1908 Mittwoch dm 28. Oktober BW W s m lll de WM Herr Lecoq. Kriminal-Roman von E. Gaborran. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Ei, ich rede mir ja die Seels aus deins« Leibe, um' Ihnen M sagen: Ich bin Mai. Nein! Was soll ich denn sein? Ein berfteibeteti großer Herr? Ah, das wäre Mir nicht unangenehm. In diesem Falle hätte ich gute Papiere, ich würde sie Ihnen zeigen, und Sie würden Mich freilassen. . . denn, das wissen Sie ja recht wohl, mein Unter Herr, daß ich so unschuldig bin, wie Sie selbst. Der Richter war von seinem Schreibtisch äufgestanden, und hatte sich, zwei Schritt« vom Angeklagten entfernt, an den Kaminsims gelehnt. Sprechen Sie nicht weiter! sagte er. Und sogleich fügte er, in gänzlich anderem Ton, mit der vollkommenen Gewandtheit eines! Weltmanns, der mit einem seinesgleichen spricht, hinzu: Erweisen Sie mir di« Ehre, mein Herr, und tarnen Sie mir so viel Scharfsinn zu, um unter der schwierigen Rolle, die Sie mit einer mich untröstlich machenden Gewandtheit spielen, einen überlegenen Menschen zu erkennen, einen Menschen, der mit den seltensten Fähigkeiten begabt ist. Lecoq sah deutlich, wie diese plötzliche Veränderung des Tons den Mörder außer Fassung brachte. Mai versuchte zu lachen: aber das Lachen blieb ihm in der Kehle stecken, es entrang sich ihm nur ein trauriger Laut, einem Schluchzen gleich, unb zwei Tränen quollen aus seinen Augen Hervor. Ich werde Sie nicht länger quälen, mein Herr, fuhr Seg- müller fort. Wenn ich mich übrigens mit Ihnen noch weiter auf dem Gebiet kuifflicher Fragen messen wollte, so würde ich den kürzeren ziehen, das gestehe ich in aller Bescheidenheit. Ich werde den.Angriff erst erneuern, wenn ich genug Beweise in der Hand halte, um Sie mit dem Gewicht derselben zu erdrücken . . . Er hielt nachdenklich einen Augenblick inne, dann fuhr -er langsam, rind jedes Wort betonend, fort: Erwarten Sie jedoch alsdann von mir nicht, Mehr die Rücksichten, die ich Ihnen in diesenr Augenblick so gerne bewilligen würde. Die Justiz ist menschlich, mein Herr, d. h. nachsichtig gegen gewisse Verbrechen. Sie kennt die tiefen Abgründe, in die ein Mensch stürzen kann, den seine Leidenschaft irre führt. Ich verspreche Ihnen jede Schonung-, die nicht gegen meine Amts^ -pflicht verstoßen würde. Sprecherr Sie, mein Herr! . . . -L-oll ich deir hiev anwesenden Kriminalbeamten hinausschicken? Wünschen Sie, daß ich meinem Protokollführer irgend eine Besorgung auftrage? Segmüller schwieg. Er wartete auf den Erfolg dieser letzten äußersten Bemühung. Der Mörder durchbohrte ihn Mit einem jener Blicke, die auf dem Grunde der Seele zu lesen scheinen. Seine Lippen btt wegten sich: man konnte den Glauben hegen, er werde sprechet Aber nein! Er kreuzte die Arme auf der Brust und murmelter Sie sind sehr anständig gegen mich, Herr Richter. Un-s glücklicherweise bin ich bloß der arme Teufel, wie ich Ihnen gesagt habe: Mai, Artist, dessen Beruf es ist, zum Publikum zu sprechen und das „Kvmpliment" zu machen. So geschehe es denn nach Ihrem Willen, sagte der Richter traurig. Der Herr Sekretär lvird Ihnen Ihre Vernehmung vor- lesen. Hören Sie zu. Goqnet begann sofort zu tcfen. Der Angeklagte hörte zu, ohne Bemerkungen zu machen. Schließlich aber weigerte er sich doch, das Protokoll zu unterzeichnen, indem er erklärte, das Geschreibsel könnte ihm irgend einen heimtückischen Streich spielen. Einen Augenblick darauf hatten Polizeisoldaten ihn abgeführt und brachten ihn nach dem Untersuchungsgefängnis zurück. 22. Kapitel. Sobald der Angeschuldigte hinausgeführt war, sank Segmüller ganz erschöpft in seinen Lehnstuhl, tauchte sein Taschentuch in kaltes Wasser und benetzte sich damit die glühende Stirn und die brennenden Augen. Das Verhör hatte nicht weniger als sieben Stunden gebauert. Der lächelnde Protokollführer, der während dieser ganzest Zeit hinter seinem Tisch gesessen und geschrieben hatte, stand auf, um seine steifgeworbenen Glieder wieder etwas gelenkig zu machen. Er hatte sich übrigens nicht gelangweilt. Die Dramen, die er seit so mancheir Jahren vor seinen Augen sich abspielest sah, hatten für ihn ein beinahe theatralisches Interesse, das durch das Bewußtsein, selbst ein wenig an ihrer Entwicklung mitzu- arbeiten, noch eine besondere Würze erhielt. Was für ein Kerl! rief er, nachdem er vergeblich auf eine Äußerung des Richters oder der Kriminalbeamten gewartet hatte. Was für ein Halunke! , , $ür gewöhnlich schenkte Segmüller der langjährigen Erfahr rung seines Goqnet ein gewisses Vertrauen. Es war sogar schon vorgekommen, daß er ihn um seinen Rat fragte, so etwa in der Art, wie Molitzre bei der Abfassung seiner Komödien auf die Meinung seines Dienstmädchens hörte. MeV diesmal konnte er seiner Ansicht nicht beipflichten. Nein, sagte er nachdenklich. Nein, der Mann ist kein ScyelM. Als ich so freundlich zu ihm sprach, war et wirklich ergriffen -- er hstt geweint. Ich möchte darauf schwören, er hat geschwankt, ob er mir nicht alles gestehen solle . . . Und, wissen Sie, Herr Lecoq, was aus Ihren sehr richtigen Schlußfolgerungen her- vorgeht? Ich bin begierig, Ihre Meinung zu hören, Herr Richter. Nun, in kurzen Worten. Dieser Mann ist enttoeber wirklich Mai, der Jahr-marktskünstlcr, der „das Kompliment 31t drechselst hat", wie er sagt, oder er gehört den höchsten gesellschaftlichest Kreisen an. Ein Mittelding gibts nicht. Nur aus den untersteh oder auf den obersten Stufen der Gesellschaftsordnung trifft mast die von ihm an den Tag- gelegte düstere Tatkraft, diese LebenÄ- Verachtung, so viele GcistesgegenwaM und EuUMMsstnheit. Eist — 674 gewöhnlicher Bürgersmann, der durch eine jener Leidenschaften, Von denen man nicht gerne spricht, sich in die „Pfefferbüchse" hätte verlocken lassen — ein solchen Bürgersmann hätte längst gestanden und verlangt, daß ihm eine Pistole *) angewiesen würde. Mer', Herr Richter, der Angeklagte ist nicht der Gaukler Mail sagte Lecog. Nein, gewiß reicht! Sie müssen also selber zusehen, in welchem Sinne Sie die Nachforschungen zu lenken haben. Er lächelte freundlich und fuhr in seinem liebenswürdigsten Tone fort: War es nötig, Ihnen das noch besonders zu sagen, Herr Lecog? Nein, denn Ihnen kommt die Ehre zu, die Täuschung erkannt zu haben. Ich selber, ich gestehe es offen, wäre in diesem Augenblick Von dem großen Betstellungskünstlet übertölpelt worden, wenn sch nicht durch Sie gewarnt wäre. Der junge Kriminalbeamte verneigte sich bescheiden; aber das ganze Glück geschmeichelter Eitelkeit leuchtete aus seinen Augen, die heller glänzten als zwei Karfunkel. Sofort jedoch siel ihn» «in, daß eine Befriedigung ein wenig voreilig, und daß der Erfolg noch höchst zweifelhaft wäre. Der Gedanke an das Gleichnis von beut zu früh verkauften Bärenfell gab ihm sofort seine ganze Kaltblütigkeit wieder, und er bemerkte in ruhigem Ton: Herr Richter, mir ist etwas eingefallen. Nun, was denn? Die Witwe Chupin, Sie werden sich dessen ohne Zweifel ev- iNnern, hat uns von ihrem Sohtt gesprochen, einem gewissen Polyte. Ja, richtig. Der Bursche, ein abscheulicher Geselle, hat Erlaubnis erhalten, bis zur Aburteilung seines Falles im Untersuchungsge- süngnis verbleiben zu dürfen. Warunt sollte man ihn nicht verhören? Er muß alle Leute kennen, die in der „Pfefferbüchse" Verkehren und könnte uns vielleicht über Gustave, über Lacheneur und über bett Mörder selbst wertvolle Aufschlüsse geben. Da er Nicht in einer Einzelzelle sitzt, so hat er wahrscheinlich bte Verhaftung seiner Mutter bereits erfahret!, aber es scheint mir unmöglich, baß (er von bev Ungewißheit, die uns quält, eine Ahnung hat. Ah, Sie haben hundertmal recht! rief der Richter. Daß ich daran nicht schon selbev gedacht habe. Gleich morgen früh will ich den Menschen vorführen lassen, der in seiner Eigenschaft als Angeschuldigter jedenfalls leichter zu bearbeiten fein wird, als Wenn er frei wäre. Ich will auch feine Frau vernehmen. Er wandte sich zu seinem Sekretär unb rief: Schnell, Goquet, fertigen Sie eine Vorladung auf den Namen bet Frau Hyppolyte Chupin aus, außerdem einen Vorführungs- hefehl für den Mattn. Es war schon dunkel geworden, man sah nicht mehr genug, um schreiben zu können, dev Sekretär schellte und befahl Licht |tt bringen. Als bet Gerichtsdicner, der die Lampen brachte, gerade wieder hinausgehen wollte, klopfte cs an die Tür. Er öffnete und der Direktor des Untersuchungsgefängnisses trat ein. Seit vierundzwanzig Stunden beschäftigten die Gedanken des Würdigen Beamten sich stark mit dem geheimnisvollen Gast, der keine Einzelzelle Nummer 3 bewohnte, und er wollte sich nach beit näheren Umständen erkundigen. Ich möchte Sie fragen, Herr Richter, begauir er, ob ich beit Angeschuldigten Mai noch ferner in strenger Einzelhaft halten soll. Ja. Ich habe Mr einige Befürchtungen wegen feiner Wutausbrüche ; andererseits widerstrebt es meinem Gefühl, ihm wieder die Zwangsjacke anzulegen. Lassen Sie ihn frei in seiner Zelle, sagte Segmüller, legen Sie den Wärtern ans Herz, daß sie den Mann freundlich behandeln, und beschränken Sie sich darauf, ihn unausgesetzt be- vbachten zu lassen. Der Direktor verneigte sich; dann sagte er: Ohne Zweifel, Herr Richter, ist es Ihnen gelungen, die Persönlichkeit des An geschuldigten festzustellen? Leider, nein! Der Direktor schüttelte mit schlauer Miene den Köpf und bemerkte: Dann waren also meine Vermutungen richtig. Es scheint mir überreichlich bewiesen zu sein, daß der Mann ein Verbrecher von bet schlimmsten Sorte ist, ganz gewiß ein Rückfälliger, der das mächtigste Interesse baran hat, seinen wahren Namen zu verbergen. Sie werden sehen, mein Herr, wir haben es mit *) So nennt man in den französischen Gefäuguisscn die Zimmer der Arrestanten mit Selbstbeschäftignng und Selbstverpflegung. einem zu lebenslänglicher Zwangsarbeit Berurteilken zu tun, der aus Cayenne entflohen ist. Vielleicht irren Sie sich. Hm, das sollte mich sehr wundern. Ich muß gestehen, meine Meinung ist. die von Herrn Gbvrol, dem erfahrensten und geschicktesten aller unserer - Ktziminalinspektoren ausgesprochette. Es kommt ja manchmal vor, daß zu junge und zu eifrige Beamte sich etwas in den Klopf setzen und den Hirngespinsten ihrer Einbildungskraft n a chrennen. Lecog wurde ganz dunkelrot vor Zorn und wollte ohne Zweifel eine scharfe Antwort geben, doch Segmüller gebot ihm mit einer Handbewegung Schweigen und erwiderte dem Direktor lächelnd: Wahrhaftig, lieber Herr, je mehr ich den Fall studiere, desto mehr leuchtet Mir die Annahme des „übereifrigen" Beamtctr ein. Indes bin ich ja nicht unfehlbar und iverbe Ihnen für Ihre Dienste recht dankbar sein. Oh, ich habe meine Mittel, die Wahrheit herauszubringen, versetzte der hartnäckige Direktor, und ich hoffe bestimmt, daß unser Mann binnen vierundzwanzig Stunden mit aller Sicherheit erkannt ist, entweder durch die Beamten der Kriminalpolizei oder durch Mitgefangene, denen wir ihn zeigen Werbern Mit diesen Worten entfernte bet Direktor sich. Lecog sprang wütend von seinem Stuhl auf und rief: Sehen Sie, Herr Richter? Dieser Gsvrol! Schon spricht er schlecht von mir, er ist eifersüchtig! Nun, was macht Ihnen das aus? Wenn Sie recht haben, so ist das Ihre beste Rache. Mißlingt Ihnen der Beweis, so bin ich da, um Sie in Schutz zu nehmen. Da es schon spät war, so beeilte der Richter sich, dem jungen Beamten die Beweisstücke einzuhändigen, die er bei seinen Nachforschungen nötig hatte: zunächst den Ohrring, dessen Herkunft unbediitgt aufgefunden werden mußte, dann bett mit dem Namen Lacheneur unterzeichneteit Brief, der in der Tasche des falschen Soldaten Gustave gefunden worden Ivar. Er gab ihm noch ver- fdjiebene andere Aufträge, sagte ihm, er möchte am nächsten Morgen ja recht pünktlich zur Stelle fein und entließ ihn mit den Worten: Gehen Sie . . . und viel Glück. lFortsetzung folgt.) Wilhelm Busch im neuen Lichte. Für beit echten Künstler beginnt ein neues Leben nach seinem! Tode. Die Nachwelt erst gewinnt den rechten Standpunkt zu ihm; die feineren Uebcrgänge feiner Entwicklung, die intime und ganz persönliche Art feines Fühlens treten aus Dokumenten hervor, die er selbst sorgfältig der Oeffentlichke.it verbarg und bte nut» fein Nachlaß aus Licht bringt. Wilhelm Busch, der sich so streng unb konsequent abschloß gegen die Welt und nie einen! Einblick in seine Werkstatt, in die Geschichte seines Schaffens Prozesses gestattete, erscheint so nach seinem wöbe in neuem Licht. Wir entdecken jetzt neben dem Zeichner, den genialen Maler Busch, den eine schöne Ausstellung seiner Werke allgemein bekannt macht. Er selbst wollte ja eigentlich all seine Gemälde verorannt wissen, aber es haben sich doch noch an die 150 erhalten, und fte lassen einen Meister breiter impressionistischer Malerei erkennen, der auf den Spureir des Frans Hals zu enter großzügig andcuteu- I den, alles, Lebendige prachtvoll heraushvlcnden Knust kam, nm r die ihn die Modernsten beneiden können. Dann taten sich! Buschs Studien- und Slizzenmasfen auf und gaben aus bet Fülle von t < Entwürfen und Handzeichnungen die herrlichsten Beispiele uw- I ; sehlbar treffender Beobachtung mit Feder und Bleistift her. Erne : Anzahl dieser Handzeichnungen ist bereits in einer schönen Pulte < < kation borgelegt worben. Und endlich brachte fein Nachlaß noch eine nette UeberraschMg: ein völlig fertiges Werk, mit dem ! ' nachdenklichen Titel „Hernach", eine letzte Zusammenfassung- feine« Weltanschauung in bunten Bildern und launigen Versen. Am persönlichsten aber gibt sich dieser Künstler-Philosoph, der allen» s i siibiektiven Btzöennen so abhold war und sich so völlig mnterk feinen Merken versteckte, daß man fein Wesen und Wollen laug« ] Zeit ganz verkennen konnte in seinen Briefen. Hier redet er so warm, so herzlich -zu uns wie nie bei feinen Lebzeiten; hier entfüllt er uns Kern- und Innerstes feinet Art. Wilhelm Busch ist ja nicht nur ein Meister des Stifts, fondern auch bet Sprache. Wem die unvergleichlichen Verse seiner ivmiichei» Epen von „Max und Moritz" bis zum „Maler Kleckfel" mit wonnesam kitzelnder Hand über Ohr und Zwerchfell dahmgleiten, bet wird sich Über die Ursache ihrer grilleiismeuchenben Wirkung | wohl kaum viele Gedanken machen. Oder er wird denken:_ bet» I artige kunstlos-triviale Sachen Stute im Grunde jeder tabrt-, I zieren. DaS tote aber ein großer Irrtum. Weint bet einem bet Ausspruch „le style estst l' Homme" znttifft, so tsts Wilhelm Busch. Ihm ist die Sprache in bev Tat bet Ausdruck seines innersten Msens. Er hat aus beit Komponenten verton- kicher, künstlerischer und philosophischer Eigenart heraus eme durch- aus neue Stilform entwickelt, die zwar! in bet Schule nicht ge- 675 feilt eine Lokalpoeten zur Verfügung gestellt wird. Die A e t i e u -- Bä ck e r e i. Der Bäcker ist nun übel d'ran, Kann seinen Ladew schließen; Was er der Menschheit Leid'S gethan. Darob mutz schwer er büßen I, Die gölbneii Zeiten sind vorbei, Er kann sie nur beklagen, Ich rui's int Liede sroh und frei: Sein Stündlein hat geschlagen! — Boll Eifer sieht man, stolz und kühn, . Sich Actien-Bäcker einen, And segenreich dem edlen Müh'n Des Himmels Sonne scheinen ! Herbei! herbei mit Muih und Krast, Herbeil zum schönen Bunde! And wer des Edlen gerne schafft, Dein sey dies frohe Kunde, Wir veröffentlichten kürzlich ein kleines' Anfsätzchen über _____ Aktienbäckerei, die im Jahre 1847 von Gießener Bürgern gegründet worden war, um sich gegen die hohen Brotpreise zu verwahren. Hierauf bezieht sich das folgende Gedicht, das uns von einem Nachkommen eines damaligen Gießener lehrt werd, die «der, soweit die deutsche Zunge lli.it 9f, bewußt »der unbewußt nachgeahmt wird, unserer aller Denkart beeinflußt und in den deutschen Humor eine vollkommen neue Farbe und Heue Note eingefügt hat. Ihre Wirkungen beruhen vornehmlich auf einer künstlerisch bewußten Verwertung trivialer Verstellung^ werte, Wert-, Klangverbindungen. Sie leuchten in verfeinerter Form aus seinen viel $u wenig bekannten Gedichtsammlungen „Kritik des Heyens" Usch' „Zu guter-Letzt" wie durch' eine Kieselhaut schimmernde Edelsteine. Diese eigentümlich knorrige, ebenso drastische wie Plastische Darstellungsweise atmen auch die Briefe pon denen ein wichtiger Teil, an die in Mainz wohnende Maria Anderson gerichtet, vorliegt. Allein schon ihrer Form wegen ivtrb man diese köstliche Sammlung den Werken des großen Humoristen anrieihen müssen. Nicht minder wertvoll sind sie durch ihren Inhalt, der uns einen Einblick, zwar nicht in das lünst- leriskhe Schaffen, wohl aber in die philosophisch schürfende Denk- und Empstndungsweise des großen humoristischen Weltweisen geben. Frau Marie Anderson ist eine! Holländerin. Die Korrespondenz zwischen ihr und dem im Briefschreiben sehr zurückhaltenden Busch entspann sich durch eine Anfrage, die Frau Anderson im Januar 18 ko an Busch wegen einer iHv unverständlichen Stelle seiner damals erichienenen Gedichtssammlung „Kritik des Herzens" rich- tete. Dres Buch lag dem durch seine komischen Bersepen damals schon berühniten Humoristen besonders am Herzen, und so ent» -vickelte sich zwischen ihm und der holländischen Schriftstellerin W vom Januar 1875 bis August 1878 dauernder Briefwechsel. Wie die omden Gedichtbücher und' manche Stelle feinen unsterb- lr-heir Bersepen erkennen lassen, steht die Weltanschauung Buschs vorwiegend unter! Schopenhauers Einfluß, Die Briefe sind zu einer Zeit entstanden, als dieser besonders stark war. Sie zeigen uns, ww iiitermudlich Busch über den tiefsten Problemen des Dasenw arnbelte, tote er sie als vorsichtig tastender Denker ans den Zwiebelschalen der Erscheinungswelt herauszuschälen versucht und dem geipiirten Kern durch die scheinbar zwanglos hinge- plauderte Sprachform »ne wundervolle ä jour-Fassung gibt. Wille, Aoochnt, Rvttoendigteit, Weltschmerz', Erbsünde, Schuld, Tod, litt» sterblichkeit, Seelenwanderung: das sind die in den Briefen immer «nmrv wechs.elndec Durchleuchtung erörterten Fragen. kann ich hier Nicht emgehen, es hieße dem Ganzen S'Ä Mnßeit. Km- für die originelle Form einige Beispiele. rüvJit 'i'vVL IJvlpI- vy ♦ , - ".'D» Gedanke an den Tod scheint mir deshalb meistens so verdrießlich, weil der Einem die Laterne auspustet und Einen in eine neue .Wit steckt, von der man nicht tojeiß, ob sie besser! ist als die, welche man ausgezogen." Bon der Seelenwanderung: „Jede Geburt ist Wiedergeburt. — Warum wissen wir nichts Mehr von unserem Vorleben? Weil wir „Lethe" tranken, als wir starben, so gut, toie tote Lethe trinken müssen, wenn wir Der Säugling hat seine Leib- und son- ch dev Schopenhauer Freund Busch mehrfach d»e Frauen. Ihre Schwächen sind ihm nicht verborgen, aber t c-n s kvrrd er gerecht. Er ist durchaus fein Weiber- 6niiti wie dev Weise von Frankstirt. Er sckstlt ihn wegen seiner li.y rrr urr "rTC. .... ‘s.... < i: . . / ... L.v> . , '> »kl ti l UlNbaitel , gibt mit sollen der Lieoe zn Mutter und Schwester Ausdruck und «?