n ß Mm^W^ $ ■ f&il Herr Lecoq. W.lWW.l-Roman von E. Gabor:all. Nachdntck Verbote::., (Fortsetzung.) 41. Kapitel. Sn einem großen' Himmelbett, unter feilten Decken schwitzend itnb stöhnend, lag das Orakel, mit den beiden Gesichtem, Tiran- clair von der Rue t>,e Jerusalem, Tabarct von der Rue Saint- Lazare. Wenn man ihn sah, so begriff man, daß selbst seine aller- nächsten Nachbarn niemals auf seine polizeiliche Nebentätigkeit gekommen waren. Mit seiner niedrigen, zurücktretenden Stirn, den großen Ohren, der häßlichen Stülpnase, den kleinen Augen und dicken Lippen, sah Herr Tabaret aus, wie der von allen Karikaturenzeichnern bevorzugte Typus des idiotischen kleinen Rentners. Er selber lachte darüber und freute sich sogar seines Aussehens, das ihm bei seiner Tätigkeit außerordentlich zu statten kam. Beink Anblick der beiden, ihm sehL gut bekannten Polizei- beamtcn funkeltetl Vater Tabarets Augen. Guten Tag, Lecoq, mein Junge! sagte er. Guten Tag, mein alter Absinth! Man denkt also bei euch noch au den armen Papa Tiranclair, das; ihr zu mir kommt. Wir bedürfen Ihres Rates, Herr Tabaret. i Ah, ah! Wir haben uns soeben von einem Schuldverdächtigen übertölpeln lassen — wie zwei Kinder. Alle Wetter! Der Bursche ist also schlau? Sv schlau, antwortete Lecoq mit einem schweren Seufzer, daß ich, wäre ich abergläubisch, sagen würde, es ist der Teufel selber! Was? Ihr habt mit einem geriebenen Kerl zu lull, und ihr beklagt euch? Aber das ist ja gerade ein wunderbares Glück! Wessen beschuldigt man den Mann? Er hat drei Menschen getötet! antwortete der alte Absinth. Oho, oho! sagte Tckbaret in eigentümlich befriedigtem- Ton. Und wo? In einer Schenke, in der Gegend nach Jvry %u._ Schön, ich weiß schon; bei der Witwe Chupin. Ein gewisser Mai. Ich hab's in der Gerichtszeitung gelesen, und euer Kollege Fanferlvt, der mich neulich besuchte, erzählte mir, ihr wäret in großen Schwulitäten, um die Persönlichkeit des Mannes sestzu- stellen. Also du, mein Sohn, hattest die Untersuchung? Nun, um so besser. Du wirst mir alles erzählen, und ich werde dir helfen so gut ich es vermag. Lecoq hatte unterwegs Zeit gehäbt, seine Erzählung vorzn-- bereiten. Er trug also feinen Bericht in größter Klarheit, mit allen Einzelheiten, vor, von dem Augenblick an, wo Gdvwl die Tür der Pfefferbüchse gesprengt hatte, bis zlr dem anderen, wo Mai über die Parkmauer des Hotels de Sairmeuse geklettert war. Mährend Lecoq sprach, fühlte Vater Tabaret aanz gewiß nichts von seinen GWschmrrze'N; er war begeistert, beinah wid verzückt. Oh, daß ich nicht dabei war! murmelte er zuweilen zwischen den Zähnen. Daß ich nicht dabei war! Als der junge Mann fertig war, ließ er seiner Begeisterung freien Lauf. Wahrhaftig, das ist schön! Mit dem einzigen Wort: Diö Preußen kommen! als Ausgangspunkt! Lecoq, mein Junge, ich muß es dir sagen — und du weißt, ich verstehe mich darauf — du hast dich benommen wie ein Engel! Sie meinen wohl, wie ein Dumnikopf? Nein, mein Freund, ganz gewiß nicht. Da sei Gott vor! Du hast mein altes Herz erquickt; jetzt kann ich sterben, ich werde einen Nachfolger haben. Umarmen möchte ich dich im Namen der Logik! Ah, dieser GSvrol, der dich verraten hat — denn er hat dich verraten, verlaß dich draus, und ich werde dich in stand setzen, ihn seiner Perfidie zu überführen — dieser dickköpfig^ halsstarrige General ist nicht wert, dir deinen Hut abzubürsten. Oh, Sie sind gar zu gütig, Herr Tabaret! 916er bei alledem ist Mai verschwunden — und mit meiner Karriere ist's aus, ehe ich sie überhaupt begonnen habe. Der Alte schnitt ein Gesicht wie ein Affe, der eine Nuß knackt. Oh, warte doch! sagte er, ehe du mein Lob zurückweisesß Ich sage, du hast den Fall gut behandelt — aber man hätte ihn freilich besser behandeln können, unendlich viel besser. Das ist auch ganz erklärlich. D-n bist unbestreitbar begabt; dn hast die Witterung, den Blick für den Beruf, du weißt vom Bekanntest auf das Unbekannte zu schließen — indessen dir fehlt die Er- fahrung, du begeisterst oder entmutigst dich um ein Nichts. Mit einem Wort: Du bist jung. Aber sei ruhig, das ist ein Fehler, der ganz von selber und leld-er nur zu früh verschwindet. Also mit einem Wort gesagt: Du hast Fehler gemacht. Lecoq senkte den Kopf, wie ein Schüler, der vor feinem Lehrer stehl. Alle deine Fehler, fuhr der 9llte fort, will ich dir auf« zählen und werde dir beweisen, daß du dir mindestens dreimal die Gelegenheit hast entgehen lassen, diese anscheiuend so verworrene und dunkle, in Wirklichkeit aber so einfache Geschichte ans Licht zu ziehen. Aber Herr... Schscht, mein Sohn! Laß mich auscedeu! Bon welchem Grundsatz bist du ausgegangen? Doch, wohl davon: vor allest Dingen dem Augenschein mißtrauen; immer das Gegenteil vo« dem annehmen, was einem wahr oder auch nut wahrscheinlich vorkommt. Ja, das habe ich mir allerdings gesagt. Und mit Recht! Damit hättest bu zur Wahrheit gelangen müssen. Aber du bist jung, wie ich schon sagte, und bei dem ersten sehr wahrscheinlichen Umstand, der dir in de» Weg fontm^ hast du deinen Grundsatz völlig vergessen; wie ein Fisch au der Angel, hast du dich am ersten fette» Köder fangen lassen. Mir scheint, so einfältig bin ich doch nicht gewesen, sagte Lecoq empfindliche Bah! Was hast dir denn gedacht, als man dir mitteilt^ 146 daß der RrttevfuchuuMrichter d'Escorval sich das Bein gebrochen habe? Nun, ich habe geglaubt, was man mir erzählte, das gestehe sch offen; und ich glaube es, weil . . . Er suchte nach Worten; Papa Tirauclair lachte laut aus und rief: Du hast es geglaubt, weil es außerordentlich wahrschein- !ich war. Was Hütten Sie denn an meiner Stelle angenommen? Das Gegenteil von dem Gesagten! Ich hätte mich vieh- Seld)t geirrt, aber ich wäre jedenfalls konsequent geblieben. Was? rief Lecoq ganz verblüfft. Sie vermuten also, daß Herrn d'Escorvals Sturz erdichtet ist, daß er sich nicht das Bein gebrochen hat? Papa Tabarets Gesicht wurde plötzlich ernst: Ich vermute es nicht; ich bin dessen gewiß, ich würde einen Eid darauf ablegen! Ich glaube, das wäre kühn! Wer wozu denn eine solche Komödie? Tabaret streckte die Arme gen Himmel. Wie? rief er, du? Du, in dem ich Meinen Nachfolger erblickte, du richtest eine solche Frage an mich? Denke doch ein bißchen nach! Brauchst du ein Beispiel, um deinem Verständnis zu Hilfe zu stimmen? Meinetwegen. Nimm mal an, du seiest Richter. Es ist ein Verbrechen begangen, man betraut dich mit der Nutersuchung, und du begibst dich zum Angeschuldigten, um ihn zu verhören. Schön. Dieser Angeschuldigte hatte bis dahin zu verhindern gewußt, daß man ahnte, wer er war. Sa liegt doch unser Fall, nicht wahr? Nun, was tätest du, wenn du auf den ersten Blick unter einer Verkleidung deinen grimmigsten Feind oder deinen besten Freund erkenntest? Die Frage war nicht leicht zu beantworten; Lecoq dachte Zange nach. Ach, rief der alte Absinth, ich würde nichts verraten. Möchte rr mein Freund oder Feind sein, ich würde vollkommeir neutral bleiben. Auch ich würde schweigen, antwortete endlich Lecoq . . . Und itorf) einer Pause setzte er hinzu: Also sind Sie der Meinung, Herr Tabaret, daß Herrn d'Escorval die Persönlichkeit des an- Keblichen Mai bekannt ist? Vater Timuclair richtete sich mit einem Ruck im Bett auf Md rief: Daran zweifelst du? zweifelst du wirklich? Welche Beweise Kerlangst du beim? Wie kommt es denn, daß der Beinbruch des Richters und der Selbstmordversuch des Angeklagten zusammeu-- fallen? Ich war nicht selber da, wie du, aber ich kann dir sagen, wie die Szene sich abgespielt hat; mir ist, als stehe sie mir deutlich vor den Augm. Also höre: Herr d'Escorval kommt, nachdem er mit der Untersuchung in der Chupiuschen Schenke fertig ist, nach dem Untersuchuugs- tzefangnis und läßt sich Mais Zelle aufschließen. Die beiden Männer erkennen sich. Wären sie allein gewesen, so hätten sie sich vielleicht ausgesprochen, und die Angelegenheit Hütte eine Andere Wendung genommen. . . vielleicht hätte sich alles beilegen lassen. Aber sie waren nicht allein: der Protokollführer war als Dritter zugegen. Sie haben sich also nichts gesagt. Beim Herausgehen hat d'Escorval gedacht: Nein, ich Ann nicht der Richter dieses Mannes sein, den ich hasse! Also denken Sie, unterbrach Lecoq den altert Herrn, daß d'Escorval und unser Mai Feinde sind? Alle Wetter, ja! Das ist ganz klar. Wenn sie Freunde wären, so hätte der Richter wahrscheinlich seine Komödie mit dem Beinbruch gespielt, aber der Angeklagte hätte nicht sich zu erdrosseln versucht. Doch weiter. Was erfolgt am nächsten Morgen? Anstatt des Herrn d'Escorval erblickt der Angeschuldigte den aus- Sezeichueten Herrn Segmüller. Er ist überrascht, er erkennt den Melmut seines Feindes — den er für unversöhnlich gehalten hatte. Damr steigt ein Lächeln der Hoffnung auf seine Lippen: d'Es- rorval hat fein Geheimnis nicht verraten, er kann sich vielleicht Noch retten, seine Ehre und sein Name können unversehrt Ms dem Abgründe der Schande hervorgehen. Ganz außer sich vor Begeisterung sprang der alte Msinth pvn seinem Stuhl auf und rief: Kreuzhmmreldoimerwetter, so ist es. Jawohl, so ist es! Lecoq sagte nichts, aber seine Beistimmung stand ihm nicht stetiger deutlich auf dem Gesicht geschrieben. Eine gute Minute lang genoß Vater Tabaret seinen Triumph. Dann fuhr er fort: Nun zu den verschiedenen Schnitzeln, die du gemacht hast, wein Sohu. Nur der Vollständigkeit wegen erwähne ich deine MWUigkeit, daß ibn sticht sofort aus dep Tugend-Toni alles herausgebracht hast, was sie wußte. Mesen Fehler hast du j Stunden, von 11 Uhr vormittags bis %2 Uhr nachmittags. Trotzdem war Owen imstande, nach der Operation ohne Hilfe sich zu erheben, und nachdem er zwei rohe Eier und eine Unze Eognae zu sich genommen hatte, verließ er das Hospital so frisch und kräftig, als er es betreten hatte, die mit seinem Blut erkaufte 10 Dollarnote sorglich in der Brieftasche verwahrend. * Nene japanische Leckerbissen. In der großen Pariser Chrhsanthemen-Ausstellirng, die anläßlich des europäischert Jubiläums des Ehrysanthemums vor kurzem eröffnet worden ist. fommeit nicht nur die Blumenfteukde zu thront Rechte: auch der Gourmet, der den Kreis seiner leckeren Genüsse zu erweitern; strebt, kann an den üppig blühenden Blumenfternen sich erfreuen) denn in Japan züchtet man das Chrysanthemum nicht allein, um die Gärten und die Häuser damit zu schmücken, auch iu der Küche spielt es eine Rolle und aus gewissen Varietäten der Blume wissen japanische Köche einen delikaten Salat zu bereiten, der den Europäern bis heute noch so gut wie unbekannt geblieben ist. Aber es gibt lwch ein anderes Gericht, das die japanischen Fein- chmecker über alles stellen und das jetzt auch in Europa eilige» ährt wird und in kurzer Zeit seinen Platz auf den Menüs der ashionablen Restaurants erobern wird. Es handelt sich um eine 'leine, in den Farben des Opals schimmernde Wurzel, die insbesondere in der Umgegenv von Tokio in großem Umfange, gezüchtet wird und die der Botanik als Oxalis esculenta bekannt ist. Die Wurzel hat einen zarten eigenartigen Geschmack, der bei sorgfältiger Zubereitung das Entzücken aller Feinschmeckev bildet. Die Pflanze liefert im Sommer reizende kleine Blumen- die als Tischdekoration dienen, im Herbst aber beginnt dann die eigentliche Saison der Oxalis, die Zeit, da die Köche die unscheinbaren Wurzeln zu einem besonderen Leckerbissen Herrichten, * Schlagfertig. „Du, der Maier hat mich gestern einen arroganten Kerl g'heißeu." — „Weißt du denn, was das ist?^ — „Nein, aber ich hab' ihm für alle Fülle eine herunter gehauen." * A n s ch aulich. „Haben Sie je ein so ausdrucksloses Gesicht gesehen?" — „Nein; es ist wirklich so ausdruckslos, daß die Automobilbrille es nur veredeln tarnt." MeilMchtS-UreisrMsel für die Jugend, Um unseren jungen Lesern eine Freude zu machen, haben wir uns entschlossen, auch in diesem Jahre ein Preisrätsel auszuschreiben. Nun sind aber durch die Ungeschicklichkeit eines Setzerlehrlings die einzelnen Worte des Rätsels durcheinander geraten, und ihr niüßt euch nun bemühen, bte richtige Wortfolge herauszurcchnen. Vielleicht geht es, wenn man die Wörter mit einer bestimmten Zahl durchzählt, indem man mit dem ersten beginnt, vielleicht ist es aber auch auf andere Art möglich. Bei einigem Nachdenken und ein bischen Geschicklichkeit wird es wohl nicht allzu schwer sein. Die richtige Zusammenstettung des Gedichtes ergibt dann das eigentliche Rätsel. Als Preise haben wir eine Anzahl hübscher Geschenke ausgewählt, die euch sicher viel Freude bereiten werden. Die Lösungen sind bis zum 17. Dezember an die Redaktion der Gießener Familienblätter eutzusenden und müssen außer der Lösung die Wohnung (Ort, Straße und Hausnummer) enthalten. Rätsel. Das durchsegelt kühnem der ewiges das kommt ist Trug Slerngewand das ist die zugleich Freudeiest arm reich ratet ihr was das meinen erste in Flug Lüste Meer zweite es kein im daher ganze wie dritte ein für und nun einmal Kleinen mag Rätsel. K. N, Magisches Dreieck, i In die Felder nebenstehender Figur stu^ ___I die Buchstaben addddeftillooe® derart eiuzutragen, daß die einander ent« ----- sprechenden luagerechtcn und senkrechten Reihen gleichlautend'Folgeudes bedeuten; --—' 1. Männlichen Vornamen, 2. Sagenhafte Königin, 3. Ein Gedicht. 4. Teil von Lothringen. 6. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Kryptogramms in voriger Nummer: Noth lehrt beten» Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck unt Verlag der Brühl'scheu UntversuatS»Buch- und Stetudruüeret, St, Lange, Gießen.