in jeder Beziehung neu und eigenartig an- mutcte. Durch Ankunft des landwirtschaftlichen Sacqverstäudtgen, der vor unserer Ausreise noch die Kapkolonie besucht hatte, wurde unsere Expedition vollzählig. Die Abreise aus Lüderitzbucht konntest wir bereits auf Montag, 4. November, scstsetzen, an welchem Tage wir morgens 7 Uhr das für uns so gastliche Gestade ver-. ließen und im Salonwagen, den uns die Bahnverwaltung bezw. der Reichseisenbahnkommissar in liebenswürdigster Wetse^zur Verfügung gestellt hatte, deut Innern zudampftcn, das uns yoffentltch viel Jntcressanies und Erzählenswertes bieten wird. b n :r e s iC s !l st Niem ns ag! ich )k- eif ter ih- cht n d che en >ie a- en r- nd iir tb s- tv= ttb d- en ar n" os )ie >er. en en est rst est ier Ls ich ir- rn ist ttb n- >so eist Auslegeti des Fallreeps in die immer auf- und abtanzenbett Leichterboote. Die Passagiere werden deshalb ntittelst eines an dem Tau der Dampfwinde hängenden Lehnstuhls in die Boote hinabgelassen und die Besucher auf gleiche Art an Bord geholt. Für Damen ist dieses Ansbooten keine Annehmlichkeit, wenn sie in dem Stuhl ziemlich hoch in den Lüften zwischen Himmel und Wasser schweben. Während des Ausbootens unserer Reisenden war die See auffallend ruhig und es ging alles glatt ab; nur ein allzu eifriger Besucher, der, im letzten Augenblick auf den bereits im Hochziehen besindlichen Stuhl sprang, glitt ab und fiel ins Boot zurück, ohne sich jedoch erheblich zu verletzen. Der für Afrika sehr seltene uttb schöne Rosenstrauß, den er in der Hand trug, ging leider verloren. Der Eifer der Besucher, an Deck zu kommm, war leicht begreiflich, erwartete doch mancher Ehemann die zurückkehrende Gattin, mancher Bräutigam die Braut, Eltern ihre Kinder, und umgekehrt. Nun, denkt man, können die Reisenden mit ihren Verwandten und Bekannten gleich mt Land zurückkehren, doch so einfach ist die Sache nicht. Es erscheint da zuerst der Bezirks- amtmann mit einem Sekretär, schlägt sein Bureau int Rauchsalvn auf und prüft die vom Schiffsverwalter aufgestellten Personalien jedes Passagiers, wozu Reise-, Militärpaß oder sonstige Answeisvapiere vorgelegt werden müssen. Neu ins Land Kommende, die keine feste Stellung haben, müssen genügende Existenzmittel Nachweisen. Nach Erledigung dieser Formalitäten, die sich rasch und in freundlicher Weise abspielen, steht dem Passagier der Weg ins Land und zum Ziel seiner Wünsche offen. Werdens alle erreichen? Noch ein letzter Händedruck, ein herzliches Lebewohl und hiuab saust der Stuhl ins Leichterboot, das bald darauf tiuseren Blicken cntschwittdet. Nm 2 Uhr nachmittags gingen wir Anker aus und setzten die Fahrt nach Lüderitzbucht fort. In allen drei Klassen war es leer geworden und nur einige neue Passagiere waren in Swakopmund an Bord gekommen. Noch eine stürmische Nacht bescherte uns Neptun zum Abschied und unser Endziel war erreicht. Gegen Mittag fielen die Anker vor Lüderitzbucht. Mein Reisegefährte und ich waren marschfertig und fuhren nach Erledigung der Einwanderungsformalitäten an Land. Das Ausbooten Ivar bequem, da wir tttittelst der Fällreeptreppe direkt auf den kleinen Dampfer steigen konnten, der uns in kurzer Fahrt nach der Landungsbrücke brachte. Der Hafen von Lü- derttzbucht ist trotz seiner nackten Klippenberge mit der vorgelagerten Häisischinsel von eigenartig anziehender Schönheit. Unsere Einfahrt gestaltete sich dadurch sehr interessant, daß zu gleicher Zeit drei große deutsche Dampfer, der „Feldmarschall", der „Gouverneur" und der „Eduard Woermann", stolz mit den deutsche»! Farben gesehmückt, in die Bucht entliefen. Ganz in der Nähe des Landes liegt ein gestrandeter großer englischer Dampfer der Houtson-Linie. Auch während wir einfuhren, strandete vor der Bucht ein Dantpfer der gleichen Linie. Die Passagiere wurden alle gerettet, doch sollen Ladung und Gepäck verloren sein. Eine junge Dame, die ihr Pferd an Bord hatte und mit ihm das Land erreichte, sprengte ohne Sattelzeug nach Lüderitzbucht, überbrachte dort die erste Nachricht von der Strandung und setzte so die erste Hilfe in Bewegung. Jit Lüderitzbucht nahmen wir Wohuiing im Hotel „Europäischer Hof". Trotz des stolz klingenden Namens war es sehr einfach, die Preise afrikanisch. Eitt kahles Zimmer mit zwei eisernen Feldbetten war für die nächsten Tage unser Heim. Das Zimmer kostete pro Bett 5 Mk., ein Frühstück 2.50 Mk., ein Fläschchen Selterswasser 1 Mk., eine Flasche Bier 1.50 Mk. u. s. w. Unsere Aufgabe in Lüderitzbucht war es, möglichst rasch unser Gepäck nebst Instrumenten und Werkzeug zu sammeln und zu verladen, um dann ins Innere nbfahren zu können. Mit dem Aufsuchen der Sachen im Zollhof, mit dem Verzollen und Einladen in zwei Bahuwagen vergingen einige Tage. Eine Kiste war aus. Versehen auf dem „Feldmarschall" zurückgeblieben Und mit biefem abgedampft. Ich reklamierte sofort bei dem zuständigen Herrn ittib erhielt die Kiste etwa einen Monat später nachgesaudt. lieber solche Kleinigkeiten darf man sich nicht aufregen, da Aufregung oder gar Räsonnieren zwecklos ist und oft das Gegeitteil des Gewollten bewirkt. Bei den Behörden war unsere Expedition bereits angemeldet und wir sanden überall Unterstützung und liebenswürdiges Eittgegen- kommen. Sowohl Zivil- und Militärbehörden halfen uns, wo sie konnten. Der kaiserl. Lagervertvalter kümmerte sich in dankenswerter Weise um unser Gepäck; zum Verladen stellte uns das kaiserl. Bezirksamt Strafgefangene» zur Anfahrt des Gepäcks nach den Bahnwagen die Kommandantur Fuhrwerk und Soldaten zur Verfügung. Die Bahnverwaltung ließ uns die Wagen auf das Hafengeleis schieben, ivas das Einladen sehr erleichterte. Im Zollhof unterstützte uns der Amtsvorsteher nach Kräften, so daß sich unsere Angelegenheiten • glatt und für afrikanische Verhältnisse recht rasch ablvickelten. Dieses Ent- gegenkotnmen der Zivil- und Militärbehördensowie der einzelnen Beamten traf ich auf meiner ganzen Reise und ich kann die liebenswürdige Aufnahme, die wir überall, sowohl tu dienstlicher wie in privater Eigenschaft fanden, nicht genug hervorheben und loben. „ „ r In Lüderitzbucht sahen wir uns natürlich, tüchtig um. Las Städtchen ist ganz nett gelegen, cs wird für Sauberkeit der Otto Julius MilchSaum. Der Aufruf der Alten Herren an die deutsche Burschens schäft gegen den Trinkzwang hat Otto Julius B i e r b a u ml zu einer Satire veranlaßt. Ein den Burschensch. Blättern uta* lassenes Schreiben schildert phantasievoll Bierbaums Erlebnisse auf einem Kommers des Korps Abstinentia (kremewetge Stürmer mit milchweißer Einfassung, Wahlspruch fidesitcr et abstinenter). Der Kommers wird in bett Festräumen der Molkerei Salmitas begnügen. Bein« Forellenreiben zu Ehren Professor Forels wurde auch des Dichters Name genannt, wobei eine Art Schauder durch die Versammlung ging. Otto Julius dachte an die sündigen Trinklieder ans seines Lebens Maienblüte, trank pro poena zwei Ganze Vollmilch bis zur, Nagelprobe, wurde aber dennoch streng gemietet, und bie Füchse waren nahe daran, UM einen Gemralmilchjungett aufzubrumnien. Endlich teilte der erste Chargierte mit käsebleichem Gesicht ihm mit, daß ein Milchgericht gegen ihn eingesetzt weichen müßte. „Warum?" fragte der Dichter und erklärte, er schreibe seit acht Jahren nur völlig alkoholfreie Verse. „Ja, es ist nicht das," Mitwortete der Senior, „es handelt sich um raten Makel, bi n ©ie an sich tragen." Umsonst betrachtete sich der Verzweifelte von oben bis unten, umsonst schwor er bet der Milchstraße, bei seiner ewigen Nüchternheit — es hals Nichts; er wurde vor das Tribunal geschleppt. Und ein alter Herr mit milchfarbenem Barte erhob sich zu einer längeren Rede, die ihm luie Milch und Honig von den Lippen floß; aber auch aus ihr vermochte der Unglück- liche nicht zu erkennen, Ivelches Verbrechens er beschuldigt wurde. Er sank iu einen Stuhl und seufzte: So sagen Sie mir doch nur endlich, was ich begangen habe! Ich will es ganz gewiß nicht wieder tun." . . „Tun? Tun?" rief der alte Herr. „Wer spricht von tun ? Tun tun Sie uns nicht das Geringste. Sie beleidigen uns auf viel raffiniertere Weise: Sie beleidigen itns passiv. Ohne auch nur den Mund aufzittutt, schlendern Sie uns unausgesetzt eine Beleidigung ins Gesicht." Des Dichters Seele verlangte in diesem! Augenblick zum ersteumale seit acht Jahren nach einem Kvgnak. Da üe aber keinen bekam!, schrie sie lvild auf: „Wenn ich von biefem Wahnsinn auch nur ein Wort verstehe, will ich Pteptnatz heißen." Ta lächelte das Antlitz des zornigeti alten Herrn lieb- — 64 — reich auf: „Endlich! Endlich haben Sie begriffen: Es muß ja nicht gerade Piepmatz sein---wenn Sie nur aufhören, Bierbaum zu heißen! Ihr Name ist das Greuel an Ihnen. Leaeu Sie ihn pst, indem Sie gleichsam nach dem Worte der Schrift handeln: Wenn dich dein rechtes Auge ärgert, so reiße es Vus und wirf es von dir!" Da gingen dem Dichter die Augen laut und er beschloß, sich künftig — Otto Julius Mil chbaum zu nennen . . . VesnMeGssv« * Ein sparsamcr Konig. König Friedrich. Wilhelm I. voll Preußen hatte die Lieferung des Konfekts für seine Tafel im Jahre 1731 dem Konditor Huneken für 1400 Thaler jährlich in Entreprise gegeben. Dafür war er verpflichtet, Mittags und abends die „benötigten" Körbe mit Konfekt zu liefern, und zwar „allezeit frisch und gut, reinlich und propre". Außerdem war er verpflichtet, täglich auch für Zucker nnb . frische Butter auf allen königlichen Tafeln zu sorgen. Waren bagegen fremde Herrschaften länger als fünf Tage anwesend oder hielten große „Traktierungen" ebenfalls länger au, so wurden ihm für jeden Korb Konfekt zwanzig Groschen vergütet- Bei dem Paragraphen „Gellee und andere Erfrischungen, so denk Konditor zu machen zukommen, muß er, so oft es Se. Köuigl. Majestät verlangen, liefern," hatte der Monarch die eigenhändige Bemerkung au den Rand gesetzt: „So oft ich krank bin!" Ebenso hatte er „Abends einen Korb voll Konfekt für die Kaiserlichen Kinder" gestrichen. Ob der Lieferant trotzdem seine Rechnung dabei gefunden hat, muß dahingestellt bleiben. * Die Bolkoburg. Schlesische Burgen haben oft eine andere Entwicklung als solche im übrigen Deutschland. Hier leben sie eine eigene, rein individuelle Geschichte, die oft genug in einen Gegensatz zu den Fürsten oder Städten geriet; in Schlesien tauchen sie hinein in das volle Fluten der Gesamtgeschichte des Landes. In unserer Gegend, am Rhein, in Süddeutfchland oder Thüringen ist die Burg zumeist mit dem Schicksal eines Geschlechts verknüpft; mit ihm tritt sie oft ganz unvermittelt in eine glänzende Geschichte, trotzdem vielleicht in Sehweite eine gleiche Burg von ähnlicher Bedeutung steht. Auf den Bergen Schlesiens aber gehört die Geschichte zur Landes- entwicklung, die plötzlich, wie die Bolkoburg 1289 durch einen Mongolenzug, in ein Ereignis von landesgeschichtlicher Bedeutung hineingezogen wird. Unter den schlesischen Burgen nimmt die Bolkoburg wegen ihrer Größe, ihres Alters und ihrer imposanten Lage einen hervorragenden Platz ein. Hoch über der Stadt Bolkenhain thront sie in beherrschender Stellung, während sich die Häuser wie hilfesuchend um den Burgberg legen. Ihre festen Basaltmauern haben den Stürmen der Vergangenheit erfolgreich getrotzt, nur im Innern hat die Gleichgültigkeit späterer Geschlechter einzelnes verfallen lassen. Die Anfänge der Burg verlieren fich im Dunkel der Frühgeschichte. Noch zeugen die vier Meter dicken Mauern des gewaltigen Turmes, den man in das 9. Jahrhundert setzte, von einer Zeit, in der das Christentum soeben erst Fuß in Schlesien faßte. In dem erwähnten Mongolensturm sank die Bolkoburg in Trümmer; Herzog Bolko I. von Schweidnitz baute sie dann wieder auf, in der Gestalt, in der sie uns heute im wesentlichen erscheint. Wenige Jahre vor dem Ereignis besuchte sie Rudolf von Habsburg, um hier eine zweitägige Rast zu machen. Später kam sie an die Krone Böhmen, die das feste Schloß wiederholt verpfändete und schließlich verkaufte. Im Schwedenkriege von 1648 hatte es noch einmal eine achttägige Belagerung auszuhalten, um dann in einem geschichtslosen Leben dahinzudämmern. * Blühende Zweige int Winter. Um diese zu erhalten, gibt die bekaitnie populär-naturwissenschaftliche Monatsschrift „Kosmos" folgende Anleitung. Ende Januar schneide man Zweige vom Haselnußstrauch, von der Weide, vom Flteder, vom Pfirsich, Kirschbaum, Schlehdorn, vom Hartriegel, von fcer Roßkastanie und vom Goldregen ab und stelle ste in einem geheizten Raum, am einfachsten tn der Wohnstube oder der Küche, in ein Glas Wasser. Das Wa,ser wrrd alle 3—4 Tage erneuert, und täglich bespritze man bte Zweige mit Wasser. Nach 4—8 Wochen ist das « We^en. Zweigen geschmückt. Am schnellsten entwrcceln stch bte Zweige der Werde, des Hafelnußstrauches, dann folgen Flteder, Hartriegel und die Kirsche; Kastanie und Goldregen brauchen etwas länger Zeit; Mitte März werden sich alle Knospen entfaltet haben. Der Gedanke liegt nahe, daß Zweige, die man früher in die warme Stube bringt, auch früher zur Blüte gelangen; dies ist jedoch nicht der Fall. Zweige, die man z. B. schon int Oktober in die warme Stube bringt, kommen gar nicht zur Knospenbildung, sondern geben zugrunde, und Zweige, die man int Dezember abschneidet, brauchen längere Zeit zur KnospenentfalMng als solche, die man im Januar abschneidet. Ebenso ist Gasbeleuchtung der Knospen-Ent- wickelung hinderlich, weil die Verbrennungsgase schädliche Stoffe enthalten. Es ist also nicht allein die int Winter fehlende Wärme, die die Knospenentfaltung zurückhält, sondern die Pflanzen haben gerade so eine Erholungszeit notwendig, wie die Menschen und Tiere, indem sie schlasen; das beweisen die Versuche, die die Botaniker mit Kartoffeln und anderen Pflanzen angestellt haben. Kartoffelknollen, die man gleich nach der Ernte in Blumentöpfen vor Licht geschützt zum Keimen aussetzt, kommen viel später zum Keimen, als solche Knollen, die man zuerst 4 Wochen lang in einen Eiskeller legt, wo sie abgekühlt werden, wodurch das Leben in der Kartoffelknolle mehr oder weniger zur Ruhe kommt, ähnlich wie bei Menschen uttd Tieren im Schlafe. * DasSchwein. Ein württenMergischer Leser eines großen Blattes schickte diesem kürzlich folgenbeit Originalaufsatz eines vielversprechenden jungen Schriftstellers ein, der zurzeit noch die Gemeindeschule besucht: Das Schwein." Tas Schwein ist ein großes und ein kleines Tier, je nachdem. Es ist auch ein borstiges Tier tmb will oft nicht in den Stall hinein: aber es muß heraus, wenn der Metzger kommt. Der packt es am Fuß und am Schwanz und der Vatter lupft es an den Ohren. Und dann tun sie es auf den Wagen. Wenn das Schwein keine Ohren hat, kann man es nicht lupfen; und deswegen muß die Sau Ohrlappen haben. Die Ohrlappen ißt der Vatter. Das Schwein ist gar ein gutes Tier und läßt sich metzgen. Aber dann tut es arg schreien, weil ihm das Stechen nicht gefallt. Den Herrn Brofiehser tut mein Vatter zur Metzelsuppe einladeit und der Herr Pfarrer kriegt den Saukops. Tetr tut ihm meine Mutter bringen und auch Würste. Ter Schulmeister braucht nichts; der hat immer Händel mit meinem Vatter und tut den Michele so arg verhauen. Christian Dengelmaier. * Paris vor hundert Jahren. Im Januar 1808 zählte Paris 600000 Einwohner. Heute zählt es 2 800000. Im Januar 1808 führte mau die Gasbeleuchtung ein und 300 Feuerbecken beleuchteten das Hospital Saint-Louis unter Anwendung der Erfindungen des Chemikers Darest. Heute verlangt man überall elektrisches Licht. Im Januar 1808 kündigte die Privatpost eine Herabsetzung der Preise und der Fahrtdauer zwischen Paris und Lüttich an: 4 Tage; Fahrt und 67 Franks 50 Cent, die Kosten des Platzes. Heute fährt man vier Stunden. Goldene Worte. Verträumtes ®(ilcf, Versäumtes Glück Kehrt nie zurück. Sanders. * Kein menschliches Institut verträgt seine äußersten Kon- seguenzeu. Vollkommen konsequent vermag ohne Schaden nur em Wesen zu handeln, welches vollkommen weise und heilig ist. * W. Roscher. Herrenlos ist auch der Freiste nicht. Ein Oberhauvt muß sein, ein höchster Richter, Wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit. Schiller. ES ist em unterschied zwischen den Menschen, die wollen, daß die Wahrheit geßmden wird, und denen, die dazu wollen, daß ste selber es sind, welche die Wahrheit ftnden. _____________ Walter CalS. Rätsel. Nimm die Hältte von einem Sperber und ein Stückchen von einem Lineal, und du wirst zu deinem Erstaunen eine Weltstadt erhalten. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des dreisilbigen Rätsels in voriger Nummert Augenblick. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Vuch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießern